Living in a City  —  Reports aus Berlin     – Teil 4 khd
Stand:  25.7.2008   (81. Ed.)  –  File: Heimat/B/Bln/Living_in_a_City_04.html


Auf diesen Seiten habe ich Interessantes aus meiner Heimatstadt Berlin zusammengestellt. Es handelt sich dabei vor allem um Ereignisse und Begebenheiten, die ich selbst erlebt oder beobachtet habe. Meine Reports beginnen 1945 mit dem Ende des 2. Weltkriegs. Manches ist auch noch nicht ganz fertig. So bedeutet: xxx = Text folgt demnächst.

Inhalt:   [1940er] [1950er] [1960er] [1970er] [1980er] [1990er] [2000er] [2006] [Extra]

  1. 1970 – Das „Forum Steglitz“ öffnet.
  2. 1970 – Die „Thermometer-Siedlung“ öffnet.
  3. 1971 – Die Funkausstellung wird international.
  4. 1974 – Ein „Kreisel“ wird gebaut.
  5. 1979 – Internationales Congress Center unterm Funkturm.



1970 — Forum Steglitz – Deutschlands erste Shopping-Mall mit Markt

Wochenmärkte zählen zu den ältesten Formen des Handels. Auf einen Wochenmarkt zu gehen ist für viele mehr als nur das Einkaufen von frischem Obst und Gemüse. Märkte sind immer auch ein wichtiger Treffpunkt im Kiez. So war es auch einmal mit dem 1908 gegründeten und viel besuchten Wochenmarkt, der an der Steglitzer Schloßstraße zwischen dem Titania- Palast und dem Kaufhaus Held an der Bornstraße lag. An den festen Ständen des „Born-Markts“ bekam man alles – vom Hosenknopf über knusprige Schrippen bis zum Schnitzel. Und alles war viel billiger als in den Kaufhäusern.

Shops-in-shop sind angesagt

    Steglitzer Schloßstraße um 1955
^   So sah es in den 1950er-Jahren am heutigen Walther- Schreiber-Platz aus. Durch die Schloßstraße fuhr damals noch die ‚Elektrische‘. Wo seit 1908 der Born-Markt war, steht seit 1970 das „Forum Steglitz“.
[Stadtplan Steglitz von 1980]   (Repro: 2003 – khd)
Mitte der 1960er-Jahre war in der West-City an der Kaiser- Wilhelm- Gedächtniskirche auf dem Gelände des ehemaligen Romanischen Cafés ein großes Einkaufszentrum aus dem Boden gestampft worden – das „Europa Center“. Es war die erste Shopping- Mall in West- Berlin. Und da dachten sich pfiffige Investoren, warum soll das nicht auch in Steglitz möglich sein. Im Einzugsbereich der Schloßstraße wohnt immerhin ein kaufkräftiges Publikum. Außerdem würde die Schloßstraße ab 1971 gut mit der
U-Bahnlinie U 9 erreichbar sein, denn an der Verlängerung von Spichernstraße durch Friedenau bis zum Walther- Schreiber- Platz wurde Ende der 60er-Jahre kräftig gearbeitet (die Eröffnung war am 29. Januar 1971). Also kauften Investoren das große Grundstück an der Schloßstraße 1 und begannen mit dem Abriß des alten Born-Markts, um dort ein „Forum Steglitz“ mit Shops-in-shop zu bauen.

Daß der beliebte Born-Markt verschwinden sollte, rief natürlich im Vorfeld Proteste der betroffenen Anwohner und Markt- Händler hervor. Und so machten die Bauherrn den Händlern und den Bürgern die einschneidende Veränderung in ihrem Wohnumfeld damit schmackhaft, einen großen Teil des Born- Markts in den Neubau in einer ebenerdigen Markthalle zu integrieren. So geschah es.

Chaotische Eröffnung

Am 23. April 1970 war es dann so weit, das
„Forum Steglitz“ eröffnet, obwohl es noch garnicht richtig fertig war. Aber die Bauherren brauchten endlich Einnahmen, sonst wären sie vermutlich noch vor Eröffnung pleite gewesen, wie es einige Zeit später am anderen Ende der Schloßstraße beim Bau des „Steglitzer Kreisels“ geschah. So reichte beim „Forum Steglitz“ damals das Geld noch nicht einmal für ein richtiges Dach über dem zentralen Teil, weshalb ein aufgeblasenes Luftkissen jahrelang als Regenschutz für die Besucher herhalten mußte. Man wollte aber „Deutschlands größtes geschlossenes Einkaufszentrum“ sein. Noch heute wundern sich Bürger, wie es überhaupt gelingen konnte, das vom Steglitzer Bauamt genehmigt zu bekommen...

Noch am Eröffnungstag um 2.30 Uhr entschied der Steglitzer Bürgermeister Heinz Hoefer, den Bau wegen gravierender Sicherheitsmängel nicht zur Nutzung durch das Publikum freizugeben. Denn viele Deckenplatten waren locker, der Rauchabzug war nicht fertig. Das kümmerte die Eigentümer wenig. Sie eröffneten dennoch – ohne baupolizeiliche Genehmigung. Bereits am 24. April drohte die Schließung. Nur mit eiligen Nachbesserungen konnte das Dichtmachen doch noch abgewendet werden. Und es dauerte noch fast ein halbes Jahr bis zum 16. September 1970 bis der 70 Millionen DM teure Bau endgültig fertig war.

