Living in a City  —  Reports aus Berlin     – Zum Report 4 khd
Stand:  12.2.2012   (25. Ed.)  –  File: Bln/Ex/ICC_soll_weg_5.html


Diese Spezial-Seite ist eine Ergänzung zu einem Berlin-Report, in dem über interessante Berliner Ereignisse berichtet wird. Dazu werden hier einige ausgewählte und besonders nützliche Artikel und andere Texte gespiegelt und damit auf Dauer dokumentiert. Manches ist auch mit [Ed: ...] kommentiert. Tipp- und Übertragungsfehler gehen zu meinen Lasten.

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I n h a l t   d i e s e r   G e s c h i c h t e   a u s   S c h i l d a   (5):

2009/2011 — Das ICC soll verschwinden (5)

Und 2009 soll es wieder abgerissen werden . . .

Internationales Congress Centrum Berlin
^   Berlins einzigartiges „Internationales Congress Centrum“ (ICC) am Funkturm. Aber ging es nach einfältigen Stadtpolitikern, dann sollte es demnächst abgerissen werden. Der Betrieb des ICC sei zu teuer. Ein Schildbürgerstreich der besonderen Art bahnte sich an. Noch 2008 schien doch noch die Vernunft in Politiker-Köpfen eingezogen zu sein, aber 2009 wurde der Bestand des ICC erneut in Frage gestellt. Die geplante Sanierung sei zu teuer, heißt es nun. [Zur Entstehung des ICC]   (Foto: 2004 – mopo)



Abriss-Akte ICC

Deshalb soll das ICC abgerissen werden. Die B.Z. erklärt, warum das Kongresscenter trotz guter Auslastung rote Zahlen schreibt.

Aus:
B.Z., Berlin, 17. Oktober 2009, Seite 11 (Berlin). [Original]

BERLIN. Das Kongresszentrum ICC gehört zu den größten der Welt und ist mit 72 Prozent vergleichsweise sehr gut ausgelastet. Trotzdem diskutiert der Senat den Abriss des 1979 fertiggestellten Gebäudes. Denn das ICC häuft jährlich ein Defizit von 12 Millionen Euro an. Laut Messe Berlin liegt das an Sälen, die zu unflexibel, und Treppenaufgängen, die zu breit sind...

Eigentlich war eine Sanierung des ICC längst beschlossene Sache. Doch weil die Kosten dafür laut Finanzsenator Ulrich Nußbaum von 182 Millionen Euro auf 230 Millionen Euro zu steigen drohen (B.Z. berichtete: Wird das ICC vielleicht abgerissen?), erwägt er jetzt den Abriss.

B.Z. benennt die drei Problemzonen des Aluminium-Kolosses in Charlottenburg:

Problem Asbest: Nicht nur im Dach, auch in den Räumen ist es verbaut. Befürchtet wird, dass bei Sanierungsarbeiten weit mehr von dem krebserregenden Mineral gefunden wird. Ähnlich war es beim Palast der Republik, als beim Abriss immer mehr Asbest auftauchte und die Kosten für die Demontage deutlich stiegen.

Problem Säle: In modernen Kongresszentren sind Säle mehrfach teilbar, je nach Größe der Tagungsgruppe. "Der große Saal mit bis zu 6000 Plätzen lässt sich aber nur einmal teilen, wir brauchen aber viele kleine Einheiten", sagt Wolfgang Wagner, Sprecher der Messe Berlin (Mieter des ICC).

Problem Nutzfläche: Durch breite Treppen und viele Foyers ist das Verhältnis von Nutz- zu Verkehrsfläche schlecht [Ed: hm, ist das nicht in einem so großen Haus ein Gebot der Sicherheit?]. Es gibt zu viel toten Raum, heißt es bei der Messe Berlin. Durch eine Modernisierung ließen sich zwar 3000 Quadratmeter mehr für Säle und Ausstellungen gewinnen – aber nur ein neues ICC wäre wirklich wirtschaftlich.

Abräumen oder modernisieren – wie geht's weiter mit dem ICC? "Hauptsache, wir haben eine schnelle Entscheidung. Denn wir planen schon jetzt Veranstaltungen bis zum Jahr 2019", sagt Wagner. So wie bisher könne es nicht weitergehen: "Das Gebäude ist einfach kein modernes Kongresszentrum mehr."



Messe plant schon für die Zeit nach dem ICC

Die SPD misstraut den Plänen für das Gelände der Deutschlandhalle. Kostenschätzungen für eine Multifunktionshalle beginnen bei 46 Millionen Euro.

Aus:
Der Tagesspiegel, Berlin, 17. Oktober 2009, Seite 10 (Berlin) von ULRICH ZAWATKA-GERLACH. [Original]

BERLIN (Tsp). In der SPD gibt es Befürchtungen, dass die Messe GmbH ihre Pläne für ein neues Kongresszentrum auf dem Gelände der Deutschlandhalle auf kaltem Wege durchsetzen will. Und zwar unabhängig davon, ob das Internationale Congress Centrum (ICC) saniert wird oder nicht. "Offenbar bekommt das Kind nur einen anderen Namen", sagt der wirtschaftspolitische Sprecher der SPD-Abgeordnetenhausfraktion, Frank Jahnke. Interne Kostenschätzungen für das Gebäude beginnen bei 46 Millionen Euro und enden dem Vernehmen nach bei 80 Millionen Euro. "Ein bisschen viel Geld für einen normalen Ausstellungsbau", so Jahnke. Auch der Grünen-Haushälter Jochen Esser wundert sich über die hohen Kosten.

Der Senat hatte im Mai 2008 entschieden, das ICC für 182 Millionen Euro zu sanieren und Asbest zu beseitigen. Die von der landeseigenen Messegesellschaft, der IHK und Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linke) favorisierte Alternative eines neuen Kongresszentrums wurde abgelehnt. Seitdem war nur noch die Rede von einer Erweiterungshalle, die nach dem Abriss der Deutschlandhalle gebaut werden sollte, um die chronischen Platzprobleme der expandierenden Messe zu beheben. Jetzt sieht es aber so aus, als wolle die Messe GmbH ein Gebäude in den Dimensionen des ursprünglich geplanten – vom Senat jedoch abgelehnten – Kongresszentrums bauen.

