Living in a City  —  Reports aus Berlin     – Zum Report 6 khd
Stand:  27.7.2006   (35. Ed.)  –  File: Bln/Ex/Tiergarten-Tunnel.html


Diese Spezial-Seite ist eine Ergänzung zu einem Berlin-Report, in dem über interessante Berliner Ereignisse berichtet wird. Dazu werden hier einige ausgewählte und besonders nützliche Artikel und andere Texte gespiegelt und damit auf Dauer dokumentiert. Manches ist auch mit [Ed: ...] kommentiert. Tipp- und Übertragungsfehler gehen zu meinen Lasten.

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2006 — Der Tiergarten-Tunnel (1)

I n h a l t :


Die Tunneleinfahrt am Reichpietschufer
^   Die kleine Tunneleinfahrt am Reichpietschufer (Landwehrkanal). Von hier kommend wird zunächst die Daimler-City und das Sony-Center unterquert, zu denen es Versorgungs-Ausfahrten gibt. [Verlauf des Tunnels] [Erläuterungen dazu(TV-Shot: 2005 – rbb)


500 Lautsprecher auf zweieinhalb Kilometer

Tiergartentunnel ist fast fertig – Sicherheit wird groß geschrieben / Erste Verfolgungsjagd gab es schon.

Aus:
Berliner Zeitung, 22. Oktober 2004, Seite xx (Berlin) von PETER NEUMANN. [Original]

BERLIN. Im Ernstfall fehlt für das Wort "bitte" die Zeit. Wenn es in dem neuen Straßentunnel unter dem Tiergarten tatsächlich einmal brennen sollte, wird eine Stimme kurz und knapp befehlen: "Verlassen Sie Ihr Auto!" Damit die Aufforderung bei allen Fahrern ankommt, lässt die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung in den beiden Betonröhren rund 500 Lautsprecher montieren. "Außerdem haben wir mit 12 Radiosendern vereinbart, dass wir uns mit Durchsagen in ihre Programme einschalten dürfen", sagt Helmut Geyer. Er leitet das Projekt "Bundesstraße 96/Tiergartentunnel". Die Nord-Süd- Verbindung zwischen Reichpietschufer und Heidestraße soll im Herbst 2005 eröffnet werden – 5 Jahre später als geplant.

Verlauf des Tiergarten-Tunnels      
^   Der Verlauf des 2,4 km langen Straßen- tunnels unter dem Tiergarten. Es ist keine Autobahn, sondern ein Abschnitt der B 96, der vom Reichpietschufer am Landwehr- kanal bis zur Heidestraße reicht. Hier darf also maximal Tempo 50 gefahren werden.   (Grafik: 2003 – tsp)
Zwar war der Großteil der 2.540 Meter langen unterirdischen Straße schon vor 4 Jahren fertig. Es fehlte nur noch die Ausrüstung. Doch nördlich der Spree konnte ein 80 Meter langer Abschnitt nicht gebaut werden, weil die Deutsche Bahn mit dem Hauptbahnhof – Lehrter Bahnhof in Verzug geraten war. Dann übernahm dort ein neuer Projektleiter den Bau. Der für cholerische Ausfälle gefürchtete Ägypter Hany Azer machte Dampf – und in der Baugrube B zwischen Invalidenstraße und Stadtbahn entstand endlich der bisher fehlende Tunnelabschnitt. Ohne Azer hätte es wahrscheinlich noch länger gedauert.

"Im Juni wurde dort das Schott herausgebrochen. Seitdem haben wir Baufreiheit", freut sich Geyer. Zehn Meter unter der Spree riecht es nun nach frischem Asphalt: Die Fahrbahndecke wird gerade gegossen. Auch der Dieselqualm der Lastwagen, die den Beton für die "Notgehwege" liefern, füllt den Tunnel. Benziner dürfen auf Anweisung der Feuerwehr während der Bauarbeiten nicht fahren – die Sicherheitseinrichtungen sind noch nicht komplett. An den Betonwänden kleben Zettel mit Recht- und Dreiecken: Dort sollen die 160 Videokameras hin, die ihre Bilder in die rund um die Uhr betriebene Tunnelleitstelle in Tegel senden werden.

41 Notrufmelder werden montiert, die 6 Notausstiege sind fertig – mehr als gefordert. Dabei sind die neuen Richtlinien für die Sicherheit schon streng genug. Anlass war das Feuer 1999 unter dem Montblanc, bei dem 39 Menschen starben. Geyer: "Dies wird der fünftlängste Straßentunnel in Deutschland sein. Sicherheit hat Priorität."

Im vergangenen Jahr hat es bereits eine Verfolgungsjagd in dem Tunnel gegeben. Autos rasten an kyrillisch beschrifteten Hinweisschildern entlang – die Szenen sind jetzt im Kinofilm "Die Bourne Verschwörung" zu sehen. 2005 wird Rauch, der aus Wannen mit brennender Flüssigkeit aufsteigt, den Tunnel füllen. "Mit solchen Tests erproben wir mindestens 3 Monate lang alle Sicherheitseinrichtungen", sagt Norbert Kleyboldt vom Ingenieurbüro Vössing. In knapp einem Jahr soll der Verkehr dann endlich rollen – 50.000 Kraftfahrzeuge pro Tag.


Einspruch verzögerte Tunnel-Bau

Vier Monate Zeitverlust bei Arbeiten im Tiergarten.

