Living in a City  —  Reports aus Berlin     – Zum Report 6 khd
Stand:  8.4.2010   (21. Ed.)  –  File: Heimat/B/Bln/Ex/BBI_Der_Bau_08.html


Diese Seite ist eine Ergänzung zu einem Berlin-Report, in dem über die Planung (samt Ärgernissen) des neuen Berliner Großflughafens „Berlin Brandenburg International“ (BBI) berichtet wird. Dazu werden hier einige ausgewählte und besonders interessante Artikel und andere Texte gespiegelt und damit auf Dauer dokumentiert. Manches ist auch mit [Ed: ...] kommentiert. Tipp- und Übertragungsfehler gehen zu meinen Lasten.

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BBI — Der Bau des Großflughafens in Berlin-Schönefeld (8)

I n h a l t :


B B I - N A C H T F L U G R E G E L U N G E N

Bald herrscht Klarheit über BBI-Nachtflüge

Anwohner am Flughafen Schönefeld sollen bald wissen, wie oft sie nachts vom Flugzeuglärm geweckt werden können. Die Fluggesellschaft Air Berlin will flexibel auf einen Beschluss reagieren.

Aus:
Der Tagesspiegel, Berlin, 7. Oktober 2009, Seite 13 (Brandenburg) von KLAUS KURPJUWEIT. [Original]

SCHÖNEFELD (Tsp). Einen genauen Termin für den Beschluss will das Infrastrukturministerium in Potsdam zwar weiter nicht nennen, im "Spätsommer" 2009 werde er aber bekannt gegeben, sagte Ministeriumssprecher Lothar Wiegand am gestrigen Dienstag [6.10.2009]. Danach können Betroffene klagen, wozu der Bürgerverein Brandenburg-Berlin (BVBB) auch bereits aufgefordert hat.

Wann der Beschluss rechtskräftig wird, ist allerdings völlig offen. Viel Zeit bis zur geplanten Inbetriebnahme des neuen Flughafens Ende Oktober 2011 bleibt nicht mehr. Der Planfeststellungsbeschluss für den Ausbau des Flughafens war 2003 erlassen worden. Über die Klagen hatte das Bundesverwaltungsgericht dann erst im März 2006 entschieden und verlangt, dass die vorgesehenen Regelungen zum Nachtflugverkehr zugunsten der Anwohner nachgebessert werden müssen.

Daran arbeitet die Behörde inzwischen bereits dreieinhalb Jahre. Ziel sei es, einen Beschluss zu fassen, der die Interessen der Fluggesellschaften und der Anwohner berücksichtige, sagte Wiegand. Deshalb habe erst das Urteil von 2006 sorgfältig ausgewertet und neue Gutachten eingeholt werden müssen, Unterlagen mussten anschließend öffentlich ausgelegt und dann mit den Betroffenen erörtert worden. Alles habe viel Zeit gekostet. Dass der Beschluss zum von den meisten Anwohnern bekämpften Nachtverkehr erst nach den Landtagswahlen vom 27. September veröffentlicht werde, habe mit dem Wahltermin nichts zu tun.

Das Gericht hat zwischen 0 Uhr und 5 Uhr ein grundsätzliches Nachtflugverbot erlassen; den Antrag auf einen durchgehenden Betrieb hatten die Richter abgelehnt. Zwischen 22 Uhr und 24 Uhr sowie 5 Uhr und 6 Uhr sollen nur Flüge erlaubt sein, die nicht am Tag erfolgen können. Die Flughafengesellschaft hat hier nach Befragungen der Fluggesellschaften einen Bedarf von 87 Flügen ermittelt, ein im Auftrag der Genehmigungsbehörde erstelltes Gutachten sieht, wie berichtet, rund 71 Flüge in den Randzeiten als erforderlich an. In Spitzenzeiten könnten es auch 95 werden.

Vor Gericht muss die Genehmigungsbehörde nachweisen, dass die Zahl der Flüge, die sie festlegen wird, unbedingt erforderlich ist. Bei Air Berlin, das Schönefeld zum Heimatflughafen machen will, ist man zuversichtlich, den Flugplan rechtzeitig an die Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts anpassen zu können. "Wir sind hier extrem flexibel", sagte Sprecher Hans-Christoph Noack. Derzeit arbeiten die Flugplaner mit einem Vorlauf von etwa eineinhalb Jahren. Planungen im sonst üblichen Fünf-Jahres-Rhythmus seien gegenwärtig wegen der Wirtschaftslage ohnehin nicht möglich.

Möglicherweise müssen die Betroffenen aber gar nicht auf die Hauptentscheidung des Gerichts warten. Der für den "Spätsommer" angekündigte Beschluss gilt zunächst, falls die Richter ihn in einem Eilverfahren nicht aussetzen.



B B I - N A C H T F L U G R E G E L U N G E N

Doppelt so viele Nachtflüge wie bisher

Verkehrsminister erlaubt auf dem neuen BBI-Airport Starts und Landungen zwischen 5.30 und 23.30 Uhr.

Aus:
Der Tagesspiegel, Berlin, 21. Oktober 2009, Seite 13 (Brandenburg) von KLAUS KURPJUWEIT + THORSTEN METZNER. [Original]

POTSDAM (Tsp). Auf dem künftigen Flughafen Berlin Brandenburg International (BBI) soll zwar ein eingeschränktes Nachtflugverbot gelten, das aber deutlich mehr Starts und Landungen als auf den heutigen Berliner Airports zulässt. Das sieht der ergänzte Planfeststellungsbeschluss des Brandenburger Verkehrsministeriums vor, den Infrastrukturminister Reinold Dellmann (SPD) am Dienstag [20.10.2009] vorstellte. Danach soll es zwar zwischen 24 Uhr und 5 Uhr regulär keine Starts und Landungen geben. In dieser "Kernzeit der Nacht" sind Ausnahmen lediglich bei Notfällen, Regierungs- und Postflügen erlaubt. Doch die Zeit von 22 bis 23.30 und von 5.30 bis 6 Uhr wird für den Flugverkehr freigegeben, sagte Dellmann. "Hier überwiegen öffentliche Verkehrsinteressen gegenüber den Lärmschutzbelangen."