Der Sprecher der Messegesellschaft, Wolfgang Wagner, bestätigte am Freitag [16.10.2009], dass auf dem Grundstück der Messegesellschaft ein "multifunktionales Gebäude" mit 7.500 bis 10.000 Plätzen für Messe- und Kongressbesucher entstehen soll. Mit einer vermietbaren Ausstellungsfläche von 8800 Quadratmetern. Wagner verwies auch auf frühere Gutachten über die Kosten eines Kongressbaus "in der Größenordnung bis 70 Millionen Euro". Die "Multifunktionshalle" soll nach den Vorstellungen der Messe Ende 2012 fertiggestellt sein. Wirtschaftssenator Wolf betont ausdrücklich: "Es geht hier nicht um einen Ersatz für das Internationale Congress Centrum." Das neue Gebäude werde benötigt, um "die Nachfrage ans ICC während der Sanierungsphase abzufedern".

Wolf glaubt der Messe-Geschäftsführung, die die Baukosten auf 46 Millionen Euro schätzt und diese Investition aus den zusätzlichen Standeinnahmen (jährlich 6 Millionen Euro) refinanzieren will. Der Aufsichtsrat des öffentlichen Unternehmens hat über das ehrgeizige Projekt noch nicht entschieden. Außerdem hängt der Baubeginn an der Abrissgenehmigung für die Deutschlandhalle. Das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf als untere Denkmalbehörde hatte den Abrissantrag der Messe abgelehnt. Jetzt läuft das Widerspruchsverfahren. In letzter Instanz entscheidet die Stadtentwicklungsbehörde (als Landesdenkmalamt).

Damit hat die Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) ein Faustpfand in der Hand, falls ihr und den Sozialdemokraten das üppige neue Messegebäude nicht passt. Offiziell wird das natürlich nicht bestätigt. Vorerst muss sich Junge-Reyer aber der harten Kritik aus den eigenen Reihen erwehren, weil ihre Behörde die Kosten für die ICC-Sanierung nicht in den Griff bekommt. Der SPD-Bauexperte Michael Arndt hält es sogar für möglich, dass bis zu 400 Millionen Euro dafür ausgegeben werden müssen. Diese Summe käme dann schon an die Neubaukosten von einer Milliarde D-Mark heran, die in den siebziger Jahren für das ICC gezahlt wurde. "So oder so, wir müssen schnell über das ICC entscheiden", fordert Arndt. "Mit diesem Thema kann die SPD nicht in den Abgeordnetenhauswahlkampf 2011 gehen."

Im Mai 2008 hatte der Senat die Ausgaben für Sanierung und technische Modernisierung auf 176 Millionen Euro geschätzt. Zuzüglich 6 Millionen Euro für die Asbestbeseitigung am Dach. Inzwischen wurden auch in den Räumen jede Menge Asbest und andere verbaute Schadstoffe gefunden, deren Beseitigung mindestens 60 Millionen Euro kosten wird. Bisher gibt es noch für keinen Ausgabeposten belastbare Schätzungen. Denn eine detaillierte Bedarfsplanung und prüfbare Bauplanungsunterlagen werden erst zum Jahresende vorliegen.

Die Messe GmbH spricht sich von aller Schuld frei. "Unser Raumprogramm auf Grundlage von Gutachten Roland Bergers und drei Ingenieurbüros liegt seit langem vor", sagt Sprecher Wagner. Derzeit werde das Nutzungskonzept von der Stadtentwicklungsbehörde verarbeitet. Eine brauchbare Kostenschätzung wird wohl erst im Frühjahr 2010 vorliegen. Der SPD-Haushälter Stefan Zackenfels stöhnt: "Unsere Verwaltung ist keine gute Quelle für verlässliche Zahlen."



Langes Ringen um das Raumschiff

Vor 30 Jahren wurde das ICC eröffnet. Der Bau kostete 1 Milliarde D-Mark. Er feierte Erfolge, ist aber teuer im Unterhalt Nun ist die Diskussion neu eröffnet: Soll das Internationale Congress Centrum abgerissen werden?

Aus:
Der Tagesspiegel, Berlin, 18. Oktober 2009, Seite 12 (Berlin) von ULRICH ZAWATKA-GERLACH. [Original]

BERLIN (Tsp). Im Heimatmuseum Charlottenburg-Wilmersdorf ist seit 2 Wochen eine Ausstellung zu sehen: 30 Jahre ICC, mit Fotos, Plänen und einem Film. Das Internationale Congress Centrum mit seiner spektakulären Aluminiumfassade und 80 Sälen, in denen 20.300 Menschen Platz finden, sollte ursprünglich 70 Millionen Euro kosten. Es wurden dann knapp 500 Millionen Euro. Ein typisches Beispiel für die Art und Weise, wie im alten, vom Bund subventionierten West-Berlin mit öffentlichem Geld umgegangen wurde.

Andererseits ist das 320 Meter lange "Raumschiff" zwischen Messedamm und Stadtautobahn, entworfen von den Architekten Ralf Schüler und Ursulina Schüler-Witte, ein großartiges Erfolgsmodell. Im größten Kongressgebäude Europas haben bis heute über 15.000 Kongresse mit mehr als 6 Millionen Teilnehmern stattgefunden, die jährlich etwa 100 Millionen Euro zusätzliche Kaufkraft in die Stadt bringen. Bälle und Konzerte finden im ICC statt, die Auslastungsquote liegt bei über 70 Prozent. Der Kongressbau wurde mit mehreren internationalen Auszeichnungen geehrt. Zurzeit verhandeln die ICC-Manager mit Kongressveranstaltern in aller Welt über Buchungen bis zum Jahr 2019 [Ed: und die wollen sicherlich alle ins ICC und nicht in ein neues Allerwelts- Kongreßhaus vom DCC-Typ].

Das Problem des ICC sind die hohen Energiekosten, die veraltete technische Ausrüstung, eine ungünstige Innenarchitektur mit unendlich langen Fluren und die Belastung mit Asbest und anderen gesundheitsschädlichen Baustoffen. Deshalb bemühte sich schon die CDU/SPD-Koalition mit Eberhard Diepgen (CDU) an der Spitze um eine Privatisierung des ICC, denn die landeseigene Messe GmbH wollte die enorm hohen Betriebskosten nicht übernehmen, die bis dahin aus dem Landeshaushalt bezahlt wurden. Im November 2000 fasste der Senat einen entsprechenden Beschluss, fand aber keinen Investor. Das hatte Konsequenzen.

Im Januar 2001 brachten Wirtschaftspolitiker von CDU und SPD eine neue Variante ins Spiel: Das ICC solle abgerissen und durch ein neues Kongresszentrum ersetzt werden. Die Messegesellschaft trieb diese Pläne weiter voran, stets unterstützt von der Wirtschaftsverwaltung des Senats. Ende 2005 stand der rot-rote Senat kurz davor, den Abriss zu beschließen, wurde aber durch eine breite Gegenbewegung von Denkmalschützern, Architektenverbänden und vielen Bürgern – vor allem im Westen der Stadt – gestoppt, die das ICC als Berliner Wahrzeichen erhalten wollten.

