Living in a City  —  Reports aus Berlin     – Zum Report 6 khd
Stand:  20.7.2011   (32. Ed.)  –  File: Heimat/B/Bln/Ex/BBI_Der_Bau_05.html


Diese Seite ist eine Ergänzung zu einem Berlin-Report, in dem über die Planung (samt Ärgernissen) des neuen Berliner Großflughafens „Berlin Brandenburg International“ (BBI) berichtet wird. Dazu werden hier einige ausgewählte und besonders interessante Artikel und andere Texte gespiegelt und damit auf Dauer dokumentiert. Manches ist auch mit [Ed: ...] kommentiert. Tipp- und Übertragungsfehler gehen zu meinen Lasten.

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BBI — Der Bau des Großflughafens in Berlin-Schönefeld (5)

I n h a l t :


Z U   W E N I G   Z Ü G E 

Linke kritisiert Pläne für Schönefeld

Aus:
Märkische Allgemeine, 13. August 2008, Seite ?? (MAZ exklusiv). [Original]

POTSDAM. Die Linksfraktion im Brandenburger Landtag übte gestern heftige Kritik an der geplanten Bahnanbindung des neuen Großflughafens in Schönefeld (Dahme-Spreewald). Welche Züge bei der Eröffnung im Herbst 2011 wirklich fahren würden, monierte die verkehrspolitische Sprecherin, Anita Tack, in Potsdam, stünde völlig in den Sternen. Der mehr als 600 Millionen Euro teure neue Flughafenbahnhof drohe zu einer "Fehlinvestition" zu werden.

Tatsächlich werden zur Eröffnung weder die östliche Anbindung des Airports noch der Anschluss über die neue Dresdner Bahn an den Berliner Hauptbahnhof fertig sein. Auf dem bestehenden Netz kann der "Flughafenexpress" ins Zentrum aber laut Auskunft der Bahn nur alle 30 Minuten verkehren. Viel zu selten, wie die Linke findet: "Das Mindeste", so Tack, "wäre ein 20-Minuten-Takt." Die Planungen für den Bahnverkehr zum neuen Flughafen Berlin Brandenburg International (BBI) seien 1997 eingestellt und seither "regelrecht verschlafen" worden.

Auch Berlins Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linke) hatte am Wochenende gefordert: "Die Züge von und zum Flughafen müssen auf jeden Fall alle 20 Minuten fahren." Branchenkenner machen das Land Berlin allerdings mit dafür verantwortlich, dass die Pläne so lange in der Schublade verschwunden waren.

Während Tack bereits nach dem Rechnungshof ruft, rühmte Verkehrsminister Reinhold Dellmann (SPD) die Anbindung des BBI kürzlich als "sehr gute Lösung". Sein Sprecher Egbert Neumann gab gestern immerhin zu: "Man könnte sich Besseres vorstellen." Allerdings sei der geplante 30-Minuten-Takt "kapazitativ ausreichend" und "das, was derzeit möglich ist". Unter einer höheren Taktfrequenz würde möglicherweise der Brandenburger Regionalverkehr leiden.



Beim Großflughafen wird am Komfort gespart

Einbau von Laufbändern im Terminal ungewiss.

Aus:
Der Tagesspiegel, Berlin, 18. August 2008, Seite 7 (Berlin) von KLAUS KURPJUWEIT. [Original=art270,2595452]

BERLIN (Tsp). Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hat es mehrfach verkündet: Für den neuen BBI-Flughafen in Schönefeld soll kein Palast entstehen. Und das Versprechen kann immer noch eingehalten werden. So ist nach Angaben der Flughafengesellschaft noch nicht entschieden, ob es in dem neuen Abfertigungsgebäude, das zu den modernsten der Welt zählen soll, Laufbänder in den langen Gängen geben wird. Passagiere müssen immerhin bis zu 700 Meter zurücklegen, um die abgelegensten Übergänge zu den Flugzeugen zu erreichen.

Der Bau des Terminals hat offiziell am 11. Juli begonnen. Die Planungsdetails seien aber noch nicht alle festgelegt, sagte Flughafensprecher Eberhard Elie. Dazu gehöre auch die Frage, ob es Laufbänder im dem U-förmigen Gebäude geben wird. Wirtschaftlich seien solche Anlagen erst ab etwa 600 Metern. Derzeit werde mit der Bauaufsicht geklärt, wie Fluchtwege bei einem Laufband angelegt werden müssten.

Die Flughafengesellschaft fährt beim BBI-Ausbau einen rigiden Sparkurs, um den jetzt vorgegebenen Kostenrahmen von 2,2 Milliarden Euro einhalten zu können. Planungsänderungen hatten zuvor bereits Mehrkosten in Höhe von rund 160 Millionen Euro verursacht.

Nachträglich hatten die Planer das Abfertigungsgebäude in zwei Schritten erweitert und dabei auch auf Wünsche von Fluggesellschaften reagiert. So gibt es nun auch einen besonderen Trakt für die Billigfluglinien, die ihre Passagiere zu Fuß zu den Flugzeugen gehen lassen wollen.

Auch bei den Start- und Landebahnen haben die Planer auf Rat von außen gehört. Ursprünglich hatten sie vorgesehen, dass gelandete Flugzeuge die Bahnen erst nach 2 Kilometern verlassen können. Nachdem die Flugsicherung darauf hingewiesen hatte, dass moderne Maschinen der mittleren Klasse, die vorwiegend auf BBI starten und landen werden, bereits nach rund 1,4 Kilometern zum Stillstand kommen, haben die Planer die sogenannten Abrollwege versetzt. Nun können Maschinen die Landebahn schneller verlassen, was die Kapazität steigern wird.

