Living in a City  —  Reports aus Berlin     – Zum Report 6 khd
Stand:  26.6.2010   (44. Ed.)  –  File: Heimat/B/Bln/Ex/BBI_Der_Bau_03.html


Diese Seite ist eine Ergänzung zu einem Berlin-Report, in dem über die Planung (samt Ärgernissen) des neuen Berliner Großflughafens „Berlin Brandenburg International“ (BBI) berichtet wird. Dazu werden hier einige ausgewählte und besonders interessante Artikel und andere Texte gespiegelt und damit auf Dauer dokumentiert. Manches ist auch mit [Ed: ...] kommentiert. Tipp- und Übertragungsfehler gehen zu meinen Lasten.

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BBI — Der Bau des Großflughafens in Berlin-Schönefeld (3)

I n h a l t :


BBI-Baukosten
Ohne Zinsen
2.9.2007 (khd). Es wird wohl langsam Zeit, eine Tabelle zum Fortschreiben der BBI- Baukosten anzulegen, auch wenn noch manche Kosten fehlen und andere unklar sind. Denn irgendwie erinnert das alles an die Situation beim Bau des ICC unterm Funkturm, aus der Politiker offensichtlich absolut nichts gelernt haben. Nur damals gab es das Internet noch nicht...
31.12.2008 (khd). Es hat sich als ungemein schwierig herausgestellt, die einzelnen Kostenposten zu ermitteln, weshalb manches geschätzt wurde. (xxx = das folgt hoffentlich demnächst).
Stand: 26. Juni 2010
Alle Kosten in Euro und ohne Gewähr.
Teilprojekt Planung
2006
Stand
2007
Stand
2008
Stand
2009
Stand
2010
Stand
2011
Stand
2012
Anm.
        3)      
Terminal 630 Mio 1.030 Mio xxx Mio xxx Mio 780 Mio xxx Mio xxx Mio  
Start-/Lande-/Roll-
Bahnen + Vorfeld
277 Mio       300 Mio      
Sonstiges 475 Mio       500 Mio      
SUMME:  1.382 Mio 1.782 Mio xxx Mio xxx Mio 1.580 Mio      
Bahnhof  1) 130 Mio              
Bahn-Strecken  1) 506 Mio              
SUMME:  636 Mio 636 Mio 636 Mio 636 Mio 636 Mio      
ZWISCHEN-SUMME:  2.018 Mio 2.418 Mio xxx Mio xxx Mio 2.216 Mio     2
Straßen und
Autobahn
50 Mio 60 Mio 74 Mio 74 Mio 74 Mio      
Regierungs-Terminal 55 Mio 65 Mio 80 Mio 100 Mio 125 Mio      
Neues ILA-Gelände 0 Mio 0 Mio 50 Mio 80 Mio 100 Mio      
SUMME:  105 Mio 125 Mio 204 Mio 254 Mio 299 Mio     2
GESAMT-SUMME:  2.123 Mio 2.543 Mio xxx Mio xxx Mio 2.515 Mio      
  1) Ursprünglich sollten die gesamten Bahnkosten nur 496 Mio. Euro betragen. 2006 sind es bereits 636 Mio. Euro. *
  2) Auch der "Tagesspiegel" hat bislang nicht veröffentlicht, was genau in den 2006 geplanten 2,018 Mrd. Euro alles enthalten ist.
  3) Am 30.6.2010 wurde der BBI-Eröffnungstermin vom 30. Oktober 2011 um 7 Monate auf den 3. Juni 2012 verschoben. Mehrkosten: 138 Mio. Euro.



BBI-Kosten: Jetzt wird verhandelt

Flughafengesellschaft versucht, den Baupreis zu drücken. Eine spezielle Passagiergebühr ist nicht geplant.

Aus:
Der Tagesspiegel, Berlin, 4. September 2007, Seite 15 (Berlin/Brandenburg) von KLAUS KURPJUWEIT. [Original=2372176]

SCHÖNEFELD (Tsp). Nach der Kostensteigerung beim Flughafenausbau in Schönefeld versucht die Flughafengesellschaft nach Tagesspiegel-Informationen in Gesprächen mit Baufirmen den Preis drücken. Offiziell äußern will sich die Flughafengesellschaft aber weiter nicht. Für den Bau des neuen Abfertigungsgebäudes in Schönefeld wollen, wie berichtet, alle 4 Baukonzerne, die ein Angebot abgegeben haben, mehr als 1 Milliarde Euro kassieren. Die Flughafenplaner hatten Kosten von etwa 630 Millionen Euro angesetzt.

Völlig unklar ist nach wie vor, wie die Mehrkosten finanziert werden sollen. Bisher haben sich die Gesellschafter Bund, Berlin und Brandenburg nur geeinigt, wie sie die bisher veranschlagten Gesamtkosten in Höhe von 2,018 Milliarden Euro aufbringen wollen. Mögliche Mehrkosten sind nicht berücksichtigt worden. Der Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft tagt routinemäßig noch in diesem Monat. In Brandenburg will die Linke die Kostensteigerung im Landtag behandeln.

An eine Gebühr, die Passagiere für den Ausbau aufbringen müssten, denke man aber nicht, heißt es bei der Flughafengesellschaft. Solche Pläne hatte der Flughafen im Jahr 2000 nach der gescheiterten Privatisierung aufgegeben. Ein Konsortium um den Baukonzern Hochtief, das damals bereits als Käufer der Flughafengesellschaft auserkoren war, hatte den BBI- Ausbau zum großen Teil über Extra-Passagiergebühren finanzieren wollen: 50 Jahre lang sollte jeder Fluggast zusätzlich etwa 10 Euro berappen. In Zeiten der Billigflieger sei so etwas nicht mehr denkbar, sagen Experten.

Heute sei es sogar kaum möglich, über die normalen Start- und Landegebühren das Geld für den Ausbau hereinzuholen, sagen die Experten. Im Gegenteil: Um neue Fluglinien anzulocken, musste die Flughafengesellschaft sogar ein Rabattsystem einführen.

Dass die Kosten für das Abfertigungsgebäude in den Angeboten der Baukonzerne so gestiegen seien, liege vor allem an den derzeit sehr hohen Preisen, zum Beispiel für Stahl, heißt es in der Branche. Hier treibe die Nachfrage in China und Indien die Preise hoch. Etwas beruhigen könne sich die Lage vielleicht nach dem Ende der Olympischen Spiele 2008 in Peking. Bauunternehmen, die als Generalunternehmer auftreten, würden zudem mit einem sehr hohen Sicherheitszuschlag kalkulieren.

So lange das Projekt in einem Los ausgeschrieben ist, werde sich daran nicht viel ändern, sagte ein Experte. Ein Projekt dieser Größe könne nur von ganz wenigen Baufirmen ausgeführt werden. So hat es auch in Schönefeld nur 4 Angebote zum Bau gegeben. Darunter ist auch Hochtief, das bei der Privatisierung gescheitert war. Jetzt wird dem Vernehmen nach auch geprüft, ob es Anhaltspunkte gibt, dass sich die Unternehmen abgesprochen haben. Die Flughafengesellschaft hat von Anfang an die Antikorruptionsexperten von Transparency International eingeschaltet. Bei einem geplanten Ausbau am Flughafen Frankfurt (Main), wo der Fernbahnhof überbaut werden soll, gab es nach Tagesspiegel-Informationen sogar gar kein Angebot.

Billiger bauen könne man mit kleineren Baulosen, sind Experten einig. Den Zuschlag für den Bau des Bahnhofs unter dem künftigen Abfertigungsgebäude in Schönefeld haben mittelständische Unternehmen aus der Region erhalten. Auch der Neubau der südlichen Start- und Landebahn erfolgt unter der Regie von Mittelständlern.



Wowereit bezeichnet Berichte zu Mehrkosten bei BBI-Terminal als "Spekulationen"

Aus: Yahoo-News, 19. September 2007, 15.09 Uhr MESZ (Berlin-Brandenburg). [
Original]

BERLIN. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hat Berichte, wonach sich die Baukosten des künftigen Terminals im Flughafen Berlin Brandenburg International (BBI) verteuern könnten, als "Spekulationen" zurückgewiesen. Vor dem Hauptausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses sagte er am Mittwoch [19.9.2007]: "Es besteht oberste Priorität, den Kosten- und Zeitplan einzuhalten." Ob allerdings die bisherigen Kostenschätzungen noch richtig seien, sehe man erst nach Abschluss des Vergabeverfahrens.

