|
|
|
|
Stolz von Steglitz
|
Damit wirbt der Investor HFS für seine
Schloßgalerie. Aber
die Steglitzer können sich noch gut an einen anderen ‚Stolz‘ erinnern ans
Rundcafé überm Hermann-Ehlers-Platz (gleich gegennüber), sogar mit
‚Höhenweg‘ zum geplanten großen Kaufhaus im
Kreisel. Wo sind sie geblieben?
Nix Kredit mehr, Pleite, nix mehr Fertigstellung... Abgerissen!
|
|
Obwohl an der Steglitzer Schloßstraße schon seit langem ein ganzes wunderbar
übersichtliches Kaufhaus ungenutzt leersteht
(
Held/Hertie) und der
Karstadt/Quelle- Konzern mit seinen Warenhäusern Wertheim und Karstadt
allerorten
ums
Überleben kämpft, glauben die Zeichner des
HFS Immobilien- Fonds
Deutschland 17. GmbH & Co. KG (sic!) an den wirtschaftlichen Erfolg mit hoher
Rendite ihres
umstrittenen Einkaufscenters am Rathaus Steglitz. Und was in den
90er-Jahren zunächst nur als kleine bescheidene Rathauspassage ins
Gespräch gebracht wurde, entpuppte sich inzwischen als Großbau- Projekt der
Schloßgalerie rund ums alte Rathaus Steglitz.
|
|
Foto-Montage der in Berlin-Steglitz von einem geschlossenen Immobilien-Fonds der
HFS GmbH geplanten und durchgesetzten
Schloßgalerie. Irgendwie erinnert dieser am Rathaus Steglitz
entstehende Shoppingpalast der Extraklasse (HFS) an die berühmten Les
Halles den alten ‚Bauch‘ von Paris (Markthallen in der Nähe von
Nôtre Dames). Rechts unten ist die Steglitzer Schloßstraße, und nach links
zweigt die Grunewaldstraße ab. Im Vordergrund links ist das runde Dach des
denkmalgeschützten VW-Pavillons auf dem Gelände der Schwartzschen Villa zu erkennen,
am Horizont die drei Schornsteine des Bewag-Kraftwerks Wilmersdorf.
Architekt dieser
Schloßgalerie ist Manfred Pechthold (Berlin). Die Baukosten werden
auf 200 Millionen Euro geschätzt. Im Frühjahr 2006 soll alles fertig sein.
(Repro: 9.2004 khd / Montage: HFS) |
|
|
Power-Lobbying machte Stolz von Steglitz möglich |
| |
Tip für Journalisten:
1.8.2005. Profi-Journalisten mit ihren besseren Möglichkeiten der Recherche sollten bei
diesem Bauvorhaben sehr sorgfältig und intensiv nachrecherchieren. Denn die enorme
Verquickung privater mit öffentlichen Interessen ist bei der Schloßgalerie am
Rathaus Steglitz offensichtlich. Und es könnte durchaus sein,
daß diese Art der Vermischung so intensiv geworden ist, wie uns das unlängst der
WDR in einem Fernsehbericht über die Machenschaften der
Oppenheim-Esch- Gruppe beim
Bau der "Köln- Arena"
präsentierte.
|
|
|
Damit das riesige Bauvorhaben überhaupt politisch und planungsrechtlich durchsetzbar
wurde, holte man geschickt Bezirk, Land und öffentliche Sparkasse (die BGB-Tochter) mit
ins Boot. Immerhin war ein neuer Bebauungsplan
für das Areal erforderlich. Und um einen Zugang zur Grunewaldstraße zu bekommen,
kauften die Investoren dem Bezirk die Bezirkskasse und die Steglitzer Stadtbibliothek ab. Auch
mit der Sparkasse wurde man handelseinig. Das erst um 1980 vom Architekten Gras gebaute
Sparkassen- Haus konnte entsorgt werden. Spötter sagen, am liebsten hätten
dieser Immobilien- Fonds wohl das ganze
Karree aufgekauft und abgerissen. Und so sind wieder einmal wir hatten das ja schon
beim Kreisel die öffentliche Hand
und Investor in einer Public- Private- Partnership (PPP) auf Gedeih und Verderb verbunden. Denn für
die abgerissene Bezirks- Bibliothek werden in der Schloßgalerie
neue Räume zur Verfügung
stehen.
| |
|
|
Das rote Rathaus Steglitz um 2000 mit der angebauten Bezirkskasse und dem roten Sparkassen-
Haus (rechts). Am oberen Bildrand ist noch ein Stück der Stadtbibibliothek an der
Grunewaldstraße zu erkennen.
