Berlin News & Stories – Teil 2 khd
Stand:  30.1.2006   (15. Ed.)  –  File: Heimat/B/Bln/BN/Bln_News_02.html



Diese Seite ist eine Ergänzung zu den Berlin-Reports, in denen über interessante Berliner Ereignisse berichtet wird. Dazu werden hier einige ausgewählte und besonders nützliche Artikel und andere Texte gespiegelt und damit auf Dauer dokumentiert. Manches ist auch mit [Ed: ...] kommentiert. Tipp- und Übertragungsfehler gehen zu meinen Lasten.

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N Ä C H T L I C H E   K R I S E N S I T Z U N G

Berliner SPD will Große Koalition beenden

Die Berliner SPD sucht offenbar den Ausstieg aus der Großen Koalition in der Hauptstadt. "Das Vertrauen ist aufgebraucht", erklärte der SPD-Chef Peter Strieder kurz nach Mitternacht während der entscheidenden Krisensitzung.

Aus:
Spiegel Online – 6. Juni 2001, 00.43 Uhr MESZ am 7.7.2001 (nur elektronisch publiziert). [Original]

BERLIN. Die SPD will die Große Koalition in Berlin offenbar aufkündigen. Das sagte Berlins Regierender Bürgermeister Eberhard Diepgen (CDU) im Anschluss an eine nächtliche Krisensitzung in Berlin. Diepgen geht davon aus, dass die Sozialdemokraten ihren Gremien diesen Schritt am Donnerstag vorschlagen werden. SPD-Landeschef Peter Strieder erklärte bei Verlassen der Sitzung zunächst nicht, wie das weitere Vorgehen der Sozialdemokraten aussehen wird. "Die große Koalition hat sich überlebt. Es ist das alte "Weiter So" des Systems Diepgen. Das notwendige Vertrauen ist aufgebraucht", sagte Strieder. Die notwendigen Entscheidungen über die Zukunft würden am Donnerstag nun die Gremien der SPD treffen.

   Zuvor waren am Mittwochabend während des Gespräches neue Hürden aufgetaucht. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Frank Steffel teilte zwei Stunden nach Sitzungsbeginn mit, die SPD habe sich zerstritten und zu internen Beratungen zurückgezogen. Der Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen äußerte sich zu dem Zeitpunkt noch vorsichtig: "Ich wage keine Prognose über den Ausgang der Gespräche".

Verhandlungen in der SPD über ein Bündnis mit der PDS

Kurz vor der Koalitionsrunde hatte Diepgen in einer Pressekonferenz ein umfassendes Sparpaket vorgestellt. Dem habe die SPD bisher keinen einzigen eigenen Vorschlag entgegengesetzt, hatte Steffel während der Koalitionsrunde am späten Abend gesagt. Stattdessen sei es zu einer Auseinandersetzung zwischen dem SPD-Landesvorsitzenden Peter Strieder und dem Fraktionschef Klaus Wowereit gekommen.

Bei der SPD gehe es offenbar um die Frage, ob ein Bündnis mit der PDS geschmiedet werden solle. Die Haushaltskrise könne aber nicht von einem solchen Bündnis gemeistert werden, erklärte Steffel.

Streit um Diepgens Sparpaket

Diepgen hatte am Nachmittag ein Sparpaket mit 50 Positionen vorgestellt, das Minderausgaben bis zu 800 Millionen Mark im laufenden Jahr vorsieht und Privatisierungsgewinne von mindestens 1 Milliarde Mark ermöglichen soll. Dabei ist die CDU auch bereit, auf von ihr bisher favorisierte Projekte zu verzichten.

Strieder hatte sich aber am Abend verärgert gezeigt über das Vorpreschen Diepgens, weil die SPD über die bereits der Öffentlichkeit vorgestellten Sparvorschläge nicht informiert worden sei. Er sprach von "verlotterten Sitten" bei der CDU, die offenbar das Bündnis nicht fortsetzen wolle. Steffel sprach wiederum von einem Missverständnis seitens der SPD. Diepgens Paket sei rechtzeitig den Sozialdemokraten zur Kenntnis gegeben worden.