Wowereit, der auch Aufsichtsratsvorsitzender des BBI-Betreibers Flughafen Berlin-Schönefeld GmbH ist, sagte, er könne sich zu den vorliegenden Angeboten der Neuausschreibung nicht äußern. Andernfalls würden Schadenersatzforderungen drohen, denn das Vergabeverfahren laufe noch. Die bisherige Vergabe von Leistungen über 700 Millionen Euro habe aber gezeigt, dass es möglich sei, in den Zeit- und Kostenrahmen zu bleiben. Wowereit räumte aber ein, dass sich das gesamte Vergabeverfahren "etwas schwierig" gestalte.

"Nicht auszuschließen ist jedoch, dass die Spekulationen über Kostensteigerungen gezielt vorgenommen wurden", sagte der Politiker. Es wäre laut Ausschreibung klar, dass ein Terminal-Generalbauunternehmer etwaige Mehrkosten selbst abfangen müsse. Wowereit ergänzte, dass sein Auftritt und seine Aussagen vor dem Ausschuss "auch als Signal" – nicht nur in Richtung der Abgeordneten – zu verstehen seien. Beobachter werteten dies als Aufforderung an Anbieter, ihre vorliegenden Preisangebote zu senken.

Die FDP hatte Wowereit zuvor aufgefordert, Stellung zu Berichten über mögliche Kostensteigerungen zu nehmen. Gemeinsam mit den Oppositionsparteien CDU und Grüne unterzogen die Liberalen den Regierungschef einer zum Teil heftig geführten Befragung. Im Anschluss konstatierte FDP-Haushaltsexperte Christoph Meyer: "Nach dem Auftritt von Herrn Wowereit bleiben mehr Fragen als Antworten." Dagegen warf die Abgeordnete der Linken, Jutta Matuschek, der Opposition vor, sie wolle das Projekt BBI offensichtlich zu Fall bringen.

Grundsätzlich habe er keinen Grund, "irgendwelche Kostenangaben schönzurechnen", sagte Wowereit. Man könne jedoch erst nach Abschluss der Gespräche mit Bewerbern sagen, wie nach der heutigen Marktlage die Situation sei. Es gelte, auch Alternativen zu bewerten. Man könne auch nicht ausschließen, "aber erst als letzte Stufe", dass die Flughafen-Gesellschafter mehr Geld beisteuern müssten. Momentan wäre man aber noch an einem Punkt, an dem der Bund sowie die Länder Berlin und Brandenburg ihre Anteile an der Bausumme nicht erhöhen müssten. Auf Fragen nach der pünktlichen Fertigstellung des neuen Flughafens sagte der Regierungschef: "Es ist ein ambitionierter Zeitplan bis November 2011. Was da alles noch passieren kann, weiß ich nicht."

Zu Medienberichten, wonach der Bund seinen Kostenanteil am Terminal bei 112 Millionen Euro einfrieren wolle, sagte Wowereit: "Ich gehe selbstverständlich von einer gleichbleibenden Kostenverteilung aus." Zugleich wies er Vergleiche mit dem Flughafen München zurück. "Wir wollen mit dem BBI keinen Luxusbau, sondern einen Zweckbau. Natürlich wird das ein Hauptstadtflughafen, aber auch kein Denkmal für überschwängliche Architektur."



Easyjet will kein Abendflugverbot am BBI

Der Billigflieger Easyjet wehrt sich gegen ein Abendflugverbot am geplanten Flughafen Berlin Brandenburg. Bei einem Anschaffungspreis von 40 Millionen Euro pro Maschine könne sich das Unternehmen nicht leisten, die Flugzeuge um 22 Uhr abzustellen.

Aus:
Der Tagesspiegel, Berlin, 8. Oktober 2007, 11.16 Uhr MESZ (nur elektronisch publiziert). [Original=art1050,2395332]

BERLIN (Tsp). Der Billigflieger Easyjet hat eine Aufhebung des vorgesehenen Abendflugverbots am geplanten Flughafen Berlin Brandenburg Internationen (BBI) gefordert. "Das Nachtflugverbot ist für uns kein Problem. Am BBI soll es aber sogar schon abends ab 22 Uhr ein Flugverbot geben. Das ist für uns völlig inakzeptabel", sagte Easyjet-Deutschland-Chef John Kohlsaat der "Berliner Zeitung". "Wir müssen bis 24 Uhr fliegen können, weil um diese Zeiten die meisten unserer Flugzeuge zurückkommen. Die Wirtschaftlichkeit unseres Unternehmens ist sehr eng an diese Frage gekoppelt." Der Anschaffungspreis für jede Maschine betrage 40 Millionen Euro. "Wir können es uns deshalb schlicht nicht leisten, sie schon um 22 Uhr abzustellen."

Kohlsaat geht der Zeitung zufolge davon aus, dass es zu einer guten Lösung für Berlin komme. Easyjet werde in diesem Jahr 1,5 Millionen ausländische Touristen nach Berlin einfliegen. Pro Tag lasse jeder dieser Touristen im Schnitt 150 Euro in der Hauptstadt. "Das heißt: Wir fliegen knapp eine halbe Milliarde Umsatz für Berlin ein. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Stadt daran interessiert ist, diese Einnahmen zu beschneiden", sagte Kohlsaat.

Der Easyjet-Deutschland-Chef kündigte an, die Kapazitäten am bestehenden Flughafen Schönefeld für seine Fluggesellschaft zu erweitern. Details dazu würden in einigen Wochen bekanntgegeben.



Großflughafen droht wieder Verzögerung

Sondersitzung des Aufsichtsrates / Geschäftsleitung will Neuausschreibung für den Bau in Schönefeld / [Ed: und eigentlich sollte der Flughafen BBI schon 2003 in Betrieb gegangen sein...]

Aus:
Der Tagesspiegel, Berlin, 9. Oktober 2007, Seite 1 (Titel) von G. APPENZELLER, R. DURING, T. METZNER und U. ZAWATKA-GERLACH. [Original=art692,2395634]

BERLIN (Tsp). Der Aufsichtsrat der Berliner Flughäfen soll am Dienstag [9.10.2007] eine Neuausschreibung des Terminalbaus für den Berlin-Brandenburg International Airport (BBI) beschließen. Das sieht der einzige Tagesordnungspunkt der Sondersitzung des Gremiums vor, wie der Tagesspiegel erfuhr. Experten gehen davon aus, dass sich dann die für den 30. Oktober 2011 geplante Eröffnung des neuen Flughafens in Schönefeld um mindestens ein Jahr verzögern wird.

Zu der außerordentlichen Sitzung des Aufsichtsrates, dem Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit vorsteht, war erst vor einer Woche eingeladen worden. Wie Mitglieder des Gremiums dem Tagesspiegel bestätigten, liegt ein Antrag der Geschäftsleitung der Berliner Flughäfen vor, den Bau des Abfertigungsgebäudes neu auszuschreiben. "Kein Kommentar", sagte dazu ein Flughafensprecher.

Wie berichtet, sollen die Angebote im laufenden Verfahren mit gut 1 Milliarde Euro um rund 400 Millionen Euro über den kalkulierten Kosten liegen. In der Finanzierungsplanung für den BBI sind nur 630 Millionen Euro für das Abfertigungsgebäude vorgesehen. Unter Hinweis auf die Geheimhaltungspflicht im laufenden Verfahren ist die drohende Verteuerung bisher nicht offiziell bestätigt worden. Nach der letzten regulären Aufsichtsratssitzung am 14. September hatte ein Flughafensprecher noch erklärt, mit den Bietern werde jetzt erst über das endgültige Angebot verhandelt. Wowereit hatte allerdings schon damals deutlich gemacht, dass eine Neuausschreibung nicht auszuschließen sei.

Dem Vernehmen nach soll der Terminalbau, der bisher im Paket ausgeschrieben war, jetzt in rund zehn kleineren Bauleistungen vergeben werden und so auch für Arbeitsgemeinschaften mittelständischer Unternehmen attraktiv werden. Das erfordert nach Angaben aus Fachkreisen die Erstellung einer komplett neuen Ausschreibung mit neuen Leistungsverzeichnissen. Dazu werde die Flughafengesellschaft nicht nur zusätzliches Personal benötigen, heißt es unter Branchenkennern. Dem BBI drohe damit eine Zeitverzögerung "von 1 bis 3 Jahren", sagt ein dem Projekt nahestehender Experte.

