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| Der skandalträchtige Steglitzer Kreisel (1) |
I n h a l t :
Steglitzer Kreisel
In Wikipedia, der
freien Enzyklopädie.- Entstehungsgeschichte des Steglitzer Kreisels.
- 10.11.2004: Das Ende des Kreisels.
- 14.11.2004: Im Rathausturm rechnen sie schon täglich mit dem Aus.
- 14.11.2004: Soll der Steglitzer Kreisel abgerissen werden? (Pro)
- 14.11.2004: Soll der Steglitzer Kreisel abgerissen werden? (Contra)
- 27.01.2005: Dokumentation zum Bau des Kreisels geplant.
- 14.04.2005: Finanzsenator prüft Abriss des Steglitzer Kreisels.
Die Skandal-Geschichte
khd-research.net,
die freie Info-Quelle.- 03.05.2005: Die Quadratur des Kreisels.
- 26.05.2005: Der neue Kreisel: Asbest raus, Palmen rein.
- 02.06.2005: Sanierung wird zum Streitfall.
- 05.06.2005: Land sucht Käufer für den Steglitzer Kreisel.
- Weitere Dokumentationen (2. Teil).
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Das Rathaus von Steglitz der skandalumwitterte Steglitzer Kreisel. Mit 119 m Höhe ist er Berlins dritthöchstes Gebäude, in West-Berlin das Höchste. Im Vordergrund das riesige Parkhaus. (Repro: 2004 khd)
Das Ende des Kreisels
Eine Sanierung des asbestverseuchten Büroturms ist viel teurer als Abriss und Neubau, sagen Gutachter.
Aus: Berliner Zeitung, 10. November 2004, Seite xx (Berlin). [Original]STEGLITZ. "Achtung, enthält Asbest" steht in großen, schwarzen Buchstaben auf dem Schild. An jedem Stützpfeiler im Steglitzer Kreisel hängt diese Warnung. Und Stützpfeiler hat der 30 Stockwerke hohe Büroturm an der Schlossstraße viele. Allein in Yusuf Atcis Büro im 13. Stock gibt es vier. Also auch vier Schilder. Sie erinnern Atci jeden Tag daran, dass das Hochhaus, in dem ein Großteil der Mitarbeiter des Bezirksamtes von Steglitz-Zehlendorf arbeitet, eine tickende Zeitbombe ist [Ed: was man bereits seit 1986/87 wußte...].
Als Ende der 60er-Jahre mit dem Bau des Kreisels begonnen wurde, kam Krebs erzeugendes Asbest-Material zum Einsatz wie bei vielen anderen Gebäuden in dieser Zeit. Seit Anfang der 90er-Jahre mussten deshalb auch immer wieder Büros im Kreisel saniert werden. Dort war die Gefahr besonders groß, dass der Baustoff in die Luft gelangt.
Atci ist Chef des Personalrats im Bezirksamt. Er sagt Sätze wie "Wir haben Angst" oder "Uns geht die Muffe". Seit bekannt ist, dass der Kreisel hochgradig asbestbelastet ist, setzt sich Atci für eine Lösung ein. "Die kann nur lauten, dass hier alle rausgehen in andere Gebäude", sagt er. Seit fast 15 Jahren warten die Mitarbeiter auf diese Lösung. Die meisten der 768 Beamten und Angestellte würden lieber heute als morgen den Arbeitsplatz tauschen.
Vielleicht können sie ja demnächst sogar ihre Umzugskisten packen. Denn ein vom Bezirk in Auftrag gegebenes Gutachten kommt zu dem Schluss, dass Abriss und ein Neubau billiger wären als eine Sanierung des Kreisels. Genau diese Frage wollte der Bezirk beantwortet wissen. Eine Sanierung würde 84 Millionen Euro kosten, ein Neubau an gleicher Stelle nur 49,5 Millionen Euro. Allerdings ist diese Rechnung noch nicht komplett. Hinzu kämen die Kosten der Asbestsanierung und für die zwischenzeitliche Unterbringung der Mitarbeiter in Containern.
