Living in a City  —  Reports aus Berlin     – Zum Report 8 khd
Stand:  9.9.2008   (45. Ed.)  –  File: Bln/Ex/Berlin_Alexanderplatz_01.html



Diese Seite ist eine Ergänzung zu einem Berlin-Report. Es gilt der CopyRight-Hinweis.

      Alex mit geplanten Hochhäusern
Der Alexanderplatz ist die eigentliche Mitte Berlins und wurde nach dem Mauerfall recht stiefmütterlich behandelt. Zwar sieht ein Masterplan des Architekten Hans Kollhoff von 1993 den Bau von 10 ‚Wolkenkratzern‘ zur nordöstlichen Begrenzung des Platzes vor, aber dafür fehlte bislang der Bedarf und damit das Geld. Denn die gesamte Geldbranche sitzt noch immer in Frankfurt am Main und schickt sich auch nicht an, in die Metropole zurückzukehren. Auch hier muß Berlin nun kleinere Brötchen backen.

Aber zunächst ein kleiner Rückblick in die Geschichte des Alexanderplatzes im 20. Jahrhundert – zumindest fotografisch. Denn viele ältere Berliner in aller Welt werden sich über die alten Fotos freuen, die sie bislang noch garnicht kannten. Die gesamte Geschichte des berühmten Platzes ist inzwischen recht ausführlich bei Wikipedia beschrieben. [Translation-Services]



Berlin Alexanderplatz (1)

I n h a l t :


Das war Berlin um 1230

Berlin und Cölln um 1230
^   Die kleinen Städte Berlin und Cölln (auf der Spree-Insel), aus denen seit 1230 die Metropole Berlin entstand. Rot eingekreist ist der Ort am Festungsgraben, wo heute der Alexanderplatz liegt. Um 1680 entstand an dieser Stelle vor dem Georgentor ein großer Viehmarkt („Ochsenmarkt“). Die Karte ist nicht genordet.   (Repro: 2001 – khd)



So sah der Alexanderplatz 1931 aus . . .

Alexanderplatz im September 1931 (Blick von Nordosten)
^   Blick von Nordosten auf Berlins Mitte – der Alexanderplatz im September 1931. Noch sind ‚Friedenszeiten‘ und es wird gebaut und nicht gebombt. An der Stadtbahn entstehen seit 1929 zwei moderne Portalbauten, gebaut von einem amerikanische Konsortium: Direkt am Bahnhof Alexanderplatz das Berolina-Haus (rechts) und das T-förmige Alexander-Haus (links). Letzteres ist 1931 noch im Bau. Es wird 1932 eröffnet werden. Dann wird auch das davor noch stehende Haus (das ehemalige Königstädter Theater mit der Gaststätte Aschinger) abgerissen sein.

Vor dem Berolina-Haus steht das 1911 eröffnete legendäre Warenhaus Tietz – die Wiege des Kaufhaus- Konzerns HERTIE (HERmann TIEtz). Ins Alexander-Haus zog nach der Wende die Konzern-Zentrale der skandalumwitterten BankGesellschaft Berlin (BGB) ein. Im Vordergrund (Mitte) ist die Tunneldecke der U-Bahnlinie „E“ nach Friedrichsfelde erkennbar (heute die Linie U 5 bis nach Hönow).

Die Straßen sind: Die Landsberger Straße (links unten, später die Lenin-Allee) und die Neue Königstraße (rechts unten), die auf den Alexanderplatz von Nordosten zulaufen. Quer verläuft die Alexanderstraße, die nach rechts heute Memhard Straße heißt. Die Neue Königstraße geht hinter dem Alex (ab der Stadtbahn) in die Königstraße (heute die Rathausstraße) über, an der Berlins Rotes Rathaus liegt.   (Foto: 9.1931 – Bildarchiv Preußischer Kulturbesitz. Es wurde aus dem digitalen BGB-Geschäftsbericht 1994 reproduziert)  




. . .und so um 1935 . . .

Alexanderplatz um 1935 (Blick von Osten)
^   Blick auf den Alexanderplatz von Osten um 1935. Die modernen Portalbauten – das Berolina- und das Alexander-Haus – von Prof. Behrens sind fertig und am Alexanderplatz gibt es nun einen Kreisverkehr. Die vielen Straßenbahn-Linien werden über das ovale Rondell geführt.
      Berlins Berolina
^   Berlins Wahrzeichen – die Kupfer- Skulptur der Berolina um 1900.
Nicht zu sehen sind die 3 unterirdischen U-Bahnlinien A (Pankow Vinetastraße —- Wittenbergplatz usw.), D (Schönhauser Allee — Leinestraße) und E (Alexanderplatz — Friedrichsfelde), die sich hier kreuzen. Der Alexanderplatz ist zum zentralen Verkehrsknoten geworden.