Eine Verzögerung wird sich auch negativ auf die angelaufene Vermarktung des BBI-Umfeldes auswirken, befürchten Fachleute. Gestern war Brandenburgs Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns (CDU) noch mit der Geschäftsleitung der Berliner Flughäfen bei der Eröffnung einer Immobilienmesse in München, wo für zwei Areale geworben wird. Vor dem Terminal soll rund um eine Plaza von privaten Investoren die Airport-City mit Hotels, Büros, Gastronomie, Handel, Konferenzzentren und Parkhäusern entstehen. Und am Nordostrand des BBI soll mit dem BBI Business Park Berlin auf 109 Hektar Grundfläche der größte Gewerbepark der Hauptstadtregion entstehen.

Fachleute verweisen auf die rechtlichen Probleme einer Neuausschreibung. Die bisherigen Anbieter könnten dagegen klagen – auch auf Erstattung ihrer Vorlaufkosten. So müsse man damit rechnen, dass jedem Konsortium, darunter Hochtief, Planungskosten von etwa 1,2 Millionen Euro entstanden seien. Experten zweifeln auch daran, dass die staatlichen Bauabteilungen in Berlin und Brandenburg personell in der Lage seien, die Neuausschreibung zu schultern. Der Experte sagt aber, dass man mit Sicherheit erhebliche Einsparpotenziale bei diesem Terminalentwurf habe, die er mit 120 Millionen Euro beziffert.



P R O B L E M F A L L   G R O ß F L U G H A F E N

BBI soll 2011 planmäßig eröffnet werde

Der Bau des Terminals wird neu ausgeschrieben: Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit bleibt zuversichtlich, dass der Airport rechtzeitig fertig wird. Die CDU befürchtet hingegen ein Finanzdesaster.

Aus:
Der Tagesspiegel, Berlin, 10. Oktober 2007, Seite 9 (Berlin). [Original=2396619]

BERLIN (Tsp/ball/obs/wvb/za). Die Regierungsfraktionen, aber auch FDP und Grüne begrüßen den Beschluss des Aufsichtsrats der Flughafen-Holding (BBI), das Terminal für den neuen Großflughafen in Schönefeld neu auszuschreiben. Die Liberalen und die Union verbinden dies aber mit einer massiven Kritik am Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD), der Chef des Aufsichtsgremiums ist. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Friedbert Pflüger erklärte: "Wowereit hat BBI zur Chefsache erklärt, deshalb muss er jetzt die Verantwortung für das Finanzdesaster übernehmen."

Die wirtschaftliche Entwicklung Berlin werde unter der Verzögerung leiden, vermutet Pflüger. "Die Konkurrenzflughäfen Berlins reiben sich die Hände!" Der CDU-Politiker bekräftigte auch seine Forderung, dass der Flughafen Tempelhof offen bleiben soll. Der CDU-Wirtschaftsexperte Michael Dietmann erinnerte daran, dass seine Partei "von Anfang an für kleinere Losgrößen bei der Auftragsvergabe war, weil dies mittelständische Unternehmen in Berlin und Brandenburg einbezieht".

Auch der FDP-Fraktionschef Martin Lindner hofft, "dass der Berliner Mittelstand im Rahmen dieser Neuausschreibung zumindest durch Bietergemeinschaften möglichst umfangreich zum Zuge kommt". Wowereit müsse für mittelstandsfreundliche Ausschreibungsbedingungen sorgen. Lindner hat zwar wachsende Zweifel an Wowereits "Beteuerungen", dass der Zeitplan bis zur Eröffnung von BBI eingehalten werden könne. Doch sei es richtig, dass der Terminalbau neu ausgeschrieben werde.

Claudia Hämmerling, verkehrspolitische Sprecherin der Grünen, hält die Neuausschreibung ebenfalls für einen "unterstützenswerten Versuch". Vor allem zur Förderung der regionalen Wirtschaft. Das hätten die Grünen schon lange gefordert. Ob die Baukosten damit deutlich gesenkt werden können, bezweifelt Hämmerling aber. Projekte des Architekturbüros Gerkan, Marg und Partner hätten in Berlin regelmäßig den Kostenrahmen überschritten. Die Grünen-Politikerin regte zudem an, die Bauverzögerungen zu nutzen, um die östliche Schienenanbindung des Flughafens zu überarbeiten. Der S-Bahnhof Schönefeld solle aufgegeben und die Regionalbahnanbindung entlang der Autobahn geführt werden.

Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) hält die beschlossene Neuausschreibung des Flughafensterminals für "unbedingt geboten". Das sieht die Linksfraktions-Chefin Carola Bluhm genauso. "Ich habe auch noch keine Sorge, dass der Zeitplan durcheinander gerät".



Nachtflugpläne werden veröffentlicht

Aus:
Berliner Morgenpost, 10. Oktober 2007, Seite ?? (Berlin). [Original=925785.html]

BERLIN. Die Unterlagen zum Planfeststellungsverfahren für Nachtflüge am künftigen Flughafen Berlin Brandenburg International (BBI) sollen vom 29. Oktober an in den Gemeinden ausgelegt werden. Bis zum 28. November könnten die Papiere eingesehen werden, sagte ein Sprecher des Infrastrukturministeriums am Dienstag [9.10.2007] in Potsdam. Stellungnahmen zum Planfeststellungsverfahren wären bis zum 12. Dezember bei der gemeinsamen Luftfahrtbehörde Berlin-Brandenburg abzugeben.

"Mir ist ein transparentes Verfahren wichtig", sagte Minister Reinhold Dellmann (SPD). Betroffen seien in Berlin der Bezirk Treptow-Köpenick, in Brandenburg die Gemeinden Gosen-Neu Zittau (Amt Spreenhagen), die Stadt Ludwigsfelde und die Gemeinden Eichwalde, Schulzendorf, Schönefeld, Blankenfelde-Mahlow und Großbeeren. Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hatte am 16. März 2006 den Ausbau Schönfelds zum Flughafen BBI genehmigt.



Air Berlin will bis Mitternacht landen – oder klagen

Streit um Lärmschutz am künftigen Großflughafen: Unternehmen akzeptiert Flugverbot nur von 0 bis 5 Uhr.

Aus:
Der Tagesspiegel, Berlin, 3. November 2007, Seite 10 (Berlin). [Original=xxx]

BERLIN (Tsp). Auf dem neuen BBI-Flughafen in Schönefeld soll es beim generellen Nachtflugverbot zwischen 0 und 5 Uhr bleiben [Ed: auf dem derzeitigen Flughafen Schönefeld darf rund um die Uhr gestartet und gelandet werden]. Dafür wollen die Fluggesellschaften aber unbedingt in den sogenannten Randzeiten von 22 bis 24 Uhr und von 5 bis 6 Uhr starten und landen. Sollte dies nicht möglich sein, müsse man juristische Schritte prüfen, sagte gestern der Sprecher von Air Berlin, Peter Hauptvogel. In der nächtlichen Kernzeit wolle man die Anwohner aber nicht „aus den Betten reißen“.

Dass eine Fluggesellschaft klagen muss, halten Juristen für unwahrscheinlich. Das Bundesverwaltungsgericht habe den Weg bereits bei seiner Entscheidung für den Ausbau von Schönefeld vorgegegeben, sagte ein Experte dem Tagesspiegel. In den Randzeiten sollen demnach Flüge zulässig sein, wenn sie wirtschaftlich notwendig sind.

Die Wünsche der von der Flughafengesellschaft befragten Gesellschaften haben nach heutigem Stand 87 Flüge in den Randzeiten ergeben; die meisten zwischen 22 und 23 Uhr. Dann würde fast im Minutentakt eine Maschine starten oder landen. In der Kernzeit zwischen 0 und 5 Uhr seien reguläre Linienflüge dagegen nicht zu rechtfertigen, sagte Flughafensprecher Ralf Kunkel.

Welche der gewünschten Flüge in den Randzeiten nach wirtschaftlichen Kriterien zulässig sein werden, wird derzeit von der Genehmigungsbehörde in Brandenburg geprüft. Gegen ihren Beschluss kann dann wieder geklagt werden – von den Gegenern des Flughafenausbaus oder von den Fluggesellschaften.