Aus:
Der Tagesspiegel, Berlin, 23. Dezember 2004, Seite ?? (Berlin). [Original]

BERLIN (kt). Die Verzögerungen beim Ausbau der Tunnelröhren für die Bundesstraße B 96 unter dem Tiergarten sind unter anderem durch einen Einspruch verursacht worden. Ein Konkurrent, der im Ausschreibungsverfahren für die technische Ausstattung des Tunnels unterlegen war, hatte bei der Vergabekammer ein Nachprüfverfahren veranlasst und verloren, das 4 Monate Zeit gekostet hat. Statt zu Beginn des Jahres konnten die Aufträge nach Angaben der Stadtentwicklungsverwaltung deshalb erst im Juni erteilt werden. Der Tunnel, dessen Rohbau seit mehreren Jahren bis auf knapp 100 Meter fertig ist, soll Anfang September 2005 eröffnet werden – 10 Jahre nach Baubeginn.

Gebummelt hatte die Bahn, die beim Bau des Hauptbahnhofs in Verzug geraten war. Der Straßentunnel in diesem Bereich konnte aber nur gemeinsam mit dem Bahnhof gebaut werden – unter Regie der Bahn. Erst Anfang dieses Jahres übergab die Bahn deshalb den ersten der beiden noch fehlenden Abschnitte, im Juni folgte der zweite. Kritiker hatten dem Senat, der den 2,5 Kilometer langen Straßentunnel mit 2 Röhren nun komplett ausbaut, vorgeworfen, er brauche dafür zu viel Zeit. Der 7,9 Kilometer lange Autobahntunnel unter dem Rennsteig in Thüringen war in weniger als einem Jahr ausgebaut worden. Die Bahn hatte in ihren 4 Röhren neben dem Straßentunnel, die jeweils 3,3 Kilometer lang sind, die Gleise in einem komplizierten Verfahren innerhalb von eineinhalb Jahren gelegt.

Die Fahrbahnarbeiten hätten im fertigen Teil des Tiergartentunnels auch bereits 2003 begonnen, heißt es bei der Stadtentwicklungsverwaltung. Viele Arbeiten seien aber erst möglich gewesen, nachdem der Rohbau komplett erstellt war. So könne man viele Kabel nur am Stück anbringen. 650 Kilometer müssen insgesamt gelegt werden.

Bis Ende April sollen jetzt auch die Anlagen für die Beleuchtung und Belüftung sowie die Betriebs- und Verkehrstechnik komplett angebracht sein. Und dann beginnt ein mehrmonatiger Probebetrieb. Unter anderem wird auch ein Feuer entfacht, um die Wirkung des Rauches festzustellen. Sicherheit gehe vor Schnelligkeit, sagt Projektleiter Helmut Geyer.



Erläuterungen:
  Entlastungsstraße Diese unmittelbar nach dem Mauerbau 1961 aus dem Tiergartenboden gestampfte Straße (Freigabe war am 8.1.1962) wird mit der Eröffnung des Tiergarten- Tunnels gesperrt. Nach der Fußball-WM 2006 wird sie wieder zurück in grünen Tiergarten verwandelt.
Heidestraße Die Ein- und Ausfahrten sind hier nur spartanisch einspurig ausgefallen, obwohl der ganze Tunnel um die 400 Mio. Euro gekostet hat. Vermutlich wird der Tunnel später einmal nach Norden bis zur Autobahn verlängert.
Invalidenstraße Die Ein- und Ausfahrten bedienen gleichzeitig den Lehrter Bahnhof (Berlin Hauptbahnhof). Im Tunnel gibt es außerdem eine direkte Zufahrt zum Parkhaus des Hauptbahnhofs.
Lennéstraße Anschluß des Potsdamer Platz mit Daimler-City und Sony-Center.
Reichpietschufer Es gab viel Streit darüber, ob der Tunnel hier oder viel weiter südlich (Gleisdreieck) enden soll. Und eigentlich hat nur Berlins chronische Geldnot einen Weiterbau verhindert. Sonst hätte sich Berlins Auto- und Bau- Lobby doch noch mit dem Bau der „Westtangente“ durchgesetzt.
Straße des 17. Juni Der Bau von Ein- und Ausfahrten wurde hier bewußt vermieden, da der Tunnel zur Unterfahrung des Berliner Zentrums gedacht ist.
Tiergartenstraße Anschluß des Kultur-Forums mit Philharmonie und Neuer Nationalgalerie.



Tiergartentunnel ohne Ausfahrt

Die unterirdische Straße wird im September eröffnet – mit 5 Jahren Verspätung / Wichtigste Anschlussstelle ist dann noch nicht fertig.

Aus:
Berliner Zeitung, 27. Juni 2005, Seite xx (Berlin) von PETER NEUMANN. [Original]

BERLIN. In zweieinhalb Monaten ist es so weit: Am 7. September soll der längste Stadtstraßentunnel Berlins dem Verkehr übergeben werden. Doch die neue Nord-Süd- Verbindung, die von der Heidestraße zum Landwehrkanal führt, hat ein entscheidendes Manko. Die wichtigste Zufahrt im Verlauf des Tiergartentunnels, die Anschlussstelle Invalidenstraße, steht zu Beginn noch nicht zur Verfügung. Wegen Bauverzögerungen kann sie erst Ende des Jahres in Betrieb gehen, sagte Petra Rohland, Sprecherin von Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD). Der Allgemeine Deutschen Automobil-Club (ADAC) befürchtet Staus, wenn Autofahrer von der Invalidenstraße aus einen Umweg fahren müssen.

