Diese Spezial-Seite ist eine Ergänzung zu einem Berlin-Report, in dem über interessante Berliner Ereignisse berichtet wird. Dazu werden hier einige ausgewählte und besonders nützliche Artikel und andere Texte gespiegelt und damit auf Dauer dokumentiert. Manches ist auch mit [Ed: ...] kommentiert. Tipp- und Übertragungsfehler gehen zu meinen Lasten.
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| Ab 2006 Der Tiergarten-Tunnel (2) |
I n h a l t :
HINWEIS: Diese Seite behandelt nur den Auto-Tunnel. Infos zum Eisenbahn-Tunnel sind im Report Neubau des Lehrter Bahnhofs zu finden. - Ältere Dokumentationen (1. Teil).
- 26.03.2006: Die Details des Tiergarten-Tunnels.
- 26.03.2006: Röhre frei.
- 26.03.2006: Tiergartentunnel für Verkehr geöffnet.
- 27.03.2006: Es rollt und rollt und rollt.
- 28.03.2006: Computerfehler im Tiergartentunnel.
- 05.04.2006: Angst vorm Abtauchen.
- 11.04.2006: Die neue Röhre als Erlebniswelt.
- 27.04.2006: CDU: Schilder im Tiergarten-Tunnel unzureichend.
- 10.09.2006: Durch den Tiergarten-Tunnel sind bis jetzt 4,2 Millionen Autos gefahren.
- 07.10.2006: In den Röhren ist noch Platz.
- 15.08.2007: Flughafentunnel Tegel.
- 18.09.2009: Mimose Tiergartem-Tunnel.
Röhre frei
Heute wird der Tiergartentunnel eröffnet. Jetzt wird sich zeigen, ob die oberirdischen Straßen entlastet werden oder ob es neue Staufallen gibt.
Aus: Der Tagesspiegel, Berlin, 26. März 2006, Seite ?? (Berlin) von KLAUS KURPJUWEIT. [Original]BERLIN (Tsp). Nach jahrelangem Warten kommt jetzt die Stunde der Wahrheit. Heute sollen gegen 14.40 Uhr die ersten Autos durch den neuen Tiergartentunnel fahren. Dann wird sich zeigen, ob die 2,4 Kilometer langen und 390 Millionen Euro teuren Röhren die oberirdischen Straßen vom Verkehr entlasten oder ob es durch den Tunnel vor allem rings um die Ein- und Ausfahrten neue Staufallen geben wird. Der ADAC und die Verkehrslenkung Berlin (VLB) bitten die Autofahrer vorsichtshalber, die ersten Tage nicht für Schnupperfahrten durch den Tunnel zu nutzen.
Dass das Interesse am Tiergartentunnel riesig ist, hat der vergangene Sonntag gezeigt. Mehr als 60.000 Menschen haben das Bauwerk am letzten Wochenende zu Fuß erkundet. Die neuralgischen Bereiche waren dabei allerdings nicht zu sehen: die Abschnitte mit nur einer Fahrspur je Richtung vor den nördlichen und südlichen Ein- und Ausfahrten an der Heidestraße und dem Reichpietschufer am Landwehrkanal. Zweispurig ist der Tunnel nur zwischen den Anschlussstellen Invalidenstraße am künftigen Hauptbahnhof und am Kemperplatz vor der Philharmonie. Die unterirdische Verbindung sollte nach dem Willen der damaligen CDU/SPD-Koalition, die den Bau Anfang der Neunziger beschlossen hatte, keinen Autobahn-Charakter erhalten, sondern als Stadtstraße fungieren. Deshalb hat sich der Bund auch nicht an den Baukosten beteiligt.
Wegen zahlreicher Kurven sind die Röhren unübersichtlich. Gewöhnungsbedürftig sind ferner die Regelungen an den Ein- und Ausfahrten, denn die einbiegenden Autos kommen nicht von rechts, sondern von links. Auch wer den Tunnel an den mittleren Anschlussstellen verlassen will, muss die linken Fahrspuren wählen.