Air Berlin wolle auf dem BBI-Flughafen 25 Maschinen fest stationieren, sagte Hauptvogel. Weil die Flugzeuge den ganzen Tag unterwegs sein sollen, sei man auf frühe Starts und späte Landungen angewiesen. Sollte dies nicht möglich sein, müsse man mehr Flugzeuge einsetzen, was unwirtschaftlich wäre.

Wirtschaftliche Interessen haben die Richter am Bundesverwaltungsgericht bisher auch meist gelten lassen. So haben sie in Leipzig, wo ein Zentrum für Frachtflüge entstehen soll, nächtliche Flüge von Frachtmaschinen zugelasen. Für Passagierflüge dagegen haben die Richter auch in Leipzig ein Nachtflugverbot erlassen. Klagen von Air Berlin und Condor gegen dieses Verbot haben die Richter gestern in einem Eilverfahren zurückgewiesen. Die Anwohner seien bereits durch den Frachtflugverkehr in der Nacht massiv beeinträchtigt. Weiterer Flugverkehr sei nur zumutbar, wenn es dafür besondere Gründe gebe.



F L U G H A F E N   S C H Ö N E F E L D

Der Airport-Express wird zur Luftnummer

Ausbau der Dresdner Bahn wird nicht bis zur BBI-Eröffnung fertig. Auch auf der Strecke über das Ostkreuz gibt es vorerst keine Schnellverbindung.

Aus:
Der Tagesspiegel, Berlin, 4. Januar 2008, Seite 7 (Berlin) von KLAUS KURPJUWEIT. Mix aus Online- und Print-Fassung. [Original]

BERLIN (Tsp). Eine schnelle Verbindung mit kurzen Zugabständen aus der Innenstadt zum BBI-Flughafen wird es wahrscheinlich nicht geben, wenn der Airport wie geplant Anfang November 2011 eröffnet wird. Und dies, obwohl im neuen Terminal in Schönefeld für mindestens 636 Millionen Euro ein Superbahnhof entsteht. Dann fehlt nicht nur die Dresdner Bahn als Zubringer für den Airport-Express, sondern es gibt vorläufig auch keine umsteigefreie Direktverbindung mehr mit der S-Bahn aus dem Zentrum zum Flughafen.

Von 2009 bis voraussichtlich ins Jahr 2012 ist die Verbindungskurve am Ostkreuz unterbrochen, über die heute die Züge der S 9 von Spandau nach Schönefeld fahren. Wer dann zum Flughafen will, muss auf der Großbaustelle Ostkreuz [Ed: beschwerlich mit dem Reisegepäck] umsteigen, wo aufwändig umgebaut wird. Wahrscheinlich erst 2012 wird es dann wieder eine umsteigefreie S-Bahn-Verbindung aus der City zum Flughafen geben. Und frühestens 2013 sollen die Arbeiten so weit sein, dass am Ostkreuz auch Regionalzüge aus Lichtenberg halten und weiter zum BBI-Flughafen fahren können.

Der Ausbau der Dresdner Bahn durch Marienfelde und Lichtenrade – und damit der direkte Anschluss des neuen BBI-Flughafens in Schönefeld an den Hauptbahnhof – verzögert sich weiter. Gegen die Pläne der Bahn, die Gleise oberirdisch zu legen, hat es nach Angaben des Eisenbahn-Bundesamtes rund 4000 Einwendungen gegeben. Deren Bearbeitung werde noch einen "erheblichen Zeitraum" erfordern, sagte gestern die Sprecherin der Genehmigungsbehörde, Bettina Baader.

Weitere Verzögerungen kann es geben, weil die Bahn auch in den beiden anderen Planungsabschnitten nachbessern muss. Ob die Baugenehmigung noch in diesem Jahr erteilt wird, ist daher zweifelhaft. Zuletz war sie für 2007 erwartet worden. Und als Bauzeit sind über 4 Jahre veranschlagt. Eine Arbeitsgruppe mit Vertretern der Bahn sowie von Berlin und Brandenburg soll nun Alternativen suchen, um für den neuen BBI-Flughafen pünktlich zur vorgesehenen Eröffnung Anfang November 2011 doch noch einen schnellen Anschluss auf der Schiene anbieten zu können.

Auf der Dresdner Bahn, über die auch Fern- und Regionalzüge fahren werden, soll ein "Airport-Express" den Hauptbahnhof alle 15 Minuten mit dem Flughafen verbinden – bei einer Fahrzeit von etwa 20 Minuten. Die Planer wollten, dass mindestens 40 Prozent der Passagiere die Stecke zwischen dem Flughafen und der Stadt auf der Schiene zurücklegen. Bis zur BBI-Eröffnung rechnen die Experten für Berlin mit bis zu 25 Millionen Passagieren im Jahr. Bereits 2007 wurde erstmals die 20 Millionen-Grenze überschritten.

Die Flughafengesellschaft fordert jetzt von der Bahn eine Zwischenlösung, bei der ebenfalls im 15-Minuten-Takt Züge vom Hauptbahnhof zum BBI fahren und dafür nicht länger als eine halbe Stunde unterwegs sind. Zum Flughafen gibt es zwei weitere Strecken: Die erst 2006 wiedereröffnete Anhalter Bahn durch Lichterfelde [Ed: die aber für den zusätzlichen Shuttle-Verkehr nicht genehmigt ist] sowie die Verbindung über die Stadtbahn und den Außenring. Die Anhalter Bahn hat beim Wechsel auf den Außenring aber nur ein Gleis, was nicht reicht, um dort weitere Züge im 15-Minuten-Takt unterbringen zu können.

Auf der Stadtbahn über Friedrichstraße, Alexanderplatz und Ostbahnhof würde es ebenfalls sehr eng für zusätzliche Züge. Heute fahren hier die Regionalbahnen etwa alle 30 Minuten zum Bahnhof Schönefeld. Probleme könnte es beim 15-Minuten-Takt am Abzweig von der Görlitzer Bahn zum Flughafen geben, weil diese Verbindung ebenfalls nur eingleisig geplant ist [Ed: hm, und wo fahren die ICEs zum BBI?].

Die Autobahn zum Flughafen wird dagegen bereits in diesem Mai eröffnet.



Anbindung der Ostbahn an BBI sinnvoll

Ein Weiterführen der Ostbahn bis zum BBI ist nach einer Studie der BTU sinnvoll.

Aus:
RBB, Berlin, 18. Januar 2008, 13.41 Uhr MESZ (Nachrichten). [Original]

GORZOW (rbb). Eine Eisenbahnverbindung zwischen der westpolnischen Grenzregion und dem künftigen Flughafen Berlin-Brandenburg International (BBI) könnte sinnvoll sein.

Das ergab eine Studie, die die Technische Universität Cottbus (BTU) im Auftrag der Interessengemeinschaft Eisenbahn Berlin-Gorzow anfertigte. 500 Menschen würden die so genannte Ostbahn Krzyz — Gorzow — Berlin/Lichtenberg bis zum BBI täglich nutzen, sagte ein Vertreter der BTU am Freitag bei der Vorstellung der Studie in Gorzow [früheres Landsberg/Warthe].

Reisende aus Westpolen nach Westeuropa würden vorzugsweise über Schönefeld fliegen. Allein 2006 seien etwa 1 Million Polen von dort nach Osteuropa gestartet. Würden die Fernzüge von Warschau und Krakow nach Gorzow über die Grenze hinweg zum BBI führen, könnte das Fahrgastpotenzial weiter steigen. [Optimale Anbindung an den BBI]



Bahn brüskiert Verkehrsausschuss

Eingeladene kamen nicht zur Anhörung, um über den Bahnanschluss zum BBI-Flughafen zu reden.

Aus:
Potsdamer Neueste Nachrichten, Berlin, 12. Februar 2008, Seite xx (Berlin) von KLAUS KURPJUWEIT. [Original=3837749.pnn]

BERLIN (Tsp). Vergeblich hofften gestern die Mitglieder des Verkehrsausschusses im Parlament auf Antworten der Bahn zum Schienenanschluss des BBI-Flughafens in Schönefeld. Die geladenen Vertreter der Bahn und des Eisenbahn-Bundesamtes (EBA) hatten die Einladung ausgeschlagen. Sie wollten sich derzeit zu den zahlreichen Problemen nicht äußern, weil die Genehmigungsverfahren noch nicht abgeschlossen seien, teilten sie dem Ausschuss mit. Jetzt soll Parlamentspräsident Walter Momper die Bahn-Vertreter erneut einladen. Die Mitglieder im Verkehrsausschuss fühlten sich durch das Fernbleiben der Bahn-Vertreter brüskiert.

