Living in a City  —  Reports aus Berlin     – Zum Report 3 khd
Stand:  1.8.2011   (14. Ed.)  –  File: Bln/Ex/Bln_Bau_der_Mauer_1961.html


Diese Seite ist Teil eines Berlin-Reports zum Bau der Mauer von 1961.

Dokumentiert ist hier der ungekürzte Text und einige Fotos aus einer Broschüre, die der Senat von Berlin im Herbst 1961 unter dem Titel „Es begann am 13. August...“ herausgegeben hat. Die Bildlegenden wurden hier redaktionell zugefügt. Sie sind in der Senats-Broschüre nicht enthalten.

Mit starken Worten prangert darin der West-Berliner Senat die unmenschliche Teilung der Stadt an. Vergessen darf man aber nicht, daß damals der Mauerbau mitten in den Wahlkampf zum Bundestag platzte, in dem Willy Brandt (Regierender Bürgermeister von West-Berlin) erstmals Spitzenkandidat für die SPD war. Die Teilung der Stadt sollte 28 Jahre bis 1989 andauern.


13. August 1961 — Zum Bau der Berliner Mauer


      Cover der Senats-Broschüre „Es begann am 13. August...“ von 1961
^   Verkleinertes Deckblatt der Broschüre des (West-) Berliner Senats vom Herbst 1961 zum Bau der Mauer quer durch Berlin durch die „Deutsche Demokratische Republik“ (DDR).   (Alle Repro: 10.1.2001 – khd)



      In der Zeit vom 13. bis zum 23. August 1961 begann in Berlin ein neues Kapitel der Auseinandersetzung zwischen Freiheit und Diktatur, zwischen westlicher Welt und kommunistischem Machtbereich. Die am 27. November 1958 vom Kreml willkürlich vom Zaun gebrochene Krise um Berlin [Ed: Chruschtschow- Ultimatum mit merkwürdigen Folgen] trat in diesen 10 Tagen in ihr akutes Stadium.


In ein Konzentrationslager . . .

      verwandelten die kommunistischen Machthaber Ostberlin und die Sowjetzone, als sie in den frühen Morgenstunden des 13. August 1961 die Sektoren- und die Zonengrenzen nach West-Berlin unter dem Schutz schwerer Panzer sowie bewaffneter „Volks“-polizisten und -armisten mit Betonpfählen, Stacheldrahtverhauen und Spanischen Reitern abriegelten. Die jeder Menschlichkeit hohnsprechenden und bestehende interalliierte Abmachungen über ganz Berlin brechenden Willkürmaßnahmen wurden mit Rückendeckung der Regierungen der Mitgliedstaaten des Warschauer Paktes unternommen, die in einer am gleichen Tage
      Letzte Chance zur Flucht
^   Ein Foto, das um die Welt ging. Ein DDR-Soldat springt über den Stacheldraht in die Freiheit.
veröffentlichten Erklärung „vorgeschlagen“ hatten, „an der West-Berliner Grenze eine solche Ordnung einzuführen, durch die (...) rings um das ganze Gebiet West-Berlins, einschließlich seiner Grenze mit dem demokratischen Berlin (Ostberlin), eine verläßliche Bewachung und eine wirksame Kontrolle gewährleistet wird“.

      In einem Beschluß des sogenannten Ministerrates der sogenannten DDR unter dem Datum des 12. August wurde mitgeteilt, an den Sektoren- und an den Zonengrenzen West- Berlins werde „eine solche Kontrolle (...) eingeführt, wie sie an den Grenzen jedes souveränen Staates üblich ist“. Der Quasi-Staat „Deutsche Demokratische Republik“, der weder ein Staat noch eine Republik und am allerwenigsten demokratisch ist, hat somit auf fremden Befehl mitten durch Berlin eine „Staatsgrenze“ gezogen.

