Diese Seite ist eine Ergänzung zu einem Berlin-Report, in dem über die Aufwertung der Steglitzer Schloßstraße durch den Bau neuer Einkaufszentren wie Das Schloß am Rathaus Sreglitz und dem Schloßstraßen-Center am Walther-Schreiber-Platz berichtet wird. Über das alte Forum Steglitz aus den 1960er-Jahren wird in einem anderen Berlin-Report berichtet. Es gilt der allgemeine CopyRight-Hinweis. Manches wurde hier mit [Ed: ...] kommentiert.
| Die Steglitzer Schloßstraße (4) |
I n h a l t :
Schloßstraße (Steglitz)
In Wikipedia, der
freien Enzyklopädie.- Frühere Dokumentationen (3. Teil).
- 15.02.2008: Freiheit für Flaneure. (Umbau der Schloßstraße)
- 08.05.2008: Glaspaläste für die Schloßstraße.
- 15.07.2008: Mehr Platz zum Geldausgeben.
- 11.09.2008: Nachkriegsmoderne kehrt an die Schloßstraße zurück.
- 22.10.2008: Eine Tram in den Westen.
- 23.11.2008: Karstadt an der Schloßstraße öffnet am 2. April.
A l t e F o t o s
Steglitzer Schloßstraße- 25.11.2008: Ehemalige Woolworth-Filiale in Steglitz eingestürzt.
- 11.03.2009: Wertheim Alles muss raus.
- 28.03.2009: Abschied vom Kaufhaus Wertheim.
- 31.03.2009: Mit einem neuen Kaufhaus gegen die Krise.
- 03.04.2009: Straße mit Ausblick.
- 20.08.2009: Shoppen mit Gleisanschluss.
- 02.12.2009: Schloßstraße ohne Adventsstimmung.
- Weitere Dokumentationen (5. Teil).
Freiheit für Flaneure
Die Schloßstraße in Steglitz soll einspurig werden. Dafür gibt es neue Fahrradwege und breitere Bürgersteige. Im Herbst soll mit dem Umbau begonnen werden.
Aus: Der Tagesspiegel, Berlin, 15. Februar 2008, Seite 13 (Berlin). [Original=270,2477043]BERLIN-STEGLITZ (Tsp). Die Schloßstraße in Steglitz soll zukünftig enger und dadurch attraktiver werden. Der rund 1,5 Kilometer lange Boulevard gilt als eine der beliebtesten Einkaufsmeilen Berlins. Jetzt hat die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) das neue Verkehrskonzept beschlossen. Wie berichtet, wird die zweispurige Straße auf eine 3,5 Meter breite Auto- und Busspur reduziert. Dafür soll ein 2 Meter breiter Fahrradweg entstehen. Zusätzlich sollen im nördlichen Teil ab Walther-Schreiber-Platz die Bürgersteige verbreitert werden. Nur die CDU stimmte gegen die Veränderungen [Ed: was sie schon vor 20 Jahren tat, als sich Bürger für eine fußgängerfreundliche Nutzung der Schloßstraße einsetzten].
Der Bezirk will damit die Qualität der EinkaufsmeSile steigern. "Die neuen, breiteren Bürgersteige erleichtern das Flanieren", sagte Ingo Herpolsheimer, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Händler in der Schloßstraße. "Die Schloßstraße hat sich in den vergangenen Jahren sehr positiv verändert, auch als Einkaufsstraße." Was die Kaufkraft angeht, sei das Gebiet auf Platz zwei, direkt hinter dem Ku’damm. Das wirkt offensichtlich anziehend auf Geschäftsleute: In den vergangenen Jahren haben in der Schloßstraße zwei neue Einkaufsgalerien eröffnet: "Das Schloss" und das "Schloss-Strassen-Center".
Ob das Verkehrskonzept mit nur einer Fahrspur jedoch erfolgreich sein wird, müsse man zunächst abwarten. "Wir müssen erstmal schauen wie es hier aussieht, wenn alles fertig umgebaut ist", sagte Herpolsheimer. Der Grund für die BVV-Entscheidung ist ein umfangreiches Verkehrsgutachten der Gesellschaft für Gesamtverkehrsplanung, Regionalisierung und Infrastrukturplanung (GRI). Aus der Untersuchung geht hervor, dass selbst bei dichtem Verkehr nur 1569 Autos pro Stunde in jede Richtung fahren können. Nach Meinung der Verkehrsexperten reicht dafür nur eine Spur. Die GRI geht sogar davon aus, dass der Verkehr in Zukunft schneller fließen wird, da es keine Staus mehr aufgrund von Autos, die in zweiter Reihe parken, geben werde. Die Experten und der Bezirk hoffen zudem, dass der Durchgangsverkehr auf die parallel verlaufende Stadtautobahn ausweichen wird. Um das zu erreichen, sollen entsprechende Hinweisschilder aufgestellt werden.
Die Diskussion um die Umgestaltung der Schloßstraße läuft schon seit vielen Jahren. Immer wieder hatte es in der BVV unterschiedliche Vorschläge gegeben, wie man den Durchgangsverkehr reduzieren und gleichzeitig die Qualität der Einkaufsmeile verbessern kann.
"Ich bin sehr zufrieden, dass die BVV sich nach der langen Diskussion eindeutig positioniert hat", sagte Uwe Stäglin (SPD), Baustadtrat von Steglitz-Zehlendorf. Die Umgestaltung sei eine deutliche Qualitätsverbesserung im öffentlichen Raum. "Die verbreiterten Gehwege bieten nicht nur Platz für Fußgänger, sondern auch für Ladezonen und Außengastronomie." Bis die Bauarbeiten beginnen können, sei aber noch viel Planungs- und Abstimmungsarbeit zu bewältigen.
E I N K A U F S V E R K E H RGlaspaläste für die Schloßstraße
Am Standort von Woolworth beginnt am 1. Oktober der Bau eines neuen Geschäftshauses, wo noch Reste des Karstadthauses stehen, sollen bald Luxusartikel verkauft werden und auch der Rückbau der Fahrbahn beginnt demnächst. Die Schloßstraße wandelt sich zum Einkaufsboulevard.
Aus: Berliner Morgenpost, 8. Mai 2008, Seite 19 (Bezirke). [Original=1974598.html]BERLIN-STEGLITZ (BM). Der Bauboom an der Steglitzer Schloßstraße hält an: Während sich die Kräne bereits über dem ehemaligen Karstadt-Haus für den "Boulevard Berlin" drehen, kommt noch in diesem Jahr eine weitere Baustelle am Standort von Woolworth dazu. An der Schloßstraße, Ecke Ahornstraße wird die Investa-Immobiliengruppe für 40 Millionen Euro ein neues Geschäftshaus auf 5 Etagen errichten.