Gefeiert und protestiert wird heute schon vor der Verkehrsfreigabe. Um 12 Uhr beginnt die offizielle Zeremonie mit Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee, dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit und Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (alle SPD). Während sie den Tunnelbau in ihren Reden loben, wollen Tunnelgegner wie die Grüne Liga mit kreativen Aktionen protestieren. Ihrer Ansicht nach erzeugt die neue unterirdische Nord-Süd-Verbindung zusätzlichen Verkehr. Zudem bemängeln sie, dass einer der modernsten Tunnelneubauten weltweit keine Filteranlagen erhalten hat. Die Abgase werden über den aus Glasbausteinen bestehenden Kaminturm am Hauptbahnhof sowie über den mit einem grünen Würfel versehenen Schacht im Daimler-Chrysler-Komplex ins Freie geblasen.
Rund 50.000 Autos sollen nach den Prognosen der Verkehrsplaner täglich durch den Tunnel fahren, darunter sind etwa 5.000 Lastwagen. Eine Mehrbelastung an Schadstoffen erwartet die Stadtentwicklungsverwaltung nicht. Allerdings ist das Gesamtkonzept in diesem Bereich nicht aufgegangen. Der Tunnel sollte die nach dem Mauerbau für den Nord-Süd-Verkehr errichtete Entlastungsstraße ersetzen. Ihr Reststück wird zwar heute gegen 12 Uhr für den Autoverkehr dicht gemacht und nach der Fußball-Weltmeisterschaft wieder als Grünanlage dem Tiergarten zugeschlagen, doch die als Provisorium bis zur Tunnel- Eröffnung vorgesehene Straße über das Gelände des Bundesforums zwischen Kanzleramt und Paul-Löbe-Haus an der Schweizer Botschaft vorbei bleibt erhalten. Die ursprünglich geplante Straße unter dem Vordach des Paul-Löbe-Hauses ist nach Protesten des Bundestags für Abgeordnete und Besucher reserviert. [Verlauf des Tunnels] [Erläuterungen dazu]
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Tiergartentunnel für Verkehr geöffnet
Nach gut zehnjähriger Bauzeit ist am Sonntag der 2,4 Kilometer lange Autotunnel unter dem Berliner Tiergarten eröffnet worden. Die Unterführung soll das Stadtzentrum entlasten.
Aus: Spiegel Online 26. März 2006, 15.37 Uhr MEZ (nur elektronisch publiziert). [Original]BERLIN. Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee gab gemeinsam mit dem Regierenden Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, den Tunnel für den Straßenverkehr frei. Er unterquert den Berliner Tiergarten mit dem Regierungsviertel. Der Bund beteiligte sich mit 181 Millionen Euro an den Investitionskosten von rund 390 Millionen Euro.
"Der Tiergartentunnel wird entscheidend dazu beitragen, das Stadtzentrum von oberirdischem Straßenverkehr zu entlasten und damit an den neuralgischen Verkehrsknoten Stauzustände zu vermeiden", sagte Tiefensee. Der Minister hob besonders die hohen Sicherheitsstandards hervor.
Experten blicken mit Spannung den ersten Bewährungsproben im täglichen Berufsverkehr entgegen. Der ADAC warnte davor, den Tunnel in den ersten Tagen für "Schnupperfahrten" zu nutzen. Berlins Regierender Bürgermeister Wowereit bezeichnete den Tunnel bei der Eröffnung als ein "Meisterwerk der deutschen Bau- und Ingenieurkunst". Verkehrsplaner gehen davon aus, dass insgesamt täglich 50.000 Kraftfahrzeuge den Tunnel in beiden Fahrrichtungen nutzen.
Protest der Grünen
Die Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus protestierten gegen den Tunnel. Allein die Unterhaltung des Bauwerks koste jährlich 750.000 Euro [Ed: die natürlich bei der soziologisch wichtigeren Bildung, Erziehung und Integration ständig fehlen werden]. Der Tunnel sei die einzige neue Verkehrsanbindung zum neuen Hauptbahnhof, Straßenbahn, S-Bahn und U-Bahn hätten dagegen keine Priorität, kritisierte die verkehrspolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, Claudia Hämmerling. "Weil 5 Millionen Euro für Filtertechnik gespart wurden, werden auch die Abgase aus dem Tunnel, die man leicht hätte filtern können, gleichmäßig über dem Tiergarten verteilt."
Es rollt und rollt und rollt
Tiergartentunnel öffnet früher als angekündigt.