Unbarmherzig zugeschlagen . . .

      wurde den Flüchtlingen aus Ostberlin und aus der Sowjetzone, die bis zum 12. August 1961 täglich zu Tausenden nach Berlin kamen, durch diese kommunistischen Willkürmaßnahmen das Tor zur Freiheit. Menschliche Bindungen, die in dieser ohnehin zweigeteilten Stadt noch existierten, wurden rücksichtslos zerrissen, der durchgehende U- und S-Bahn- Verkehr unterbunden. Bewohnern Ostberlins und der Sowjetzone wurde das Betreten des freien Teiles der Stadt praktisch unmöglich gemacht. Zehntausenden von ihnen wurde verboten, ihrer Arbeit in West-Berlin nachzugehen, die sie in vielen Fällen seit Jahrzehnten schon ausübten. West-Berlinern – jedoch ausschließlich solchen, die den Kommunisten als „friedliche Bürger“ erschienen – wurde das Betreten Ostberlins nur gestattet, wenn sie menschenunwürdige Kontrollen und Durchsuchungen über sich ergehen ließen; das gleiche galt für westdeutsche und ausländische Besucher.

Bau der Mauer in der Zimmerstraße      
^   Im ehemaligen Zeitungsviertel in der Zimmerstraße wächst die Mauer.
      Potsdamer Platz
^   12. August 1961: Blick auf den Potsdamer Platz.
18. August 1961: Blick auf die Mauer am Potsdamer Platz.

Energische Schritte . . .

      gegenüber der Regierung der Sowjetunion zu unternehmen, sei ein Vorschlag, den er den Kommandanten der westlichen Schutzmächte für ihre Regierungen unterbreitet habe; das berichtete der Regierende Bürgermeister Willy Brandt am 13. August 1961 dem Abgeordnetenhaus von Berlin, das in den Abendstunden zu einer Sondersitzung zusammengetreten war. Ferner teilte er mit, daß der Senat in den Morgenstunden des gleichen Tages ebenfalls zu einer Sondersitzung zusammengetreten sei, in der alle erforderlichen Maßnahmen für die Sicherheit der West-Berliner Bevölkerung eingeleitet worden seien. Wörtlich sagte der Regierende Bürgermeister Willy Brandt: „Die Westmächte müssen unserer Meinung nach darauf bestehen, daß die rechtswidrigen Maßnahmen rückgängig gemacht werden und die Freizügigkeit wiederhergestellt wird. (...) Wir werden uns niemals mit der brutalen Teilung dieser Stadt abfinden!“

Über 500.000 Berliner . . .

      versammelten sich am 16. August 1961 auf dem Rudolph-Wilde-Platz und in den umliegenden Straßen zu der machtvollsten und größten Kundgebung, die je vor dem Rathaus Schöneberg stattgefunden hatte. Dieses Willensbekenntnis der Berliner wurde – abgesehen vom Rundfunk – nicht nur vom Deutschen Fernsehen übertragen, sondern von 13 ausländischen Fernsehgesellschaften in alle Teile der freien Welt ausgestrahlt.

      Bürgermeister Franz Amrehn erklärte: „Gegen alle Menschlichkeit sind die natürlichen Bande der deutschen Hauptstadt zerschnitten, Familien auseinandergerissen und ein großer Teil unseres Volkes in ein riesiges Gefängnis gesperrt worden. Das ist ein Verbrechen am deutschen Volk! Wir wissen schon lange, daß Hitler in der Zone weiterlebt. Nicht erst seit dem 13. August wird dort auf den Menschenrechten herumgetrampelt. Aber seit diesem Tage will man diese Rechte völlig auslöschen. Mit dem Stacheldrahtverhau wird der Ostsektor der Stadt gewaltsam aus dem Viermächtegebiet herausgerissen. Die Stationierung zonaler Militärverbände in Berlin ist ein offenkundiger Bruch der Viermächtebestimmungen über den Status unserer Stadt; mehr noch: die Aktion vom 13. August ist ein entscheidender sowjetischer Stoß gegen das vielberufene Potsdamer Abkommen, mit dem uns auch die Sowjetunion die Einheit Deutschlands zugesichert hat. (...) Ihr Völker! Macht das Recht stärker als die Gewalt. Wenn Ihr Frieden wollt, dann gebt dem deutschen Volk endlich die Selbstbestimmung!“

Berlin kapituliert nicht . . .