Die Baugenehmigung wurde gerade vom Bauamt des Bezirks erteilt. Am 1. Oktober soll der Baustart sein, bestätigt Robert Gierth, Leiter der Berliner Niederlassung von Investa. Mit diesem weiteren Neubau kann die Schloßstraße ihren Ruf, die größte Dichte an Einkaufscentern in Berlin zu haben, festigen. In den vergangenen 2 Jahren hatten das "Schloss", das "Schloss-Straßen-Center" und das modernisierte "Forum Steglitz" eröffnet.
Auch in das neue Haus, das den Flachbau von Woolworth ersetzen wird, soll der Einzelhandel einziehen. Drei der fünf Etagen nehme der Flagship-Store eines größeren Textilanbieters ein, sagt Helge Schmidt vom Büro Eike Becker Architekten, das die Planung übernommen hat. Darüber hinaus ist noch Platz für ein weiteres Geschäft. Woolworth hat einen Mietvertrag, könnte dort also wieder einziehen, sagt Robert Gierth. Die oberen beiden Etagen bleiben Büros oder Praxen vorbehalten. Da es sich um einen reinen Gewerbestandort handle, kann kein Wohnraum entstehen.
Die Fassade wird großflächig verglast. Dazwischen liegen geschlossene Elemente aus hellem Blech. Das Architekturbüro von Eike Becker und Helge Schmidt, das unter anderem auch die Luxus-Wohnanlage "Fehrbelliner" in Mitte, ein Büro-Hochhaus in Friedrichshain und ein Hotel für das Viktoria-Quartier in Kreuzberg plant, wird jetzt in die letzte Detailplanung gehen.
Mehr Platz zum Geldausgeben
Die Steglitzer Schlossstraße soll attraktiver und sicherer werden. Die Radfahrer erhalten eine eigene Spur.
Aus: taz, Berlin, 15. Juli 2008, Seite xx (Berlin). [Original]BERLIN-STEGLITZ (taz.de). Die Konsumtempel sind schon da, Spaß macht das Einkaufserlebnis an der Steglitzer Schlossstraße aber bisher nicht: Autos donnern vorbei, einbiegende Lieferwagen nehmen Radfahrern die Vorfahrt, Baustellen behindern Fußgänger, und unter der Tiburtiusbrücke liegt die Aufenthaltsqualität bei null. Das soll sich in den nächsten Jahren ändern. Bezirksbaustadtrat Uwe Stäglin (SPD) will der Straße ein neues Gesicht und einen "Alleecharakter" geben. Bürgerforderungen nach einer Fußgängerzone und weniger Parkplätzen erteilte er bei der Präsentation der Pläne am Montagabend [14.7.2008] jedoch eine Absage.
Die Fahrbahnbreite soll künftig einheitlich auf 6 Meter festgelegt werden, die Spuren werden durch einen Mittelstreifen mit Bäumen getrennt. Radfahrer sollen einen sogenannten Angebotsstreifen am Fahrbahnrand erhalten. Zwischen teils verbreitertem Bürgersteig und Radspur können Autos parken und Lieferwagen ausladen.
Radler dürften von der Neuordnung profitieren werden aber weiterhin auf die Rücksicht der anderen Verkehrsteilnehmer hoffen müssen. "Es wird immer einen Konflikt geben", gab Stäglin zu. "Man darf das Gucken trotz neuer Struktur nicht unterlassen." Radfahrer müssten ebenso achtsam sein wie ausscherende Lieferwagen und einparkende Autos. "Wir haben viele Straßen, in denen dieses System funktioniert."
Die Umbaumaßnahmen sind auf 3 Jahre angelegt und kosten mehr als 1,8 Millionen Euro. Laut Stäglin müssen sich die Anlieger nicht daran beteiligen; allerdings hofft der Stadtrat auf Unterstützung aus der Wirtschaft. Die Betreiber des Shopping-Centers Boulevard Berlin etwa sollten die Gehwegsanierung mitfinanzieren. "Wir streben einen städtebaulichen Vertrag an", sagte der Stadtrat.
Der Abschnitt zwischen der S-Bahn-Haltestelle Rathaus Steglitz und dem Walther-Schreiber-Platz lockt Einkaufswillige aus der ganzen Stadt und vor allem auch dem Umland. Drei Zentren entstanden in den letzten Jahren, das Schloss, das Forum Steglitz und das Schlossstraßencenter. Ein viertes ist mit dem Boulevard Berlin auf dem Gelände von Wertheim und Karstadt geplant. Hier sollen auf 70.000 Quadratmetern Einzelhandel, Gastronomie und Dienstleistungen Platz finden damit würde der Boulevard um die Hälfte größer als das Schloss am Südende der Straße. Zwischen den Einkaufsmagneten haben Kaffee- und andere Ladenketten unterdessen zahlreiche kleine und traditionelle Geschäfte verdrängt.
Möglicherweise würde eine Fußgängerzone die Ladenzeilen zwischen den Shoppingzentren attraktiver machen, und auch Anwohner würden sich über die Beruhigung freuen. Es gibt im Bezirk jedoch keine Mehrheit für den Vorschlag. Nicht einmal auf Tempo 30 konnten sich die Parteien einigen.
Nachkriegsmoderne kehrt an die Schloßstraße zurück
Multi Development legt neue Pläne für den "Boulevard Berlin" vor / Wertheim erhält Originalfassade.
Aus: Die Welt, Berlin, 11. September 2008, Seite xx (Berlin). [Original]STEGLITZ (welt.de). Die Pläne für das 390 Millionen Euro teure Einkaufsquartier "Boulevard Berlin" an der Steglitzer Schloßstraße haben sich noch einmal geändert. Fassaden, Zufahrten, Park und Passagen wurden von dem Investor Multi Development, der bis zum Jahr 2011 die Warenhäuser Wertheim und Karstadt zu einer einzigen neuen Einkaufswelt verschmelzen will, komplett überarbeitet. Ein Grund dafür ist unter anderem die Forderung des Bezirks, die Verkaufsfläche von 70.000 auf 64.000 Quadratmeter zu begrenzen, um das zulässige Angebot an Geschäften an der Schloßstraße nicht zu überschreiten.
Die wohl spektakulärste Veränderung betrifft das Gebäude von Wertheim. Das Warenhaus aus dem Jahr 1952 steht unter Denkmalschutz. Da ein Abriss nicht zur Debatte stand, sollte es so schonend wie möglich umgebaut und in den Komplex integriert werden. Ein schwieriges Problem, wie sich bei der Planung herausstellte. Daher hat sich der Investor anders entschieden: Er will die Fassade des Hauses aus dem Jahr 1952 weitestgehend originalgetreu wiederherstellen mit den klassischen Elementen wie schwarzen Glasfliesen und Messing an der Schaufensterfront. Projektentwickler Mark Göhring sieht darin einen gelungenen Kontrast zu dem benachbarten Karstadthaus, das bereits mit viel Glas umgebaut wird. "Wir verbinden damit die Architekturstile der Nachkriegsmoderne mit der heutigen Zeit", sagt Göhring. Außerdem werde neben dem Titania-Palast aus dem Jahr 1928 an der Schloßstraße ein weiterer architektonischer Akzent gesetzt.