(Repro: 2002 khd) |
|
Am 24. September 2004 wurde nach langer
Vor- und Abrißarbeit offiziell
der
Grundstein in der 12 Meter tiefen Baugrube für das inzwischen 220 Mio. Euro teure
Projekt mit U-Bahnzugang gelegt. Im Frühjahr 2006 soll der riesige, 8-geschossige (3
davon unterirdisch) Bau stehen und die Kunden in 90 Geschäften des gehobenen Bedarfs [Ed:
abgesaugt aus der
Schloßstraße?] auf 40.000 Quadratmetern unter Palmen auf Marmor- Boulevards
shoppen können. Das Einkaufscenter hat mit einer Grundfläche von rund 12.000
Quadratmetern etwa die Ausmaße der
Potsdamer Platz Arkaden in der Daimler City. Am 16. März 2006 soll
die ‚Steglitzer Markthalle‘ eröffnet werden.
Im Umsetzen der den Bau störenden Betriebe waren die ‚Schloßgaleristen‘
sehr erfinderisch. So wurde die benachbarte SEB-Bank unten im alten Rathaus untergebracht, das
für diesen Zweck umgebaut wurde. Man munkelt sogar, daß der Bezirk garnicht mehr
Herr übers Rathaus seien würde. Schließlich müsse dieser ja für den
Rückerwerb der eigenen Stadtbibliothek im Neubau noch Grundsteuern bezahlen.
|
Kommt nun Wettbewerb in die Schloßstraße? |
|
Bebauungsplan Nr. XII-303
Schloßstraße, Grunewaldstraße und Rothenburgstraße
Quelle:
Senat von Berlin 24.7.2004 |
| Aufstellungsbeschluß durch BezAmt Steglitz |
31.05.1999 |
| Vorgezogene Bürgerbeteiligung |
21.06. 23.06.1999 |
| Beteiligung der TÖB |
??? |
| Öffentliche Auslegung |
14.04. 23.05.2003 |
| Festsetzung durch den Bezirk |
??? |
| Zustimmung der BVV |
17.12.2003 |
Bekanntmachung im Gesetz-
und Verordnungsblatt |
Nr. ??? vom ???
Seite ??? |
| Letzter Stand:
Der Bebauungsplan ist rechtskräftig. Ob dagegen Klage erhoben
wurde, ist unklar. Es wurde wohl nur wg. Lärm-Ausnahmen beim Bau
geklagt. |
| Fazit:
Mit Speck fängt man Mäuse, geht ein
deutsches Sprichwort. Offensichtlich waren unsere Politiker, angesichts der
versprochenen kostenlosen Unterbringung der
Steglitzer
Stadtbibliothek im 3. OG der Schloßgalerie, zu allen Abriß- und
Bau- Genehmigungen sowie Dispensen bereit... Und das erinnert doch sehr an den
Steglitzer Kreisel.
Wenn das mal gut geht.
|
Und da es auch einer
Bürgerinitiative Schloßgalerie Steglitz (BISS) nicht
gelang, das Projekt vom Typ ‚Größenwahn‘ noch rechtzeitig zu stoppen
oder auf ein vernünftiges Maß zu stutzen, könnte der Konsum- Tempel doch noch
ein gewisser Erfolg werden wie beim skandalumwitterten Steglitzer Kreisel,
der trotz vieler Wirren noch heute steht. Denn in der Schloßstraße war bzw. ist
derzeit
Karstadt mit seinen Häusern
Held/Hertie (bis Februar 2003),
Karstadt,
Karstadt/Sport (im Forum- Steglitz),
Quelle (im Forum- Steglitz),
Schaulandt (im Forum- Steglitz),
Wertheim und
WOM (im Forum- Steglitz)
ein Marktbeherrscher mit einem immer uniformer werdendem Warenangebot zum Nachteil der
Kunden und des Wettbewerbs. Das könnte sich durch die Schloßgalerie ändern.
Auch ist das Niveau der Geschäfte in der Steglitzer Schloßstraße seit Anfang
der 90er-Jahre ständig abgesunken, da die Mieten zu
hoch sind. Ob sich nun aber genügend Händler finden, die die Schloßgalerie-
Mieten auf Dauer bezahlen können, muß sich erst noch zeigen. Auch nach dem
Start des Forum- Steglitz gab es
damals reichlich Überraschungen [Ed: auch noch heute, denn der Born- Markt ist ganz
verschwunden und was haben Politiker den Steglitzern Ende der 60er-Jahre vor dem
Abriß des alten Born- Marktes nicht alles versprochen...].
|
Verkehrsprobleme nicht gelöst |
Allerdings haben sich die Politiker mit den Schloßgalerie- Genehmigungen
ein schwerwiegendes Verkehrsproblem eingebrockt, zumal sie seit Jahrzehnten noch
nicht einmal das simple Problem der Schloßstraße rational in den
Griff bekommen haben (

,

,

,
... ).