      — das rief der Regierende Bürgermeister Willy Brandt der ganzen Welt auf der Kundgebung vor dem Rathaus Schöneberg am 16. August 1961 zu. Wörtlich erklärte er: „Ich halte es in dieser Situation für notwendig, daß vor dem Weltforum der Vereinten Nationen Anklage erhoben wird gegen die Urheber jener Unmenschlichkeit, die sich auf dem Boden Berlins und auf dem Boden des Ulbricht-Staates vollzieht. Dabei geht es nicht um die Rechte der Westmächte in Berlin, sondern es geht darum, daß die Menschenrechte wiederhergestellt werden. (...) Was sich am 13. August ereignet hat, ist ein Anschlag auf die Moral des deutschen Volkes. (...) Es kann keine Stadt in der Welt geben, die den Frieden und die Ruhe und die Sicherheit mehr wünscht als Berlin. Aber noch niemals ist der Frieden durch Schwäche gerettet worden. Es gibt einen Punkt, an dem bekannt werden muß, daß man keinen Schritt mehr zurückweicht. Dieser Punkt ist erreicht. Es geht hier nicht um West-Berlin, es geht hier darum, daß dem Westen eine entscheidende Niederlage beigebracht werden soll. Aber ich sage auch, daß der Frieden seit dem 13. August 1961 unsicherer geworden ist. Was sich in den letzten drei Tagen hier abgespielt hat, das ist – auf einem kleinen Platz, aber nicht weniger bedeutsam – eine neue Auflage der Besetzung des Rheinlandes durch Hitler. Nur heißt der Mann heute Ulbricht. In den vor uns liegenden Wochen und Monaten wird es darum gehen, daß Berlin nicht ein neues München wird.“

Endlich die richtige Sprache . . .

      Mauer im Fenster
^   Bei dicht an der Grenze stehenden Häusern wurden sogar die Fenster zugemauert.
      nannte der Regierende Bürgermeister Willy Brandt die gleichlautenden Protestnoten, die am 17. August 1961 von den drei Westmächten im Moskauer Außenministerium übergeben wurden; zwei Tage zuvor hatten die Westalliierten Stadtkommandanten in Berlin bereits Protestschreiben an den sowjetischen Stadtkommandanten gerichtet. In der amerikanischen Note, die dem Kreml überreicht wurde, hieß es unter anderem: „Die Demarkationslinie zwischen dem Ostsektor und den Westsektoren ist keine Staatsgrenze. Die amerikanische Regierung hält die Maßnahme, die die ostdeutschen Behörden getroffen haben, für illegal. Sie erinnert daran, daß sie den Vorwand, nach dem der Sowjetsektor von Berlin zur »Deutschen Demokratischen Republik« und Berlin zu ihrem Staatsgebiet gehört, nicht akzeptiert. Ein solcher Vorwand ist bereits an sich eine Verletzung des feierlich unterzeichneten Vertrages über die Besatzungszonen in Deutschland und die Verwaltung von Groß-Beriin. Außerdem kann die amerikanische Regierung das Recht der Behörden Ostdeutschlands nicht anerkennen, ihre Streitkräfte in den Sowjetsektor Berlins eindringen zu lassen. Die amerikanische Regierung fordert die Regierung der Sowjetunion auf, diese illegalen Maßnahmen zu beenden. Sie macht sie auf die Tatsache aufmerksam, daß diese einseitige Abänderung des Viermächtestatus die Spannung und die bestehenden Gefahren nur vergrößern kann.“

Eine politische Bankrotterklärung . . .