Der Widerstand reichte weit in die SPD und CDU hinein, aber auch bei den Grünen gibt es ICC-Bewahrer. Die Linke war immer für den Abriss und deren Politiker wiesen gelegentlich darauf hin, dass ja auch der Palast der Republik geschleift worden sei. Die FDP will das ICC privatisieren. Das Ergebnis einer komplizierten Diskussion und zahlreicher Gutachten war der Senatsbeschluss vom Mai 2008 für eine Sanierung des ICC bei laufendem Betrieb mit damals geschätzten Kosten von 182 Millionen Euro.

Abriss und Neubau wurden abgelehnt, weil sie mehr Geld gekostet hätten. Glaubte der Senat. Jetzt geht Finanzsenator Ulrich Nußbaum davon aus, dass die Sanierung bis zu 300 Millionen Euro kosten könnte, und schließt einen Abriss, wie auch der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) nicht mehr aus. Die Diskussion ist neu eröffnet.

Bis 4. November: "Sonderausstellung 30 Jahre ICC". Museum Charlottenburg; Schlossstraße 69. Sonntags geöffnet von 11 bis 17 Uhr (Di–Fr 10–17 Uhr).



A B R I S S   D E S   I C C

Ex-Bauleiter: Das ICC ist kaum wegzukriegen

Der Abriss des Internationalen Congress Centrums wäre eine Mammutaufgabe. Autobahnzubringer und Brücke über S-Bahn müssten wohl neu gebaut werden.

Aus:
Der Tagesspiegel, Berlin, 23. Oktober 2009, Seite xx (Berlin) von ULRICH ZAWATKA-GERLACH. [Original]

BERLIN (Tsp). Ein früherer Oberbauleiter, der von 1972 bis zur Eröffnung des Internationalen Congress Centrums (ICC) im Frühjahr 1979 auf der Großbaustelle beschäftigt war, warnt dringend vor einem Abriss des Gebäudes. Die komplette Beseitigung des ICC bis zu den Fundamenten sei wegen der eigentümlichen Statik kompliziert und gefährlich, sagte Klaus Dieter Jacobs dem Tagesspiegel. Es müssten ungeheure Mengen Stahl, Aluminium, Beton, Mauerwerk, Granitplatten, Kabel usw. abgetragen und entsorgt werden. Außerdem werde bei einem Abriss der Straßen- und Bahnverkehr in weiterem Umkreis um das Kongresszentrum über einen langen Zeitraum lahmgelegt.

    ICC: Pläne gab es viele
Basiert auf: Tagesspiegel, 17.3.2010.
Eine kleine Chronik

1973:
Baubeginn des Internationalen Congress Centrums (ICC) am Funkturm. Es soll nur um die 125 Mio. DM kosten. *

2. April 1979:
Das neue ICC wird feierlich eröffnet. Es hat fast 1 Mrd. DM gekostet. *

1998:
Der CDU/SPD-Senat erwägt ernsthaft, das ICC an ein US- Unternehmen zu vermieten, dann zurückzumieten und den in den USA anfallenden Steuervorteil zu kassieren (Sale-and-lease-back).

2000:
Die CDU/SPD-Koalition diskutiert den Verkauf des ICC an private Investoren.

2001:
Die Messegesellschaft fordert wegen der hohen Betriebskosten den Abriß des ICC und den Bau eines neuen Kongresszentrums am Standort der Deutschlandhalle.

2007:
Der Abrißplan wird noch einmal abgewendet. *

Mai 2008:
Der Senat beschließt die Sanierung des ICC bei laufendem Betrieb. *

Oktober 2009:
Das Abgeordnetenhaus sperrt die Sanierungsmittel und Finanzsenator Nußbaum entfacht eine neue Abrißdebatte. *

März 2010:
Die Messegesellschaft will nun eine Schließung des ICC während der Sanierung und ein Ausweichquatier in einer neu zu bauenden Messehalle – am Standort der Deutschlandhalle. *

"Teile der Avus, der Stadtring, Messedamm, Kant- und Halenseestraße müssten monatelang, wenn nicht sogar für Jahre gesperrt und umgebaut werden", sagt Jacobs, der einer von 7 bauleitenden Architekten war, damals zuständig für Eingangshalle, alle Foyers und Treppenhäuser. Zum Beispiel müssten die Zubringer zur Stadtautobahn neu gebaut werden und die Brücke über der S-Bahn (Neue Kantstraße) gerate in Mitleidenschaft. Ganz zu schweigen von unzähligen Rohr-, Elektro- und sonstigen Leitungen, die das Stadtquartier in der Nähe des Messegeländes versorgen. Denn die Fundamente des ICC reichen sehr weit über das sichtbare Kongressgebäude hinaus. Jacobs weiß, wovon er spricht – er kennt noch die frisch ausgehobene Baugrube.

Ein weiteres Problem, sagt der jetzt 73-jährige Baufachmann, sei die Konstruktion des ICC mit vielen ineinander verzahnten, mächtigen Bauteilen, die sich gegenseitig die Waage halten. So wiege ein Längsträger des 320 Meter langen und 80 Meter breiten "Raumschiffs" etwa 1500 Tonnen. Die 300 bis 500 Tonnen schweren Querträger hielten das Dach und würden umgekehrt von der Dachscheibe stabilisiert. Diese Stahlträger ruhten auf Neoprenlagern, die bis zu 5000 Tonnen Last tragen müssten. "Da kann man nicht mit der Abrissbirne ran", sagt Jacobs. Die gesamte Konstruktion müsse streng kontrolliert, Stück für Stück abgetragen werden, um gefährliche Senkungen oder Hebungen des Untergrunds zu vermeiden.

Dagegen sei der Abriss des Palastes der Republik einfach gewesen, meint der Ex-Bauleiter, der auch in anderen europäischen Ländern, in den USA und Südostasien gearbeitet hat. Ein eigenwilliger Weltenbummler mit einem Faible für Abenteuer. Zwei Bücher hat er über sein Leben geschrieben, dazu gehört auch die Arbeit beim ICC. Kurz nach der Eröffnung des größten Kongressgebäudes in Europa schrieb Jacobs mit geradezu prophetischer Gabe auf: Er halte es für möglich, dass die Berliner Messegesellschaft "im Laufe der Zeit aufgrund der hohen Wartungskosten aus diesem Kleinod der Architektur eine einfache Messehalle macht oder das ICC abreißt".