Nicht erfüllen will die Flughafengesellschaft dagegen den Wunsch der Lufthansa und anderer Gesellschaften, bereits jetzt eine der für später geplante Erweiterung der Anlagen vorzubereiten. Lufthansa setzt sich, wie berichtet, dafür ein, sofort einen Tunnel unter dem Rollfeld im Rohbau zu erstellen, der später das Hauptgebäude mit einem Erweiterungsbau verbinden soll. Lufthansa befürchtet, dass bei einem Tunnelbau unter Betrieb der Verkehr auf dem Rollfeld erheblich beeinträchtigt werden würde. Die Flughafengesellschaft will aber für einen Bau "auf Vorrat" jetzt kein Geld ausgeben und erst "bei Bedarf" bauen.

Eine Sparversion gibt es auch im unterirdischen Bahnhof, der mit den Zubringerstrecken im Westen und Osten trotzdem 636 Millionen Euro kosten soll. Fahrtreppen, die nach unten rollen, wird es in der Station nicht geben. Förderwürdig seien nur Treppen, die nach oben rollen, sagte ein Bahnsprecher. Immerhin gibt es neben den festen Treppen aber auch noch Aufzüge, die wenigstens nach oben und unten fahren.

Und im Terminal werden neben den Aufzügen zwei Treppenblöcke die Etagen verbinden. Die Fahrtreppen dort könnten nach Bedarf geschaltet werden, aufwärts und abwärts parallel oder bei einem großen Andrang auch nur aufwärts, sagte der Sprecher.



Regierung hebt zukünftig in Schönefeld ab

Die Flugbereitschaft für Politiker wird nach der BBI-Eröffnung komplett in Berlin stationiert. Bis dahin wird es aufgrund der geteilten Flugbereitschaft weiterhin viele Leerflüge zwischen Tegel und Köln-Wahn geben.

Aus:
Der Tagesspiegel, Berlin, 22. August 2008, Seite 10 (Berlin) von KLAUS KURPJUWEIT. [Original]

BERLIN (Tsp). Das Fliegen mit leeren Maschinen der Bundesregierung zwischen Köln-Wahn und Berlin soll zu Ende gehen. Das Verteidigungsministerium wolle den "politisch/parlamentarischen Bereich" der Flugbereitschaft nach der BBI-Eröffnung in Schönefeld dort konzentrieren, sagte ein Sprecher gestern. Vorgesehen dafür ist der Nordbereich des Flughafens, wo sich derzeit die Abfertigungsgebäude befinden. Auch das Außenministerium will dort für ankommende und abfliegende Staatsgäste ein Protokollgebäude errichten. Die Verhandlungen mit der Flughafengesellschaft seien aber noch nicht abgeschlossen, sagte der Sprecher.

Bis zur BBI-Eröffnung müsse es aber bei der geteilten Flugbereitschaft bleiben, die dazu führt, dass die in Köln- Wahn stationierten Maschinen meist leer nach Tegel fliegen, dort die Passagiere an Bord nehmen und zurück nach Tegel fliegen, um dann erneut leer nach Köln-Wahn zurückkehren.

Die Maschinen schon jetzt in Tegel zu stationieren, sei nicht möglich, weil dort die Voraussetzungen fehlten, sagte der Sprecher des Ministeriums. Unter anderem müssten Hangars für die Flugzeuge gebaut werden, was sich angesichts des in wenigen Jahren endenden Flugbetriebs in Tegel nicht mehr lohne. Fest stationiert bleiben in Tegel deshalb nur drei Hubschrauber. Für schnelle Einsätze stehen wochentags in der Regel zudem eine oder zwei kleinere Maschinen der Flugbereitschaft samt Besatzung in Tegel bereit.

Auf dem BBI-Flughafen sollen nach Angaben des Sprechers auch die beiden Airbusse der Flugbereitschaft stationiert werden. Bisher war nur klar, dass die Mittelstreckenflugzeuge nach Schönefeld kommen sollen. In Köln-Bonn bleibt der militärische Bereich der Flugbereitschaft. Von dort werden auch weiter Hilfsflüge in Katastrophengebiete starten.

BBI soll im November 2011 in Betrieb gehen; Tegel wird dann spätestens ein halbes Jahr danach geschlossen. In diesem Zeitraum werde die Flugbereitschaft bei erfolgreichen Verhandlungen nach Schönefeld ziehen, kündigte der Sprecher an.

Allerdings ist die Finanzierung des 2,2 Milliarden-Euro-Projekts immer noch nicht gesichert. Während Berlin und Brandenburg ihre Bürgschaft für die erforderlichen Kredite bereits auf 100 Prozent erhöht haben, gibt es vom Bund, dem dritten Gesellschafter, weiter keine entsprechende Zusage. Die "Meinungsbildung" der Bundesregierung sei noch nicht abgeschlossen, teilte das Verkehrsministerium auf eine Anfrage des Grünen-Bundestagsabgeordneten Peter Hettlich mit. Senatssprecher Richard Meng bleibt optimistisch und verweist auf "positive Signale" des Bundes, auch seinen Bürgschaftsanteil erhöhen zu wollen.



Nur noch 3 Jahre bis zur BBI-Eröffnung

Flughafenmanager sehen Bau des Großflughafens gut im Zeitplan.

Aus:
Die Welt, Berlin, 7. September 2008, 2.32 Uhr MESZ. [Original]

SCHÖNEFELD. Jubiläum für die Bauarbeiten am künftigen Hauptstadt-Airport BBI: Vor rund 2 Jahren, am 5. September, wurde bei dem größten Infrastrukturprojekt Ostdeutschlands der erste Spatenstich vollzogen. "Es ist das wichtigste Vorhaben für die deutsche Hauptstadt", sagte Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit.

Flughafenchef Rainer Schwarz stellte fest, dass der BBI bereits Gestalt annehme. Die Fortschritte auf der Baustelle seien beeindruckend. Der Bau für das oberirdische BBI-Terminal begann im Juli. Für die Arbeiten hat die Berliner Flughafengesellschaft bereits Aufträge in Höhe von rund 1,2 Milliarden Euro vergeben. "Klagefrei", wie das Unternehmen betont. Somit könne ohne Stopp gebaut werden. "Die bisherigen Fortschritte zeigen, dass wir gut im Zeitplan für die BBI-Eröffnung am 30. Oktober 2011 liegen", so die Flughafengesellschaft.