Der Erhalt der Wertheim-Fassade hat zur Folge, dass die Fläche bis zum angrenzenden Park neu gestaltet werden musste. Hinter Wertheim entsteht jetzt ein kleines Quartier mit eigenständigen Häusern und individuellen Fassaden. Zentrum dieses Quartiers ist ein Mittelhof, der von allen Seiten über Passagen zu erreichen ist.
Die Treitschkestraße wird teilweise entwidmet und als Fußgängerpassage in das Ensemble integriert. Sie soll aber ihren Straßencharakter behalten und auf 15 Meter verbreitert werden. Dort, wo die Treitschkestraße auf die Schloßstraße trifft, entsteht ein neuer Platz, den der Investor mit Stadtmöbeln und Bäumen aufwerten will.
Neu geregelt und bereits mit Bezirk und Senat abgestimmt, ist auch die Zufahrt zum Einkaufscenter. Diese soll künftig über einen neuen Verkehrsknoten an der Schildhornstraße erfolgen. Bislang besteht erst an der Lepsiusstraße die Möglichkeit zum Abbiegen. Künftig kann der Besucherverkehr, der zum einen über die Stadtautobahn und die Tiburtiusbrücke und zum anderen über die Schildhornstraße kommt, an einer neu geschaffenen Einfahrt an der Schildhornstraße in das Center abbiegen. Von dort aus wird auch der Lieferverkehr abgewickelt, er erfolgt unterirdisch über einen Tunnel. "Diese Lösung wird das Wohngebiet an Lepsius-, Treitschke- und Markelstraße entlasten", sagt Mark Göhring von Multi Development. Denn die Parkplatzsuche im Karree falle dadurch weg. Am Fuße der Tiburtiusbrücke soll zudem die Kreuzung Schloß- und Schildhornstraße neu gestaltet werden. Neben den 1200 Parkplätzen für Kunden, wird auch über ein Fahrradparkhaus für die Zweiräder nachgedacht. Es könnte entweder im Gebäude oder unter der Tiburtiusbrücke eingerichtet werden.
Die Verkaufsfläche von 64.000 Quadratmeter sollen "möglichst Geschäfte füllen, die an der Schloßstraße noch nicht vertreten sind", sagt Projektentwickler Göhring. Man sei zum Beispiel mit dem Textilanbieter "Sting" im Gespräch.
Der "Boulevard Berlin" hat aber noch mehr zu bieten, als nur Einkaufsmöglichkeiten. Restaurants und Imbissangebote werden etwa 3700 Quadratmeter beanspruchen, 2000 Quadratmeter bleiben einem Freizeitbereich vorbehalten.
Die Arbeiten, die bereits 2007 mit dem Umbau des Karstadthauses begonnen haben, sollen im Herbst 2011 abgeschlossen sein. Bereits im April 2009 wird Karstadt mit seinen gehobenen Waren der Premium-Group und einer Feinkostabteilung eröffnen. Baubeginn für Wertheim mit dem dazugehörigen Quartier ist voraussichtlich im Oktober 2009.
Im Bezirk stießen die neuen Pläne von Multi Development auf breite Zustimmung. Baustadtrat Uwe Stäglin (SPD) ist von der Wiederherstellung der Wertheim-Originalfassade besonders angetan. "Ein tolle Idee", findet er.
Eine Tram in den Westen
BUND will Linie M 4 bis Rathaus-Steglitz verlängert sehen.
Aus: Neues Deutschland, Berlin, 22. Oktober 2008, Seite xx (Berlin/Brandenburg). [Original]BERLIN (ND). Die Busse fahren wegen des Staus auf der B 1 oft unzuverlässig, die Schadstoff- und Lärmbelastung ist hoch. Deshalb möchte der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) die Tram-Linie M 4 von ihrer jetzigen Endhaltestelle am Hackeschen Markt bis zum Rathaus Steglitz verlängern. Dadurch würde eine bislang fehlende Querverbindung vom Nordosten Berlins bis in den Südwesten entstehen, heißt es in einer Mitteilung des BUND. Konkret soll die M 4 über Spittelmarkt und Potsdamer Platz sowie Potsdamer Straße und Schloßstraße bis Rathaus Steglitz fahren.
Die Machbarkeitsstudie stellten gestern der BUND und das "Projekt Busersatzverkehr" vor. Fünf Studierende vom Institut für Stadt- und Regionalplanung an der TU-Berlin haben in dem Projekt die Vorschläge für den Tram-Ausbau erarbeitet. Nach ihren Ergebnissen würde sich die Verlängerung in vielfacher Hinsicht lohnen.
Die Fahrzeit wäre gegenüber der Buslinie M 48 um 24 Prozent kürzer. Durch die Anlage von Rasengleisen wäre die Tram auch leiser als ein Bus, der grüne Teppich dämpft zusätzlich 5 Dezibel der Radgeräusche. Zudem hätte die Bepflanzung der neuen Bahntrasse Luft filternde Funktion. Letztlich würde sich die Sache auch noch rechnen. 145.000 Fahrgäste könnte die M 4 jeden Tag befördern. Allein aus dem Fahrkartenverkauf würde die BVG im Jahr über 4,1 Millionen Euro mehr einnehmen.
Im Stadtentwicklungssenat ist man angetan von den Plänen der Studierenden. "Wir werden in jedem Fall weiter mit ihnen diskutieren", sagte Sprecherin Manuela Damianakis. Der Vorschlag des Projekts decke sich bis zum Kulturforum mit den Planungen des Senats hier ist sogar schon ein Stück Gleis verlegt. Allerdings müssten noch "städtebauliche Fragen" geklärt werden, so Damianakis. Die Studierenden hätten nicht einberechnet, dass auf der Steglitzer Schloßstraße mit ihren vielen Geschäften der Liefer- und Kundenverkehr Platz haben müsste [Ed: hm, das klappte doch früher auch, als durch die Schloßstraße noch Straßenbahnen fuhren]. Auf Basis der neuen Verkehrsprognose, die Anfang 2009 vorliegen soll, wolle man prüfen, ob die Verlängerung der M 4 noch Sinn mache, sagte Damianakis. Dann könne man konkret darüber nachdenken.