Dellmann sprach von einem "ausgewogenen Interessenausgleich" auch im Vergleich zu anderen deutschen und internationalen Airports. Es sei eine Entscheidung "mit Augenmaß", die die Vorgaben des Bundesverwaltungsgerichtes aus dem Jahr 2006 umsetze. Die Leipziger Richter hatten damals grünes Licht für den BBI gegeben, aber Nachbesserungen beim Lärmschutz gefordert. Dellmann rechnet mit Klagen gegen die neue Regelungen. "Ich bin zuversichtlich, dass sie vor den Gerichten Bestand haben wird."

Grundlage der Entscheidung ist das Infraplan-Gutachten, das den Bedarf von 77 Nachtflug-Bewegungen am BBI sieht. In den verkehrsreichsten 6 Monaten des Jahres wird der Durchschnitt der Flugbewegungen bei 84 pro Nacht liegen. Derzeit gibt es auf den Flughäfen Tegel und Schönefeld durchschnittlich 42,5 Starts und Landungen je Nacht.

Vor diesem Hintergrund werden die Lärmschutzzonen rings um den Schönefelder Flughafen ausgeweitet, von 27 Quadratkilometern auf jetzt 50 Quadratkilometer, sagte Dellmann. Statt bisher 4.400 können sich nun 16.500 Anwohner Schallschutzfenster von der Flughafengesellschaft finanzieren lassen, die von 30 Millionen Euro Mehrkosten und mittlerweile einem Gesamtaufwand für Lärmschutz in Höhe von 140 Millionen Euro ausgeht.

Der Sprecher der Berliner Flughäfen, Ralf Kunkel, sagte in einer ersten Reaktion: "Kurzfristig ist das in Ordnung, langfristig ist das für uns ein Hemmschuh." Durch die steigenden Passagierzahlen werde auch der Bedarf an Nachtflügen in die Höhe gehen. Für die Lufthansa ist der Beschluss "akzeptabel"; der Flughafen sei damit an einem großen Problem "vorbeigerutscht", zu dem ein generelles Nachtflugverbot geführt hätte, sagte Thomas Kropp, Leiter der Konzernpolitik. "Nicht unzufrieden" ist auch Air-Berlin-Sprecher Hans-Christoph Noack. Unter den vorgegebenen Umständen scheine dies der einzig gangbare Weg zu sein. Der Deutschland-Chef von Easyjet, Thomas Haagensen, bezeichnet den Beschluss als einen "guten Kompromiss". Für Ralph Beisel, Hauptgeschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen, ist nun sicher, dass auf dem neuen Flughafen wirtschaftlich geflogen werden kann.

Die Vereinigung der Unternehmerverbände Berlin-Brandenburg sprach ebenfalls von einem "positiven Standortsignal". Die Entscheidung für einen weitreichenden Flugbetrieb am späten Abend und am frühen Morgen sei "von großer Bedeutung für die Wettbewerbsfähigkeit des BBI", erklärte Hauptgeschäftsführer Christian Amsinck.

Scharfe Kritik kommt dagegen von den Brandenburger Grünen. Deren Landeschef Axel Vogel nannte die Entscheidung "völlig verfehlt". Keine Stellungnahme war von den im Bürgerverein Brandenburg-Berlin organisierten Ausbaugegnern zu erhalten. Sie hatten aber schon im Vorfeld Klagen gegen den Beschluss angekündigt.



B B I - N A C H T F L U G R E G E L U N G E N

SPD-Abgeordneter ruft zu Klagen gegen Nachtflüge auf

Aus:
Berliner Morgenpost, 23. Oktober 2009, Seite xx (Berlin). [Original]

POTSDAM (BM). Zwei Tage nach der Bekanntgabe der Nachtflugregelung auf dem künftigen Hauptstadtflughafen BBI meldete sich nun auch die Landtagsfraktion der Linken zu Wort. Deren Verkehrsexpertin Anita Tack begründete die anfängliche Zurückhaltung ihrer Fraktion gestern mit den arbeitsaufwändigen Koalitionsverhandlungen.

Tack wies Vorwürfe, die Linke gehe jetzt, da sie Regierungsverantwortung übernehmen wolle in Deckung, als Unterstellungen zurück. "Wir waren immer für einen optimalen Anwohnerschutz und haben gefordert, dass in der Nacht nur in Ausnahmen geflogen werden dürfe", sagte Tack. Den nun vorliegenden Planergänzungsbeschluss nannte sie "unausgewogen". "Er geht zu Lasten der Anwohner. Es ist zu kritisieren, dass die Empfehlungen des Intraplan-Gutachtens mindestens eins zu eins übernommen worden sind."

Das Intraplan-Gutachten im Auftrag des Infrastrukturministeriums hatte wie berichtet im Schnitt 71 und in Spitzenzeiten 95 Flugbewegungen pro Nacht und in der Zeit zwischen 22 bis 6 Uhr im Jahr 2020 als unabweisbar ermittelt. Der jetzt vorliegende Planergänzungsbeschluss geht von durchschnittlich 77, in Spitzenzeiten 103 Bewegungen im Jahr 2023 aus.