Weil der Bezirk aber weder Sanierung noch Abriss plus Neubau finanzieren kann, liegt das Schicksal des Kreisels in der Hand des Abgeordnetenhauses. Im zuständigen Stadtentwicklungsausschuss ist nach dem jetzt veröffentlichten Gutachten klar, dass nur noch ein Abriss in Frage kommt. Jürgen Radebold von der SPD sagt, dass frühestens in 14 Tagen im Ausschuss beraten werde. "Ich sage aber, dass mir beim Kreisel nichts heilig ist." Für Klaus-Peter von Lüdeke (FDP) stehen mit dem Gutachten "alle Zeichen auf Neubau". Die betroffenen Mitarbeiter könnten in das frühere US-Hauptquartier an die Clayallee in Zehlendorf umziehen.
Zwar läge bislang nur eine Kurzversion des Gutachtens vor, das zudem bis Ende des Jahres vervollständigt werden soll. "Aber die 4 Seiten sind aussagekräftig genug." Auch die Grünen haben inzwischen einen Plan für den Kreisel. Die Abgeordnete Claudia Hämmerling empfiehlt den Verkauf des unsanierten Gebäudes und die Unterbringung der Verwaltung in bezirkseigenen Gebäuden, weil ihr ein Neubau zu teuer erscheint. "Es gibt eine Vielzahl von leer stehenden Immobilien in Landeseigentum", sagt Hämmerling [Ed: und vor dem Bau des Kreisels war die Steglitzer Bezirksverwaltung ja auch über die Ortsteile Lankwitz, Lichterfelde und Steglitz verteilt in öffentlichen Gebäuden untergebracht gewesen, die alle noch vorhanden sind].
Dagegen findet Uwe Stäglin, der SPD-Baustadtrat von Steglitz-Zehlendorf, die Diskussion verfrüht. Das Gutachten sei noch nicht komplett fertig. Erst dann mache es Sinn, über Alternativstandorte zu reden und über die Zukunft des Kreisels zu entscheiden. Noch besteht keine unmittelbare Gefahr für die Mitarbeiter, sagt Robert Rath vom Landesamt für Arbeitsschutz. Auch hätten Untersuchungen ergeben, dass der zulässige Grenzwert im Gebäude nicht überschritten wird. Personalrats-Chef Atci will diese Beruhigungspille nicht schlucken. Er sagt, "wir möchten hier ganz schnell raus".
Im Rathausturm rechnen sie schon täglich mit dem Aus
Parlamentarier geben asbestbelastetem Steglitzer Bezirksamts-Hochhaus kaum noch Chancen. Die Miteigentümer sehen das anders.
Aus: Der Tagesspiegel, Berlin, 14. November 2004, Seite ?? (Berlin). [Original]BERLIN (Tsp). Wie lange wird das Kreisel- Hochhaus an der Schloßstraße noch als Rathaus für Steglitz- Zehlendorf genutzt werden können? Der CDU- Abgeordnete Karl- Georg Wellmann rechnet damit, dass der asbesthaltige Bau innerhalb der nächsten 3 Jahre täglich wegen Gesundheitsgefahren geschlossen werden könnte. Im Stadtentwicklungsausschuss plädiert eine Mehrheit für Verkauf oder auch Abriss.
Soll der Steglitzer Kreisel abgerissen werden?
Aus: Der Tagesspiegel, 14.11.2004. PRO (za). Alles spricht gegen den Steglitzer Kreisel. Selbst wenn man vergisst, dass der olle Schuhkarton in bester Lage einst ein privates Prestigeobjekt war, das der öffentlichen Hand für teures Geld aufgenötigt wurde. Ein Symbol der West-Berliner Filzwirtschaft in den späten sechziger Jahren. Aber lassen wir das ruhig beiseite. Der Kreisel ist Asbest verseucht. Nicht nur hier und da, sondern durch und durch. Zwar könnte man, wie beim Palast der Republik, den Bau bis aufs wackelige Stahlskelett entkleiden und neu aufbauen. Aber das würde mindestens 84 Millionen Euro, vielleicht auch das Doppelte kosten.Was für ein Preis für die Restaurierung eines städtebaulichen Schand- flecks, der seit mehr als dreißig Jahren Schatten auf die nette, gutbürgerliche Umgebung wirft. Von allen Seiten versperrt der Kreisel die Sicht. Er ist keine Sehenswürdigkeit. Und für die Mitarbeiter des Bezirks Steglitz, die im Hochhaus arbeiten, kann die Lebensqualität bei einem Umzug in ein anderes Dienstgebäude nur steigen. Der Kreisel ist auch innen hässlich, zudem zugig und Energie verschleudernd. Einzig brauchbar ist die gute Verkehrs- anbindung und der Blick aus dem 24. Stock auf den Süden Berlins. Aber beides rechtfertigt es nicht, das marode Gebäude zu sanieren. Für das viele Geld kann man fast zwei neue, wirklich schöne Häuser bauen.
