Zwar gab es in den Wochen davor immer wieder Gerüchte, daß die DDR ihre Grenze dicht machen könnte. Immerhin waren bis zum 12. August 1961 täglich Tausende DDR-Bürger über die offene Sektorengrenze von Ost-Berlin nach West-Berlin geflüchtet. Aber eigentlich konnte sich es keiner in Berlin vorstellen, daß mittendurch Berlin eine befestigte Mauer gezogen werden könnte.
Auch hatte DDR-Chef Walter Ulbricht (SED) noch am 15. Juni 1961 auf Fragen von Journalisten gesagt:
Ich verstehe Ihre Frage so, daß es in Westdeutschland Menschen gibt, die
wünschen, daß wir die Bauarbeiter der Hauptstadt der DDR mobilisieren, eine Mauer
aufzurichten. Mir ist nicht bekannt, daß eine solche Absicht besteht. Die Bauarbeiter
unserer Hauptstadt beschäftigen sich hauptsächlich mit Wohnungsbau, und ihre
Arbeitskraft wird dafür voll eingesetzt. Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu
errichten.
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In der Zeit vom 13. bis zum 23. August 1961 begann in Berlin ein neues Kapitel der Auseinandersetzung zwischen Freiheit und Diktatur, zwischen westlicher Welt und kommunistischem Machtbereich. Die am 27. November 1958 vom Kreml willkürlich vom Zaun gebrochene Krise um Berlin trat in diesen 10 Tagen in ihr akutes Stadium.
| In ein Konzentrationslager . . . |
verwandelten die kommunistischen Machthaber Ostberlin und die Sowjetzone, als sie in den frühen Morgenstunden des 13. August 1961 die Sektoren- und die Zonengrenzen nach West-Berlin unter dem Schutz schwerer Panzer sowie bewaffneter Volks-polizisten und
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In einem Beschluß des sogenannten Ministerrates der sogenannten DDR unter dem Datum des
12. August wurde mitgeteilt, an den Sektoren- und an den Zonengrenzen West- Berlins werde
eine solche Kontrolle (...) eingeführt, wie sie an den Grenzen jedes
souveränen Staates üblich ist. Der Quasi-Staat Deutsche Demokratische
Republik, der weder ein Staat noch eine Republik und am allerwenigsten demokratisch ist,
hat somit auf fremden Befehl mitten durch Berlin eine Staatsgrenze gezogen.
(...)
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| Eine feierliche Warnung . . . |
richtete das Weiße Haus in Washington am 24. August 1961 in Beantwortung der an die USA gerichteten Note am Vortage an den Kreml. In dieser Verlautbarung hieß es: Die sowjetische Note (...) ist eindeutig nur ein weiterer Schritt in einer bewußten Kampagne der Täuschung und versuchten Einschüchterung, die zum Ziel hat, (...) die internationalen Spannungen zu verstärken. (...) Diese Beschuldigungen und Behauptungen in der sowjetischen Note können daher nicht ernst genommen werden. Was dagegen von der ganzen Welt ernst genommen werden muß, ist die kaum verhüllte Aggressionsdrohung gegen die alliierten Flugrouten von und nach West-Berlin. Die Vereinigten Staaten müssen an die Sowjetunion die ernste Warnung richten, daß jede Störung des freien Zugangs nach West-Berlin durch die sowjetische Regierung oder ihr ostdeutsches Regime ein aggressiver Akt sein würde, für dessen Konsequenzen die sowjetische Regierung die volle Verantwortung zu tragen haben würde.
[Ed: So endet der Text der Senats-Broschüre von 1961].
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| Status West-Berlins unberührt |
Wir wissen heute (2002), daß die DDR zwar mit dem Mauerbau die deutsche Teilung zementierte, aber der völkerrechtliche Status von West-Berlin nicht verändert wurde. Mit dem Bau der Mauer war die Berlin-Krise noch nicht beendet. Als im Oktober 1961 Mitarbeiter der amerikanischen Verwaltung an der Einreise in den Ostsektor durch die Volkspolizei gehindert werden, fahren am 21. Oktober (?) am Grenzkontrollpunkt Checkpoint Charlie (in der Friedrichstraße) amerikanische Panzer auf. Wenig später stehen ihnen sowjetische Panzer gegenüber. Nach 3 Tagen erfolgte der gegenseitige Rückzug. Die Welt schrammte an einem Krieg vorbei und die Sektorengrenze konnte von den Alliierten am Checkpoint Charlie wieder ungehindert passiert werden.
Damit wurde deutlich, daß die USA auf ihren Rechten in Berlin bestehen, an der Teilung der Stadt jedoch nichts ändern können. Die amerikanische Garantie für die Sicherheit und Freiheit West-Berlins wird von US-Präsident Kennedy am 26. Juni 1963 bei seinem Berlin-Besuch öffentlich bekräftigt (Ich bin ein Berliner!).
| Politik macht tabula rasa |
Nur wenige Monate nach der Öffnung der Mauer im Herbst 1989 war der Antifaschistische Schutzwall (O-Ton DDR), dem DDR-Chef Honecker gerade noch einen Bestand von 50 oder 100 Jahren vorhergesagt hatte, aus dem Stadtbild Berlins verschwunden. Vor allem in Berlins City bleibt kaum etwas von der unmenschlichen Mauer für die Nachwelt übrig. Bis 1989 waren 136 Menschen an der Berliner Mauer gestorben.
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Erst durch eine künstliche Aktion einer privaten Initiative, die 2004 am Ckeckpoint
Charlie eine Kreuz- Installation präsentiert, wird im Jahr 2005 deutlich, daß ein
Mauer- Mahnmal in Berlins City dringend notwendig ist, und daß das amtliche Mahnmal zum
Mauergedenken an der Bernauer Straße abseits aller Touristenströme
Murks ist. Der Deutsche Bundestag sagt dann im Sommer 2005, daß das Brandenburger Tor
der geeignete Ort für ein Mauer- Mahnmal zum Ansehen sei. Immerhin hat der Berliner Senat
es schon mal im Juli 2005 geschafft, wenigstens im Internet einen virtuellen
Rundgang entlang der ehemaligen Mauer zu organisieren.
[Die Mauer fällt]