Ein solcher Abriss werde hunderte Millionen Euro kosten, warnt der Architekt. Die von Gutachtern festgestellte Schadstoffbelastung des Gebäudes, vor allem durch Asbest, ist Jacobs ein Rätsel. "Die Bauleitung wurde von vornherein darauf hingewiesen, dass kein Asbest verbaut werden darf." Trotzdem enthalten Zementplatten und Heizungsrohre das krebserzeugende Material, sowohl am Dach wie in den Räumen. Die Beseitigung der Schadstoffe wird nach jüngsten Schätzungen über 60 Millionen Euro kosten.

Die hohen Baukosten für das ICC, über 1 Milliarde D-Mark (etwa 500 Millionen Euro), erklärt sich Jacobs auch aus dem Standort zwischen Autobahn, S-Bahn und Messedamm. "Ein schmales Handtuch, das jahrzehntelang als unverkäuflich und nicht bebaubar galt." Alternativ seien vorher die Heerstraße und die Jafféstraße im Gespräch gewesen. Die ungewöhnliche Architektur des ICC sei eben auch dem schwierig zu nutzenden Grundstück zu verdanken. Für das Ingenieurbüro Gerhard Bartels habe er 1968/69 gemeinsam mit einem Kollegen eine interne Kostenschätzung vorgelegt. "Wir kamen damals schon auf 850 Millionen D-Mark." Offiziell ging der SPD-geführte Senat 1969 damit hausieren, dass das ICC für 120 Millionen D-Mark zu haben sei.



V O M   T R I C K   D E R   B E R L I N E R   M E S S E

Messe will ICC für die Sanierung schließen

Umbau des Kongresszentrums soll nicht bei laufendem Betrieb erfolgen. Großveranstaltungen könnten in neue [noch am Standort der Deutschlandhalle zu bauende] Messehalle ausweichen.

Aus:
Der Tagesspiegel, Berlin, 17. März 2010, Seite 9 (Berlin) von ULRICH ZAWATKA-GERLACH. [Original]

BERLIN (Tsp). In der Messe GmbH wächst der Widerstand gegen eine Sanierung des Internationalen Congress Centrums (ICC) bei laufendem Betrieb. Der Geschäftsführer des landeseigenen Unternehmens, Raimund Hosch, befürchtet dem Vernehmen nach, dass Großkongresse mit vielen tausend Teilnehmern durch die Bauarbeiten in Mitleidenschaft gezogen werden oder in andere Städte abwandern. Die zuständigen Senatsverwaltungen äußern sich dazu nicht.

Aber der SPD-Wirtschaftsexperte Jörg Stroedter spricht von einem "Skandal". Messechef Hosch spiele "über Bande" und wolle die Sanierung des ICC mit neuen Argumenten aushebeln. "Das bedeutet Krieg." Bisher galt es als unstrittig, dass das "Raumschiff" am Messedamm während der Bauphase weitgehend funktionstüchtig bleibt. Nur wenige Veranstaltungen sollten ausgelagert werden. Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linke) ging bisher davon aus, dass die Sanierung im März 2012 beginnt und im Juli 2016 abgeschlossen sein wird. Ende dieses Monats soll eine neue Kostenprognose und das Bedarfsprogramm für die ICC-Sanierung vorliegen. Eine Sprecherin der Stadtentwicklungsbehörde bestätigte dies. "Alles andere ergibt sich daraus."

Aber was? Senator Wolf verweist auf den Senatsbeschluss vom Mai 2008, der weiter gelte. Damals kündigte der Senat an, das ICC "bei laufendem Betrieb abschnittsweise technisch zu erneuern, zukunftsfähig zu sanieren und funktionell zu modernisieren". Geschätzte Kosten: 182 Millionen Euro. Nicht nur Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos) befürchtet, dass es 250 bis 300 Millionen Euro werden. Die Messe will stattdessen ein neues Kongresszentrum auf dem Gelände der Deutschlandhalle.

Jetzt wird unternehmensintern eine neue Variante diskutiert, die davon ausgeht, dass sich die ICC-typischen Mammutkongresse nicht von den Gebäudeteilen abschirmen lassen, die gerade Baustelle sind und in Staub und Lärm versinken. Auch das Catering und die Klimatisierung der Räume würden beeinträchtigt, verlautet aus Kreisen der Messe. Und Bauexperten wenden ein, dass die Sprinkleranlage – als wichtigster Teil des Sicherheitssystems – zentral aufgebaut sei und nicht abschnittsweise gesteuert werden könne. Michael Hofer, Sprecher der Messegesellschaft, wollte sich dazu nicht äußern, aber: "Den Rat von Experten sollte man nicht überhören, und der gesunde Menschenverstand sagt einem, dass eine Großbaustelle ihr Umfeld beeinträchtigt." Es wäre ein Desaster für Berlin, wenn zum Beispiel die großen Medizinkongresse nicht mehr in die Stadt kämen.

In der Messe GmbH kursiert nun die Idee, eine lange geplante neue Messehalle (als Ersatz für die Deutschlandhalle) so auszubauen, dass sie Großkongresse aufnehmen kann. 20.000 Quadratmeter Fläche wären nötig, die Kosten werden auf bis zu 100 Millionen Euro geschätzt. Dann könnte das ICC geschlossen und in einem Rutsch saniert werden, was Bauzeit und Kosten verringern könnte. Der Architekt und ICC-Spezialist Uwe Hameyer hält diese Pläne für einen Trick. "Wenn das ICC einmal stillgelegt ist, wird es heißen: Es geht auch ohne." Ziel des Messechefs Hosch sei es, "den Klotz am Bein loszuwerden, der mit hohen Betriebskosten die Unternehmensgewinne beschneidet".

Ob sich die Messe mit ihrer Idee durchsetzt, hängt auch davon ab, ob die neue Halle – als temporäres Kongresszentrum – gebaut wird. Noch hat die oberste Denkmalschutzbehörde nicht entschieden, ob die Deutschlandhalle abgerissen werden darf. Der Ausgang des Verfahrens ist ungewiss. Der Architektenwettbewerb für die neue Halle liegt vorerst auf Eis. [mehr]



ICC während Sanierung geschlossen

[Ed: hm, irgendiwe sieht das nach klammheimlicher ‚Entsorgung‘ des ICCs aus].

Aus:
Der Tagesspiegel, Berlin, 12. April 2010, Seite 1 (Teaser zu einem Artikel über den Zustand der Berliner SPD). [Original]

BERLIN (Tsp). Das Internationale Congress Centrum (ICC) wird voraussichtlich nicht bei laufendem Betrieb saniert, sondern während des Umbaus und der Beseitigung von Asbest für eineinhalb oder 2 Jahre geschlossen. Ein entsprechender Vorschlag der Berliner Messegesellschaft stößt in der Berliner SPD auf positive Resonanz.

