Living in a City  —  Reports aus Berlin     – Teil 3 khd
Stand:  18.4.2011   (68. Ed.)  –  File: Heimat/B/Bln/Living_in_a_City_03.html


Auf diesen Seiten habe ich Interessantes aus meiner Heimatstadt Berlin zusammengestellt. Es handelt sich dabei vor allem um Ereignisse und Begebenheiten, die ich selbst erlebt oder beobachtet habe. Meine Reports beginnen 1945 mit dem Ende des 2. Weltkriegs. Manches ist auch noch nicht ganz fertig. So bedeutet: xxx = Text folgt demnächst.

Inhalt:   [1940er] [1950er] [1960er] [1970er] [1980er] [1990er] [2000er] [2006] [Extra]

  1. 1961 – Bau der Mauer.
  2. 1961 – SFB und die Rundfunk-Stereophonie.
  3. 1963 – John F. Kennedy in Berlin.
  1. 1965 – Die City-West erhält ein "Europa-Center".
  2. 1967 – West-Berlin wird Straßenbahn-frei.



1961 — Der Bau der Mauer durch die DDR

Es war am Sonnabend spät geworden und so schlief ich am Sonntag, den 13. August 1961 aus. Als mich der Radiowecker so gegen 9 Uhr weckte, liefen gerade die Nachrichten. Plötzlich war ich hellwach. Denn da hieß es, daß kurz nach Mitternacht bewaffnete Volkspolizisten und -armisten der DDR Berlins Ostsektor von den Westsektoren abgeriegelt haben. Und man an der Grenze zwischen Ost und West damit beginne, hinter Stacheldrahtverhauen und unter dem Schutz von Panzern eine Mauer zu errichten.

Zwar gab es in den Wochen davor immer wieder Gerüchte, daß die DDR ihre Grenze dicht machen könnte. Immerhin waren bis zum 12. August 1961 täglich Tausende DDR-Bürger über die offene Sektorengrenze von Ost-Berlin nach West-Berlin geflüchtet. Aber eigentlich konnte sich es keiner in Berlin vorstellen, daß mittendurch Berlin eine befestigte Mauer gezogen werden könnte.

Video Auch hatte DDR-Chef Walter Ulbricht (SED) noch am 15. Juni 1961 auf Fragen von Journalisten gesagt: „Ich verstehe Ihre Frage so, daß es in Westdeutschland Menschen gibt, die wünschen, daß wir die Bauarbeiter der Hauptstadt der DDR mobilisieren, eine Mauer aufzurichten. Mir ist nicht bekannt, daß eine solche Absicht besteht. Die Bauarbeiter unserer Hauptstadt beschäftigen sich hauptsächlich mit Wohnungsbau, und ihre Arbeitskraft wird dafür voll eingesetzt. Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten.“


Cover der Senats-Broschüre „Es begann am 13. August...“ von 1961    
Dokumentiert ist im folgenden der ungekürzte Text und einige Fotos aus einer Broschüre, die der Senat von Berlin im Herbst 1961 unter dem Titel „Es begann am 13. August...“ herausgegeben hat. Mit starken Worten prangert darin der West-Berliner Senat die unmenschliche Teilung der Stadt an. Sie sollte 28 Jahre
bis 1989 Bestand haben.



In der Zeit vom 13. bis zum 23. August 1961 begann in Berlin ein neues Kapitel der Auseinandersetzung zwischen Freiheit und Diktatur, zwischen westlicher Welt und kommunistischem Machtbereich. Die am 27. November 1958 vom Kreml willkürlich vom Zaun gebrochene Krise um Berlin trat in diesen 10 Tagen in ihr akutes Stadium.