Baubeginn vor 10 Jahren

Viele Autofahrer haben schon vergessen, dass unter dem Parlaments- und Regierungsviertel eine 2.450 Meter lange Unterführung entstanden ist. Zu lange liegt der Baubeginn vor 10 Jahren zurück, zu häufig wurden die Eröffnungstermine verschoben. Wenn der "Tunnel Tiergarten Spreebogen" (TTS) im September nun in Betrieb geht, hat sich die Verspätung auf 5 Jahre summiert. Zwar waren die Röhren schon 2000 zum größten Teil im Rohbau fertig – doch dort, wo sie die Baustelle des Hauptbahnhofs kreuzen sollten, klaffte eine Lücke. Damals war die Deutsche Bahn mit ihrem Projekt in Verzug geraten. Inzwischen hat sie den Rückstand aufgeholt. Doch beim Bau der Anschlussstelle Invalidenstraße, die sich in dem Bereich befindet, ist die Verzögerung bis heute spürbar – darum wird die Auf- und Abfahrt später eröffnet [Ed: nee, der gesamte Tunnel wurde erst gut 1/2 Jahr später freigegeben].

Damit fehlt die Verknüpfung mit einer stark frequentierten Innenstadtumfahrung. Doch die Senatsplaner versuchen, die Folgen zu mildern: Um den Umweg über die Heidestraße zu beschleunigen, könnte es erstmal zusätzliche Linksabbiegespuren geben.

Doch das wird nichts daran ändern können, dass die neue Nord-Süd- Verbindung eine Fehlplanung ist, sagt das ADAC-Vorstandsmitglied Eberhard Waldau. Das 390-Millionen-Euro-Projekt, das eigentlich zur Entlastung der Innenstadt beitragen sollte, könnte sich schon bald als sinnlos erweisen", befürchtet er. Weil leistungsfähige Anschlussstrecken fehlen, erwartet der ADAC im Tunnel Rückstau. So treffe die neue Trasse im Süden auf die bereits heute überlasteten Straßen entlang des Landwehrkanals – eine Weiterführung zum Stadtring A 100 in Schöneberg wurde vom Senat abgelehnt. Die bis zu 7 Prozent steilen Rampen an den Tunnelausfahrten würden das Problem verschärfen. "Wenn da ein Lastwagen stehen bleibt, geht gar nichts mehr", befürchtet Jörg Becker vom ADAC.

Furcht vor dem Tunnel?

Damit nicht genug: Staus wird es auch auf den angrenzenden Straßen geben. Ein Computerprogramm stellt bei zähflüssigem Verkehr im Tunnel die Ampeln an den Zufahrten auf rot. "Dann werden sich die Autofahrer andere Wege suchen müssen – was dem Ziel der Verkehrsbündelung nicht entspricht", kritisiert Waldau.

"Der ADAC überschätzt die Probleme", sagt Friedemann Kunst, Grundsatzplaner in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. "Es ist erstaunlich, wie groß die Furcht vor diesem Tunnel ist – als würde er wie ein Staubsauger den gesamten Verkehr aus dem Umkreis anziehen." Zwar werden Autofahrer, die heute andere Nord-Süd- Verbindung wie zum Beispiel die Friedrichstraße nutzen, dorthin ausweichen – so sei es ja schließlich auch geplant. Doch gerade weil direkte Anbindungen an die Stadtautobahn fehlen, werde sich der Zustrom in Grenzen halten. Die neue Verbindung sei so ausgelegt, dass sie als "regionale Umfahrung der Innenstadt" dient, so Kunst. Der Senat rechnet mit 50.000 Kraftfahrzeugen in beiden Richtungen täglich.

Einen Effekt, wie es ihn 2002 bei der Eröffnung der vierten Elbtunnelröhre gegeben hat, könnte auch im Tiergartentunnel auftreten. In Hamburg fuhren viele aus Neugier durch den Tunnel – und verursachten Staus.



Tunnelöffnung droht sich zu verzögern

Senat hat Probleme mit der Sicherheitstechnik.

Aus:
Berliner Zeitung, 2. September 2005, Seite xx (Berlin). [Original]

BERLIN. Die Freigabe des Tiergartentunnels droht sich erneut zu verzögern. Noch ist unklar, ob die neue Nord-Süd- Verbindung im Stadtzentrum tatsächlich im November eröffnet werden kann. Das erfuhr die Berliner Zeitung aus Planerkreisen.

Eigentlich sollte die 2,4 Kilometer lange Strecke, die von der Heidestraße zum Reichpietschufer führt, am 7. September freigegeben werden. Doch das Herzstück der Sicherheits- und Verkehrstechnik, der "Dirigent", wurde nicht fristgerecht installiert. Deshalb strich die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung im Juli den ursprünglichen Termin. Im August wurde das Steuerungssystem schließlich geliefert – damit wurde für den Senat eine Eröffnung im November wahrscheinlich. "Der Dirigent ist da", bestätigte ein Planer nun. "Aber er funktioniert nicht" – zumindest nicht so, wie dies erforderlich ist. Erst nach einem dreimonatigen Testbetrieb ohne Zwischenfälle darf der Tunnel im Verlauf der B 96 eröffnet werden.

Die Technik soll bei Stau oder Unfällen im Tunnel dafür sorgen, dass der Verkehr auf den Zufahrten dosiert wird – bis hin zur Sperrung. Außer Ampeln steuert der "Dirigent" auch Verkehrszeichen und Wegweiser. Er ist also für einen sicheren Tunnelbetrieb erforderlich – umso mehr, weil die 2.392 Meter lange Doppelröhre ihre Tücken hat.