Andererseits haben Untersuchungen ergeben, dass eine akute Gefahr für 800 Mitarbeiter und Besucher nicht besteht. Die Firma Becker & Kries, Miteigentümerin des Kreisels, hält die Forderung nach Abriss für vorschnell. Die Neugestaltung des Hauses könnte durchaus bezahlbar, auch abschnittweise erfolgen. Das jüngste Kreisel- Gutachten, das die Senatorin für Stadtentwicklung, Ingeborg Junge-Reyer (SPD), den Abgeordneten als Zwischenbericht vorlegte, wirkte alarmierend. In der Studie wird eine etagenweise Sanierung ausgeschlossen, das Haus könne nur leer stehend saniert werden. Drei Jahre dauerten voraussichtlich die Arbeiten. Das Bezirksamt müsste wo auch immer in einem Dorf aus 500 Containern unterkommen. Das Hochhaus sollte samt Fassade für rund 84 Millionen Euro bis zum Rohbauzustand ausgehöhlt werden.
Wirtschaftlicher aber, so die Gutachter, sei ein Neubau an anderer Stelle. Auch ein Abriss des Hochhauses und ein Neubau an gleicher Stelle kämen in Betracht. Bei einer Optimierung der Grundrisse könne das neue Haus etwa ein Drittel niedriger sein und rund 50 Millionen Euro kosten. Aber auch dann müsse man die Asbestsanierung und die Zwischenunterkünfte für die Mitarbeiter des Bezirks bezahlen.
Soll der Steglitzer Kreisel abgerissen werden?
Aus: Der Tagesspiegel, 14.11.2004. CONTRA (C.v.L.). Muss es immer gleich der Abriss sein? Wer die jüngste Diskussion im Stadtentwicklungsausschuss verfolgt hat, spürte, wie sich die Parlamentarier geradezu in einen Abriss-Rausch steigerten. Koste es, was es wolle. Haben wir aus der Diskussion um den Palast der Republik so wenig gelernt? Der mehr als 30 Stockwerke hohe Steglitzer Kreisel, einst unge- liebtes Spekulationsobjekt, jetzt viel geschmähte Asbestbombe, ist längst zum Wahrzeichen des Bezirks geworden. Er gehört zur Berliner Skyline, ist mit den Treptowers das höchste Bürohaus Berlins. Er ist nicht ansehnlich, aber von Asbest befreit, könnte er auch mit neuer, ansprechender Fassade ein Blickfang werden.Die Abrissfreunde, unter ihnen ohnehin etliche Hochhaus- Feinde, sollten bedenken, dass der Kreisel auf jeden Fall von Asbest befreit werden muss. Das kostet, der Abriss kostet, und der Neubau wo immer er auch stehen mag kostet erst recht. Dann entsteht vielleicht eine verödete Fläche an der Schloßstraße. Anstatt immer gleich an Abriss zu denken, wie auch beim ICC, sollte die Stadt positiv vorgehen: Aus Vorhandenem Neues entwickeln, das wäre eine Herausforderung! Ein attraktives, vor allem gesundes Kreisel- Hochhaus als bürgernahes Zentrum im Bezirk etwas Besseres kann es an dieser Stelle gar nicht geben.
Steglitz-Zehlendorf ließ schon im letzten Jahr durchblicken, dass es für eine Asbestsanierung kein Geld hat. Ungern würde man sich allerdings vom Rathaus- Standort trennen. Die Lage gilt als unschlagbar verkehrsgünstig. Als Alternativstandorte für ein neues Rathaus sind das Gelände des einstigen Oskar-Helene-Heims, des früheren Truman- Plaza und des alten US-Hauptquartiers an der Clayallee im Gespräch. Weitere mögliche Standorte: Der noch BVG- genutzte Betriebshof an der Winfriedstraße und das Gelände des alten Zehlendorfer Rathauses mit seinen Parkplätzen zwischen Teltower Damm und Martin-Buber- Straße.
