Diese Spezial-Seite ist eine Ergänzung zu einem Berlin-Report, in dem über interessante Berliner Ereignisse berichtet wird. Dazu werden hier einige ausgewählte und besonders nützliche Artikel und andere Texte gespiegelt und damit auf Dauer dokumentiert. Manches ist auch mit [Ed: ...] kommentiert. Tipp- und Übertragungsfehler gehen zu meinen Lasten.
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I n h a l t d i e s e r G e s c h i c h t e a u s S c h i l d a (1):
- 00.00.2004: Noch steht das ICC. (Foto)
- 30.10.2004: Das ICC kostet zu viel.
- 07.06.2005: Zum Einkaufen bald ins Congress Center?
- 07.06.2005: Studie: ICC-Abriss ist die billigste Lösung.
- 24.06.2005: Abriss oder Sanierung? Fürs ICC wird's ernst.
- 25.06.2005: Opposition misstraut ICC-Gutachten. (Hinweis)
- 29.06.2005: Ideen für das ICC gesucht sonst droht Abriß.
- 29.06.2005: Alles läuft auf einen Neubau hinaus. (Hinweis)
- 30.06.2005: Raumschiff billig abzugeben.
- 08.07.2005: Pressemitteilung des AIV zur Debatte um das ICC.
- 30.07.2005: Berliner gegen den Abriß des ICC.
- 21.08.2005: ICC Raumschiff.
- 21.08.2005: Architekten-Aktion für Erhalt des ICC.
- 10.12.2005: Senat will Abriss des ICC beschließen.
- 11.12.2005: ICC-Abriss: SPD-Chef warnt den Senat vor Alleingang.
- 12.12.2005: ICC: Schon gebucht bis 2014.
- 12.12.2005: Zukunft des ICC noch immer ungewiß.
- 12.12.2005: Senat will über Messe-Neubau entscheiden.
- 17.12.2005: ICC durch Asbest schwer belastet.
- Weitere Dokumentationen (2. Teil).
| 2004/2005 Das ICC soll verschwinden (1) |
Das ICC kostet zu viel
Messe-Chef Raimund Hosch legt eine positive Bilanz vor dennoch will er vom Senat mehr Geld.
Aus: Berliner Zeitung, 30. Oktober 2004, Seite ?? (Berlin). [Original]BERLIN. Messe-Chef Raimund Hosch schlüpfte gestern in die Rolle eines Hausbesitzers, der seinen Gästen seinen Besitz präsentiert. "Schauen Sie sich diesen Schallschutzvorhang an", sagte er und erklärte, dass mit dieser Hilfe im großen Saal des Internationalen Kongresszentrums (ICC) ein Rockkonzert stattfinden könne, während im benachbarten Saal ein Aufsichtsrat tagt. Hosch prahlte nicht. Er wollte erläutern, dass allein die Wartung dieses Vorhanges jedes Jahr eine sechsstellige Summe kostet. Unterhalt und Einnahmen durch Veranstaltungen stehen in keinem guten Verhältnis im ICC.
Der Messe-Chef hatte am Freitag einige Medienvertreter eingeladen, um etwas klarzustellen: "Das ICC liegt uns am Herzen, aber es liegt uns manchmal schwer am Herzen." Schließlich hat der 1979 fertig gestellte Bau mehr als 1 Milliarde Euro gekostet. Dabei hat er nur 11 % vermietbare Flächen. Der Rest sind Verkehrswege mit Rolltreppen, skulpturartigen Lampenkonstruktionen, Galerien, riesigen Foyers. Der Betonklotz sorgt dafür, dass die Berliner Messe mit 2,4 Milliarden Euro mit Abstand die höchsten Herstellungskosten für Messehallen im Bundesgebiet hat, was Kosten Instandhaltung, Wartung, Erneuerung nach sich zieht. Von 32 Millionen Euro laufender Kosten pro Jahr, macht nach Hoschs Angaben die Hälfte der Unterhalt fürs ICC aus. Und das Gebäude muss saniert werden. Etwa 140 Millionen Euro soll das laut Gutachten kosten.
Auch die Berliner Stadtautobahn rechnet sich betriebswirt- schaftlich nicht.
Sagen Bürger mit Durchblick. Aber will deshalb irgendwer die A 100 einreißen und auf der Fläche lukrativere Gebäude errichten?Das ICC ist nicht Hoschs einziges Problem. Den Bau des neuen Südeingangs hat die Messe für das Land Berlin vorfinanziert und erwartet nun, dass die Kosten zurück erstattet werden. Das ist Teil der so genannte Grundlagenvereinbarung. In dieser haben Wirtschaftssenator Harald Wolf (PDS) und Raimund Hosch ausgehandelt, dass das Land die Messe bis 2008 mit etwa 80 Millionen Euro unterstützen wird eine Verpflichtung, wie Wolfs Sprecher Christoph Lang sagt, weil das Land der Messe im Jahr 2003 Privatisierungspläne untersagte.
In den vergangenen Monaten hatten jedoch mehrere Fraktionen im Abgeordnetenhaus die Vereinbarung kritisiert, darunter die SPD. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit hatte sie sogar von der Tagesordnung des Senats genommen, wo der Deal abgesegnet werden sollte. Sprecher Lang sagt, er könne die Nervosität Hoschs verstehen. "Ende November wird der Senat nun aber beschließen."
Raimund Hosch hofft, in seinem Sinne: "Schließlich haben wir eine gute Umsatzentwicklung." Nahezu eine Verdopplung bei der Internationalen Tourismusbörse seit 1998, 50 % mehr bei der Grünen Woche, 40 % mehr bei der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung, über 400 % mehr bei der Innotrans und ein Plus von 600 % bei der Fruit Logistica.
Als Nächstes will die Messe Berlin expandieren. Eine ITB soll in den USA stattfinden, Grüne Woche sowie ITB in Peking. Auch die Fruit Logistica soll nach Asien exportiert werden. Eine gute Idee findet Wolfs Sprecher Lang: "Man verbreitet eine Marke, bevor sich jemand anders eine Ersatzveranstaltung ausdenkt."
Noch steht es . . .
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Berlins Internationales Congress Centrum (ICC) am Funkturm. Aber geht es nach einfältigen Stadtpolitikern, dann soll es demnächst abgerissen werden. Den Messe-Managern ist das ICC im Betrieb zu teuer. Ein Schildbürgerstreich der besonderen Art bahnt sich an. (Foto: 2004 mopo) [Zur Entstehung des ICC]
Zum Einkaufen bald ins Congress Center?
Senat will noch vor der Sommerpause über ICC entscheiden / [Ed-14.4.2006: er tat es nicht...].
Aus: Berliner Zeitung, 7. Juni 2006, Seite ?? (Berlin). [Original]BERLIN. Ein neuer Ideenwettbewerb, wie das Internationale Congress Centrum (ICC) an der Messe genutzt werden könnte, ist wahrlich nicht mehr nötig. Denn Vorschläge zur Rettung des einst glänzenden, heute maroden und teuren Kongresshauses gab es schon viele. Mal sollte dort eine Spielbank einziehen, dann wieder sollte das ICC Teil einer Hotelanlage werden. Auch der Abriss des Gebäudes war schon mehrfach im Gespräch. Jetzt hat eine Bemerkung des Messe- Geschäftsführers Raimund Hosch erneut die Fantasien beflügelt. Das ICC müsse wirtschaftlicher betrieben "und neben dem Kongressbetrieb gewerblich" genutzt werden, sagte er. Was er damit gemeint hat, blieb am Montag allerdings unklar.
Wird das ICC etwa ein Einkaufszentrum? Mit 154.000 Quadratmetern wäre es das größte Einkaufszentrum in Deutschland, fast viermal so groß wie die Potsdamer Platz Arkaden. Vorstellbar sind auch Restaurants, Kinos, eine Saunalandschaft mit Wellness-Bereich [Ed: und der Puff wurde ja schon gleich nebenan etabliert]. Und dazu ein Spielcasino, für das aber das Berliner Spielbank-Gesetz geändert werden müsste. Messe-Sprecher Michael Hofer wollte gestern die Gerüchte um solche Pläne nicht bestätigen. Es sei aber richtig, dass das Gebäude effektiver betrieben werden müsse, sagte er. Zunächst aber müsse der Senat entscheiden, was mit dem ICC geschehen soll.