Er hat sehr schmale Abschnitte. An den Ausfahrten sind Steigungen von 6 bis 7 Prozent zu bewältigen – wer da nicht das Anfahren am Berg perfekt beherrscht, kann Probleme bekommen. Zudem hängen nicht nur die Ladehöfe von DaimlerChrysler und des Sony Centers an dem Tunnel – auch die Tiefgarage des Hauptbahnhofs ist ausschließlich unterirdisch erreichbar.



Berlins längste Baustelle

Der Tiergartentunnel misst 2,4 Kilometer und wird seit 10 Jahren nicht fertig / CDU und ADAC halten das für eine Riesenpleite.

Aus:
Berliner Zeitung, 8. September 2005, Seite xx (Berlin) von PETER NEUMANN. [Original]

BERLIN. Die Fahrbahnen sind fertig, die 500 Lautsprecher und die 160 Kameras längst installiert. Eigentlich könnte der Straßentunnel unter dem Tiergarten endlich für den Verkehr freigegeben werden. Doch inzwischen ist völlig unklar, wann die Nord-Süd-Verbindung eröffnet werden kann. "Ich nenne keinen Termin mehr", sagte Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) gestern verärgert. Die Software, die in dem 2.392 Meter langen Tunnel die Sicherungstechnik steuert, arbeitet noch nicht zufrieden stellend.

"Eine Riesenpleite für den Senat", kritisierte Alexander Kaczmarek (CDU). "Anstatt Hauptstraßen zu Tempo-30-Zonen zu erklären, hätte er sich mehr um dieses Projekt kümmern sollen", sagte Jörg Becker vom Allgemeinen Deutschen Automobil-Club (ADAC). Der Senat müsse alles dafür tun, dass der Tunnel zur Fußball-Weltmeisterschaft fertig ist.

Anfangs sollte die Doppelröhre, die offiziell "Tunnel Tiergarten Spreebogen" (TTS) heißt, gestern eröffnet werden. Dann war von November die Rede. Vergangene Woche wurde dann wie berichtet bekannt, dass sich auch dieser Termin nicht halten lässt. Nun ist inoffiziell davon die Rede, dass der Tiergartentunnel wohl erst 2006 für den Verkehr freigegeben werden kann. Damit ist der Bau dieser Verbindung nicht nur eines der teuersten, sondern auch eines der langwierigsten Verkehrsprojekte in Berlin: Bisherige Angaben gehen von 390 Millionen Euro aus, 1995 hatte der Bau begonnen.

"Ich bin sauer", gab Senatorin Junge-Reyer gestern zu Protokoll. Nicht nur, dass die Steuerungseinheit für die Sicherungstechnik zu spät geliefert worden sei: Der so genannte Dirigent arbeite auch nicht korrekt. Nach Auffassung der Verwaltung krankt er an einen "grundlegenden Systemfehler". Eigentlich müsse er in der Lage sein, wichtige und weniger wichtige Störfällen zu unterscheiden. Stattdessen arbeite es bislang stur alle Ereignisse nacheinander ab.

Westtangente: Die nie gebaute Autobahn
Aus: Der Tagesspiegel, 18.3.2006 (kt).
Schon zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts gab es Pläne, eine Straßenverbindung vom Landwehrkanal bis zum Spreebogen, wo heute der Hauptbahnhof steht, zu bauen. Im Westteil der Stadt wurde dort eine Nord-Süd- Straße nach dem Mauerbau erforderlich, denn die Durchgangsstraßen im Osten waren nicht mehr erreichbar. Innerhalb von 6 Wochen entstand so die Entlastungsstraße – mitten durch den Tiergarten.

Der Senat plante trotz der Trennung weiter für die gesamte Stadt und entwickelte ein Konzept, bei dem das im Ostteil liegende Zentrum von Autobahn-„Tangenten“ umgeben werden sollte. Der erste Abschnitt der „Westtangente“ von der Birkbuschstraße in Steglitz bis zum Sachsendamm in Schöneberg wurde 1968 eröffnet.

Gegen den geplanten Weiterbau vom Schöneberger Kreuz Richtung Norden, der in Schöneberg oberirdisch zum größten Teil entlang der Wannseebahn verlaufen sollte, gab es heftigen Widerstand. Er führte zur Gründung der Bürgerinitiative Westtangente, die Erfolg hatte: Autobahn- Baupläne, die 3 Fahrspuren je Richtung vorsahen, wurden zwar mehrfach modifiziert, aber nie verwirklicht. Nur das Schöneberger Kreuz entstand. Anfang der 90er-Jahre gab der Senat den Plan „Westtangente“ schließlich auf.

Den Tiergarten sollte die „Westtangente“ in einem Tunnel unterqueren, der kürzer gewesen wäre als der jetzt gebaute. Im Norden sollte die Trasse in Wedding den Stadtring kreuzen, der von der Seestraße Richtung Osten verlängert werden und dann weiter durch Tegel zum Berliner Ring führen sollte. Dieser Abschnitt wurde später als A 111 gebaut.

"Sicherheit geht vor", bekräftigte die Politikerin. Erst wenn die Technik bei einem dreimonatigen Testbetrieb ihre Funktionstüchtigkeit bewiesen hat, werde der Tunnel freigegeben. "Vorher können wir auf keinen Fall eine Eröffnung zulassen", sagte Junge-Reyer. Der "Dirigent" ist dafür verantwortlich, dass an den Zufahrten die Ampeln auf Rot springen, wenn sich im Tunnel der Verkehr staut oder ein Unglück geschieht. "Dieses Projekt droht sich zu einer unendlichen Geschichte zu entwickeln", sagte CDU-Politiker Kaczmarek. "Es wurde offenbar nicht richtig begleitet", so Jörg Becker vom ADAC: "Oberstes Ziel muss es sein, dass der Tunnel spätestens zur Fußball-WM funktioniert." Er werde benötigt, wenn an der Oberfläche Straßen für Politiker und andere "Very Important Persons" gesperrt werden.

