Living in a City  —  Reports aus Berlin     – Zum Report 8 khd
Stand:  9.4.2010   (27. Ed.)  –  File: Bln/Ex/Berlin_Alexanderplatz_05.html



Diese Seite ist eine Ergänzung zu einem Berlin-Report. Es gilt der CopyRight-Hinweis.

      Alex mit geplanten Hochhäusern
Der Alexanderplatz ist die eigentliche Mitte Berlins und wurde nach dem Mauerfall recht stiefmütterlich behandelt. Die Weltzeituhr, der Brunnen, das ehemalige Centrum- Warenhaus (nun Kaufhof), das ehemalige Interhotel Stadt Berlin (nun das Park Inn), das Haus des Lehrers mit Kongreßhalle (nun das BCC) zu Füßen des Fernsehturms: Berlins Mitte präsentiert sich auch im Jahr 2004 – 15 Jahre nach dem Fall der Mauer – zu großen Teilen noch so, wie ihn die DDR-Stadtplaner einst entwarfen.

Zwar gab es Anfang der 90er Jahren einen städtebaulichen Wettbewerb. Und der siegreiche Masterplan des Architekten Hans Kollhoff von 1993 sieht einen Bau von 10 ‚Wolkenkratzern‘ zur nordöstlichen Begrenzung des Platzes vor. Aber daraus wurde bislang eine reine Luftnummer. Es fehlte der Bedarf und damit das Geld. Denn die gesamte Geldbranche sitzt noch immer in Frankfurt am Main und schickt sich auch nicht an, in die Metropole zurückzukehren. Auch hier muß Berlin nun kleinere Brötchen backen. [Translation-Services]


Berlin Alexanderplatz (5)

I n h a l t :


C O N G R E S S   C E N T E R   A M   A L E X

Der Osten macht dem ICC Konkurrenz

Aus:
Berliner Morgenpost, 3. September 2008, 2.17 Uhr MESZ (Berlin). Zusammen mit dem Original-Artikel sind eine Reihe von aktuellen Fotos vom Alexanderplatz veröffentlicht worden. [Original]

BERLIN (BM). Das hätte vor 5 Jahren niemand erwartet: Eher aus der Not entschloss sich der Eigentümer des postmodernen Gebäudes neben dem Haus des Lehrers dazu, den Bau mit der Aluminiumkuppel zu einem Kongresszentrum umzugestalten. Heute kann sich das Congress Center am Alexanderplatz vor Buchungen kaum retten.

Eigentlich ist der fünfte Geburtstag für ein Unternehmen nicht das große Jubiläum, doch für das Berliner Congress Center (bcc) am Alexanderplatz ist dieser Termin schon etwas Besonderes. Denn: Niemand hatte der Geschäftsführung anfangs zugetraut, dass sie sich gegen das mächtige ICC (Internationales Congress Centrum) mitsamt dem Messegelände im Westen der Stadt behaupten könnte. Doch es kam anders. Seit der Eröffnung des bcc im September 2003 ist das Haus ständig ausgebucht. "Uns liegen schon Reservierungen bis zum Jahr 2015 vor," sagen übereinstimmend die beiden Direktoren Olaf Köhler (44) und Helo Brackenhoff (46).

Zu DDR-Zeiten war die Kongresshalle unmittelbar mit dem "Haus des Lehrers" am Alex verbunden. Nach Plänen des Architekten Hermann Henselmann wurde in den Jahren 1961 bis 1964 das Ensemble im Stil der Moderne gebaut. Für das zwölfstöckige Hochhaus (heute als Bürohaus vermietet) wählte er die Form der Box, eine typische Lösung für "Wolkenkratzerarchitektur" der Nachkriegsmoderne. Als Kontrast sah Henselmann die angrenzende Kongresshalle mit der weithin sichtbaren Aluminiumkuppel.

Nach der Vereinigung fristeten das Haus des Lehrers und die Kongresshalle eher ein stiefmütterliches Dasein. In der Kongresshalle traf man sich zu Betriebsversammlungen und Parteitagen. Schließlich beschloss die Wohnungsbaugesellschaft Mitte (WBM) im Jahr 2001 die Sanierung des Komplexes.

30 Millionen Euro für Sanierung

Unter Federführung des damaligen WBM-Chefs Karl-Heinz Schmidt entstand das neue Ensemble am Alexanderplatz für rund 30 Millionen Euro. Im September 2003 wurde das bcc in Betrieb genommen, ein Jahr später war das Hochhaus fertig.

Das neue (alte) Kongresszentrum verfügt seitdem über 20 Veranstaltungsräume auf vier Ebenen sowie große Flächen für Gastronomie und Schulungen. Zwischen 2500 und 3000 Personen können untergebracht werden.

Worin liegt das Geheimnis des bcc-Erfolgs? "Der Trend geht dahin, das Firmen nicht mehr Mammut-Kongresse veranstalten. Vielmehr ruft man Führungskräfte im kleineren Kreis zusammen. Unsere Räumlichkeiten sind da ein idealer Ort", berichtet Helo Brackenhoff.

Zudem würden keine Sex-Messen wie früher im bcc stattfinden. Vielmehr gibt es Buchungen für Ärzte-Kongresse, vom Kanzleramt, dem Auswärtigen Amt, der Telekom oder der Bundesagentur für Arbeit. Auch viele Fernsehsender würden für Produktionen die interessanten Räumlichkeiten des Hauses nutzen.

Als ein weiteres Plus des bcc gilt auch der Standortvorteil des Alexanderplatzes. Olaf Köhler lobt den "einmaligen Präsentationsort". "Die Kongressteilnehmer haben durch die zentrale Lage die Möglichkeit, zwischendurch zum Gendarmenmarkt, zur Friedrichstraße, zur Museumsinsel oder zum Brandenburger Tor zu laufen." Selbst die U-Bahnanbindung zum Potsdamer Platz oder gar zum Kudamm sei ideal. Auch das gegenüberliegende Einkaufszentrum Alexa sei häufig ein Anlaufpunkt für Teilnehmer der Veranstaltungen.

Zum Stammpersonal gehören 70 Mitarbeiter, bei Veranstaltungen innerhalb der Kongresse oder auch bei Sonderevents, stehen rund 200 Helfer zur Verfügung. "Es ist abzusehen, dass wir im Verlauf der nächsten Monate unser Personal auf 100 Vollzeitkräfte aufstocken können", sagt Olaf Köhler. Eine große Geburtstagfeier zum 5. Geburtstag ist nicht geplant. "Da warten wir bis zum 10., das ist dann richtig rund", sagen die beiden Chefs.



U - B A H N H Ö F E

Großer Bahnhof am Alexanderplatz

Die BVG feierte das Ende der Bauarbeiten am Alex. In den neuen Passagen warten 20 Läden auf Kundschaft und die Stationen sind nun barrierefrei.

Aus:
Der Tagesspiegel, Berlin, 19. Oktober 2008, Seite 11 (Stadtleben). [Original=art125,2639608]

BERLIN (Tsp/oew). Das BVG-Orchester spielt, der Männerchor des Verkehrsbetriebes intoniert sein Ständchen, der Nostalgie-Zug fährt ein und auf dem Flohmarkt mit BVG-Memorabilien setzten echte Nahverkehrsfans schon mal den Ellenbogen ein, um einen der begehrten aber ausrangierten Fahrtrichtungsanzeiger zu erstehen. Es herrscht am Sonnabend [18.10.2008] also wieder einmal Volksfeststimmung im U-Bahnhof Alexanderplatz. Die BVG feiert mit ihren Kunden den sanierten Bahnhof, zuletzt wurde die Ladenpassage fertig, die die Kreuzungen der U-Bahn-Linien 2, 5 und 8 mit dem S- und Regionalbahnhof und der Straßenbahnhaltestelle verbindet. Fünf Jahre dauerten die Arbeiten, 30 Millionen Euro haben sie gekostet.

