Schon bald nach dem (heißen) 2. Weltkrieg kühlten sich die Beziehungen zwischen
Sowjets und den Westalliierten wg. unterschiedlicher Interessen ab. Es begann der
Kalte Krieg zwischen Ost und West, der bis zur
großen Wende durch den Zusammenbruch des Kommunismus um 1989/1990 andauerte.
Den Sowjets war es ein Dorn im Auge, daß wie im Februar 1944 auf der Konferenz von
Jalta zwischen Roosevelt, Churchill und Stalin vereinbart Berlin von allen 4 Alliierten
im Kontrollrat verwaltet wird, obwohl Berlin auf dem Territorium ihrer Besatzungszone lag. So
kamen sie 1947/48 auf die Idee, die 3 Westsektoren schlichtweg wie man das schon im
Mittelalter machte auszuhungern. Sie wollten das ganze Berlin.
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Rosinenbomber (Transportmaschine) im Landeanflug auf Tempelhof.
Berliner Kinder stehen auf einem Schuttberg am Flughafen und warten auf Schokolade,
die manche amerikanische Piloten an kleinen Fallschirmen beim Landen abwerfen.
(Repro: 9.10.2004 khd) |
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Anlaß für den Sowjet-Affront war dann die Einführung der D-Mark durch die Westmächte
am 21. Juni 1945. In der Nacht zum 24. Juni 1948 verhängten die Sowjets eine Blockade der Land- und
Wasserwege von und nach West-Berlin, die den Verkehr mit dem Westteil der Stadt weitgehend zum Erliegen
brachte. Damit konnten auch keine Waren mehr zur Versorgung West-Berlins per Bahn, Schiff oder Lkw
hereintransportiert werden. Als einziger unkontrollierter Weg blieben die Luftverbindungen über die
3 garantierten Luftkorridore nach Westen.
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General Clay rettet Berlin |
Der amerikanische General
Lucius D. Clay setzt sich bei der US-Regierung dafür ein, daß man die 2
Millionen West- Berliner nun nicht ihrem Schicksal überlassen könne und die Amerikaner aktiv
etwas gegen den sowjetischen Affront unternehmen müssen, wollen sie nicht als total
unglaubwürdig abgestempelt werden. Und so wurde die Idee der Versorgung West-Berlins via
Luftbrücke (big lift) geboren. Allerdings war noch niemals eine Millionenstadt über
einen längeren Zeitraum nur durch die Luft versorgt worden.
Schon am 26. Juni 1945 nehmen die Westmächte die Versorgung West- Berlins über eine
Luftbrücke auf. Bis zum Ende der Sowjet- Blockade werden rund 2,3 Millionen Tonnen lebenswichtiger
Güter mit rund 280.000 Flügen nach Berlin transportiert. Alle 2 bis 3 Minuten landete zuletzt
eine Maschine auf einem der 3 West-Berliner Flughäfen (Tempelhof, Gatow und Tegel). Der
Schießplatz Tegel war in nur 3 Monaten zu einem Flughafen ausgebaut worden. Sogar die Havel wird
zum Landen von britischen Sunderland- Wasserflugzeugen genutzt.
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9. September 1948 Ein Tag, den Berliner nie vergessen |
Vor dem total ausgebombten Reichstag versammeln sich am 9. September 1948 fast 1/2 Million
Berliner, um aller Welt zu zeigen, daß sie in Freiheit leben wollen. Nur wenige Tage
zuvor wurde am 6. September das gewählte Stadtparlament von den Kommunisten mit Gewalt und
unter Tumulten (was
RIAS Berlin live
übertrug) aus dem im Ostsektor gelegenen Stadthaus verjagt. Damit hatte sich die Lage in Berlin
dramatisch verschärft.
Der spätere Oberbürgermeister Ernst Reuter (SPD) sah die Gefahr, daß sich die Russen
entgegen aller Absprachen die gesamte Vier-Sektoren- Stadt einverleiben und der Westen dem tatenlos
zuschauen könnte. Er rief deshalb die Berliner auf, für ein Leben in Freiheit zu demonstrieren.
