Living in a City  —  Reports aus Berlin     – Teil 2 khd
Stand:  17.4.2011   (94. Ed.)  –  File: Heimat/B/Bln/Living_in_a_City_02.html


Auf diesen Seiten habe ich Interessantes aus meiner Heimatstadt Berlin zusammengestellt. Es handelt sich dabei vor allem um Ereignisse und Begebenheiten, die ich selbst erlebt oder beobachtet habe. Meine Reports beginnen 1945 mit dem Ende des 2. Weltkriegs. Manches ist auch noch nicht ganz fertig. So bedeutet: xxx = Text folgt demnächst. [Translation-Service]

Inhalt:   [1940er] [1950er] [1960er] [1970er] [1980er] [1990er] [2000er] [2006] [Extra]

  1. 1950 – Deutsche Industrie-Ausstellungen.
  2. 1952 – Scheckheft „Tag der offenen Tür“.
  3. 17. Juni 1953 – Volksaufstand in der DDR.
  4. 1956/57 – Start des Stadtautobahn-Baus.
  1. 1956/57 – Internationale Filmfestspiele Berlin.
  2. 1957 – Interbau im Hansaviertel.
  3. 1957/59 – Jazz in Berlin.
  4. 1958 – Neubau einer City für West-Berlin.



1950 — Deutsche Industrie-Ausstellungen unterm Funkturm

   
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Sie war eine sehr informative Veranstaltung – die jährliche „Deutsche Industrie- Ausstellung“ auf dem Messegelände unterm Funkturm. Diese Industrie- Ausstellungen starteten 1950 nach der
Blockade, nachdem die im Krieg teilweise zerstörten Ausstellungshallen mit 4 Mio. DM aus dem ERP-Fonds wiederhergestellt worden waren. Auch war die Ausstellung (keine Messe!) bis zum Mauerbau als ein Schaufenster für die Einwohner Ost-Berlins und der „Zone“ (wie damals die DDR genannt wurde) konzipiert.

  Unser Funkturm
^   „Langer Lulatsch“ – Funkturm von Berlin.  
Die 1. Industrie- Ausstellung eröffnete am 1. Oktober 1950 auf 37.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche ihre Pforten. Sie wurde ein großer Erfolg. Denn während ihrer 15-tägigen Dauer kamen über 1 Million Besucher, darunter viele aus Ost-Berlin und der DDR. Die Ausstellungen fanden dann immer im Herbst statt. Die Industrie-Ausstellungen zeugten damit in den Anfangsjahren von der kontinuierlichen Wiederherstellung der industriellen Kraft der alten Hauptstadt.

Eindrucksvolles aus den USA

In besonderer Erinnerung sind die Sonderausstellungen der Amerikaner im Rahmen der Industrie- Ausstellungen, die diese im extra dafür gebauten „George C. Marshall- Haus“ am Sommergarten jährlich präsentierten. Dort wurde der erste Transistor und das erste Transistor-Radio gezeigt. In einem Jahr wurde demonstriert, wie eine amerikanische Hausfrau mit elektrischen Geräten wie Waschmaschine, Spülmaschine und Grill ihren Haushalt spielend leicht besorgen konnte.

Aber auch ein Atommeiler (natürlich war das nur die Attrappe eines Kernreaktors) wurde in voller Aktion vorgeführt. In Schutzanzügen gehüllte Arbeiter führten den Wechsel von Brennstäben vor. Vor dem Marshall-Haus bildeten sich jedes Jahr lange Schlangen, denn die Amerikaner boten immer etwas Besonderes.

Von UKW bis zur Wasserorgel

10. Industrie-Ausstellung    
^   1959 waren Waschmaschinen und der neue TEE der Bundesbahn angesagt.   (Repro: 2003 – khd)
In den Hallen rings um den Funkturm waren vielfältige Maschinen von der Drehbank bis zu Radios mit UKW-Teil („Welle der Freude“) und Haushaltsgeräten sowie neuestes technisches Gerät zu sehen. Siemens zeigte beispielsweise dort das erste von ihnen serienmäßig hergestellte Elektronen- Mikroskop. Denn das Elektronen- Mikroskop war immerhin 1931 von Ernst Ruska in Berlin erfunden worden (Nobelpreis 1986). Und von Borsig war einmal eine riesige geschmiedete Kurbelwelle für einen Schiffsdieselmotor zu bewundern. Bereits 1950 auf der 1. Ausstellung war ein völlig neuentwickelter doppelstöckiger Autobus für die Berliner BVG („Großer Gelber“) zu sehen, der mit einem Unterflurmotor ausgestattet war. Die
BVG kaufte später gleich 120 Stück davon.

Auch wurden magnetische Tonaufzeichnungsgeräte gezeigt, die als Speichermedium einen dünnen Draht verwendeten. Natürlich wurden auch die ersten Magnetophonapparate (Spulen-Tonbandgeräte) für jedermann auf der Industrie- Ausstellung von Telefunken und Grundig präsentiert. Später gab es dann auch eine „Fernsehstraße“. Und in der Ehrenhalle an der Masurenallee war einmal eine große Wasserorgel zu hören und zu bestaunen.