Noch vor der Sommerpause, so die bisherige Zeitplanung, soll die Entscheidung fallen. Die ist auch dringend nötig. Denn das ICC kostet im Unterhalt jährlich 16 Millionen Euro. Das 1979 errichtete Gebäude ist zwar glänzend ausgebucht, weil es bei Messe- und Kongressveranstaltern beliebt ist und 2004 mit dem World Travel Award ausgezeichnet. Aber nur gut 10 Prozent der Flächen im Haus sind vermietbar. Der Rest sind Treppenhäuser, Rolltreppen, Wandelhallen, Garderoben. Deshalb spielt das ICC nicht mal seinen jährlichen Unterhalt ein. Dazu kommen Sanierungskosten, die auf mehr als 100 Millionen Euro geschätzt werden.
Die Grundlage für die Senatsentscheidung ist ein Gutachten, in dem die Kosten einer Sanierung des ICC und ein Abriss mit Neubau gegeneinander gestellt wurden. Das Gutachten ist zwar fertig, wurde bisher aber noch nicht veröffentlicht. Sicher ist nur: Es darf keine Zeit ohne Kongresszentrum geben. "Wir brauchen immer ein in das Messegelände integriertes Kongresszentrum", sagte Christoph Lang, Sprecher von Wirtschaftssenator Harald Wolf (PDS). Zur Einkaufszentrum-Idee im ICC sagte Lang nur: "Freie Spekulation."
Dass diese Idee einmal Wirklichkeit wird, ist eher unwahrscheinlich. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir dort Teppiche verkaufen", kommentierte Günter Krug, wirtschaftspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion, diesen Vorschlag. Und auch in Senatskreisen ist man deutlich skeptisch. Man müsste erstmal genau prüfen, welche Auswirkungen ein solch großes Einkaufszentrum auf den nahen Kudamm hätte, heißt es.
Studie: ICC-Abriss ist die billigste Lösung
Gutachter argumentieren gegen Sanierung / Neubau an der Stelle der Deutschlandhalle erwogen
Auszug aus: Der Tagesspiegel, Berlin, 7. Juni 2005, Seite 10 (Berlin) von ALFONS FRESE. [Original]BERLIN (Tsp). Der Senat wird voraussichtlich noch in diesem Monat über das Internationale Congress Centrum (ICC) entscheiden. Derzeit wird in verschiedenen Senatsverwaltungen ein ICC-Gutachten des Architektenbüros Gerkan, Marg und Partner (gmp) geprüft. Vor der Sommerpause, die in Berlin am 4. Juli beginnt, strebt der zuständige Wirtschaftssenator Harald Wolf (PDS) eine Grundsatzentscheidung über das ICC an. Dabei stehen 2 Varianten zur Auswahl: Ein Neubau eines modernen Kongresszentrums und anschließend Abriss oder Verkauf des ICC. Als Alternative stehen Sanierung des ICC und der weitere Betrieb durch die landeseigene Messe Berlin GmbH zur Diskussion. Gegen die zweite Möglichkeit sprechen die Kosten: Nach Berechnungen von gmp würde allein die Sanierung der inzwischen 26 Jahre alten Technik im ICC 5 Jahre dauern und 146 Millionen Euro kosten. Der nötige Umbau einiger Säle wird im Gutachten mit weiteren 70 Millionen Euro veranschlagt. (...)
Abriss oder Sanierung? Fürs ICC wird's ernst
Kommende Woche trifft der Senat eine Vorentscheidung über die Zukunft des Kongresszentrums. Gutachten legt Neubau nahe.
Aus: Der Tagesspiegel, Berlin, 24. Juni 2005, Seite 7 (Berlin) von ALFONS FRESE und CHRISTIAN VAN LESSEN. [Original]BERLIN (Tsp). Wie lange wird das Internationale Congress-Centrum (ICC) noch stehen? Am kommenden Dienstag [28.6.2005] trifft der Senat eine Vorentscheidung über die Zukunft des Gebäudes. Die Senatswirtschaftsverwaltung, der das Bauwerk gehört, teilte am Donnerstag [23.6.2005] mit, es werde auch auf der Grundlage eines Gutachtens entschieden, nach dem der Abriss des sanierungsreifen Gebäudes vermutlich die günstigste Lösung ist. Das Gutachten war von dem Architekturbüro Gerkan, Marg und Partner (gmp) im Auftrag der Messe erstellt worden und ist am heutigen Freitag auch Gegenstand einer Aufsichtsratssitzung der Messe Berlin GmbH. Die wichtigsten Ergebnisse der Gutachter: Sanierungs- und Umbaumaßnahmen würden in den kommenden 5 Jahren mehr als 200 Millionen Euro kosten. Der Abriss des 1 Milliarde Mark teuren ICC wird mit gut 30 Millionen Euro veranschlagt, der Neubau eines modernen Kongresszentrums am Platz der Deutschlandhalle mit gut 60 Millionen Euro.
Senatsbaudirektor Hans Stimmann warnte allerdings davor, das Gebäude abzureißen. Mit den zu schnell gedachten Abriss-Vorschlägen in Berlin müsse es vorbei sein. Man solle auf jeden Fall versuchen, aus dem vorhandenen Kongressgebäude mit seinen irrsinnigen Verkehrsflächen durch Weiter- oder Umbauten das Beste zu machen. Von den mehr als 150.000 Quadratmetern im ICC können nur gut 10 % genutzt werden, der überwiegende Teil geht für Technik, Lager und Besucherverkehrsflächen drauf.
Die Messe Berlin, die das ICC betreibt, wollte sich auch am Donnerstag nicht zur Zukunft des ICC äußern. Das ICC ist das bestgebuchte Haus Europas, sagte Messe-Sprecher Michael Hofer auf Anfrage [Ed: vielleicht ja auch wg. der großzügig bemessenen ‚Verkehrsflächen‘]. Aber: Das Haus ist zu teuer gebaut.. Hofer wies auf die hohen Wartungs- und Instandhaltungskosten hin. Derzeit macht die Messe mit dem Kongresszentrum jedes Jahr gut 15 Millionen Euro Verlust [Ed: hm, und wie sieht das mit dem Betriebsteil Ehrenhalle oder der Messehalle Nr. 1 oder der Messehalle Nr. 23 aus, wenn man das mal getrennt ausrechnet... Liegen die denn (einzeln) im Plus?]
Ein Abriss des ICC am Messedamm wird seit Jahren immer mal wieder erörtert. Wie berichtet, hatte Wirtschaftssenator Harald Wolf (PDS) kürzlich einen Beschluss des Senats noch vor der Sommerpause angekündigt. Sein Sprecher Christoph Lang kündigte gestern eine grundsätzliche Weichenstellung des Sentas zur Zukunft des ICC am kommenden Dienstag [28.6.2005] an. Man wolle dabei allerdings nicht das ICC isoliert, sondern den Gesamtkomplex Messe betrachten [Ed: auch volkswirtschaftlich?].
Zur Frage, wie weit in der Wirtschaftsverwaltung auch an eine Sanierung des ICC oder einen Neubau an anderer Stelle, etwa auf dem Gelände der Deutschlandhalle, gedacht wird, wollte sich Lang nicht äußern. Die denkmalgeschützte Deutschlandhalle hatte bereits vor Jahren eine Abriss- Diskussion überstanden. Der Senat habe sich mit dem Thema ICC noch nicht befasst, betonte der stellvertretende Senatssprecher Günter Kolodziej (PDS) am Donnerstag. In der Finanzverwaltung, die für Sanierung oder Abriss und Neubau zahlen müsste, wollte man sich nicht über die Zukunft des ICC äußern.
Opposition misstraut ICC-Gutachten
Politiker fordern Einblick in geheime Studie. Muss Deutschlandhalle einem Kongress-Neubau weichen?
Hinweis auf: Der Tagesspiegel, Berlin, 25. Juni 2005, Seite 10 (Berlin) von CAY DOBBERKE. [Original suchen]
Ideen für das ICC gesucht sonst droht Abriß
Senat treibt Neubau eines Kongreßzentrums voran.
Aus: Berliner Morgenpost, 29. Juni 2005, Seite ?? (Berlin) . [Original]BERLIN (BM). Der Ideenwettbewerb für die Zukunft des ICC nach seiner Zeit als Kongreßzentrum ist eröffnet. Der Senat entschied gestern, die Pläne für den Neubau eines "Deutschlandhalle Convention Center" am Ort der 70 Jahre alten Halle voranzutreiben. Das hatten Gutachter als kostengünstigste Variante für den Kongreßbetrieb am Messegelände empfohlen. Nun soll Wirtschaftssenator Harald Wolf (PDS) die Zahlen prüfen, im Oktober soll entschieden werden. Danach soll ein Interessensbekundungsverfahren erweisen, was mit dem alten ICC geschehen könnte. Abriß ist für Wolf "nur die letzte Lösung".