In seiner berühmten Rede vor der Ruine des Reichstags appellierte er an die Völker der Welt:
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Ernst Reuter (SPD) bei seiner berühmten Rede vor dem Reichstag am 9. September 1948.
(Repro: 2004 khd) |
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Heute ist der Tag, an dem nicht Diplomaten und Generäle reden und verhandeln. Heute ist
der Tag, wo das Volk von Berlin seine Stimme erhebt. Dieses Volk von Berlin ruft heute die
ganze Welt. (...)
Ihr Völker der Welt, ihr Völker in Amerika, in England, in Frankreich, in Italien!
Schaut auf diese Stadt und erkennt, daß ihr diese Stadt und dieses Volk nicht preisgeben dürft
und nicht preisgeben könnt!
Es gibt nur eine Möglichkeit für uns alle: Gemeinsam so lange zusammenzustehen, bis
dieser Kampf gewonnen, bis dieser Kampf endlich durch den Sieg über die Feinde, durch den
Sieg über die Macht der Finsternis besiegelt ist.
Das Volk von Berlin hat gesprochen. Wir haben unsere Pflicht getan.
(...)
Völker der Welt! Tut auch ihr eure Pflicht.
Dieser Kampf durch das Zusammenstehen der Berliner war eigentlich erst 41 Jahre später
am 9. November 1989 gewonnen als in Berlin die Mauer fiel. Aber dann kamen erst noch die Bedenkenträger aus der
westdeutschen Provinz, die Berlin mit abenteuerlichen Begründungen
nicht wieder zur Hauptstadt machen
wollten. Und erst als auch diese hausgemachte Herausforderung vom Tisch war, war Berlins Kampf um
Freiheit und Einheit wirklich gewonnen.
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Berliner lassen sich nicht aushungern |
Der Durchhaltewille der West-Berliner in ihrer Stadt, die 1948 noch immer in Schutt und Asche lag, war
enorm. Sie müssen während der Blockade auf sehr vieles verzichten. Das fängt schon bei den
Kartoffeln und der Versorgung mit Kohle, Strom und Gas an. Mit den damals recht kleinen Flugzeugen
(Rosinenbomber) transportierte man möglichst ‚konzentrierte‘ Nahrungsmittel.
Also gab es beispielsweise nur Trockenkartoffeln, Trockengemüse, Trockenobst, Trockenmilch und
Eipulver. Auch Frischfleisch gab es nicht, nur manchmal Fleischkonserven. Eine große Abwechselung
im kargen Speiszettel brachte der Kartoffelbrei, der sich aus dem Pulver POM zubereitet
ließ.
Der Blockade-Winter 1948/49 war zudem ein sehr harter Winter, so daß die Berliner sich überall
her Holz ‚organisierten‘ auch die Holzbalken aus den Ruinen und Stubben von
Straßenbäumen. Und als diese alle verfeuert waren, ging’s an die Bäume im
Tiergarten. Dennoch erfroren viele Berliner in dem kalten Winter.
Die Gas- und Stromversorgung der Westsektoren von seiten der Kraft- und Gaswerke im
Sowjetsektor wurde drastisch eingeschränkt, so daß lange Strom- und Gassperren
notwendig wurden. Mit den Flugzeugen wurde zwar auch Kohle eingeflogen, aber diese reichte
nicht für eine Rundum- Versorgung aus. Um die Versorgung West- Berlins zu verbessern,
fing man damals an, das im Krieg zerstörte (und wohl von den Russen auch
ausgeplünderte) Kraftwerk West (heute das Kraftwerk Reuter) zu reparieren. Dazu wurden in
Westdeutschland Kraftwerksteile zerlegt, um sie einfliegen zu können. In Rekordzeit wurde
in Tegel eine neuer, dritter Flughafen mit Start- und Landebahn aus dem Boden gestampft.
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Nachrichten und Leberwurst |
Während der Blockade sendete der
RIAS (Rundfunk im
amerikanischen Sektor
Eine freie Stimme der freien Welt) Nachrichten aus
Lautsprecherwagen, die durch die Stadt fuhren, da die West-Berliner nur wenige Stunden Strom am Tag
hatten und so meist kein Radio hören konnten. Transistor- Radios gab es noch nicht. Wir Kinder
erwarteten damals oft die Ankunft des Lautsprecherwagens mit Jürgen Graf am
S-Bahnhof Halensee, um
später zu Hause von den neuesten Nachrichten zu berichten.