Der 1. Computer live

Hinter dem immer farbenfrohen Sommergarten entstand ab 1950 nach und nach ein „Platz der Nationen“ mit Pavillons verschiedener Länder, von dem heute nur noch das Marshall-Haus übriggeblieben ist. Im britischen Pavillon wurde 1951 erstmals ein großes „Elektronen-Gehirn“ (heute nennen wir das Computer) vorgestellt. Es hieß „Nimrod“ und war von der englischen Firma Ferranti gebaut worden. Der Computer hatte die Ausmaße von mehreren Kleiderschränken, war mit einigen 100 Elektronenröhren bestückt und beherrschte perfekt das Spiel „
NIM“ mit den 16 Streichhölzern, von denen nacheinander 1, 2 oder 3 weggenommen werden mußten. Und wer die letzten Streichhölzer nahm, der hatte gewonnen. Die Besucher konnten gegen diesen Computer spielen, der natürlich fast immer gewann. [mehr]

Einige Jahre später zeigten die Briten einen Vorläufer des Farbfernsehens. Allerdings war die Qualität der bunten Bilder nicht sehr berauschend. Es wurde noch ein mechanisches Verfahren mit rotierenden Farbscheiben verwendet. Dieses Verfahren setzte sich nicht durch.

Trans Europ Express

TEE-Logo 1959 kam auch der TEE („Trans Europ Express“) nach Berlin, wenn auch nur zum Anschauen. Dieser neue Schnellzugtyp war 1958 schon auf der Weltausstellung in Brüssel gezeigt worden. Solche komfortablen Eisenbahnzüge verbanden dann in den 1960er-Jahre bis in die 1980er die Staaten der früheren EWG (Europäische Wirtschafts-Gemeinschaft) und der Schweiz. In der Bundesrepublik entstand in Verbindung mit dem IC-Netz ein regelrechtes TEE-Netz. Berlin kam da wegen der politischen Situation nicht vor.

Die TEE-Züge waren nur mit Wagen der 1. Klasse ausgestattet und konnten maximal eine Geschwindigkeit von 140 km/h erreichen. Die Deutsche Bundesbahn (DB) setzte bei den TEE-Zügen anfangs Diesel-Lokomotiven der Baureihe VT 11.5 ein, auf deren Front das TEE-Logo prangte. Diese hatten ein windschnittiges Aussehen, was damals auf der Industrie- Ausstellung besonders bewundert wurde. Denn alle
    6-Tage-Rennen unterm Funkturm
Was viele vergessen haben, das erste 6-Tage-Rennen der Nachkriegszeit fand 1949 unterm Funkturm statt – nicht im Sportpalast in Schöneberg. Dieser war damals noch eine Ruine. Und so baute man in die große Ausstellungshalle, die rechts neben der Ehrenhalle des Berliner Ausstellungs- Geländes liegt, die hölzerne Radrennbahn ein.

Die Berliner waren richtig hungrig auf dieses Ereignis. Hatten doch zu Nazi-Zeiten seit 1935 solche Radrennen nicht mehr in Berlin stattgefunden. Und 1950 wurden dann gleich 2 solcher ‚Six-Days‘ veranstaltet. Die Rennen waren damals noch harte Arbeit für die Rennfahrer, denn es wurde rund um die Uhr gefahren. Lieblinge der Berliner waren Alfred Strom und Reginald Arnold aus Australien. Die Paarung Strom — Arnold gewann dann auch 1950 das 32. und 33. Berliner Sechstagerennen.
Interzonen- Züge im Berlin- Verkehr wurden damals noch von klassisch mit Kohle befeuerten Dampfloks der Deutschen Reichsbahn (DR) gezogen. Außerdem waren alle TEE-Züge mit Restaurant- Wagen und eigener Bordküche ausgestattet, wo noch richtig gekocht werden konnte. Was wäre es schön, mit einem so feinen Zug einmal zu verreisen, träumten viele Berliner Besucher.

Nicht mehr attraktiv

Später ließ das Interesse der Besucher an solchen Industrie-Ausstellungen nach, auch fielen nach dem
Bau der Mauer (1961) die vielen Besucher aus Ost-Berlin und der DDR fort. Und so fand die Ausstellung wohl um 1980 das letzte Mal statt. Die ZEIT konstatierte bereits im Herbst 1966 ein „Schaufenster ohne Glanz“. Berlins Industrie hatte zudem nicht mehr viel zu bieten. Viele Firmen sind aus der Stadt verschwunden: AEG, Borsig, Siemens, Telefunken und wie sie alle heißen. Und nur mit BMW- Motorrädern und Baumaschinen kann man keine Industrie- Ausstellung bestreiten. Deshalb hatte man seit 1962 die jährliche Ausstellung um eine Sonderschau „Partner des Fortschritts“ ergänzt, aus der sich später eine eigenständige, recht erfolgreiche Übersee-Importmesse entwickelte.


Quellen und ergänzende Links:  Erinnerungen + mein Archiv. (Last Update: 4.5.2008)


1952 — Ein Scheckheft, mit dem sich Türen öffne(te)n

Im Frühjahr 1952 gab es sie das erste Mal an den Berliner Zeitungskiosken — die Scheckhefte vom „Tag der offenen Tür“. Kaufte man sich ein solches postkartengroßes Heft, dann nahm man an einer Lotterie mit höchst attraktiven Preisen teil. Aber interessanter waren die vielen Coupons im Heft, die einem die Türen an Orten öffneten, wo man schon immer mal hinter die Kulissen schauen wollte.

Was gab's zu sehen?

Von Anfang an war ich dabei. Denn es gab in den 1950er-Jahren (noch) vieles Hochinteressante in der Stadt zu entdecken — vom Innenleben eines Zeitungsverlags, der Theater und von vielen Industrie- Betrieben bis hin zum Rundfunk und den Wasserwerken:
[
Die Liste der Highlights vom „Tag der offenen Tür“]

Und 50 Jahre später?

Eine Blick auf diese
Liste zeigt auch, wie stark sich Berlins industrielle Kraft in den letzten 50 Jahren veränderte. Denn Anfang des 21. Jahrhunderts existieren viele dieser Unternehmen gar nicht mehr (in der Liste markiert mit einem *) bzw. stellen demnächst ihre Tätigkeit ein (**).