Derzeit ist nur klar, dass es die von der Bahn versprochene schnelle umsteigefreie Verbindung zum Hauptbahnhof nicht wie geplant bis zur vorgesehenen BBI-Inbetriebnahme Ende 2011 geben wird. Der für den Airport-Express erforderliche Aufbau der Dresdner Bahn hat sich um Jahre verzögert. Und droht, sich weiter zu verspäten. Die Genehmigung für den Bau, die bisher für dieses Jahr erwartet worden war, soll nach Informationen dieser Zeitung jetzt wahrscheinlich erst 2009 vom Eisenbahn-Bundesamt erteilt werden. Da Anwohner klagen wollen, wenn die Gleise wie bisher vorgesehen ebenerdig gelegt werden sollten, könnte frühestens 2010 mit dem Bau begonnen werden. Die Arbeiten sollen dann nochmals 4 bis 5 Jahre dauern.

Die Flughafengesellschaft will, dass Züge alle 15 Minuten mit einer Fahrzeit von maximal 30 Minuten den neuen Flughafenbahnhof unter dem Terminal erreichen können. Eine Arbeitsgruppe sucht nun nach einer Alternative. Fündig geworden ist sie noch nicht.

Zu den möglichen Lösungen gehört auch der Einsatz von Zwei-System-Fahrzeugen, die auf Gleisen der S-Bahn und der Fernbahn mit jeweils unterschiedlichen Stromsystemen fahren können. Sie würden, wie berichtet, den Hauptbahnhof auf den Ferngleisen verlassen, in Mariendorf und durch Lichtenrade die Gleise der S-Bahn nutzen und dann über die noch zu bauende Fernbahnverbindung zum Flughafen fahren.

Allerdings kann auch die S-Bahn während des Baus der Fernbahngleise nicht unbehindert fahren. Die Gleise der S-Bahn müssen verlegt werden, um Platz für die zusätzlichen Fernbahngleise zu schaffen. Beim zweigleisigen Ausbau der S-Bahn nach Lichtenrade Mitte der 80er Jahre hatte man in der damals noch geteilten Stadt dafür keinen Platz gelassen.

Wie lange und wie oft der Verkehr bei der S-Bahn unterbrochen werden muss, war gestern nicht zu klären. Der exakte Bauablauf stehe noch nicht fest, hieß es bei der Bahn. Großbaustellen gibt es vor allem an der Säntisstraße, der Buckower Chaussee und der Bahnhofstraße in Lichtenrade. Dort sollen die jetzt noch durch Schranken gesicherte Bahnübergänge durch Über- oder Unterführungen ersetzt werden.



F L U G H A F E N   B B I

Airlines fordern Klarheit zum Starttermin

Nach Zweifeln an BBI-Eröffnung im November 2011 werden die Fluggesellschaften langsam unruhig. Sie wollen eine klare Aussage der Betreiber des neuen Großflughafens in Schönefeld. Grundsätzlich ist eine Verschiebung des Starts für die Airlines aber kein Problem, meinen Insider.

Aus:
Der Tagesspiegel, Berlin, 3. April 2008, Seite xx (Berlin). [Original=art270,250]

BERLIN (Tsp). Die Ungewissheit um den Eröffnungstermin für den BBI-Flughafen in Schönefeld verunsichert auch die Fluggesellschaften. Wie berichtet, glauben Fachleute schon lange nicht mehr, dass der Start von Berlin-Brandenburg International Anfang November 2011 erfolgen kann. Der Deutschlandchef von Easyjet, John Kohlsaat, hat gegenüber dem Tagesspiegel gesagt, hinter den Kulissen werde schon längst das Jahr 2012 gehandelt; er selbst schließe nicht aus, dass es auch bis 2013 dauern könnte. Nur die Flughafengesellschaft beteuert weiter, an diesem Termin werde nicht gerüttelt.

"Uns würde es mehr helfen, wenn die Flughafengesellschaft zugibt, dass der Ausbau später fertig wird als jetzt die Ungewissheit zu haben", sagte der Sprecher einer Gesellschaft, der nicht genannt werden will, weil Verhandlungen mit der Flughafengesellschaft noch nicht abgeschlossen sind. Derzeit stimmt die Flughafengesellschaft noch mit den Fluggesellschaften ab, wie die Flächen im neuen Terminal aufgeteilt werden sollen. Baubeginn soll aber bereits im Sommer sein, um den Termin 2011 halten zu können.

"Wir können unsere Planung jederzeit flexibel den Wünschen der Kunden anpassen", sagte Flughafensprecher Ralf Kunkel. Verzögerungen beim Baustart werde es deshalb nicht geben. Allerdings sind bisher, wie berichtet, auch die Bauaufträge noch nicht vergeben. Und auch die Kreditvereinbarung mit den Banken steht noch aus.

"Langsam brauchen wir aber Planungssicherheit", sagte der Sprecher der Fluggesellschaft. Die Unternehmen planen ihre Flugzeugkäufe langfristig. So lange aber nicht klar sei, wann BBI wirklich fertig ist, sei die Flottenplanung unsicher. Wer auf Nummer sicher gehe, werde dann zunächst keine zusätzlichen Maschinen für den BBI-Betrieb disponieren.

Ein Verschieben des Eröffnungstermins um ein halbes Jahr wäre nach Angaben der Insider kein Problem für die Gesellschaften. Ein Start im Sommer 2012 wäre für die meisten ohnehin der bessere Zeitpunkt, weil im Winter Eis und Schnee einen reibungslosen Betrieb behindern könnten. Auch der neue Flughafen in München war im Sommer eröffnet worden.

Die Termine für die BBI-Eröffnung sind schon mehrfach verschoben worden, wobei die Flughafengesellschaft stets vorher versichert hatte, am jeweils verkündeten Zeitpunkt werde sich nichts mehr ändern. Der Termin Ende 2011 ist inzwischen aber auch ein Politikum geworden. Vor allem der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) drängt darauf, den Termin einzuhalten. Dass die Flughafengesellschaft die Vorgaben ändert, bevor endgültig fest steht, ob der Flughafen Tempelhof geschlossen werden kann, wie es der Senat will, gilt deshalb als unwahrscheinlich. Die Interessengemeinschaft City-Airport Tempelhof forderte gestern, den Flughafen mindestens bis zur BBI-Eröffnung als Reserve in Betrieb zu lassen.

Ein Gutes hätte es allerdings auch, wenn BBI erst später in Betrieb gehen würde. Dann müssten die Passagiere nicht so lange auf eine schnelle Bahnverbindung zwischen Innenstadt und Flughafen warten. Der Ausbau der für den Flughafen-Express erforderlichen Dresdner Bahn wird nämlich auf keinen Fall bis 2011 fertig – obwohl die Bahn bis vor kurzem auch immer wieder beteuert hatte, den Termin einzuhalten. Intern nennt man hier bereits das Jahr 2015 als Fertigstellungstermin.



F L U G H A F E N S T R E I T

Nachtruhe am BBI wird verhandelt

Der Streit um den Flughafen Berlin Brandenburg International geht in die nächste Runde: Am Montag beginnt die Erörterung des "Nachtschutzkonzepts". Mehr als 36.000 Einwendungen sind eingegangen.

Aus:
Der Tagesspiegel, Berlin, 5. April 2008, Seite xx (Brandenburg). [Original=2507089]

SCHÖNEFELD (Tsp). Der Streit um den Flughafen BBI geht in die nächste Runde: Am Montag [7.4.2008] beginnt die Erörterung des "Nachtschutzkonzepts". Das war vom Bundesverwaltungsgericht im ersten Anlauf für so mangelhaft befunden worden, dass die Planer nachsitzen mussten.