Verglastes Konsum-Paradies

An der Schloßstraße 1 war mit 27.000 Quadratmetern Verkaufsfläche ein „verglastes Paradies der Konsumfreude“ mit 200 Einzelhändlern und dem Rest des Born-Markts im hinteren Teil entstanden. Die Eigner maßen sogar 2 Kilometer Schaufensterfront. Nicht nur den Steglitzern gefiel es, in Deutschlands erster Shopping-Mall einzukaufen. Die Läden und der Markt ergänzten prima das sonstige Angebot der Steglitzer Schloßstraße mit den Warenhäusern
Wertheim, Held und Karstadt. Und der Markt war nun sogar jeden Tag geöffnet.

Über die Jahre wurde immer wieder etwas am „Forum Steglitz“ umgebaut. Da es nach einigen Jahren dauernd durchregnete (das Luftkissen war undicht geworden) bekam das Forum doch noch ein festes Dach. Auch kamen und gingen Geschäfte wie das Möbelhaus Anderle, eine große Neckermann- Filiale, das Musikhaus Wiebach und ZIP. Denn für viele Händler waren die Mieten doch zu hoch. Besonders traurig waren die Besucher, als die hervorragende Caféteria im obersten Stockwerk aufgab und einige Zeit später auch die tolle Pizzeria im Keller dichtmachte.

Besonders eindrucksvoll waren die kleinen Weihnachtsmärkte, die in der frühen Zeit um die Rolltreppen herum stimmungsvoll aufgebaut wurden. Auch wenn dort nicht allzuviel Platz war, gab es sogar Glasbläser, die vor staunenden Kinderaugen Christbaumschmuck anfertigten. Später wurde es im Forum politisch: In den 80er-Jahren wurde auf diesem neutralen Boden eine Passierscheinstelle eingerichtet, wo man Einreisegenehmigungen für den Besuch Ost-Berlins beantragen und abholen konnte.

    Forum Steglitz in weihnachtlicher Dekoration    
^   Das „Forum Steglitz“ mit weihnachtlicher Dekoration. Etwa 10 Millionen Besucher pro Jahr hat dieser Konsum-Tempel. Viele davon kaufen bislang auch auf dem integrierten Born-Markt ein. Aber in den Jahren 2005 und 2006 fiel das Weihnachtsgeschäft wg. des Umbaus quasi aus.   (Foto: 23.12.2003 – khd)

2005 – Nach 35 Jahren

35 Jahre später sind auf den 5 Verkaufsetagen von einst 200 Einzelhändlern nur noch 63 Einzelhandels- Geschäfte sowie etwas Gastronomie und einige Dienstleistungsunternehmen übrig. Das Haus ist mit Karstadt- Sport, Quelle, dem Technik- Kaufhaus Schaulandt und WOM (World Of Music) stark
Karstadt-Konzern- lastig geworden. In ihrer Eigenwerbung betonen aber die Betreiber des „Forum Steglitz“ (das ist die britische Firma Donaldsons) noch immer die Attraktivität des Marktes: „Ein großer Anziehungspunkt ist auch unser Born- Markt – ein "täglicher Wochenmarkt" mit über 30 Ständen – seit 1908 Tradition und seit 1970 sogar komfortabel überdacht und in das Erdgeschoß des FORUM STEGLITZ integriert.“

Auch die Eigentümer wechselten. Das „Forum Steglitz“ ist heute fest in britischer Hand. Es gehört 2005 der britischen Hammerson- Immobiliengruppe. Und diese wünscht sich eine höhere Rendite ihres Objekts. Deshalb investiert sie ab 2005 in eine Modernisierung 40 Millionen Euro, die im Sommer 2006 abgeschlossen sein soll. Denn 2006 eröffnet die große Konkurrenz am anderen Ende der Schloßstraße – die „Schloßgalerie“. Und gleich nebenan soll auf dem Gelände des Kaufhauses Held (später Hertie) ein weiteres Einkaufszentrum entstehen. Um im Forum eine größere Verkaufsfläche von 33.000 Quadratmeter zu erreichen, wird bei der Modernisierung der Born- Markt geopfert. Hier sollen nun im Erdgeschoß auch Geschäfte entstehen, die ein Mehr an Mieteinahmen bringen.

Das SSC Das Forum Steglitz Schloßstraße in Steglitz Lageplan des Forum Steglitz
Aus für den Born-Markt

Einige wenige Markt-Händler sollen ab August 2005 in Kabäuschen im Keller untergebracht werden. Der Eigner will keine offenen Stände mehr. Der Geruch von Käse und Fisch sei im Haus störend, sagt man. In der WELT vom 25. April 2005 heißt es zum 35-jährigen Jubiläum: Nach Feiern ist den Händlern des Born- Marktes überhaupt nicht. „Das Jubiläum ist für mich ein Trauertag“, sagt Fischhändler Klaus-Peter Nickel. Heißt es doch Abschiednehmen vom Born- Markt. Gerade hat er seine Kündigung erhalten, nun schon zum dritten Mal. Erst sollte der Born- Markt im Dezember 2004 geräumt werden, dann im März 2005, jetzt ist Ende April Schluß. Danach kommt für die meisten Händler die große Ungewißheit. Noch ist nicht sicher, ob er in das Untergeschoß zieht. „Die Verhandlungen laufen noch“, sagt Nickel.