      seiner 16-jährigen Gewaltherrschaft habe das Ulbricht-Regime gegenüber der gesamten Welt mit der Durchführung seiner Abriegelungsmaßnahmen klar und unmißverständlich abgegeben – so hieß es in der Regierungserklärung, die Bundeskanzler Konrad Adenauer in einer Sondersitzung des Deutschen Bundestages am 18. August 1961 abgab. „Mit diesen Maßnahmen hat das Ulbricht- Regime bestätigt, daß die Ausübung des Selbstbestimmungsrechtes durch das deutsche Volk zur Erhaltung des Weltfriedens unaufschiebbar geworden ist. Die Abmachungen der Sowjetunion mit den drei westlichen Mächten wurden zerrissen; die Panzer der »Volksarmee«, die »Volks«polizei und die »Betriebskampfgruppen«, die in und um Ostberlin zusammengezogen wurden, um einen rechtswidrigen Angriff gegen den Status der Stadt Berlin militärisch zu unterstützen, geben eine Vorahnung dessen, wie die Garantie einer sogenannten Freien Stadt beschaffen wäre. Wie das deutsche Volk über die brutalen Maßnahmen in Ostberlin denkt, wäre leicht zu ermitteln. Es würde genügen, alle Deutschen in der Bundesrepublik, in der sowjetisch besetzten Zone und in ganz Berlin darüber zu befragen. Die Antwort wäre eine leidenschaftliche Verurteilung durch die überwältigende Mehrheit des deutschen Volkes.“

Das Ventil ist geschlossen . . .

      durch das der Überdruck aus dem Ulbricht-Staat bisher entweichen konnte, denn Berlin ist nicht mehr der Ort, zu dem die Menschen kommen konnten, um die Luft der Freiheit zu atmen, um sich neue Kraft zu holen, bevor sie in ihren grauen Zonenalltag zurückkehren, erklärte der Regierende Bürgermeister Willy Brandt in der Sondersitzung des Deutschen Bundestages am 18. August 1961. „Für die Stadt Berlin ist eine neue Lage entstanden. Man wird der Lage nicht gerecht, wenn man die Unzahl menschlicher Tragödien nicht im Auge hat, die sich in diesen Tagen in Berlin abgespielt haben. Mitten durch eine Stadt (...) sind die Betonpfähle einer Grenze eingerammt worden, die zu einer Art Chinesischen Mauer ausgebaut wird. Es geht nicht um Berlin allein, es geht um das kalte Ungarn, das sich im anderen Teil Deutschlands und im Ostsektor Berlins vollzogen hat. Deshalb ist es die Meinung Berlins, daß vor allem eine Initiative ergriffen werden müßte, um die flagrante Verletzung der Menschenrechte international zu brandmarken. Der Schutz der Menschenrechte ist eine ureigene Aufgabe der Vereinten Nationen. Den Weg vor das Weltforum kann man sich nicht aufheben für den Fall, daß eine Welt zu brennen beginnt. (...) Was in Ostberlin geschehen ist, das ist der Einmarsch einer Armee in ein Territorium, in dem sie nichts zu suchen hat. Die sogenannte Volksarmee mit ihren Nebenorganisationen hat Ostberlin annektiert.“

Ein Spalier jubelnder Berliner . . .

      begrüßte den Vizepräsidenten der USA, Lyndon B. Johnson, als er in Begleitung von Sonderbotschafter CharIes Bohlen und General Lucius D. Clay am 19. August 1961 im Auftrage von Präsident John F. Kennedy zu einem Besuch in Berlin eintraf. Eine halbe Million Berliner begrüßte ihn während seiner Fahrt vom Zentralflughafen Tempelhof zum Rathaus Schöneberg. Auf der Rathaustreppe sprach er zu über 300.000 Berlinern, die sich auf dem Rudolph-Wilde-Platz versammelt hatten: „Präsident John F. Kennedey, ich selber und die gesamten Vereinigten Staaten möchten Sie wissen lassen, daß die Zusage, die Freiheit West-Berlins und seiner Zugangswege zu verteidigen, fest und bindend ist.“ An die Bewohner Ostberlins wandte er sich in seiner von allen deutschen sowie von vielen ausländischen Rundfunk- und Fernsehstationen übertragenen Ansprache mit folgenden Worten: „Verlieren Sie den Mut und das Vertrauen nicht. Tyranneien sehen immer so aus, als seien sie für die Ewigkeit gemacht. Aber ihre Tage sind gezählt.“

Amerika kennt seine Pflichten . . .

