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| Eindrucksvolles aus den USA |
In besonderer Erinnerung sind die Sonderausstellungen der Amerikaner im Rahmen der Industrie- Ausstellungen, die diese im extra dafür gebauten George C. Marshall- Haus am Sommergarten jährlich präsentierten. Dort wurde der erste Transistor und das erste Transistor-Radio gezeigt. In einem Jahr wurde demonstriert, wie eine amerikanische Hausfrau mit elektrischen Geräten wie Waschmaschine, Spülmaschine und Grill ihren Haushalt spielend leicht besorgen konnte.
Aber auch ein Atommeiler (natürlich war das nur die Attrappe eines Kernreaktors) wurde in voller Aktion vorgeführt. In Schutzanzügen gehüllte Arbeiter führten den Wechsel von Brennstäben vor. Vor dem Marshall-Haus bildeten sich jedes Jahr lange Schlangen, denn die Amerikaner boten immer etwas Besonderes.
| Von UKW bis zur Wasserorgel |
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Auch wurden magnetische Tonaufzeichnungsgeräte gezeigt, die als Speichermedium einen dünnen Draht verwendeten. Natürlich wurden auch die ersten Magnetophonapparate (Spulen-Tonbandgeräte) für jedermann auf der Industrie- Ausstellung von Telefunken und Grundig präsentiert. Später gab es dann auch eine Fernsehstraße. Und in der Ehrenhalle an der Masurenallee war einmal eine große Wasserorgel zu hören und zu bestaunen.
| Der 1. Computer live |
Hinter dem immer farbenfrohen Sommergarten entstand ab 1950 nach und nach ein Platz der Nationen mit Pavillons verschiedener Länder, von dem heute nur noch das Marshall-Haus übriggeblieben ist. Im britischen Pavillon wurde 1951 erstmals ein großes Elektronen-Gehirn (heute nennen wir das Computer) vorgestellt. Es hieß Nimrod und war von der englischen Firma Ferranti gebaut worden. Der Computer hatte die Ausmaße von mehreren Kleiderschränken, war mit einigen 100 Elektronenröhren bestückt und beherrschte perfekt das Spiel NIM mit den 16 Streichhölzern, von denen nacheinander 1, 2 oder 3 weggenommen werden mußten. Und wer die letzten Streichhölzer nahm, der hatte gewonnen. Die Besucher konnten gegen diesen Computer spielen, der natürlich fast immer gewann. [mehr]
Einige Jahre später zeigten die Briten einen Vorläufer des Farbfernsehens. Allerdings war die Qualität der bunten Bilder nicht sehr berauschend. Es wurde noch ein mechanisches Verfahren mit rotierenden Farbscheiben verwendet. Dieses Verfahren setzte sich nicht durch.
| Trans Europ Express |
1959 kam auch der TEE (Trans Europ Express) nach Berlin, wenn auch nur zum Anschauen. Dieser
neue Schnellzugtyp war 1958 schon auf der Weltausstellung in Brüssel gezeigt worden. Solche
komfortablen Eisenbahnzüge verbanden dann in den 1960er-Jahre bis in die 1980er die Staaten der
früheren EWG (Europäische Wirtschafts-Gemeinschaft) und der Schweiz. In der Bundesrepublik
entstand in Verbindung mit dem IC-Netz ein regelrechtes TEE-Netz. Berlin kam da wegen der politischen
Situation nicht vor.Die TEE-Züge waren nur mit Wagen der 1. Klasse ausgestattet und konnten maximal eine Geschwindigkeit von 140 km/h erreichen. Die Deutsche Bundesbahn (DB) setzte bei den TEE-Zügen anfangs Diesel-Lokomotiven der Baureihe VT 11.5 ein, auf deren Front das TEE-Logo prangte. Diese hatten ein windschnittiges Aussehen, was damals auf der Industrie- Ausstellung besonders bewundert wurde. Denn alle
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6-Tage-Rennen unterm Funkturm |
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Was viele vergessen haben, das erste 6-Tage-Rennen der Nachkriegszeit fand 1949 unterm Funkturm statt
nicht im Sportpalast in Schöneberg. Dieser war damals noch eine Ruine. Und so baute man in
die große Ausstellungshalle, die rechts neben der Ehrenhalle des Berliner Ausstellungs- Geländes
liegt, die hölzerne Radrennbahn ein. Die Berliner waren richtig hungrig auf dieses Ereignis. Hatten doch zu Nazi-Zeiten seit 1935 solche Radrennen nicht mehr in Berlin stattgefunden. Und 1950 wurden dann gleich 2 solcher ‚Six-Days‘ veranstaltet. Die Rennen waren damals noch harte Arbeit für die Rennfahrer, denn es wurde rund um die Uhr gefahren. Lieblinge der Berliner waren Alfred Strom und Reginald Arnold aus Australien. Die Paarung Strom Arnold gewann dann auch 1950 das 32. und 33. Berliner Sechstagerennen. |
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| Nicht mehr attraktiv |
Später ließ das Interesse der Besucher an solchen Industrie-Ausstellungen nach, auch fielen nach dem Bau der Mauer (1961) die vielen Besucher aus Ost-Berlin und der DDR fort. Und so fand die Ausstellung wohl um 1980 das letzte Mal statt. Die ZEIT konstatierte bereits im Herbst 1966 ein Schaufenster ohne Glanz. Berlins Industrie hatte zudem nicht mehr viel zu bieten. Viele Firmen sind aus der Stadt verschwunden: AEG, Borsig, Siemens, Telefunken und wie sie alle heißen. Und nur mit BMW- Motorrädern und Baumaschinen kann man keine Industrie- Ausstellung bestreiten. Deshalb hatte man seit 1962 die jährliche Ausstellung um eine Sonderschau Partner des Fortschritts ergänzt, aus der sich später eine eigenständige, recht erfolgreiche Übersee-Importmesse entwickelte.