Messe-Chef Raimund Hosch, der hinter den Kulissen stets für einen Neubau geworben hatte, kann sich einiges vorstellen für das 26 Jahre alte, sanierungsbedürftige Riesengebäude, das im Kongreßbetrieb satte Defizite einbringt: "Das ICC könnte mit Hilfe von Investoren zu einem gewerblichen Lifestyle-Centrum umgebaut werden unter anderem auch mit einer Dauerspielstätte für Musicals."
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So könnte das geplante neue Kongreßzentrum Deutschlandhalle Convention Center (DCC) am jetzigen Standort der alten Halle aussehen. Kann es das ICC ersetzen? (Foto: 2005 mopo)
Die Politik ist skeptischer. Es habe noch keine detaillierten Gespräche gegeben, sagte Wolf. Er könne sich aber vorstellen, daß es tragfähige Ideen für das ICC gebe. Der Senat werde aber einige Konzepte ausschließen. So sei ein ICC "voll mit zentrenrelevantem Einzelhandel" nahe am Kurfürstendamm nicht genehmigungsfähig. Auch ein Casino hat wohl kaum eine Chance. Sollte es keine Nachnutzung für das ICC geben, bliebe nach Fertigstellung des Neubaus nur der Abriß. Die Kosten von 30 Millionen Euro könnten durch den Verkauf des auf 20 Millionen Euro geschätzten Grundstücks gedrückt werden.
Die Deutschlandhalle müßte in jedem Fall weichen, um in Verbindung mit der Messehalle 7 für 62 Millionen Euro das neue Kongreßzentrum bauen zu können. Für den bisher in der Deutschlandhalle untergebrachten Eissport wird nach einem Ersatz gesucht, unter anderem an der Glockenturmstraße.
Den Denkmalschutz für die 70 Jahre alte Deutschlandhalle aufzuheben, sei "im Prinzip machbar", sagte Wolf. Der knappe Kostenrahmen ist laut Wolf einzuhalten. Das hätten privat finanzierte Kongreßzentren wie das Estrel in Neukölln vorgemacht: "Wenn man sich in Berlin daran gewöhnt, funktionale Bauten auch kostengünstig zu errichten, ist das möglich." Die Opposition übte keine Grundsatzkritik an den Plänen, das ICC zu ersetzen. "Westberliner Romantik müssen wir hier nicht pflegen", sagte Michael Dietmann (CDU). Der Beschluß sei aber noch "unausgegoren", weil nicht schlüssig gesagt werde, was mit dem ICC passiert. Lisa Paus (Grüne) forderte, die Grundlagen für die Kalkulationen offenzulegen, weil schon oft Baukosten zu niedrig angesetzt worden seien. Volker Thiel (FDP) nannte die 62 Millionen für den Neubau schlicht "unglaubwürdig".
Alles läuft auf einen Neubau hinaus
Kleiner und billiger: Knapp 63 Millionen Euro soll der Ersatz fürs ICC kosten das erhalten bleiben könnte.
Hinweis auf: Der Tagesspiegel, Berlin, 29. Juni 2005, Seite 8 (Berlin) von MATTHIAS OLOEW. [Original suchen]
Z U R I C C D E B A T T ERaumschiff billig abzugeben
Wenn im ICC keine Kongresse mehr stattfinden, wird es abgerissen. Oder doch nicht? Ein paar Nutzungsvorschläge.
Aus: Berliner Zeitung, 30. Juni 2005, Seite ?? (Berlin). [Original]BERLIN. Es scheint, als hätte das Kongresszentrum ICC seine Daseinsberechtigungen verloren. Warum? Anstelle der Deutschlandhalle soll ein neues Kongresszentrum gebaut werden. Kein Mensch bräuchte dann mehr das ICC. Wenn in dem silberfarbenen, auch als Raumschiff bezeichneten Gebäude von 1979 keine Tagungen mehr stattfinden, was dann? "Der Abriss droht", rufen die einen. "Von wegen," rufen die anderen. Und haben alle möglichen Ideen, wie man die 152.000 ausgedienten Quadratmeter noch nutzen könnte.
Zum Beispiel als Ausstellungsfläche. Amelie Deuflhard, künstlerische Leiterin der Sophiensäle, hat reichlich Erfahrung mit solchen Dingen, hat sie doch die Zwischennutzung des Palasts der Republik koordiniert. "Das ICC ist ein Vorbote für das, was uns nicht nur in den östlichen, sondern auch in den westlichen Städten erwartet: Sie schrumpfen", sagt sie. Das ICC als Wahrzeichen im Westen hält sie für den idealen Ort, diese Schrumpfung in einem riesigen Ausstellungsprojekt zu thematisieren.
Wie das aussehen sollte? "Das Gebäude zu betreiben wäre sicherlich zu teuer. Als erstes würde ich es deshalb dekonstruieren", sagt Deuflhard. Im entkernten ICC könnten sich dann Theaterkünstler, bildende Künstler und Wissenschaftler treffen und neue Visionen entwickeln für schrumpfende Städte.
Peymann: Die totale Sauna
Claus Peymann, Leiter des Berliner Ensembles, hat schon eine Vision, zumindest für das Kongresszentrum. Sein Nutzungsvorschlag: "Die totale Sauna für Berlin." Wie er sich das genau vorstellt, wollte er gestern leider nicht ausführen. Heiße Luft auf 152.000 Quadratmetern, da liefe das alte Raumschiff Gefahr, tatsächlich noch abzuheben.Hans-Peter Wodarz, der Chef des Restaurant-Theaters Pomp Duck And Circumstance am Gleisdreieck, wird konkreter. "Das Kongresszentrum sollte der größte Palast der Lebensfreude auf der ganzen Welt werden", sagt er und redet sich in Rage. "Restaurants, Weinhändler, Frischemärkte, Gourmetschulen, Kochkurse und Modenschauen, das alles müsste es dort geben, das fehlt in Berlin." Er sagt, er selbst würde den Lebensfreude- Palast zusammen mit Lebensmittelkonzernen wie Nestlé oder Barilla gerne auf die Beine stellen.
Man könnte es auch nüchterner angehen. Und das Kongresszentrum zum Beispiel in ein Parkhaus umbauen für die Messebesucher von nebenan. Oder ganz pragmatisch ein Gefängnis daraus machen. Schließlich ist es in den Berliner Haftanstalten inzwischen reichlich eng. Auch der Zoo könnte mehr Platz gebrauchen. "Aber da müsste man ja alles für die Tiere umbauen. Nein, das ist nichts für uns, wir haben schon unsere eigenen Sorgen", lehnt Regine Damm, Assistentin des Zoodirektors, ab.
Also nichts Tierisches im ICC. Wie wäre es mit dem Sport? Wenn die Deutschlandhalle abgerissen werden sollte, was sehr wahrscheinlich ist, müssen die Eishockey-Spieler der Preußen und die Schlittschuhläufer des Berliner Eissportverbandes, die bisher auf der Bahn in der Halle trainiert haben, eine neue Bleibe finden. Eine Eislaufbahn könnte man beispielsweise mit einer Rollschuhbahn auf einer anderen Etage verbinden. Technisch sicher machbar.
Thomas Schälicke, Inhaber der Kart-Bahn Kart-World am Juliusturm in Spandau, würde im ICC eine Inline-Bahn unterbringen vorausgesetzt, das würde sich rechnen. Eine Strecke für Skater, die überdacht und damit regenfest ist, könnte tatsächlich viele Menschen anlocken. Schälicke sagt: "So etwas gibt es in Berlin schon lange nicht mehr. Das wäre was."
[30.06.2005: Architektenkammer zweifelt an Messe-Gutachten] (BERLINER ZEITUNG)
Messe Berlin hat offensichtlich Senatszuschüsse nicht für Instandhaltungsmaßnahmen in das ICC investiert
Architekten- und Ingenieur-Verein zu Berlin fordert vom Senat unverzügliche Einsicht in das Gutachten von Gerkan, Marg & Partner.