Mit dem neuen Standort „im Keller“ können sich die Markt-Händler noch nicht anfreunden. Auch die Kunden nicht. Und so wird es wohl mit dem Einkaufen von frischem Geflügel und Fisch in der Schloßstraße sein Ende haben. Bislang war der Born-Markt für solche Produkte die erste Quelle in Steglitz. Denn die Kaufhäuser führen längst kein vielfältiges Geflügel- und Fischangebot mehr. Und bei Nordsee in der Schloßstraße bekommt man nur noch höchstens Fischfilet und Fisch- Brötchen... So wollten es die ‚Heuschrecken‘, die 1997 die Nordee- Läden übernahmen und auf Fast-food setzten. Der Born-Markt soll nun doch im Keller wieder eröffnet werden – im Februar 2006.

Forum Steglitz -- Born-Markt Anfang 2007 noch nicht fertig      
^   „Born-Markt – Täglich frisch seit 1908“, heißt’s in der Werbung. Aber Anfang 2007 ist Fisch-Nickel noch immer nicht wieder zurück im Forum Steglitz. Wann ist demnächst? – Es sollte noch ein 3/4 Jahr dauern.   (Foto: 2.1.2007 – khd-1175)
Der unendliche Umbau

Im Sommer 2005 begannen dann im Forum Steglitz die Umbauarbeiten. Noch recht schnell verschwand der Born-Markt hinter Behelfswänden. Da der Umbau unter laufendem Betrieb erfolgte, mußte das eine oder andere Geschäft erst einmal innerhalb des Forums umziehen. Manche Läden zogen auch gleich in freie Läden der Nachbarschaft oder gaben auf. Für die Kunden war damit das große Suchen angesagt. An einem Wochenende wurden die langen Fahrrampen zur 1. Etage ausgebaut und durch kurze Rolltreppen ersetzt. Aber irgendwie ging es dann nicht recht voran, und es begann eine unendliche Geschichte des Umbaus. Stammkunden mieden das Forum.

Die formale Wiedereröffnung des veränderten Forum Steglitz fand zwar schon am 7. September 2006 statt, aber noch Anfang Dezember stolperte man dort über reichlich Baustellen, und viele sehr nützliche Geschäfte waren nun verschwunden. Den versprochenen Born-(Rest-)Markt im Keller mit dem Nickel-Fischstand gab es Anfang Januar 2007 noch immer nicht. Sogar Ende März 2007, als bereits das in dieser Zeit völlig neu gebaute „Schloss- Strassen- Center“ öffnete, war das Forum Steglitz noch immer nicht komplett fertig. Nun heißt es, das der (nur 40 Mio. Euro teure) Umbau „bis Ende April 2007 beendet“ sein soll.

Nur ein Mini-Born-Markt blieb übrig

Erst im August 2007 verkünden dann die Forum-Betreiber und Markt-Muffel in Nr. 22 von „Forum Steglitz Aktuell“, daß noch im September die spärlichen Überbleibsel des einstigen Born-Marktes im Keller eröffnen werden. Dazu gehört auch der Traditionsbetrieb von Fisch Nickel. Na, dann sei ja endlich wieder ein
Sylvester-Karpfen von ausreichender Größe (mindestens so ein 5 bis 6 Pfünder) in Steglitz erhältlich, freuen sich erfahrene Fischkochen-Könner und Altkunden des Marktes.

Und diesmal war es dann im September 2007 wirklich soweit: Fisch-Nickel – der eigentlich wichtigste Laden des ganzen Forum – eröffnete wieder. Nun abgedrängt im Keller, aber dafür mit einer stark erweiterten Produktpalette von Qualitätswaren. Neben dem vielfältigen frischen Fischangebot vom Aal bis Zander gibt es jetzt bei Nickel auch frisches Wild und Geflügel sowie Fleisch- und Wurstwaren. Hoffentlich finden nun viele Kunden den Nickel-Laden, wo es für die Schloßstraße ein einmaliges Angebot gibt.



Quellen und ergänzende Links:  Erinnerungen + WELT vom 25. April 2005. Das Original des alten Fotos vom Walther-Schreiber-Platz stammt aus dem Steglitzer Heimatarchiv. (Last Update: 3.11.2007)


1970 — Die „Thermometer-Siedlung“ öffnet

Im eingemauerten West-Berlin war der Platz knapp, um neue Wohnungen zu bauen. Und so kam man in den 60er-Jahren auf die Idee, einige noch größere freie Flächen mit Hochhaussiedlungen zu bebauen. So entstand im Südosten West-Berlins die „Gropiusstadt“ und im Norden das „Märkische Viertel“. Aber auch im Bezirk Steglitz ‚besaß‘ man zwischen der Osdorfer Straße und der Trasse der Anhalter Bahn dicht an der Stadtgrenze eine noch landwirtschaftlich genutzte Fläche. Östlich der Ostdorfer Straße hatte man schon in den 50er-Jahren ganz einfache Wohnungen um den Woltmannweg für die vorübergehende Unterbringung von Flüchtlingen gebaut – die sogenannte „Kleinraumsiedlung“.