Becker & Kries, die ihre unteren Geschosse längst saniert haben, glauben, dass noch nicht alle Möglichkeiten bedacht worden sind. Der heutige Kreisel-Standort sei erstklassig geeignet und von der Bevölkerung angenommen. Auch sehe man als erfahrenes Immobilienunternehmen Möglichkeiten, während der Sanierungszeit das Bezirksamt andernorts unterzubringen und nicht in einem Containerdorf. Gemeinsam mit der gerade entstehenden Schlossgalerie schräg gegenüber könnte ein architektonisch neu gestalteter Kreisel mit moderner Fassade wieder Chancen haben: als Dominante des Bezirks und Abschluss der Einkaufsmeile Schloßstraße.
Dokumentation zum Bau des Kreisels geplant
Aus: Berliner Morgenpost, 27. Januar 2005, Seite ?? (Bezirke). [Original]STEGLITZ (LP). Es ist wohl das bekannteste Gebäude im gutbürgerlichen Steglitz: das Kreisel- Hochhaus. Seine Geschichte begleiten Skandale und Pleiten, erfolglose Versteigerungen und eine seit Jahren ausstehende Komplettsanierung vom giftigen Asbest. Am 27. Februar jährt sich nun zum 25. Mal die offizielle Eröffnung des 130 Meter hohen Büroturms am Hermann-Ehlers-Platz. Das Bezirksamt möchte mit einer Dokumentation an diesen Tag erinnern. Und sucht dafür noch Maurer, Schweißer oder Elektriker, die ihre ganz persönlichen Kreisel-Erinnerungen erzählen möchten.
Zwar existiert ein Archiv, zum Jahrestag sollen aber "auch Geschichten und Schicksale jener dokumentiert werden, die das Gebäude eigenhändig errichtet haben", so Kulturamtsleiterin Sabine Weißler. Sie bittet um Anrufe unter Tel.: 63 21 23 81, nimmt zudem Fotos und Erinnerungsstücke entgegen. Alle Dokumente gehen später ins Kreisel-Archiv über "auf Wunsch anonymisiert", sagt sie.
Die Geschichte des Baus begann mit der Grundsteinlegung 1969. Fünf Jahre später ging Architektin Sigrid Kressmann- Zschach mit ihrer Bauträgerfirma in Konkurs. Im gleichen Jahr wurde der Rohbau versteigert, zwischenzeitlich gar eine Sprengung erwogen. Als das Hochhaus 1980 endlich fertig war, hatte es mit 370 Millionen Mark mehr als das Doppelte der geplanten Summe gekostet. 1989 kaufte das Land den Büroturm. Bis heute ist er Sitz des Bezirksamtes.
Das muß mit Mitgliedern des Abgeordnetenhauses und der Unternehmensgruppe Becker & Kries als Miteigentümer über die Zukunft des Kreisels entscheiden. Ob diese sich auf Sanierung bei laufendem Betrieb, Verkauf, Abriß oder Neubau einigen, ist offen.
Finanzsenator prüft Abriss des Steglitzer Kreisels
Neubau wäre billiger als 90 Millionen Euro teure Sanierung.
Aus: Berliner Zeitung, 14. April 2005, Seite xx (Berlin). [Original]STEGLITZ. Dem Steglitzer Kreisel droht der Abriss. Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) prüft jetzt den Abbruch des Gebäudes, nachdem Untersuchungen ergeben haben, dass die Sanierung und der Umbau mindestens 90 Millionen Euro kosten werden. Außerdem ergaben Prüfungen, dass das Bezirksamt Steglitz- Zehlendorf, das viele Büros im Kreisel nutzt, auf diese Flächen nicht mehr angewiesen ist. "Daraus ergibt sich die logische Folge, dass der Abriss offen geprüft werden muss", sagte Sarrazin am Mittwoch.