Aus: Berliner Zeitung, 27. März 2006, Seite ?? (Berlin). [Original]BERLIN (daz). Helmut Geyer hat sie alle ausgetrickst. Statt um 14.40 Uhr, wie überall angekündigt, hat der Projektleiter den Tiergartentunnel gestern klammheimlich eine Dreiviertelstunde früher erstmals für die Autos freigegeben. Er rechnete mit einem großen Ansturm an Tunnel-Probefahrern und wollte zur offiziell angekündigten Öffnungszeit Staus verhindern. So schalteten bereits um 13.47 Uhr die Ampeln an der Einfahrt Reichpietschufer auf Grün und statt der Meldung "Tunnel gesperrt" standen nun die Richtungen "Prenzlauer Berg. Wedding, Hauptbahnhof" auf den Hinweisschildern.
Der Trick des Projektleiters hat funktioniert. Am ersten Öffnungstag der unterirdischen Nord-Süd-Verbindung gab es keine Staus und der Verkehr lief normal. Die Autofahrer wurden von der plötzlichen Tunnelöffnung richtig überrascht und viele testeten die Durchfahrt ganz spontan. So wie Tobias Gerhardt, der als einer der Ersten nach den 2,4 Kilometern am Reichspietschufer wieder herauskam. Der 60-jährige Ingenieur aus Spandau fuhr die Invalidenstraße entlang und entdeckte zufällig, dass der Tunnel geöffnet war, also probierte er ihn aus. Von seiner ersten Fahrt ist er begeistert: "Es war sehr schön und so hell. Und der Tunnel ist eine gute Abkürzung, ich werde ihn nun auf jeden Fall öfter nutzen."
Der Allererste, der gestern durch den Tiergartentunnel fahren durfte, war Busfahrer Helmut Schepe. Er hatte um 12.15 Uhr das offizielle Eröffnungskomitee an Bord: den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit, Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer und Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee. Die Politiker zeigten sich überzeugt, dass der Tunnel den Verkehr in der Innenstadt deutlich entlasten werde, und hoben die aufwändige Sicherheitstechnik des Tunnels hervor. Dabei übertrafen sie sich gegenseitig darin, das Projekt zu rühmen: "gigantisches Bauwerk" (Tiefensee), "Meisterstück der deutschen Ingenieurs- und Baukunst" (Wowereit), "bedeutendstes Bauwerk der Berliner Verkehrsgeschichte nach der Wende" (Junge-Reyer). Busfahrer Schepe sah das Ganze nüchterner: "Durch die weißen Wände ist es schön hell und es fährt sich sehr übersichtlich." Vom Tunnel sahen die Politiker übrigens nicht viel: Die Scheiben des Busses waren beschlagen.
Computerfehler im Tiergartentunnel
Mit Tempo 30 durch den Tiergartentunnel.
Aus: Berliner Morgenpost, 28. März 2006, Seite ?? (Berlin). [Original]BERLIN (plet). Freie Fahrt durch den Tiergartentunnel, die gab es gestern morgen. Doch die Fahrt wurde getrübt, da es nur mit Tempo 30 durch die mehr als 2,5 Kilometer lange Tunnelröhre vom Reichpietschufer in Richtung Invalidenstraße ging. Das war von der Verkehrsleitstelle so nicht gewollt und bereits 24 Stunden nach der offiziellen Eröffnung eine Panne. Ursache war ein Fehler im Computersystem.
"Das System hatte fälschlicher Weise einem Fahrzeug eine Panne zugeordnet und somit das Tempolimit für den laufenden Verkehr von normalerweise 50 km/h auf 30 herabgesetzt", sagt Helmut Geyer von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Die Feinjustierung des Computerprogramms sei noch nicht abgeschlossen und könne noch 6 Wochen andauern. Gegen 10 Uhr war jedoch der Programmfehler behoben. Zum Glück scheute am Montag morgen die tägliche Blechlawine des Berufsverkehrs Berlins neueste Verkehrsader. Denn gegen 7 Uhr war bei der Tunneldurchquerung weder ein rotes Rücklicht noch ein Aufflackern von Autoscheinwerfern im Rückspiegel zu sehen.
Es gab also wegen des fehlenden Verkehrs nicht den erwarteten Härtetest für die im Tunnel installierte Technik. Für Verkehrsplaner und Techniker eine Ernüchterung,. Denn das 390 Millionen teure Röhrensystem ist für eine Kapazität von mindestens 50.000 Autos pro Tag konzipiert. "Mit dem geplanten Ausbau des Innenstadtringes wird auch der Tunnel stärker frequentiert", sagt Helmut Geyer. Zudem hofft er, daß viele Autofahrer die Vorteile des kreuzungsfreien Weges zwischen Wedding und Kreuzberg unter dem Tiergarten für sich entdecken und nutzen.