In ein Konzentrationslager . . .

verwandelten die kommunistischen Machthaber Ostberlin und die Sowjetzone, als sie in den frühen Morgenstunden des 13. August 1961 die Sektoren- und die Zonengrenzen nach West-Berlin unter dem Schutz schwerer Panzer sowie bewaffneter „Volks“-polizisten und
      Letzte Chance zur Flucht
^   Ein Foto, das um die Welt ging. Ein DDR-Soldat springt über den Stacheldraht in die Freiheit.
-armisten mit Betonpfählen, Stacheldrahtverhauen und Spanischen Reitern abriegelten. Die jeder Menschlichkeit hohnsprechenden und bestehende interalliierte Abmachungen über ganz Berlin brechenden Willkürmaßnahmen wurden mit Rückendeckung der Regierungen der Mitgliedstaaten des Warschauer Paktes unternommen, die in einer am gleichen Tage veröffentlichten Erklärung „vorgeschlagen“ hatten, „an der West-Berliner Grenze eine solche Ordnung einzuführen, durch die (...) rings um das ganze Gebiet West-Berlins, einschließlich seiner Grenze mit dem demokratischen Berlin (Ostberlin), eine verläßliche Bewachung und eine wirksame Kontrolle gewährleistet wird“.

In einem Beschluß des sogenannten Ministerrates der sogenannten DDR unter dem Datum des 12. August wurde mitgeteilt, an den Sektoren- und an den Zonengrenzen West- Berlins werde „eine solche Kontrolle (...) eingeführt, wie sie an den Grenzen jedes souveränen Staates üblich ist“. Der Quasi-Staat „Deutsche Demokratische Republik“, der weder ein Staat noch eine Republik und am allerwenigsten demokratisch ist, hat somit auf fremden Befehl mitten durch Berlin eine „Staatsgrenze“ gezogen. (...)


  Die Dokumentation der Senats-Broschüre von 1961,
in der über die Ereignisse der ersten 10 Tage
nach dem Bau der Mauer berichtet wird, hat
inzwischen eine eigene Seite erhalten.
 


Erste Mauer mit Todesstreifen
^   So sah Ende August 1961 fast überall die erste Mauer aus. Sie wurde von der DDR in späteren Jahren durch hohe Betonplatten ersetzt und durch einen breiten beleuchteten Todesstreifen ergänzt. Niemand hat bislang errechnet, was das alles gekostet hat.   (Alle Repros aus der Senatsbroschüre von 1961: 10.1.2001 – khd)

Eine feierliche Warnung . . .

richtete das Weiße Haus in Washington am 24. August 1961 in Beantwortung der an die USA gerichteten Note am Vortage an den Kreml. In dieser Verlautbarung hieß es: „Die sowjetische Note (...) ist eindeutig nur ein weiterer Schritt in einer bewußten Kampagne der Täuschung und versuchten Einschüchterung, die zum Ziel hat, (...) die internationalen Spannungen zu verstärken. (...) Diese Beschuldigungen und Behauptungen – in der sowjetischen Note – können daher nicht ernst genommen werden. Was dagegen von der ganzen Welt ernst genommen werden muß, ist die kaum verhüllte Aggressionsdrohung gegen die alliierten Flugrouten von und nach West-Berlin. Die Vereinigten Staaten müssen an die Sowjetunion die ernste Warnung richten, daß jede Störung des freien Zugangs nach West-Berlin durch die sowjetische Regierung oder ihr ostdeutsches Regime ein aggressiver Akt sein würde, für dessen Konsequenzen die sowjetische Regierung die volle Verantwortung zu tragen haben würde.“

[Ed: So endet der Text der Senats-Broschüre von 1961].



Brandenburger Tor mit Mauer um 1970      
^   Das Brandenburger Tor und Pariser Platz in Ost-Berlin mit Mauer etwa Ende der 60er-Jahre. Die Mauer ist hier wg. befürchteter Panzerangriffe besonders dick ausgefallen. [Weitere Mauer-Fotos]   (Repro: 2004 – khd)

Status West-Berlins unberührt

Wir wissen heute (2002), daß die DDR zwar mit dem Mauerbau die deutsche Teilung zementierte, aber der völkerrechtliche Status von West-Berlin nicht verändert wurde. Mit dem Bau der Mauer war die Berlin-Krise noch nicht beendet. Als im Oktober 1961 Mitarbeiter der amerikanischen Verwaltung an der Einreise in den Ostsektor durch die Volkspolizei gehindert werden, fahren am 21. Oktober (?) am Grenzkontrollpunkt „Checkpoint Charlie“ (in der Friedrichstraße) amerikanische Panzer auf. Wenig später stehen ihnen sowjetische Panzer gegenüber. Nach 3 Tagen erfolgte der gegenseitige Rückzug. Die Welt schrammte an einem Krieg vorbei und die Sektorengrenze konnte von den Alliierten am Checkpoint Charlie wieder ungehindert passiert werden.