Auch eine andere Streckenverlängerung schlug der BUND gestern vor. Ein Ausbau der Tram bis zum Hauptbahnhof ist bereits geplant, Baubeginn sei noch in dieser Legislaturperiode, bestätigte Damianakis. Nach dem Willen des Umweltverbandes soll diese Strecke jedoch weiter bis Moabit führen. Neben den bei der M 4 genannten Vorteilen für Stadtklima und Verkehrsentlastung, bedeute der Streckenausbau eine Chance für die Turmstraße, hieß es. Die könnte als Geschäftsstraße neu belebt werden. Derzeit "zerfalle" der Stadtteil durch Turmstraße und Alt-Moabit in einen Nord- und einen Südteil, so Tilo Schütz vom BUND. Mit schmaleren Fahrspuren und neuen Tramschienen könnte man dem entgegenwirken und auch dem "Kleinen Tiergarten" zu neuer Bedeutung verhelfen.
Karstadt an der Schloßstraße öffnet am 2. April
Aus: Berliner Morgenpost, 23. November 2008, Seite ?? (Berlin). [Original]BERLIN (BM). Das Karstadt-Kaufhaus an der Steglitzer Schloßstraße wird nach einer knapp zweijährigen Umbauphase am 2. April 2009 wieder eröffnet werden. Das sagte Mark Göhring, Projektentwickler beim Investor Multi Development.
Sobald Karstadt wieder in Betrieb ist, beginnt der Umbau des benachbarten Wertheim-Kaufhauses. Es wird seine historische Fassade aus dem Jahr 1952 zurückerhalten. Beide Häuser sollen über eine Passage verbunden werden. Multi-Development investiert in die beiden Häuser an der Schloßstraße, die nach der Fertigstellung unter dem gemeinsamen Namen "Boulevard Berlin" firmieren werden, knapp 400 Millionen Euro.
W E R T H E I MEhemalige Woolworth-Filiale in Steglitz eingestürzt
Aus: Berliner Morgenpost, 25. November 2008, Seite ?? (Berlin). [Original]STEGLITZ (BM). An der Schloßstraße in Steglitz ist ein Gebäude [an der Ecke Ahornstraße] eingestürzt: Aufgrund eines technischen Fehlers kam es bei Abrissarbeiten an dem ehemaligen Woolworth-Warenhaus zu unvorhergesehenen Problemen der Bau brach zusammen.
Die Einkaufsstraße wurde gesperrt und bleibt nach Polizeiangaben auch heute Vormittag für den Autoverkehr in Richtung Rathaus Steglitz gesperrt.
Die knapp 10 mal 20 Meter große Außenmauer des ehemaligen Woolworth-Kaufhauses war gestern gegen 13.30 Uhr auf den Fußweg gestürzt. Ein Fußgänger-Durchgang wurde unter den Trümmern begraben, verletzt wurde aber niemand.
Nach Angaben der Polizei hatte ein Bagger zunächst eine tragende Wand des früheren Kaufhauses beschädigt. Dadurch sei die Mauer in Schwingungen geraten und schließlich eingestürzt. Polizei und Bauamt prüfen, wie und ob die Abrissarbeiten fortgesetzt werden können.
Wo jetzt noch die Reste des einstigen Woolworth-Baus stehen, will die Investa-Immobiliengruppe in den kommenden Monaten ein neues Geschäftshaus errichten. Das Unternehmen plant dort einen Neubau mit 5 Etagen und will dafür rund 40 Millionen Euro investieren.
W E R T H E I MAlles muss raus
Das Kaufhaus Wertheim an der Schloßstraße bereitet sich auf das Ende vor. Am 27. März verabschiedet es sich endgültig von den Kunden als letztes Wertheim überhaupt. Die Umsätze sind überraschend hoch.
Aus: Der Tagesspiegel, Berlin, 11. März 2009, Seite 10 (Berlin) von CHRISTIAN VAN LESSEN. [Original]
STEGLITZ (Tsp). Verwaist ist schon die Sportabteilung, bei Spielwaren und Kinderkonfektion sieht es kaum besser aus, der Bestand neigt sich dem Ende zu, Regale leeren sich. "Wir schließen von oben nach unten, nachgefüllt wird nicht mehr", sagt Volker Pesarese, Geschäftsführer von Wertheim in Steglitz. Es war einst Berlins erstes neu gebautes Warenhaus nach dem Krieg. Nun ist es das letzte Wertheim überhaupt. "Tschüs, altes Haus", steht auf Plakaten in den Gängen. Am 27. März einem Freitag verabschiedet es sich endgültig von seinen Kunden.
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Das Steglitzer Warenhaus Wertheim am Eröffnungstag, dem 18. Juli 1952. Nach nur gut 56 Jahren ist nun Schluß. (Foto: 18.7.1952 Walter)
Die meisten Leute, die durch die 4 Etagen schlendern, sind etwas betrübt. Ein schrumpfendes Kaufhaus ist ein trauriger Anblick. Aber die Kunden freuen sich auch, dass der Abschiedsschmerz mit heftigen Preisnachlässen versüßt wird. Bis zu 30 Prozent sind es, und in der Endphase des Hauses werden es wohl 50 Prozent. Einige Kassen wurden verstärkt. Volker Pesarese spricht von "Umsätzen, die uns selbst überraschen". Er möchte, dass der Auszug geordnet und seriös wirkt. Auch soll es nicht so aussehen, als ende das alte Haus in einem Schnäppchenmarktchaos.
Auch für die rund 300 Mitarbeiter ist es ein leicht wehmütiger Abschied, gepaart allerdings mit der Aussicht auf einen neuen, helleren Arbeitsplatz auf der anderen Seite der Treitschkestraße. Pesarese spricht von Euphorie und Aufbruchstimmung in der Belegschaft. Am 2. April eröffnet das neue Karstadt-Haus, und weil Wertheim zu Karstadt gehört, ist die Adressenänderung kein Problem.
Die Fassade des alten Warenhauses bleibt zumindest erhalten, wird in originalgetreuen Zustand gebracht. Dahinter entsteht das Einkaufsquartier "Boulevard Berlin" des Investors Multi Development. Bis 2011 könnte die neue Einkaufsstadt mit eigenständigen Häusern, einem Mittelhof und abzweigenden Passagen voller Läden entstanden sein. Mit Karstadt wäre der Komplex durch einen überdachten Boulevard verbunden. Noch sind Planungsfragen zu klären. Multi Development gehört auch das Gelände, auf dem Karstadt entstanden ist.
Aber noch steht das alte Wertheim, seine denkmalgeschützte Fassade sieht verwittert aus, wird später mit schwarzen Glasfliesen und Messing seine klassische moderne Schönheit zurückerhalten, so wie sie einst Hans Soll errichtete. Der Regierende Bürgermeister Ernst Reuter war bei der Eröffnung des Hauses im Juli 1952 dabei, und es gab damals doppelt so viel Personal wie heute. Schon in den zwanziger Jahren hatte Wertheim das Gelände gekauft, das bis zur Lepsiusstraße reichte. Die Entwürfe für den Neubau gehen auf Otto Rudolf Salvisberg zurück. Ein Erweiterungsbau mit Parkhaus entstand Ende der sechziger Jahre an der Schildhornstraße, auch das Stammhaus erhielt zum Teil eine Lamellenfassade.