Und schaut man in das Scheckheft des Jahres 2005, dann stellt man fest, daß nur noch ganz wenige Industrie- Betriebe (Bewag und Wasserbetriebe) im Angebot vom „Tag der offenen Tür“ sind. Dafür gibt es nun überreichlich Schecks für ermäßigte Kultur- und Freizeitangebote. Aber gratis ist das meiste nicht mehr. Insofern zeugt auch das Scheckheft vom Niedergang der Industrie in Berlin. Und es wird wohl demnächst der Tag kommen, wo das einst so attraktive Scheckheft selbst eingestellt werden wird.


Quellen und ergänzende Links:  Erinnerungen + mein Archiv. (Last Update: 20.4.2008)


17. Juni 1953 — Volksaufstand in der DDR

Anfang Juni 1953 gärte es in der Zone, wie wir damals die DDR nannten. Die Bevölkerung war unzufrieden mit der Versorgung auf der Basis der ‚sozialistischen Errungenschaften‘. Die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED) unter dem SED-Generalsekretär Walter Ulbricht will aber den „planmäßigen Aufbau des Sozialismus“ vorantreiben. Deshalb verfügt sie u. a. für die Arbeiter eine 10-prozentige Erhöhung der Arbeitsnorm ohne Lohnausgleich. Das brachte das Faß zum Überlaufen.

Generalstreik ausgerufen

Am 16. Juni riefen Bauarbeiter der Stalin-Allee zum Generalstreik in der gesamten DDR auf. In der Schule hatten wir im Kartenraum ein uraltes Radio. Dort hörte ich am Vormittag des 17. Juni 1953 in der großen Pause
Reportagen des RIAS vom Potsdamer Platz. In den Morgenstunden hatten sich die Bauarbeiter der Stalin-Allee am Strausberger Platz in Ost-Berlin versammelt. Von dort wollen sie in einem Protestmarsch durch die Stadt zu den DDR-Ministerien an der Leipziger Straße ziehen. Auch die Stahlarbeiter aus Henningsdorf machten sich auf den 30 km langen Marsch zum Sitz der DDR-Regierung in Berlin-Mitte.

Kommt die Deutsche Einheit?

Wir Schüler diskutierten, was das wohl alles bedeuten könnte. Als eine Möglichkeit erschien es uns damals, daß wir einen historischen Tag erlebten, an dem sich die so herbeigesehnte Wiedervereinigung Deutschlands anbahnen könnte. Da wollten wir dabeisein. Mit der U-Bahn ging's zum Potsdamer Platz. Der Ausgang der Linie A (Ruhleben — Zoo — Pankow) liegt bereits am Leipziger Platz auf dem Gebiet des sowjetischen Sektors (Ostsektor). Als wir die Treppe heraufgingen, schlug uns schon der Lärm von rasselnden Panzerketten entgegen. Die Russen waren da.

Russen-Panzer auf dem Leipziger Platz      
^   Russen-Panzer am Leipziger Platz. Damit wird am 17. Juni 1953 der Volksaufstand niedergeschlagen. Im Hintergund die Leipziger Straße, wo die DDR-Ministerien angesiedelt sind. Rechts der große Eingang zum Wertheim-Warenhaus.   (Repro: 2003 – khd)
Schüsse fallen

Es wurde also gefährlich, so daß wir schnell vom Leipziger Platz vorbei am Columbus- Haus rüber zum Potsdamer Platz liefen. Auf dem Boden der Westsektoren fühlten wir uns doch sicherer. Vor der Ruine des Wertheim- Warenhauses am Leipziger Platz standen große Menschentrauben, die zu den Ministerien drängten, die aber schon durch russische T34-Panzer abgeriegelt waren. Plötzlich hörte man Schüsse aus Richtung Leipziger Straße. Es ist offensichtlich die eigene Volkspolizei, die wahllos in die wütende Menge schießt. Aus West-Berliner Polizei- Lautsprechern schallt es eindringlich: „Laßt das Schießen sein. – Laßt das Schießen sein. Treibt es nicht auf die Spitze.“

Ausnahmezustand

Zu Haus erfuhr ich aus dem Radio, daß um 13 Uhr der sowjetische Militär- Kommandant, Generalmajor Dibrowa, den Ausnahmezustand für den sowjetischen Sektor befohlen hatte. Das bedeutete Kriegsrecht für die, die gegen diesen Befehl verstießen. Und so gab es
viele Tote und Verletzte. Sehr viele Streikende wurden allerorten in der DDR verhaftet und eingesperrt. Allerdings wurde damit der Weltöffentlichkeit vorgeführt, daß die DDR-Regierung mit Walter Ulbricht und Otto Grotewohl nichts zu sagen hatte.

Und der Westen feiert

Vom Westen fühlen sich die Menschen in der DDR – auch anderenorts stand am 17. Juni das Volk auf – im Stich gelassen. Als der Sturz des kommunistischen Regimes so greifbar nahe schien, bleiben die Bundesregierung unter dem CDU-Kanzler Konrad Adenauer sowie die westlichen Alliierten merkwürdig passiv. Und die Bundesregierung bestimmt später noch den 17. Juni als arbeitsfreien Nationalfeiertag – den „Tag der Deutschen Einheit“. Der wahre Tag der Einheit kam aber erst am
9. November 1989, nachdem die DDR-Bewohner ihre Geschicke erneut in eigene Hände genommen hatten.

Wo bleibt das Denkmal?