Damit wurde deutlich, daß die USA auf ihren Rechten in Berlin bestehen, an der Teilung der Stadt jedoch nichts ändern können. Die amerikanische Garantie für die Sicherheit und Freiheit West-Berlins wird von US-Präsident Kennedy am 26. Juni 1963 bei seinem Berlin-Besuch öffentlich bekräftigt („Ich bin ein Berliner!“).

Politik macht tabula rasa

Nur wenige Monate nach der
Öffnung der Mauer im Herbst 1989 war der „Antifaschistische Schutzwall“ (O-Ton DDR), dem DDR-Chef Honecker gerade noch einen Bestand von 50 oder 100 Jahren vorhergesagt hatte, aus dem Stadtbild Berlins verschwunden. Vor allem in Berlins City bleibt kaum etwas von der unmenschlichen Mauer für die Nachwelt übrig. Bis 1989 waren 136 Menschen an der Berliner Mauer gestorben.

      Kreuze am Checkpoint
^   1065 Kreuze am Checkpoint Charlie.   (Foto: 2004 – mopo)
Berlins Politiker aller Couleur zeigen wenig Interesse, die Erinnerung an die Mauer wachzuhalten. Sie verkaufen sogar Grundstücke, die für ein nachhaltiges Mauergedenken besonders geeignet wären. Allerdings versprachen sie, den gesamten Verlauf der Mauer quer durch Berlin durch ein in die Straßen eingelassenes Messingband zu markieren, was dann aber nicht passiert. Vermutlich fanden sie keine Sponsoren.

Erst durch eine künstliche Aktion einer privaten Initiative, die 2004 am Ckeckpoint Charlie eine Kreuz- Installation präsentiert, wird im Jahr 2005 deutlich, daß ein Mauer- Mahnmal in Berlins City dringend notwendig ist, und daß das amtliche Mahnmal zum Mauergedenken an der Bernauer Straße – abseits aller Touristenströme – Murks ist. Der Deutsche Bundestag sagt dann im Sommer 2005, daß das Brandenburger Tor der geeignete Ort für ein Mauer- Mahnmal zum Ansehen sei. Immerhin hat der Berliner Senat es schon mal im Juli 2005 geschafft, wenigstens im Internet einen virtuellen Rundgang entlang der ehemaligen Mauer zu organisieren. [Die Mauer fällt]


Quellen und ergänzende Links:  Erinnerungen und Broschüre „Es begann am 13. August...“ des Presse- und Informationsamtes des Landes Berlin vom Herbst 1961 sowie mein Archiv. (Last Update: 10.11.2009)


1961 — SFB – Pionier der Rundfunk-Stereophonie

SFB-Logo Es war klanglich schon sehr beeindruckend, was da in den schweren Wochen nach dem Mauerbau am 28. August 1961 aus dem Äther in Berliner Wohnstuben kam – „Musik im Raum“, ein Konzert des Radio- Sinfonie- Orchesters (RSO) unter dem Dirigenten Istvan Kertesz und mit dem Solisten van Cliburn (Piano) aus dem „Haus des Rundfunks“ an der Masurenallee:

Der Sender Freies Berlin (SFB) sendete anläßlich der Rückkehr der Funk-Ausstellung nach Berlin das erste Konzert der Rundfunkgeschichte in Stereophonie (2-Kanaltechnik). Und dabei existierte damals noch kein genormtes Verfahren der Rundfunk- Stereophonie, wie es heute beim analogen Rundfunk benutzt wird.

Man nehme 2 UKW-Sender . . .