Leitzentrale modernisiert

"Wir sind erst in der zweiten Jahreshälfte 2004 vom Senat beauftragt worden", sagte Christoph Bernhard, Geschäftsführer der Herstellerfirma Weiss Electronic in Trier. Bei dem "Dirigenten" handele es sich um ein hochkomplexes System, das rund 3.900 Situationen bewältigen muss. "Das ist keine Technik von der Stange – sondern ein Prototyp, wie es ihn in ähnlicher Form nur im Gotthardtunnel gebe. Außerdem gebe es keine Software, die sofort ohne Fehler funktioniert. Nach und nach würden die Probleme nun behoben. Bernhard hält eine Tunneleröffnung 2005 für möglich.

Ein wichtiger Teil des Tunnelsicherheitskonzepts ist dagegen fertig. Gestern stellten Junge-Reyer und Iris Gleicke, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesverkehrsministerium, die neue Tunnelleitzentrale vor. Die Anlage an der Scharnweberstraße in Reinickendorf ist für 2,15 Millionen Euro modernisiert worden. Auf 26 Bildschirmen haben die Mitarbeiter künftig sieben der wichtigsten Berliner Straßentunnel im Blick – auch den unter dem Tiergarten.

"Die Leitzentrale ist rund um die Uhr besetzt", sagte Torsten Hempel, Vize-Chef des Tunnelmanagements Berlin. Zur Feuerwehr führt eine Standleitung. 2004 gab es aber lediglich ein Feuer in einem Berliner Straßentunnel – in Tegel brannte ein Auto.



Tunnel wird erst Anfang 2006 geöffnet

Softwareprobleme sind der Grund für die Verzögerung / Senat prüft Regreßforderung gegen Firma.

Aus:
Berliner Morgenpost, 9. Oktober 2005, Seite xx (Berlin) von ANDREA PUPPE. [Original]

BERLIN (BM). Noch immer verhält sich verkehrswidrig, wer am Reichpietschufer, Höhe Potsdamer Platz, die zweispurige Abbiegemöglichkeit nach rechts in den Tiergartentunnel benutzt. Denn der Tunnel Tiergarten Spreebogen (TTS) wurde nicht, wie ursprünglich geplant, Anfang September nach 10jähriger Bauzeit dem Verkehr übergeben.

Grund sind massive Softwareprobleme, die ein Sicherheitsrisiko darstellen. "Der sogenannte Dirigent arbeitet Vorfälle nacheinander ab und setzt keine Prioritäten", erläutert Manuela Damianakis, Sprecherin der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Wenn beispielsweise ein Lkw Ladung verliert und an anderer Stelle kurz danach ein Feuer ausbrechen würde, zeige das System beide Ereignisse nur nacheinander an – wertvolle Minuten für die Brandbekämpfung gingen verloren. "Das gesamte System muß neu programmiert werden. Wir hoffen, daß es Anfang November einsatzbereit ist", sagt die Sprecherin. Nach eingehender Prüfung und einer mindestens sechswöchigen Probephase, könnte der Tunnel dann endlich in Betrieb genommen werden. "Das wird nicht vor Anfang nächsten Jahres sein", so Manuela Damianakis. Parallel prüfe die Verwaltung Regreßforderungen gegenüber der Firma.

Zehn Meter unter der Erde ist es kühl. Der 2450 Meter lange Tunnel liegt verlassen und mit Zäunen gesichert brach. Ein Techniker werkelt an einem Schaltkasten. In der Decke des 390-Millionen-Euro- Bauwerks sind die in Vierer-Gruppen angeordneten Strahlventilatoren stumm. "Im Betrieb schieben sie die Abluft in Richtung Norden", erläutert Projektleiter Helmut Geyer von der Senatsverwaltung. Unterhalb des Hauptbahnhofes wird die Luft angesaugt und über den Abluftkamin der Deutschen Bahn nach draußen befördert.

"Alle 140 Meter gibt es Fluchttüren, einen Notruf und Feuerlöscher", sagt Geyer. Die feuerfesten Fluchttüren führen in die benachbarte Tunnelröhre oder über Gittertreppen nach oben. Die 41 Notrufsprechanlagen sind mit der Tunnelleitzentrale am Flughafen Tegel verbunden, wo auch die Bilder der 150 Videokameras ausgewertet werden. "Es handelt sich um "intelligente' Kameras, die sofort Bilder von untypischen Ereignissen, etwa wenn ein Geisterfahrer unterwegs ist, mit Vorrang auf die Bildschirme sendet", erklärt Geyer.

Die Mitarbeiter der Leitzentrale können – etwa bei Feuer – über 500 im Tunnel verteilte Lautsprecher die Autofahrer im Tunnel auffordern, ihr Auto zu verlassen und sich über die Fluchtwege in Sicherheit zu bringen. In der Decke in 4,85 Meter Höhe sind Flachsignalgeber eingelassen, die mit grünem Pfeil oder rotem Kreuz das Befahren einzelner Spuren freigeben. Kombiniert sind diese mit Radardetektoren, die jedes vorbei fahrende Auto registrieren. "In der Zentrale errechnet der Computer, wenn die Frequenz der Kraftfahrzeuge zu hoch wird und kann dann die Zufahrt beschränken", sagt Geyer. Im Ernstfall kann jede einzelne Zufahrt auch Computer gesteuert mit Schranken geschlossen werden.