Besonders beachtenswert ist die riesige Zentralmarkthalle von 1886, deren Dach man am oberen Bildrand neben der Stadtbahn erkennt. Die Halle überlebte den 2. Weltkrieg, wurde aber zu DDR-Zeiten in den 60er-Jahren abgerissen, um Platz für den Bau des Fernsehturms zu gewinnen.

Um 1935 existiert auch noch Berlins Wahrzeichen – die in Kupfer getriebene Statue der Berolina – auf dem Alexanderplatz. Die von Emil Hunderieser um 1885 nach einem Gemälde aus dem Roten Rathaus entworfene Berolina steht nun auf einem Sockel vor dem Alexander- Haus. Zunächst stand sie gegenüber vor dem großen Warenhaus von Tietz (siehe Foto), wo sie im Dezember 1895 erstmals aufgestellt wurde. Den 2. Weltkrieg hat die Berolina aber nicht überlebt. Man sagt, sie sei im Krieg eingeschmolzen worden, um daraus Kanonen zu machen. Der Steinsockel wurde 1958 von der DDR entfernt.

Daß es aber in 15 Jahren nach der Wende bis 2005 nicht einmal gelang, eine Berolina- Replik aus Bronze zu schaffen und den Berlinern auf dem Alex zurückzugeben, ist bezeichnend für den Umgang des Berliner Senats mit der Geschichte (siehe auch das Mauergedenken). Den Namen „Berolina“ hielt fast 50 Jahre der NWDR und ab 1954 der SFB mit seiner bei den Berlinern sehr beliebten (wochen-) täglichen Zeitfunk- Sendung „Rund um die Berolina“ im Radio wach.   (Foto: 1935 – Landesarchiv Berlin. Es wurde aus dem digitalen BGB-Geschäftsbericht 1994 reproduziert)  




. . .und so zu Zeiten von Olympia 1936 . . .

Alexanderplatz um 1936 (Blick von Norden)
^   Blick auf den Alexanderplatz und die Stadt aus nördlicher Richtungn um 1936. So hat sich Berlins zentraler Platz zu den Olympischen Spielen 1936 präsentiert. Die neuen Portalbauten – das Berolina-Haus (rechts) und das Alexander-Haus (links) – begrenzen den Stadtplatz nach Süden. Sie werden am Platz die einzigen Häuser sein, die den 2. Weltkrieg überleben.

Auf diesem Foto ist die Berolina auf dem neuen Standort vor dem Alexander-Haus gut zu erkennen, wo aber das im 2. Weltkrieg verschwundene Wahrzeichen Berlins auch 2007 noch immer nicht wieder steht. Und dabei hätte natürlich die im Alexander-Haus residierende BankGesellschaft Berlin eine Replik im Rahmen der Hausrenovierung spendieren müssen, aber deren Bank-Manager hatten ja anderes zu tun (stattdessen die Stadt auszunehmen!).   (Foto: 1936 – Landesarchiv Berlin)  


Berlins Silhouette vom Alex um 1936



. . . und so dann 1991 nach der Wende . . .

Alexanderplatz um 1991 (Blick von Nordosten)
^   Blick auf den Alexanderplatz von Nordosten um 1991. Der Blick schweift weit bis zum „Palast der Republik“ auf der Spree-Insel – dem früheren Cölln. Viele Gebäude waren den Bomben im 2. Weltkrieg zum Opfer gefallen und so modelte die DDR den Platz erneut um. Es entstand eine große Fußgängerzone. Auch wurde eine neue Verbindungsstraße (links) – die Grunerstraße – zum Molkenmarkt und Mühlendamm sowie dem Spittelmarkt gebaut, die den ‚Alex‘ in einem Tunnel unterquert. [Stadtplan-Ausschnit von 1989]