Eine Schlafstadt wird geplant

Also machten sich Mitte der 60er-Jahren die Stadtplaner auf Geheiß der Politiker ans Werk und entwarfen auf dem Reißbrett neben der Kleinraumsiedlung eine Hochhaussiedlung für 6000 Menschen. Man wird sie später wg. der Namen der neugebauten Erschließungsstraßen (Celsiusstraße, Fahrenheitstraße und Réaumurstraße) die „Thermometer- Siedlung“ nennen. Als Bauherren für den Großteil der Siedlung ‚gewann‘ man die stadteigene GSW und die staatseigene GAGFAH. Die Bauten entstanden überwiegend im Rahmen des sozialen Wohnungsbaus mit Förderung aus öffentlichen Mitteln.

„Folge-Einrichtungen“ wurden vergessen

Im Jahr 1968 wurde mit dem Bau der Thermometer-Siedlung begonnen. Die ersten Häuser an der Fahrenheitstraße konnten bereits im Februar 1970 bezogen werden. Und damit begann auch schon der Ärger der neuen Mieter. Denn es gab u. a. kein Telefon, nur einen Lebensmittelladen und eine miserable Anbindung der Siedlung an die Steglitzer City mit Bus und Bahn.

Als immer mehr Mieter in die neue Siedlung gezogen waren, wurde dann recht schnell deutlich, daß zwar eine Grundschule gebaut wurde, aber viel zu wenig Kita-Plätze und kein Jugendfreizeitheim geplant waren. Auch waren keine Sportflächen und kein Naherholungsgrün (Park) von den amtlichen Planung vorgesehen worden – dafür aber reichlich Parkhäuser für Autos, die sich die Mieter garnicht leisten konnten.

Man hatte also – wie schon in den anderen Siedlungen – alle wichtigen „Folge-Einrichtungen“ (Berliner Amtssprache!) ‚vergessen‘. Außerdem hatte man die Siedlung dicht neben ein lärmendes und stinkendes (quasi-) Industriegebiet an der Réaumurstraße gebaut, ohne für die dort aktiven Betriebe ausreichende Auflagen zu erteilen.

Mieter wehren sich

Also mußten die Mieter ihre Sache in die eigenen Hände nehmen, denn den Bauherren war diese Fehlplanung irgendwie entgangen. Es gründeten sich mit Unterstützung der evangelischen Kirchgemeinde mehrere themenbezogene Bürgerinitiativen, die mit Protest und viel Kleinarbeit den Politikern und Behörden Beine machten. So konnten nach und nach viele der Mißstände beseitigt werden. Dieser dornenreiche Weg ist von mir bereits an anderer Stelle im Internet dokumentiert worden:



Thermometer-Siedlung (Kartenausschnitt)
^   Die Thermometer-Siedlung in Lichterfelde-Süd (Ortsteil des Bezirks Steglitz). Ausschnitt aus der Karte 3042 des Bezirksamts Steglitz (Vermessungsamt) von 1974 (Original-Maßstab 1:4000). Eingezeichnet ist die ab 2001 entstandene Einkaufssituation. EKZ = Einkaufszentrum.

Mit roten Punkten sind die bislang geschlossenen Lebensmittel-Supermärkte markiert. 2007 existiert nur noch ein Supermarkt in der benachbarten Woltmann-Siedlung (grüner Punkt). An mit gelben Punkten markierten Orten stehen weitere Läden leer oder werden fremdgenutzt.

Seit August 2005 gibt es Gerüchte, daß Kaiser's an der Osdorfer Straße auch dicht macht, sobald sich Kaufland am Ostpreußendamm etabliert hat. De facto würde dann die Siedlung ohne Lebensmittel- Versorgung dastehen. Das traurige Ergebnis einer völlig verfehlten Politik. [Liste zum Laden-Leerstand] [Karte von Lichterfelde-Süd von 1980]   (Repro: 1992 – khd) (Grafik: 2007 – khd)


Neue Probleme

Im Sommer 2000 feierte die Thermometer-Siedlung ihren 30. Geburtstag mit einem großen Straßenfest. In den folgenden Jahren stellte sich heraus, daß die Siedlung neue Probleme hat. Da offensichtlich die Kaufkraft der Bewohner nicht mehr ausreicht, verschwanden immer mehr Geschäfte aus der Siedlung. Stark befördert wurde diese negative Entwicklung durch
falsche Entscheidungen des Steglitzer Bezirksamts. Diese Politiker haben die Bedeutung des Artikels 20 unserer ‚Verfassung‘ (GG) überhaupt nicht verstanden, sonst hätten sie anders – im Sinne des Gemeinwohls – gehandelt.

So sind im Jahr 2007 von einst 4 Lebensmittel- Supermärkten nur noch 1 Supermarkt übriggeblieben. Dummerweise liegt dieser aber am Rand der Thermometer-Siedlung und führt zudem nur ein begrenztes Warenangbot („reduzierte Liste“). Das tägliche Einkaufen wurde daher für viele wg. der weiten Fußwege zur Qual. Die Politik und die Vermieter haben sich bislang als absolut unfähig erwsiesen, dem Abwärtstrend der Siedlung Einhalt zu gebieten. Und so sind eine Reihe von Mietern bereits wieder in die Stadt gezogen. Weitere werden demnächst folgen, was dazu führen könnte, daß man in der Siedlung – bis vielleicht auf Zeitungen – überhaupt nichts mehr einkaufen kann . . .