Mit Wertheim werden nicht nur viele ältere Anwohner ein Stück Historie schwinden sehen. Sie werden sich an Namen wie Café Huthmacher, an die Modehäuser Leineweber oder Prüß oder auch Feinkost Nöthling erinnern, die neben Wertheim in den Nachkriegsjahrzehnten ein Begriff in der Schloßstraße waren. Aber die Einkaufswelt hat sich dramatisch verändert, etwa durch Einkaufszentren wie das Schloss oder das Forum.
Wenn demnächst nach dem Abriss das neue Karstadt öffnet,werden das letzte Wertheim und sein Name zur Geschichte. Das erste Geschäft war 1875 in Stralsund eröffnet worden. Wenigstens in der Startphase des neuen Karstadt bleibt dem Wertheim-Komplex noch eine Schonfrist: als Parkhaus. [mehr]
D A S N E U E K A R S T A D TAbschied von alten Lamellen
Am Freitag [27.3.2009] öffnete das Kaufhaus Wertheim in Steglitz zum letzten Mal. Jetzt ist der Name für immer verschwunden.
Aus: Der Tagesspiegel, Berlin, 28. März 2009, Seite 10 (Berlin). [Original]BERLIN-STEGLITZ (Tsp). "Tschüss, altes Haus!" haben sie auf die Plakate geschrieben, die in jedem Schaufenster hängen. "Satte Rabatte" werden versprochen, Dankbarkeit für jahrelange Treue senkt das, was noch da ist, um bis zu 70 Prozent. Draußen, neben dem seltsamen Bierpinsel, beleben die blauen Fahnen mit dem einen Wort und Begriff "Wertheim" die graue Lamellenfassade, aber am Abend des 27. März werden die Fahnen eingeholt und die Rabatte sattgegessen sein.
Das Kaufhaus Wertheim in der Steglitzer Schloßstraße schließt für immer, und damit erlischt der Markenname, der an dieser Stelle nahezu ein Menschenleben lang Bestand hatte: Ernst Reuter, das Stadtoberhaupt, war 1952 zur Eröffnung gekommen. Am gestrigen Freitag, am letzten Tag, kamen nur noch jene, die sich durch die wenigen Bestände der Resterampe wühlten. "Veronas dream", eine Vitaldeo-Cream, hatte auch schon bessere Tage gesehen, hier liegt der Traum auf einem Haufen für Zweifünfundneunzig, die Damen an der Kasse bedienen emsig, Jeans und Röcke verschwinden in den Taschen, die meisten Regale sind längst leer oder abgebaut, rot-weiße Flatterbänder markieren den letzten Gang. Der Feinkostmarkt ist auch am Tag finaler Genüsse gut bestückt, doch am 2. April wird es Begrüßungs-Schampus im neuen Genießertempel auf der anderen Straßenseite geben. Einer Verkäuferin liegen die Nerven blank: "Ick jebe keen Interview", sagt sie, eine andere stöhnt: "Abschied ist immer schwer, aber wir machen ja da drüben weiter".
Damit meint sie den Karstadt-Neubau auf der anderen Seite der Treitschkestraße. Viel Glas, weißer Naturstein, am 2. April um 9 Uhr darf begutachtet werden, wie sich die schöne neue Warenwelt mit anderem Namen präsentiert. "Wir müssen uns sicher erst daran gewöhnen", sagt eine Reisebüro-Kauffrau, dreizehn Jahre lang war sie eine Wertheimerin, kennt in diesem Haus viele liebe Kolleginnen und nahezu jedes volle Regal, "der Abschied tut schon ein bisschen weh", bekennt die künftige Karstädterin und hofft, dass die Kunden bei der Stange bleiben. Als Dank für lange Treue stellt die Frau hinter der Café-Bar einem Ehepaar ein paar belegte Brötchen zum Bierchen auf den Tisch, "ein Trauerspiel", sagt der Stammgast, um sich sogleich mit der Zukunft zu trösten: "Die Fassade soll ja erhalten bleiben, dahinter wird alles entkernt, und so entsteht eine regelrechte kleine Einkaufsstadt, mit Karstadt durch eine Passage verbunden. Eigentlich kann die Straße nur gewinnen. Ein Einkaufsboulevard erster Güte". Und gerade darum ist eine alte Steglitzerin skeptisch: "Mir tut es leid, damit verschwinden hier die fünfziger Jahre, ein altes, traditionelles Kaufhaus, ein Stück Heimat". Und ein bekannter Name. "Wertheim war ein Begriff, aber Karstadt ist es ja auch". Tröstlich [Ed: eigentlich überhaupt nicht, denn Wertheim ist in Berlin eindeutig der wertvollere (Marken-) Name, aber das habe diese Karstadt-Manager aus der Provinz noch immer nicht kapiert].
Ab 2. April gibt es "Mehr Mode, Mehr Marken, Mehr Trend". Sagen sie. Das Neue kommt, außen wie innen, Namen sind Schall und Rauch.
D A S N E U E K A R S T A D TMit einem neuen Kaufhaus gegen die Krise
Aus: Berliner Morgenpost, 31. März 2009, 3.08 Uhr MESZ (Bezirke) von KATRIN LANGE. [Original]BERLIN-STEGLITZ (BM). Am frühen Morgen liegt die verführerische Warenwelt noch im Halbdunkel. Mit strammem Schritt führt Ina Lütke, Filialgeschäftsführerin des Karstadt-Kaufhauses an der Schloßstraße, durch die Gänge. Sie entschuldigt sich für das Schummerlicht und bedauert im selben Atemzug, dass das hochmoderne Lichtkonzept noch nicht zur Geltung komme.
Es ist halb neun und der letztmögliche Termin für einen Rundgang durch das Haus. Ina Lütkes Zeit ist knapp 3 Tage vor der Eröffnung. Seit das Karstadt-Kaufhaus für die Umbauarbeiten geschlossen worden war, sind fast auf den Tag 2 Jahre verstrichen. Donnerstag [2.4.2009] wird es als Premium-Haus im klassischen Kaufhausstil und als Teil des neuen "Boulevard Berlin" wiedereröffnet.
Insgesamt 390 Millionen Euro investiert das niederländische Unternehmen Multi-Development am Standort von Wertheim und Karstadt an der Steglitzer Schloßstraße. Während das Karstadt-Gebäude entkernt und neu aufgebaut wurde, soll das Wertheim-Haus zwar mit seiner historischen Fassade aus den 1950er-Jahren erhalten bleiben, aber als moderne Einkaufsgalerie mit einem Shop-in-Shop-System wiedereröffnen. Beide Häuser werden durch die Treitschkestraße, die ein Glasdach erhält, zum "Boulevard Berlin" verbunden.