Aus: AIV Berlin, 8. Juli 2005, ??.?? Uhr MEZ (Pressemitteilung) von JENS BECKER (Telefon: 030 200 898-24). [Original]BERLIN, den 08.07.2005. Der Architekten- und Ingenieur-Verein zu Berlin (AIV) hat die Messe Berlin GmbH wegen der Debatte um die Sanierungskosten und den möglichen Abriss des ICC's scharf kritisiert. Der AIV-Vorstandsvorsitzende, Dr. Manfred Semmer, sagte: "Nach 26 Jahren der Untätigkeit stellt die Messe Berlin GmbH nun fest, dass das Gebäude und die technischen Anlagen des ICC's veraltet sind. Die Messe Berlin GmbH hat offensichtlich die jährlich 14 Millionen Euro Senatszuschüsse nicht für Instandhaltungsmaßnahmen in das ICC investiert. Mit den Abriss- und Neubauplänen für die Deutschlandhalle, dem "Deutschlandhalle Convention Center" (DCC), versuchen die Verantwortlichen die Flucht nach vorne. Die Messe Berlin GmbH betreibt eine gezielte Desinformation der Öffentlichkeit."
Des weiteren bezweifelt der AIV zu Berlin die im Gutachten vom Büro Gerkan, Marg und Partner vorgelegten Zahlen für Abriss der Deutschlandhalle und Neubau des DCC's sowie die veranschlagten Sanierungskosten für das ICC. "Die ganze Diskussion basiert auf Zahlen eines Gutachtens, die niemand genau kennt. Wir würden gerne verstehen, auf welcher Berechnungsgrundlage Gerkan, Marg & Partner auf diese Kosten kommt. Wir fordern den Senat auf, der Öffentlichkeit Einsicht in das Gutachten zu gewähren", so Semmer weiter.
Der AIV hält die entstandene Diskussion über die Zukunft des ICC's für unbegründet. Nach dem aktuellen Ranking der International Congress und Convention Association (ICCA) belegt Berlin den vierten Platz weltweit. Die ca. 600 Tagungen und 175.000 Teilnehmer sind nach Meinung des AIV ein bedeutender Wirtschaftsfaktor für Berlin. An diesem Erfolg hat auch das ICC einen großen Anteil. "Von Anfang an war der Berliner Politik bekannt, dass das ICC ohne Zuschüsse nicht überleben könnte. Die Sparzwänge des Senats können an dieser Ausgangslage nichts ändern", so Semmer abschließend.
Der AIV hat das Ziel, die Berliner Baukultur zu fördern. Seine wichtigste Aufgabe sieht der traditionsreiche und zweitälteste Verein Berlins (1824 gegründet) darin, Stellung zu aktuellen Planungsvorgängen zu beziehen und Einfluss auf die Entwicklungen in wichtigen städtischen Bereichen der Hauptstadt zu nehmen.
Berliner gegen den Abriß des ICC
Emnid-Umfrage: 20 % für Neubau / SPD-Chef Müller hält alternative Vorschläge für "Wolkenkuckucksheim"
Aus: Berliner Morgenpost, 30. Juli 2005, Seite ?? (Berlin). [Original]BERLIN (BM). Die Berliner wollen das Internationale Congress Centrum (ICC) erhalten. Nur 20 % sprachen sich in einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Emnid für den Abriß des Messegebäudes und einen anschließenden Neubau aus. Emnid befragte im Auftrag der Berliner Morgenpost 750 Berlinerinnen und Berliner. Danach wollen lediglich 19 % der West-Berliner, aber 22 % der Hauptstädter aus dem Ostteil der Stadt das ICC schleifen. Sowohl SPD als auch CDU sehen mögliche alternative Nutzungen des ICC sehr kritisch.
Darüber hinaus wollen mehr Männer (25 %) als Frauen (16 %) das futuristische Haus am Stadtring abreißen. Die Zustimmung dafür kommt eher von den über 50jährigen (22 %) als von den unter 30jährigen (16 %). Bei den Anhängern der Parteien wird ein Abriß des ICC höchst unterschiedlich gesehen. Am ehesten befürworten ihn die FDP-Wähler, von denen dies 25 % unterstützen, gefolgt von den Anhängern der CDU (22 %), Grünen und PDS (jeweils 21 %). Die geringste Zustimmung ist mit 16 % bei den SPD-Wählern zu bekommen. Wie berichtet, schlägt ein Gutachten von Gerkan, Marg und Partner (gmp) als günstigste Variante vor, ICC und Deutschlandhalle abzureißen und am Standort der Deutschlandhalle einen neuen Kongreßbau zu errichten. Das ICC ist ebenso wie die Deutschlandhalle dringend sanierungsbedürftig.
Der SPD-Landes- und Fraktionsvorsitzende Michael Müller fühlt sich durch das Ergebnis der Emnid-Umfrage bestätigt, daß der Senat ein zweites Gutachten in Auftrag gibt. "Die Frage ist: Wie kommen wir zu einem modernen leistungsfähigen Messe-Zentrum?", sagte Müller. "Wenn es mit dem ICC geht, ist das wunderbar. Wenn es nicht geht, macht es Sinn etwas Neues zu bauen." Müller bezeichnete die Vorschläge der Messe GmbH für eine alternative Nutzung des ICC als "Wolkenkuckucksheim". Dort hatte man ein Spielkasino oder eine Shopping Mall für das Kongreßzentrum vorgeschlagen. "Auch die SPD-Fraktion sieht diese Überlegungen sehr kritisch", sagte Müller. "Der Abriß des ICC ist für uns also nur dann zu machen, wenn klar ist, daß man mit dem alten Kongreßzentrum nichts mehr machen kann."
Die Spitzenkandidatin der Berliner CDU zur Bundestagswahl, Monika Grütters, sagte, das ICC solle "als Messestandort auf jeden Fall erhalten bleiben". Nach ihrer Ansicht ist der Bau auch aus Architekturgesichtspunkten attraktiv. "Ich glaube aber auch nicht, daß ein Neubau günstiger ist als Sanierung und Umbau", sagte Grütters. Die CDU-Spitzenkandidatin brachte noch einmal die Deutschlandhalle ins Gespräch, die aus ihrer Sicht ebenfalls erhalten werden sollte. Der Senat sollte überlegen, ob er nicht ein Public-Private-Partnership initiiert, so Grütters. Der Stiftung Brandenburger Tor, deren Vorstandssprecherin Grütters ist, sei es gelungen, das Strandbad Wannsee bis 2007 zu sanieren. Bei ICC und Deutschlandhalle gebe es den Vorteil einen Veranstaltungsort und ein Kongreßzentrum in unmittelbarer Nähe zu haben. Das dürfe man nicht aufgeben.
ICC Raumschiff
Es ist bis heute das teuerste Gebäude Berlins. Es hat eine silbern schimmernde Außenhaut und die Einrichtung war ihrer Zeit weit voraus. Nun droht die Abrissbirne. Ein Ortstermin mit den Architekten.
Aus: Der Tagesspiegel, Berlin, 21. August 2005, Seite ?? (Sonntag, 1 ganz Seite). [Original]Er ist noch einmal die paar Stufen zur Bühne im Saal 1 hochgeklettert. Nun steht er ganz vorne an der Rampe, ein kleiner alter Mann in schwarzem Anzug, mit Ray-Ban-Brille und Fliege, sein Blick schweift über die 5000 leeren Plätze. Als wir das gesehen haben, haben wir gewusst: Wir haben es geschafft, sagt Ralf Schüler. Der Stolz schwingt noch mit in seiner Stimme, die Gefühle von damals kehren zurück. Ergriffen schweigt der 74-Jährige mit der Fliege einen Augenblick, man hört nur das Surren der Neonlampen. Damals, das ist über ein Vierteljahrhundert her. Im Frühjahr 1979 standen die Architekten Ralf Schüler und Ursulina Schüler-Witte, seine Frau, zum ersten Mal auf dieser Bühne, in diesem Saal, der gerade fertig geworden war. Es muss ein bewegender Moment gewesen sein: ein Triumph. Das ICC war das mit Abstand größte Projekt in ihrer Karriere, noch heute nennen sie es unser Kind.
Das Internationale Congress Centrum, das sich mit seiner silbrig schimmernden Aluminiumhaut wie ein gestrandetes Raumschiff auf einem schmalen Grundstück zwischen dem Messedamm und der Berliner Stadtautobahn erhebt, gleicht eher einer Maschine als einem Haus. Der Saal 1 ist das Zentrum dieser Hightech-Mehrzweckhalle, seine Gestaltung stellte die Entwerfer vor besondere Herausforderungen. Sie staffelten die Sitzreihen steil hintereinander, damit sich von jedem Platz aus eine optimale Sicht auf die Bühne bietet. Die Ränge lassen sich hydraulisch unter die Decke heben damals eine bahnbrechende Erfindung , so dass die Zahl der Plätze je nach Art der Nutzung variabel bleibt. Und obwohl der Raum so gigantisch ist, wirkt er keineswegs einschüchternd. Wir haben das Auditorium so angeordnet, dass es die Bühne zu umarmen scheint, sagt Schüler. Von hier oben aus wirkt der Saal nicht weniger intim als die Philharmonie mit ihren 1300 Plätzen. Er ist noch immer hochzufrieden mit seinem Werk.