Der Steglitzer Kreisel ist, wie berichtet, asbestverseucht. Schon seit Jahren wird über die Zukunft des 118 Meter hohen Büroturms diskutiert. Das Bezirksamt forderte immer wieder eine Entscheidung des Senats, denn in dem Haus sind wichtige Abteilungen des Bezirksamts wie Bau- und Sozialamt untergebracht. Die 700 Büros werden derzeit von rund 760 Mitarbeitern genutzt. Sie wollten schon seit langem umziehen. Nur wohin?
Über einen neuen Standort ist bislang noch keine Entscheidung getroffen. Gemeinsam mit der landeseigenen Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM) sind Bezirk und Finanzsenator aber zu dem Ergebnis gekommen, dass die Flächen im Kreisel nicht mehr gebraucht werden. "Durch den geplanten Personalabbau benötigt das Bezirksamt weniger Büroraum", sagte der Sprecher der Senatsfinanzverwaltung, Matthias Kolbeck. Außerdem stünden genügend andere Gebäude im Bezirk zur Verfügung.
Nach den Berechnungen kostet die Sanierung 3.000 Euro pro Quadratmeter. Denn neben der Asbestbeseitigung ist es auch erforderlich, die Energieversorgung zu modernisieren und das Haus an vielen Stellen umzubauen. "Ein Neubau würde nur 1.500 bis 2.000 Euro pro Quadratmeter kosten", sagte Sarrazins Sprecher Kolbeck.
Der Steglitzer Kreisel, der in den 70er-Jahren errichtet worden war und damals erheblich teurer wurde als geplant, gehört dem Land Berlin und einem privaten Unternehmen. Mit diesem wurden jetzt schon erste Gespräche über einen Abriss geführt. Wie eine Einigung aussehen könnte, ist offen. Möglich wäre es, dass das Unternehmen eine Ausgleichszahlung oder das dann leer geräumte Grundstück erhält.
Über den Abriss müssen letztlich der Senat und das Abgeordnetenhaus entscheiden, da auch für diese Arbeiten Geld benötigt wird. Diese Finanzmittel sind im Haushaltsplan bislang nicht vorgesehen.
Die Quadratur des Kreisels
Berlin will billig abreißen, der zweite Eigentümer Millionen investieren.
Aus: Berliner Zeitung, 3. Mai 2005, Seite xx (Berlin). [Original]STEGLITZ. Abriss? Neubau? Sanierung? Seit Jahren wird darüber diskutiert, was aus Berlins umstrittenstem Bürohochhaus wird. Doch die Zukunft des Kreisels in der Schlossstraße ist weiterhin unklar. Jetzt kommt auch noch ein Streit zwischen den beiden Eigentümern des Asbest-belasteten Gebäudes hinzu. Während das Land Berlin nach einem Investor für das 30-geschossige Haus sucht, will die Immobilienfirma Becker & Kries das 118 Meter hohe Gebäude sanieren.
Becker & Kries sowie das Land Berlin sind je zur Hälfte Eigentümer des Kreisels. Der wurde 1968 gebaut mit viel Asbest in den Wänden und in der Fassade. Das Gebäude beherbergt unter anderem das Rathaus von Steglitz-Zehlendorf. Weil dem Land Berlin eine Sanierung zu teuer erscheint, soll nach Vorschlag von Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) das Wahrzeichen von Steglitz abgerissen werden. Es sei denn, es findet sich jemand, der die Anteile des Landes übernimmt. Ob es Investoren gibt, soll jetzt im Rahmen eines so genannten Interessenbekundungsverfahrens ermittelt werden. "Wir wollen wissen, ob es einen Markt für den Kreisel gibt und falls ja, was er hergibt", sagt Matthias Kolbeck, der Sprecher der Senatsfinanzverwaltung. Die Suche nach einem Interessenten dürfte jedoch wegen der Asbestgefahr kompliziert werden. Bis zum Sommer, so Kolbeck, solle das Interessenbekundungsverfahren beendet sein. Erst dann ist klar, ob das Haus eine Zukunft hat.
Der neue Kreisel: Asbest raus, Palmen rein
Immobilienfirma will Steglitzer Hochhaus sanieren: Ein runderneuerter Büroturm für 73 Millionen Euro.