Der 17. Juni 1953 ist ein ganz besonderer Tag der deutschen Geschichte. Und warum er von der Politik Anfang der 1990er-Jahre als Nationalfeiertag aufgegeben wurde, ist völlig unverständlich. Nicht einmal ein richtiges Denkmal für die mutigen Männer und Frauen vom 17. Juni erinnert heute an die Volkserhebung gegen die Diktatur. So ist auch den reichen Investoren am Leipziger Platz bis heute (2005) nicht in den Sinn gekommen, Geld für ein Nationaldenkmal zu stiften. Aber vielleicht wird das ja anläßlich der
Revitalisierung des Wertheim- Kaufhauses doch noch von geschichtsbewußten Investoren mitten auf dem Leipziger Platz, wo es hingehört, realisiert.


Quellen und ergänzende Links:  Erinnerungen + mein Archiv. (Last Update: 10.11.2007)


1956/57 — Start des Baus der Stadtautobahn (A 100)

Am 1. April 1956 ging es los. Berlin sollte eine kreuzungsfreie Schnellstraße längs des S-Bahnrings erhalten – von Stadtautobahn sprach man zunächst noch nicht. Der erste Rammschlag erfolgte an der Kreuzung der Halenseestraße mit dem Kurfürstendamm, dort wo später – nach dem Bau des Tunnels – der heutige Rathenau-Platz entstand. Mit meiner Kleinbild-Kamera habe ich damals einige Stationen der ersten Phase des Baus festgehalten.

    Autobahn-Baustelle zwischen Gillstraße und Kurfürstendamm    
^   Blick im September 1956 auf die Baustelle am späteren Rathenau-Platz zwischen Gillstraße und Ku'damm. Bereits tief in den Sand haben sich die Autobahn-Bauer gewühlt. Fußgänger müssen von der Hubertusallee zum Kurfürstendamm über das Holzbrücken- Provisorium laufen. Das Haus in der Hintergrundsmitte, in dem damals noch das Café Engadin war, steht an der Bornimerstraße Ecke Kurfürstendamm.   (Foto: 15.9.1956 – khd-Fi03)

Plan und Wirklichkeit

Ausgedacht hatten sich Berlins Stadtplaner unter dem Bausenator Schwedler (SPD) einen inneren Autobahnring, der im wesentlichen der Trasse des S-Bahnrings folgen sollte. Und da die Planung noch für Gesamt-Berlin erfolgte, sah man damals stadtplanerisch vor, daß Berlins City (in Ost-Berlin zwischen Brandenburger Tor und Alexanderplatz) einmal mit 4 Schnellstraßen- Tangenten (Ost-, West-, Nord- und Südtangente) erschlossen werden sollte.

Aber auch in 50 Jahren blieben diese Pläne Luftschlösser. Der Autobahnring (A 100) ist nicht geschlossen. Er existiert nur auf (früher) West-Berliner Boden zwischen Neukölln und Wedding. Um den Bau der Westtangente gab es sehr heftigen Streit mit den Bürgern, die bis heute verhindern konnten, daß diese Autobahn vom Stadtring am Kreuz Sachsendamm weiter in die Stadt gebaut wurde. Deshalb existiert die Westtangente (A 103) nur als 5 km langer Stummel zwischen dem Stadtring und dem Steglitzer Kreisel.

Damit fing alles an

    Modell der Stadtautobahn in Halensee    
^   Das Modell des 1. Bau-Abschnitts des Schnellstraßen-Projekts zwischen Halenseestraße und dem Bahn-Innenring mit dem Rathenau-Tunnel. Im Vordergrund rechts der Halensee mit der Liegewiese. Das Modell stand während der gesamten Bauzeit vor Ort in einer Glasvitrine an der Ecke Koenigsallee und Hubertusallee. Auf dem Areal im Vordergrund befand sich von 1904 bis 1933 Berlins legendärer Vergnügungspark – der „Luna-Park“, der vor den Olympischen Spielen von 1936 dem Neubau der Halenseestraße Platz machen mußte.   (Foto: Dezember 1957 – khd-Fi00)


    Bau des Rathenau-Tunnels    
^   Der Bau des Rathenau-Tunnels in offener Bauweise. Nach rechts geht der Kurfürstendamm ab, nach links die Halenseestraße. Deren Anwohner mußten sogar ihre Veranden opfern, damit eine verbreiterte Halenseestraße mit darunterliegendem Tunnel möglich wurde..   (Foto: Dez. 1957 – khd-Fi00)


Ein Tunnel wird gebaut

Im März 1957 wird mit dem Bau des eigentlichen Tunnels begonnen, nachdem man sich beim Ausbaggern der Baugrube durch viele Leitungen gekämpft hatte. Da man dabei zudem auf einen ehemaliger Kolk des Halensee stieß, mußte eine wesentlich tiefere Gründung vorgenommen werden als ursprünglich geplant war. Kein Wunder, denn der Halensee und auch die anderen Seen der Seenkette im Grunewald sowie der Lietzensee sind Relikte eines alten Arms der Spree.

Nachdem diese Schwierigkeiten überwunden worden waren, ging es sehr flott mit dem Bau in Tag- und Nachtschichten weiter. Und schon bald konnte der Tunnel mit einer Spannbetondecke gedeckelt werden. Außerdem wurde 1957 der Weiterbau der Autobahn bis zum Messedamm vorangetrieben, wo eine Verbindung mit der Avus erfolgte.