Quellen und ergänzende Links:  Erinnerungen + mein Archiv. (Last Update: 3.11.2007)


1971 — Die Funkausstellung wird international

Die erste Funkausstellung (FA) fand 1924 als „Große Deutsche Funkausstellung“ in Berlin in einer extra dafür wegen der Funkwellen aus Holz gebauten Halle statt. Noch im gleichen Jahr wurde in der Nähe mit dem Bau des Funkturms begonnen, denn man brauchte eine große Stabantenne (weshalb der Stahlturm auch auf großen Porzellan- Isolatoren steht).

Berlin ist die Stadt, in der die (aufgrund der Maxwellschen Gleichungen von 1873) vorhergesagten „elektrischen Wellen“ durch den Physiker Heinrich Hertz 1888/89 tatsächlich entdeckt wurden. Diese Hertzschen „Funkwellen“ veränderten die Welt.

Neustart nach dem Krieg

Nach dem 2. Weltkrieg gastierte diese Ausstellung der Funk- und Unterhaltungs-Technik in Westdeutschland (u. a. in Düsseldorf). Erst 1961 veranstaltete der Fachverband Rundfunk und Fernsehen im Zentralverband der Elektrotechnischen Industrie (ZVEI) diese beim Publikum so beliebte Ausstellung wieder in Berlin unterm Funkturm. Und dort blieb sie dann ab 1971 bis heute, obwohl vom ZVEI zunächst versucht wurde, sie auf Dauer zurück in die Provinz zu verlegen (Stuttgart + Düsseldorf).

IFA-Logo
IFA wird weltweite Leitmesse

Mit der 28. Auflage wurde die Funkausstellung im Jahr 1971 dann mit der Teilnahme von 23 Ländern international. Sie heißt nun
„IFA – Internationale Funkausstellung“ (World of Consumer Electronics). Sie wird alle 2 Jahre im Spätsommer (Ende August/Anfang September) von der Gesellschaft zur Förderung der Unterhaltungselektronik (GFU) veranstaltet. Die IFA entwickelte sich – auch wg. des attraktiven Standorts Berlin (Fachbesucher kommen gerne nach Berlin) – sehr schnell zur globalen Leitmesse der Funk-, Fernseh- und Unterhaltungstechnik, auf der viele Marksteine und auch manche Flops der technischen Entwicklung gezeigt wurden.

Highlights der Funkausstellungen

Einige der Attraktionen der ausgestellten Technik seit 1924 waren: [
Liste der IFA-Highlights]

IFA stets auch ein Medienereignis

Es war aber nicht nur die Technik, die dem Publikum gefiel. Auch das Rahmenprogramm der Fernsehanstalten auf der Funkausstellung wurde immer wieder gelobt. Es waren vor allem die ARD und das ZDF, die Sendungen dort live produzierten und damit zeigten, wie Fernsehen und Rundfunk gemacht werden. Die privaten Sender wie RTL und SAT.1 konnten wg. ihres vorwiegend auf Konserven abgestellten Programms nicht mithalten.

Die Digitalisierung macht's möglich

Heute ist es nicht mehr nur die Funktechnik, die auf der IFA präsentiert wird. Durch die Digitalisierung sind Funk- und Unterhaltungs-Technik immer mehr mit der Informations- und Kommunikations- Technik zusammengewachsen. Das machen die Exponate der Ausstellungen seit 1987 deutlich. Und dieser Konvergenz- Prozess ist noch längst nicht abgeschlossen. Man denke nur daran, welche Möglichkeiten die Vernetzung der Gesellschaft durch das Internet bietet.

In vielen Bereichen warten wir noch immer auf eine Vereinheitlichung der Schnittstellen von Geräten durch eine sachgerechte und wegweisende Normung. Für die Hersteller gibt es daher noch viel im Sinne des Dienstes am Konsumenten zu tun. Und wir werden die Ergebnisse der Innovationen hoffentlich schon bald auf kommenden IFAs bewundern können. Denn ab 2006 wird die Internationale Funkausstellung (IFA) jedes Jahr in Berlin veranstaltet.


Quellen und ergänzende Links:  Erinnerungen + „Geschichte der Unterhaltungstechnik“. (Last Update: 21.4.2008)


1974 — Ein „Kreisel“ wird gebaut

Im Jahr 2005 ist es für manche Politiker schick, bei Investitionen aufs „Public Private Partnership“ (PPP) zu setzen. In Berlin hatten wir das schon um 1970 unter der Ägide des Regierenden Bürgermeisters Klaus Schütz (1967–1977) – und mit schlimmen Folgen für die öffentliche Kasse. Noch 35 Jahre später hat Berlin an damals falsch getroffenen Entscheidungen schwer zu knabbern und einen massiven Fremdkörper in der Steglitzer City.