Beim kreativen SFB wußte man sich zu helfen. Man sendete die beiden Tonkanäle Links und Rechts über zwei verschiedene UKW-Sender (SFB 1 + SFB 2). Die Hörer brauchten dann 2 Radios, die sie in einigem Abstand links und rechts im Zimmer aufstellen mußten. Das eine Radio empfing SFB 1, und das andere wurde auf SFB 2 eingestellt. Das funktionierte prima, auch wenn man erst den Klang beider Radios mit Höhen- und Baßregler anpassen mußte. Nachbarn taten sich zusammen, um sich mit 2 Radios das einmalige Hörerlebnis zu gönnen. Denn der SFB hatte seine Hörergemeinde mit Demonstrations- Sendungen des Raumklanges bereits am 2. Weihnachtsfeiertag 1958 sowie an Himmelfahrt 1959 mit großem Erfolg vorbereitet.

1963 startete dann die Rundfunk-Stereophonie

Anläßlich der nächsten Funk-Ausstellung begann der SFB am 30. August 1963 mit der regelmäßigen Ausstrahlung von Musik- Sendungen in Rundfunk- Stereophonie nach dem Pilotton- Verfahren. Dabei werden der linke und rechte Tonkanal über einen UKW-Sender ausgestrahlt. Zum Empfang dieser Stereo- Sendungen mußte das Radio nun mit einem speziellen Stereo-Decoder ausgestattet sein. Von der Industrie wurden damals solche Decoder auch zum Nachrüsten angeboten. Es dauerte aber noch etwas, bis sich ab etwa 1966 die Rundfunk- Stereophonie allgemein durchsetzte. Stereo-Schallplatten gab es bereits seit 1958.

Zweikanal-Ton beim Fernsehen

Bis aber auch der Fernsehton stereophonisch wurde, mußte das Publikum noch 20 Jahre warten. Die Industrie versprach sich davon jahrelang kein großes Geschäft. Erst als der Dirigent Herbert von Karajan das Fehlen eines Begleittons in HiFi- Qualität zu den Fernsehbildern seiner Konzerte öffentlich anprangerte, machte die Entwicklung Fortschritte. Und es wurde dafür sogar ein Verfahren erfunden, das eine hohe Kanaltrennung erlaubt. Damit konnte zu den Fernsehbildern entweder ein Stereo-Tonsignal oder 2 getrennte Tonkanäle gesendet werden – beispielsweise bei einem Spielfilm einer in Deutsch und der andere mit der Originalsprache (Zweikanal-Ton). Ab 1981 waren dann Fernseher mit dieser Technik erhältlich. Es dauerte dann aber noch einige Jahre, bis auch alltägliche Sendungen wie Talkshows in Stereo ausgestrahlt wurden. Denn zunächst mußten die Fernsehsender ihre Studio- Einrichtungen auf die Zweikanal- Tontechnik umrüsten.

      SFB im Haus des Rundfunks      
^   Der Sender Freies Berlin (SFB) sendet seit 1958 aus dem vom Architekten Hans Poelzig entworfenen und am 22. Januar 1931 eröffneten „Haus des Rundfunks“ mit dem großen Sendesaal (Mitte) an der Masurenallee in Charlottenburg. In dem im 2. Weltkrieg nur wenig zerstörten Haus wurde seit 1931 Rundfunkgeschichte geschrieben.   (Foto: um 2000 – mopo)


Quellen und ergänzende Links:  Erinnerungen + mein Archiv. (Last Update: 22.8.2009)


1963 — John F. Kennedy in Berlin

Es war für Berlin ein ganz großer Tag – dieser 26. Juni 1963, als der amerikanische Präsident John F. Kennedy Berlin (JFK) besuchte. Ganz Berlin war auf den
      JFK redet in Berlin
^   JFK redet am 26. Juni 1963 vor dem Rathaus Schöneberg zu den West-Berlinern.   (Repro: 2003 – khd)
Requires RealPlayer ®
[ Der Text der Rede ]
Beinen, um Kennedy zu sehen und zu hören. Knapp 2 Jahre vorher hatte die DDR quer durch Berlin die
Mauer gebaut. Und die Amerikaner konnten dagegen wenig unternehmen. Insofern hatte Kennedy bei den Berliner noch etwas gut zu machen. Der Anblick von Mauer und Stacheldraht tat dann das Seine.