Karstadt ist nun als Mieter an die Schloßstraße zurückgekehrt. Im Untergeschoss wurde gestern noch geschraubt, gefegt und eingeräumt letzte Handgriffe, bevor es "als zweites Spitzenhaus nach dem KaDeWe seine Kunden empfängt", sagt Ina Lütke. Bis Sonnabend hat das Haus von 9 bis 22 Uhr geöffnet, am Sonntag von 13 bis 18 Uhr.
Viele Stammkunden werden eine vertraute, wenn auch umfangreichere Warenwelt auf 22.000 Quadratmetern vorfinden. Es gibt gleich zu ebener Erde eine sogenannte Damenetage. "Von Schuhen über Handtaschen, Parfüm und Schmuck bis zu Süßigkeiten dort gibt es alles, was Frauen glücklich macht", sagt die Filialleiterin. Darunter, im Untergeschoss, breitet sich "Perfetto" mit seinen Lebensmittelangebot aus, darüber in der 1. Etage geht es mit Damenbekleidung, Nagelstudio und Beauty-Lounge weiter. Die Herren dürfen sich mit den Kindern die 2. Etage teilen, in der obersten ist das Restaurant "Le Buffet" angesiedelt.
Neu im Vergleich zum alten Haus ist die Präsentation der Waren. Übersichtlichkeit und Licht seien die großen Themen in dem nun modernsten Karstadt-Kaufhaus Deutschlands, so Ina Lütke. Es gibt Sichtachsen wie Kreuzungen, die immer wieder den Blick auf die Kassen freigeben. Dazwischen gruppieren sich auf 173 Parzellen die einzelnen Marken mit ihren Angeboten. Aber es gibt, wie in klassischen Kaufhäusern üblich, immer noch Hosen-, Strick- und Blusenabteilungen, in denen die Kundin unabhängig von einer Marke einfach nach ihrer Größe suchen kann.
Karstadt wagt es, mit seinem eigenen, klassischen Warenhauskonzept, der Wirtschaftskrise zu trotzen. Und der Konkurrenz der Einkaufsgalerien die Stirn zu bieten, die Schlag auf Schlag in Berlin eröffnen. Fast 60 sind es mittlerweile im Stadtgebiet. Diesem Boom setzt das zum Arcandor-Konzern gehörende Unternehmen einen eigenen Trend nämlich die Verbindung von Tradition und Moderne entgegen. "In unserem Steglitzer Haus muss man nicht mehr durch das gesamte Warenhaus jagen, um ein komplettes Outfit zusammenzustellen", sagt Karstadt-Sprecher Christian Treinies.
Allerdings ist die finanzielle Lage des Konzerns seit Jahren angespannt, allen Sanierungskonzepten zum Trotz. Die Mitarbeiter verzichten bereits zum 2. Mal auf einen Teil ihrer Bezüge, um das Unternehmen am Leben zu erhalten. Karstadt verkaufte vor 4 Jahren bereits 75 von damals fast 170 Häusern. Die daraus entstandene Kette Hertie steckt bereits in der Insolvenz. 22 Hertie-Häuser werden auf jeden Fall geschlossen. Nils Busch-Petersen, Chef des Berliner Einzelhandelsverbandes, sieht Karstadt dennoch auf dem richtigen Weg, um mit einem neuen Konzept wie jetzt an der Schloßstraße auch in schwierigen Zeiten zukunftsfähig zu sein. "Ich bin davon überzeugt, dass das klassische Kaufhaus, wenn es gut gemacht ist, eine gute Zukunft hat", sagt Busch-Petersen. Früher hätten die Warenhäuser eher Dunkelkammern geglichen. Da hätte man heute dazugelernt. Außerdem sei es nach den großen Neueröffnungen in den vergangenen Monaten, wie den Einkaufszentren Galeria, Alexa und Die Mitte am Alexanderplatz, an der Zeit gewesen, dass Karstadt zeige, was es könne.
Es wurde tatsächlich Zeit, an der Schloßstraße zu investieren. Die Baugenehmigung für das Karstadt-Haus datiert aus dem Jahre 1966, so fand das Bauamt des Bezirks Steglitz-Zehlendorf heraus. Seitdem ist dem Haus immer mal wieder eine Schönheitskur verpasst worden, aber der veraltete Charme ließ sich damit nicht wegschminken. So standen bei Wertheim und Karstadt lange die Uhren still, während an den beiden Enden der 1,4 Kilometer langen Einkaufsmeile kräftig gebaut wurde. Allein 3 große Einkaufsgalerien sind nach der Jahrtausendwende an der Schloßstraße entstanden: Kurz nacheinander eröffneten das "Schloss" (2006) am Rathaus Steglitz, das Schloss-Straßen-Center (SSC) am Walther-Schreiber-Platz (2007) und das umgebaute Forum Steglitz an der Schloßstraße 1 (2007). Die Center sehen die Wiedereröffnung von Karstadt offenbar gelassen. "Wir freuen uns, dass Karstadt mit seinem Premium-Haus zurückkehrt", sagt Werner Gresens, Centermanager vom SSC und Forum Steglitz [Ed: hm, gehören jetzt Forum und SSC zusammen?]. Schließlich gehöre das Haus zur Schloßstraße.
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Steglitz Schloßstraße Boulevard Berlin (Simulation). Rechts das neue Karstadt-Haus und links das noch umzubauende Wertheim-Haus, die zusammen mit der überdachten Treitschkestraße (Mitte) dann diesen Boulevard Berlin bilden sollen. Da Karstadt inzwischen pleite ist und verkauft werden muß, wird es vermutlich noch zu einer Namensänderung durch den neuen Eigner (Metro?) kommen. Wie wäre es mit Wertheim? (Repro: 2009 khd)
In der Mitte rund um die Tiburtiusbrücke tat sich bislang wenig. Im Gegenteil, die Gastronomie im Bierpinsel ist seit Jahren geschlossen die Unterführung unter der Brücke weiterhin ein dunkler, unwirtlicher Schandfleck. Das ändert sich jetzt, mit der Wiedereröffnung von Karstadt, zu der übrigens am Donnerstag um 9 Uhr auch der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit und Model Eva Padberg erwartet werden. "Die Mitte der Schloßstraße lebt endlich wieder", sagt Giorgio, Inhaber eines Schuhgeschäftes direkt gegenüber von Karstadt. Er ist sichtlich begeistert von dem sanierten Warenhaus, dass er für die Sehenswürdigkeit in der Schloßstraße halte. Tatsächlich drohte die Straße in der Mitte zu sterben, erzählt Giorgio. Neues Publikum sei weggeblieben, viele Händler hätten schon geklagt. Jetzt hofften alle auf noch mehr Kunden, vor allem aus dem Umland.Etwas später auf dem Rundgang durch das neue Karstadt-Haus geht dann doch noch das Licht an. Es blende niemals, so erläutert Ina Lütke. Dafür würden die Waren ins rechte Licht gerückt. Sie will noch die Terrasse zeigen. Die ist neu: Auf 400 Quadratmetern Dachterrasse gibt es etwa 150 Plätze mit Blick bis zum Potsdamer Platz und zum Kreisel-Hochhaus.