Gutachten nur als Orientierung

Tack wies gestern darauf hin, dass der Staatssekretär im Infrastrukturministerium, Rainer Bretschneider, noch am 5. Oktober ihr gegenüber versichert habe, das Gutachten diene nur zur Orientierung, um den wirtschaftlichen Bedarf der Airlines zu ermitteln. "Es ist aber gut, dass der überfällige und vor den Landtagswahlen zurückgehaltene Beschluss nun endlich auf dem Tisch liegt", sagte Tack. "Bürger werden dagegen völlig zu Recht klagen." Da der Beschluss Gesetzescharakter habe, könne die Politik aber gar nichts machen.

Der Linke-Landtagsabgeordnete Stefan Ludwig fügte hinzu, dass man daher auch im Koalitionsvertrag mit der SPD keine Lösung festschreiben könne. "Die Planfeststellungsbehörde, die den Beschluss erarbeitet hat, ist eine unabhängige Behörde, der keine Weisungen erteilt werden können", sagte Ludwig. "Für uns ist die Akte aber nicht geschlossen."

Der Landtagsabgeordnete und parlamentarische Geschäftsführer der SPD, Christoph Schulze, wurde noch deutlicher. In seiner Pressemitteilung von Mittwochabend [21.10.2009] kündigte er an, weiter für ein vollständiges Nachtflugverbot zu kämpfen. "Gegen diesen Planergänzungsbeschluss muss geklagt werden, denn den Forderungen des Bundesverwaltungsgerichtes zum Nachtflug und Lärmschutz ist nicht ausreichend Rechnung getragen worden." Die brandenburgische Bundestagsabgeordnete von Bündnis 90/Grüne, Cornelia Behm, forderte gestern "ein neues Gutachten zum BBI, welches die Unabweisbarkeit von Nachtflügen plausibel erklärt". Das sei im vorliegenden Beschluss nicht der Fall.

Überdies würden jetzt tagsüber strengere Schutzwerte in geschlossenen Räumen als nachts gelten. "Das darf doch nicht wahr sein. Es ist ein Skandal", so Behm. Die Veröffentlichung des Beschlusses durch das SPD-geführte Infrastrukturministerium kurz nach der Bundes- und Landtagswahl bezeichnet der Präsident des Verbandes Deutscher Grundstücksnutzer, Peter Ohm, als Wählerbetrug. Zu befürchten sei, dass die jetzige Entscheidung der Einstieg in einen Prozess sei, in dem das Nachtflugverbot vollständig abgeschafft werde. Auch die Linke als neue Regierungspartnerin der SPD müsse sich nun fragen lassen, wie sie zum Thema Nachtflüge steht.

Unterdessen gab die Lufthansa bekannt, dass sie derzeit keine Nonstop-Flüge vom BBI in den asiatisch-pazifischen Raum plant. Die deutsche Hauptstadt werde weiterhin über Frankfurt/M. und München angebunden, sagte der Lufthansa-Vizechef für Asien/Pazifik, Uwe Mueller, auf der Tourismusmesse ITB Asia in Singapur.

Air Berlin kündigte dagegen gestern an, ab 1. November einmal wöchentlich nonstop von Tegel auf die thailändische Insel Phuket zu fliegen. Air Berlin fliegt bereits dreimal wöchentlich von Tegel nach Bangkok.



Umlandgemeinden klagen gegen BBI-Nachtflüge

Aus:
Die Welt, Berlin, 30. Oktober 2009, 16.40 Uhr MEZ (Newsticker). [Original]

BLANKENFELDE (welt.de). Mehrere Umlandgemeinden des künftigen Flughafens Berlin Brandenburg International (BBI) wollen gegen die geplante Nachtflugregelung klagen. "Der Bescheid der Planfeststellungsbehörde ist rechtswidrig, da der Flughafenbetreiber den Bedarf für Flüge in den Randzeiten nicht nachgewiesen hat", sagte der Bürgermeister von Blankenfelde-Mahlow, Ortwin Baier (SPD), am Freitag [30.10.2009].

Bis spätestens 19. November würden die Klagen von mindestens 5 Gemeinden beim Bundesverwaltungsgericht eingereicht. Laut der umstrittenen Nachtflugregelung ist im Jahr 2023 mit bis zu 103 Flügen in den sogenannten Randzeiten der Nacht zu rechnen.



Richtfest für Tower des Hauptstadtflughafens BBI

Aus:
Die Welt, Berlin, 2. November 2009, 11.28 Uhr MEZ (Newsticker). [Original]

BERLIN (welt.de). Für den Tower des künftigen Hauptstadtflughafens Berlin Brandenburg International (BBI) in Schönefeld wird an diesem Dienstag [3.11.2009] Richtfest gefeiert. Der Grundstein des knapp 35 Millionen Euro teuren Kontrollturms war vor einem halben Jahr gelegt worden. Mit 72 Metern wird er der zweithöchste Tower in Deutschland nach dem 76-Meter-Turm in Düsseldorf.

In Betrieb gehen soll der Tower am BBI nach Angaben der Deutschen Flugsicherung (DFS) als Bauherrin im dritten Quartal 2011 zur vorgesehen Eröffnung des neuen Flughafens. Die gläserne Towerkanzel bietet dann Platz für 11 Mitarbeiter.



Fluglärm plus Zuglärm

Auf dem Weg nach Schönefeld sollen künftig Expresszüge durch Teltow rollen – aber ohne Stopp.