Ausstattung der Autobahn

        Das Ergebnis des A100-Baus
^   Das Ergebnis des A100-Baus: Zerschnittene Fußwege. Und für die Autos heute der Engpaß.   (Repro: 2007 – khd)
Die Stadtautobahn wird in Berlin mit zweimal 3 Fahrspuren zu je 3,50 m Breite sowie 2 Randstreifen von je 2 m Breite und einem Mittelstreifen von ebenfalls 2 m Breite gebaut. Damit ergibt sich eine Gesamtbreite der Stadtautobahn von 27 m. Außerdem wird sie von vornherein mit einer öffentliche Beleuchtung, Bordschwellen und Kanalisation ausgestattet. Auch werden in regelmäßigen Abständen Buchten mit Zugängen für Bushaltestellen angelegt. Denn hier wird nach Fertigstellung eine neue
Schnellbus- Linie A 65 der BVG verkehren, die als Konkurrenz zur damals ungeliebten S-Bahn dienen sollte. Die Berliner S-Bahn stand damals unter der Regie der DDR und wurde von den West-Berlinern – vor allem nach dem Mauerbau von 1961 – weitgehend boykottiert. in den 1990er-Jahren wurde dieser Parallelverkehr zur S-Bahn restlos aufgegeben.

In Rekordzeit fertig

Der 1. Bauabschnitt des Stadtrings zwischen Halenseestraße und Hohenzollerndamm wird in Rekordzeit fertiggestellt. Bereits am 26. November 1958, 6 Monate früher als geplant, wird die 2,2 km lange Autobahn samt Bus A 65 eingeweiht. Der Tunnel unter dem Kurfürstendamm
      Rathenau-Platz 1999    
^   Rathenau-Platz mit vermurkstem Kreis. Und gleich dahinter das häßlichste Hochhaus West-Berlins.   (Foto: 1999)
ist 210 m lang und mit einer speziellen Beleuchtung ausgestattet, die sich automatisch an das Außenlicht anpaßt. Und gekostet hat alles nur 34 Millionen DM (17,4 Mio. Euro).

Als dann alles fertig war, wurde ein Planungsfehler am Rathenau-Platz offensichtlich. Der Platz hatte in der Mitte eine kreisrunde Rasenfläche erhalten. Schon in den ersten Tagen nach der Freigabe der Fahrbahnen kam es zu einer Reihe von Unfällen mit Autos, die vom Kurfürstendamm kommend in den Kreis fuhren, um zur Hubertusalle zu fahren. Die Fliehkraft war stärker... Der Mittelpunkt des Kreises war von den Reißbrett- Planern viel zu dicht an die Einmündung der Halenseestraße gelegt worden. Also wurde damals ganz schnell diese Fahrbahn über den Kreis geführt, weshalb aus dem schönen Kreis ein merkwürdiges Oval wurde.

Asymmetrie verlangt nach schräger Kunst

Eine Asymmetrie so recht geeignet, um 1987 anläßlich Berlins 750-Jahr- Feier die dämlichste Skulptur, die Berlin je sah, aufzunehmen – die „2 Beton- Cadilliacs in Form der nackten Maja“ des Künstlers Wolf Vostell, die der Satiriker Efraim Kishon schlichtweg für einen „gigantischen Bluff der Kunst- Mafia“ hielt. Denn damit wurde noch längst nicht das Ende des Autokults eingeläutet, um damit das Erdklima zu schonen, wie wir heute wissen. Immerhin baute Berlin seit dem Ende der 50er-Jahre noch reichlich Autobahnen und diese wollen schließlich genutzt werden.


Quellen und ergänzende Links:  Erinnerungen + mein Archiv + "Stadtautobahn Berlin", herausgegeben vom Senator für Bau und Wohnungswesen, Dezember 1962. (Last Update: 13.8.2008)


1956/57 — Internationale Filmfestspiele (Berlinale)

   
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BERLIN – 15.3.2001 (khd). Im Juni 1951 fanden in Berlin die 1. Internationalen Filmfestspiele statt. Sie sollten zu einer attraktiven Dauereinrichtung werden. Die Berlinale, wie sie schon bald liebevoll genannt wurde, brachte für fast 2 Wochen internationales Flair in die so schwer geprüfte Stadt. Und es kamen viele Schauspielerinnen und Schauspieler, um ihre neuesten Filme zu präsentieren.

Den Berlinern gefiel das, zumal das Festival einen politischen Anspruch hatte. Es herrschte dann am unteren Kurfürstendamm reichlich Gedrängel, um Karten für die Vorstellungen zu erhaschen oder um Schauspieler zu sehen. Und manchmal konnte man auch ein Autogramm ergattern. In den ersten Jahren waren die „Filmbühne Wien“ im Haus Wien am Kurfürstendamm und der neugebaute „Gloria-Palast“ an der Gedächtniskirche die Festival-Kinos. Nach der Fertigstellung der Zoo-Randbebauung wurde dann ab 1957 der „Zoo-Palast“ das Haupt- Festspielhaus.

In den ersten Jahren ging es in Berlin bei der Vergabe der Filmpreise – den Goldenen und Silbernen Bären – sehr demokratisch zu. Das Publikum stimmte mit der Abgabe der Eintrittskarte am Kino- Ausgang über die Qualität der Wettbewerbsfilme ab. Wollte aber die Berlinale ein „A“-Festival bleiben, mußte das aufgegeben werden. Seit 1956 entscheidet daher wie auf den Filmfestivals in Venedig und Cannes eine Fach-Jury über die Vergabe der begehrten Bären.

Eine Besonderheit der Berlinale in den 1950er-Jahren bis zum Mauerbau war, daß alle Festival-Filme für wenig Geld zusätzlich in kleinen Kinos in der Nähe der Sektorengrenze zu Ost-Berlin gezeigt wurden. Damit konnten auch die Ost-Berliner leicht und billiger in den Genuß der neuesten Filmschöpfungen kommen.