Angst vorm Abtauchen
Der Tiergartentunnel bleibt leer. Die Autofahrer bleiben draußen und die Experten wissen nicht, wieso. [Ed: na ist doch klar, weil die Leute Angst davor haben, daß im engen, komplizierten Tunnel ein anderer einen schweren Fehler macht...]
Aus: Der Tagesspiegel, Berlin, 5. April 2006, Seite 13 (Berlin) von KLAUS KURPJUWEIT. [Original]BERLIN (Tsp). Haben die Berliner Autofahrer Angst vor Fahrten in Unterführungen? Wagen sie sich ungern auf neue Straßen? Bleiben sie statt dessen lieber im vertrauten Stau stehen? Nach der Eröffnung des neuen Tiergartentunnels vor gut einer Woche stellen sich diese Fragen. Weit weniger Autofahrer als erwartet durchfahren die 2,4 Kilometer lange Nord-Süd- Verbindung. Statt des befürchteten Staus herrscht gähnende Leere an den Zufahrten. Ist das 390-Millionen-Euro-Projekt ein Flop? Hätte Berlin den Tunnel gar nicht gebraucht? [Ed: so ist es wohl, denn Berlin hat falsche Prioritäten gesetzt und hätte das viele Geld besser in die um Hilfe schreienden Schulen stecken sollen...]
Die Planer zumindest bleiben ganz ruhig. Vielleicht fahren tatsächlich auch nach der Eingewöhnungsphase weniger als die erwarteten 50.000 Autos durch den Tunnel, sagen die Experten der Stadtentwicklungsverwaltung. Doch es würden auf jeden Fall mehr als derzeit, ist die Sprecherin der Verwaltung, Manuela Damianakis, überzeugt. Die meisten Autofahrer bleiben zunächst auf eingefahrenen Routen. Man müsse ihnen Zeit lassen, sich umzustellen. Es werde sich noch herumsprechen, dass die Fahrt von Wedding nach Schöneberg oder Kreuzberg durch den Tunnel wesentlich schneller sei als oben über die oft verstopften Straßen.
Auch der Verkehrsexperte des ADAC, Jörg Becker, vermutet, dass die meisten Autofahrer die neuen Möglichkeiten noch nicht erkannt haben. Vielleicht seien die Autofahrer durch Warnungen vor Gefahren oder Staus vor der Eröffnung auch abgeschreckt, überlegt Becker. Der ADAC und die Verkehrsverwaltung hatten den Berlinern noch am Eröffnungstag geraten, erst einmal keine Schnupperfahrten zu unternehmen, um keinen Stau zu provozieren. Zudem war mehrfach auf die komplizierte Verkehrsregelung im Tunnel hingewiesen worden, in dem die Zwischen-Einfahrten und -ausfahrten jeweils über den linken Fahrstreifen erfolgen.
Jetzt rät der ADAC-Experte gar, den Tiergartentunnel zu erkunden. Dass Autofahrer, die die Röhren einmal durchfahren haben, die Unterführung meiden, weil sie ihnen zu unübersichtlich erscheint, hält Becker für ausgeschlossen.
Er glaubt auch nicht, dass sich Berliner Autofahrer generell vor der Durchfahrt fürchten. Der Tiergartentunnel ist zwar immerhin der längste innerstädtische Straßentunnel in Deutschland, ausgestattet ist er aber mit modernster Sicherheitstechnik.
Selbst der Stuttgarter Verkehrspsychologe Wolfgang Schneider hat keine schlüssige Erklärung für die Zurückhaltung der Autofahrer. Zumindest kann er nicht auf wissenschaftliche Untersuchungen zum Fahrer-Verhalten bei neuen Verkehrswegen zurückgreifen.
Ein wenig weiter helfen kann immerhin der Berliner Verkehrsplaner Christfried Tschepe. Die Verkehrswissenschaft lehre, dass es ein halbes bis ein ganzes Jahr dauern könne, ehe neue Verbindungen angenommen werden, sagte er. Diese Erfahrungen machten auch die BVG oder die S-Bahn bei neuen Strecken. So ist die im Februar 2005 eröffnete Strecke der S-Bahn von Lichterfelde Süd nach Teltow bisher weit hinter den Erwartungen zurück geblieben. Statt der vorhergesagten 10.000 Fahrgäste täglich steigen bisher nur etwa 5.000 in die Züge. Allerdings war der Betrieb durch Bauarbeiten von Anfang an erheblich eingeschänkt.