Aus:
Potsdamer Neueste Nachrichten, 3. November 2009, Seite xx (Potsdam-Mittelmark). [Original]

TELTOW (pnn). Mit der Eröffnung des Großflughafens Berlin Schönefeld BBI Ende 2011 wird sich in Teltow neben dem Fluglärm auch der Zuglärm erhöhen. Um Reisende vom Berliner Hauptbahnhof bis zum BBI zu transportieren, soll künftig ein Flughafenexpresszug zweimal stündlich durch den Teltower Regionalbahnhof rauschen, halten soll er nicht. Damit werde die bereits viel befahrene Strecke der sogenannten Anhalter Bahn bis an ihre Kapazitätsgrenzen gebracht, erklärte Bahnsprecher Michael Baufeld gegenüber den PNN. Eine Entlastung vom Zuglärm ist für Anwohner indes nicht in Sicht: Der Ausbau der alternativen Strecke, der sogenannten Dresdner Bahn, lässt weiter auf sich warten.

Ursprünglich sollten die Bauarbeiten für die Dresdner Bahn vom Berliner Hauptbahnhof über Blankenfelde (Teltow-Fläming) zum Flughafen bis zu dessen Neueröffnung in 2 Jahren abgeschlossen sein. Wie die Bahn jetzt erklärte, sei das nicht realistisch: „Es handelt sich um eines der längsten Planverfahren der Bahn in ganz Deutschland“, so Baufeld. Der Bau habe noch nicht mal begonnen. Zuerst müsse das Planverfahren abgeschlossen werden, das Projekt werde vom Eisenbahnbundesamt geprüft – bis wann sei unklar. Reine Bauzeit für die Strecke beträgt rund 4 Jahre.

Jahre, in denen sich vor allem die Teltower in der Nähe der Ausweich-Strecke Anhalter Bahn auf zusätzlichen Zuglärm einstellen müssen. Schon jetzt gehört die Strecke zu einer der meist frequentierten Eisenbahnlinien in Deutschland: Züge nach Halle, Dresden, München – ein großer Teil des Zugverkehrs von Berlin in den Süden Deutschlands rollt am Teltower Regionalbahnhof vorbei. „Den zusätzlichen Verkehr des Flughafenexpresszugs werden die Anwohner nicht merken“, so Bahnsprecher Baufeld. Zusätzliche Lärmschutzvorkehrungen an der Trasse seien nicht geplant. Die zulässigen Kapazitäten auf der Strecke werden mit den zusätzlichen Zügen nicht überschritten.

Beim Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) prüft man, ob der derzeit geplante 30-Minuten Takt vom Hauptbahnhof zum Flughafen noch verbessert werden könnte: „Wir wünschen uns einen 20-Minuten-Takt“, sagte VBB-Sprecherin Elke Krokowski gegenüber den PNN. Krokowski bestätigte: Ein Halt der Expresslinie in Teltow ist nicht vorgesehen.

Im Teltower Rathaus zeigte man sich überrascht von den Plänen für den Expressverkehr. Noch im Mai hatte die Stadt eine Klage gegen die Bahn angestrebt. Es sollte geprüft werden, ob die vorhandenen Lärmschutzmaßnahmen an der Strecke dem Verkehrsaufkommen auf den Gleisen entsprechen. Der Vorwurf der Stadt: Für die Anhalter Bahn gebe es keine Lärmkartierung, mit der flächenhaft die Lärmbelastungen an der Bahnstrecke dargestellt wird. Doch zur Klage kam es nicht, erklärte gestern Thomas Koriath, erster Beigeordneter der Stadt, gegenüber den PNN. Die rechtliche Prüfung zeigte: Sie hat keine Erfolgsaussichten. Zeitgleich hätten eigene Lärmuntersuchungen ergeben, dass es keine Überschreitungen der Grenzwerte gab. Ob sich das durch die Expresslinie ändern könnte, ist offen.



B B I - B A H N A N B I N D U N G

Nur 2 Züge pro Stunde zum Flughafen

Bahn ist mit Planung für Ostanbindung des BBI im Verzug / Viele Passagiere müssen S-Bahn nutzen.

Aus:
Märkische Allgemeine Zeitung, 18. November 2009, Seite xx (Verkehr). [Original]

BERLIN (maz). Der neue Flughafen Berlin-Brandenburg International (BBI) in Schönefeld (Dahme-Spreewald) wird bei seiner Eröffnung im Herbst 2011 von Osten her nicht mit der Bahn zu erreichen sein. Der Planfeststellungsbeschluss für die sogenannte „Ostanbindung“ werde erst 2010 vorliegen, bestätigte ein Bahn-Sprecher gestern der MAZ. „Die Anbindung kann erst nach Inbetriebnahme von BBI erfolgen“, so der Sprecher, frühestens aber 2012.

Speziell für Flugpassagiere aus den östlichen Bezirken Berlins ist Schönefeld damit deutlich schlechter per Bahn erreichbar. Die Strecke soll die Verbindung zwischen der Berliner Stadtbahn und dem Bahnhof Alexanderplatz einerseits und dem neuen Bahnhof unter dem BBI-Terminal andererseits herstellen. Dafür muss eine Kurve durch einen Wald im Berliner Stadtteil Bohnsdorf gelegt werden, der strengen Naturschutzauflagen unterliegt. Ohne diese Kurve kommen die Züge vom Alexanderplatz wie bisher auf dem Bahnhof Schönefeld an. Dort müssen die Fluggäste in eine S-Bahn zum Terminal umsteigen.

Damit wird auch die zweite schnelle Schienenverbindung vom BBI in die Berliner Innenstadt nicht mehr rechtzeitig fertig. Denn auch die kürzeste Strecke in die Berliner Innenstadt über die sogenannte Dresdner Bahn steht 2011 nicht zur Verfügung. Wegen Protests der Anwohner im Berliner Stadtteil Lichtenrade liegt das Planfeststellungsverfahren dort auf Eis. Experten rechnen damit, dass dort vor 2016 kein Zug fährt.