In der neu gestalteten Passage finden sich jetzt 20 Läden, vor allem Imbissstände von der Sushi-Bar bis zum Burger-Bräter. Aber auch einen Buch- und Zeitungsstand, ein Fingernagelstudio, einen Blumenladen gibt es nun und auch der seit 1981 im Bahnhof ansässige Strumpfladen ist wieder da. Der Übergang zwischen den einzelnen Stationen ist nun viel heller und freundlicher, aber vor allem barrierefrei.

Allein 4 Aufzüge verbinden die einzelnen Bahnsteige mit dem Platz und der Straße. Auch die 86 Treppen und die bereits vorhandenen 7 Ausgänge wurden denkmalgerecht saniert. Ein neuer Ausgang verbindet die Passage nun direkt mit der Straßenbahnhaltestelle auf dem Alexanderplatz. Nach dem Abschluss der Sanierung befindet sich der gesamte Bahnhof nun wieder im Originalzustand von 1913 (bei der U2) beziehungsweise 1929/39 (bei der U8 und der U5). Auf Stelltafeln konnten sich Interessierte über die Geschichte des Bahnhofs informieren.

Der Alexanderplatz ist Berlin größter und wichtigster Umsteigepunkt. Rund 180.000 Fahrgäste gehen täglich durch die Passage oder steigen von einer U-Bahn in die andere um. In kurzen Ansprachen würdigten BVG-Vorstand Andreas Sturmowski und Mittes Baustadtrat Ephraim Gothe (SPD) den Abschluss der Bauarbeiten. Mit dem Fest wolle sich die BVG bei den Kunden für die Geduld während der Bauphase bedanken, so Sturmowski.



A R C H I T E K T U R

Neues Vier-Sterne-Hotel am Alex

Aus:
Berliner Morgenpost, 5. November 2008, Seite xx (Bezirke). [Original]

BERLIN-MITTE (BM). An der Umgestaltung des Gebietes Alexanderplatz wird weiter mit Hochdruck gearbeitet. Seit Jahren ist das gesamte Areal bedingt durch die städtebaulichen Vorgaben des Senats eine einzige Baustelle. Bis zur endgültigen Gestaltung müssen noch zahlreiche Projekte verwirklicht werden. Mittes Baustadtrat Ephraim Gothe (SPD) setzte gestern mit der Übergabe der Baugenehmigung für das Hotel Barcelona ein weiteres Mosaiksteinchen für das Gesamtvorhaben Alexanderplatz.

Direkt an der Grunerstraße 3–5/Rathausstraße wird die spanische Hotelkette Best Hotels ein Vier-Sterne-Haus errichten – auf dem Gelände des ehemaligen Gesundheitsministeriums der DDR. Nach Angaben des spanischen Best-Unternehmspräsidenten Josep Batella beträgt die Investitionssumme rund 60 Millionen Euro; Fertigstellung im Sommer 2011.

Für die spanische Hotelkette ist das Berliner Vorhaben das erste in Deutschland. Gemeinsam mit dem deutschen Projektentwickler Gold.Stein (Frankfurt/Main) wurden in Zusammenarbeit mit dem Berliner Senat und dem Bezirk Mitte die Weichen für den Bau des 19-geschossigen Hauses gestellt. "Besonders wegen der U-Bahn-Tunnel war die Verwirklichung des Hotelneubaus sehr schwierig", sagtGold.Stein-Geschäftsführer Erhard Ellenberger.

U-Bahn-Tunnel erschwert Neubau

Die Planungen für das Hotel hatten sich tatsächlich immer wieder verzögert und dauerten knapp 4 Jahre. Schwierigkeiten bereitete die notwendige Überbauung des Bahn-Tunnels der U 2. Die Röhren der U-Bahn befinden sich teilweise nur eineinhalb Meter unter der Erdoberfläche. Zudem gab es kurzzeitige Irritationen in Hinblick auf die geplante U-Bahn-Kanzlerlinie im Bereich der Rathaus-/Grunerstraße. Allerdings gibt es diesbezüglich Entwarnung. Baustadtrat Ephraim Gothe: "Der Neubau hat keinen Einfluss auf die U-Bahn-Linien. Teilweise unterquert die U 2 bereits jetzt das Areal. Ein weiterer Tunnel für die Kanzlerlinie tangiert den Neubau nicht."

Nach den Plänen des Architekturbüros Schneider+Schumacher (sie bauten die rote Info-Box am Potsdamer Platz) soll das Hotel Barcelona zu einem weiteren Anziehungspunkt am Alex werden. Das Gebäude, bestehend aus einem Hochhaus und einem zur Grunerstraße gewandten neungeschossigen Gebäuderiegel, wird über 478 Gästezimmer (80 bis 100 Euro) inklusive Suiten verfügen. Dazu kommen verschiedene Meetingräume, ein kleiner Ballsaal (200 Personen), Bars und ein spanisches Restaurant. Besonderer Clou soll ein 15 Meter langes Schwimmbad auf dem Dach des Anbaus werden. Das gläserne Bassin soll den Innenhof des Hotels teilweise als Dach abschließen und gleichzeitig als Lichthof dienen.

Für die Gebäudefront zur Grunerstraße haben sich die Architekten etwas Besonderes einfallen lassen: Eine offene, künstlerische Fassadenfront wird das Bauwerk auflockern. Erhard Ellenberger: "Aus der Not wurde eine Tugend gemacht. Die nötigen Stützträger des Hochhauses wurden entsprechend der Belastung künstlerisch gestaltet." Gleichzeitig konnte so Platz für eine Auffahrt zum Hoteleingang gewonnen werden.

Das große Foyer des Hotels Barcelona kann von beiden Seiten betreten werden. "Einen Haupteingang gibt es nicht. Das Haus ist repräsentativ vom Alex, als auch von der Grunerstraße aus zu betreten", so Josep Batella.

Entschädigung der Wertheim-Erben

Bevor die eigentlichen Arbeiten für den Neubau beginnen, wird es bis zum Sommer 2009 dauern. Wegen der schwierigen Tunnelsituation starten zunächst Leitungsarbeiten. Die Abrissarbeiten des ehemaligen Gesundheitsministeriums wurden vor 3 Wochen beendet.

Bevor die Gold.Stein-Gruppe mit der Vermarktung des Geländes beginnen konnte, waren noch bis zum vergangenen Jahr einige Hürden zu nehmen. So ging es lange um Entschädigungszahlungen an die Wertheim-Erben. Wie berichtet, gehörte das Areal süd-östlich des Bahnhofs Alexanderplatz und des Ex-DDR-Ministeriums zu Grundstücken der Wertheim-Familie. Hier konnte 2007 eine Einigung zwischen dem Bund und den Erben erzielt werden.

Mit dem Bau des neuen Hotels wird der Bereich rund um den Alexanderplatz zu einer wahren Bettenburg. Neben den bestehenden Häusern Park Inn (Alex) und Motel One (Rosa-Luxemburg-Straße) kommen in den nächsten Jahren weitere 5 Hotels mit insgesamt rund 2000 Betten aller Preisklassen hinzu.



B Ü R O F L Ä C H E N   I N   D E R   K R I S E

Die Finanzkrise drückt den Gewerbemarkt

Keine ausländischen Investoren mehr und wenig Büromieter / Berlins Makler sehen schwere Zeiten.

Aus:
Der Tagesspiegel, Berlin, 22. November 2008, Seite I1 (Immobilien). [Original]

BERLIN (Tsp). In Zeiten, in denen alles den Bach runterzugehen scheint, ist Galgenhumor angesagt. In der Berliner Immobilienszene jedenfalls macht derzeit folgender Spruch die Runde: "Im Zuge der Sparmaßnahmen haben wir jetzt das Licht am Ende des Tunnels ausgeschaltet."