Zumindest auf den restlichen Verkehr scheint der Tunnel sich auszuwirken. Michael Hammel von der Traffic Service Berlin, die aus der Luft den Verkehr auf den Straßen der Stadt beobachtet, hat festgestellt, dass sich die Situation in der Umgebung, vor allem auf der Straße des 17. Juni, sehr entspannt habe. Und das wollten die Planer schließlich erreichen.
Die neue Röhre als Erlebniswelt
Der Tiergartentunnel bietet betreutes Fahren.
Aus: Berliner Morgenpost, 11. April 2006, Seite xx (Berlin). [Original]BERLIN (BM). Mehr Fürsorge war selten. Die Einfahrten des neuen Tiergartentunnels überraschen den Wagenlenker mit einem einfühlsamen Aufgebot an Schildern. Die feingestaffelten Hinweise geben zu erkennen, wie herzlich der Tunnelfahrer hier willkommen ist.
Dankbar darf er zur Kenntnis nehmen, daß der Radioempfang auch im unterirdischen Bereich garantiert wird das nennt man serviceorientiert! Allerdings scheut man sich auch nicht, die verbindliche Geschwindigkeitsgrenzung unmißverständlich zu vermitteln. Es ist ein bißchen wie Hartz IV: Etwas wird gegeben, etwas anderes wird gefordert. So ist der Staat.
Es ist kaum zu begreifen, warum die Berliner Kraftfahrer offenkundig noch eine spürbare Scheu vor diesem Tunnel entwickeln Am Tunnel selbst kann es nicht liegen.
Der Tunnel gibt sich hell und freundlich. Die lichten Seitenwände lassen ein Gefühl der Beklemmung nicht aufkommen. Alle 20 Meter zeigen grüne Notfallsymbole die Entfernung zur nächsten Fluchtmöglichkeit an auf den Meter genau. Bei den Ausgängen für den Katastrophenfall glimmen die SOS-Leuchtkästen in einem irisierenden, ja betörenden Lila. Jedem hippen Etablissement der Berliner Clubszene würde ein solch krasses Teil zur Ehre gereichen.
Die allgemeine Lichtgebung wirkt beinahe betäubend. Blendfrei und sanft legt sich, gestreut aus unzähligen Scheinwerfern, ein milchig-gelber Schein über den Asphalt. Es ist unendlich beruhigend. Kameras haben alles im Blick. Nichts bleibt dem Zufall überlassen. Es ist eine Art betreutes Fahren.
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Fahrt durch den Tiergartentunnel. (Foto: 4.2006 mopo)
Es gibt keine Schlaglöcher, keine Bodenwellen. Man will sich nur noch den wunderbar weit geschwungenen Kurven hingeben. Man möchte fahr'n, fahr'n, fahr'n und nimmer anhalten.
Die zwischen Landwehrkanal und neuem Hauptbahnhof verlegte Röhre gerät zum Erlebnistunnel. In erregendem Rot strahlen wie galaktische Leitsterne die 50-km/h-Signale. Man sollte sich an dieses Gebot halte. Man sollte die Fahrt genießen.
Man ist jetzt hier noch relativ allein mit sich und seinen Gefühlen. Man legt sich, von Tiergarten kommend, zunächst geschmeidig in eine elegante Rechts-, dann in eine maßvoll angelegte Linkskurve, um am Ende des Tunnels in einer zugleich steil nach oben und nun allerdings fast schon dramatisch nach rechts gerichteten Bewegung wieder ans Tageslicht zu schnellen: ein furioser Schlußakkord. Wer das noch nicht erfahren hat, hat etwas versäumt in dieser Stadt.
Die knapp anderthalb Kilometer lange Reise kann unbedingt empfohlen werden. Wem die Welt da oben zwischenzeitlich zu grau und öde wird, der tauche ein in diese bunte Tunnelwelt. Nur schade, daß der Spaß so kurz ist.