Tiergartentunnel frühestens im Februar offen

Land fordert Schadenersatz von Software-Lieferant.

Aus:
Berliner Zeitung, 13. Dezember 2005, Seite ?? (Berlin). [Original]

BERLIN (pn). Die Eröffnung des Straßentunnels unter dem Tiergarten verzögert sich weiter. "Im Januar 2006 wird das nichts mehr", sagte gestern Manuela Damianakis, die Sprecherin der Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD). Noch immer wird das Computerprogramm, das die Sicherheitstechnik in der 2,4 Kilometer langen Betonröhre steuert, getestet. "Da gab es bis Anfang der Woche einiges zu beanstanden", berichtete Damianakis. "Inzwischen läuft es besser."

Tiergartentunnel wird am 26. März eröffnet
Aus: Berliner Zeitung, 25.2.2006 (pn).
Der Straßentunnel unter dem Tiergarten wird am 26. März für den Verkehr freigegeben. Das hat Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) am Freitag entschieden. Die Doppelröhre zwischen Landwehrkanal und Heidestraße, die rund 390 Millionen Euro gekostet hat, darf mit Tempo 50 befahren werden. Zuvor wird sie am 19. März als "Fußgängertunnel" zur Besichtigung freigegeben.
Doch solange die jetzige Testphase nicht erfolgreich beendet worden sei, dürfe der anschließend vorgesehene Probebetrieb nicht beginnen. "Wir hoffen, dass dafür im Dezember der Startschuss fällt", hieß es. Während der Probephase muss die Technik 6 Wochen lang einwandfrei funktionieren, bevor der Tiergartentunnel dem Verkehr übergeben werden kann. Damit ist absehbar, dass er frühestens im Februar öffnet – vorausgesetzt, es gibt keine weiteren Probleme.

Ursprünglich sollte das Bauwerk am 7. September freigegeben werden. Doch weil die zuständige Firma die Sicherheits-Software nicht fristgemäß zum 27. Juli installierte, sagte Junge-Reyer die Feier ab. Im August war der "Dirigent", wie die Technik heißt, zwar da – doch er arbeitete anfangs nicht zufrieden stellend. Weil weitere Experten eingeschaltet werden mussten, entstanden dem Land Zusatzkosten.

"Wir haben bereits Regress angemeldet", so Damianakis. Auf welchen Betrag sich die Schadenersatzforderung summiert, stünde aber erst nach der Eröffnung fest.



Tunnel mit Tücken

Die Fahrt durch die neue Tiergarten-Röhre fordert viel Aufmerksamkeit / Senatorin bittet um Vorsicht / Die unterirdische Straße ist nichts für ängstliche Autofahrer

Aus:
Berliner Zeitung, 14. März 2006, Seite xx (Berlin) von PETER NEUMANN. [Original]

BERLIN. Manchmal dauert es eben etwas länger. Am 26. März gibt Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) den Straßentunnel unter dem Tiergarten für den Verkehr frei – fast 11 Jahre nach dem Beginn der Rohbauarbeiten. Doch die Autofahrer sollten sich vor zu viel Euphorie hüten. Denn die unterirdische Nord-Süd-Verbindung, die vom Landwehrkanal zur Heidestraße führt, fordert von ihnen viel Aufmerksamkeit und Konzentration. "Wir appellieren an die Autofahrer, den Tunnel vorsichtig und mit dem gebotenen Respekt zu befahren", bat Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) gestern. In der Betonröhre, mit rund 2,4 Kilometern der längste Stadtstraßentunnel Deutschlands, warte ein "ungewohntes Fahrgefühl" auf sie.

Ingenieure, die dieses Bauvorhaben begleitet haben, können der Senatorin da nur zustimmen. Der Tunnel Tiergarten Spreebogen hat seine Besonderheiten – und Tücken. Ein Beispiel: "Er ist ziemlich eng." Lediglich auf dem anderthalb Kilometer langen Mittelabschnitt, der vom Kemperplatz am Sony Center zur Invalidenstraße führt, stehen in jede Richtung 2 Fahrstreifen zur Verfügung – die aber relativ schmal sind. Dagegen ist im Nord- und Südteil normalerweise jeweils nur eine Fahrspur freigegeben. Der daneben verlaufende Nothaltestreifen darf nur dann befahren werden, wenn dies ausdrücklich erlaubt wird – etwa wenn schnell viele Fahrzeuge herausgeleitet werden müssen.

Der Hightech-Tunnel: Zahlen und Fakten
Aus: Berliner Morgenpost, 20.3.2006 (apu/kö).
Mehr als 10 Jahre hat die Fertigstellung des neuen, 2450 Meter langen und 390 Millionen Euro teuren Tiergartentunnels gedauert. Noch anläßlich des ersten Spatenstichs am 1. Oktober 1995 hatten der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl und der frühere Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen (beide CDU) die Inbetriebnahme des Bauwerks für das Jahr 2000 angekündigt. Mehrere Wassereinbrüche wie etwa der am 19. März 1997, als in 15 Meter Tiefe Grundwasser in die Baugrube schoß, führten dann zu einer erheblichen Verzögerung der Bauarbeiten. Im Herbst vergangenen Jahres hatten massive Softwareprobleme zu Sicherheitsrisiken geführt und die Inbetriebnahme der Röhre unter dem Tiergarten zusätzlich hinausgeschoben.

Der Tunnel hat 1085 Leuchten, 248 Fluchtwegeleuchten, 248 Brandnotleuchten, 64 Radardetektoren, 500 Lautsprecher, 150 Videokameras, 41 Notrufmelder, 19 Fluchttüren und 5 Notausstiege.