Steht es als Folge der internationalen Finanzmarktkrise wirklich so schlimm um den Immobiliensektor der Hauptstadt? "So ganz fürchterlich sieht der Markt nicht aus", antwortet Fabian Hüther, der beim internationalen Gewerbeimmobilienmakler CB Richard Ellis in Berlin für das Investmentgeschäft verantwortlich ist. Nach Berechnungen seines Unternehmens sind in der ersten Hälfte dieses Jahres an der Spree Bürohäuser, Supermärkte, Baugrundstücke und andere Gewerbeliegenschaften für rund 1,5 Milliarden Euro gehandelt worden – zwar deutlich weniger als im Vergleichszeitraum des Jahres 2007, aber mehr als im gesamten Jahr 2004.

Bemerkenswert ist auch, dass die Preise im Gewerbesektor laut Hüther bisher kaum gesunken sind. Während die Spitzenrendite für Bürogebäude im dritten Quartal des vergangenen Jahres 4,90 % betrug, sind es jetzt 5,25 %. Diese Rendite errechnet sich aus dem Kaufpreis: Je mehr ein Investor bezahlen muss, desto geringer ist seine Rendite; der leichte Anstieg der Rendite bedeutet folglich, dass die Preise geringfügig zurückgegangen sind.

Ausländische Investoren, die noch 2007 den Berliner Markt dominierten, haben sich weitgehend zurückgezogen, seit es ihnen kaum mehr gelingt, zu Krediten zu kommen. Aus demselben Grund gehen Verkäufe von Immobilienpaketen, sogenannte Portfoliotransaktionen, "in der Tendenz gegen null", so Hüther. Hinzu kommt: Eigenkapitalstarke Käufer, die noch Appetit auf das eine oder andere gute Stück haben, warten ab, weil sie auf sinkende Preise hoffen.

In den nächsten 12 bis 24 Monaten allerdings, glaubt Ulf Buhlemann, Bewertungsspezialist bei CB Richard Ellis, wird es wieder Bewegung im Verkaufsgeschäft geben – wenn auch dem Zwang gehorchend und nicht dem freien Willen: Viele Eigentümer werden dann zur Veräußerung von Immobilien gezwungen sein, weil die Banken ihre Kredite überprüfen und in manchen Fällen eine Erhöhung des Eigenkapitalanteils der Kreditnehmer verlangen werden. Das aber, so Buhlemann, wird diesen oft nur dann gelingen, wenn sie einen Teil ihrer Objekte abstoßen. Und das dürfte zu deutlich sinkenden Preisen führen.

Dass die Stimmung schon heute schlecht ist, zeigt der Immobilienkonjunktur-Index, den das Beratungsunternehmen King Sturge jeden Monat auf der Grundlage einer bundesweiten Befragung von Immobilienunternehmen erhebt. Demnach ist die Stimmung in der Branche im Oktober um über 20 % eingebrochen. "Hier", sagt King-Sturge-Chef Sascha Hettrich, "hat sich eine Spirale nach unten in Gang gesetzt, die uns wahrscheinlich noch einige Zeit in Atem halten wird."

Spüren wird man dies auch bei der Nachfrage nach Büroflächen. Im vergangenen Jahr und bis weit in dieses Jahr hinein rieben sich die Makler angesichts hoher Flächenumsätze die Hände. Doch jetzt sind "die Auswirkungen der allgemeinen wirtschaftlichen Situation auf die Büromärkte zu spüren", räumt Matthias Hauff ein, Berliner Vermietungsspezialist bei CB Richard Ellis. "Expansionen sind in diesen wirtschaftlich unsicheren Zeiten nicht der Regelfall", erklärt auch Jan Hübler, Leiter der Bürovermietungsabteilung beim Makler Jones Lang LaSalle in Berlin.

Trotz der sinkenden Nachfrage wird der Büroleerstand (er beträgt momentan ungefähr 9 %) nach Meinung der meisten Beobachter nicht sprunghaft ansteigen. Der Grund dafür liegt darin, dass nur wenige neue Bürohäuser gebaut werden. Und wenn doch, so stehen für einen Großteil der neuen Flächen bereits Nutzer fest. An der geringen Neubautätigkeit wird sich nach Überzeugung von Fabian Hüther auch künftig nichts ändern. "Die Türme am Alexanderplatz – Die werden nie gebaut!", versichert er. Und sein Kollege Buhlemann setzt mit Blick auf das Volksbegehren gegen die geplanten Neubauten an der Spree noch eins drauf: "Mediaspree muss man nicht versenken. Da passiert sowieso nichts." [Auch Investor Morgan Stanley in der Klemme]



Tiefgarage am Alexanderplatz erst 2011 fertig

Aus:
Berliner Morgenpost, 12. Dezember 2008, Seite ?? (Bezirke). [Original]

BERLIN-MITTE (BM/rh). Die Tiefgarage am Alexanderplatz wird nicht – wie geplant – im Sommer 2010 fertiggestellt. Das Unternehmen Wöhr + Bauer aus München musste jetzt den Termin verschieben.

Wie es heißt, sei der schwierige Baugrund der Grund für die Verzögerung. Wie berichtet, musste schon einmal die Fertigstellung korrigiert werden, denn ursprünglich sollte das Parkhaus bereits im kommenden Jahr zur Verfügung stehen. Historische Funde und Reste alter Häuser hatten zu einem ersten Baustopp geführt und Archäologen auf den Plan gerufen.

Für den Senat bedeutet die Bauverzögerung, dass der Neubau der Alexanderstraße entsprechend später beginnen (Oktober 2009) kann. Die Straße soll von 100 auf 58 Meter Breite verengt werden. In der dreigeschossigen Tiefgarage sollen Einstellplätze für 600 Fahrzeuge zur Verfügung stehen.



Investor plant höchstes Haus Berlins

Seit Jahren reden alle über das Hochhausviertel am Alexanderplatz – aber gebaut wurde es nicht. Bislang. Ein Investor hat nun konkrete Pläne für einen Wolkenkratzer, die er anlässlich der Eröffnung eines neues Geschäftshauses am Alex vorstellte.

Aus:
Der Tagesspiegel, Berlin, 19. März 2009, 16.23 Uhr MESZ (Berlin) von CHRISTIAN VAN LESSEN. [Original]

BERLIN (Tsp). Von der Terrasse im sechsten Stock der Galeria Kaufhof bieten sich beste Aussichten auf das neue Geschäftshaus "die Mitte" und die freie Fläche daneben. Sie ist für wirklich Großes vorgesehen, für ein neues Hochhaus am Alexanderplatz. Seit 16 Jahren wird hier über einen geplanten Kranz von Wolkenkratzern diskutiert – jetzt scheint einer in Sichtweite.

Das amerikanische Immobilien-Unternehmen Hines arbeitet an "zukunftsorientierten und flexiblen Konzepten" für ein 150 Meter hohes Gebäude. Im nächsten Jahr wird sich zeigen, ob sich Mieter finden, ein Hotel gilt als möglich. Frühestens in 2 Jahren könnte gebaut werden. Es wäre das höchste Haus Berlins.

Am Donnerstag [19.3.2009] hat Hines auf dem Dach des Kaufhof-Nachbarn erst einmal die Eröffnung seines 30 Meter hohen Geschäftshauses "Die Mitte" angekündigt. Dort geht es noch um den letzten Schliff, 10 Einzelhandelsgeschäfte ziehen ein.

Wenn Hauptmieter Saturn in der Nacht zum Mittwoch mit Sonderangeboten die Türen für 24 Stunden öffnet, dürfte es turbulent zugehen. "Wir sind in Gesprächen mit Saturn und mit der Polizei", sagt der Berliner Hines-Niederlassungsleiter Christoph Reschke. Im September 2007 hatte es bei der Eröffnung des Media-Marktes im gegenüberliegenden Einkaufszentrum Alexa wegen des Andrangs chaotische Zustände gegeben, als tausende Menschen das Geschäft stürmten, Scheiben zu Bruch gingen und die Polizei mit 100 Beamten anrückte.