Aus: Der Tagesspiegel, Berlin, 26. Mai 2005, Seite ?? (Berlin) von CHRISTIAN VAN LESSEN (C.v.L.). [Original]BERLIN (Tsp). Eine helle, aufgelockerte Fassade mit mehrstöckigen Wintergärten, ein markantes Dach, das Innere des Hochhauses von Asbest befreit: So könnte der düstere Steglitzer Kreisel schon in 3 Jahren aussehen wenn es nach der Firma Becker & Kries geht. Während Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) mit Umbau- und Sanierungskosten von 90 Millionen Euro rechnet und das Hochhaus wegen der maroden Kassenlage des Landes am liebsten abreißen lassen will, möchte die Immobilienfirma als Miteigentümerin das Rathaus erhalten. Sie will das Gebäude sanieren und umbauen für höchstens 73 Millionen Euro.
Das Konzept, das den Bezirksverordneten am kommenden Dienstag genauer erläutert werden soll, sieht neben der kompletten Asbestsanierung bei laufendem Betrieb eine neue Energiespar-Technik und eine bessere Flächennutzung vor. Sollte das Bezirksamt künftig weniger Mitarbeiter benötigen, könnten Büros an andere Interessenten vermietet werden.
Der neue Kreisel beteiligt waren an den Entwürfen unter anderem die Firma Witte- Projektmanagement und das Architekturbüro Axthelm Frinken aus Potsdam könnte in 30 Monaten fertig sein. Jeweils 3 Etagen sollen saniert und umgebaut werden, heißt es. Markantes äußeres Zeichen sollen die Wintergärten sein, die als Kurzerholungsräume konzipiert sind und dem Haus ein neues Bild geben. In den Entwürfen sind hinter Glas große Palmen zu sehen.
Becker & Kries meinen, der Finanzsenator dürfe sich nicht einseitig auf Verkauf und Abriss festlegen. Man sei in einer Eigentümergemeinschaft verbunden. Das Land könne nicht seine Probleme mit dem Kreisel- Hochhaus einseitig zu Lasten eines langjährigen Geschäftspartners und Miteigentümers lösen, sagte Geschäftsführer Peter Häger. Das Hochhaus und der Becker & Kries gehörende (asbestsanierte) Gewerbetrakt mit Bus- und U-Bahnhof bildeten eine funktionale Einheit. Die Firma will den Hochhausteil kaufen und ihn an das Land Berlin vermieten, anfangs mit Sanierungszuschlägen.
In der Senatsbehörde für Stadtentwicklung möchte man abwarten, welchen Weg der Bezirk einschlägt. Die Finanzbehörde leitet gerade ein Interessenbekundungsverfahren für Investoren ein, man arbeite mit Becker & Kries partnerschaftlich zusammen, hieß es gestern. Die Firma teilte allerdings mit, sie werde sich nicht an dem Verfahren beteiligen. Gleichzeitig werden Alternativ- Standorte für das Rathaus gesucht. Die Finanzverwaltung ist der Ansicht, dass es genügend freie Landesimmobilien gibt. Bezirksbürgermeister Herbert Weber (CDU) sagte am Mittwoch vor den Bezirksverordneten, es gebe noch keine Ergebnisse. Er rechne damit aber noch vor der Sommerpause.
Die Zeit drängt. Wegen des bröselnden Asbests droht die Sperrung. Ab Ende 2007 dürfen keine Dienstkräfte mehr im Kreisel eingesetzt werden, sagte Weber. Auf Anfrage der FDP-Fraktion sagte er weiter, man wolle den verkehrsgünstigen Kreisel auch nach der Sanierung noch nutzen.
Um die Zukunft des Steglitzer Kreisels geht es bei der öffentlichen Informationsveranstaltung im Rathaus Zehlendorf, Dienstag, 31. Mai, im Bürgersaal, Kirchstraße 1/3, 16.30 bis ca. 19.30 Uhr. Über die Skandal-Geschichte des Steglitzer Kreisels lesen Sie im Tagesspiegel am Sonntag auf der Stadtseite.
Sanierung wird zum Streitfall
Bis 2007 muss die Verwaltung aus dem asbestbelasteten Kreisel ausziehen.