B E R L I N E R   S T A D T S C H L O S S

Bundestags-Entscheidung zum Berliner Stadtschloss steht bevor

Gemeinsamer Entschließungsantrag von SPD, CDU/CDU, FDP und Grünen.

Aus:
Spiegel Online – 22. Juni 2002, 23.51 Uhr MESZ (nur elektronisch publiziert). [Original]

      Schloß-Simulation
^   Simulation des Berliner Stadtschloßes auf der Spree- Insel. Links die Fassade des Zeughauses, das heute das Deutsche Historische Museum beheimatet. Die Frage ist nun: Wann wird es real wieder da sein?   (Foto: 2005 – mopo)
BERLIN. Die seit 11 Jahren andauernde Debatte Über einen Wiederaufbau des 1950 von der SED gesprengten Stadtschlosses in der Berliner Mitte nähert sich ihrem Ende. Die Bundestagsfraktionen von SPD, CDU/CSU, FDP und Grünen haben einen gemeinsamen Entschließungsantrag ausgearbeitet, den die zuständigen Ausschüsse vergangenen Freitag noch einmal diskutierten. Das Papier, das am 3. Juli im Plenum Gegenstand einer offenen Abstimmung ohne Fraktionszwang werden soll, sieht im Wesentlichen die historische Rekonstruktion des barocken Prachtbaus vor.

Der Rückgriff auf den "historischen Stadtgrundriss" und die "Stereometrie des ehemaligen Berliner Schlosses" ist unter den Parteien nicht mehr umstritten. Dies schließt eine komplett moderne Architektur aus, wie sie etwa der Architekt des neuen Kanzleramtes, Axel Schultes, vorschlug. Die Fassadenfrage stellt der Antrag in 2 Varianten zur Debatte: "Alternative A" empfiehlt die getreue "Wiedererrichtung der barocken Fassaden der Nord-, West- und Südseite" sowie des Schlüterhofs. Nur so, heißt es in der Vorlage, gelinge der "Brückenschlag" zu den historischen Bauten der nahen Museumsinsel und der Straße Unter den Linden. Auch lasse die Rekonstruktion des historischen Urbilds eher eine "Mobilisierung privaten Kapitals" erwarten, wie es etwa für den Wiederaufbau der Dresdner Frauenkirche gelang.

"Alternative B" erwägt einen Architektenwettbewerb, der entsprechend den Empfehlungen der Expertenkommission "Historische Mitte Berlin" die Maße des Barockbaus voraussetzt, aber in diesem Rahmen auch eine moderne Fassadengestaltung für möglich hält. Der Hamburger Kaufmann Wilhelm von Boddien, der 1993 eine spektakuläre Attrappe der historischen Fassade aus Polyesterplanen vor dem Palast der Republik installieren ließ und seitdem auch Über einen Förderverein für die Rekonstruktion kämpft, rechnet mit einer Mehrheit für die "Alternative A". Abgelehnt wird die historische Lösung unter anderem vom Berliner Kultursenator Thomas Flierl (PDS) – er hält sie nicht für "zukunftsgerichtet". [mehr]



B E R L I N E R   S T A D T S C H L O S S

Bundestag stimmt für den Wiederaufbau

Der Bundestag hat dem Streit über den Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses ein Ende gesetzt. Nach jahrelangem Hickhack entschieden die Parlamentarier, dass die barocke Fassade wieder aufgebaut werden soll.

Aus:
Spiegel Online – 4. Juli 2002, 23.09 Uhr MESZ (nur elektronisch publiziert). [Original]

BERLIN. Der Beschluss des Bundestages sieht den Wiederaufbau der barocken Fassade des Hohenzollernschlosses an 3 Seiten eines Neubaus vor. 384 von 589 Abgeordneten [65,2 %] votierten für diese Empfehlung der von Bund und Land eingesetzten internationalen Expertenkommission.