Die Planungsgeschichte des ICC reicht weit zurück in die 60er Jahre. Der Mauerbau hatte West-Berlin zu einer Insel gemacht, die Angst hatte, vergessen zu werden. Die Welt sollte weiter auf diese Stadt blicken, dafür brauchte West-Berlin Attraktionen. Das ICC sollte ein Signal setzen, es musste nicht nur groß, sondern vor allem auch supermodern werden. Für das 320 Meter lange, 80 Meter breite und 40 Meter hohe Gebäude wurden 350.000 Quadratmeter Erdreich ausgehoben, 21.000 Tonnen Bewehrungsstahl und 125.000 Quadratmeter Stahlbeton verbaut. Am Ende hatte das Haus Baukosten in Höhe von einer Milliarde Mark verschlungen, ein bis heute unerreichter Berliner Rekord. Statt Zuneigung löste das mit allerneuesten Bühnen-, Klima- und Lüftungsanlagen ausgestattete Superding so die Stuttgarter Zeitung 1977 bei den Berlinern zunächst Bestürzung, allenfalls Staunen aus. Als die B.Z. ihre Leser um Vorschläge für einen Spitznamen bat, reichte die Liste der eingesandten Antworten von Panzerkreuzer Protzki über Jubelwanne, Astronautenbahnhof, Wurstkessel und Stahlroulade bis zu MillionenSchlund und Messe-Monster.
Das ICC setzte Maßstäbe, technisch war es den Standards seiner Zeit weit voraus. Für die Akustik im Saal 1 wurde eine künstliche Nachhallzeit entwickelt, die dem Raumklang gotischer Kathedralen entspricht. Sonst wäre Karajan nicht gekommen, sagt Ralf Schüler. Karajan inspizierte den Raum und war beeindruckt, zur ICC-Eröffnung am 2. April 1979 kam er mit seinen Philharmonikern zurück und spielte ein Strauß- Präludium. Dietrich Stobbe, damals Regierender Bürgermeister, freute sich: Wir wissen aus täglicher schmerzlicher Erfahrung, was Grenzen sind. Wir wollen helfen, sie zu überwinden durch Kommunikation und Austausch. Mit dem ICC hat Berlin einen mutigen Schritt in die Zukunft getan.
Heute sieht es so aus, als ob das ICC seine Zukunft schon hinter sich haben könnte. Ausgerechnet ein Defekt in der Deckenhydraulik von Saal 1 brachte eine Diskussion über die Wirtschaftlichkeit des Hauses in Gang. Zwar konnte das Getriebe für 300.000 Euro schnell ausgetauscht werden, doch Messechef Raimund Hosch nahm die Reparatur zum Anlass, die Kosten für eine Gesamtrenovierung berechnen zu lassen. Ein Gutachten des Hamburger Architektenbüros Gerkan, Marg und Partner (GMP) beziffert die Sanierung auf 212 Millionen Euro.
Ganz uneigennützig ist dieses Gutachten allerdings nicht: GMP lieferte gleich den Entwurf eines neuen Kongresszentrums mit, das für die erstaunlich niedrige Summe von 62 Millionen Euro am Standort der jetzigen Deutschlandhalle gebaut werden könne. Bürgermeister Klaus Wowereit ging bereits auf Distanz zum einstigen Renommee-Bau: Wenn es keine vernünftigen Konzepte gibt, muss das ICC abgerissen werden. Im Oktober soll das Abgeordnetenhaus über das Schicksal des Gebäudes entscheiden.
Rundgang durch das ICC. Architekt Schüler marschiert vorneweg, seinen Schirm benutzt er, um im Vorübergehen auf Details hinzuweisen. Die Bodenplatten im Erdgeschoss aus Striegauer Granit. Ganz Berlin ist aus diesem Granit gebaut, wir wollten damit die Straße in das Haus hineinholen. Wir passieren die Schaltzentrale, die sich im Eingangsbereich in den Boden duckt. Durch Rauchglasscheiben blickt man auf Monitore und Reglerpulte, an denen die Haustechnik gesteuert wird. Transparenz gehört zur Philosophie dieses Hauses.
Das Erdgeschoss ist ein schlauchartiger, durchgehender Raum, eine Art Boulevard, auf dem der Besucher zum Flaneur wird. Ein elektronisches Leitsystem aus Hinweistafeln und roten und blauen Neonschleifen weist den Weg, die lang gezogenen Tresen des Messe-Service verströmen den kühlen Charme einer Flughafen-Abfertigungshalle. Flughafen, das wird als Schimpfwort benutzt. Dabei kommt es doch nur auf die Nützlichkeit an. Rolltreppen führen zu den Büros und Sälen der Obergeschosse.
Im Saal 1 zeigt Schüler mit seinem Regenschirm auf harfenförmige Metallgestelle unter der Decke, an denen Lautsprecher hängen. Von jedem Platz aus ist exakt zu hören, wo ein Besucher sitzt, der in sein Mikrofon spricht. Die Rede ist ein demokratischer Vorgang zwischen Präsidium und Plenum. Der Architekt muss sich für ein paar Minuten hinsetzen, seine Beine schmerzen. Und das alles soll jetzt abrisswürdig sein, schimpft er. Die Bürger dieses Landes haben eine Milliarde für dieses Haus bezahlt, das will man jetzt vernichten. Verbitterung mischt sich in seinen Groll, Schüler spricht mit leiser Stimme. Wir haben einfach zu viel hergegeben von unserem Leben für dieses Projekt, sagt seine Frau, die neben ihm steht.
Die Schülers wollen für die Rettung des ICC kämpfen. Ihre Verbündeten: die Architektenkammer, die Grünen und das Denkmalamt. Vor kurzem haben sie das Land Berlin verklagt. Sie wollen Akteneinsicht und Schadenersatz, weil sie durch die GMP-Pläne ihr Urheberrecht verletzt sehen.
Besuch in der Atelierwohnung der Schülers in einer Seitenstraße des Kurfürstendamms. Unter der Decke baumeln Flugzeug- und Schiffsmodelle, auch die Möbel sind selbst gebaut. In den Esstisch aus schwarzer Esche ist ein verglaster Setzkasten eingelassen, in dem Zahnräder, Winkel und Lochstangen aus einem Stabilbaukasten liegen. Mit dem Stabilbaukasten begann gewissermaßen Schülers Weg zur Architektur, die Technik- Begeisterung hat ihn seither nicht mehr losgelassen. Beim Bauen folgt er der harten Wahrheit der Naturgesetze. Vor jedem Entwurf frage ich mich: Wie will das werden?
Wer im ICC ein Manifest der Technikgläubigkeit der 60er und 70er Jahre sieht, erntet trotzdem sein Kopfschütteln. Was heißt denn, an Technik zu glauben? Technik umgibt uns, sie ist eine unserer Lebensgrundlagen, sie braucht keinen Glauben.
Ralf Schüler und seine drei Jahre jüngere Frau Ursulina Schüler-Witte lernten sich 1953 während ihres Architekturstudiums an der Berliner TU kennen. Ihr Büro gründeten sie 1967, ein Jahr zuvor hatten sie den Wettbewerb für die Erweiterung der Messehallen gewonnen.
Ihr Entwurf bestand ursprünglich aus einem sechseckigen Zentralbau, bei dem sich um ein Plenum Foyers und Nebensäle gruppieren sollten. Als Standort war der Messedamm vorgesehen, doch dann entschied der damalige Bausenator Rolf Schwedler: Die Kongresshalle gehört nicht aufs Land. Schließlich fand sich ein handtuchschmales Grundstück, eingekeilt zwischen S-Bahngleisen und mehrspurigen Straßen, das als Parkplatz diente und als unbebaubar galt.
Konsequenz: Wir mussten hochstapeln, die Räume übereinander setzen. Dadurch wurden alle Wege kurz wie auf einem Schiff, erzählt Schüler. Um die Geräusche und Vibrationen der Autobahn draußen zu halten, entwickelten die Architekten eine Haus-im-Haus- Konstruktion. Der Gebäudekern ruht auf 26 gewaltigen Stahlbetonstützen, darüber wurde die Aluminiumhülle gestülpt. Im Inneren herrscht tatsächlich Totenstille. Mit dem Vertragsabschluss begann 1969 die konkrete Planungsphase, der erste Spatenstich wurde 1973 gesetzt. Es sind Jahre, die die Architekten als eine einzige Strapaze in Erinnerung haben, bis an den Rand der körperlichen Kräfte, wie sich Schüler-Witte erinnert.