Wie frau eine „Partnership“ erzwingt

Im Rahmen der Verlängerung der U-Bahnlinie über den Walther-Schreiber-Platz hinaus mußte am Rathaus Steglitz ein großer Endbahnhof mit Abstellgleisen für die U 9 und eine künftige U 10 nach Lankwitz gebaut werden. Da traf es sich gut, daß die Architektin Sigrid Kressmann-Zschach bereits ein Auge auf die Filet- Grundstücke zwischen Schloßstraße, Albrechtstraße und dem S-Bahnhof Steglitz geworfen hatte. Sie kaufte systematisch diese Grundstücke auf, so daß nichts mehr ohne sie gehen konnte.

Die pfiffige Architektin schlug dann dem Berliner Senat vor, den U-Bahnhof im Rohbau zu bauen und gleich darüber eine große moderne Shopping-Mall mit Bus-Bahnhof, Restaurants und einem Warenhaus. Gekrönt werden sollte der Riesenbau an der Bundesstraße Nr. 1 durch einen über 100 Meter hohen Büroturm, der kreisförmig vom Verkehr umflutet werden sollte („Kreisel“). Natürlich müsse sich der Senat an den Baukosten beteiligen, hieß die Devise. Und so entstand im Berliner Größenwahn eine „Partnership“ mit Senats- Bürgschaft. Ein Untersuchungsausschuß wird später herausfinden, daß dabei insbesondere Berlins Finanzsenator Heinz Striek (SPD) und Bausenator Rolf Schwedler (SPD) der Architektin zu sehr vertrauten.

Der Kreisel wächst . . .

    Steglitzer Kreisel
^   Das Rathaus von Steglitz – der skandalumwitterte Steglitzer Kreisel. Mit 119 m Höhe ist er Berlins dritthöchstes Gebäude, in West-Berlin das Höchste. Im Vordergrund das riesige meist leere Parkhaus.
[Sieht der Kreisel 2010 so aus?]   (Repro: 2004 – khd)
Der Deal zwischen Senat und der drittklassigen Architektin und ihrer Firma Avalon kam 1968 zustande. Alles sollte nur 180 Millionen DM (rund 90 Mio. Euro) kosten. Und 1969 begann man zu bauen und legte den Grundstein. Eine riesige Baugrube wurde neben dem S-Bahndamm ausgehoben. In den ersten Jahren ging es flott voran, wie es aus der vorbeifahrenden S-Bahn zu beobachten war. Aber mit jedem wachsenden Stockwerk wurde der Bau teurer. Unverdrossen verkündete man dem Publikum mit großen Ziffern am Bau, wieviel Stockwerke man schon geschafft hatte.

. . . aber die Kosten explodieren

Noch beim Richtfest im September 1972 verteidigte der Regierende Bürgermeister Schütz (SPD) den Bau gegen die aufkommende Kritik als „eine große Idee, die sich bewähren wird“. Aber man fand keine Mieter, die dort nach Fertigstellung einziehen mochten. Im Jahr 1973 war dann erst einmal Schluß: Die Baukosten waren auf 330 Millionen DM explodiert. Die Kressmannsche Avalon war pleite, da ihr die Banken keine weiteren Kredite mehr geben mochten. Die Avalon mußte Konkurs anmelden. Berlin hatte mindestens 40 Millionen DM verloren und eine Investitionsruine am Hals.

Und die SPD büßte 1975 die politische Alleinherrschaft in Berlin ein – bis heute. Jahrelang stand dann der Kreisel halbfertig in der Gegend. Ein besonderer Stein des Anstoßes war aber diese Stahlbrücke („Kressies Gerippe“), die einmal von einem geplanten Rundcafé über dem Hermann-Ehlers-Platz über die Albrechtstraße ins Kaufparadies führen sollte. Für das Aufstellen der Stahlkonstruktion hatte das Geld noch gereicht. Nun rostete alles vor sich hin. Nur die Tauben fanden Gefallen an neuen Versteckmöglichkeiten.

Keiner will die Kreisel-Ruine haben

In mehreren Anläufen konnte die Skandal- Immobilie nicht versteigert werden. Erst als Senat und Bezirk Steglitz sich darauf einigten, daß die Steglitzer Bezirksverwaltung in das Hochhaus einziehen soll und eine Mietgarantie für 10 Jahren abgaben, ging der Kreisel 1977 für nur 32 Millionen DM an den Investor Becker & Kries. Für den flachen Sockelbau entwickelte dieser ein neues Nutzungskonzept, daß eine Hauptnutzung als Hotel (Hotelbetten waren in Steglitz Mangelware) und nur noch wenige Läden vorsah.