Während unten in der Schloßstraße der Verkehr tost, liegen die Arbeiten drin in den letzten Zügen. Ute Timm hat sich bereits mit ihrem Kosmetik-Stand der Marke Clinique eingerichtet. Sie rückt noch ein paar Cremetöpfe zurecht, bereit zum Verkauf. Sieben Jahre hat sie schon im benachbarten Wertheim verkauft. Jetzt ist die Beauty-Beraterin einfach nur begeistert von ihrem Arbeitsplatz mit Blick nach draußen. "Jetzt sehen wir sogar, wenn die Sonne scheint", sagt Ute Timm. Ganz oben im Restaurant "Le Buffet" sorgt Regionalleiter Hans-Dieter Bauer für alle Zutaten, damit es beim hausgemachten Eis und selbst gebackenen Kuchen an nichts fehlt. Noch sind sie verwaist die Plätze im Restaurant und die Sitzecken mit Espresso-Maschine. Bis Donnerstag [2.4.2009].
Was das Karstadt-Haus hinter sich hat, hat Wertheim jetzt vor sich. Das Warenhaus ist bereits geschlossen der Name Wertheim in Berlin damit verschwunden. Die 400 Mitarbeiter sind in das neue Karstadt gewechselt. Zwei Jahre lang wird Multi-Development an dem Standort eine neue Einkaufsgalerie bauen, mit einem dahinter angrenzenden Quartier, das aus einzelnen Gebäuden und individuellen Fassaden besteht. Läuft alles nach Plan ist der "Boulevard Berlin" 2011 fertig. Und damit die neue Mitte der Steglitzer Schloßstraße.
W A S A U S W E R T H E I M W I R DStraße mit Ausblick
Das neue Karstadt-Haus in Steglitz ist eröffnet und was bedeutet das für die Schloßstraße?
Aus: Der Tagesspiegel, Berlin, 3. April 2009, Seite 14 (Berlin) von BERND MATTHIES. [Original]STEGLITZ (Tsp). Was immer mit der Schloßstraße geschieht: Sie bleibt sich in der Umwälzung treu als grundbürgerliches Einkaufsziel. Begriffe wie "Boulevard" oder "Flanieren" verbieten sich angesichts der geschäftigen Wuselei zwischen Rathaus und Walther-Schreiber-Platz, Luxuslabel fehlen völlig, und selbst, wer nur die frivole Idee hätte, seine Einkäufe mit einem Glas Champagner zu feiern, der müsste schon sehr lange suchen. Andererseits: Auch der Absturz ist ferner denn je, der letzte Ramschladen hat sich lautlos vom Hof gemacht. Und insofern mag man sogar das trübe, eher nach Hoyerswerda als nach Berlin müffelnde Sortiment des Wochenmarktes auf dem Hermann-Ehlers-Platz positiv verstehen: So was kommt in die Läden nicht mehr rein [Ed: hm, dort bekommt man aber Dinge wie gemahlenes Lorbeer, was es in den modernen Kaufhäusern nicht mehr gibt einem (kochenden) Feinschmecker sollte das aufgefallen sein].
Karstadt, seit jeher einer der Anziehungspunkte der Schloßstraße, hat sich schick hochgefönt zur Neueröffnung am Donnerstag [2.4.2009]. Die Leute strömen, drängeln aber kaum, bestaunen den metropolitanen Hauch des Erdgeschosses, das nach KaDeWe-Vorbild ganz danach trachtet, überschüssiges Geld für teure Düfte oder noch teurere Handtaschen abzusaugen. Die einstige Tristesse von Tesafilm, T-Shirts und Taschenbuch-Mängelexemplaren ist hier plakativ ersetzt worden durch urbane, wolllüstig duftende Eleganz mal sehen, ob die eher zum Biedersinn neigende Stammkundschaft das auf Dauer zu schätzen weiß [Ed: wohl kaum, denn wer will vom Amalgam der Parfum-Düfte total betäubt noch in obere Etagen vordringen, nur um einen Notizblock oder einen feinen ‚Griffel‘ zu erstehen...].
Die Schloßstraße, schaumgeboren als Schaufenster des Wirtschaftswunders West, hatte enorme Schwierigkeiten, ihren Platz im neu sortierten Berlin zu finden. Nostalgiker erinnern sich noch an die Glanzzeiten von Bekleidungshäusern wie Ebbinghaus, Boeldicke und Leineweber, an den elitären Gaumenreiz der Feinkost von Nöthling, an die hinter Tennisschlägern versteckten Luxustextilien von Zenker. Nichts davon ist mehr vorhanden, alles untergegangen im Sortiment des schnöde Landläufigen, zusammen mit den schummrigen Ecken wie dem Born-Markt im Untergeschoss des Forums Steglitz, der als säuberlich durchgefegte Caipirinha-Meile auferstanden ist aber immer noch Platz für das exzellente Fischangebot der alteingessenen Firma Nickel hat. Das ganz neue Schloss-Straßen-Center nebenan, dort, wo einst das Kaufhaus Held stand, ringt noch merklich um ein eigenes Profil.
Mehr als 50 Jahre am Platz ist Schreibwarenhändler Schmidt-Hagius; wer noch Älteres, Feineres will, der muss in den Nebenstraßen suchen, deren Händler mit Stelltafeln vorn verbissen um Wahrnehmung kämpfen: Schirm-Schirmer in der Kieler Straße wurde 1908 gegründet und kann Dinge, die Karstadt nicht kann, zum Beispiel Gehstöcke aus Ebenholz, mit Griff aus Silber beschaffen. "hifi elements" in der Hubertusstraße zeigt Geräte, die nie im Ich-bin-doch-nicht-blöd-Markt verramscht werden, "Pot und Pepper", auch in der Kieler, ist ein hoch spezialisierter Gewürzladen.
In der hoch aufbrandenden Shopping-Euphorie wird gern übersehen, dass viele der eiligen Schloßstraßen-Passanten andere Ziele haben. Kein Hausflur ist ohne Arztschild, die hier ansässigen Apotheken und Sanitätsläden könnten aus dem Stand ein mittleres Schwellenland mit Schmerztabletten und Stützstrümpfen versorgen, die Friseure der Gegend ganz Berlin innerhalb eines Tages mit Formschnitt und Dauerwelle aufmöbeln. Umgekehrt schmerzt das Fehlen jeder wenigstens mittelmäßigen Gastronomie, ein traditioneller Mangel der Straße, die immer noch täglich nach Ladenschluss in eine Art Schockstarre verfällt.