Auch Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) und Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linke) halten die Idee aus Zeit- und Kostengründen für plausibel. Die Messe kann aber nicht darauf hoffen, dass ihr als Ausweichquartier für die großen internationalen Kongresse eine neue, bis zu 100 Millionen Euro teure Halle gebaut wird [Ed: denn bereits vorhandene Messe-Hallen lassen sich provisorisch für einen Kongreßbetrieb herrichten].



D E U T S C H L A N D H A L L E

Tapferer Stadtrat stoppt Abrissbirne

Klaus-Dieter Gröhler wehrt sich gegen die Regierungs-Pläne für die Deutschlandhalle. Wowereit verärgert

Aus:
B.Z., Berlin, 20. Mai 2010, Seite xx (Berlin). [Original]

CHARLOTTENBURG (wed). Ein Kampf wie David gegen Goliath um die Deutschlandhalle. Am Donnerstag [20.5.2010] widersetzte sich Klaus-Dieter Gröhler (44, CDU), Baustadtrat in Charlottenburg-Wilmersdorf, den Abrissplänen des Senats.

Die Messe wolle nur ein geräumtes Baugrundstück für einen Neubau erhalten, sagte er. Doch wirtschaftliche Gründe könnten sich nicht gegen „das hohe Gut am Erhaltungsinteresse des Baudenkmals“ durchsetzen. Der CDU-Stadtrat kritisierte, dass alle Kompromissbemühungen mit dem Senat gescheitert seien. Das Bezirksamt habe erreichen wollen, dass Teile der Halle in einen Neubau einer Kongress- und Messehalle integriert werden.

Berlins Regierender Klaus Wowereit (56, SPD) reagierte verärgert. Er habe „kein Verständnis“, wenn ein CDU-Stadtrat und das Bezirksamt die Entscheidung verzögerten. „Wir wollen nach wie vor den Abriss der Deutschlandhalle.“

2008 hatte der Senat die Sanierung des ICC bei laufendem Kongress-Betrieb beschlossen – einschließlich Abriss der einst größten Mehrzweckhalle der Welt.

Wie es jetzt weitergeht? „Ich warte zunächst den Beschluss mit der Begründung des Bezirks ab“, sagte Bausenatorin Ingeborg Junge-Reyer (63, SPD) der B.Z.: „Dann entscheiden wir anhand der Argumente, wer Recht hat.“ Soll heißen: Der Senat urteilt, ob Denkmalschutz eine höhere Bedeutung hat als wirtschaftliche Interessen der Messe.

Die Deutschlandhalle, zu den Olympischen Spielen 1936 errichtet, war Austragungsort von Sport- und Konzertveranstaltungen. Die Rolling Stones, The Who, Queen und Frank Sinatra traten hier auf.

Im Streit um die ICC-Sanierung deutete Wowereit gestern eine Neubewertung des Senats an. Sollte es zur Modernisierung doch geschlossen werden, müsse ein „adäquater Ersatzbau“ errichtet werden. Wowereit: „Wir können die Kongresse nicht an Berlin vorbeiziehen lassen.“

[Editor: Müssen sie ja auch nicht, wenn die Messe 1–2 ihrer vorhanden großen Messehallen für einen provisorischen Kongreßbetrieb herrichtet. Allmählich wird der Senats-Dummquatsch in Sachen ICC/Deutschlandhalle unerträglich...]



B E R L I N E R   M E S S E   G M B H   T R I C K S T

Das ICC rostet – Politiker sind ratlos

Den Haushältern des Abgeordnetenhauses leuchtet ein, dass eine Grundsanierung des ICC notwendig ist. Aber mit der Frage, ob es dafür geschlossen werden muss, sind auch sie überfordert. Und dann sind da auch noch die Kosten.

Aus:
Der Tagesspiegel, Berlin, 20. Mai 2010, Seite xx (Berlin). [Original]

BERLIN-CHARLOTTENBURG (Tsp). Die Chefs der Messe GmbH wollten am Mittwoch [19.5.2010] auch die Haushaltsexperten des Parlaments überzeugen, dass eine Sanierung des Internationalen Congress Centrum (ICC) bei laufendem Betrieb nicht möglich sei. Eine Stunde quälten sich die Abgeordneten an Wasser- und Heizungsrohren vorbei, sie begutachteten Sprinkleranlage sowie Belüftung und kletterten dann unters Dach, wo künstliche Mineralfasern die Stahlträger schützen, damit sie nicht rosten.

Inzwischen bröselt die Dämmung, die seit den neunziger Jahren als gesundheitsschädlich gilt. Das viele Kilometer lange Rohrsystem ist löcherig geworden, der Rost frisst sich durch. Von der Frischluft, die mit hohem Energieaufwand durch den Baukörper des ICC gepresst wird, geht die Hälfte unterwegs verloren [Ed: tja, hat denn diese Messe GmbH nie etwas reparieren lassen...]. Die in 200-Meter-Schränken untergebrachten Platinen der Gebäudeleittechnik gehören ins Museum, und für die Aufzüge im Kongressgebäude (Baujahr 1978) gibt es keine Ersatzteile mehr. Für Dieter Pasierbsky, zuständig fürs Gebäudemanagement der Messegesellschaft, ist klar: Alles muss raus und durch moderne, energiesparende Anlagen ersetzt werden.

Den Haushältern des Abgeordnetenhauses leuchtet das ein, aber mit der Frage, ob das ICC für die Grundsanierung geschlossen werden muss, waren sie auch nach dem Rundgang überfordert. Vor allem der Brandschutz und die Belüftung seien geschlossene Systeme, die sich nicht abschnittsweise ausbauen und erneuern ließen, argumentierte der Architekt Pasierbsky. Vertreter des TÜV, die an der Besichtigung teilnahmen, sahen das genauso. Aber es müsse doch möglich sein, hielt der Grünen-Abgeordnete Jochen Esser dagegen, die alte Technik laufen zu lassen, bis die neuen Systeme Zug und Zug eingebaut seien. Die Frage ist nur, was das kosten würde.

40 Millionen Euro teurer als ursprünglich geplant

Die Finanzierung der – 2008 vom Senat beschlossenen – ICC-Sanierung ist ohnehin das größte Problem. Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) berichtete den Mitgliedern des Hauptausschusses, dass ihre Behörde das Bedarfsprogramm für den Umbau des Gebäudes inzwischen an die landeseigene Messe GmbH übergeben habe. Der ursprüngliche Kostenansatz von 182 Millionen Euro erhöhe sich um mindestens 40 Millionen Euro wegen der notwendigen Schadstoffsanierung „im gesamten ICC einschließlich des Brückenbauwerks“. Eigentlich müsse das Bedarfsprogramm jetzt von der Wirtschaftsverwaltung des Senats geprüft werden. „Aber dazu ist es nicht gekommen, weil die geplante Sanierung bei laufendem Betrieb neu diskutiert wird“, sagte Junge-Reyer.