CDU: Schilder im Tiergarten-Tunnel unzureichend
Aus: Berliner Morgenpost, 27. April 2006, Seite ?? (Bezirke). [Original]TIERGARTEN (fü). Der CDU-Kreisverband Mitte fordert zusätzliche Hinweisschilder vor und im Tiergarten- Tunnel. "Wer im Kreuzungsbereich der Invalidenstraße in die Ortsteile Moabit oder auch Tiergarten will, findet dort keinen entsprechenden Hinweis", heißt es in einem Brief an Verkehrssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD). Die Ausschilderung sei irreführend und ungenügend insbesondere für ortsunkundige Autofahrer.
Der 2,4 Kilometer lange und 390 Millionen Euro teure Straßentunnel unter dem Tiergarten war erst am 26. März eröffnet worden. Bislang passieren jedoch deutlich weniger Autofahrer als erwartet die Unterführung. Laut Senatsverwaltung für Stadtentwicklung soll es Korrekturen in der Tunnel-Ausschilderung frühestens Mitte Mai geben.
Durch den Tiergarten-Tunnel sind bis jetzt 4,2 Millionen Autos gefahren
Aus: B.Z. am Sonntag, Berlin, 10. September 2006, Seite 12 (Berlin). [Original]BERLIN. Fast ein halbes Jahr nach der Eröffnung des Tiergarten-Tunnels sind mehr als 4,2 Millionen Autos durch die Röhren unter dem Regierungsviertel gerollt.
Die Strecke wird besser angenommen als im Frühjahr. Durchschnittlich wurden an Apriltagen 20.000 Autos gezählt, sagt Petra Rohland, Sprecherin der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung.
Der 390 Millionen Euro teure Bau war am 26. März nach mehr als 10 Jahren Bauzeit freigegeben worden. Die Senatsverwaltung hatte mit einer Auslastung von 50.000 Autos am Tag gerechnet. Die Berliner nahmen den rund 2,4 Kilometer langen Tunnel anfangs aber nur schleppend an.
In den Röhren ist noch Platz
Weniger Autofahrer als erwartet nutzen den Tiergartentunnel.
Aus: Der Tagesspiegel, Berlin, 7. Oktober 2006, Seite 11 (Berlin). [Original]BERLIN (C.v.L.). Ein gute halbes Jahr nach seiner Eröffnung hat der Tiergartentunnel noch Kapazitäten frei. Rund 40.000 Fahrzeuge unterqueren den Tiergarten mittlerweile täglich. Das sind immer noch 10.000 weniger als erwartet. Die Senatsverwaltung nannte die aktuellen Zahlen dennoch zufriedenstellend. Der Tunnel sei eben noch nicht in allen Köpfen angekommen, meinte die Sprecherin der Behörde, Manuela Damianakis. Es werde sich letztlich aber herumsprechen, dass es besser sei, fließend durch den Tunnel zu fahren als beispielsweise in der Friedrichstraße im Stau zu stecken.
Nach der Eröffnung am 26. März war die 390 Millionen Euro teure Nord-Süd- Verbindung zwischen Potsdamer Platz / Reichpietschufer und Hauptbahnhof / Heidestraße auf wenig Resonanz gestoßen. Die Behörde hatte aus Furcht vor Staus Autofahrer allerdings auch davor gewarnt, das Bauwerk sogleich anzufahren. Anfangs rollten nur rund 25.000 Fahrzeuge durch die Tunnelröhren.
Technische Probleme hat es nach Auskunft der Verwaltung bislang nicht gegeben, dafür immer wieder Probleme mit Radfahrern und Fußgängern, die sich im Tunnel aufhalten und in Lebensgefahr bringen. Auch habe es Motorradunfälle wegen überhöhter Geschwindigkeit gegeben.
Flughafentunnel Tegel
Wenn im Juni die Arbeiten im Flughafentunnel Tegel abgeschlossen sind, wird das 1979 eröffnete Bauwerk zu den modernsten und sichersten Tunneln in Deutschland gehören.
Aus: Der Tagesspiegel, Berlin, 15. August 2007, Seite xx (Berlin) von KLAUS KURPJUWEIT. [Original=xxx]BERLIN (Tsp). Spätestens Anfang Juni sollen Autofahrer auf der Autobahn A 111 Richtung Hamburg wieder durch den Flughafentunnel Tegel fahren können. Seit Anfang November ist der Tunnel in beide Richtungen gesperrt, damit er saniert werden kann. Jetzt, zur Halbzeit, sind die Planer zuversichtlich, den Zeitplan einhalten zu können. Und das, obwohl zwischenzeitlich unerwartete Probleme aufgetreten waren. Durch Sonn- und Feiertagsarbeit habe man den Zeitaufwand aber bisher kompensieren können, sagte gestern Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD). 2,5 Millionen Euro waren dafür zusätzlich erforderlich.