Die Baustelle für den Airport Berlin Brandenburg International BBI ist mehr als 2000 Fußballfelder groß. Insgesamt werden 2,2 Milliarden Euro investiert, hinzu kommen millionenteure Drittinvestionen. Durch den BBI entstehen bis zu 40.000 neue Arbeitsplätze in der Region. 2011 wird der gesamte Flugverkehr auf dem BBI gebündelt. BBI soll der Region die Flugkapazitäten bereitstellen, die in den nächsten Jahrzehnten benötigt werden, so das Unternehmen.



Die Bahn will pünktlich zum Großflughafen fahren

Allen Widrigkeiten zum Trotz will die Deutsche Bahn die Flughafenanbindungen von Westen und Osten rechtzeitig zur Eröffnung BBI fertig stellen. Allerdings könnten Gerichtsverfahren die Arbeiten verlangsamen.

Aus:
Der Tagesspiegel, Berlin, 11. September 2008, Seite xx (Brandenburg) von KLAUS KURPJUWEIT. [Original]

SCHÖNEFELD (Tsp). Vielleicht ist es ein gutes Zeichen: Die Bahn hat die Container, in denen der Bau des Hauptbahnhofs am Ende so geplant worden war, dass er termingerecht fertig wurde, jetzt an der Baustelle für die Gleise zum künftigen Flughafen BBI in Schönefeld aufgestellt. Auch dort will die Bahn jetzt das kleine Wunder vollbringen und doch noch bereits zur Inbetriebnahme des ausgebauten Flughafens im November 2011 Züge aus Westen und Osten in den BBI-Bahnhof fahren lassen. Dann ließe sich der Wunsch des Flughafens erfüllen, alle 15 Minuten Zubringerzüge vom Hauptbahnhof aus zum Terminal zu schicken.

Der Anschluss von Westen aus ist bislang im Zeitplan. Seit Anfang des Jahres wird gebaut, vor kurzem haben die Arbeiten für den Abzweig vom Berliner Außenring zum Flughafenbahnhof begonnen. Dorthin sollen zur BBI-Eröffnung die Züge zunächst über die Anhalter Bahn durch Lankwitz und Lichterfelde zum Flughafen fahren. Platz gibt es auf der Strecke aber nach Angaben der Bahn nur für 2 zusätzliche Züge pro Stunde; der Wunsch des Senats, 3 Züge innerhalb von 60 Minuten einzusetzen, lasse sich nicht verwirklichen, sagte gestern der Berliner Bahnchef Ingulf Leuschel. Die Strecke sei bereits stark befahren und habe außerdem nur eine eingleisige Verbindungskurve zum Außenring.

Görlitzer Bahn soll zusätzliche Kapazitäten bringen

    Abzweig von der Anhalter Bahn zum Außenring
^   Anhalter Bahn vor der Kreuzung des Außenrings. K1 = Neue Verbindungskurve zum Außenring. B = Richtung Berlin. Jeder BBI-Shuttle blockiert für kurze Zeit den Fahrweg in Richtung Leipzig, was man sich nicht 4-mal pro Stunde leisten kann. [mehr]   (Foto: 2006 – khd)
2 weitere Züge pro Stunde könnten den Flughafen vom Hauptbahnhof aus über die Görlitzer Bahn von Osten her erreichen. Die Bahn will mit dem Bau der Trasse Ende 2009 beginnen und ebenfalls zur Flughafen-Eröffnung fertig sein. Allerdings gibt es hier noch kein Baurecht. Das Genehmigungsverfahren läuft noch, und Naturschützer haben bereits Klagen gegen den Bau angekündigt. Um die Schienen für die zweigleisige Strecke legen zu können, müssen zahlreiche Bäume gefällt werden. Und der Wald dort ist als ökologisch wertvoll eingestuft.

Wann das Verfahren abgeschlossen sein könnte, lasse sich derzeit nicht sagen, teilte die Genehmigungsbehörde, das Eisenbahn-Bundesamt in Bonn, gestern mit. Noch lägen nicht alle Unterlagen vor. Die sogenannte Ostanbindung des BBI habe beim Eisenbahn-Bundesamt aber "oberste Priorität", sagte Sprecherin Bettina Baader.

Um den Zeitplan einhalten zu können, müsste das Verfahren schnell abgeschlossen werden. Eine Klage vor dem Bundesverwaltungsgericht wird derzeit meist in rund einem Jahr entschieden. Vor einem Urteil aber kann das Gericht auf Antrag der Kläger in einem Eilverfahren einen Baustart untersagen. Auch für den Bau des BBI selbst lag die Genehmigung im August 2004 vor, gebaut werden durfte aber erst nach Abschluss des Gerichtsverfahrens im März 2006.

Dresdner Bahn verzögert sich weiter

Die Ostanbindung des Flughafens ans Schienennetz gehörte ursprünglich zur Gesamt-Flughafenplanung. Sie wurde dann aber planungsrechtlich abgetrennt, weil sich die vorgesehene Trasse entlang dem heutigen Gütergleis nicht verwirklichen ließ. Die Erschütterungen von Häusern im nahen Bohnsdorf wären zu groß gewesen. Deshalb sollen die Gleise jetzt weiter südlich gebaut werden – mitten durch den Wald. Mit den erforderlichen Ersatzpflanzungen will die Bahn schon vor der Baugenehmigung beginnen, kündigte Projektleiter Matthias Hudaff an.

Noch immer keinen Termin gibt es für den Baustart zum Ausbau der Dresdner Bahn, über die später der Airport-Express alle 15 Minuten den Hauptbahnhof mit dem Großflughafen verbinden soll. Hier müssen, wie berichtet, Pläne zum Teil neu ausgelegt werden, weil sich die Richtlinien zum Lärmschutz verschärft haben. Vor 2015 werden hier wohl keine Züge fahren – wenngleich die Container für die Planer des Hauptbahnhofs jetzt in Schönefeld stehen. Der damalige Projektleiter Hany Azer ist jetzt übrigens in Stuttgart und plant dort den Bau des neuen unterirdischen Hauptbahnhofes.