Der unterlegene Gegenvorschlag sah vor, dass über die Gestaltung eines Neubaus erst nach einem Architektenwettbewerb entschieden werden sollte. Die Parlamentarier entschieden nach gut einstündiger, teils leidenschaftlicher Debatte ohne Fraktionszwang.

"Ich kann damit leben," kommentierte Kulturstaatsminister Julian Nida-Rümelin (SPD) das Abstimmungsergebnis. Nun werde das Hohenzollernschloss von der äußeren Gestalt her wieder so errichtet, wie es früher dort gestanden habe. "Ich war dafür, den heutigen Architekten eine Chance zu geben und zu zeigen, ob es noch andere Lösungen gibt", sagte der Staatsminister. Er habe jetzt den Auftrag, mit Vertretern des Bundes und des Landes Berlin das Finanzierungs- und Nutzungskonzept für die Bebauung des Schlossplatzes zu überprüfen. Die entsprechende Arbeitsgruppe werde sich noch im Juli konstituieren.

Das Votum des Parlaments in dem 12 Jahre dauernden Streit gilt als entscheidende Weichenstellung für die künftige Bebauung des Schlossplatzes in der Hauptstadt, auf dem zurzeit lediglich der asbestverseuchte Palast der Republik steht. Die im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigte Residenz der Hohenzollern war dort 1950 auf Geheiß der DDR-Führung gesprengt worden. [mehr]



Mehr Flüge in Tempelhof

Flughafen soll trotzdem Ende 2004 geschlossen werden.

Aus:
Der Tagesspiegel, Berlin, 24. November 2003, Seite ?? (Berlin). [Original]

BERLIN (kt). Für den nächsten Sommerflugplan sind auf dem Flughafen Tempelhof 18,3 Prozent mehr Flüge als in diesem Jahr angemeldet worden – und trotzdem soll der Flughafen wie geplant Ende 2004 geschlossen werden. Während die Interessengemeinschaft City- Airport Tempelhof (ICAT) befürchtet, dass Berlin nach der Schließung des Flughafens nicht mehr in der Lage sein werde, weitere neue Flugverbindungen aufzunehmen, sieht die Flughafengesellschaft auch ohne Tempelhof keine Kapazitätsprobleme.

Mindestens drei neue Gesellschaften wollten im Sommer 2004 von Tempelhof aus starten, sagte ICAT-Vorstand Hans-Henning Romberg. Insgesamt seien für Tempelhof von den zwölf bereits vertretenen und den drei neuen Gesellschaften exakt 16.448 Starts und Landungen angemeldet worden; 18,3 Prozent mehr als in diesem Jahr. Auch in Tegel und Schönefeld seien erheblich mehr Flüge vorgemerkt worden. Bereits in den vergangenen Monaten hatte der Flugverkehr in Berlin erheblich zugenommen.

Die Flughafengesellschaft bleibt jedoch zuversichtlich, den größeren Verkehr ab 2006 auf nur noch zwei Flughäfen mit zusammen drei Start- und Landebahnen abwickeln zu können. In Schönefeld soll es ab 2006 nur noch eine Startbahn geben. Die nördliche Bahn muss, wie berichtet, geschlossen werden, weil sie von der neuen Autobahn A 113 gekreuzt wird, die derzeit gebaut wird.

Von den Bahnen kann derzeit ohnehin nur jeweils eine genutzt werden. Parallele Starts oder Landungen sind erst mit dem ausgebauten Flughafen Berlin-Brandenburg International (BBI) in Schönefeld möglich, den es nicht vor 2010 geben wird. Außerdem, so argumentiert Flughafen-Sprecherin Rosemarie Meichsner, würden stets weniger Flüge angeboten als, angemeldet worden sind.



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    © 2000-2011  –  Karl-Heinz Dittberner (khd) – Berlin   —   Last Update: 28.05.2011 11.53 Uhr