Eine Sternstunde

Die Berliner bereiteten Kennedy einen begeisterten Empfang. Die Schulen hatten geschlossen, Arbeiter und Angestellte bekamen frei. Das Fernsehen und der Rundfunk übertrugen den Berliner Triumphzug des Präsidenten durch Berlin in einer Direktübertragung in die deutschen Wohnstuben. Der Kennedy-Besuch gilt als eine – als die Sternstunde der deutsch-amerikanischen Beziehungen.

Ein RIAS-Reporter erinnert sich

Jürgen Graf – allen Berliner bekannt als
rollender Nachrichten-Sprecher während der Blockade – hat damals den achtstündigen Besuch komplett als Radio-Reporter des RIAS erlebt. In der Berliner Morgenpost erzählte „Mr. Rias“ am 5. Juni 2003, wie das damals war:

„Für die Berliner war John F. Kennedy nicht nur ein Verbündeter. Er war auch ein toller Typ: Jung, dynamisch, gut aussehend und katholisch – so einen hätten wir damals auch gern gehabt. Als er am Vormittag des 26. Juni 1963 in Tegel ankam, wurde er gleich beim Verlassen des Flughafens von der Bevölkerung mit einem Jubel begrüßt, den ich in dieser Intensität nicht erwartet hatte.“ Dieser Moment hat Jürgen Graf beim Berlin- Besuch des US- Präsidenten am tiefsten beeindruckt. „Das war kein verordneter Applaus – das war Begeisterung.“

Als RIAS-Reporter hat Graf den Kennedy- Besuch in einer siebeneinhalbstündigen Live- Reportage festgehalten. „Vielleicht war es auch der Kontrast zum stillen Flughafengebäude, der mich so überwältigte“, grübelt Graf, denn der Jubel hätte an den weiteren Stationen des Besuchs kaum nachgelassen.

Das RIAS-Team folgte dem US-Präsidenten als dritter Wagen im Konvoi. „Das war die erste Reportage aus einem fahrenden Auto heraus“, sagt Jürgen Graf, der mit dieser Arbeit Rundfunkgeschichte machte. „Drei Nächte und einen Tag lang hatten wir uns vorbereitet, einen Anhänger mit Verstärker konstruiert und Probefahrten gemacht, um dieses Experiment zu bewältigen“, erzählt Graf. „Dann machte uns der US-Sicherheitsdienst einen Strich durch die Rechnung und hat den Anhänger als zu unschön verboten.“ Auch die zweite Frequenz vom Funkhaus in den Wagen nahmen die Sicherheitsleute dem Radioteam zum eigenen Gebrauch weg. So blieb nur die Sendeleitung und ein hektischer nächtlicher Umbau der Ausrüstung. Mit einem Minisender im Kofferraum, vier Verstärkern an unterschiedlichen Streckenposten und dem unerschütterlichem Glauben des Tontechnikers Herbert Löwe, dass der Beitrag auch im Sender ankommt, absolvierte das Team den Parcours durch die Stadt – Graf bei geöffnetem Schiebedach auf dem Beifahrersitz des Opel Kapitän stehend.

      Kennedy vor dem Rathaus Schöneberg
^   Die berühmte Rede Kennedys vor dem Rathaus Schöneberg, in der er vor Hundertausenden Berlinern sagte: „Ich bin ein Berliner.“   (Repro: 2003 – khd)

Trotz aller Hektik wunderte sich das RIAS- Team immer wieder über die Menschen- massen auf kleinsten Balkonen („Da standen 40, wo eigentlich vier draufpassten“) und die Menschen- trauben an den Fenstern – „wir konnten uns nicht erklären, wie die sich noch festhielten“. Am Rathaus Schöneberg wurde Kennedy von der Menge frenetisch empfangen, dann wurde sie nachdenklich und lauschte seinen Worten, um ihn später jubelnd zu verabschieden, erinnert sich Graf. „Die Stimmung war absolut positiv, bei dieser Rede hätten Störer keine Chance gehabt.“