Kein Geld für Bahnausbau Cottbus-Berlin bis 2011

      Die Bahnanbindung des BBI
^   Der BBI-Großflughafen erhält unter dem Hauptterminal einen Tunnel- Bahnhof mit Gleisanschlüssen zur Görlitzer Bahn (Osten) und dem Berliner Eisenbahn- Außenring (AR) im Norden. Die Görlitzer Bahn führt nach Cottbus. Der Ostanschluß des BBI-Bahnhofs dient vor allem zur Durchbindung von Fernzügen (ICE). [mehr]   (Grafik: 31.7.2008 – khd-research)

[Ed: Ob sich dadurch der Ausbau der Görlitzer Bahn im Bereich des Großflughafens BBI ebenfalls verzögert, ist unklar].

Aus: Die Welt, Berlin, 18. September 2008, 14.10 Uhr (Newsticker). [Original]

COTTBUS/POTSDAM. Für den durchgängigen Ausbau der Bahnstrecke Cottbus-Berlin bis 2011 gibt es nach einem Bericht der "Lausitzer Rundschau" kein Geld. Die nötigen Investitionen könnten bis dahin weder von der Bahn noch vom Bundesverkehrsministerium aufgebracht werden, berichtete die Zeitung am Donnerstag [18.9.2008].

Bei Bahn und Ministerium war auf Anfrage vorerst keine Auskunft zu erhalten. Kritik kam von der Brandenburger Landtagsfraktion der Linken und von Bündnis 90/Die Grünen. Die Verschiebung des Ausbaus bedeute den Bruch eines Vertrages von 2006 zwischen der Bahn und dem Land Brandenburg, hieß es.



N A H V E R K E H R S - A N B I N D U N G   D E S   B B I

Nur Rikschas rollen rasanter

Klaus Kurpjuweit über die geplante Schnellstrecke nach Schönefeld – per Bus.

Aus: Der Tagesspiegel, Berlin, 29. September 2008, 13.57 Uhr MESZ (Auf den Punkt). [Original]

W as macht die Bahn, wenn es mit ihrem Verkehr auf der Schiene nicht so richtig klappt? Ganz einfach: Sie geht auf die Straße. Ihr Busunternehmen Bayern Express (Bex) will im Linienverkehr vom Bahnhof Südkreuz zum Flughafen in Schönefeld fahren – fast parallel zur S-Bahn, nur viel schneller. In 15 Minuten sollten die Busse am Ziel sein, die einst als Schnellbahn konzipierte S-Bahn braucht für diese Strecke dagegen mehr als eine halbe Stunde, wobei die Fahrgäste zudem auch einmal umsteigen und dann auch noch rund 10 Minuten vom Bahnhof in Schönefeld zum Flughafen laufen müssen. Ein Angebot, das so richtig unattraktiv ist.

Gut dagegen, dass es seit Mai eine durchgehende Autobahnverbindung vom "Bahnhof " Südkreuz zum Flughafen Schönefeld gibt, mit Anschlüssen gewissermaßen jeweils vor der Nase. Was liegt da näher, als auf dieser schönen Piste Busse fahren zu lassen, zumal die Bahn in ihrem Bereich Stadtverkehr, zu dem auch Bex gehört, das größte Busunternehmen in Deutschland ist?

Ein neuer Markt für Fahrten zum Flughafen sei mit dem Bau der durchgehenden Autobahnverbindung entstanden, haben die Bahnplaner entdeckt. Neue Fahrgäste sollen so gewonnen werden, die auch ein Zuschlag von 3,20 Euro auf den Normalfahrschein für den Nahverkehr nicht schreckt. Dass die BVG mit ähnlichen Angeboten aus der Innenstadt zum Flughafen Tegel mangels zahlungswilliger Kunden jämmerlich gescheitert ist, macht der Bahn nichts aus. Sie ist sicher, dass der Schnellverkehr auf der Straße ein Erfolg wird. Fahren dürfen die Busse zunächst bis zum 30. Oktober 2011, dem vorgesehenen Eröffnungstermin des neuen BBI-Flughafens in Schönefeld.

Gespannt darf man jetzt schon sein, was sich die Bahn einfallen lassen wird, wenn es zu diesem Termin noch nicht möglich sein sollte, alle 20 Minuten schnelle Züge vom Hauptbahnhof zum BBI zu schicken, weil die nötigen Zufahrtsstrecken fehlen. Straßen gibt es noch genug. Und fliegen wollte die Bahn ja auch schon, als sie sich um den Betrieb des Flughafens Tempelhof beworben hatte. Wie wär's jetzt mit Hubschrauberflügen direkt von den oberen Bahnsteigen am Hauptbahnhof gen Schönefeld? Starten und landen könnten die Hubschrauber auf dem Hauptbahnhof – schließlich hat sie dort schon das vorgesehene Dach verkürzen lassen. Welch eine Weitsicht! [mehr]



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Für 6 Euro von Südkreuz nach Schönefeld

Aus:
Berliner Morgenpost, 30. September 2008, Seite ?? (Berlin). [Original]

BERLIN (BM). Der Berliner Flughafen Schönefeld soll künftig besser mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar sein. Ab Dezember werden Expressbusse vom S- und Fernbahnhof Südkreuz bis zum Airport fahren. Das kündigte gestern Tobias Heinemann, Regionalleiter der Stadtverkehrssparte der Deutschen Bahn, an. Die Fahrzeit soll bei nur 15 bis 17 Minuten liegen.