Das neue Geschäftshaus hat rund 100 Millionen Euro gekostet, ist 6 Etagen hoch und wird 10 Einzelhandelsgeschäfte beherbergen. Reschke betont, dass es kein Shopping-Center ist. Es wolle sich mit allen Ladengeschäften zum Alex öffnen. "So verstärkt sich die Lebendigkeit und die Dynamik des gesamten Platzes", sagt der Hines-Mann. Er schwärmt davon, dass der Alexanderplatz mit rund 360.000 täglichen Besuchern inzwischen als viertbelebtester Platz Europas gilt. "Ein Riese ist erwacht". Nun sei die Baulücke im östlichen Bereich geschlossen.

Mit der Planung beschäftigt sich Hines seit 1993. Wegen der U-Bahn und mehrerer Bunker im Untergrund ist das Areal nach Auskunft des Investors schwer zu bebauen. Deshalb hat "Die Mitte" nur ein Untergeschoss. Die Architekten des Büros RKW (Rhode, Kellermann, Wawrowsky) hätten sich beim Äußeren auf die benachbarten Bauten von Peter Behrens bezogen, auch die Rückfront wirke nicht mehr so fensterlos, wie vom Regierenden Bürgermeister beim Anblick des Rohbaus im letzten Sommer kritisiert. Sie habe eine "schöne Fassade" erhalten.

Die Brandwand solle auch noch gestaltet werden. An ihr könne das Hochhaus entstehen, nicht aus dem Sockel des Geschäftshauses wachsen, wie erst geplant. Aber die "Vorhaltungskosten" für ein späteres Hochhaus auf dem selben Grundstück seien zu hoch. Für das Projekt muss der Bebauungsplan geändert werden. Am Alexanderplatz und in seiner unmittelbaren Umgebung sind planungsrechtlich 10 150-Meter-Türme möglich.



Hines will am Alex hoch hinaus

Aus:
Berliner Morgenpost, 20. März 2009, Seite xx (Berlin). [Original]

BERLIN (BM). Als der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) im Sommer letzten Jahres den Panoramablick von der "Haus des Reisens"-Dachterrasse auf den Alexanderplatz wagte, entfuhr ihm mit Blick auf die massive Betonfassade des damals noch im Bau befindlichen Geschäftshauses "die mitte" und auf das rosafarbene Einkaufszentrum Alexa der ehrliche Ausruf: "Ist das hässlich!"

Nun: Dem Alexa wurde mittlerweile ein golden schimmerndes Dach verpasst, das die Wirkung des rosa Klotzes abmildert. Und die nackte Beton-Fassade, die "die mitte" nach Osten präsentiert, ist 5 Tage vor der Eröffnung hinter einer vorgehängten Fassade aus Glas und Naturstein verschwunden. Ein weiterer Hort der Hässlichkeit soll ebenfalls nicht von Dauer sein:

Christoph Reschke, Berliner Niederlassungsleiter des amerikanischen Investors Hines, präsentierte gestern anlässlich der bevorstehenden Eröffnung von "die mitte" Pläne für ein 150 Meter hohes Gebäude, das unmittelbar an die nach Norden weisende kahle Brandwand andocken soll. "Nachdem wir unser Konzept für das Geschäftshaus erfolgreich umgesetzt haben, stellen wir uns jetzt der Herausforderung, in Phase 2 das Hochhaus zu realisieren", sagte Reschke.

Das Hochhaus sei mit einem Investitionsvolumen von "mindestens 200 Millionen Euro" zu bauen, so der Bauherren-Vertreter. Allerdings werde erst dann mit dem Bau begonnen, wenn für einen Großteil der geplanten 37 Etagen Mietverträge abgeschlossen worden seien. Trotz internationaler Finanzkrise ist man bei Hines zuversichtlich: "Unsere Analysen haben ergeben, dass das Interesse am Standort Alexanderplatz enorm groß ist", so Reschke. Schließlich liege der Alexanderplatz mit einer Frequenz von 360.000 Passanten am Tag auf Rang 4 der meistbesuchten Plätze Europas.

Gespräche mit Interessenten liefen bereits. "Besonders die Nachfrage aus dem Einzelhandel ist stark", sagt Reschke. Deshalb werde auf jeden Fall auch im Hochhaus ein gewisser Anteil an Handelsfläche entstehen. Ob der Hauptnutzer ein Hotel werde, sei derzeit noch völlig offen. Die Suche nach einem Nutzer für das Hochhaus solle im kommenden Jahr abgeschlossen werden. "Frühester Baustart ist damit voraussichtlich im Jahr 2011", schätzt Reschke. Nach dem "Planwerk Innenstadt" der Senatsverwaltung sind weitere Hochhausbauten am Alexanderplatz bereits vorgesehen, das Genehmigungs-Prozedere daher voraussichtlich nicht sehr aufwendig. Allerdings: "Entgegen den ursprünglichen Plänen von 1991 wollen wir das Hochhaus nicht auf dem Geschäftshaus, sondern daneben bauen", sagt Reschke.

Fundament bereits vorhanden

Das 1400 Quadratmeter große angrenzende Areal sei dafür gut geeignet. "Unter dem Grundstück befindet sich ein dreistöckiger, solider Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg", sagt der Berlin-Chef. Diesen könne man mit wenig Aufwand etwa als Parkgarage nutzen. Doch das Beste: "Unter dem Bunker befindet sich eine massive, 7 Meter dicke Betonplatte." Denn bereits in den 1920er-Jahren gab es Pläne für ein Hochhaus am Alexanderplatz: "Das Fundament ist also bereits gelegt", sagt Reschke. Mit den geplanten 150 Metern wäre das Hines-Hochhaus das höchste Haus Berlins. Bis es soweit ist, bleibt das Hotel Park Inn mit seinen 123 Metern das höchste Gebäude auf dem Alexanderplatz.

Doch in der kommenden Woche, in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch [25.3.2009], muss nun erst einmal das 30 Meter hohe, 100 Millionen Euro teure neue Geschäftshaus "die mitte" seine Feuertaufe überstehen. In dem Gebäude an der Nord-Ost-Ecke des Platzes hat sich als Hauptmieter die Elektromarkt-Kette Saturn eingemietet. Auf 3 Etagen mit einer Fläche von 14.000 der insgesamt 22.000 Quadratmeter sollen ab Null Uhr Schnäppchen angeboten werden – auch die anderen 9 Läden, darunter Esprit und Promod, haben geöffnet. Angesichts der turbulenten Eröffnung des Media Marktes im benachbarten "Alexa" im September 2007 sei man mit der Polizei im Gespräch, sagte Reschke. Wer ein Schnäppchen ganz ohne Eröffnungsstress machen möchte, kann das bereits heute tun: Noch bis einschließlich Sonnabend läuft der Räumungsverkauf im alten Saturn-Standort neben dem Hotel Park Inn am Alex.



Der Weltstadtplatz

Die alten Wolkenkratzer-Pläne sind passé, doch mit jedem neu eröffneten Geschäftshaus zieht der einst öde Alex mehr Menschen an. "Die Mitte" hat den Charakter des Platzes angenehm verändert. Er ist die neue wichtige Shopping-Adresse Berlins.

Aus:
Der Tagesspiegel, Berlin, 29. März 2009, Seite xxx (Berlin) von CHRISTIAN VAN LESSEN. [Original]

BERLIN (Tsp). Kathrin Sauerbrey strahlt. "Hier ist doch was los, hier ist richtig Leben." Die junge Verkaufsmangerin arbeitet im neuen Geschäftshaus "Die Mitte" und fühlt sich auf dem Platz "mittendrin in der Großstadt". Noch hallt der Wirbel um die Eröffnungsfeier nach, die den Alexanderplatz in der Nacht zum Mittwoch [25.3.2009] fast zum Beben gebracht hat. Das neue Haus fügt sich in die Architektur ein, zieht noch mehr Leute an. Fast 400.000 passieren den Verkehrsknotenpunkt täglich, unter- und oberirdisch. Planer geben ihm beste Chancen, eine richtige Mitte zu werden.