Alle 140 Meter gibt es Fluchttüren, einen Notrufmelder und Feuerlöscher. Die feuerfesten Fluchttüren führen in die benachbarte Tunnelröhre oder über Gittertreppen nach oben.

Die 41 Notrufsprechanlagen sind mit der Tunnelleitzentrale am Flughafen Tegel verbunden, wo auch die Bilder der 150 Videokameras ausgewertet werden. Es handelt sich um ,intelligente' Kameras, die Bilder untypischer Ereignisse, etwa wenn ein Geisterfahrer unterwegs ist, sofort auf die Monitore senden.

In der Decke des Tunnels sind in 4,85 Meter Höhe Flachsignalgeber eingelassen, die mit grünem Pfeil oder rotem Kreuz das Befahren einzelner Spuren regeln.

Ungewöhnlich ist auch die große Zahl von Ein- und Ausfahrten. "Schwierig" nennt Frieder Bühring, Tiefbau-Chef des Senats, diese Situation. An 5 Stellen fädeln sich Autos ein oder aus. In dem 4,85 Meter hohen, weiß gestrichenen Tunnel passieren die Fahrer nicht nur die Anschlussstellen Kemperplatz und Invalidenstraße. Sie kommen auch an den unterirdischen Ladehöfen vorbei, in denen Waren für das Sony Center und die Potsdamer Platz Arkaden eintreffen. Beide sind nur vom Tunnel aus erreichbar und tragen dazu bei, dass die Zahl der Lastwagen hoch sein wird. Der Senat rechnet damit, dass täglich 5.000 Lkw durch den Tunnel rollen – insgesamt werden 50.000 Fahrzeuge pro Tag erwartet. Es gibt sogar noch eine dritte unterirdische Ausfahrt: In Richtung Norden tut sich nach der Spreeunterquerung eine nur 2 Meter hohe Öffnung in der Wand auf, die in eine Rampe übergeht – die Einfahrt zum Parkhaus des Hauptbahnhofs. Auch diese Situation dürfte Autofahrern den Schweiß auf die Stirn treiben.

Eine weitere Besonderheit: Die Tunnelausfahrt, die auf das Reichpietschufer führt, hat eine Steigung von 6 bis 7 Prozent. "Das ist in Berlin nicht so üblich", sagte Jens Karstedt, Präsident der Baukammer. "Wer keine Automatik hat, sollte mal wieder mit der Handbremse Anfahren am Berg üben." "Dies ist keine Autobahn, sondern eine unterirdische Stadtstraße", so die Senatorin. Es gilt Tempo 50, bei Gefahr Tempo 30. Im Norden und Süden genüge eine Spur pro Richtung. Hochmoderne Technik sorge für Sicherheit. 112 Kameras übertragen Bilder aus allen Bereichen in die Tegeler Leitzentrale, ein empfindliches Kabel meldet Feuer, Detektoren zählen alle Fahrzeuge, 17 Hörfunksender und alle Mobilfunknetze lassen sich empfangen. Bei Stau oder Gefahr springen die Ampeln an den Zufahrten auf Rot.

Junge-Reyer: "Das Wichtigste ist, dass wir mit dem Tunnel unser verkehrspolitisches Konzept vollenden können" – die Entlastung der Innenstadt. Allerdings wird nur die Entlastungsstraße gesperrt – nach der WM. Die provisorische Umfahrung des Bundeskanzleramts bleibt dagegen. Der Bundestag hatte sich dafür eingesetzt. Der Baukammer-Präsident kritisierte, dass die Tunnelstraße nicht nach Süden zum Autobahnkreuz Schöneberg verlängert wird. "Eine vertane Chance", so Karstedt. Ohne diese Fortführung sei der Tunnel "kein großer Wurf".



ADAC fürchtet Staus vorm neuen Tunnel

Engere Fahrbahnen „Tribut an Sparsamkeit“.

Aus:
Der Tagesspiegel, Berlin, 15. März 2006, Seite xx (Berlin) von C. v. L. [Original]

BERLIN (Tsp). „Gewisse Sorgenfalten“ verursacht dem ADAC das einspurige Ende des neuen Tiergartentunnels an der Ausfahrt Heidestraße. Die Autofahrer müssten sehr aufpassen, sagt ADAC-Sprecher Jörg Becker. Der gesamte Tunnel sei „ein Tribut an die Sparsamkeit und nach politischen Vorgaben halbherzig gebaut“. Der Tunnel zwischen Reichpietschufer/Kemperplatz und Invaliden-/Heidestraße soll am 26. März eröffnet werden.

Noch könne man über Staus nur spekulieren, aber der ADAC werde in den ersten Wochen gemeinsam mit der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung den Verkehr genau beobachten. Er fürchte vor allem Staus vor den Einfahrten, wenn wegen Bagatell- Unfällen die Zufahrt gesperrt werde. Die Einspurigkeit am Ende der Heidestraße könne sich der ADAC nur damit erklären, dass die Erbauer bei der Berechnung der Verkehrsströme davon ausgingen, dass ein Großteil der Autofahrer die Abfahrt Invalidenstraße nutzen werde. Der ADAC fordert weiterhin, „langfristig“ den Tunnel nördlich bis zum Autobahnanschluss Seestraße und südlich bis zum Schöneberger Kreuz zu verlängern. Längere Staus vorm Tunnel könnten Auswirkungen auf das gesamte Verkehrsgeschehen in Berlins Mitte haben.