Zeitweilig beschäftigten sie bis zu 120 Mitarbeiter, die im Marshall-Haus auf dem Messegelände mit der Abwicklung des Projekts beschäftigt waren. Pro Monat fielen Kosten von 500.000 Mark an, 200.000 Pläne mussten ohne die Hilfe von Computern gezeichnet werden. Schüler war für die Entwürfe zuständig, Schüler-Witte kontrollierte die Finanzen. Und es gab ständig Kämpfe: mit dem Bauträger Neue Heimat und mit Politikern, die die Kosten künstlich runterrechnen wollten. Am Ende konnten sich die Architekten durchsetzen: Bei der Einweihung sah das Riesenhaus bis auf wenige Abstriche genau so aus, wie sie es gewollt hatten. Mit dem Selbstbewusstsein von damals wollen sie es nun vor dem Verschwinden retten. Das ICC muss stehen bleiben, sagt Ursulina Schüler-Witte. Alles andere wäre absurd.
In seiner Galerie in der Charlottenburger Mommsenstraße 64 zeigt der Bund Deutscher Architekten vom 23. August an eine Ausstellung Das ICC weiterdenken, mit Vorschlägen zur Zukunft des ICC.
Architekten-Aktion für Erhalt des ICC
Ex-Baudirektor: Abriß kostet weit über 200 Millionen Euro.
Aus: Berliner Morgenpost, 21. August 2005, Seite ?? (Berlin). [Original]BERLIN (BM). Der Kreis der Kritiker eines möglichen Abrisses des Internationalen Congress Centrums (ICC) wird immer größer. Jetzt hat sich auch der Berliner Landesverband des Bundes Deutscher Architekten (BDA) in die Debatte eingeschaltet und fordert den Erhalt "dieser Ikone West-Berlins, die endlich als Ressource begriffen werden muß". Grund genug für den BDA, Architekten zu der Aktion "Das ICC weiterdenken! Statements" aufzurufen, dessen Ergebnisse ab Montag in der BDA-Galerie in der Charlottenburger Mommsenstraße 64 präsentiert werden. "Die Intention dieses Ideenaufrufes war, einen weiteren Anstoß zu geben, dem ICC wieder eine Chance zu geben", sagt BDA-Landesvorsitzende Christine Edmaier.
Die eher abstrakten Ideen der etwa 15 ausgestellten Arbeiten seien auch als Metapher zu verstehen. So präsentiere beispielsweise das Architekturbüro Müller Simon ein in Flammen stehendes Kongreßcenter als Zeichen dafür, "daß die Situation brenzlig und hier Gefahr im Verzug ist". Wie Edmaier gegenüber dieser Zeitung betonte, "kann es nicht sein, daß ein funktionierendes und wichtiges Gebäude der 70er Jahre in reiner Wegwerfmentalität abgerissen werden soll". Der BDA zweifelt zudem "die bislang nur spärlich zugänglichen Daten" des Gutachtens des Architekturbüros Gerkan, Marg und Partner (gmp) an, "wonach der Abriß des ICC mit 30 Millionen Euro, der Neubau einer multifunktionalen Kongreßhalle aber mit nur 63 Millionen veranschlagt wird".
"Das ICC für 30 Millionen Euro abzureißen, ist völliger Quatsch, das kostet weit über 200 Millionen Euro" sagt auch Jürgen Nottmeyer. Der heute 76jährige Projektentwickler war als Leitender Baudirektor der damaligen Senatsverwaltung Bau- und Wohnungswesen für das ICC zuständig. "Der massive Bau mit Riesenbetonstützen von zwei Metern Durchmesser läßt sich keineswegs so leicht wie der wesentlich aus Stahl bestehende Palast der Republik abbauen" erläutert Nottmeyer. Auch er fordert, "dieses fabelhafte Gebäude" zu erhalten. Daß man sich jetzt plötzlich über jährliche Unterhalts- und Betriebskosten in Höhe von 15 Millionen Euro aufrege, kann Nottmeyer "nicht nachvollziehen. Die zweite Vorlage für die ICC-Beschlußfassung im Abgeordnetenhaus hat diesen Posten aufgeführt. Es war damals klar, daß dieses Defizit durch errechnete Steuer- und andere Einnahmen des Lands durch das ICC ausgeglichen werden soll."
Bei der Senatsverwaltung für Wirtschaft beteuert man, daß der Abriß des ICC nur die letzte Wahl wäre und keineswegs beabsichtigt sei. Christoph Lang, Sprecher von Wirtschaftssenator Harald Wolf (PDS), betont, "daß es darum geht, daß die Messe Berlin ein Kongreßzentrum bekommt, das funktional ist und kostendeckend betrieben werden kann". Die Machbarkeitsstudie von gmp habe ergeben, daß das im ICC nicht möglich sei.
Senat will Abriss des ICC beschließen
Entscheidung soll noch dieses Jahr fallen. Sanierung und Umbau wäre zu teuer.
Aus: Der Tagesspiegel, Berlin, 10. Dezember 2005, Seite ?? (Berlin) von ULRICH ZAWATKA-GERLACH. [Original]BERLIN (Tsp). Der Senat wird voraussichtlich am 20. Dezember, spätestens Anfang Januar, den Abriss des Internationalen Congress Centrums (ICC) beschließen. Gleichzeitig soll ein förmliches Verfahren zur Aufhebung des Denkmalschutzes für die Deutschlandhalle vorbereitet werden. Das verlautete aus Senatskreisen.
Ob ein neues Kongresszentrum, das frühestens 2009 fertig sein kann, auf dem Grundstück der Deutschlandhalle entsteht, ist aber noch offen. Der Senat fühlt sich in seiner Meinung, dass der Abriss des kostspieligen ICC die einzig sinnvolle und bezahlbare Alternative ist, durch das Gutachten eines Ingenieurbüros bestätigt, das nun vorliegt.
Die Fachleute kommen dem Vernehmen nach zu ähnlichen Ergebnissen wie das Architekturbüro Gerkan, Marg und Partner, das im Juni 2005 eine Expertise vorlegte. Darin wurden die Kosten für die Sanierung und den Umbau des ICC auf 216 Millionen Euro geschätzt. Der Abriss käme hingegen auf etwa 30 Millionen Euro.
Unklar ist noch, wer das neue Kongresszentrum bezahlt. Zur Diskussion stehen im Senat eine Finanzierung aus dem Haushalt oder eine private Vorfinanzierung. Problematisch ist auch die Nachnutzung des abgeräumten ICC-Areals neben der Stadtautobahn. Im vertraulich tagenden Beteiligungsausschuss des Parlaments ließ Wirtschafts-Staatssekretär Volkmar Strauch durchblicken, dass der Senat im Januar 2006 eine Grundsatzentscheidung treffen wolle. Nun soll es noch schneller gehen.
ICC-Abriss: SPD-Chef warnt den Senat vor Alleingang
Michael Müller fordert die Landesregierung auf, ihre Pläne offen zu legen / Architektenverein zweifelt Gutachten über das Kongresszentrum an
Aus: Der Tagesspiegel, Berlin, 11. Dezember 2005, Seite ?? (Berlin) von MATTHIAS OLOEW und ULRICH ZAWATKA-GERLACH. [Original]BERLIN (Tsp). Ralf Schüler ringt um Fassung. Der Architekt, der zusammen mit seiner Frau Ursulina das ICC entworfen hat, wurde von der Nachricht, dass der Senat bis spätestens Januar den Abriss des Kongresszentrums beschließen will, völlig überrascht. Ich hätte nie gedacht, dass die Vermessenheit der Politiker so groß ist, sagte er dem Tagesspiegel. Er sieht in den Plänen, das ICC zu beseitigen den Versuch des rot-roten Senats, ein Äquivalent zum Abriss des Palasts der Republik zu schaffen.
Unterstützung bekommt Schüler vom Architekten- und Ingenieursverein (AIV). Wir sind über das Vorgehen des Senats empört, erklärte Vorstandsmitglied Uwe Hameyer. Er spielt auf die Gutachten an, die der Senat über die Kosten für einen Umbau und eine Sanierung des ICC einerseits und für einen Abriss und Neubau eines Kongresszentrums anstelle der Deutschlandhalle andererseits in Auftrag gegeben hatte. Öffentlich sind die Ergebnisse dieser Gutachten bis heute nicht. Nur die Eckdaten sind bekannt. Umbau und Sanierung des ICC würden demnach 219 Millionen Euro kosten, ein Abriss 30 Millionen und die neue Kongresshalle knapp 63 Millionen.