"Die Mitte" hat den Charakter des Platzes angenehm verändert. "Er ist kleiner und weniger zugig geworden", sagt Silke Fürstenau von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Sie sitzt im 14. Stock des früheren "Haus des Reisens" direkt am Platz und hat die beste Übersicht. Vor allem koordiniert sie die Planungen, hält Kontakt mit Investoren. Beim Blick von oben sagt sie: "Es ist wichtig, dass jetzt die östliche Platzkante geschlossen ist."

Mittes Baustadtrat Ephraim Gothe (SPD) ist sicher, dass der Alex und das Areal um Fernsehturm und Rotes Rathaus "von größter Bedeutung für das Image der gesamten Stadt sind". Wenn der Platz fertig sei, habe Berlin nach dem Breitscheid- und dem Potsdamer Platz den dritten wirklichen Weltstadtplatz.

Noch immer aber haftet dem Ort das Image der Öde und eines Ost-Zentrums an und der Ruf, einst zu große, vor allem bauliche Erwartungen geweckt und enttäuscht zu haben. 13 neue Wolkenkratzer, mit 150 Meter 25 Meter höher als das "Park Inn", hätten spätestens bis 2010 hier stehen sollen – erwarteten die Stadtplaner nach dem städtebaulichen Wettbewerb 1993. Sie schwelgten in Träumen von der "Stadtkrone", von immer mehr Büros – und verabschiedeten sich doch nach und nach von der Euphorie der Nachwendezeit.

Jetzt sind noch 10 Wolkenkratzer geplant, Investoren haben sich in städtebaulichen Verträgen zum Bau verpflichtet, doch die Termine ziehen sich. Das Jahr 2018 ist einer der Fixpunkte. Noch können die potenziellen Bauherren nachweisen, dass sich ein Riese angesichts der Marktlage nicht rechnet. "Keiner will, dass Investoren insolvent werden und ein angebrochenes Hochhaus stehenbleibt", sagt Silke Fürstenau. Hochhäuser könnten unter anderem Sonae (mit dem "Alexa"), Blackstone (mit dem Hotelkomplex Park Inn) und Metro (mit dem Kaufhof) errichten. Die Stadt hat ihre Aufgaben weitgehend erledigt, Leitungen verlegt, Trassen für die Straßenbahn gebaut, den Platz neu gestaltet, fast 9 Millionen Euro in die Infrastruktur gesteckt. Die Tiefgarage für 600 Fahrzeuge wird vermutlich Ende 2010 fertig.

"Ich warte täglich auf den Anruf eines Investors, dass er ein Hochhaus bauen will", sagt Silke Fürstenau und lächelt. Sie wünscht, dass es schneller geht. Seit 2000 arbeitet sie hier, das Signal für ein Hochhaus hat sie noch nicht vernommen. In ihm könnten Büros, Hotelzimmer, auch Wohnungen Platz finden. Das Haus des Reisens, in dem sie sitzt, ist gut 30 Jahre alt. Auch hier ist ein neues Hochhaus vorgesehen.

Das Unternehmen Hines, Bauherr des Geschäftshauses "Die Mitte", hat zumindest den Anfang gemacht und 16 Jahre nach dem städtebaulichen Wettbewerb den ersten Neubau errichtet. Es ist ein Sockelbau, ein Zwerg, verglichen mit den angekündigten Riesen, aber schon 2011 könnte an seiner Brandwand ein Hochhaus entstehen, kündigt Christoph Reschke vom Unternehmen Hines an. Im nächsten Jahr werden Vermarktungschancen erkundet. Ist das Hochhaus erst im Bau, könnte es, so Silke Fürstenau, Projekte beflügeln. Schon jetzt boomt es, sagt Geschäftsführer Detlef Steffens von der Galeria Kaufhof, engagiert in der Interessengemeinschaft Alexanderplatz. Nun müsse nur die Tiefgarage fertig werden. Rund 10.000 neue Hotelbetten in der weiteren Umgebung machten sich bemerkbar. Der Platz sei kein Treffpunkt des Ostens mehr, werde von den Touristen und den Berlinern aus beiden früheren Stadthälften gleich frequentiert.

So schön die Randbauten geworden sind, so sehr sich der Einzelhandel freut – es gibt optische Schwachpunkte: Die neuen Granitbänke sind voller Graffiti, die Pflege ist teuer. Die Kaugummireste auf dem Platz erbosten schon den Regierenden Bürgermeister. Gerade zur wärmeren Jahreszeit treffen sich hier auch "Problemgruppen".

Gottfried Kupsch von der Arbeitsgemeinschaft City (West) streitet der Ost-Konkurrenz die Einmaligkeit ab. Das Angebot sei beliebig, bis auf das Einkaufszentrum Alexa sehe er nichts Besonderes. Der Platz habe zwar eine extreme öffentliche Anbindung, aber es fehlten ihm die lebendigen Nebenstraßen mit kleinen Gewerbetreibenden, er brauche zumindest die städtebauliche Verknüpfung mit dem Hackeschen Markt. "Zum Kurfürstendamm und zur Tauentzienstraße kommen täglich über 300.000 Leute – zum Einkaufen, nicht zum Umsteigen."

Hildegard Felgentreu wohnt in der nahen Frankfurter Allee. Sie sitzt im Restaurant des Alexanderhauses und denkt an früher. Sie ist 85 Jahre alt, war vorm Krieg mit ihren Eltern oft auf dem Platz. "Bei Aschinger haben wir billig Eisbein und Würstchen gegessen." Sie findet die "Neue Mitte" zu nüchtern, vermisst ein Stück Gemütlichkeit. In der Passage ziehen Scharen mit Einkaufstüten vorbei. "Die jungen Leute nehmen den Platz an", sagt sie. "Aber mir ist es hier zu kalt."



A M   A L E X   W I R D   G E B A U T

Ein See in der Baustelle am Alexanderplatz

Aus:
Berliner Morgenpost, 14. August 2009, Seite xx (Berlin). [Original]

BERLIN (BM). Für kurze Zeit hat Berlin einen neuen See. Das etwa 900 Quadratmeter große Gewässer ist allerdings zum Baden völlig ungeeignet. Es liegt in Mitte, auf der großen Baustelle vor dem Hotel Park Inn, und ist für Passanten auf dem Weg über die Alexanderstraße zum Alexanderplatz zu sehen.

Sie konnten gestern ein Floß beobachten, auf dem ein Bauarbeiter fuhr, in der einen Hand eine Messlatte, in der anderen Hand einen Betonschlauch. Unter Wasser entsteht die Bodenplatte für die neue Tiefgarage gegenüber vom Hotel. Zur Kontrolle springen Taucher in das braune Wasser und überprüfen den Baufortschritt. Es ist das südöstliche Ende der fast 230 Meter langen und 45 Meter breiten Baustelle.

Kosten: 25 Millionen Euro

Rund 25 Millionen Euro kostet das anspruchsvolle Großprojekt, das die Firma Wöhr + Bauer GmbH aus München realisiert. Die bayerische Firma ist Projektentwickler. Betreiber der Tiefgarage und Investor ist die Firma Q-Park. Bereits im Herbst 2007 war Baubeginn. 650 Stellplätze entstehen. Das Bauwerk nimmt ein Volumen von etwa 80.000 Kubikmetern ein und reicht bis in eine Tiefe von 9 Metern. Unmengen von Sand müssen bewegt werden. Bagger arbeiten in der Tiefe und an der Oberfläche. Lastwagen transportieren etwa 2000 Kubikmeter am Tag. Mehr als 110 Fahrten sind dazu erforderlich. Grundwasser muss abgepumpt werden.