Jetzt geht es zum einen um die Frage, wer von den Anrainern entschädigt wird. Zum anderen muss der Bedarf an Nachtflügen geprüft und gegen das Schutzbedürfnis der Anwohner abgewogen werden. Das Bundesverwaltungsgericht hatte in seinem Urteil vor 2 Jahren ein weitgehendes Nachtflugverbot für die "Kernzeit" von 0 bis 5 Uhr verordnet. Für die "Randzeiten" von 22 bis 24 und 5 bis 6 Uhr sollten die Planer die Notwendigkeit von Flügen begründen. Die Flughafengesellschaft hat dazu 3 Gutachten vorgelegt, die sich jeweils auf das fürs Jahr 2023 prognostizierte Aufkommen von 30 Millionen Passagieren beziehen. Eine Studie widmet sich den wirtschaftlichen Effekten – und nennt nur geringe Unterschiede zwischen Rund-um-die- Uhr-Betrieb und Nachtruhe von 0 bis 5 Uhr. Würde dagegen von 22 bis 6 Uhr nicht geflogen, gäbe es demnach nur rund 23.000 statt maximal 31.000 Jobs am BBI.

Die anderen beiden Gutachten resultieren aus einer Befragung der Fluggesellschaften. Sie listen den Nachtflugbedarf und den daraus resultierenden Lärm auf. Bei 30 Millionen Passagieren wären demnach rund 90 Flugbewegungen in den "Randzeiten" notwendig, davon nach Auskunft der Flughafengesellschaft zwei Drittel in der Stunde von 22 bis 23 Uhr. Auf die "Kernzeit" dagegen könnten die Airlines offenkundig verzichten, sagte Flughafensprecher Ralf Kunkel.

In der kommenden Woche ist die Erörterung zunächst den geladenen "Trägern öffentlicher Belange" – wie Behörden und Kammern – sowie anerkannten Umweltverbänden vorbehalten. Als solcher ist neuerdings auch der Bürgerverein BVBB anerkannt, der seit den 90er Jahren gegen den Schönefeld-Ausbau kämpft.

Vom 14. bis 25. April werden dann Privatleute in den Saal mit 400 Plätzen gegenüber dem Bahnhof Schönefeld gelassen, sofern sie vorab eine der mehr als 36 000 eingegangenen Einwendungen geschrieben haben oder im betroffenen Gebiet wohnen. Sollte der Saal überfüllt sein, würden Ausweichtermine vergeben, kündigte die Luftfahrtbehörde Berlin-Brandenburg an, die die Anhörung leitet. Sie muss aus den vorgebrachten Argumenten eine "Planergänzung" erarbeiten, gegen die wieder geklagt werden kann. Der Bau des Flughafens selbst lässt sich juristisch allerdings nicht mehr stoppen.



BBI-Bauarbeiten im Zeitplan – aber Finanzierung noch offen

Autobahn-Verbindung aus der Innenstadt wird am 23. Mai eröffnet. Die Flughafengesellschaft widerspricht dem Vorwurf, der neue Airport sei zu klein geplant.

Aus:
Der Tagesspiegel, Berlin, 24. April 2008, Seite 12 (Berlin) von KLAUS KURPJUWEIT. [Original=2518701]

BERLIN-SCHÖNEFELD (Tsp). Eine riesengroße Grube, Brücken, die noch ohne Anschluss in der Landschaft stehen, Straßen, die ins Nichts zu führen scheinen, Pfeiler, die solo in die Höhe ragen, kilometerlange Rohre, und immer wieder Erde, die zu kleinen Bergen angehäuft ist – das ist Schönefeld heute. Im November 2011 soll daraus der Flughafen Berlin-Brandenburg International (BBI) geworden sein. Noch ist Planungschef Manfred Körtgen davon überzeugt. Allerdings dürfe jetzt nichts mehr passieren.

In den nächsten Tagen sollen die Aufträge für den Bau des Terminals und für die Gepäckförderanlage vergeben werden. Denn wenn die Arbeiten am Abfertigungsgebäude, das über dem unterirdischen Bahnhof entsteht, dessen Decken derzeit betoniert werden, nicht im Sommer beginnen, lässt sich der 2011er-Termin nach Angaben der Flughafengesellschaft nicht mehr halten.

Die Ausschreibung wurde wiederholt, weil die Angebote der Generalunternehmen in der ersten Runde gut 400 Millionen Euro über den von der Flughafengesellschaft veranschlagten Kosten lagen. Sie will den Terminal nach wie vor für gut 600 Millionen Euro bauen lassen. Auch eine weitere Hürde müssen die Planer schnell überwinden. Noch fehlt, wie berichtet, die Kreditvereinbarung mit den Banken über rund 2,6 Milliarden Euro. Diese Summe braucht das Unternehmen, um den BBI-Ausbau zu finanzieren sowie die laufenden Kosten in Tegel bis zur BBI-Eröffnung und die Aufwendungen für die geplante Aufgabe des Flugbetriebs in Tempelhof aufbringen zu können.

Die Vereinbarung mit den Banken sollte ursprünglich bereits Ende 2007 vorliegen. Beunruhigt sei man deshalb nicht, sagte Flughafensprecher Ralf Kunkel. Die Banken seien jetzt vor allem mit der Finanzkrise in Amerika beschäftigt. Und noch werde das Geld aus dem Bankenkredit auch nicht benötigt. Um günstige Konditionen zu erhalten, haben der Bund, Berlin und Brandenburg ihre Darlehen in Höhe von rund 225 Millionen Euro in Eigenkapital der Flughafengesellschaft umgewandelt. Ein Verfahren, das auch in den vergangenen Jahren praktiziert wurde.

Keine Aufregung gibt es nach Angaben von Kunkel auch bei der Frage nach der Kapazität von BBI. Man rechne zu Beginn mit 22 bis 25 Millionen Fluggästen pro Jahr, und dafür sei der Flughafen auch ausgelegt. Behauptungen, BBI sei bereits beim Start zu klein dimensioniert, seien "interessengesteuert", um Stimmen für einen Weiterbetrieb in Tempelhof zu fangen. Allerdings rechnet die Flughafengesellschaft in diesem Jahr bereits mit 21,3 Millionen Passagieren.

Einen weiteren Wachstumsschub erwartet Marketingchef Burkhard Kieker durch die Teltowkanal-Autobahn A 113, die am 23. Mai durchgehend vom Dreieck Neukölln bis zum südlichen Berliner Ring befahrbar sein wird. Dann wird das noch fehlende Zwischenstück eröffnet. Der Flughafen erhält direkte Zu- und Abfahrt zum Abfertigungsbereich. Mit der neuen Autobahn sei Schönefeld in weniger als 20 Minuten aus der Innenstadt zu erreichen und damit auch für Geschäftsflieger attraktiv, die Tempelhof nach einer Schließung verlassen müssten, sagte Kieker. Für 7,5 Millionen Euro sind in Schönefeld inzwischen neue Räume und Hangars für die Geschäftsfliegerei entstanden.



BBI: 22 Millionen Fluggäste zum Start

Deutsche Bank Research legt Studie zur Verkehrsdrehscheibe Berlin und zum neuen Flughafen vor.

Aus:
Berliner Morgenpost, 26. April 2008, Seite xx (Berlin) von KATRIN SCHOELKOPF. [Original=959338.html]

BERLIN (BM). Der neue Hauptstadtflughafen BBI in Schönefeld wird bei seiner Eröffnung 2011 bereits hoch ausgelastet sein. Das geht aus einer Studie der "Deutsche Bank Research" unter der Überschrift "Verkehrsdrehscheibe Berlin kommt auf Touren" hervor. Die geplante Kapazität von 22 bis 25 Millionen Passagieren werde bereits 2011 erreicht und "im unteren Bereich der Spanne" liegen, sagte Eric Heymann, zuständig für Verkehrswirtschaft bei der Deutsche Bank Research.

Bereits in den Jahren nach 2020 könnten 40 Millionen Passagiere am BBI gezählt werden. Zum Vergleich: 2007 wurden an den 3 Berliner Flughäfen 20 Millionen Fluggäste abgefertigt.