Berlinale-Logo 2005 Erinnerung an einige Festival-Filme der 6. Berlinale von 1956:

Erinnerung an einige Festival-Filme der 7. Berlinale von 1957:

Später wurde der Berlinale-Termin (wohl wg. Termin-Konflikten mit Cannes und/oder Venedig) vom warmen Sommer auf den kalten Winter verlegt. Damit wurde aber ein solch einmaliges Filmerlebnis einer Uraufführung vor ganz großem Publikum in Berlins größtem Openair-Kino – der Waldbühne – unmöglich.

Nach der Wende und Eröffnung der Daimler-City und des Sony-Centers ist die Berlinale vom Kurfürsten- damm in die am Marlene-Dietrich-Platz in der Nähe des Potsdamer Platzes neugebauten Kinos umgezogen. Das Haus am Marlene-Dietrich-Platz wird dann zum „Berlinale-Palast“. Richtig angekommen ist man dort erst 2006. Die 56. Berlinale im Februar 2006 wurde ein Riesenerfolg – auch beim Publikum.

Aber eine Übersicht im Internet über alle Filme, die je auf der Berlinale gelaufen sind, hat die Festspielverwaltung im Internet bis 2006 noch nicht zustande gebracht. Vielleicht schaffen sie das ja zum 60. Jubiläum im Jahr 2010, oder wissen sie das etwa nicht mehr so genau?


Quellen und ergänzende Links:  Erinnerungen + mein Archiv. (Last Update: 19.4.2006)


1957 — Internationale Bauaustellung Berlin

IBA'57      
^   Logo der IBA 1957.
Um Berlins Aufgeschlossenheit für das moderne Bauen zu demonstrieren, schrieb der Berliner Senat 1953 einen Wettbewerb zur Neubebauung des im 2. Weltkrieg weitgehend zerstörten Hansaviertels aus. Am Rande des Tiergartens sollte eine aufgelockerte Bebauung mit frei ins Grün gestellten Häusern entstehen.

   
I n t e r b a u
In Wikipedia, der
freien Enzyklopädie.
 
   
Das Ergebnis der Planungen und Fehlplanungen wurde im Sommer 1957 im Rahmen der „1. Internationalen Bauaustellung Berlin“ (Interbau 1957, kurz „IBA ’57“) vorgestellt. Den Architekten wurde relativ freie Hand gelassen, so daß im Hansaviertel ein Quartier der Zusammenhangslosigkeit einzelner Prestigebauten entstand. Gezeigt wurden auch neue Bauformen und Konstruktionen. Auf die Bedürfnisse künftiger Bewohner und die Baukosten wurde wenig Rücksicht genommen.

An den rund 50 IBA-Objekten moderner Baugestaltung beteiligten sich 48 namhafte Architekten aus 13 Ländern, darunter Alvar Aalto, Eugène Beaudouin, Le Corbusier (Charles Edouard Jeanneret), Luciano Baldessari, Werner Düttmann, Egon Eiermann, Walter Gropius, Bruno Grimmek, Oscar Niemeyer und Max Taut.

Nicht nur im Hansaviertel

Im Rahmen der IBA entstand außerhalb des Ausstellungsgeländes auch die Kongreß- Halle im Tiergarten (heute das „Haus der Kulturen der Welt“), das
Amerika-Haus am Bahnhof Zoo sowie das heftig umstrittene Corbusier- Haus auf dem Heilsberger Dreieck am Olympia- Stadion. Dabei handelt es sich um ein 17-geschossiges Hochhaus, in dem 1.600 Menschen wohnen sollten. Corbusier hatte solche Monster- Bauten („Wohnmaschine“) bereits in Nantes und Marseille erprobt.

    Hansaviertel -- Interbau Berlin 1957    
^   Das Ausstellungsgelände der Interbau Berlin 1957 (IBA) im Hansaviertel zwischen dem Großen Stern mit der Siegessäule (rechts unten) und der Stadtbahn (schwarze Linie). Die IBA wurde am 6. Juli 1957 eröffnet.   (Repro: 31.10.2003 – khd)

Per Sessel-Lift zur IBA

    Sessel-Lift -- IBA Berlin 1957
^   Sessel-Lifte schwebten vom Bahnhof Zoo über die Straße des 17. Juni bis zum IBA-Gelände.   (Foto: 31.8.1957 – khd)
Der Haupteingang der Interbau war damals am Bahnhof Zoo. Von dort konnte das Hansaviertel per Sessel-Lift oder per Fahrt mit dem VW-Express durch den U-Bahntunnel der
Linie G (heutige U 9) bis zum Hansa- Platz erreicht werden. Für die West-Berliner war ihre „IBA“ ein Riesen-Event, zumal man mit dem Sessel- Lift gemächlich über die Straße des 17. Juni und den Tiergarten schweben konnte. Das hatte es bis dahin in Berlin noch nie gegeben.

Die andere Attraktion der Interbau war diese Tunnelbahn. In West-Berlin fehlte damals eine leistungsfähige Nord-Süd- Bahnverbindung, die den Ostsektor nicht berührte. Deshalb wurde 1955 mit dem Bau der U-Bahn-Linie G (Spichernstraße — Leopoldplatz) begonnen. Zur IBA war der Tunnel im Bereich Zoo-Tiergarten bereits im Rohbau fertig, so daß er in die Interbau einbezogen wurde. Dort pendelte die VW-Tunnelbahn zwischen den Bahnhöfen Zoo und Hansa-Platz. Eine Zugmaschine aus einem umgebauten VW-Cabrio zog einige Wagen mit denen die Besucher durch den Tunnel fuhren. Im Tunnel waren noch keine Gleise verlegt. Am Bahnhof Hansa-Platz fuhren die VW-Züge auf hölzerne Rampen, um das Bahnsteigniveau zu erreichen.