      und ist entschlossen, sie zu erfüllen – das betonte Vizepräsident Lyndon B. Johnson vor dem Abgeordnetenhaus von Ber!in, das am 19. August 1961 zu einer Sondersitzung zusammengetreten war. Zuvor hatte sich der zweithöchste Repräsentant der USA in das Goldene Buch von Berlin eingezeichnet. „Wir in den Vereinigten Staaten und unsere Verbündeten“, erklärte Vizepräsident Lyndon B. Johnson im Plenarsaal des Abgeordnetenhauses, „haben nicht die Absicht, uns kriegerisch zu gebärden, aber wir lassen uns auch nicht herumschubsen. Wir dürfen keine Furcht zeigen, aber wir müssen bereit sein, immer für die Freiheit und für den Frieden zu kämpfen. (...) Ich komme hierher in einem Moment der Spannung und Gefahr – für Ihr Leben, für das Leben meiner Landsleute und für das gesamte Leben der freien Welt. Eine Stacheldrahtgrenze ist mitten durch Ihre Stadt gezogen worden. Die Grenze hat für Sie und – was noch wichtiger ist – für Ihre Brüder im Osten lebenswichtige menschliche und gesellschaftliche Bande zerschnitten. Bande, die hineingreifen in das Leben der Familien und Freunde und in das Leben dieser großen Stadt. Ich verstehe den Schmerz und die Empörung, die Sie fühlen. Der Stacheldraht ist vorhanden, und er wird durch eine Handbewegung nicht verschwinden. Aber auf lange Sicht gesehen, wird dieses unkluge Vorgehen fehlschlagen. (...) Diese Insel steht nicht allein. Die Berliner sind ein lebenswichtiger Teil der Gemeinschaft aller freien Menschen. Sie sind verbunden mit den Menschen in Hamburg, Bonn und Frankfurt; sie sind ebenso verbunden mit den Menschen in jeder westeuropäischen Stadt, mit den Menschen in Kanada und in den Vereinigten Staaten, ebenso verbunden mit den Menschen in jedem Teil der Welt, die in Freiheit leben und bereit sind, dafür zu kämpfen.“

Wir beugen unsere Nacken nicht . . .

      Flucht in letzter Minute
^   Flucht mit wenig Habseligkeiten nach West-Berlin.
      unter das Joch einer neuen Diktatur, ganz unabhängig davon, mit welcher Farbe eine Diktatur ausgestattet sein mag, rief der Regierende Bürgermeister Willy Brandt in der Sondersitzung des Abgeordnetenhauses am 18. August 1961 aus. Berlin stehe auf der Seite derer, die alles für den Frieden einsetzten. „Alles, was diese Stadt geworden ist (...), ist das Resultat vertrauensvoller Zusammenarbeit, einer Zusammenarbeit nicht zuletzt, sondern gerade auch mit unseren amerikanischen Freunden. In Berlin stand die Wiege der deutsch-amerikanischen Freundschaft. Wir befinden uns inmitten einer schweren Krise, aber wir werden durch diese Krise hindurchkommen. (...) Ich weiß: Recht und Freiheit werden hier nicht untergehen!“

In einem Triumphzug . . .

      ohnegleichen wurde eine 1500 Mann starke amerikanische Kampfgruppe von den Berlinern eingeholt, als sie am 20. August 1961 zur Verstärkung der amerikanischen Garnison in West- Berlin eintraf. Die Kampfgruppe wurde von Vizepräsident Lyndon B. Johnson begrüßt, der seinen Landsleuten zurief: „Noch nie hat in der Vergangenheit eine größere Verantwortung auf amerikanischen Truppen als Wächtern des Friedens gelastet als jetzt in Berlin.“ In allen Straßen, durch die diese motorisierte amerikanische Infanterieeinheit anschließend in ihre Quartiere fuhr, winkten ihr Hunderttausende freudig zu. Am gleichen Tage traf in West- Berlin ein Transport britischer Panzerfahrzeuge zur Verstärkung der Berliner Garnison ein. Auch Frankreich kündigte an, daß es seine Garnison in Berlin verstärken werde.