Becker & Kries vollendete dann den Bau, wobei diese unmögliche Stahlbrücke zur Freude der Steglitzer verschwand und auf eine Verkehrsumkreiselung verzichtet wurde. Das Bezirksamt zog am 27. Februar 1980 in das Kreisel- Hochhaus ein und damit fing neuer Ärger an. Von 1979 bis zum Ablauf des Mietvertrages Ende 1988 zahlte das Land Berlin rund 111 Millionen DM für den Kreisel. Und obwohl es bereits um 1986/87 klar war, daß der Kreisel schwer mit Asbest belastet war, nutzte der Bezirk 1988 sein Vorkaufsrecht und kaufte das Kreisel- Hochhaus für nochmal 67 Millionen DM. Der Kreisel wurde so zum zweiten Mal vom Geld der Steuerzahler bezahlt... [Die Kreisel-Chronologie]

2005 kein Geld für eine Asbest-Sanierung

Für die nunmehr immer dringend werdende Asbest- Sanierung hat das völlig verarmte Berlin 2005 kein Geld mehr. Daher droht der Leerstand und dann der Abriß – es sei denn, mit dem Geld der Steuerzahler wird doch noch der Kreisel ein drittes Mal ‚gekauft‘. Viele Steglitzer würden sich daher freuen, wenn endlich dieser völlig überflüssige und klobige Fremdkörper aus dem Steglitzer Stadtbild verschwindet. Denn auch architektonisch ist der Kreisel sehr sehr weit davon entfernt, ein großer Wurf geworden zu sein. Hochhäuser kann man wirklich schöner bauen. [Dokus:
Wie ging es mit dem Kreisel weiter?]


Quellen und ergänzende Links:  Erinnerungen + mein Archiv. (Last Update: 25.7.2008)


1979 — Internationales Congress Center unterm Funkturm

Zwar hatte sich West-Berlin schon im Zusammenhang mit der Interbau 1957 und mit tatkräftiger amerikanischer Unterstützung eine Kongreßhalle mit gewagter
      Kongreßhalle im Tiergarten 1957
^   Europas kühnster Bau – ein Geschenk der Amerikaner zur IBA 1957. Die Kongreßhalle im Tiergarten im Originalzustand von 1957. Heute ist sie – nach der Havarie vom 21. Mai 1980 mit einem neuen Dach versehen – das „Haus der Kulturen der Welt“.   (Foto: 28.12.1957 – khd)
Dachkonstruktion zugelegt. Dennoch waren Berlins Politiker Anfang der 70er-Jahre plötzlich zur Auffassung gelangt, daß diese nicht mehr für das „Schaufenster des Westens“ reiche.

Eine neue Halle muß her

Die Kongreßhalle im Tiergarten liege zu weit vom Messegelände am Funkturm entfernt, sie sei zudem schlecht mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar, hieß es. Auch biete sie zu wenig Ausstellungsfläche, die aber bei Kongressen eine immer größere Rolle spiele. Und man habe mit dem großen Parkplatz am Funkturm, wo bislang die großen Zirkusse gastierten, ein ideales Areal, um ein wegweisendes modernes Kongreß- Zentrum zu bauen. Außerdem würde das auch nicht sehr viel kosten – nur so etwa um die 125 Millionen DM. Verzichte Berlin aber auf ein solches internationales Kongreß- Zentrum mit Anbindung ans Messegelände, dann würden große Kongresse um Berlin einen großen Bogen machen, argumentierten die damals Regierenden.

Ein ICC wird geplant . . .

Also wurde vom Berliner Senat ein Wettbewerb für ein neues Kongreß-Zentrum mit Weltniveau ausgeschrieben. Diesen gewannen die Berliner Architekten Ursulina Schüler-Witte und Ralf Schüler mit einem futuristischen Entwurf, der nicht nur das Kongreß- Zentrum durch eine Brückenkonstruktion über den Messedamm mit dem Messegelände verband, sondern unterirdisch auch mit der benachbarten Stadtautobahn (A 100). Allerdings mußten dazu
die alten Messehallen längs des Messedamms abgerissen und in etwas größerer Dimension wieder aufgebaut werden, was Kritik wg. des Denkmalschutzes hervorrief.

International Congress Center Berlin
^   Berlins „International Congress Center“ (ICC) am Funkturm. Hinter dem ICC baut die Deutsche Bahn an der Verbindung über den Innenring zwischen der Ost-West-Stadtbahntrasse und dem Nord-Süd-Tunnel, um nicht über die Stadtbahn zum Lehrter Bahnhof (Hauptbahnhof) fahren zu müssen.   (Foto: 2004 – mopo)

. . . und dann gebaut

ICC-Logo Im Jahr 1973 begann man mit dem Bau. Bauträger war die „Neue Heimat“. Und während des jahrelangen Baus wurde das Kongreß-Zentrum immer teurer, was im Abgeordnetenhaus von Berlin immer wieder heftige Streits bei jeder Erhöhung des Finanzbedarfs auslöste. Irgendwann war das „International Congress Center“ (ICC) dann fertig. Am 2. April 1979 [Ed: wg. des Omens vermied man den 1. April!] wurde das ICC feierlich eröffnet. Es hatte fast 1 Milliarde DM gekostet – etwa das 8-fache wie einst angekündigt.

Dennoch waren alle voll des Lobes über das gelungene Haus mit seinen vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten: Vom Ball über Kongresse bis zur Show und Konzert. Mit seiner Länge von 320 m, der Breite von 80 m und einer Höhe von bis zu 40 m sowie seiner silbrigen Aluminiumhaut wirkt der Stahlbetonbau des ICC wie ein neben dem Funkturm gelandetes Raumschiff der Enterprise-Klasse. Das ICC ist mit 80 Sälen und Räumen mit einer Gesamtkapazität von 20.300 Plätzen ausgestattet. Es ist damit die größte und modernste Tagungsstätte Europas.