Impressionen von der IBA

[Zur Fotostrecke]   (das folgt).

Bauaustellungen in Berlin

Erinnert werden soll auch an die 1. Berliner Bauaustellung nach dem Krieg, die 1948 in der damals am Messedamm notdürftig hergerichteten Halle und auf dem Freigelände rund um den Funkturm als „Bauleistungsschau“ stattfand. Dort wurden vor allem nützliche Bautechniken für den Wiederaufbau gezeigt. So wurde unter anderem demonstriert, wie aus Ziegelsplitt wieder neue Mauersteine hergestellt werden können. Erst 1983 und 1987 – im Jahr des 750-jährigen Stadtjubiläums – fanden in West-Berlin weitere Internationale Bauaustellungen (IBA '83 + IBA '87) mit wegweisenden Bauprojekten statt.

I-nvestieren, B-auen, A-breißen

Wurden zur IBA '83 dann Häuser zum Wegwerfen gebaut? Das jedenfalls fragen sich 2005 die Mieter der Wohnanlage am Lützowplatz 2–18. Diese Siedlung galt als das Vorzeige- Quartier West- Berlins. Als IBA-Projekt „Wohnen in der Stadt“ des Architekten Oswald Mathias Ungers war sie mit 20 Millionen D-Mark öffentlich gefördert worden. Alle Wohnungen sind großzügig geschnitten, mit einem 30 Quadratmeter großen Garten oder einer ebenso großen Terrasse ausgestattet und liegen mitten in der Stadt. Der Investor Dibag AG (München) will jetzt wg. angeblicher Baumängel die Häuser abreißen und durch lukrativere Bauten ersetzen.
*


Quellen und ergänzende Links:  Erinnerungen und Druckschriften des Senators für Bau und Wohnungswesen, 1957 + 1960. (Last Update: 20.4.2008)


1957/59 — Jazz in Berlin

Der alte Sportpalast      
^   Eingang des alten Sportpalasts in Schöneberg. Später wurde er abgerissen, um einem Wohnkomplex Platz zu machen.   (Repro: 2001 – khd)
Die Nazi hatten in Deutschland nicht nur viele Bücher und Bilder verboten – auch die Jazz-Musik. Für sie war diese kreative Musik nur „entartete Musik“. Verächtlich nannten sie den Jazz „Negermusik“. Und so war hierzulande nach dem Ende des 2. Welt-Kriegs und der damit auch erfolgten Befreiung von Bevormundung der Nachholbedarf beim Jazz-Hören enorm – auch in Berlin.

Es begann mit der „Messe“

Es begann eigentlich alles mit dem Lionel- Hampton- Titel
„The mess is here“ von 1944. Für die Berliner hieß er nur die „Messe“. Die Messe wurde in Berlin so populär, daß der amerikanische Soldatensender AFN-Berlin ihn damals bis zu dreimal täglich spielen mußte – vor allem in der Sendung „Frolic at Five“. Denn die Messe war nicht auf Schallplatte erhältlich. Sie war nur auf großen Spezialschallplatten für den Rundfunk produziert worden.

      Duke Ellington in Concert -- Berlin 1958
^   Duke Ellington in Concert – Deutschlandhalle 1958.   (Foto: 8.11.1958 – khd)
In den 1950er- Jahren kamen sie dann (fast) alle nach Berlin. Ob auch der damals sehr beliebte Harry James mit seiner Band (in der ein Frank Sinatra seine Musiker- Karriere begann) dabeiwar, ist etwas unklar. Die ganz Großen des Jazz füllten in Berlin spielend die großen Hallen wie den Sportpalast an der Potsdamer Straße oder die noch größere Deutschlandhalle am Funkturm.

Besondere Konzert-Erlebnisse verbinden sich aber mit Berlins altem Sportpalast. Allen Jazzfans unvergessen ist das Konzert der Bigband von Stan Kenton (Stanley Newcomb Kenton) im Sportpalast im Jahre 1951 [Ed: evtl. war das auch erst 1953?], das Besucher aus allen Regionen Nachkriegs- Deutschlands zu Beifallsstürmen hinriß. Noch nie zuvor hatte man die von den Nazis unterdrückte Jazz- Musik in dieser Qualität und Intensität live erleben können. Dem beeindruckenden Sound von 5 Trompeten, 5 Posaunen, 5 Saxofonen und Rhythmus konnte und kann sich bis heute niemand entziehen. Auch Kenton zelebrierte mit Bravour die „Messe“.

Unvergessene Jazz-Konzerte

Unvergessen aus dieser Zeit sind auch die Jazz-Konzerte:

Und der Swing kam per Film

Mit dem Film „Die Saat der Gewalt“ und dessen Titelmusik „Rock around the clock“ von Bill Haley, der im Dezember 1955 im Gloria-Palast in Berlin lief, begann der Schwenk eines breiten Publikumsgeschmacks weg vom Jazz zum Rock-and-roll und später dann zum kommerziellen Pop. Dennoch war Ende der 1950er-Jahre noch immer der tanzbare Dixieland angesagt, wie in u. a. die Dutch Swing College Band, die Spree City Stompers oder auch Chris Barber und die vielen Nachahmer-Bands spielten.

Mit den Filmen „Die Glenn Miller Story“ (1955 im Gloria-Palast) und „The Benny Goodman Story“ (1956) kam es sogar zu einem Revival des Swings, der den „Kings of Swing“ huldigte. Denn die Deutschen hatten ja wg. der Nazis den Swing irgendwie verpaßt, was nicht ganz stimmt. Denn 1941 und 1942 wurde im Berliner Delphi-Palast in der Nähe des Zoos manchmal Swing-Musik von belgischen und holländischen Bigbands geboten.