Von der Vorkriegsbebauung sind eigentlich nur übriggeblieben: Das Berolina-Haus, das Alexander-Haus, der Bahnhof Alexanderplatz und einige Fliegerbunker im Untergrund. Alle anderen Bauten entstanden zu DDR-Zeiten, auch die berühmte Weltzeituhr und der Brunnen der Völkerfreundschaft mitten in der Fußgängerzone. Das hohe Hochhaus (rechts) ist das DDR-Vorzeigehotel „Inter-Hotel Stadt Berlin“ (heute das „Park Inn“). Am linken Bildrand steht das „Haus des Lehrers“ mit angeschlossener Kongreßhalle, die heute (2008) aufgemöbelt als „BCC“ (Berlin Congress Center) so stark reüssiert.   (Foto: 1991 – Landesarchiv Berlin. Es wurde aus dem digitalen BGB-Geschäftsbericht 1994 reproduziert)  


Die Weltzeituhr am Alex                
^   Die Weltzeituhr am Alex mit Fernsehturm.   (Foto: 2005 – mopo)
Brunnen der Völkerverständigung
^   Brunnen der Völkerverständigung mit saniertem Alexander-Haus.   (Repro: 2003 – khd)




. . . und so dann 2002 . . .

Alexanderplatz 2002 vom Fernsehturm gesehen
    City-Plan 1989
^   City-Plan 1989.  
^   Blick auf den Alexanderplatz vom Fernsehturm im Jahr 2002. Seit der Wende (1989/90) hat sich hier noch nicht sehr viel getan. Nur das Alexander-Haus (rechts) und der Bahnhof Alexanderplatz (unten) sind inzwischen saniert worden. Das Berolina-Haus (unten Mitte) soll bis 2006 saniert werden und das Centrum-Kaufhaus, in dem nunmehr der Galeria Kaufhof der Metro AG residiert, soll bis zur Fußball-WM 2006 umgebaut werden. Die markante Waben-Fassade des früheren HO-Kaufhauses wird dabei verschwinden. Unklar ist noch wann die wenig attraktiven Sockelbauten des Hotels Park Inn (früher das Inter-Hotel Stadt Berlin) verschwinden.

Die Verweilqualität in Berlins Mitte ist noch immer miserabel. Der Alexanderplatz wirkt recht trostlos. Das Highlight ist eigentlich nur der jährliche Weihnachtsmarkt, der hier aber auch verschwinden soll. Und dabei begann am ‚Alex‘ 1681 alles mit einem Markt. Seinen Namen erhielt der Platz aber erst 1805, nach einem Besuch des russischen Zaren Alexander I. [Stadtplan-Ausschnit von 1989]   (Foto: 2002 – SenStadtEntw. Es wurde aus der digitalen Auslobungs-Broschüre von 2003 reproduziert)




Aber Hohes ist fürs 21. Jahrhundert geplant

Planung am Alexanderplatz
Die Investoren
Stand: August 2003
Baufeld Investor Anm.
D 1 Deutsche Interhotel Holding
GmbH & Co KG
 
D 2  
D 3    
D 4 HINES Immobilien GmbH *
D 5 Landesbank Berlin
(Teil der BankGesellschaft Berlin)
 
D 6  
D 7 ASSET (Metro AG) *
G 1 Deutsche Interhotel Holding
GmbH & Co KG
 
G 2  
Alexa Sonae Imobiliária (Portugal) +
Foncière Euris (Frankreich)
*
^   Das Wettbewerbsgebiet zur Neugestaltung des Alexanderplatzes mit den einzelnen Baufeldern für die Randbebauung (D) sowie den Passage- Gassen (G). Die 10 vom Architekten Hans Kollhoff vorgeschlagenen Turmhäuser sollen 150 m hoch in den Himmel über Berlins Mitte ragen.

Die Grundstückszuschnitte im Planungsbegiet weichen erheblich von den historischen Grundstücken ab, so daß eine umfangreiche Bereinigung durch Zu- und Verkauf erfolgen mußte. Bislang ist aber keiner der Investoren bereit, den Bau der Hochhäuser in Angriff zu nehmen. Lediglich die Sockelbauten wolle man bauen, heißt es. Für diese ist eine Bauhöhe von 35 m vorgesehen.

Bevor die Bauten in den Baufeldern D 1 und D 2 realisiert werden können muß das derzeitige Hotel Park Inn (früher das Inter-Hotel Stadt Berlin) abgerissen werden. Im Baufeld D 7 ist mit dem umgebauten Warenhaus Galeria Kaufhof de facto ein Teil des Sockelbaus bereits fertig. Mit dem Bau des Alexa-Projekts längs der Stadtbahn in Richtung Jannowitzbrücke wurde im September 2004 begonnen.