Dann rücken auch ihre dunklen Ecken wieder in den Blick, vor allem der düstere 70er-Jahre-U-Bahnhof mit dem leergeräumten "Bierpinsel", und auch das nun verrammelte Wertheim-Haus drückt auf die Stimmung in der Mitte der sonst so umtriebigen Straße. Doch hier bleibt sowieso nichts, wie es ist. Das wird sich auch nach dieser neuen Umwälzung nicht ändern.
Shoppen mit Gleisanschluss
An der Steglitzer Schlossstraße entsteht derzeit das vierte große Einkaufszentrum mit direktem Zugang zum U-Bahnhof. Wie viele neue Centerläden die Straße noch verträgt, ist unter Anrainern umstritten.
Aus: Der Tagesspiegel, Berlin, 20. August 2010, Seite xx (Berlin). [Original]STEGLITZ (Tsp). An der Steglitzer Schlossstraße rollen die Bagger für Berlins 61. Einkaufszentrum den "Boulevard Berlin" auf dem Gelände des ehemaligen Wertheim-Warenhauses zwischen Treitschke- und Schildhornstraße. Seit einigen Tagen reißen Bauarbeiter das alte Parkhaus und Teile des Kaufhauses ab. Nach Angaben von Projektentwickler Mark Göhring vom Bauherren Multi Development will das niederländische Unternehmen hingegen die denkmalgeschützte Fassade des 50er-Jahre-Baus sanieren.
Im September [2009] wird die Baugrube für das Center ausgehoben, die Eröffnung ist für den Herbst 2011 geplant. Multi Development investiert rund 400 Millionen Euro und plant 64.000 Quadratmeter Verkaufsfläche. Teil des Projekts ist das benachbarte Karstadt-Warenhaus, das im vorigen April nach einer zweijährigen Modernisierung neu eröffnet hatte. Auch dieses Gebäude gehört seit längerem Multi Development, Karstadt ist dort nur noch Mieter.
2011 soll außerdem die Karstadt- Sport-Filiale aus dem Forum Steglitz in den Neubau ziehen. Die Insolvenz der Karstadt-Gruppe und des Mutterkonzerns Arcandor ändere nichts an der Kooperation, sagt Mark Göhring. "Wir planen weiter mit Karstadt." Namen weiterer Mieter will er noch nicht nennen. Neben Einzelhandel sind Gastronomie, Dienstleistungen, Freizeitangebote, 1200 Autostellplätze und ein Zugang zum U-Bahnhof Schlossstraße geplant.
Die Treitschkestraße wird für den Verkehr geschlossen und zur überdachten Promenade. Bereits eingezäunt sind Teile der benachbarten Grünanlage: Im Harry-Breslau-Park verlegen die Wasserbetriebe derzeit Rohre, dort ist ein großes Gastronomiebereich mit Sitzplätzen im Freien geplant. So werde der Park "aufgewertet und an die hochfrequente Schlossstraße angebunden" werden, heißt in einem Konzept.
Eine bundesweit "unvergleichbar hohe Dichte" an Shoppingcentern hatte die Maklerfirma Engel & Völkers der Schlossstraße erst im Juli bescheinigt. Mit bisher 140.000 Quadratmetern Verkaufsfläche gilt diese als zweitgrößte Einkaufsstraße Berlins nach dem Straßenzug Tauentzienstraße und Kurfürstendamm. Auch bei den Passantenzahlen liegt Steglitz sonnabends auf Platz zwei. Der "Boulevard Berlin" wird das vierte große Center in der Schlossstraße. Das älteste ist das 1970 eröffnete Forum Steglitz, das von 2005 bis 2007 modernisiert wurde. 2006 kam "Das Schloss" am alten Rathaus Steglitz hinzu und rund ein Jahr später das "Schloss-Strassen-Center (SSC)" am Walther-Schreiber-Platz. Wie viele neue Centerläden die Straße noch verträgt, ist unter Anrainern umstritten denn schon das SSC hat die Erwartungen einiger Mieter nicht erfüllt.
Gebuddelt wird auch an anderer Stelle in der Schlossstraße: Auf dem Woolworth-Grundstück an der Ecke Ahornstraße entsteht ein fünfstöckiges Geschäftshaus, und das Bezirksamt hat mit der angestrebten Verkehrsberuhigung begonnen. Bis Ende 2010 soll es in der Straße nur noch eine Fahrspur pro Richtung für den Auto- und Busverkehr sowie je eine Fahrradspur geben, dafür werden die Gehwege breiter. Eine der ersten Baustellen dafür liegt in Höhe des Kinos Titania-Palast. Zusätzlich verschönert der Bezirk zurzeit den Vorplatz des Forums Steglitz.
Schloßstraße ohne Adventsstimmung
Wer ist da zu geizig für die Weihnachtsbeleuchtung?
Aus: B.Z., Berlin, 2. Dezember 2009, 12.40 Uhr MEZ (Schupelius-Kolumne) von GUNNAR SCHUPELIUS. [Original]STEGLITZ. Noch 22 Tage bis Weihnachten. Freuen Sie sich auf das Fest? Ich sehr, und ich freue mich vor allem auch über die Weihnachtsbeleuchtung in der Stadt. Kurfürstendamm und Tauentzienstraße leuchten dank des Engagements der Firma Wall, Unter den Linden bezahlt Vattenfall die Lichterschlangen an den Bäumen. Am Brandenburger Tor und vor dem Reichstag stehen wirklich beachtliche Weihnachtsbäume. Den schönsten übrigens hat meiner Meinung nach der Bundespräsident vor dem Schloss Bellevue aufstellen lassen.
Nur die Schloßstraße in Steglitz liegt im Dunkeln. Zwischen Walther-Schreiber-Platz und Rathaus kommt keine Weihnachtsstimmung auf. Das ist ein wirklich trauriger Anblick. Umso mehr, als dass auf der Schloßstraße die Geschäftsleute nach alter Tradition für den Lichterglanz in ihrer Straße immer selbst gesorgt haben.
Warum sie es in diesem Jahr zum ersten Mal nicht tun, konnte ich gestern nicht herausfinden. Hoffentlich meldet sich heute jemand bei mir und erklärt den Ausfall. Am Geld kann es nicht liegen. Trotz Wirtschaftskrise verzeichnen viele Unternehmen gute Umsätze in der angehenden Weihnachtszeit. Übrigens steigen die Umsätze noch, wenn das Umfeld stimmt.
Ich zum Beispiel werde lieber in der Tauentzien- als in der Schloßstraße Geschenke einkaufen. Die Stimmung ist mir mindestens so wichtig wie das Angebot.Und weil ich gerade von der Tauentzienstraße rede: Irre ich oder habe ich recht, wenn ich meine, dass der Weihnachtsmarkt auf dem Breitscheidplatz etwas weniger Vielfalt bietet als in den Vorjahren? Ich sehe überall Bratwurst, die einen halben Meter lang ist, aber kaum echte Pfefferkuchen und wirklich schönen Christbaumschmuck. (...)
Dokus zur Schloßstraße:
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