Die Senatorin hält es durchaus für „technisch möglich“, während der Bauarbeiten die Kongresse im ICC zu lassen. „Aber die Messe sieht das nicht mehr so“, fügte sie hinzu. Abgeordnete der SPD und der Grünen misstrauen aber dem Messe-Geschäftsführer Raimund Hosch, der das ICC während der Sanierung schließen und die Kongresse in eine Messehalle auslagern will, die für 120 Millionen Euro am Standort der Deutschlandhalle gebaut werden soll. Dieser Neubau könne am Ende das ICC ersetzen, befürchten die Politiker. Was wird dann aus dem leeren „Raumschiff“ am Messedamm? „Da bringen wir einen Baumarkt unter“, kursierte auch gestern wieder der Scherz eines früheren Staatssekretärs.

Auch das Olympiagelände ist haushaltspolitisch gesehen ein Problemfall

Ungläubig nahmen die Haushälter zur Kenntnis, dass die Messe im letzten Jahrzehnt etwa 100 Millionen Euro in Reparaturen und Wartung des Kongresszentrums gesteckt hat. Davon sehe man nicht viel, hieß es fraktionsübergreifend. Auch die Architekten des ICC, Ralf Schüler und Ursulina Schüler-Witte, warfen der Messe in einem Brief an den Hauptausschuss vor, das Gebäude samt Technik „nicht ständig so gewartet und erneuert zu haben, wie es für ein solches Haus selbstverständlich gewesen wäre“. Offenbar solle das ICC „allmählich verrotten und abrissreif aussehen“. Im Übrigen sei der Bau für eine Sanierung bei laufendem Betrieb „geradezu prädestiniert“. Die Behauptung der Messe, dass Umluftleitungen und Sprinkleranlage nicht abschnittsweise erneuerbar seien, müsse auf ihre Stichhaltigkeit überprüft werden.

Nach der ICC-Besichtigung fuhr der Hauptausschuss im billigen Reisebus zum Olympiagelände. Haushaltspolitisch gesehen ist das auch ein Problemfall. Der Ausbau von Sportmuseum und Turnhallen, die Umsiedlung der Poelchau-Oberschule als Eliteschule des Sports, die Modernisierung des Reiterstadions, der Treppenanlage in der Waldbühne, des Kuppelsaals und des Schwimmstadions sind ein millionenschweres Langfristprojekt. Anschließend schauten sich die Haushälter noch die Baustelle Schillertheater, die Ruine des Steglitzer Kreisels und den grundsanierten Bürobau in der Otto-Braun-Straße an.



B A U D E N K M A L   D E U T S C H L A N D H A L L E

Aufschub für die Deutschlandhalle

Der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf lehnt den Abriss der Deutschlandhalle weiter ab. Baustadtrat Dieter Gröhler hat am Donnerstag eine Beschwerde gegen diese Entscheidung abgelehnt. Doch die Rechtslage ist unklar und der Senat hält am Abriss fest.

Aus:
Der Tagesspiegel, Berlin, 21. Mai 2010, Seite xx (Berlin). [Original]

BERLIN-CHARLOTTENBURG (Tsp). Die denkmalgeschützte Deutschlandhalle bleibt und wird nicht abgerissen – davon ist zumindest das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf überzeugt: Nachdem die Untere Denkmalschutzbehörde im Bezirk den Abrissantrag der Messe Berlin schon im vergangenen Jahr abgelehnt hatte, wies Baustadtrat Klaus Dieter Gröhler (CDU) am Donnerstag [20.5.2010] auch die Beschwerde gegen diese Entscheidung zurück. „Das Widerspruchsverfahren ist abgeschlossen“, sagt er, die landeseigene Messegesellschaft könne höchstens noch beim Verwaltungsgericht klagen. Der Wunsch, ein geräumtes Grundstück für den Bau einer neuer Messe- und Kongresshalle zu erhalten, sei „rein privatwirtschaftlich begründet“ und die Rettung des Baudenkmals ein höheres Gut.

Wowereit: Abriss "dringend notwendig"

Der Senat halte dagegen am Beschluss zum Abriss der maroden Halle fest, sagte der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) im Abgeordnetenhaus. Er habe „kein Verständnis“ für Verzögerungen durch den Bezirk, der Abriss sei „dringend notwendig“. Jetzt solle die Stadtenwicklungsverwaltung die Angelegenheit prüfen. „Wir haben die schriftliche Begründung noch nicht“, sagte deren Sprecherin Petra Rohland. Sobald sie vorliege, „werden wir abwägen und eine Entscheidung treffen“. Schließlich gehöre die Obere Denkmalschutzbehörde zur Senatsverwaltung. Das Widerspruchsverfahren sei keineswegs zu Ende, „wir sehen das anders als der Bezirk“.

Streit um Kompetenzen

Es geht also nicht mehr nur um die Frage, ob die im April 2009 geschlossene Halle ein unverzichtbares Baudenkmal ist. Der Streit dreht sich nun um das Verwaltungsrecht. Gröhler betont, er habe die beim Bezirksamt angesiedelte Untere Denkmalschutzbehörde nicht angewiesen, den ursprünglichen Abrissantrag abzulehnen – die Denkmalschützer hätten „autonom entschieden“. Deshalb habe er später als Widerspruchsbehörde fungieren können. Der Senat dürfe das Verfahren nicht an sich ziehen, dies habe ihm das Rechtsamt des Bezirks bestätigt.

Messesprecher Michael Hofer wollte sich nicht zu der neuesten Entwicklung äußern, dies sei Sache des Landes Berlin. Messe-Chef Raimund Hosch hatte stets argumentiert, man brauche das Gelände der Deutschlandhalle, um dort einen Neubau zu errichten, in den während einer Sanierung des Internationalen Congress Centrums (ICC) ein Teil der Kongresse ausweichen könne. Allerdings ist auch über die Zukunft des ICC noch nicht das letzte Wort gesprochen.

Außer bei den Denkmalschutzaspekten ist die Senatswirtschaftsverwaltung im Namen des Landes Berlin für die Deutschlandhalle zuständig. Stadtrat Gröhler beklagt, „alle Versuche des Bezirksamts, einen Kompromiss zu erarbeiten“, seien von der Senatsseite abgelehnt worden. Er habe unter anderem vorgeschlagen, die Fassade des Baudenkmals in eine neue Tagungs- und Messehalle zu integrieren. Sollte sich der Bezirk durchsetzen, bliebe eine Wiedereröffnung der Halle trotzdem fraglich; die Messe hat kein Interesse mehr am Betrieb. „Es steht ihr aber frei, die Halle zu verkaufen“, sagt der Baustadtrat.