Unklar ist auch noch: Wo soll denn künftig die identitätsstiftende Skulptur der Berolina auf dem Platz in Berlins Mitte stehen?   (Grafik: 2003 – khd/SenStadtEntw. Sie wurde aus der digitalen Auslobungs-Broschüre von 2003 reproduziert und ergänzt)




. . . und so dann 2008

Alexanderplatz 2008 von Norden gesehen
^   Blick auf den Alexanderplatz von Norden im August 2008. Die versprochenen Hochhäuser lassen noch immer auf sich warten. Zwar fährt nun eine Straßenbahn (Linie M 2) wieder über den Platz, und dieser ist mit einer nagelneuen Pflasterung aus hellen Granit-Platten versehen worden, aber die Neubauten geben Anlaß zur Kritik. Der Alexanderplatz – die ewige Baustelle – wirkt weiterhin recht trostlos und wenig urban.

Im August 2008 übte Peter von Becker im Tagesspiegel heftige Kritik an der realisierten Architektur des „Alexa“ (Shopping-Mall, bei der das Geld noch nicht mal für eine attraktive Fassade reichte) und dem „Hines-Bau“ (beide links im Bild).   (Foto: 2008 – Tagesspiegel)




Und so soll alles einmal aussehen

Masterplan für die Entwicklung von Berlins Mitte
^   Der Masterplan für die Entwicklung von Berlins Mitte. Berlin wartet auf Investoren. Der Plan wurde der Auslobungs-Broschüre „Alexanderplatz – Begrenzt- offener freiraumplanerischer Ideen- und Realisierungswettbewerb“ der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung vom August 2003 entnommen (Seite 27) und perspektivisch verzerrt.

Die wesentliche Randbebauung des Alexanderplatzes mit bis zu 150 Meter hohen Hochhäusern ist bereits am 2.4.2000 mit dem Bebauungsplan I-B4a festgesetzt worden. Damit ist eine Geschoßfläche von rund 800.000 Quadratmetern planungsrechtlich gesichert. Allerdings wird sie derzeit wg. der dahindümpelnden Berliner Wirtschaft nicht gebraucht. Als einziger Neubau ist 2006 der Alexa- Komplex an der Stadtbahn in Arbeit, wobei die Investoren auf ihren ‚Turm‘ vorerst verzichten.


1 = Rotes Rathaus von Berlin, 2 = Fernsehturm, 3 = Alexanderplatz, 4 = Kaufhaus (Galeria Kaufhof), 5 = Berolina-Haus (C&A), 6 = Alexander-Haus (BGB), 7 = Alexa-Projekt (2006 im Bau), 8 = S- und Regional-Bahnhof Alexanderplatz (Stadtbahnviadukt von 1882), 9 = Berliner Congress Center (BCC), 10 = Spree, 11 = Ev. St. Marien Kirche.   (Repro: 1.6.2006 – khd/SenStadtEntw)



Aber das kommt nie wieder

Berlins Markthalle I — die  Central-Markthalle am Alexanderplatz um 1890 von innen
^   Berlins Markthalle I — die Innenansicht der Berliner Centralmarkthalle am Alexanderplatz um 1890. Sie wurde nach Plänen von Hermann Wilhelm Albert Blankenstein gebaut und 1886 eröffnet. Sie ist die 2. Halle einer Reihe von 15 Markthallen, die in Berlin am Ende des 19. Jahrhunderts gebaut wurden. Sie überlebte zwar den 2. Weltkrieg, mußte aber zu DDR-Zeiten der Neuordnung des Umfeldes des Alexanderplatzes im Zusammenhang mit dem Bau des Fernsehturms weichen – sie wurde in den 1960er-Jahren abgerissen.

Noch in den 1950er-Jahren tobte in der Markthalle am Alex das Einkaufsleben. Und das Warenangebot war hier erstaunlich vielfältig. Neben der staatlichen „HO“ und dem „Konsum“ gab es noch viele selbstständige Markthändler. Das Angebot reichte vom frischen Fisch aus märkischen Seen über Gemüse bis zum Notizblock. Ob ein Abriß der Markthalle wirklich notwendig gewesen ist, wird heute natürlich anders gesehen.   (Foto: um 1890 – NN. Es wurde der Wiki-Publikation "Market halls in Berlin" entnommen und verkleinert reproduziert)




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