Eine Rundfahrt durch West-Berlin . . .

      unternahm Vizepräsident Lyndon B. Johnson am 20. August 1961 sowohl in den Vormittags- als auch in den Nachmittagsstunden. Die vorgesehene Fahrtstrecke mußte mehrfach geändert und – zum aufrichtigen Bedauern vieler Beriiner – auch gekürzt werden, da die Herzlichhkeit des Empfanges keine Rücksichten auf Absperrungen und auf das Protokoll nahm. Geradezu enthusiastisch war der Empfang, der dem amerikanischen Gast im Notaufnahmelager Marienfelde bereitet wurde. Eine Rundfahrt durch Ostberlin machten Sonderbotschafter CharIes Bohlen und General Lucius D. Clay ebenfalls am 20. August 1961. Nach ihrer Rückkehr stellte der amerikanische General fest: „lch fand Ostberlin deprimierend. Die Stadt gleicht einem Heerlager. Ich habe dort mehr Soldaten gesehen als im Jahre 1945.“

Ich komme wieder . . .

      rief Vizepräsident Lyndon B. Johnson den Berlinern zu, als er sich am 21. August 1961 um vier Uhr morgens von ihnen verabschiedete. Trotz der frühen Morgenstunde hatten sich wiederum Hunderte von Berlinern eingefunden, die dem scheidenden Vertreter des amerikanischen Präsidenten Blumen zuwarfen. In seiner Abschiedsbotschaft an das Volk von Berlin hatte Vizepräsident Lyndon B. Johnson erklärt: „lch habe jetzt die Seele einer Stadt gesehen und ein Volk, das sich der Eroberung niemals unterwerfen wird. Ich werde dem Präsidenten und dem amerikanischen Volk sagen, daß die Westmächte – die Vereinigten Staaten, Frankreich und Großbritannien – niemals bessere und treuere Alliierte hatten als die Bürger dieser Stadt. Viele Jahre lang hat diese Stadt, die ihre Leiden wie einen Glorienschein trug, unsere Bewunderung gefunden. (...) Ich werde den Amerikanern sagen, daß ich in West-Berlin (...) die Früchte der Demokratie gesehen habe. (...) Ich grüße mit Hochachtung und Dankbarkeit die großherzige Bevölkerung von West-Berlin, der Stadt der unbesiegbaren Freiheit.“

Einen Tag später . . .

      – am 22. August 1961 – traf Bundeskanzler Konrad Adenauer in Berlin ein, um sich gleichfalls ein Bild von der Lage in West-Berlin zu machen. Nach einem Besuch im Notaufnahmelager Marienfelde und einer Fahrt zu den Sektorengrenzen wohnte er einer Sondersitzung des Senats bei, nach deren Abschluß mitgeteilt wurde, daß der Regierende Bürgermeister Willy Brandt „ein umfassendes Programm zur Stärkung West-Berlins auf wirtschaftlichem, kulturellem und politischem Gebiet vorgeschlagen“ habe. „Es wurde“, so hieß es in diesem Kommunique weiter, „Einverständnis darüber erzielt, daß der Senat ein entsprechendes Programm in allen Einzelheiten ausarbeiten wird, das dann mit den Dienststellen der Bundesregierung abgestimmt werden soll. Dabei wurde auch die gemeinsame Überzeugung zum Ausdruck gebracht, daß die alliierten Garantien für West-Berlin und den freien Zugang durch die politischen Maßnahmen der letzten Tage bekräftigt und die Verantwortung der drei Mächte klargestellt wurden.“

Erste Mauer mit Todesstreifen
^   So sah Ende August 1961 fast überall die erste Mauer aus. Sie wurde von der DDR in späteren Jahren durch hohe Betonplatten ersetzt und durch einen breiten beleuchteten Todesstreifen ergänzt. Niemand hat bislang errechnet, was das alles gekostet hat.  