I C C - M O D E R N I S I E R U N G

ICC bald zwei Jahre dicht

Der Berliner Senat will das Internationale Congress Centrum in Westend für zwei Jahre schließen. Das Gebäude soll in dieser Zeit rundum erneuert werden – für geschätzte 220 Millionen Euro.

Aus:
Der Tagesspiegel, Berlin, 2. September 2010, 12.19 Uhr MESZ (Berlin). [Original=xxx]

BERLIN (Tsp). Das Internationale Congress Centrum (ICC) wird 2013 voraussichtlich für zwei Jahre geschlossen, um das Gebäude umzubauen und zu sanieren. Damit in dieser Zeit die besonders lukrativen Großkongresse in Berlin bleiben, erhält die landeseigene Messe GmbH ein neues Gebäude am Standort der Deutschlandhalle, die möglichst bald abgerissen werden soll. Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linke) "ist optimistisch", dass der Senat den neuen Plan im Herbst beschließt. Die Abstimmung zwischen den beteiligten Verwaltungen befinde sich "in der Schlussphase", sagte er am Donnerstag.

Ursprünglich wollte der Senat das ICC bei laufendem Betrieb über einen Zeitraum von fünf Jahren sanieren. Das sollte 182 Millionen Euro kosten. Inzwischen kamen über 40 Millionen Euro dazu, um Asbest und andere mineralische Schadstoffe zu beseitigen. Die Geschäftsführung der Messe lief dagegen Sturm, weil sie befürchtete, dass der ganzjährige Kongressbetrieb durch die Bauarbeiten stark in Mitleidenschaft gezogen wird. Senator Wolf stützte diese Position. Nach Diskussionen ließ sich auch die SPD-Fraktion weitgehend überzeugen. Bald könnte auch der Senat seinen Beschluss vom Mai 2008 revidieren und einer befristeten Schließung des ICC zustimmen.

Allerdings erhält die Messe nicht die gewünschte Multifunktionshalle, zweigeschossig und 100 Millionen Euro teuer, um die großen Kongresse aufzunehmen. Sondern ein kleineres Ersatzgebäude für den halben Preis. Zu groß ist der Argwohn nicht nur bei der SPD, dass die Messe mit einem üppigen Neubau das ICC überflüssig machen will.

Nach Darstellung Wolfs wird das Raumprogramm für den Umbau des ICC noch einmal überprüft, um die Kosten senken zu können. Die Senatsverwaltungen für Stadtentwicklung und für Finanzen erklärten am Donnerstag zwar, dass Wolfs Konzept bei ihnen noch nicht angekommen sei. Das Verfahren zur Aufhebung des Denkmalschutzes für die Deutschlandhalle ist trotzdem weit gediehen. "In sechs bis acht Wochen kann die Messegesellschaft mit dem Abriss beginnen", sagte der Sprecher der Baubehörde, Mathias Gille.



I C C

SPD befürchtet, dass die Messe das ICC sterben lassen will

Geplante Schließung zur Sanierung könnte der Anfang vom Ende sein

Aus:
B.Z., Berlin, 4. September 2010, Seite 11 (Berlin). [Original]

CHARLOTTENBURG (wed). Rot-rotes Gezerre um Berlins ICC. Wirtschaftssenator Harald Wolf (54, Linke) verkündetet die Sanierung und Schließung des futuristischen Baus für 2 Jahre (B.Z. berichtete). Doch in der SPD-Fraktion regt sich jetzt Widerstand, denn: "Die Sanierung könnte das Ende des Kongresszentrums bedeuten", warnt Stadtentwicklungsexperte Daniel Buchholz (42).

Wolfs Plan: Die Messe errichtet anstelle der Deutschlandhalle einen Ersatzbau für rund 90 Millionen Euro. Von 2013 bis 2015 soll dann die ICC-Sanierung für 220 Millionen Euro folgen.

"Aber wenn der Ersatzbau dann erst mal steht, könnten neue Wirtschaftlichkeitsberechnungen zu dem Ergebnis kommen, dass das ICC zu teuer ist", gibt Buchholz zu Bedenken. "Und dann verlieren wir das letzte Juwel im Westen Berlins. Genau das will ich verhindern!"

Beim SPD-Koalitionspartner Linke soll angeblich der Spruch die Runde machen: "Ihr habt unseren Palast der Republik plattgemacht, jetzt kann das ICC daran glauben.

"Auch die CDU will für das ICC kämpfen. Fraktionsgeschäftsführer Uwe Goetze (49): "Das ICC gehört zu Berlin." ICC-Abriss durch die Hintertür? Messesprecher Andreas Hofer (59) beteuert: "Das ICC ist das am besten gebuchte Kongresshaus weltweit und für uns unverzichtbar."



A U S   F Ü R   D E U T S C H L A N D H A L L E

Senat genehmigt Abriss der Deutschlandhalle

Das Schicksal der Deutschlandhalle ist mit dem Abschluss der denkmalschutzrechtlichen Prüfung endgültig besiegelt: Nach dem Abriss wird an derselben Stelle ein Messebau errichte.

Aus:
Der Tagesspiegel, Berlin, 5. November 2010, Seite 9 (Berlin). [Original]

BERLIN (Tsp/za). Das Schicksal der Deutschlandhalle ist endgültig besiegelt. Die landeseigene Messe GmbH teilte am Donnerstag [4.11.2010] mit, dass die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung die Abrissgenehmigung erteilt habe. Der Sprecher der Behörde, Mathias Gille, bestätigte dies. Die denkmalschutzrechtliche Prüfung sei abgeschlossen. Die Denkmalwürdigkeit des historischen Gebäudes sei ernsthaft geprüft worden, versicherte Gille. Anstelle der 1935 eröffneten Deutschlandhalle, die seit einem Jahr vollständig leer steht, baut die Messe auf eigene Kosten eine zweigeschossige Halle mit 20.000 Quadratmeter Fläche, die Ende 2013 fertig sein soll.

„Damit können unsere großen internationalen Veranstaltungen IFA, ITB und InnoTrans weiter wachsen“, sagte Messechef Raimund Hosch. Diese Weltmessen benötigten mehr Platz. Außerdem solle die neue Halle übergangsweise für Tagungen und Kongresse genutzt werden, wenn das ICC saniert werde. Für den Neubau muss jetzt ein Architektenwettbewerb ausgeschrieben werden. „Unter städtebaulichen Gesichtspunkten“ werde die Messe eng mit dem Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf und der Stadtentwicklungsverwaltung zusammenarbeiten, versicherte Hosch. Das Gebäude, das nach Darstellung der Messe rund 65 Millionen Euro kostet, wird an die bestehenden Messehallen 2 und 7 angebunden. Die Erweiterung der Ausstellungsfläche sei notwendig, um im Wettbewerb dauerhaft bestehen zu können, sagte Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linke). Für den Standort Berlin sei dies essentiell [Ed: hm, wenn das so ist, dann kann man ja auch gleich die gesamte benachbarte Eichkamp-Siedlung abreißen, um noch mehr Ausstellungsfläche für die „Messe Berlin“ bis an den Rand des Grunewalds zu gewinnen... ;–)].