Wir glauben den Zahlen nicht, sagt Hameyer. Ein Abriss des ICC sei wegen der komplizierten Lage, umgeben von Straßen und Autobahnen, und wegen der aufwändigen Gebäudestruktur nicht für unter 50 Millionen Euro zu haben. Ein Kongress-Neubau werde mindestens 100 Millionen kosten. Hameyer: Damit erreichen wir annähernd die Umbaukosten für das ICC. Der AIV glaubt, dass die Baukosten für eine neue Kongresshalle absichtlich heruntergerechnet sind, damit die Architekten den Auftrag bekommen. Der Verband fordert einen Ideenwettbewerb für Deutschlandhalle und ICC, um die Gebäude zu erhalten.
Dagegen sieht der SPD-Landes- und Fraktionschef Michael Müller im Bau eines neuen Kongresszentrums verbunden mit dem Abriss des ICC einen grundsätzlich gangbaren Weg. Aber er warnte den Senat vor einsamen, vorschnellen Beschlüssen. Erst einmal muss den Koalitionsfraktionen SPD und Linkspartei die Chance gegeben werden, alle Fakten zu kennen und das Konzept des Senats ausführlich zu diskutieren, sagte Müller gestern dem Tagesspiegel. Ansonsten müsse die Landesregierung mit erheblichen Widerständen aus den Reihen der Abgeordneten rechnen. Die Fraktionen im Abgeordnetenhaus tagen erst wieder am 10. Januar 2006.
Grundlage für die anstehende Senatsentscheidung ist ein neuesGutachten eines Ingenieurbüros. Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linkspartei) sieht dem Vernehmen nach keine Chance, das ICC zu sanieren, umzubauen oder mit Hilfe privater Investoren anders zu nutzen. Auch SPD-Chef Müller sagte gestern: Das ICC ist nicht mehr zeitgemäß und zu teuer im Unterhalt. Die Stadt brauche aber ein leistungsfähiges, wirtschaftlich zu betreibendes Kongresszentrum. Als Standort für einen Neubau komme nur das Grundstück der Deutschlandhalle in Frage.
In der SPD ist diese Linie offenbar umstritten. Der Kreischef in Charlottenburg-Wilmersdorf, Christian Gaebler, sieht durchaus noch Chancen für eine Nachnutzung des ICC. Auch die Oppositionsparteien im Abgeordnetenhaus reagierten kritisch auf die Senatspläne. Ich bin gegen ein neues Kongresszentrum, sagte der Grünen-Haushälter Jochen Esser. Er wisse auch nicht, was man mit dem ICC-Grundstück zwischen den Trassen der Stadtautobahn anfangen könne. Der FDP-Mann Klaus-Peter von Lüdeke ist ebenfalls gegen den Abriss. Nur der CDU-Wirtschaftsexperte Stephan Tromp plädierte für ein modernes Kongresszentrum. Wenn der Neubau stehe, werde das ICC wohl nicht mehr gebraucht. Der Senat müsse aber endlich ein tragfähiges Finanzkonzept für sein Konzept vorlegen.
Schon gebucht bis 2014
Das ICC ist gefragt und ein Wirtschaftsfaktor Seine Gäste gaben 1,3 Milliarden Euro in Berlin aus.
Aus: Der Tagesspiegel, Berlin, 12. Dezember 2005, Seite ?? (Berlin) von MATTHIAS OLOEW. [Original]BERLIN (Tsp). Der Architekt des ICC ist überzeugt: Mit dem Abriss, den der Senat spätestens im Januar beschließen will, verlöre die Stadt ein einmaliges Kongresszentrum. Das ist absurd, sagt Ralf Schüler und verweist auf die Auszeichnung für das ICC. Erst vor einem Jahr ist es zum weltweit besten Kongresszentrum gewählt worden. Ausschlaggebend dafür waren die Bewertungen von 230.000 Fachleuten aus der Tourismuswirtschaft weltweit. Für Schüler ist damit bewiesen: Das ICC ist zeitgemäß.
Mehr als 14 000 Veranstaltungen haben dort stattgefunden mit rund 10 Millionen Besuchern insgesamt allein 5,2 Millionen davon anlässlich von Kongressen. Das ICC hatte damit eine durchschnittliche Auslastung von 72 %. Bis 2014 ist das Haus bereits jetzt für 250 Kongresse gebucht. Im April 2003 hat die Messegesellschaft ausgerechnet, dass allein durch die auswärtigen Kongressteilnehmer 1,3 Milliarden Euro an Kaufkraft in die Stadt geflossen sind. Trotzdem ist das ICC nicht wirtschaftlich zu betreiben. Architekt Schüler wundert das nicht: Das war immer klar. In Senatsvorlagen der 70er Jahre wurde festgehalten, dass dieses Haus Zuschüsse braucht. Zwischen sieben und acht Millionen Euro muss die Messegesellschaft jährlich zuschießen, eine Summe, die der Senat nicht ausgleicht.
Auch die besondere Konstruktion des Hauses mache das ICC einmalig, so Schüler. Eingezwängt zwischen Stadtautobahn und Messedamm, galt das Grundstück eigentlich als unbebaubar. Die Architekten entwarfen ein besonderes Fundament, das auf 26 gewaltigen Stahlbetonstützen ruht. Die Aluminiumhaut umschließt das eigentliche Gebäude. Dieses Haus-in-Haus- Prinzip wird noch durch die riesigen Lager aus Neopren unterstützt, auf denen der gesamte Bau aufliegt. Die Folge: Vom Schall außerhalb ist drinnen nichts zu hören.
Die einzigartige Konstruktion und die Lage des ICC machen auch einen eventuellen Abriss enorm teuer. Dieses Haus ist nicht mit einer Sprengung zu beseitigen, sagt Uwe Hameyer, Vorstandsmitglied des Architekten- und Ingenieurvereins (AIV). Die Konstruktion, die sogar Autobahnzubringer überspannt, wäre nur Stück für Stück abzutragen, in ähnlicher Weise soll auch der Palast der Republik abgetragen werden. In den Gutachten, die von der Messegesellschaft und dem Senat beauftragt worden sind, werden die Abrisskosten mit rund 30 Millionen Euro veranschlagt. Viel zu wenig, glaubt Hameyer.
Zusammen mit seiner Frau Ursulina hat Ralf Schüler die Pläne gezeichnet, den Bau überwacht. Dass das 1979 eröffnete ICC einmal Geschichte sein könnte, mögen sich die beiden nicht vorstellen. Sie wollen kämpfen und pochen auf ihr Urheberrecht. Das sichert ihnen weitgehende Rechte. Selbst für den Abriss, den wir nicht wollen, müsste der Senat uns beauftragen, so Schüler.
Zukunft des ICC noch immer ungewiß
Senat will sich noch in diesem Jahr mit Neubau eines Kongreßzentrums befassen / SPD-Chef Müller warnt vor Alleingang
Aus: Berliner Morgenpost, 12. Dezember 2005, Seite xx (Berlin). [Original]BERLIN (BM). Der Senat wird sich voraussichtlich noch im Dezember erneut mit der Zukunft von Deutschlandhalle und ICC befassen. Laut eines Gutachtens vom Sommer würde die dringend notwendige Sanierung des ICC rund 145 Millionen Euro kosten, ein vergleichbarer Neubau auf dem Areal sogar 315 Millionen. Als wahrscheinlich günstigste Lösung wird deshalb mit 63 Millionen Euro ein Neubau auf dem Gelände der Deutschlandhalle favorisiert. "Wir haben im Juni den Auftrag bekommen, die Kosten für den Abriß der Deutschlandhalle, Fragen der Aufhebung des Denkmalschutzes sowie der Schaffung einer Ersatzeisfläche zu klären", sagte Christoph Lang, Sprecher der Wirtschaftsverwaltung.
Die Unterlagen seien jetzt verfügbar. Das Kostengutachten untermauere die Aussagen der Untersuchung vom Sommer, aus der hervorgeht, daß der Bau eines neuen Kongreßzentrums günstiger ist als Sanierung oder Neubau des ICC. Der Senat könne nun die nächsten Schritte festlegen und einen Zeitplan für den Bau des neuen Kongreßzentrums aufstellen. "Die Zukunft des ICC steht aber noch nicht zur Debatte", betonte Lang. Darüber werde frühestens 2009 befunden, wenn das neue Zentrum fertig ist.