Wenn die Arbeiten in den beiden jeweils einen Kilometer langen Röhren abgeschlossen sind, wird das 1979 eröffnete Bauwerk zu den modernsten und sichersten Tunneln in Deutschland gehören, ist Lutz Adam von der Stadtentwicklungsverwaltung überzeugt. Allein für die Sicherungstechnik gebe man rund 12 Millionen Euro aus bei einem Gesamtetat von 37,8 Millionen Euro. Finanzier ist der Bund als Eigentümer der Autobahn.
Der alte Flughafentunnel erhält die gleiche Sicherheitstechnik wie der Tiergartentunnel unter dem Regierungsviertel, der vom ADAC als sicherster Tunnel in Deutschland ausgezeichnet worden ist. Zum Konzept gehören 50 Videokameras, die ihre Bilder in die Tunnelleitzentrale übertragen, aus der alle Straßentunnel in der Stadt überwacht werden. Über Lautsprecher im Tunnel können Autofahrer bei Gefahr sofort gewarnt werden. Sie selbst erreichen über vier Notrufanlagen im Tunnel die Leitzentrale.
Durch 22 Fluchttüren zwischen den beiden Röhren können Autofahrer bei Gefahr flüchten. Brandmeldeanlagen registrieren ein Feuer, das auch mithilfe einer neuen ein Kilometer langen Wasserleitung von der Feuerwehr gelöscht werden kann. Neue Brandschutzplatten an den Decken sollen die tragende Konstruktion bei einem Feuer bis zu 90 Minuten lang schützen.
Bevor Autofahrer wieder in den Tunnel dürfen, soll die neue Technik bis zu 6 Wochen getestet werden. Beim Tiergartentunnel hatte sich die Eröffnung mehrfach verzögert, weil es Probleme vor allem mit der computergesteuerten Software des Sicherheitssystems gab. Da die Firma aber am Tiergartentunnel Erfahrung gesammelt habe, sei nicht damit zu rechnen, dass es am Tunnel Tegel ähnliche Probleme gebe, sagte Adam.
Auf der Tunnelbaustelle sind täglich bis zu 100 Arbeiter beschäftigt, die werktags rund um die Uhr arbeiten und dabei auf manche Überraschung stoßen. Nicht erwartet hatten die Planer unter anderem einen sechs Zentimeter dicken Spritzputz hinter den alten Deckenplatten, der entfernt werden musste, sowie kontaminierte Fliesen, die sich nur aufwendig entsorgen ließen, und Risse im Beton. Fugen an den Betonwänden, durch die stets Wasser eingedrungen war, konnten die Techniker in einem besonderen Verfahren von innen dichten.
Im neuen Tunnel wird es keine Fliesen mehr geben, sie gelten in deutschen Tunneln inzwischen als verboten. Die Wände werden nur hell gestrichen wie bereits im Tiergartentunnel. Die unverkleideten Betonwände werden etwa zwei Mal im Jahr gereinigt; der Anstrich soll 10 bis 15 Jahre halten.
Die Umleitungsstrecke über den Kurt-Schumacher-Damm und den Autobahn-Abzweig Wedding habe sich bewährt, sagte Junge-Reyer. Trotzdem setze sie alles daran, den Tunnel planmäßig zu eröffnenx.
Mimose Tiergarten-Tunnel
Allzuoft ist der Straßentunnel gesperrt.
Aus: khd-research, Berlin, 18. September 2009 (Berlin).BERLIN (pep). Seit 2 1/2 Jahren ist der Tiergarten-Tunnel nun für Autos in Betrieb. Dennoch scheint es noch immer Probleme zu geben. Es vergeht kaum eine Woche wo es im Radio nicht in den Verkehrshinweisen heißt: Der Tiergarten-Tunnel ist wegen Instandsetzungsarbeiten bis 5 Uhr früh gesperrt. Umleitungen....
Warum und was da so viel repariert werden muß, bleibt unklar, und auch die Journaille gibt dazu bislang keine Antwort. Noch ist das kein Thema. Offensichtlich hat sich die Stadt Berlin dort ein regelrechtes Sensibelchen in den märkischen Sand gesetzt.
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