Was jetzt noch fehlt, ist ein Senatsbeschluss über die Sanierung des Internationalen Congress Centrums (ICC). Senator Wolf will das ICC ab 2014 für zwei Jahre schließen, damit es modernisiert und umgebaut werden kann. Außerdem müssen Schadstoffe beseitigt werden. Von einer Sanierung bei laufendem Betrieb will der Senat aus technischen, zeitlichen und Kostengründen Abstand nehmen. Zudem befürchtete die Messe, dass lukrative Großveranstaltungen storniert werden könnten. Die neue Messehalle bietet genügend Ausweichplatz.

Eigentlich sollte das neue Konzept für die ICC-Sanierung am nächsten Dienstag [9.11.2010] im Senat beschlossen werden. Aber die Verwaltungen für Wirtschaft, Stadtentwicklung und Finanzen konnten sich bislang nicht einigen. Auch in der SPD-Fraktion gibt es Bedenken gegen den Bau der Messehalle. Ein Teil der Abgeordneten befürchtet, dass der Neubau das ICC überflüssig machen könnte. Die Deutschlandhalle war in den dreißiger Jahren die größte Multifunktionshalle der Welt. Bis jetzt stand das inzwischen marode Gebäude unter Denkmalschutz.


Deutschlandhalle gesprengt

BERLIN – 3.12.2011 (khd). Es sollte dann noch gut ein Jahr dauern, bis das letzte Stündchen für die Traditionshalle am Funkturm schlug. Heute am 3. Dezember wurde das Dach der Halle gesprengt. Nur noch die Außenwände stehen. Sie werden in den nächsten Monaten abgetragen. Bis Ostern soll das Gelände planiert sein.

Danach wird mit dem Bau der kongresstauglichen Messehalle begonnen, die nur 65 Mio. Euro kosten soll. Die Eröffnung der Halle für 9000 Gäste ist für Ende 2013 geplant. Anschließend soll dann das ICC saniert werden. Ein Abriß des ICC ist unwahrscheinlich geworden, denn Berlin wird jetzt von einer Großen Koalition (SPD + CDU) regiert.



I C C - S A N I E R U N G

Die ICC-Luxusvariante kostet 328 Millionen Euro

Die Koalitionspolitiker sind irritiert über eine interne Studie, die den schlimmsten Fall der ICC-Sanierung berechnet: 328 Millionen Euro bis 2020. Der Senat soll kurzfristig ein seriöses Konzept vorlegen.

Aus:
Der Tagesspiegel, Berlin, 24. Dezember 2011, 00.00 Uhr MEZ (Berlin). [Original]

BERLIN (Tsp). Eine neue, verwaltungsinterne Kostenschätzung für die Sanierung des Internationalen Congress Centrums (ICC) kommt zum Ergebnis, dass die Sanierung und Modernisierung des Kongressgebäudes im schlimmsten Fall 328 Millionen Euro kosten und bis 2020 dauern könnte. Noch vor einem Jahr ging der Senat offiziell von 241 Millionen Euro Gesamtkosten aus. In der Finanzplanung des Landes Berlin sind bisher nur 182 Millionen Euro vorgesehen.

2014 sollen die Bauarbeiten beginnen und das ICC drei Jahre später wiedereröffnet werden.

Das Papier mit der furchterregenden Kostenberechnung, das im Auftrag der Stadtentwicklungsbehörde für die Koalitionsverhandlungen geschrieben wurde, ist den Fachleuten von SPD und CDU allerdings nicht bekannt. Selbst die Haushaltsexperten sind überrascht. "Uns wurden während der Verhandlungen enorm viele Wunschzettel und Vermerke zugereicht", erinnerte sich der SPD-Fraktions-Geschäftsführer und haushaltspolitische Sprecher Torsten Schneider. Gesamtausgaben von 328 Millionen Euro für das ICC seien aber kein Thema gewesen. Diese Summe sei "völlig fernliegend", so Schneider. "Es wird saniert, aber gewiss nicht zu diesem Preis."

Der CDU-Wirtschaftsexperte Heiko Melzer verwies auf die "enormen Schwankungen der Sanierungskosten bei den vielen unterschiedlichen Gutachten der Vergangenheit". Um neue Irritationen zu vermeiden, müssten die Annahmen und Zahlen der neuen Studie kritisch überprüft werden. Melzer erwartet, dass der Senat kurzfristig "und auf Grundlage eines abgestimmten Planungs- und Sanierungskonzepts" die effektiven Kosten darstelle. Auch die Union hält an dem traditionellen, mehrfach preisgekrönten Kongressgebäude fest.

Der Sprecher der Stadtentwicklungsbehörde, Mathias Gille, bestätigte die interne Schätzung, die eine "maximale Kostenvariante" beschreibe: "Eine schicke Sanierung im Goldstandard und die Berücksichtigung aller theoretisch möglichen Schadstoffbelastungen." Dies werde jetzt von den Fachleuten der Verwaltung sehr genau überprüft. Anschließend müssten Senat und Abgeordnetenhaus im Rahmen der Haushaltsberatungen für 2012/13 politisch entscheiden, in welchem finanziellen Rahmen das ICC technisch erneuert, saniert und modernisiert werde.

Bisher wurden im Berliner Etat nur Planungsgelder freigegeben. 10,4 Millionen Euro bis Ende 2013. Für den Beginn der Bauarbeiten 2014 steht eine erste Rate von 20 Millionen Euro zur Verfügung. Verbindliche Bauplanungsunterlagen, die eine seriöse Kostenberechnung ermöglichen würden, gibt es bisher aber nicht, sondern nur ein Bedarfsprogramm für den maroden Koloss am Messedamm. Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos) wollte die neue Kostendiskussion nicht kommentieren.

Seit über zehn Jahren wird darüber gestritten, ob das ICC saniert oder abgerissen werden soll. 2001 wurden die Sanierungskosten noch auf 50 Millionen Euro geschätzt. Vor drei Jahren entschied sich der Senat für eine Grundsanierung und Asbestbeseitigung. Dafür wird das Kongress-Raumschiff zeitweise stillgelegt.



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