Der Senat hatte Ende Juni die Weichen für den Neubau eines Kongreßzentrums südlich des Messegeländes gestellt. Das "Deutschlandhallen Convention Center" soll am Ort der Deutschlandhalle gebaut werden und das ICC ersetzen. Außerdem wurde beschlossen, für das ICC neue Konzepte und Investoren zu suchen.
SPD-Landes- und Fraktionschef Michael Müller warnte den Senat indes vor einsamen Beschlüssen. Es wäre politisch falsch, Fakten zu schaffen, ohne die Abgeordneten vorher einzubinden. "Wir müssen endlich Zugang zu den Gutachten bekommen, damit wir in der Lage sind, die vernünftigste Lösung zu finden", forderte Müller. Der Neubau eines Kongreßzentrums könne durchaus die beste Lösung darstellen. Das müsse aber anhand möglichst vieler Fakten diskutiert werden. "Wir brauchen verläßliche Zahlen, wie teuer eine Modernisierung des ICC sein würde und was Abriß und Neubau eines neuen Kongreßzentrums kosten würden." Der Senat müsse einen Beschluß fassen, erst dann seien die Abgeordneten gefragt, betonte Lang.
Senat will über Messe-Neubau entscheiden
Noch kein Beschluss zum Abriss des ICC
Aus: Berliner Zeitung, 12. Dezember 2005, Seite ?? (Berlin). [Original]BERLIN. Der Senat wird voraussichtlich am 20. Dezember, während seiner letzten Sitzung vor Weihnachten, über eine neue Kongresshalle für die Messe Berlin entscheiden. Das im Sommer in Auftrag gegebene Gutachten zur Messe liege jetzt vor, sagte der Sprecher der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Christoph Lang, am Sonntag [11.12.2005].
Der Senat hatte, wie berichtet, Ende Juni zunächst ein Gutachten des Architekturbüros von Gerkan, Marg und Partner veröffentlicht. Demnach gab es für die Messe 3 Varianten: zum einen die Komplettsanierung des Internationalen Congress Centrums (ICC), die 219 Millionen Euro kosten würde zum anderen der Einbau einer neuen Gebäudetechnik, der mit 146,5 Millionen Euro veranschlagt wird. Als dritte Variante käme nach dem Gutachten der Hamburger Architekten der Bau eines neuen, funktionalen Kongresszentrums für 62,8 Millionen Euro in Betracht. Dieses Gebäude soll auf dem Grundstück der Deutschlandhalle errichtet werden. Die Deutschlandhalle müsste also abgerissen werden was 30 Millionen Euro kosten würde. Außerdem müsste das Land Berlin für den Eissport, der dort derzeit stattfindet, eine neue Halle bauen. Deren Baukosten sind wie die Abrisskosten noch nicht in der 62,8-Millionen-Variante berücksichtigt.
Da Zweifel bestanden, ob die Berechnungen für das geplante Kongresszentrum realistisch waren, gab der Senat im Sommer ein zweites unabhängiges Gutachten in Auftrag. Der Senat werde nun über den Messe-Neubau und auch über die Art der Finanzierung entscheiden, sagte Lang. So müsse geklärt werden, ob der Bau allein vom Land Berlin oder mit Hilfe von privaten Investoren finanziert werden soll.
"Es fällt aber noch keine Entscheidung über einen Abriss des ICC", betonte der Sprecher. Wenn alles problemlos verlaufe, werde nämlich frühestens in 2 Jahren mit dem Neubau begonnen. Das Kongresszentrum könne dann im Jahr 2009 oder 2010 eröffnet werden. Erst zu diesem Zeitpunkt werde der Betrieb im ICC eingestellt. "Wir wollen aber bis dahin nach einem neuen Nutzer für das ICC suchen", sagte Lang. Nach Angaben von Messechef Raimund Hosch gebe es schon jetzt Interessenten für das große Haus. Sollte sich kein Nutzer finden, heißt aber auch dies nicht, dass das ICC sofort abgerissen wird. Denn der Abriss muss vom Land Berlin bezahlt werden und kostet 30 Millionen Euro. Der Erhalt eines leer stehenden ICC schlägt dagegen mit 1 Million Euro pro Jahr zu Buche. Theoretisch könne man mit dem Abriss auch noch warten, heißt es im Senat.
Im Abgeordnetenhaus ist die Zukunft des ICC umstritten. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Michael Müller hält das Gebäude schon seit langem für nicht mehr zeitgemäß und für zu teuer. Der FDP-Fraktionsvorsitzende Martin Lindner will sich noch nicht festlegen: "Das ist schwierig, denn das ICC ist ja nicht irgendein Gebäude in der Stadt."
ICC durch Asbest schwer belastet
Architekt warnt bei Abriß vor Kostenexplosion durch Entsorgung.
Aus: Berliner Morgenpost, 17. Dezember 2005, Seite ?? (Berlin). [Original]BERLIN (BM). Das von Berliner Politikerkreisen immer wieder ausgestreute Gerücht, wonach der Senat den Abriß des ICC plant, hat Ralf Schüler, den Architekten dieses weit über die Stadt hinaus bekannten Tagungszentrums, auf den Plan gerufen. In einem Brief an den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) warnt Schüler eindringlich vor der Asbestgefahr, die bei der Abtragung des Mammutbaus am Funkturm heraufbeschworen werde.
Die für den Bau des ICC verwendeten Zementplatten und Leitungsrohre enthielten Asbest zwar in der zunächst "ungefährlichen" festgebundenen Form. Dies gelte aber nur, so lange sie "in Ruhe gelassen werden", heißt es in dem Brief. "Werden sie abgebrochen, also beschädigt oder vor Ort zerstört, würden sie ebenso gefährliche Fasern freisetzen wie der lose und gefürchtete Spritzasbest."
Schüler erwähnt zwar den langwierigen und kostspieligen Prozeß der Asbest- Entsorgung beim Palast der Republik nicht direkt, weist aber darauf hin, daß diese Maßnahme beim ICC zusätzlich zu den ohnedies anfallenden Rückbaukosten von schätzungsweise 100 Millionen Euro "mindestens weitere circa 80 Millionen Euro verschlingen" würde. Mit den in der Öffentlichkeit genannten Abrißkosten von 30 Millionen Euro könne nur ein Teilabriß gemeint sein.
In dem Brief wird auch die seit Wochen anhaltende Debatte über das ICC kritisiert, weil sie der Stadt Berlin unermeßlichen und bleibenden Schaden zufüge. Der von Senatsseite erwogene Bau einer neuen, teilbaren Messehalle auf dem Areal der Deutschlandhalle wird nach Ansicht von Schüler im Vergleich zum weltberühmten und erfolgreichen ICC "bestenfalls Provinzniveau im Kongreßbereich erlangen". Schüler sieht keine dringende Notwendigkeit, das ICC umzubauen. Auch die für eine Sanierung angegebenen Kosten von 145 Millionen Euro könnten garantiert erhalten werden.
Aussprachen über die Pläne für eine neue Halle und das Schicksal des ICC, die den Senat eigentlich am Dienstag [20.12.2005] beschäftigen sollten, werden nach Auskunft des stellvertretenden Senatssprechers Günter Kolodziej voraussichtlich auf die erste Januarwoche vertagt: An der Beratungsvorlage müßten noch Änderungen vorgenommen werden.
Der Sprecher der Messe Berlin, Michael T. Hofer, bezeichnete die Abrißgerüchte als "Schwachsinn". Auch in der Senatswirtschaftsverwaltung versichert man, daß es keinen Grund gebe, die Angelegenheit zu dramatisieren. Es gehe erst einmal um die Grundsatzentscheidung, ob die neue Kongreßhalle errichtet werden soll, sagte Christoph Lang, der Sprecher von Wirtschaftssenator Harald Wolf. Erst wenn diese Halle frühestens 2009/10 in Betrieb gehe, stelle sich die Frage, wie das ICC anders genutzt oder abgerissen werde. Lang ließ aber keinen Zweifel daran, daß der jährliche Betriebsverlust des ICC von 12 Millionen Euro auf Dauer nicht tragbar sei.
Wie aus Senatskreisen verlautet, wird erwogen, das ICC vor allem für Entertainment- Großveranstaltungen auf Dauer zu erhalten. Das weitläufige Gebäude könne später auch für Wellness, anspruchsvolle Gastronomie und als ein für den wachsenden Touristenstrom attraktives Shopping- Zentrum genutzt werden.
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