Derzeit benötigen Reisende mindestens eine halbe Stunde, um mit S- oder U-Bahn sowie BVG-Linienbus aus der Innenstadt nach Schönefeld zu gelangen. Dort sind dann allerdings noch 5 Minuten Fußweg bis zum Terminal zusätzlich einzuplanen. Der Schönefeld-Airport-Express fährt dagegen ohne Zwischenstopp über die neue Autobahn A 113 bis direkt vor den Eingang des Terminals A. Gefahren werden soll im 20-Minuten-Takt in der Zeit von 5 Uhr (erste Abfahrt in Südkreuz) bis 23.20 Uhr (letzte Abfahrt in Schönefeld).

Die Einzelfahrt kostet 6 Euro. Im Preis enthalten ist ein normaler Fahrschein des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB) für die Tarifzonen ABC im Wert von 2,80 Euro, der auch eine Fortsetzung der Reise mit anderen öffentlichen Verkehrsmitteln ermöglicht. Zusätzlich wird ein Expresszuschlag von 3,20 Euro verlangt. Dieser verbilligt sich für Inhaber von VBB-Monats- oder Jahreskarten auf 2,20 Euro. Für diesen Zuschlag soll den Reisenden nicht nur eine kürzere Fahrtzeit, sondern auch mehr Komfort geboten werden. Laut Heinemann werden die von der Bahn beauftragten Busunternehmen moderne Reisebusse mit Klimaanlage, Videoschirmen und großen Kofferräumen einsetzen. [Kommentar]



Irisches Konsortium investiert 1,1 Milliarden Euro am Flughafen BBI

Aus: Yahoo-News, 9. Oktober 2008, 14.06 Uhr MESZ (Wirtschaft). [
Original]

SCHÖNEFELD. Am künftigen Großflughafen Berlin Brandenburg International (BBI) in Schönefeld soll ein Gewerbepark entstehen. Ein irisches Konsortium wolle 1,1 Milliarden investieren und habe ein 59 Hektar großes Areal erworben, teilte Brandenburgs Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns (CDU) am Donnerstag [9.10.2008] mit.

Es handele sich um den bislang größten Investor im Umfeld des BBI. Der künftige Großflughafen mache seinem Ruf als "Top-Projekt der deutschen Hauptstadtregion alle Ehre", sagte Junghanns. Die Ansiedlung werde für einen mächtigen Schub sorgen.

Über den Kaufpreis für das Grundstück wurde Junghanns zufolge Stillschweigen vereinbart. Geplant ist ein Gewerbepark mit hochwertigen Hotels, Logistik-Standorten und Konferenzzentren. An der Spitze des Konsortiums steht den Angaben zufolge die Bulberry Properties Ltd.



Flughafen Tempelhof schließt nach 85 Jahren

Aus: Yahoo-News, 30. Oktober 2008, 15.06 Uhr MEZ (Aktuell). [
Original]

BERLIN. Hunderte Berliner und Touristen haben am Donnerstag [30.10.2008] mit einem letzten Besuch Abschied vom Flughafen Berlin-Tempelhof genommen. Sie stellten am Abfertigungsgebäude Grablichter auf, machten Fotos oder reihten sich trotz strömenden Regens für einen Sonderstempel der Post in lange Schlangen ein. Auch auf dem Flugfeld herrschte Hochbetrieb: Etliche Flugzeuge starteten zu Rundflügen über die Stadt, bevor um Mitternacht der Flugbetrieb für immer eingestellt werden soll. Für den Abend ist eine Abschiedsfeier mit bis zu 800 geladenen Gästen geplant. Gegner der Schließung haben dagegen Proteste angekündigt.

Ein Airbus A319 landete mit Gästen aus Köln, eine Sondermaschine kam aus dem lettischen Riga, wie ein Flughafensprecher berichtete. Bis zum Abend sind noch vier Linienflüge von Tempelhof nach Mannheim geplant – der letzte um 21.50 Uhr. Gegen Mitternacht sollten ein historischer "Rosinenbomber" und eine "Tante Ju" von der Startbahn abheben. Mit dem Parallelstart der Flugzeug-Oldtimer endet der Flugbetrieb für immer.

Nach 85 Jahren wird der älteste Verkehrsflughafen der Welt zugunsten des künftigen Hauptstadtflughafens in Schönefeld geschlossen, der Ende 2011 in Betrieb gehen soll. Für den Linienverkehr hatte Tempelhof zuletzt kaum noch Bedeutung. Was aus dem Gebäude und dem riesigen Flugfeld am Rande der Innenstadt wird, ist noch ungewiss.

Vor den vergitterten Eingängen zur Haupthalle bildeten sich den ganzen Tag über große Menschentrauben. Wegen des Aufbaus der Bühne für die Abschiedsfeier durften nur Passagiere und Personal das Herzstück des Flughafens betreten. Wer noch ein letztes Foto vom Innern des einst größten Gebäudes der Welt schießen wollte, musste sich mit einem Bild aus der Ferne begnügen. Bei vielen der extra angereisten Besucher löste diese Entscheidung der Flughafenleitung Unverständnis aus.

Nach Ansicht des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit (SPD) eröffnet das Ende des Flughafens Tempelhof neue Perspektiven. "Jeder Abschied ist auch ein Neuanfang", sagte Wowereit nach Senatsangaben. "Das Flughafengebäude wird nicht leer stehen, sondern weiter genutzt werden, und auf dem großen Freigelände ergeben sich neue Möglichkeiten einer zukunftsträchtigen, innenstadtnahen Stadtgestaltung." Das Gebäude bleibe ein Symbol für den Freiheitswillen der Berliner. Wowereit sagte: "Es wird auch künftig ein Ort der Erinnerung an die Luftbrücke sein, mit der während des Kalten Krieges die totale Blockade West-Berlins verhindert werden konnte."



Piloten wollen BBI verklagen

Mehrere Piloten erwägen eine Klage gegen die Berliner Flughafengesellschaft sowie die zuständigen Luftfahrtbehörden. Sie befürchten, dass für Privatpiloten die Sicherheit in Schönefeld während der Bauzeit des BBI nicht gewährleistet ist.