Gesichert ab 2011 ist neben der S-Bahn nur der sogenannte Airport-Express nach Schönefeld, der etwas weiter westlich über die Anhalter Bahn aus Berlin herausgeführt wird. Fest eingeplant ist ein 30-Minuten-Takt, also 2 Züge pro Stunde. Der Flughafengesellschaft reicht das nicht. Sie fordert zumindest einen 20-Minuten-Takt. „Es hat für uns Priorität, einen dritten Umlauf hinzubekommen“, sagt Sprecher Ralf Kunkel. Doch das ist nicht so einfach. Die Strecke sei so stark befahren, dass bei einem 20-Minuten-Takt eine einzige Verspätung ausreiche, um den Fahrplan den ganzen Tag über durcheinanderzubringen, warnt Christfried Tschepe vom Berliner Fahrgastverband IGEB.

Beim Infrastrukturministerium in Potsdam sieht man die Sache fatalistisch. „Wenn es so ist, dann ist es jetzt so“, sagt Sprecher Lothar Wiegand. Es handele sich aber „nur um temporäre Dinge, das ist kein grundsätzliches Problem“.

Kornelia Wehlan, verkehrspolitische Sprecherin der Linken im Landtag, sagte, die bisherige Landesregierung habe das Problem „über Jahre ausgesessen“. Ein von den Linken angemahntes Bahnerschließungskonzept für BBI sei noch 2008 abgelehnt worden. Die „Sinnhaftigkeit“ des mehr als 600 Millionen Euro teuren Flughafenbahnhofs sei ernsthaft in Frage gestellt.



Im Bummelzug zum Großflughafen

Die Bahn plant nur 2 direkte Züge pro Stunde – und eine Linie vom Hauptbahnhof über Potsdam zum BBI. Die Flughafenbetreiber befürchten, dass die Airport-Bahnen ständig überfüllt sein werden.

Aus:
Der Tagesspiegel, Berlin, 16. Febraur 2010, Seite xx (Berlin/Brandenburg). [Original]

SCHÖNEFELD (Tsp). Eins steht fest: Unter dem künftigen Terminal des neuen Flughafens in Schönefeld wird bei der geplanten Eröffnung am 30. Oktober 2011 einer der teuersten Bahnhöfe Deutschlands entstanden sein. Wie oft dort Züge halten werden, ist allerdings weiter unklar. Gesichert sind bisher nur 2 schnelle Direktverbindungen pro Stunde aus der Stadt. Ein drittes Angebot mit einer Regionalbahn ist für Fluggäste keine Alternative; mit der RB 22 erreichen sie ihr Ziel erst in gut einer Stunde, während es der Airport-Express immerhin in rund 30 Minuten schaffen soll.

Der Flughafen hofft nach wie vor, dass es doch noch möglich sein wird, den schnellen Airport-Express, für den extra neue Züge angeschafft werden, alle 20 Minuten fahren zu lassen. Nach eigenen Berechnungen wären nur zwei Mal in der Stunde fahrende Züge in den Spitzenzeiten völlig überfüllt, zumal auch noch Gepäck befördert werden müsse, sagte Flughafensprecher Ralf Kunkel. Die Bahn hält zwei Züge stündlich zunächst für ausreichend. Vier sollen es werden, wenn die kurze Verbindung über die Dresdner Bahn fertig ist.

Weil sich deren Ausbau um Jahre verzögert hat, muss der Airport-Express vom Hauptbahnhof aus bekanntlich die nächsten Jahre den Umweg über die Anhalter Bahn fahren. Dort gibt es nach Angaben der Bahn aber keine Kapazitäten, um ihn drei Mal pro Stunde fahren zu lassen [Ed: wg. des Lärmschutzes dürfen auf der Anhalter Bahn pro Tag nur eine bestimmte Anzahl von Zügen fahren]. Möglich wäre dies nur, wenn der Regionalverkehr eingeschränkt würde. Dies lehnen die Landesregierung in Potsdam und der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) jedoch ab. Platz auf den Gleisen könnte es für den Airport-Express auch geben, wenn die Fahrpläne im Fernverkehr angepasst würden, argumentiert die Flughafengesellschaft. Doch auch dies hält die Bahn für nicht umsetzbar.

Im Fahrplan 2011/2012 wird es zwar eine dritte Direktverbindung aus dem Berliner Zentrum zum Flughafen geben, doch nur als "Bummelzug". Die RB 22 fährt dann stündlich vom Bahnhof Friedrichstraße über den Hauptbahnhof nach Potsdam bis Golm und von dort über den Außenring zum Flughafenbahnhof, doch damit soll vor allem erreicht werden, dass es zusammen mit der Linie RB 21 (Wustermark — Griebnitzsee), die ebenfalls bis Friedrichstraße verlängert wird, und dem bestehenden Regionalexpress RE 1 (Magdeburg — Frankfurt (Oder) alle 15 Minuten eine Verbindung zwischen Potsdam und der Berliner Innenstadt gibt.

Aufpassen müssen Fahrgäste aber im BBI-Bahnhof. Alle Regionalzüge dort haben das Ziel Berlin Hauptbahnhof oder Friedrichstraße. Wer in einen Zug der RB 22 steigt, macht dann eine unfreiwillige Besichtigungstour über Golm. Schnellere Verbindungen aus dem Zentrum gibt es erst mit dem Bau der sogenannten Ostanbindung am Flughafen. Wann dort die Arbeiten beginnen, ist aber auch ungewiss.

Zusätzlich soll zudem die S-Bahn alle 10 Minuten in den BBI-Bahnhof rollen. Fahrgäste aus der Innenstadt müssen aber dabei noch bis 2013 am Ostkreuz umsteigen [Ed: was mit Gepäck beschwerlich ausfallen dürfte]. Dafür soll der Flughafen besonders gut ans Busnetz angeschlossen werden.