Frieden in Freiheit

Die Berliner waren glücklich, daß Kennedy da war. Sie hatten verstanden. Er würde den Russen Paroli bieten. Seine Botschaft für die Berliner hieß: Frieden in Freiheit. Und in mehrfacher Hinsicht prophetisch sagte der Präsident auf seinem Rückflug: „Solange wir leben, werden wir niemals wieder einen solchen Tag erleben.“ Ihm blieben nur noch 5 Monate. Im November 1963 wurde Kennedy in Dallas ermordet. Und auch Berlin trauerte um einen Freund.


Quellen und ergänzende Links:  Erinnerungen + Berliner Morgenpost vom 5.6.2003. (Last Update: 18.4.2011)


1965 — Die City-West erhält ein „Europa-Center“

An der Gedächtniskirche um 1962      
^   An der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche um 1962. Das große Gelände für das „Europa-Center“ ist bereits abgeräumt. Im Vordergrund (links) die neugebaute Gedächtniskirche von Egon Eiermann. Im Hintergrund an der Budapester Straße das Hilton-Hotel.   (Repro: 2002 – khd)
Auch nach dem
Mauerbau ließ sich West-Berlin nicht unterkriegen. Besonders zu erkennen war das auch an der Bautätigkeit in der City um die Kaiser-Wilhelm- Gedächtniskirche am Zoo. Waren in den 50er-Jahren bereits die Häuser der Zoorandbebauung mit dem „Bikini-Haus“ und dem Großkino „Zoo Palast“ sowie die vom Architekten Egon Eiermann entworfene neue Gedächtniskirche entstanden (eingeweiht am 17.12.1961), lag Anfang der 60er-Jahre das Areal des im November 1943 im Bombenhagel zerstörten „Romanischen Cafés“ noch immer brach.

Karl Heinz Pepper hat einen Traum

Auf dem Gelände am Breitscheidplatz zwischen Gedächtniskirche, Tauentzienstraße, Budapester und Nürnberger Straße stand damals meist ein Zelt der Catcher und am Rand gab es Schaschlik- Buden (das Schaschlik war die ultimative Fast-food der 50er- Jahre). In einer Kino-Baracke liefen Sittenfilme, wie man damals Erotik- Filme nannte. Und manchmal kam ein Zirkus oder ein Rummel. Dann kam aber
Karl Heinz Pepper, ein erfolgreicher Berliner Geschäftsmann. Der hatte einen großen Traum für diese Stadtbrache: Den Bau eines weltstädtischen Büro- und Einkaufszentrums, wie er es aus Amerika kannte.

      Renoviertes Europa-Center um 2002
^   Das renovierte Europa-Center um 2002. Aufgenommen vom unteren Ende des Ku'damms.   (Repro: 2003 – khd)
1965 eingeweiht

So entstand in den Jahren 1963 bis 1967 an der Gedächtniskirche ein attraktiver Bau – das
„Europa- Center“. Bereits am 2. April 1965 wurde im Beisein von Außenminister und Vizekanzler Willy Brandt die Einweihung des zentralen Teils mit mit den Laden- Passagen, dem Kabarett „Die Stachelschweine“ im Untergeschoß, einer Eislaufbahn, vielen Geschäften und Restaurants gefeiert. Und die Berliner strömten in den ersten Tagen in Massen in ihre City, um den Neubau nach amerikanischem Vorbild zu begutachten. Besonders begehrt waren Plätze im japanischen Restaurant, denn so etwas gab es bislang noch nicht in Berlin.