Aus:
Der Tagesspiegel, Berlin, 31. Oktober 2008, Seite 9 (Berlin). [Original]

BERLIN (Tsp/kög/kt). Mehrere Piloten prüfen derzeit, die Berliner Flughafengesellschaft sowie die zuständigen Luftfahrtbehörden zu verklagen. Sie befürchten, dass für Privatpiloten die Sicherheit in Schönefeld während der Bauzeit des BBI gefährdet ist.

"Wegen der Großbaustelle sind die Rollwege oft stark verschmutzt, und gerade bei starkem Wind wird feinster Sand an die kleinen Maschinen im südlichen Flughafenbereich geweht", sagt Privatpilot Thomas Kärger, der lange Jahre als Vorsitzender des Pilot/Controller Club Berlin-Brandenburg wirkte. Wenn feinster Sand und womöglich kleine Steine ins Fahrwerk oder in die Bremsen gelangten, könne das laut Kärger Materialbeschädigungen zur Folge haben. Bei großen Maschinen seien keine Probleme bekannt, hieß es bei Easyjet und Ryanair, die zu den Hauptnutzern in Schönefeld zählen.

"Sand ist immer schlecht", sagt Privatpilot Detlef Bosin, der im Job Boeing 737 fliegt. Der Verkehrsflugzeugführer und fliegerische Sachverständige rechnet künftig mit regelmäßigen Verspätungen in und mehr Warteschleifen über Schönefeld. Da die kleinen Maschinen – vielfach Businessjets von Geschäftsleuten – nun nach Schönefeld umziehen, werde immer wieder die Landebahn lahmgelegt. Weil es nicht genügend Abrollwege gibt, müssten kleine Jets nach der Landung die ganze Bahn erst wieder zurückrollen.



H A U P T S T A D T - A I R P O R T   B B I

Startbahn in die Zukunft

Vom Bau des neuen Flughafens Berlin Brandenburg International in Schönefeld sollen alle profitieren. Wenn der Betrieb 2011 startet, soll der Flughafen bis zu 40.000 neue Stellen schaffen.

Aus:
Der Tagesspiegel, Berlin, 8. November 2008, Seite B1 (Sonderthemen/Beilage) von KLAUS KURPJUWEIT. Die Zwischentitel wurden hier redaktionell zugefügt. [Original]

 
  Dieses ist der Leitartikel einer umfangreichen (10-seitigen) Sonderbeilage „Hauptstadt- Airport BBI“. Leider gibt es auf der Tagesspiegel-Homepage keine anklickbare Liste aller in dieser Beilage erschienenen Artikel. Man findet diese aber via Google- News mit den Stichwörtern „Sonderthemen“ und „BBI“.  
BERLIN-SCHÖNEFELD (Tsp). Er ist die Chance für die Stadt und das Land: der neue Flughafen Berlin-Brandenburg International (BBI) in Schönefeld. Bereits in der Bauzeit schafft er tausende von Arbeitsplätzen; auch im Mittelstand. Und mit Aufnahme des Flugbetriebs, für Anfang November 2011 geplant, soll es mittelfristig und langfristig bis zu 40.000 neue Stellen auf dem Flughafen und im Umfeld geben.

Wie in der Wissenschaftsstadt Adlershof (Wista). Für Wista-Sprecher Peter Strunk ist der neue Flughafen ein "Glücksfall". Adlershof sei damit ein "Technologiepark mit Flughafenanschluss." Durch den BBI-Bau gebe es bereits jetzt eine Zunahme bei der Zahl der Ansiedlungen von Firmen in der Wissenschaftsstadt, die weiter wächst.

Und rings um den BBI sind 3 große Gewerbeflächen, vorwiegend mit Büros und Hotels, vorgesehen. Die Flächen sind zum Teil schon verkauft, Pakete für den Ausbau sind geschnürt. Die weltweite Finanzkrise scheint bisher den BBI-Ausbau weitgehend zu verschonen.

Finanzierung mußte umgestellt werden

Allerdings nicht ganz. Die Flughafengesellschaft musste das Finanzierungskonzept für das Projekt, dessen Kosten sie weiterhin mit 2,2 Milliarden Euro angibt, umstellen. Damit die vorsichtig gewordenen Banken Kredite zu günstigen Zinsen anbieten, haben die Eigentümer der Flughafengesellschaft – Berlin, Brandenburg und der Bund – ihren Bürgschaftsanteil von 80 Prozent auf 100 Prozent erhöht. Der Bund hatte dem erst vor kurzem zugestimmt, während Brandenburg bereits im Sommer so weit war und Berlin wenig später folgte.

Die volle Bürgschaft durch die Gesellschafter verschafft der Flughafengesellschaft nach deren Angaben bis zum Jahr 2035 einen finanziellen Vorteil in Höhe von insgesamt 576 Millionen Euro. Dass die Bürgschaft in Anspruch genommen werden muss, halten Experten zudem für unwahrscheinlich.

Unabhängig von der weiter ausstehenden Vereinbarung zur Finanzierung haben die Bauarbeiten für den Terminal am 5. September 2008 begonnen – gerade noch rechtzeitig, um im Zeitplan bleiben zu können. Der Start hatte sich verzögert, weil die Flughafengesellschaft nach der ersten Ausschreibungsrunde das Verfahren gestoppt und neu aufgerollt hatte. Die vier eingegangenen Angebote lagen mit jeweils rund 1 Milliarde Euro für den Terminalbau weit über den Vorstellungen der Flughafenplaner, die mit etwa 600 Millionen Euro kalkuliert hatten. Ob die neue Ausschreibung wirklich günstiger sein wird, muss sich jetzt zeigen.