B B I - B A H N A N B I N D U N G

Baubeginn für Ostanbindung des Flughafens BBI

Aus:
Deutsche Bahn, 23. Februar 2010, xx.xx Uhr MEZ (Presse-Mitteilung). [Original]

BERLIN-BRANDENBURG (bahninfo). Auf der Grundlage des Planfeststellungsbeschlusses für die östliche Schienenanbindung des Flughafens BBI beginnen am Mittwoch, 24. Februar, die Bauarbeiten südlich von Bohnsdorf. In der Zeit vom 24. bis 26. Februar werden jeweils von 6 bis 22 Uhr Rodungsarbeiten durchgeführt. Der Schwarze Weg ist zwischen Bohnsdorf und der Siedlung Waltersdorf ab heute, 23. Februar, 18 Uhr, für den Verkehr gesperrt.

Die künftige zweigleisig, elektrifizierte Strecke der östlichen Schienenanbindung folgt zwischen der Brücke der Autobahn 113 und der Siedlung Hubertus der Trasse der vorhandenen Anschlussbahn. Im Bereich des Berliner Ortsteils Bohnsdorf rückt die neue Trasse rund 250 Meter von der Bebauung ab. In die "Görlitzer Bahn", die Bahnstrecke Berlin — Cottbus, fädelt die Strecke nach Norden (Richtung Berlin) und Süden (Richtung Cottbus) niveaugleich mit je einem Gleis ein. Neu gebaut werden Straßenbrücken für die Autobahn 117, B 179 (Waltersdorfer Straße/Grünauer Straße) sowie den Schwarzen Weg.

Die rund 6 Kilometer lange Ostanbindung ermöglicht es, Regional- und Fernverkehrszüge von der "Görlitzer Bahn" zum Terminalbahnhof zu fahren, ebenso Güterzüge zum Tanklager und der Flughafenlogistik.

Die Eingriffe in Natur- und Landschaft werden umfassend ausgeglichen. Lärmschutz für die Anwohner von Bohnsdorf bietet eine rund 2 Kilometer lange Schallschutzwand.

Die Planfeststellungsunterlagen für diesen Abschnitt wurden am 3. Januar 2007 eingereicht. Am vergangenen Freitag (19. Februar 2010) hatte das Eisenbahn-Bundesamt den Planfeststellungsbeschluss erlassen.



B B I - B A H N A N B I N D U N G

Zug um Zug wird der Flughafen BBI erschlossen

Verkehrsverbund präsentiert Konzept für die Anbindung des Terminals. Großes Problem bleibt auf Jahre hinaus die fehlende Dresdner Bahn.

Aus: Der Tagesspiegel, Berlin, 18. März 2010, Seite 16 (Brandenburg). [Original]

SCHÖNEFELD (Tsp). Der Flughafen BBI ist nicht nur knapp 600 Tage entfernt, sondern für viele Berliner aus den nördlichen und westlichen Kiezen außerdem eine gefühlte halbe Weltreise. "Für die Tegeler wird's schlechter", merkte deshalb Hans-Werner Franz lächelnd an, als er am Mittwoch [17.3.2010] die Verkehrsverbindungen zum künftigen Willy-Brandt-Flughafen präsentierte. Was der Geschäftsführer des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB) zu berichten hatte, zeigte vor allem zweierlei: Der künftige Großflughafen ist für die meisten Berliner von Anfang an recht komfortabel erreichbar. Aber die Anbindung könnte noch viel besser sein, wenn die seit Jahren überfällige Dresdner Bahn endlich gebaut würde.

Seit Jahren streiten vor allem der Senat und die Bahn um die Trasse durch Lichtenrade, für die der Senat und eine Bürgerinitiative von Anwohnern einen Tunnel fordern. Der würde nach Auskunft von Franz rund 30 Millionen Euro zusätzlich kosten – bei einer Gesamtinvestition von reichlich 400 Millionen Euro für den Ausbau der Strecke vom Berliner Südkreuz nach Dresden für Tempo 200. Franz forderte den Bund auf, die Tunnelvariante zu planen, um ein langwieriges Gerichtsverfahren zu vermeiden. Allerdings gilt die Finanzierung des ganzen Vorhabens zurzeit als unsicher.

Deshalb müssen die Züge auf absehbare Zeit vom Südkreuz den Umweg über die Anhalter Bahn durch Lichterfelde nehmen. Ob sie auf der schon jetzt stark frequentierten Trasse alle 20 Minuten fahren können oder nur im Halbstundentakt, müssen Bahn, Flughafengesellschaft, Senat und die Brandenburger Landesregierung noch ausfechten. Jedenfalls soll der Airport-Express vom Hauptbahnhof bereits zur Eröffnung Ende 2011 in 29 Minuten am Flughafenterminal sein. Fürs Frühjahr 2012 ist die erste Verbesserung für mehrere Routen in Sicht (siehe Tabelle), weil dann die Ostanbindung des Flughafens fertig sein soll. Die Arbeiten für die südlich von Grünau abzweigende Trasse haben gerade begonnen. Mit ihr die zunächst nur von Westen erreichbare Terminal-Station zum Durchgangsbahnhof. Dann sind verschiedene Bahnlinien denkbar, die den Flughafen sowohl für Berliner als auch für Brandenburger erschließen. Weitere deutliche Verbesserungen sind ab etwa 2014 möglich, wenn das Ostkreuz erneuert worden ist.