Heymann mahnte gestern an, sich frühzeitig über Ausbaumaßnahmen Gedanken zu machen. Im Bereich der der möglichen Flugbewegungen auf den beiden geplanten Start- und Landebahnen des BBI sei allerdings "nach oben hin noch sehr viel Luft". Derzeit werden an den 3 Berliner Flughäfen 253.000 Starts und Landungen im Jahr gezählt. München mit seinen 2 Landebahnen sei vergleichbar mit dem BBI und zähle derzeit 432.000 Flugbewegungen, sagte Heymann. Der BBI habe alle Chancen, ein sogenannter Sekundärhub nach München und dem Mega-Hub Frankfurt zu werden, also ein Flughafen mit Umsteigerfunktion. Allerdings werde er auch ein Zubringerflughafen für die Mega-Drehscheibe Frankfurt bleiben. Als "Damoklesschwert" für die Entwicklung zum Sekundärhub bezeichnete Heymann das Nachtflugverbot.

Flughafenchef Rainer Schwarz setzte gestern noch eins drauf. Er geht davon aus, dass der BBI bei Eröffnung bereits 25 Millionen Passagiere zählen kann. "Wir orientieren uns jetzt an der oberen Kante der Terminalkapazität von 22 bis 25 Millionen Passagieren." Mit weiteren Satellitenbauten könne man die Terminalkapazität erweitern. Auch bei der Kapazität der Start- und Landebahnen sieht Schwarz mit Verweis auf den Münchner Flughafen keinen Engpass. Eine 3. Landebahn jedenfalls sei kein Thema. Auch wenn der Planfeststellungsbeschluss, die Betriebsgenehmigung für den BBI, 360.000 Flugbewegungen genehmigte, könnten mehr Starts und Landungen abgewickelt werden. Allerdings setzt dies ein neues Genehmigungsverfahren einschließlich einer Lärmabwägung voraus.

Indessen hat die Flughafengesellschaft am Donnerstag [24.4.2008] den Auftrag für den Bau der Gepäckförderanlage im BBI-Fluggastterminal vergeben. Den Zuschlag erhielt die Vanderlande Industries GmbH aus Mönchengladbach. Die Vergabe der Gepäckförderanlage, des Herzstücks des neuen Terminals, ist die erste Vergabe des 7 Lose umfassenden neuen Terminalbaus. Die Gepäckstücke werden in einer mehrstufigen Röntgenanlage kontrolliert. Es können bis zu 9000 Gepäckstücke pro Stunde sortiert und damit bis zu 25 Millionen Passagiere im Jahr abgefertigt werden. Zum Preis machte die Flughafengesellschaft keine Angaben.

Da klar sei, dass man für den Terminalbau insgesamt nicht mehr als 600 Millionen Euro ausgeben wolle, nenne man keine Summen für vergebene Aufträge, um den Bietern für die weiteren Lose keine Anhaltspunkte zu geben, sagte Flughafensprecher Ralf Kunkel. Als nächstes soll der Rohbau für das Terminal vergeben werden. Der Bau werde Mitte des zweiten Halbjahres beginnen, sagte Flughafenchef Schwarz gestern. [mehr]



Auf dem Weg zur Drehscheibe

Berlin könnte künftig auch Luftverkehr bündeln.

Aus:
Der Tagesspiegel, Berlin, 26. April 2008, Seite 15 (Wirtschaft). [Original=art271,2520218]

BERLIN (Tsp). Berlin ist einer Studie zufolge auf gutem Weg, sich zum dritten Flughafen-Drehkreuz in Deutschland zu entwickeln. Mit dem Ausbau von Schönefeld zum Großflughafen Berlin Brandenburg International (BBI) bestünden gute Chancen, sich hinter Frankfurt am Main und München als ein solcher Hub zu etablieren, heißt es in der Studie der Deutsche Bank Research, die am Freitag [25.4.2008] in Berlin vorgestellt wurde. Allerdings könnte diese Entwicklung von einem strengen Nachtflugverbot, wie es derzeit diskutiert wird, gefährdet werden, sagte der Autor der Studie, Eric Heymann. "Es wäre absurd, wenn man einen der modernsten Flughäfen von vorneherein bei seinem Wachstum einschränken würde." Nach derzeitiger Planung soll der BBI Ende 2011 in Betrieb gehen.

Durch eine Bündelung der Verkehrsströme, wie es Frankfurt und München bereits erfolgreich vormachten, stiegen die Umsteigemöglichkeiten und der Langstreckenverkehr werde an Bedeutung gewinnen, sagte Heymann weiter. Dabei läge der Schwerpunkt auf Osteuropa und Asien. Während allerdings die Zahl der Interkontinentalverbindungen ab dem BBI künftig deutlich steigen werde, blieben die Perspektiven für die Luftfracht begrenzt. "Die Voraussetzungen für den Personenverkehr sind besser als die für den Güterverkehr", sagte Heymann. Berlin rangiere bei der Luftfracht nur unter "ferner liefen". Das liege zum einen an dem geringen Industrialisierungsgrad der Region, zum anderen an dem Vorsprung, den andere Flughäfen sich bereits erarbeitet hätten. Das Gleiche gilt für den Güterverkehr auf der Schiene: Gemessen am gesamten Güterverkehrsaufkommen der Eisenbahnen im vergangenen Jahr entfielen auf Berlin der Studie zufolge weniger als 1 Prozent. Doch gebe es hier Potenzial – etwa durch einen Ausbau der Güterverkehrszentren sowie einer Ausrichtung auf Osteuropa.

Dagegen zählt der Hauptbahnhof mit rund 300.000 Reisenden und Besuchern pro Tag nach Hamburg, Frankfurt und München 2 Jahre nach seiner Eröffnung bereits zu den größten deutschen Bahnhöfen. Und: Berlin bleibt der Studie zufolge das wichtigste Ziel für innerdeutsche Flüge. Mit dem BBI könne sich die jährliche Zahl der Passagiere auf 40 Millionen verdoppeln. "Dafür ist eine schnelle Anbindung an die Innenstadt von besonders großer Bedeutung", sagte Verkehrsexperte Heymann. Verzögerungen beim Bau des "Airport-Shuttles" könne sich Berlin nicht leisten, da sonst auf vielen innerdeutschen Strecken der Zug die Alternative wäre. Der Chef der Berliner Flughäfen, Rainer Schwarz, sagte, eine Fahrzeit von maximal 30 Minuten sei hier unbedingt erforderlich. Auch solle der Shuttle vier Mal pro Stunde verkehren, nicht mit dem Pendlerverkehr vermischt werden und eine "berechenbare Route" fahren.

Der Flughafenchef forderte Bahn-Chef Hartmut Mehdorn in diesem Zusammenhang auf, seine Hausaufgaben zu machen: "Es gibt die Chance, dass Mehdorn nach Abschluss der Frage Tempelhof mehr Zeit hat, sich um sein Kerngeschäft zu kümmern." Am Sonntag [27.4.2008] sollen die Berliner über einen Weiterbetrieb des Flughafens Tempelhof abstimmen, für den sich auch der Bahn-Chef einsetzt. Schwarz nannte eine Offenhaltung des traditionsreichen Flughafens "rechtlich gefährlich". Das Bundesverwaltungsgericht habe den BBI-Ausbau nur genehmigt, wenn im Gegenzug Tegel und Tempelhof geschlossen werden.



A B E R   T E M P E L H O F   M U S S   G E S C H L O S S E N   W E R D E N . . .

Tegel wächst über sich hinaus

440 Flüge am Tag: Die Zahl der Starts und Landungen auf dem Flughafen Tegel hat stark zugenommen. Der Airport ist überfüllt. Jetzt erwägen die Betreiber eine Erweiterung.

Aus:
Der Tagesspiegel, Berlin, 18. Mai 2008, Seite 9 (Berlin) von KLAUS KURPJUWEIT. [Original=art270,2533135]

BERLIN (Tsp). Die Zahl der Starts und Landungen hat im April in Tegel erneut stark zugenommen – um 13,3 % auf 13.414. Das teilte die Flughafengesellschaft auf Anfrage mit. Damit gibt es jetzt täglich durchschnittlich 440 Flüge. Vor einem Jahr waren es noch rund 40 weniger. Auch die Zahl der Passagiere hat stark zugenommen. Der Zuwachs in den ersten 4 Monaten des Jahres betrug, wie berichtet, 18,5 %. Flughafenchef Rainer Schwarz hatte zu Beginn des Jahres erwartet, dass sich die Zunahme bei den Passagierzahlen abschwächen werde.