Die Flughafengesellschaft erklärt weiter, dass "nach derzeitigem Stand" der von ihr bereits 2004 aufgestellte Kostenrahmen weitgehend eingehalten werden könne, obwohl auf dem Baumarkt die Kosten seither enorm gestiegen sind. Zum Vergleich: Der Bau der Autobahn A 14 von Magdeburg über Wittenberge Richtung Schwerin war mit 775 Millionen Euro veranschlagt. Jetzt rechnen die Planer wegen "drastisch gestiegener Preise im Straßenbau und deutlich höherer Anforderungen an den Naturschutz" mit Mehrkosten in Höhe von 500 Millionen Euro.

Kosten und Termine stehen

Beim Flughafen seien die zuletzt genannten Mehrkosten in Höhe von 160 Millionen Euro dagegen vornehmlich durch Erweiterungen beim Terminal und für zusätzliche Abstellflächen für Flugzeuge sowie in einem geringem Umfang durch höhere Preise beim Terminalbau verursacht worden, sagte im Sommer der für den technischen Bereich zuständige Vorstand Thomas Weyer. Er ist inzwischen zum Flughafen München gewechselt. An den Kosten- und Terminplänen habe sich auch danach bisher nichts geändert, sagt Flughafensprecher Ralf Kunkel.

Flughafen Berlin Brandenburg International (BBI) aus der Vogelperspektive
^   Der Flughafen Berlin Brandenburg International (BBI) in Berlin-Schönefeld. Er hat 2 parallel angelegte, unabhängig zu betreibende Start- und Landebahnen, zwischen denen das Terminal liegt. Die alte Nordbahn ist bereits stillgelegt worden. Die Anschlußautobahn A 113 ist bereits eröffnet worden   (Grafik: 8.11.2008 – tsp)

Allerdings haben die Planer auch bereits Einsparungen vorgenommen. Auf den Bau eines Tunnels, der das Hauptgebäude mit einem für später geplanten Erweiterungsbau – von den Planern Satellit genannt – verbinden soll, haben sie vorläufig verzichtet. Die Röhre sollte ursprünglich kostengünstig zeitgleich mit dem Tunnel für die Bahn angelegt werden, der sich direkt daneben befunden hätte.

Die von ihr veranschlagten 80 Millionen Euro für den Tunnelbau will die Flughafengesellschaft jetzt nicht aufbringen – und brachte damit die Lufthansa gegen sich auf. Deren Experten wollten die Röhre bereits jetzt bauen lassen, um kurz nach der Eröffnung des Flughafens eine erneute Großbaustelle auf dem Vorfeld zu vermeiden. Die Planer versichern aber, die Verbindung auch später bauen zu können, ohne den Verkehr am Boden erheblich einschränken zu müssen.

Airlines mischen mit

Die Fluggesellschaften mischen bei der Planung bereits kräftig mit, dies ist von der Flughafengesellschaft durchaus gewollt. Sie will den Linien einen optimalen Flughafen bieten: Mit viel Komfort für Passagiere von Gesellschaften wie der Lufthansa, mit weniger Annehmlichkeiten für die Kunden der Billigflieger, die im neuen Gebäude die weitesten Wege zurücklegen müssen. Sie erreichen die Flugzeuge zu Fuß über das Vorfeld, während es im "Komfortbereich" Fluggastbrücken zu den Maschinen geben wird.

Sie können später auch für den Airbus A 380 erweitert werden, der nach derzeitigem Stand zunächst nicht auf dem BBI landen wird, weil der Bedarf dafür im Berlin-Verkehr noch nicht vorhanden ist.

Für die Billigfluglinien hat die Flughafengesellschaft einen besonderen Trakt am Hauptgebäude vorgesehen, der erst in der Planungsphase nach Gesprächen mit den Fluggesellschaften angefügt worden ist. Den Wünschen von easyJet – der Billigflieger wollte weiter den alten Abfertigungsbereich – folgten die Planer nicht. Nur ein Betrieb unter einem Dach, zu dem später auch die Erweiterungsbauten gehören, sei wirtschaftlich, sagt Kunkel.

Auch der Weg zu den künftigen Satelliten führt beim BBI stets über das Hauptgebäude. Direkt darunter befindet sich der Bahnhof, in dem Fern- und Regionalzüge sowie S-Bahnen halten können. In wenigen Minuten erreichen die Fluggäste von den Bahnsteigen direkt die Check-In-Schalter. In der Haupthalle befinden sich auch die Sicherheitsschleusen. Werden diese passiert, können die Passagiere dann noch in Geschäften einkaufen oder sofort zu ihrem Abflugbereich gehen. Der Weg kann dann lang werden – immerhin bis zu mehr als einen halben Kilometer. Zumindest im Hauptgebäude soll es aber Laufbänder geben. Der erwogene Verzicht sei vom Tisch, sagt Kunkel.

Konzipiert ist der Flughafen in der ersten Stufe für jährlich 22 bis 25 Millionen Fluggäste. Befürchtungen, die Kapazität reiche bereits zur Eröffnung nicht aus, weist Flughafenchef Rainer Schwarz zurück. Keine Fluggesellschaft, die auf dem BBI landen wolle, werde abgewiesen. Zudem lasse sich die Anlage schnell erweitern, wenn es den Bedarf dafür gebe.

Im vergangenen Jahr zählte die Flughafengesellschaft auf den 3 damals noch vorhandenen Flughäfen Schönefeld, Tegel und Tempelhof bereits mehr als 20 Millionen Passagiere. In diesem Jahr könnten es 21 Millionen werden. Denn obwohl der Flugverkehr fast weltweit zurückgeht, nimmt die Zahl der Passagiere in Berlin bisher weiter zu. Der Zuwachs werde sich aber abschwächen, sagt Schwarz. Allerdings soll BBI zumindest ein kleines Drehkreuz im Luftverkehr werden. Und neue Umsteigeverbindungen steigern auch die Nachfrage.

Was wird aus dem Nachtflugverbot?