Für Autofahrer ist das anspruchsvolle Großprojekt weniger erfreulich. Sie müssen sich seit langem auf einer Spur an der Baustelle entlang schlängeln. Doch jetzt setzen die Verantwortlichen zum Endspurt an. "Wir wollen nicht der Bremsklotz am Alexanderplatz sein", sagt Projektkoordinator Bernhard Deurer von Wöhr + Bauer. Ein zusätzliches Architekturbüro werde beschäftigt, weitere Nachunternehmen eingesetzt. Außerdem prüfe man, ob die Bauarbeiten in 2 Schichten erfolgen können. So soll es möglich werden, dass die Tiefgarage wie ursprünglich geplant Mitte 2010 fertig wird. Denn das Bauende ist zwischenzeitlich auf 2011 verschoben worden. Ursache waren die archäologischen Ausgrabungen, die 4 Monate dauerten und Skelette aus dem Mittelalter zu Tage förderten. Außerdem fanden sich die Mauern einer Exerzierhalle, die abgetragen werden mussten.

Die Tiefgarage bekommt zwei Zu- und Ausfahrten, eine am südöstlichen Ende. Dort entsteht das Bauwerk, wie am See erkennbar, in offener Bauweise. Es wird nur eine Ebene zum Parken haben und soll außerdem für spätere Bauvorhaben die Zufahrt für Lastwagen bis unter den Alexanderplatz ermöglichen. Der nordwestliche Teil des unterirdischen Parkhauses ist mit 3 Etagen von je 6500 Quadratmetern Fläche geplant. Er entsteht in geschlossener Bauweise: Zunächst wurden Seitenwände und Decken gebaut, dann der Sand aus dem Inneren entfernt und nun Bodenplatte und Zwischendecken eingezogen. Als Schutz dient in 19 Metern Tiefe eine weitere, etwa 1 Meter dicke Platte. Dazu ist Zementschlämme in einem Hochdruckverfahren nach unten gepresst worden.

Besuchertag auf der Baustelle

Von der Straße und den umliegenden Häusern aus sind nur die Baufahrzeuge an der Oberfläche zu sehen. Den Blicken entzogen ist die riesige unterirdische Halle mit einem Halbrund und großen Stahlstützen, die bis in eine Tiefe von 9 Metern reicht. Bauarbeiter bringen die Stahlelemente für die Bodenplatte an. Alle 14 Tage freitags wird der Beton für die Platte gegossen. Er härtet am darauf folgenden Wochenende aus. An den Wänden ist erkennbar, wo die Spindeln für die Zu- und Ausfahrt gebaut werden. Auch Berliner und Touristen sollen Einblick in die große Halle bekommen. Die Wöhr + Bauer GmbH plant im Herbst einen Tag der offenen Tür. Vorgesehen ist der 19. oder 20. Oktober.

Wenn die Tiefgarage fertig ist, soll die Alexanderstraße neu angelegt werden. Geplant ist eine Fahrbahn mit 6 Spuren, die jedoch schmaler ist als früher. Sie soll von 100 Metern Breite auf etwa 58 Meter zurückgebaut werden. Die Gehwege werden mehr Platz zum Flanieren bieten. Wann Autofahrer wieder ungehindert zwischen Park Inn Hotel und Bundesumweltministerium fahren können, ist noch ungewiss. Vorerst müssen sie Geduld und Zeit für die große Baustelle mit ihrem Lkw-Verkehr und für weitere Behinderungen im Umfeld aufbringen.

An der Kreuzung Grunerstraße/Otto-Braun-Straße sind die Fahrspuren eingeengt, die Verkehrsführung geändert. Weiter südöstlich richtet die BVG zurzeit 3 Baustellen auf der Karl-Marx-Allee ein. Sie entstehen im Umfeld der U-Bahnhöfe Schillingstraße, Strausberger Platz und Weberwiese. Dort will das Unternehmen die Decken der U-Bahn-Tunnel neu abdichten und muss dafür die Oberflächen öffnen. Der Verkehr soll in 2 Spuren pro Richtung an den Baustellen vorbeiführen, die Geschwindigkeit auf Tempo 30 begrenzt werden. Bauarbeiten auf der Mollstraße zwischen Otto-Braun-Straße und Karl-Liebknecht-Straße dauern bis Ende November 2009, Arbeiten auf der Torstraße zwischen Rosa-Luxemburg-Straße und Karl-Liebknecht-Straße bis Ende Oktober 2009.

Westlich vom Alexanderplatz, vor dem roten Rathaus, entsteht 2010 die nächste große Baugrube. Sie wird auf dem Areal des Marx-Engels-Forum angelegt. Dort soll die Vortriebsmaschine in die Tiefe gelassen werden, die den Tunnel für die Verlängerung der U 5 vom Alexanderplatz zum Brandenburger Tor bohrt.



Mieten an Berlins Alexanderplatz explodieren

Aus:
Berliner Morgenpost, 9. März 2010, Seite xx (Berlin). [Original]

BERLIN (BM). Berlin ist für den Einzelhandel deutschlandweit einer der beliebtesten Standorte. Dies hat zur Folge, dass Verkaufsflächen in den Top-Lagen nicht nur heiß begehrt, sondern auch teuer sind. Besonders am Alexanderplatz ziehen die Mietpreise massiv an. Der begehrteste Standort für Einzelhändler ist aber eine andere Meile.

Das Immobilien-Unternehmen Comfort hat untersucht, wie sich die Mieten für den Einzelhandel in Berlins Top-Lagen entwickeln. Laut der Studie übertrifft die Nachfrage nach Verkaufsflächen das Angebot bei weitem, was in starken Preisanstiegen resultiert.

Die Kaufkraft der Berliner sei für eine Metropole eher mittelmäßig, heißt es in der Untersuchung. Dennoch sei die Hauptstadt einer der beliebtesten Standorte für Einzelhändler in Deutschland. Der Hauptgrund hierfür ist laut Comfort-Geschäftsführer Ronald Steinhagen die Bedeutung Berlins als Touristenziel. Laut Handelsverband Berlin-Brandenburg wird fast ein Viertel des Umsatzes mit Verkäufen an Reisende erzielt.

Zu den 1A-Lagen in Berlin zählen die Friedrichstraße, das Viertel um den Hackeschen Markt und die Schloßstraße [in Steglitz]. Am stärksten sind 2009 die Mieten am Alexanderplatz gestiegen – um 16,7 % auf 210 Euro pro Quadratmeter im Monat.

Die höchsten Mietpreise erzielen nach wie vor Verkaufsflächen am Kurfürstendamm und an der Tauentzienstraße. Seit 2005 sind die Mieten für Geschäfte am Tauentzien mit 80 bis 120 Quadratmetern um mehr als 44 % gestiegen. Im Jahr 2009 kostete ein Quadratmeter monatlich 260 Euro, am Kudamm 220 Euro.



Aufschwung am Alex

Wohnungen und Läden sind wieder gefragt. Investoren sehen jetzt ihre Chance für Neubauprojekte.

Aus:
Der Tagesspiegel, Berlin, 30. Juni 2010, Seite xx (Berlin). [Original]

BERLIN (Tsp). Spektakuläre Entwürfe für die Gestaltung der Baufelder rund um das Park-Inn-Hotel heizen Spekulationen über eine Neugestaltung des Alexanderplatzes an. Der Kölner Architekt Till Sattler hat die Pläne für den US-amerikanischen Finanzinvestor Blackstone erstellt, dem das Hotel und zwei benachbarte Grundstücke gehören. Sattler schlägt den Bau von zwei neuen Hochhäusern vor, verbindet die Sockelbauten der drei Grundstücke und schafft eine Passage mit zeltartigem Glasdach zwischen dem zweiten und dem dritten Block. Die 150 Meter hohen „Turmhäuser“ und die Höhe der Sockelbauten (35 Meter) folgen dem Masterplan für den Platz, die Passage und die Verbindung der Grundstücke untereinander dagegen nicht.