Die Flughafengesellschaft führt den Anstieg vor allem darauf zurück, dass Air Berlin und die von ihr übernommene LTU bereits im November 2007 ihre Flüge komplett von Schönefeld nach Tegel verlagert haben. Mehr Passagiere hätten auch die LTU-Flüge nach Bangkok gebracht, die im vergangenen November aufgenommen worden sind. Auch die neue Verbindung nach Peking wird über Tegel abgewickelt. Früher wollte die Flughafengesellschaft den Zuwachs im Luftverkehr vornehmlich nach Schönefeld lenken.

Der Aufschwung macht es immer wahrscheinlicher, dass der Airport doch nochmals erweitert wird, bevor er spätestens ein halbes Jahr nach der BBI-Eröffnung in Schönefeld geschlossen wird. "Ob, wann und wie" die Anlage "optimiert" wird, werde zum gegebenen Zeitpunkt entschieden, heißt es jetzt bei der Flughafengesellschaft. Bisher wurden Erweiterungspläne immer dementiert.

Zusätzliche Terminal-Kapazitäten soll es nach Tagesspiegel-Informationen am Parkhaus P 2 (siehe Grafik) neben dem Terminalbereich D geben, der bereits als Provisorium 2001 eröffnet worden war. Es hatte damals umgerechnet rund 12 Millionen Euro gekostet. Dass jetzt, wie verlautet, nochmals 15 Millionen Euro in die Hand genommen werden müssten, um die Kapazitäten erneut zu erweitern, wies Flughafensprecher Eberhard Elie aber strikt zurück.

Bereits seit Monaten gibt es Gerüchte um einen weiteren Ausbau in Tegel. Ins Gespräch gebracht wurde dabei ein Terminalbau in dem ebenfalls als Provisorium 2004 gebauten Parkhaus P 5. Von dort gibt es aber keinen Anschluss ans Flugfeld. Vom P-2-Komplex, der direkt neben dem Hauptgebäude liegt, wäre das Rollfeld dagegen leichter zu erreichen – entweder direkt oder über den bestehenden Bereich D.

Bei einer Erweiterung der Kapazitäten werde man auf bestehende Gebäude zurückgreifen, hieß es bereits in der Vergangenheit bei der Flughafengesellschaft. Einen weiteren Neubau wie beim Terminal C, der vor allem von Air Berlin genutzt wird, werde es nicht geben. Der Bereich C war erst vor einem Jahr eröffnet worden und hat rund 12 Millionen Euro gekostet.

Der Flughafen wird seit Jahren Stück für Stück erweitert, weil der Verkehr stark zugenommen hat. Bei der Eröffnung 1974 war er für rund 5 Millionen Passagiere im Jahr konzipiert; im vergangenen wurden über 13 Millionen abgefertigt. In Spitzenzeiten ist die Anlage stark überlastet. Lange Schlangen bilden sich an den Schaltern besonders morgens zu Beginn des Geschäftsreiseverkehrs.

Eng ist es in Tegel aber nicht nur im Abfertigungsbereich. Auch für Flugzeuge gibt es kaum noch Platz, wie Piloten klagen. Der Aufsichtsrat soll jetzt beschließen, dass am Terminal C 5 weitere Abstellplätze gebaut werden dürfen, die bereits genehmigt sind. Die vorgesehenen Flächen werden bereits von Kampfmitteln auf dem Zweiten Weltkrieg geräumt. Weil die Anlagen auf dem Flugfeld insgesamt nicht erweitert werden dürfen, gibt die Flughafengesellschaft entsprechende Flächen im Nordteil Tegels auf.

Eng ist es auch bereits auf dem Zufahrtsweg zum Flughafen. Auf der einzigen Straße ist zudem eine Spur meist von wartenden Taxis blockiert, selbst nachdem die Warteanlage für Taxis erweitert worden ist. Forderungen, eine weitere Zufahrtsstraße zum Flughafen zu schaffen, sind nicht erfüllt worden. Den Flughafen Tempelhof will der Senat Ende Oktober 2008 schließen [Ed: obwohl er noch bis zu einem halben Jahr nach Betriebsaufnahme des neuen BBI betrieben werden könnte und sowieso genug Platz (ohne Neubauten) für die Flieger bietet]. [mehr]



Berliner Flughäfen: Weiter auf Wachstumskurs

Aus: Yahoo-Newsg, 19. Mai 2008, 12.58 Uhr MESZ (Wirtschaft). [
Original]

BERLIN. Die Berliner Flughäfen blicken auf das erfolgreichste Geschäftsjahr ihrer Geschichte zurück. Nach Darstellung von Flughafen-Chef Rainer Schwarz waren sie im vergangenen Jahr erstmals schuldenfrei. Bei den Passagierzahlen steht für die 3 Flughäfen ein Rekord von mehr als 20 Millionen zu Buche. Auch beim Flughafen BBI liege man im Zeit- und Kostenplan, sagte der zuständige Geschäftsführer Thomas Weyer. Es gebe keinen Zweifel, dass der Großflughafen im November 2011 eröffnet werde.

Die Zahl der Passagiere habe im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 8 % zugenommen, sagte Schwarz am Montag [19.5.2008] bei seiner Jahresbilanz. Waren es 2003 noch rund 13 Millionen, so stieg der Wert inzwischen auf über 20 Millionen. Berlin wachse um rund 30 % schneller als der Durchschnitt der anderen deutschen Verkehrsflughäfen, sagte Schwarz. Mittlerweile belegten die Airports unter den europäischen Flughafenstandorten Platz 15. Ziel müsse sein, mit BBI unter die Top-Ten vorzustoßen.

Auch der Umsatz wuchs nach Angaben des Unternehmens um 5 % auf rund 233 Millionen Euro. Der Konzernjahresüberschuss lag demnach bei 16,7 Millionen Euro, rund 12 Millionen Euro über dem Vorjahreswert. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen fiel mit gut 61 Millionen Euro über 10 % höher aus als 2007. Die Flughäfen hätten damit erneut ein "starkes Wachstum" hingelegt, das mit jenem in asiatischen Ländern vergleichbar sei, sagte Schwarz.

Das Investitionsvolumen bezifferte der Flughafen-Chef auf 153 Millionen Euro. Mehr als zwei Drittel der Summe seien in den BBI geflossen. 2007 wurde unter anderem mit dem Bau des Bahnhofs begonnen, der Anfang Juli teilweise fertiggestellt werden soll. Mitte Juli starten darüber die Rohbauarbeiten für den Terminal, kündigte Weyer an. Der Auftrag werde Anfang des Monats vergeben. Insgesamt wurden nach seinen Angaben bisher Aufträge in Höhe von 866 Millionen Euro erteilt, davon 86 % an mittelständische Unternehmen der Region.

Bei der finanziellen Eigenbeteiligung am BBI liege die Flughafengesellschaft mit 11 % über dem Plan, ergänzte Schwarz. 165 der geplanten 440 Millionen Euro seien seit 2005 erwirtschaftet worden. Das entspreche rund 38 %. Der Flughafen-Chef führte dieses Ergebnis auf die "systematische Steigerung der Umsätze" und "konsequente Kostendisziplin" zurück.

Der positive Trend setzt sich nach Einschätzung der Flughäfen in den ersten Monaten dieses Jahres fort. Von Januar bis April habe das Passagieraufkommen um rund 11 % auf 6,4 Millionen Euro zugenommen. Berlin biete allen Airlines – Low-Cost-Carriern wie Full-Service-Gesellschaften – Wachstumsperspektiven, betonte Schwarz. Inzwischen könne man auch hochpreisige Tickets verkaufen, nicht nur billige.

Mit der Schließung Tempelhofs im Herbst 2008 wechseln die Privatflieger nach Schönefeld, die Linienfluggesellschaften nach Tegel. An einen Ausbau Tegels werde zurzeit jedoch nicht gedacht, sagte Schwarz. Es gebe aber eine Reihe von Optimierungsmaßnahmen. So wurde die Zahl der Taxistellplätze und der Sicherheitsschleusen deutlich erhöht sowie die Gepäckanlage technisch aufgerüstet.

Außerdem zeigte sich Schwarz optimistisch, dass die neue Autobahn einen "deutlichen Schub" für Schönefeld bringen werde. Zugleich kündigte er eine weitere Image-Studie über den im Westen noch immer eher unbeliebten Ost-Airport an. Er sei "fest überzeugt", dass der Flughafen mit der Autobahn "neue Attraktivität erhält, insbesondere für West-Berliner".



Dokus zum BBI-Bau:
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