Die Situation des Autoverkehrs in und um die Schloßstraße herum wird sich in Rathausnähe
ab März 2006
dramatisch verschärfen. Zwar sollen
die Pkws von der Grunewaldstraße kommend in einem unterirdischen Parkhaus mit 600 Plätzen
verschwinden, aber sie erzeugen belastenden Verkehr. Auch werden viele Autofahrer auf den
Anliegerstraßen nach freien Abstellplätzen suchen und dann wild parken. Immerhin denkt man
bereits über die Einführung von Busspuren in der gesamten Schloßstraße nach, so
daß das
Einkaufenfahren per Bus attraktiver
werden könnte.
|
|
|
|
Damit Busse nicht ständig im Stau stecken bleiben.
(Grafik: 2005 mopo) |
Es gab auch eine Bürgerbeteiligung beim
Bebauungsplanverfahren
XII-303, der das Planungsgebiet neu regelt. Dennoch wurden die Bürger nur
äußerst miserabel über die Pläne im einzelnen und deren Alternativen
informiert. Andererseits waren den Insidern die Kauf- und Bauabsichten des Investors seit 1999
bekannt, wie es
HFS im August 2004 in ihrer
Promo- Zeitung Boulevard Nr. 1 selbst zugibt. Berlin hatte einmal den guten
Anspruch
Stadtplanung geht alle an! [Ed: erinnert sei nur an die soliden
Infos der Bürger
lange vor dem
Bau des 1. Abschnitts des Stadtautobahnrings in Halensee (A 100) ]. Von
so viel Offenheit und Ehrlichkeit ist 50 Jahre später nichts geblieben.
Anders als die
notleidenden
Immobilien- Fonds der BankGesellschaft Berlin (
BGB) ist offensichtlich der 17. geschlossene Immobilien- Fonds der HFS
reichlich mit Mitteln ausgestattet. Denn im Juli 2005 ist bereits der Rohbau der
Schloßgalerie fast fertig. Und es wurde inzwischen mit dem aufwendigen Innenausbau
begonnen, der in 8 Monaten abgeschlossen sein soll. Dann sollen die Mieteinnahmen
strömen. Am 19. August 2005 wurde erst einmal aufwendig das
Richtfest
gefeiert. Dazu wurde der ganze Bau in Folie mit aufgedruckter Fassade gehüllt. Den Steglitzern
soll so vorab ein realistischer Eindruck vom neuen Erlebniscenter Schloßgalerie
mit edler Fassade aus gelbem sächsischen Sandstein vermittelt werden, heißt es in der
HFS-Promo- Zeitung Boulevard Nr. 6 vom Juli 2005. Über den Umfang staatlicher
Subventionen in Form von Verlustzuweisungen zur
Steuerminderung an die Fonds- Zeichner informiert die Zeitung allerdings nicht.
Gebaut wird auch auf dem inzwischen abgeräumten Nachbargrundstück Schloßstraße 33
(wo die SEB-Bank und der Eisladen war). Hier soll Anson’s einziehen. Auch im alten Steglitzer Rathaus
wird gebaut: Im Keller wird der Durchbruch zur U-Bahn gewagt und im Erdgeschoß entsteht an der
Grunewaldstraße aus mehreren Büroräumen die Edel- Pizzeria
Die 12 Apostel.
|
|
Die Steglitzer Schloßgalerie 76 Tage vor der Eröffnung. Nun sieht man schon etwas. Die
Planen sind verschwunden. Das Portal wirkt riesig. Und der sächsische Fassaden- Sandstein aus
Pirna ist doch nicht so gelb ausgefallen, wie es die Simulation
verhieß, was aber nichts macht. Denn es ist derselbe Stein, der auch beim Wiederaufbau der
Dresdner Frauenkirche verwendet wurde. Am 16. März 2006 um 9 Uhr öffnet die
Schloßgalerie ihre Pforten. Dann kann auch der aufwendige Jugendstil im Inneren bewundert werden.