Die Planer erwarten, dass knapp die Hälfte der avisierten 22 Millionen Passagiere pro Jahr mit den öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen. Hinzu sollen 4,6 Millionen Beschäftigte und Besucher kommen, die ebenfalls Bus und Bahn nutzen. Als wichtigster Zubringer dient die S-Bahn, die alle 10 Minuten fahren soll – und zwar mit den vor dem Chaos üblichen 8 Wagen, wie Franz betont. Dies werde ausdrücklich bestellt. Geplant sind eine Linie zum Südkreuz (entspricht der zurzeit eingestellten S 45) und eine über den östlichen S-Bahn-Ring (S 9).

Perspektivisch wird der Weg nach Schönefeld für die meisten Passagiere aus Sicht des VBB komfortabler als der nach Tegel, weil Züge meist zuverlässiger und deutlich schneller fahren als Busse. Zudem werden für den künftigen Airport-Express, wie berichtet, neue Züge mit detaillierten mehrsprachigen Informationen zu Fahr- und Abflugplänen verlangt. Doch auch per Bus soll der Flughafen gut erreichbar sein – maßgeblich durch die Linie X 7, die alle 5 Minuten zum U-Bahnhof Rudow fährt, sowie den X 11 im Zehnminutentakt nach Dahlem- Dorf und den 163er nach Grünau und/oder Schöneweide. Zudem sind 7 Buslinien ins südliche Umland geplant. Für die Tickets gilt der VBB-Tarif.

Verbessert werden muss nach Ansicht von Franz die Anbindung der polnischen Großstädte im Einzugsgebiet des Flughafens: Der Stadtpräsident von Stettin habe schon mehrfach einen Direktzug zum BBI angemahnt. Landsberg (Gorzów) ist nach Berechnung des VBB zunächst nur mit mehrfachem Umsteigen und 3 Stunden Fahrzeit erreichbar. Als dringend anschlussbedürftig gelten auch Posen und Breslau. Die 4 Städte haben zusammen fast 2 Millionen Einwohner [Ed: und keinen großen Flughafen in der Nähe]. [Leser-Kommentare]



Letzter Aufruf zur Luftschau

Die Länderchefs ließen den Stichtag für die ILA verstreichen. Der Region wurde aber noch eine Chance eingeräumt.

Aus:
Der Tagesspiegel, Berlin, 26. März 2010, Seite xx (Berlin/Brandenburg). [Original]

SCHÖNEFELD (Tsp). Der Bundesverband der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI) hat Berlin und Brandenburg eine letzte Chance eingeräumt, die Luftfahrtschau ILA auch künftig in Schönefeld zu halten. Die beiden Landesregierungen hatten zum gestrigen Stichtag kein Konzept für den geplanten neuen ILA-Standort in Selchow am Rande des neuen Flughafens BBI vorgelegt. Jetzt wird es eng für die Hauptstadtregion [Ed: und die ILA könnte auf Dauer nach Leipzig abwandern, das sich sehr intensiv darum ‚bemüht‘].

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit und Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (beide SPD) hatten sich gestern schriftlich an das BDLI-Präsidium gewandt. Wie verlautet, blieb es erneut bei einem Grundsatzbekenntnis zur ILA. Sie erklärten zugleich, dass die Finanzierung noch immer nicht gesichert sei und für die Planungen mehr Zeit gebraucht werde.

Es gibt bisher keine Angaben zu ausstehenden Aufsichtsratsbeschlüssen und Zeitplänen, die zur Erlangung der vollständigen Planungssicherheit bezüglich der ILA ab 2012 notwendig sind, kritisierte der BDLI. Dessen Präsidium beschloss deshalb, die Auswertung grundsätzlicher Interessenbekundungen nunmehr als beschränkte Ausschreibung fortzusetzen. Schönefeld/Selchow bleibt nur noch einer von 6 potenziellen Bewerbern. Der BDLI wird nun auch mit den Interessenten Hannover, Köln/Bonn, Leipzig/Halle, Stuttgart und Oberpfaffenhofen "intensive Gespräche" führen. Eine Expertengruppe wird in den kommenden Wochen die Standorte auf ihre ILA-Eignung hin überprüfen. Im Mai soll entschieden werden, mit wem konkrete Vertragsverhandlungen aufgenommen werden.

Die ILA kehrte 1992 nach Berlin zurück und wird seitdem vom BDLI gemeinsam mit der Messe Berlin in Schönefeld veranstaltet. Das bisherige Areal wird nach der diesjährigen Veranstaltung im Juni für den BBI benötigt. Rund 60 Millionen Euro kostet die Herrichtung eines neuen Messegeländes bei Selchow. "Beide Länder haben den Willen, die ILA hier zu halten", sagte Senatssprecher Richard Meng. Es gebe aber offene Fragen hinsichtlich Finanzierung und Risikoverteilung. Der Sprecher der Messe Berlin, Michael Hofer, gab sich "zuversichtlich", dass die ILA auch künftig in der Hauptstadtregion stattfindet. Wirtschaftssenator Harald Wolf und sein Brandenburger Ministerkollege Ralf Christoffers sollen weiter mit potenziellen Investoren verhandeln.



Klage gegen Ost-Anbindung für Großflughafen BBI

Der Deutsche Bahnkunden-Verband will gegen den Bau der Trasse zum BBI klagen. Eine vom Verband vorgeschlagene Strecke, koste weniger Bäume – und weniger Geld.

Aus:
Der Tagesspiegel, Berlin, 29. März 2010, Seite xx (Brandenburg). [Original]

SCHÖNEFELD (Tsp). Gegen den bereits begonnen Bau des östlichen Bahnanschlusses an den neuen Flughafen Berlin-Brandenburg in Schönefeld will jetzt der Deutsche Bahnkunden-Verband klagen. Er hatte eine andere Trasse vorgeschlagen, um das Abholzen von Bäumen im Bohnsdorfer Wald zu verhindern. Zudem wäre der Bau nach Angaben des Bahnkunden- Verbandes billiger geworden.