Die Pläne sollen bei Gesprächen mit dem Senat erörtert worden sein. Der Architekt spricht von „Vorentwürfen“. Bei Blackstone wollte man sich nicht äußern. Mieter und Käufer zeigen reges Interesse an einer Adresse am Alexanderplatz. „Wir hatten dort ein Wohnhochhaus im Retro-Stil entwickelt und hätten das Baufeld D3 gern erworben“, sagt Willo Göpel vom Berliner Projektentwickler Urbanspaces. Bei einem Investor aus Bankenkreisen habe es großes Interesse gegeben. Einer der beiden Türme käme Experten zufolge auch für den Betreiber eines Hotels der Oberklasse infrage – das Park Inn zielt auf eine weniger zahlungskräftige Klientel.

Auf der Straßenseite des Alexanderplatzes entsteht zurzeit eine Tiefgarage, die im August fertiggestellt sein soll. Sobald die Straße neu angelegt ist, könnte der Bau der 35 Meter hohen Sockel neben dem Park-Inn beginnen. Nach den Planungen des Senats sollte das eigentlich bereits im vergangenen Jahr geschehen sein. Die Finanzkrise kam dazwischen. Doch der Berliner Markt erholt sich überraschend schnell: Nach einer aktuellen Studie des Forschungsinstituts Bulwien-Gesa werden in diesem Jahr in Berlin 14,7 Milliarden Euro in Bauprojekte investiert, eine Milliarde mehr als 2009. Den Zuwachs führen die Forscher auf die starke Nachfrage nach Wohnungen und Einzelhandelsflächen zurück. Davon profitiert auch Alexanderplatz-Investor Blackstone. Modeketten sind an den leer stehenden Ladenflächen in dem Altbau interessiert, aus dem der Elektronikmarkt Saturn zuletzt in das nebenan neu errichtete Shoppingcenter „Die Mitte“ umgezogen ist. „Man hört, dass es konkreter wird“, sagt Christoph Scharf, Vermietungschef der Maklerkette BNP-parisbas Real Estate.

Wie schnell es am Alexanderplatz gehen kann, zeigen die neuesten Pläne für Bauland weiter östlich, Ecke Stralauer Straße: Noch in diesem Jahr startet ein Hotelneubau mit 170 Zimmern plus Einzelhandel auf 13.000 Quadratmetern. Das Grundstück hat die Degewo verkauft. Die landeseigene Gesellschaft hatte bereits das „Alexa“-Grundstück veräußert und im vergangenen Jahr ein weiteres Areal, auf dem die Firma „Porr-Solutions“ einen 65 Meter hohen Turm baut. Dank der regen Nachfrage bleibt auch Redevco auf Kurs: Bis Ende 2012 will der niederländische Konzern am Fuße des Fernsehturms einen 19.000 Quadratmeter großen Neubau eingeweiht haben. „Wir verhandeln mit Mietern“ sagt eine Sprecherin. Die Gespräche verliefen gut.



Am Alexanderplatz ist alles in der Schwebe

Vor genau zwei Jahren mochte sich Klaus Wowereit kaum beruhigen: „Eine Betonschlucht“, schimpfte er beim Blick vom Hochhaus auf den Alex, der wenige Schritte von seinem Amtssitz entfernt liegt. Und heute? Das Areal verändert sich stetig.

Aus:
Der Tagesspiegel, Berlin, 8. August 2010, Seite xx (Berlin). [Original]

BERLIN (Tsp). Sie haben Rucksäcke geschultert und die Gürteltasche fest um die Hüfte geschnallt. Die S-Bahn-Türen öffnen sich, und die Menschen strömen die Treppen hinab. Einer strandet auf dem Weg hinaus in der „Bierbar Alkopole“. Die, die es ein paar Meter weiter bis ins Freie schaffen, stehen auf einer städtebaulichen Legende: Dem Alexanderplatz. Unvollendet liegt er da, zwischen der verruchten Vergangenheit in der Weltliteratur und der lichten Zukunft, die in der Vertikalen liegen soll.

Wer aus dem Bahnhof raus ist, ist mittendrin in der Stadt: Auf zwei Blöcke beigefarbenen Sandsteins stößt er am östlichen Ausgang. „Excuse me, you speak English?“, fragt ein Mädchen mit blauschwarzen Haaren und hält einen Pappbecher mit Münzen hin. Am Alex wird gebettelt, grammatikalisch falsch zwar, aber höflich. Man spricht rumänisch – andere französisch, schwedisch und natürlich englisch. Nur berlinert wird wenig – Franz Biberkopf ist schon lange tot.

Dafür wurde zuletzt viel gebaut und noch mehr zerstört, wie Architekt Hans Kollhoff meint. Der Grande unter den Berliner Baumeistern, der den Masterplan für diesen Platz schuf, verstärkt die Kritik, die der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit fast auf den Tag genau vor zwei Jahren übte: Zeitgenössische Architektur bringe hier nur „Klötze“ hervor wie das schräg gegenüber vom Bahnhof liegende Geschäftshaus „Die neue Mitte“. Oder es entstehen Kaufhäuser in sonderbaren Farben wie das „Alexa“ an der Grunerstraße. Vom 14. Stock des „Haus des Reisens“ aus hatte Wowereit auf die „Betonschlucht“ geschimpft, die ihm da zu Füßen lag. Das Land müsse mehr Einfluss auf Investoren nehmen, bilanzierte er. Wiederholen mochte er seine Kritik zwei Jahre nicht mehr, aber auch nicht zurücknehmen. Zu diesem Thema wolle der Regierende nichts sagen, hieß es auf Nachfrage.

Als Wowereit zur Eröffnung einer öffentlichen Toilette von Stadtmöblierer Wall auf dem Alex stand, fragte er seinen SPD-Parteifreund Ephraim Gothe, warum er die „Millionen von Kaugummis“ immer noch nicht vom Pflaster entfernen ließ. Keiner wird behaupten können, dass sich Mittes Baustadtrat dieses Problems nicht angenommen hätte: Am Fuße des Fernsehturmes ließ er ein Versuchsfeld mit teflonbeschichteten Bodenplatten anlegen. Auf zwei der vier Versuchsobjekte ist nur jeweils ein schwarzer Fleck zu sehen, dessen Haftkraft Gothe mit seinen Mokassins prüft. Im August soll ein neuer Versuch starten, die Platten werden glatt gemeißelt und versiegelt. „Das klebt ja nur so gut, weil der Stein so rau ist“, sagt er. Aber nicht nur Kaugummis, sondern auch Ketchup, Bier und Milchshake-Reste setzen den hellen Steinen zu. Es gibt zwar reichlich Mülleimer auf dem Areal, doch die sind nicht dicht genug für das klebrige Reste-Gebräu. Nun wird ein neuartiger Müllbehälter erprobt, der Abfall schluckt und in eine unterirdische Wanne plumpsen lässt. Der Einsatz effizienter Technik lohne sich, denn „jede Reinigung des Platzes kostet 10.000 Euro“.