Die erste große Bewährungsprobe hatte das ICC während der 32. Internationalen Funk-Ausstellung (IFA) Ende August 1979. In den beiden großen ICC-Sälen wurden Fernsehsendungen live produziert. Auch bei den Veranstaltern von Kongressen wird das ICC sehr schnell beliebt. Inzwischen hat das ICC mehrfach die Auszeichnung „best convention center of the year“ erhalten. Bis April 2003 haben im ICC rund 14.000 Veranstaltungen, davon 12.325 Kongresse, stattgefunden. Der Kaufkraftzufluß für Berlin durch die auswärtigen Kongreßteilnehmer beträgt nach Schätzungen seit der Eröffnung rund 1,3 Mrd. Euro.

Und 2005 droht bereits der Abriß

Nachdem aber die Messegesellschaft halbprivatisiert ist, jammert diese immer wieder darüber, daß sich das ICC nicht rechnet. Die Einnahmen aus der Vermietung des ICCs sollen angeblich nicht ausreichen, um die Betriebskosten des ICCs zu bestreiten [Merke: Betriebswirtschaftlich läßt sich bei geeigneter Wahl der Systemgrenzen immer ein Betriebsteil als nicht kostendeckend beschreiben – Einnahmen steigern oder Mischkalkulation ist dann angesagt]. Und als Berlin-Beobachter erinnert man sich genau, daß es auch diese Messegesellschaft war, die bereits 1997 das attraktive und so wichtige
Deutsche Rundfunk- Museum aus dem „Sender Witzleben“ vom historischen Gelände unterm Funkturm vertrieb. Es paßte ihr schlichtweg nicht mehr in den Kram – also weg damit.

Ähnliches droht nun seit Anfang 2000 – also nach nur gut 20 Jahren Betriebzeit – dem ICC. Es wird erneut über einen Neubau einer Kongreßhalle diskutiert. Und es könnte durchaus sein, daß das ICC wieder abgerissen wird oder für die Nutzung als Shopping-Mall herhalten muß. Denn die wenig fähigen Manager der Messegesellschaft haben ein Auge auf den Platz der Deutschlandhalle (die noch der Stadt gehört) geworfen, obwohl es am Alexanderplatz noch das „Berlin Congress Center“ (BCC) und in Neukölln das beliebte „Estrel Convention Center“ gibt.

Um nun ihren volkwirtschaftlich unsinnigen Wünschen vom Typ ‚Wegwerfgesellschaft‘ näher zu kommen, ließen sie schon mal über die letzten Jahre mit Hilfe des Berliner Senats die ihnen im Weg stehende Deutschlandhalle marode werden. Anfang Dezember 2005 wies aber ein technisches Gutachten nach, daß das Dach der Deutschlandhalle nicht einsturzgefährdet ist, wie es die Messegesellschaft behauptet hatte. Das Dach halte sogar das Zweieinhalbfache von dem aus, was an Tragfähigkeit nötig sei, hatten die Gutachter mit einer Belastungsprobe nachgewiesen. *

      Modell des geplanten Kongreßzentrums
^   Es gibt bereits einen Entwurf. Das geplante „Deutschlandhallen Convention Center“ (DCC), das als Provinzposse am Ort der Deutschland- halle gebaut werden und das ICC ersetzen soll.   (Foto: 2005 – mopo)
Der Senat will den Abriß des ICCs

Durch einen
Bericht des Tagesspiegel wird am 10. Dezember 2005 bekannt, daß der Senat noch bis zum Jahresende den Abriß des ICCs – am Parlament vorbei – beschließen will. Gleichzeitig soll das Verfahren zur Aufhebung des Denkmalschutzes für die Deutschlandhalle eingeleitet werden. In einem Gutachten werden die Kosten für die Sanierung und den Umbau des ICC auf 216 Millionen Euro geschätzt. Der Abriß käme hingegen auf etwa 30 Millionen Euro. Unklar sei noch, wer die 63 Millionen Euro für das neue – dann das 5. (sic!) – Berliner Kongreßzentrum bezahlt und was mit dem leeren ICC- Areal geschehen soll, heißt es. Das Senats- Ansinnen ruft Empörung hervor. ICC-Architekt Ralf Schüler sieht in den Senats- Plänen „den Versuch des rot-roten Senats, ein [West-] Äquivalent zum [bevorstehenden] Abriß des Palasts der Republik zu schaffen“ *. [Dokus: Wie ging es mit dem ICC weiter?]

Was wird hier wirklich gespielt?

Anfang Januar 2005 gab die landeseigene Messe-Gesellschaft
Zahlen für das Jahr 2005 bekannt. Und danach ist es stadtökonomisch problemlos möglich, die beim ICC-Betrieb anfallenden Mehrkosten aus der durch den Kaufkraftzufluß gewonnen Umsatzsteuer zu bezahlen *. Letztendlich muß das wohl dann auch Berlins Senat verstanden haben, denn er verzichtet im Mai 2008 auf den Abriß und beschloß die Sanierung des ICC. Dennoch soll die Deutschlandhalle abgerissen werden, obwohl offensichtlich noch unklar ist, was die Messegesellschaft stattdessen dort bauen will/soll.


Quellen und ergänzende Links:  Erinnerungen + mein Archiv. (Last Update: 31.5.2008)


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