In das 103 Meter hohe Büro- Hochhaus mit 21 Stockwerken zog später u. a. die Berliner Spielbank ein. Auch residierte hier jahrelang Berlins Umweltsenator. Außerdem wurde das Hotel Palace, ein Großkino „Royal Palast“ und 1.100 Plätze für Autos in einem Parkhaus gebaut. Der gesamte Gebäudekomplex umfaßt rund 80.000 Quadratmeter. Im Shopping- Center sind heute rund 70 Geschäfte angesiedelt. Gekrönt wurde das „Europa- Center“ vom großen, sich drehenden Mercedes- Stern, der weit über die (bis 1989 geteilte) Stadt leuchtete. West- Berlins City hatte ein neues unverwechselbares Gesicht erhalten.

Ein Europa-Center ist nie fertig

Unterschätzt hatten die Planer des „Europa- Centers“ das Mikroklima, das in einem solchen riesigen Bau herrscht. Schon bald nach der Eröffnung mußten in den offenen Laden- Passagen nachträglich Glastüren eingebaut werden. Denn es zog in dem Gebäude ganz fürchterlich, was fürs Verweilen und Shopping wenig förderlich war. Um den Fußgängern das Erreichen des Centers zu erleichtern, baute man von der Marburger Straße über die Tauentzienstraße eine Stahlbrücke. Diese führte direkt ins Shopping- Paradies. Irgendwann (nach 1969) wurde sie dann aber wieder abgerissen.

Europa-Center mit Fußgängerbrücke um 1966      
^   Europa-Center mit Fußgängerbrücke um 1966. Die Brücke über die Tauentzienstraße zum Center wurde später wieder abgerissen.   (Repro: 2008 – khd)
Und abgerissen wird demnächst (ab 2005) auch der große „Royal Palast“, denn im Zeitalter der DVD gehen nicht mehr so viele Leute ins Kino. Zudem sind am
Potsdamer Platz reichlich neue Kinos gebaut worden. Auch die viel genutzte und beliebte Eislaufbahn im Center gibt es längst nicht mehr. Sie mußte Platz machen für lukrativere Geschäfte.

Anfang des 21. Jahrhunderts wurde alles umfassend renoviert, denn ein solches Center ist irgendwie nie ganz fertig. Offensichtlich sind sich da der Dombau und Shopping-Malls sehr ähnlich. Inzwischen ist dem „Europa- Center“ mit vielen anderen Shopping-Malls in der Stadt reichlich Konkurrenz entstanden.


Quellen und ergänzende Links:  Erinnerungen + mein Archiv. (Last Update: 6.6.2008)


1967 — West-Berlin wird Straßenbahn-frei

Es ist keine Frage, die Straßenbahn ist ein umweltfreundliches Verkehrsmittel. Aber das spielte in den 1950er-Jahren noch keine Rolle. Zwar wurde im alten West-Berlin nie ein Beschluß zur Abschaffung der Straßenbahn gefaßt, aber auch mit der Macht des Faktischen kann so etwas durchgesetzt werden. Da machte es auch nichts, daß einst die Straßenbahn von Siemens in Berlin erfunden wurde (die 1. Straßenbahn weltweit fuhr 1881 in Groß-Lichterfelde bei Berlin). Zum Aus für die Straßenbahn in Westteil Berlins kam es dann ab 1952 so.

Berlin setzt auf Autobusse

      2. Oktober 1967 -- Die letzte West-Berliner Straßenbahn
^   2. Oktober 1967 – Die letzte West-Berliner Straßenbahn wird von den Berlinern verabschiedet.   (Foto: 2.10.1967 – nn)
Im Sommer 1950 wurden nach dem Krieg erstmals einige neue Straßenbahnen gekauft. Fast gleichzeitig kam ein neuer Doppeldecker- Autobus mit Unterflurmotor zum Einsatz, nachdem er auf der 1. Industrie- Ausstellung gezeigt worden war. Sie galten als Prototype für weitere Neuanschaffungen, die dringend benötigt wurden. Zur Finanzierung war von der Berliner Verkehrs-Gesellschaft (BVG) ein Kredit von 12 Millionen DM für den Kauf von 40 Straßenbahnwagen und 20 Autobussen beantragt worden. An der Spitze der BVG wurden immer mehr Bedenken geäußert, denn zum einen seien die Tests für den neuen Straßenbahntyp nicht erfolgversprechend verlaufen und zweitens verwies man auf andere europäische Metropolen, in denen die Straßenbahnen ebenfalls eingestellt wurden.