(Foto: 30.12.2005 khd-974) |
|
|
Ein Fonds kauft sich Steglitz |
Was aus einem mal als kleine Rathauspassage angedachten Projekt so alles werden kann. Inzwischen
gehören auch das Haberent-Haus bekannter als die ‚Giebelwandbebauung‘ und
der benachbarte VW-Pavillon von Eduard Winter an der Schloßstraße 38 zum Huth-Imperium des
H.F.S.-Immobilien-Fonds. Und in Steglitz munkelt man, daß auch die Übernahme des gesamten
Kreisels durch den reichen Fonds
bevorstehen könnte. Das ist doch nur noch eine Frage eines günstigen Preises,
weiß ein Insider, der nicht genannt werden möchte. Unterdessen gehen die Bauarbeiten an der
Schloßgalerie-Mall, die nun
Das Schloß heißen wird, ihrem Ende entgegen.
[
Shopping-Center eröffnet
pünktlich]
|
Filial-Trick füllt Das Schloß |
Seit Ende Januar 2006 haben nun die Ladenbauer im Schloß am Kreisel das Regime
übernommen. Im Luxus- Shoppingcenter mit Trottoirs aus farbigem Marmor, Granit und echten Palmen
müssen nun mit Hochdruck um die 90 Läden gebaut und eingerichtet werden. Denn am 16.
März muß alles fertig sein. Vom U-Bahn- zugängigen Untergeschoß bis zum 2. Stock
können die Besucher dann auf 4 Etagen einkaufsbummeln und dabei was erleben. Zum ersten Erlebnis
wird dann die Erkenntnis gehören, daß sich im Schloß viele Läden mit
einer Filiale eingemietet haben, die es in der Schloßstraße schon länger gibt. Zwar
hatte das Bezirksamt Steglitz die Baugenehmigung [augenzwinkernd?] mit der Auflage verbunden, keine
Händler aus der Schloßstraße abzuziehen, aber mit dem Filial-Trick läßt sich
das trefflich unterlaufen.
[
Geschäftsleute ziehen
ins Schloß um]
11.3.2006.
Die ‚
Schloßgalerie‘
ist fertig und in 4 Tagen wird am 15. und 16. März Eröffnung gefeiert. Im Radio läuft schon
Werbung, die aber nicht so pfiffig ist wie das bisherige Auftreten der Schloß- Macher erwarten
ließe. Fertig wird dann aber noch nicht die Stadtbibliothek des Bezirks sein, wie erst
jetzt bekannt wurde. Besonders freut
es die Steglitzer, daß im ‚Schloß‘ auch ein Computer- Laden mit Niveau einziehen
|
| |
|
|
Kran auf Autos gestürzt. Bereits vor einer Woche hatte hier ein Kranausleger einen BVG-Bus seitlich
aufgeschlitzt. Und vor 4 Wochen war ein Arbeiter vom Baugerüst in den Tod gestürzt.
(Foto: 12.3.2006 mopo) |
|
soll. Ob das nun bereits ein
Apple- Store sein wird, muß abgewartet werden. Denn auf der
‚
Schloß‘- Homepage
gibt es zwar nach wie vor eine ewigladenden und nervende Intro, aber noch immer keine Liste der
Geschäfte mit Lageplan [Ed-14.3.2006: nun gibt es endlich
die Pläne, aber...]. Da waren damals die Leute von den Arkaden am Potsdamer
Platz schon mal fixer. Ins ‚Schloß‘ wird auch die Firma
Conrad- Elektronik einziehen, womit die
‚Weltreisen‘ durch die Stadt der Vergangenheit angehören nur weil man mal ein
paar elektronische Bauelemente benötigte. Unklar ist auch noch, ob die Berliner Sparkasse ihre neue
Filiale im ‚Schloß‘ gleich am 16. März eröffnet und damit das zweite
Container- Dasein endlich ein Ende hat.
[
Lage der Geschäfte auf einen Blick]
13.3.2006.
Seit gestern kriegen die Steglitzer einen Vorgeschmack aufs drohende Verkehrschaos rund ums
Schloß. Am Sonntag (12.3.2006) brach ein Autokran beim Demontieren eines Drehkrans
zusammen. Der Kran stürzte auf 3 Lieferwagen und 2 Autos, verletzt wurde aber niemand. Dennoch
entstand inzwischen auf der Schloßstraße der permanente Stau, da die Grunewaldstraße
zwischen Schloßstraße und Lepsiusstraße in beiden Richtungen komplett gesperrt werden
mußte. Das InfoRadio Berlin warnte, den Stau großräumig zu umfahren. Und sollte sich
der Stau in den kommenden Wochen fortsetzen, wenn dann auf der Grunewald eine Autoschlange vor der
Parkhaus- Einfahrt den nach Dahlem wollenden Durchgangsverkehr behindern sollte, dann werden die im Bezirk
verantwortlichen Politiker Fragen beantworten müssen.