Die Blockadezeit war auch die Zeit von manchen Hamsterfahrten in die Zone, wie die sowjetisch
besetzte Zone (SBZ) kurz genannt wurde. Denn bei märkischen Bauern im Umland konnten im Tausch gegen
Hausrat, Bilder oder Teppiche begehrte Nahrungsmittel wie frische Kartoffeln, Gemüse und Speck
erworben werden. Man durfte sich nur nicht auf der Rückfahrt nach West-Berlin von Ost-Kontrolleuren
erwischen lassen. Auch wurde damals der Küchenzettel durch kuriose Rezepte wie beispielsweise
Brotaufstrich aus Eicheln, Kuchen mit gesammelten Bucheckern, Puffer aus Kartoffelschalen,
Kunstleberwurst aus Haferflocken mit viel Majoran ergänzt. Dennoch herrschte immer wieder Hunger,
Hunger, . . .
Am 12. Mai 1949 beenden die Sowjets nach 321 Tagen ihren Versuch, die Westmächte aus Berlin
herauszudrängen, da die West- Berliner zäh und die Luftbrücke so erfolgreich war. Die
West- Berliner ließen sich nicht aushungern. Die Blockade West- Berlins ist zu Ende, die
Luftbrücke wurde noch bis zum September 1949 fortgesetzt.
Die Blockade hat aber bewirkt, daß aus einstigen Feinden Freunde wurden. Die meisten
(West-) Berliner werden nie vergessen, daß sie den Amerikaner ihr Leben in Freiheit
verdanken.
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Platz der Luftbrücke vor der Haupteingang des Flughafens Berlin Tempelhof. Mit dem Denkmal wird der
Opfer der Luftbrücke gedacht. Die drei himmelwärtsragenden Betonbögen symbolisieren die
drei Luftkorridore zwischen West-Berlin und dem Bundesgebiet (nach Hamburg, Hannover und Nürnberg).
(Foto: 2006 mopo) |
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Unter den West- Berlinern herrscht große Freude. Denn schon am ersten Tag ohne Blockade kommen
Lkws aus West- Deutschland über die Autobahn von Helmstedt mit lange entbehrten Köstlichkeiten
nach Berlin. Die Waren werden gleich vom Lkw verkauft. Sie werden den Händlern aus den Händen
gerissen. Ich erinnere mich, daß meine Tante mit einer ganzen Kiste mit Bücklingen und einer
Kiste Harzer Käse nach Hause kam alles Dinge, die es in Berlin seit vielen Jahren nicht mehr
gegeben hatte. Auch konnten nun wieder richtige Kartoffeln und frisches Gemüse gekauft werden. Die
Zeit der widerlich schmeckenden Trockenkartoffeln und riesigen Entbehrungen war zu Ende. Berlin konnte
endlich wieder aufgebaut werden. Und wir Kinder schätzten damals, der Wiederaufbau der
Stadt würde wohl mindestens 50 Jahre dauern.
Bei der Luftbrücke fanden 78 Menschen den Tod. Ihnen zu Ehren und zum Gedenken an die
Luftbrücke wurde vor dem
Haupteingang des
Zentralflughafens Tempelhof 1951 ein Denkmal errichtet (die Hungerharke). Übrigens, nach
der Wiedervereinigung Deutschlands wurde Anfang der 1990er-Jahre auch der RIAS ‚abgewickelt‘.
Ein Teil der Sende- Tradition lebt heute im Programm des
DeutschlandRadios Kultur weiter.
Im Jahr 2008 jährte sich am 24. Juni zum 60. Mal der Beginn der Berliner Blockade. Die Zeitungen
erinnerten sehr ausführlich an die Situation von 1948/49. Allerdings ignorierte Berlins rot-roter
Senat diesen Gedenktag. Eine offizielle Feier zur Erinnerung an den Beginn der Entbehrungen und den Kampf
um die Freiheit West-Berlins gab es nicht. Das solle erst am 12. Mai 2009 zur 60. Wiederkehr des Ende der
Blockade erfolgen, heißt es.