Jazz-Lokale

Und dann gab es in Berlin noch die berühmten Jazz- Lokale „Badewanne“ in der Nürnberger Straße in der Nähe der Tauentzienstraße und die „Eierschale“ am Breitenbachplatz. Ein Besuch lohnte sich immer.

In der Badewanne – Deutschlands erstem Jazz-Lokal – spielte von 1950 bis 1964 das „Johannes Rediske Quintett“. Aber auch Jazz-Größen wie Louis Armstrong oder Ella Fitzgerald kamen nach einem Konzert vorbei, um bei einer kleinen Jam-Session mitzumischen.

In der Eierschale – Berlins legendärem Jazz- Keller – spielten seit 1955 die „Spree City Stompers“. Die Eierschale zog später in die Podbielskiallee um und ging im Dezember 2000 pleite. Im Jahr 2005 soll es Pläne geben, die Eierschale am U-Bahnhof Podbielskiallee wieder zu eröffnen. Ob dort dann aber an die Jazz- Tradition der 50er-Jahre angeknüpft werden wird, ist fraglich.

Jazz im RIAS

Zum Jazz in Berlin gehörte auch der RIAS (Rundfunk im amerikanischen Sektor). Beim RIAS startete John Hendrik 1958 mit seinem „Club 18“ die schon bald populärste Jazz- Sendung im deutschen Rundfunk. Im Rahmen der Sendung wurden auch regelmäßig Jazz- Konzerte live aus Berlin übertragen. Dieses war vor allem für die vielen Jazz- Liebhaber in der DDR gedacht, die ab 1961 wg. der
Mauer nicht mehr ins freie West-Berlin kommen konnten.


Quellen und ergänzende Links:  Erinnerungen + mein Archiv. (Last Update: 17.4.2011)


1958 — Neubau einer City für West-Berlin

Auch in West-Berlin wirkte dann nach der Währungsreform Anfang der 1950er-Jahre das Wirtschaftswunder. Neue Geschäfte und Wohnhäuser entstanden. Darunter auch Berlins erstes Wohn-Hochhaus am Innsbrucker Platz. Es herrschte Aufbruchs- und Konsumstimmung allerorten.

Eine neue City entsteht

Um wenigsten wieder etwas Weltstadt-Flair in die Stadt zu bringen, baute sich West-Berlin seit Anfang der 50er-Jahre in der Zoogegend um die Ruine der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche eine neue City mit moderner Kirche von Egon Eiermann – die West-City. Es entstanden damals unter anderem vor dem Bahnhof Zoologischer Garten zu Lasten der Zoofläche ein großer Bahnhofsvorplatz mit Beton-Hochhaus (Café Huthmacher), das
Amerika-Haus, eine Zoo- Randbebauung mit Büros, Kinos und Geschäften, das internationale Hilton-Hotel an der Budapester Straße und etwas später auch das „Europa-Center“ auf dem Gelände des Romanischen Cafés.

      Alte und neue Gedächtniskirche
^   Die beiden Gedächtniskirchen. Am 9. Mai 1959 wurde nach langer strittiger Diskussion der Grundstein für die moderne Eiermann-Kirche gelegt. Die Ruine des Turms der alten Kirche blieb als Mahnmal des 2. Weltkriegs für alle Zeiten erhalten.   (Foto: 2005 – mopo)
Berlin wird (auto-)mobil

Zwar gab es noch immer reichlich Arbeitslosigkeit, aber manche konnten sogar schon an den Kauf eines Autos denken. Besonders der Volkswagen (VW), dessen einfachste Ausführung um die 3000 DM kostete, und das neuaufgelegte Vorkriegsmodell Opel Olympia waren damals begehrte Automobile. Andere mußten sich mit den aufkommenden Mopeds oder den Kabinenrollern („Schneewittchensarg“, „Mensch in Aspik“) begnügen.

Und so wurde in den 1950er-Jahren unter dem Bausenator Schwedler (SPD) – nicht nur mit dem Bau der Stadtautobahn – der Grundstein für das autogerechte Berlin gelegt, was später reichlich Umweltprobleme produzieren sollte. Berlins Senat huldigte dem Auto sogar so sehr, daß er auf dem Kurfürstendamm den Mittelstreifen – wo vorher die Straßenbahnen fuhren – mit Beton versiegelte und zu Autoparkplätzen umbaute, wobei doch eigentlich ein Bäumepflanzen angesagt gewesen wäre. [Alte Fotos aus der West-City]

Quo vadis – West-City?

Nach der Wiedervereinigung der Stadt wurde ab Anfang der 1990er-Jahre die Ost-City vor allem um die Friedrichstraße und den Hackeschen Markt ‚entwickelt‘. Dann folgte Berlins Mitte um den
Potsdamer Platz und später dann auch der Alexanderplatz. Denn der Nachholbedarf war hier enorm. Und so geriet die West-City – die Zoo-Gegend – zwar nicht in Vergessenheit aber arg ins Hintertreffen.

Die Deutsche Bahn setzte dann noch das I-Tüpfelchen: Seit Ende Mai 2006 halten im Bahnhof Zoo keine Fernzüge mehr. Viele Reisenden müssen den Umweg über den neuen Hauptbahnhof auf dem fernab der West-City liegenden Moabiter Werder nehmen. Über die Demontage von West-Berlins Einrichtungen wird im 8. Teil der Berlin-Reports ausführlicher berichtet.


Quellen und ergänzende Links:  Erinnerungen + mein Archiv. (Last Update: 9.5.2009)


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