Aus: Berliner Zeitung, 2. Juni 2005, Seite xx (Berlin). [Original]STEGLITZ. Bevor überhaupt entschieden ist, was mit dem asbestverseuchten Steglitzer Kreisel geschehen soll, ist jetzt eine Debatte darüber entbrannt, wie er am besten saniert werden könnte. Nach einem Gutachten im Auftrag des Bezirks hat jetzt auch der zweite Eigentümer ein Konzept zur Sanierung des 118 Meter hohen Bürogebäudes an der Schlossstraße vorgelegt. Anders als das Gutachten des Bezirks kommen Becker & Kries zu dem Schluss, dass eine Komplettsanierung bei laufendem Betrieb möglich ist. Das heißt, die Mitarbeiter des Bezirksamtes Steglitz-Zehlendorf könnten während der Bauarbeiten im Gebäude bleiben.
In der Bezirksverwaltung sieht man den Vorschlag von Becker & Kries zwiespältig. "Wenn die Mitarbeiter während der Sanierung weiter im Kreisel arbeiten, stellt das eine hohe Belastung dar", sagt Baustadtrat Uwe Stäglin (SPD). Natürlich sei es verlockend, wenn das Land die Sanierung nicht zahlen müsse. Allerdings müsste das Gebäude danach wieder angemietet werden und das werde teuer. "Es muss deshalb noch einmal ganz genau durchgerechnet werden, was sinnvoll ist", sagt Stäglin.
Indessen drängt die Zeit. "Bis Ende 2007 muss der Asbest entfernt sein oder die Verwaltung muss ausziehen", sagt Alfred Köhler von der Firma Lahmeyer Berlin, die das Gutachten für den Bezirk mit erarbeitet hat. Das ergebe sich aus der gesetzlichen Lage. Allein schon deshalb sei eine Sanierung bei laufendem Betrieb nicht machbar sie würde bis nach 2007 dauern. Auch die Tatsache, dass die Fluchtwege ebenfalls saniert werden müssten, mache die Arbeiten bei laufendem Betrieb unmöglich. Anders sehen das die Vertreter von Becker & Kries: Sie versichern, dass alle Fluchtwege im Notfall betreten werden können. "Außerdem hat eine Sanierung bei laufendem Betrieb den Vorteil, dass Besucher des Rathauses nicht immer woandershin gehen müssen", sagt Geschäftsführer Peter Häger.
Ob der Kreisel saniert wird, muss das Abgeordnetenhaus entscheiden. Finanzsenator Tilo Sarrazin (SPD) hatte sich bereits für den Abriss ausgesprochen und vorgeschlagen, die Bezirksverwaltung notfalls dezentral unterzubringen. Zunächst soll aber das Ergebnis eines Interessenbekundungsverfahrens abgewartet werden. Der Senat sucht nach Käufern für den Kreisel, obwohl es bereits Interessenten gibt: Becker & Kries. Die fühlen sich vom Land nicht ernst genommen.
Land sucht Käufer für den Steglitzer Kreisel
Aus: Berliner Morgenpost, 5. Juni 2005, Seite ?? (Bezirke). [Original]STEGLITZ (kla). Das Land Berlin will seinen Eigentumsanteil am Steglitzer Kreisels loswerden. Mit einem jetzt gestarteten Interessenbekundungsverfahren soll ein potentieller Investor gefunden werden, "der sowohl einen marktgerechten Kaufpreis bietet als auch für die anschließende Nutzung des Standortes ein schlüssiges Konzept liefert und dies inklusive Asbestsanierung umsetzt", heißt es in der Ausschreibung.
Obwohl Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) einen Abriß des asbestverseuchten Bürohochhauses noch für möglich hält, hat sie sich jetzt auch für den Verkauf ausgesprochen. Das Bezirksamt könnte nach der Sanierung durch den neuen Eigentümer als Mieter wieder einziehen. Allerdings bezweifelt Junge-Reyer, daß die Mietzahlungen günstig sind.
Immer noch geprüft wird die Variante einer dezentralen Unterbringung der Steglitz-Zehlendorfer Verwaltung. Die Berliner Immobilienmanagement GmbH sucht derzeit landeseigene Objekte im Südwesten. Bezirksbürgermeister Herbert Weber (CDU) hingegen plädiert für eine Konzentration der Verwaltung im Kreisel.
Dokus zum Steglitzer Kreisel:
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