Frieder Bühring von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung betonte, es handele sich um einen Tunnel in der Stadt, nicht um einen Autobahntunnel. Es sei normal, dass es an den Ausfahrten enger werde. Bis vor den Abzweig Invalidenstraße gebe es 2 Spuren, in die sich „ein bisschen Verkehr“ vom Bahnhof einfädele. Natürlich seien die erwarteten Verkehrsströme berechnet worden. Die lange Diskussion um den Bau habe zu diesen Lösungen geführt. „Der Tunnel ist nicht einfach“, sagte Bühring. Mit Ampelschaltungen vorm Tunnel könne man einem Stau entgegenwirken.

Die Deutsche Polizeigewerkschaft nannte am Montag [13.3.2006] die bevorstehende Tunneleröffnung „überfällig“. Ein neuer Tunnel mit aktueller Technik könne aber noch nicht alles sein. Der Landesvorsitzende Bodo Pfalzgraf forderte, die Tunnelleitzentrale in Tegel zu modernisieren. Sie sei „völlig veraltet“ und störanfällig.



Staus im Tunnel unterm Tiergarten?

[Ed: Die Sorge erwies sich als unbegründet, da viele Berliner den Tunnel meiden]

Aus:
Der Tagesspiegel, Berlin, 16. März 2006, Seite ?? (Berlin). [Original]

BERLIN (müh). Geht mit der Eröffnung des neuen Tiergartentunnels am 26. März eine dringend benötigte Entlastungsader ans Netz – oder eine zusätzliche Stauquelle? Bis zu 50.000 Fahrzeuge werden die Unterführung nach Schätzung des Senats täglich passieren. Besonders am südlichen Ende, wo sich der Tunnel auf 2 Spuren verengt und auf das stark befahrene Reichpietschufer trifft, kann es nach Meinung von Experten zu Staus kommen. Etwa 1.300 Autos pro Stunde sollen den Tunnel hier zu Spitzenzeiten verlassen, besagt eine Berechnung der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung.

Johannes Hübner vom „Automobilclub von Deutschland“ (AVD) hält die Zahl für realistisch, befürchtet jedoch, dass sich entweder im Tunnel oder auf der Uferstraße der Verkehr zurückstauen könnte. Hübner hält das Problem allerdings für lösbar: Wichtig sei die Austarierung der Lichtsignalanlagen, die an sämtlichen Ein- und Ausfahrten des Tunnels genau auf das jeweilige Verkehrsaufkommen abgestimmt werden müssten.

Skeptischer ist Claudia Hämmerling, die verkehrspolitische Sprecherin der Grünen. Sie hält Staus für unvermeidlich: „Die Infrastruktur an den Ein- und Ausfahrten ist überhaupt nicht den Größenverhältnissen des Tunnels angepasst.“ Hämmerling fordert deshalb für die Berliner Verkehrspolitik: „Sanierung muss vor Neubau gehen.“ Vor Panikmache warnt dagegen der verkehrspolitische Sprecher der CDU-Fraktion Alexander Kaczmarek: Mit „intelligenten Verkehrslenksystemen“ sei die Staugefahr durchaus in Grenzen zu halten.



60.000 Berliner erkunden Tiergartentunnel zu Fuß

Der 2,4 Kilometer lange Tunnel wird am kommenden Sonntag für den Verkehr freigegeben.

Aus:
Berliner Morgenpost, 19. März 2006, 20.00 Uhr MESZ (nur elektronisch publiziert). [Original]

BERLIN. Eine Woche vor der offiziellen Eröffnung haben 60.000 Berliner die Möglichkeit genutzt, den neuen Tiergartentunnel am Regierungsviertel zu Fuß zu erkunden.

Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) gab am Mittag den Startschuß für Jogger und Walker. Ihnen folgten Rentner, Jugendliche und Familien mit Kindern, die sich an eigens aufgebauten Würstchenbuden und Bierständen vorbei in die Tunnelröhre drängten.

Am Rande gab es verschiedene Protestaktionen. Über der Einfahrt entrollten Unbekannte ein Transparent mit der Aufschrift „Milliardengrab Tiergartentunnel“. Die Berliner Grünen verteilten Flugblätter, in denen sie den Tunnel als verkehrspolitisch sinnlos bewerteten. Die Gegend um den Potsdamer Platz sei bislang weitgehend staufrei, erklärte die verkehrspolitische Sprecherin der Grünen-Abgeordnetenhausfraktion, Claudia Hämmerling. Mit den Baukosten von 390 Millionen Euro hätten zudem alle maroden Straßen der Stadt saniert werden können.

Der FDP-Verkehrspolitiker Klaus-Peter von Lüdeke bezeichnete die Eröffnung des Tunnels hingegen als „längst überfällig“, um das Regierungsviertel vom Durchgangsverkehr zu entlasten. Ohne eine zusätzliche Verbindungsstraße vom Landwehrkanal zum südlichen Stadtring drohten im Tunnel und an dessen Einfahrt allerdings „erhebliche Staus“. Auch die CDU Berlin-Mitte zeigte Präsenz vor dem Tunnel. Sie warb für die Abgeordnetenhauswahl am 17. September, bei der man „Rot-Rot ausbremsen“ wolle.



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^   Die Details des Tiergarten-Tunnels. Ein hoher Wert wurde auf die Sicherheitseinrichtungen gelegt. So wurde sogar die Eröffnung mehrmals verschoben, da die Steuer- und Kontroll-Software für den Tunnel nicht einwandfrei funktionierte.   (Grafik: 26.3.2006 – tsp/khd)


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