Es wäre wohl unfair zu verlangen, der Alex möge so sauber sein wie der Pariser Platz. Der ist für Staatstragendes reserviert. Außerdem ist auf dem Alex immer etwas los – von der Tierschutz-Demo bis zum Weihnachtsmarkt. Wegen der Fülle der Veranstaltungen hat die Stadt festgelegt, dass es wenigstens an 120 Tagen im Jahr kein Remmidemmi gibt. Aber auch dann ist der Platz selten leer. „Was am Alexanderplatz abgeht, wurde lange unterschätzt“, sagt der Handelsexperte von Jones Lang Lasalle. Der Platz habe in der Besuchergunst Ku’damm und Tauentzien überholt: 10.000 Passanten in der Stunde, so viele wie nirgends in Berlin. So gesehen schießt Wowereits städtebauliche Kritik am Alexanderplatz an der wirtschaftlichen Realität vorbei. Und vielleicht auch an der Lebenswirklichkeit von Jugendlichen wie Sophie (14), Alica und Natalie (beide 15). Deren Freizeit ist eben manchmal von Milchshakes, Burgern und Kaugummis geprägt. Und ihr Treffpunkt ist das Alexa. In dem Einkaufszentrum gibt es Autogrammstunden von Stars wie Bushido, Ozzy Osbourne oder Rihanna. Das gehört zum Programm wie Salsakurse oder Nichtraucherseminare von Bergsteigerlegende Reinhold Messner. Von einem „Treffpunkt mit Weltstars“ spricht Center-Manager Oliver Hanna und davon, wie sich so etwas herumspricht, bis es „trendy, hip, angesagt“ ist, im Alexa zu sein. Im vorigen Jahr gab es im Center sogar einen „Flashmob“: 800 Jugendliche verabredeten sich per SMS, um McDonald’s „leer zu kaufen“. Auch durch so etwas wird ein Kaufhaus Kult.

Das umstrittene Alexa wurde zwar vor Stadtrat Gothes Amtsübernahme genehmigt. Den Neubau findet er trotzdem gut. Sogar Historisches liest er aus der Farbe heraus: „Hier stand früher das Rote Schloss“, sagt er. Und das damalige Polizeipräsidium aus rotem Backstein sei eine Trutzburg gegen die SA-Horden gewesen. Die Fassade der „Neuen Mitte“ greife die Leitmotive am Platz auf: Sandstein und Fenster. Das „viele Glas“ habe man dem Investor abtrotzen müssen, Einzelhändler bevorzugten eigentlich die „Black Box“: „Die brauchen die Wände ja als Stellflächen für Regale.“ Auch beim Umbau des Kaufhofs gegenüber widerstand Architekt Josef Kleihues dieser Versuchung. Der Kaufhof füllt einen der drei beigen Sandstein-Blöcke, die den Alexanderplatz auf jener Seite begrenzen, die dem Bahnhof zugewandt ist. Wie „Die Neue Mitte“ will sich der sanierte Kaufhof an benachbarten Baudenkmälern, dem Alexander- und Berolinahaus von Peter Behrens, orientieren. Aber beide Neubauten haben nicht die kraftvolle Eleganz von Behrens Klassikern der „Lichtarchitektur“: Solche Entwürfe entstehen wohl nur in Zeiten des Umbruchs, zu Behrens’ Zeit eben, die auch Döblins war.

Wer mit Stadtrat Gothe über den Alex streift, kann sich leicht anstecken lassen von dessen Blick auf diesen Ort, der oft von dessen Veränderung und dessen Zukunft geleitet ist. Der Politiker lobt das Gebäudeensemble, und von einer Steinwüste könne man auch nicht reden, seit die Ränder bepflanzt sind: mit japanischen Perlschnurbäumen, die 25 Meter groß werden können, und rot blühenden Kastanien. Mehr Grün sei nicht möglich, weil gleich unter den Platten die Tunnel der U-Bahnen liegen, die sich am Alex kreuzen. Und wenn die Bäume erst einmal groß sind und schattige Oasen auf dem Alex bilden, dann wird dem großen Unvollendeten vielleicht auch die Krone aufgesetzt: Acht 150 Meter große Hochhäuser sieht Kollhoffs städtebaulicher Plan vor, zwischen Park-Inn-Hotel und Alexa sowie auf der anderen Seite der Alexanderstraße. Ein zweiter Kranz von Häusern soll mit 60 Metern die Dimensionen vom Haus des Lehrers aufnehmen. Vorerst bleibt diese Vertikale am Alex aber in der Schwebe – es fehlt an Mietern.



K O L L H O F F - I N T E R V I E W

„Berlin kann sich so viel Piefigkeit nicht leisten“

Das Alexa: ein Monstrum. Die Neue Mitte: eine Katastrophe. Der Berliner Architekt Hans Kollhoff findet: Hauptstadtarchitektur muss anders aussehen.

Aus:
Der Tagesspiegel, Berlin, 9. August 2010, Seite xx (Berlin). [Original]

Hans Kollhoff (63) gilt als einer der einflussreichen Berliner Architekten. Er hat den Masterplan für den Alexanderplatz entworfen und den Turm mit der Adresse Potsdamer Platz 1 gegenüber dem Sony-Center. Viel gelobt wurde der Umbau des ZK-Gebäudes zum Auswärtigen Amt. Derzeit realisiert Kollhoff Projekte in den Niederlanden, darunter das Justiz- und Innenministerium in Den Haag.

Tagesspiegel: Vor zwei Jahren hat Klaus Wowereit die Entwicklungen am Alex mächtig kritisiert. Teilen Sie dessen Meinung?

Hans Kollhoff: Natürlich, es ist deprimierend, was in Berlin momentan passiert. Nicht nur am Alexanderplatz, sondern auch am sogenannten Marx-Engels-Forum und nicht zuletzt am Hauptbahnhof. Billig, billig, billig — das Primitivste, was man sich vorstellen kann.

Tagesspiegel: Woran liegt das?

Kollhoff: Offenbar rechnet sich nichts anderes, nicht einmal in der Mitte der Stadt. Ein Gebäude wie das Alexa ist reine Event-Architektur und hat nichts mehr mit innerstädtischer Bebauung zu tun. Grauenvoll. Ich saß ja selbst in der Jury und habe für den Entwurf gestimmt, weil es noch der städtischste Entwurf unter allen eingereichten Arbeiten war. Aber herausgekommen ist nach vielen Überarbeitungen ein Monstrum.

Tagesspiegel: Das Gebäude „Die Neue Mitte“ orientiert sich immerhin an Sandstein und Lichtarchitektur von Behrens’ Bauten ...

Kollhoff: Nein, es ist eine Katastrophe für den Alexanderplatz. Dieses Gebäude wird diesem Ort nicht annähernd gerecht, es ist eine dürftige Kiste. Ich akzeptiere auch nicht, dass man alles auf die Bauherren schiebt. Der Architekt hat dafür gradezustehen. Ich bin selbst aus vielen Projekten ausgestiegen, obwohl da viel Geld zu verdienen wäre. Es ist eine Frage der Haltung.

Tagesspiegel: Warum wird so gebaut?

Kollhoff: Die Investoren wollen einen schnellen Euro machen. Das Bauen ist ohnehin unattraktiv im Vergleich zur Finanzspekulation. Andererseits versagt die Verwaltung. In so einer Situation muss die Senatsbaudirektorin agieren und etwas zur Qualität von Bauten sagen. Und wenn wirklich nichts Besseres herauskommen kann, wird eben erst einmal nicht gebaut. Bevor Investoren der Stadt den Rest geben und sie ruinieren, sollte Berlin lieber eine Denkpause einlegen.

Tagesspiegel: Betrifft Ihre Diagnose nur den Alexanderplatz?

Kollhoff: Nein, noch viel schlimmer ist, was am Hauptbahnhof passiert. Das ist das Entree Berlins für eine große Zahl von Besuchern. Dort wird eine gigantische Chance vergeben. Der Humboldthafen ist eine großartige städtebauliche Figur, die auf Lenné zurückgeht. Über die wird geistlos hinweggeplant. Das meiste bleibt dem Zufall überlassen. Das kann es doch nicht sein. Hier versagt die Verwaltung. Es war gut, dass Herr Wowereit Klartext geredet hat, er müsste es wieder tun. Er ist schließlich weisungsbefugt auch gegenüber der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Es ist Zeit, dass Berlin Bilanz zieht und sich fragt, ob die Stadt sich diese Piefigkeit leisten kann.



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