Das Eisenbahn-Bundesamt, das alle Einwendungen geprüft hatte, genehmigte den Trassenbau durch den Forst Mitte Februar. Unmittelbar danach begann die Rodung der Bäume entlang der Strecke. Sie zweigt von der Görlitzer Bahn, die von Berlin aus Richtung Cottbus führt, zum Flughafen ab.

Der Bau hatte sich um Jahre verzögert, weil sich die ursprüngliche Planung, die Schienen entlang dem vorhandenen Gütergleis zu legen, nicht verwirklichen ließ. Deshalb wird die östliche Verbindung auch nicht zur Eröffnung des Flughafens am 30. Oktober 2011 fertig sein. Züge könnten aber Anfang 2012 auch über diese Verbindung den Flughafen erreichen – falls die Arbeiten nicht durch die Klage gestoppt werden.



Der Tunnel zum BBI wird für S- und Fernbahn fit gemacht

Dreimonatiger Baurückstand aufgeholt.

Aus:
Märkische Allgemeine Zeitung, 1. April 2010, Seite xx (Verkehr). [Original]

SCHÖNEFELD (maz). "Schnellste City-Verbindung" stand auf dem Bus, den die Deutsche Bahn (DB) für eine Baustellenfahrt um Schönefeld gemietet hatte. Es war einer der Wagen, die in knapp 20 Minuten bis Berlin-Südkreuz fahren. Während der Gastgeber die Vorteile des Schienenverkehrs preisen wollte, machte er so unbeabsichtigt Werbung für die Konkurrenz auf der Straße.

Gestern übergaben Flughafenvertreter den letzten Abschnitt des zum unterirdischen Terminal-Bahnhof führenden Tunnels an die DB. Die bringt nun Schotter auf, verlegt Schwellen, Schienen und Kabel, an die sie schließlich die Signale anschließt.

Die Gleisschleifen, die in das tief liegende Flughafenherz führen, waren nicht leicht zu bauen. "Wir haben nicht nur im märkischen Sand gewühlt, sondern stießen auch auf extrem harte Schichten im Untergrund", schildert es Projektleiter Matthias Hudaff. Dadurch und durch den langen Winter entstand ein dreimonatiger Zeitverzug, der inzwischen jedoch aufgeholt worden sei. Auch die Kostengrenze von 636 Millionen Euro werde nicht überschritten.

Doch gilt die positive Bilanz nicht für alle Abschnitte der 15 Kilometer langen Mammutbaustelle. Selchow bleibt bis auf Weiteres nur über die Umfahrung erreichbar. Die nördliche Ortseinfahrt sollte zwar schon längst wieder geöffnet werden, ist aber immer noch dicht. Erst Mitte des Jahres wird der alte Hofladen mit einer Brücke wieder mit dem Rest der Welt verbunden.

Besser im Plan liegt der Bau des Bahnhofs Waßmannsdorf. Die Bahnsteigfundamente werden jetzt gesetzt, die Treppen und Aufzüge vorbereitet. Alle 10 Minuten soll tagsüber eine S-Bahn zum BBI verkehren – über ein Gefälle von 40 Promille [4 %].

Dessen 3 Bahnsteige werden in den nächsten Wochen mit beige-grauen Steinplatten bestückt. 472 massive Stahlbetonsäulen tragen die Decke. Die dünnste misst 80 Zentimeter im Durchmesser. Da, wo über ihnen Flugzeuge rollen, bringen es die Riesenzylinder auf 1,20 Meter. "Die Konstruktion ist so ausgelegt, dass sie auch dann hält, wenn eine Säule gerammt werden sollte", versichert Bahn-Mitarbeiter Helmut Konnertz. "Wer beim Aussteigen aus dem Zug eine günstige Tür gleich gegenüber dem Fahrstuhl erwischt, muss kaum 50 Schritte machen, um zum Abfertigungsschalter des Flughafens zu kommen", sagt Konnertz.

Seit Jahren schon wirbt der Bauherr mit dem Spruch vom Airport der kurzen Wege. Wie kurz die Wege für die Waltersdorfer werden, ist indes ungewiss. "Ein Haltepunkt bei Hubertus ist nicht vorgesehen", stellt Bahn-Konzernbeauftragter Ingulf Leuschel fest. Die Gemeinde wünscht ihn sich, aber das Land hat ihn nicht bestellt. Leuschel: "Wir können nicht auf Zuruf bauen."

Bisher ging es mit der östlichen Gleisschneise Schlag auf Schlag. Kaum war der behördliche Segen erteilt, rückten die Arbeiter an. Kurz wurde geschaut, ob irgendwo geschützte Fledermäuse nisten, dann fielen in 3 Tagen fast 20.000 Bäume. Gleich nebenan, auf der Trasse der Kerosinbahn, soll es Ersatz geben. Einige Pflanzungen erfolgen aber auch weit entfernt bei Frankfurt (Oder).

Vielleicht hätte so viel Eile gar nicht an den Tag gelegt werden müssen. Sollte die Klage des Bahnkundenverbandes aufschiebende Wirkung haben, dürfte das Ziel des Ost-Anschlusses 2011 oder 2012 hinfällig werden.

Wenigstens auf der Westanbindung könnte die Bahn die Nase vorn haben. Die Schnellbusse zum Südkreuz sollen bald nur noch alle 30 Minuten starten. Auf der Autobahn ist es so voll, dass der 20-Minuten-Takt mit zwei Fahrzeugen nicht mehr zu halten ist.



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