Weiter verschärft . . .

      wurde die Lage in Berlin durch neue Willkürmaßnahmen des „Ministeriums des Innern der DDR“, die am 23. August 1961 in Kraft gesetzt wurden. Den West-Berliner Bürgern wurde dadurch der bisher zwar schon erschwerte, aber noch möglich gewesene Zutritt zum Ostsektor praktisch unmöglich gemacht. „Diese neuen Unrechtsmaßnahmen“, so hieß es in einer Verlautbarung nach einer Sondersitzung des Senats vom gleichen Tage, „stehen im Widerspruch zu den Erklärungen, die der Botschafter der Sowjetunion in der Bundesrepublik Deutschland, Andrej Smirnow, vor wenigen Tagen – am 16.August 1961 – dem Kanzler der Bundesrepublik Deutschland, Konrad Adenauer, abgegeben hat [Botschafter Andrej Smirnow hatte Bundeskanzler Konrad Adenauer im Auftrage seiner Regierung mitgeteilt, Moskau habe nicht die Absicht, die Lage in Berlin weiter zu verschärfen]. Praktisch sind Einwohner West-Berlins beim Betreten des sowjetischen Teils der Stadt den gleichen Bestimmungen unterworfen wie bei der Einreise in die sowjetisch besetzte Zone. Damit sind die Reste der Freizügigkeit innerhalb Berlins zerstört.“

Alliierte Truppen marschierten . . .

      am 23. August 1961 in den Mittagsstunden von ihren Quartieren in West-Berlin an die Sektoren- und Zonengrenzen, um dort in Erfüllung gegebener Garantieerklärungen den freien Teil Berlins vor möglichen Übergriffen bewaffneter Streitkräfte der Sowjetzonenmachthaber zu schützen. Diese Schutzmaßnahme erfolgte unter anderem wegen der Aufforderung des sogenannten Innenministers der „DDR“, der Sektoren- beziehungsweise Zonengrenze „in einem Abstand von beiderseits 100 Metern fernzubleiben“. Die alliierten Truppen sicherten die Grenzen mit schweren Panzern.

Mißbräuchliche Benutzung . . .

      der Luftkorridore nach Berlin wurde Frankreich, Großbritannien und den USA in gleichlautenden Noten vorgeworfen, die den Vertretern dieser Länder am 23. August 1961 in Moskau übergeben worden waren. In diesen Noten wurde behauptet, die drei Luftkorridore seien den Westmächten „zeitweilig zur Gewährleistung der Bedürfnisse ihrer Militärgarnisonen, nicht aber für subversive und revanchistische Zwecke des westdeutschen Militarismus“ zur Verfügung gestellt worden.       „Über die Luftkorridore kommen auch offizielle Vertreter der Regierung und des Bundestages der Bundesrepublik nach West-Berlin, die direkt vom Flugplatz aus demonstrative »Inspektions«-Reisen durch die Stadt unternehmen.“ Die Alliierten wurden aufgefordert, „unverzüglich“ Maßnahmen zu ergreifen, „um den widerrechtlich provokatorischen Handlungen der Bundesrepublik in dieser Stadt einen Riegel vorzuschieben“.

Eine feierliche Warnung . . .

      richtete das Weiße Haus in Washington am 24. August 1961 in Beantwortung der an die USA gerichteten Note am Vortage an den Kreml. In dieser Verlautbarung hieß es: „Die sowjetische Note (...) ist eindeutig nur ein weiterer Schritt in einer bewußten Kampagne der Täuschung und versuchten Einschüchterung, die zum Ziel hat, (...) die internationalen Spannungen zu verstärken. (...) Diese Beschuldigungen und Behauptungen – in der sowjetischen Note – können daher nicht ernst genommen werden. Was dagegen von der ganzen Welt ernst genommen werden muß, ist die kaum verhüllte Aggressionsdrohung gegen die alliierten Flugrouten von und nach West-Berlin. Die Vereinigten Staaten müssen an die Sowjetunion die ernste Warnung richten, daß jede Störung des freien Zugangs nach West-Berlin durch die sowjetische Regierung oder ihr ostdeutsches Regime ein aggressiver Akt sein würde, für dessen Konsequenzen die sowjetische Regierung die volle Verantwortung zu tragen haben würde.“



[ 1961:
Bau der Berliner Mauer ]
[ 1989: Fall der Berliner Mauer]


Quellen und ergänzende Links:  Mein Archiv. (Last Update: 13.8.2008)




Im Internet ist diese Seite zu finden unter:
http://khd-blog.net/Heimat/B/Bln/Ex/Bln_Bau_der_Mauer_1961.html
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