Die Straßenbahn wurde als überflüssig betrachtet, da Berlin zu dieser Zeit bereits ein gutes U-Bahn-Netz besaß. Der damals stark wachsende Oberflächenverkehr würde die Straßenbahn nur behindern. Auch könne man durch den Verzicht auf Straßenbahn-Trassen mehr Platz für die Autos schaffen. Aufgrund dieser Überlegungen wurde der Kredit schließlich umgewandelt und mit Zustimmung des Berliner Senats für den Kauf von 120 modernen Doppeldecker-Bussen verwendet.

Platz für Autos wird geschaffen

Die Konsequenz daraus: Da viele marode Straßenbahnwagen nicht ersetzt wurden, mußten einige Linien aufgegeben werden. Man begann damals mit den Linien 76 und 79, die über den Kurfürstendamm nach Grunewald fuhren. Im Sommer 1954 wurden diese Straßenbahnen durch die neuen Bus-Linien A 19 und A 29 ersetzt. Auf dem Kurfürstendamm wurde danach reichlich
Platz für Autos geschaffen. Und in den folgenden Jahren wurde immer mehr Straßenbahn-Linien stillgelegt – immer mehr Depots konnten geschlossen werden. Ende 1962 fuhren im Westteil der Stadt nur noch 18 Straßenbahn-Linien. Ende 1965 waren es nur noch 8 Linien.

Die letzte Straßenbahn

Im Herbst 1967 war es dann so weit. In West-Berlin wurde die letzte Straßenbahn- Linie für immer eingestellt. Das war die Linie 55, die damals noch zwischen Spandau- Hakenfelde und Bahnhof Zoo verkehrte. Am 2. Oktober 1967 wurde es feierlich, als die letzte Straßenbahn mit den Wagen 3566 und 3556 festlich geschmückt am Zoo eintraf (
Foto). Die Straßen waren damals voller Menschen, die sich von der letzten Bahn verabschieden wollten.

Berlin glaubt damit, das Kapitel Straßenbahn für immer abgeschlossen zu haben. Aber dann kam 1990 die Wiedervereinigung der geteilten Stadt und damit gab es in Berlin wieder reichlich Straßenbahnen – im Osteil der Stadt. Denn die DDR hatte in Ost-Berlin aus ökonomischen Gründen den Straßenbahn-Verkehr nie aufgegeben. Und so konnte Berlins BVG im Jahr 2006 in der Stadt sogar noch den 125. Geburtstag der Straßenbahn feiern. Dennoch ist die Straßenbahn bei der BVG wenig beliebt. Es werde im Westteil der Stadt „keine Renaissance der Straßenbahn“ geben, stellte ein BVG-Vorstand im Oktober 2005 klar.


Quellen und ergänzende Links:  Erinnerungen + mein Archiv + Straßenbahn-Chronik. (Last Update: 1.3.2009)


Zur Leitseite

Im Internet ist diese Seite zu finden unter:
http://khd-blog.net/Heimat/B/Bln/Living_in_a_City_03.html
[ Übersicht aller Berlin-Reports ]

Rubriken dieser Berlin-Präsentation
  • Berlin (Leitseite)
  • Living in a City (Reports)
  • Berlin-Pläne (Karten)
  • Kochrezepte (Spezialitäten)
  • BBI-Flughafen
  • Das ICC soll weg
  • Neuer Hauptbahnhof
  • Demontage West-Berlins
  • Berlin-Steglitz Pläne
  • Berlin-Grunewald Pläne
  • Berlin-Lichterfelde Pläne
  • Alexanderplatz
  • Berlin (Fotostrecken)
  • Berlin ist pleite! (Doku)
  • References (Links)
  • Foto-Verzeichnisse
  • Zur Site-map des »khd-blog.net«

      Zum Report 4

    ©  2001–2011    Karl-Heinz Dittberner (khd) – Berlin  —  Homepage  —  Last Update: 22.05.2011 12.50 Uhr