Entscheidend für BBI wird dabei auch sein, in welchem Umfang es Nachtflüge geben wird. Das Bundesverwaltungsgericht hat für die Zeit zwischen 0 Uhr und 5 Uhr ein generelles Flugverbot festgelegt. Für die Zeit von 22 Uhr bis 24 Uhr und 5 Uhr bis 6 Uhr musste die Flughafengesellschaft nachträglich nachweisen, wie viele Flüge unbedingt erforderlich sind. Die Brandenburger Planfeststellungsbehörde muss jetzt einen geänderten Beschluss vorlegen, gegen den erneut Klagen vor dem Bundesverwaltungsgericht möglich sind. In der Stadt werden zwar mehrere hunderttausend Bewohner vom Fluglärm und einer Absturzgefahr befreit, dafür müssen rings um Schönefeld mehrere zehntausend Anwohner zusätzlichen Lärm und Risiken ertragen.

Die Ruhe am Himmel bezahlen die Reinickendorfer mit einem Verlust von Arbeitsplätzen, weil nach der BBI-Eröffnung auch Tegel geschlossen werden wird. Doch die Vorteile durch den BBI-Bau überwiegen, ist nicht nur der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) überzeugt. Berlin will die Chancen aus dem BBI-Bau nutzen.



H A U P T S T A D T - A I R P O R T   B B I

Sechs Stockwerke und alles unter einem Dach

Das BBI-Terminal – Herzstück des neuen Airports mit 36 Sicherheitsschleusen und einer Gepäckkapazität von 6000 Koffern pro Stunde.

Aus:
Der Tagesspiegel, Berlin, 8. November 2008, Seite B6 (Sonderthemen/Beilage). [Original]

BERLIN-SCHÖNEFELD (Tsp). Aus der Luft lassen sich schon die Konturen erkennen. Im Juli hat über dem künftigen Flughafenbahnhof der Bau des sechsgeschossigen Terminals für den neuen Airport Berlin Brandenburg International (BBI) begonnen. Insgesamt werden dafür rund 160.000 Kubikmeter Beton, 35.000 Tonnen Bewehrungsstahl und 33.000 Quadratmeter Glasfassaden benötigt.

 
  Dieses ist ein Artikel aus einer umfangreichen (10-seitigen) Sonderbeilage „Hauptstadt- Airport BBI“. Leider gibt es auf Tagesspiegel-Homepage keine anklickbare Liste aller in dieser Beilage erschienenen Artikel. Man findet diese aber via Google- News mit den Stichwörtern „Sonderthemen“ und „BBI“.  
In den letzten Jahren hat sich die Luftverkehrs-Landschaft nachhaltig verändert. Neben den klassischen Airlines haben die Low-Cost-Carrier zunehmend an Bedeutung gewonnen. Deren Kunden erwarten keine Serviceleistungen an Bord, sondern wollen sich noch am Boden beispielsweise mit Lektüre oder Getränken versorgen. Der BBI ist der erste Flughafen in Deutschland, dessen Detailplanung nach diesem Wandel begann und diese Unterschiede optimal berücksichtigen kann. "Wir bauen einen komplett neuen Flughafen, eine neue kleine Stadt", sagt Manfred Körtgen, Geschäftsführer Technik/BBI der Berliner Flughäfen.

Der Technische Geschäftsführer muss weit vorausschauen und schon jetzt wissen, welche technischen Entwicklungen in der Passagier- und Flugzeugabfertigung bei der Inbetriebnahme in 3 Jahren aktuell sein werden. Fest steht, dass die Elektronik immer größere Bedeutung bekommen wird. An anderer Stelle wird es wohl bei den klassischen Verfahren bleiben. Während das elektronische Ticket heute Standard ist und die Bordkarte noch nicht einmal mehr am heimischen Computer ausgedruckt werden muss, sondern auf das Handy geladen werden kann, wird die Gepäckaufgabe auch zukünftig am Check-in-Counter erfolgen.

Frühzeitig hat man sich für ein One-Roof-Konzept entschieden, bei dem die unterschiedlichen Verkehre unter einem Dach untergebracht sind. Fluggäste, die ihr eigenes Auto in einem der Parkhäuser beiderseits der Zufahrt von der Autobahn 113 abgestellt haben oder mit dem Zug im unterirdischen Bahnhof eintreffen und von dort aus in nur 1 Minute das Terminal erreichen, gelangen auf der Abflugebene zunächst in eine klassische Schalterhalle. Hier wird es eine Vielzahl von Check-in-Automaten geben, die zunehmend auch von den Kunden verschiedener Airlines genutzt werden können. Parallel dazu sind aber, angeordnet in 8 "Inseln", auch insgesamt 112 klassische Check-in-Counter vorgesehen. Viele davon werden aber die Funktion sogenannter Drop Off-Points übernehmen, an denen Passagiere, die bereits mit einer Bordkarte ausgestattet sind, nur noch ihr Gepäck abgeben.

Herzstück des Terminals ist ohne Zweifel die Gepäckförderanlage, die am BBI eine Kapazität von bis zu 6000 Koffern und Taschen pro Stunde haben wird. Vollautomatisch werden die aufgegebenen Gepäckstücke hier nach einer dreistufigen Sicherheitskontrolle entweder zwecks Verladung der jeweiligen Abflugposition zugeleitet oder bei späteren Startterminen zwischengelagert. Umgekehrt wird das Gepäck ankommender Flüge den insgesamt 8 Rückgabe-Rundläufen in der Ausgabehalle zugeleitet, die sich eine Etage unter der Abflugebene befindet.

Nach der Gepäckaufgabe geht es für die Fluggäste zur zentralen Sicherheitskontrolle. Zur Vermeidung langer Warteschlangen werden hier insgesamt 36 Kontrollstellen zur Verfügung stehen, wo die Passagiere und ihr Handgepäck überprüft werden. Danach, so die Erfahrung der Flughafenplaner, ist die Stressphase für die Reisenden beendet. Durch einen ausgedehnten Shopping- und Gastronomiebereich (siehe Seite B5) geht es dann zum jeweiligen Abfluggate.

An das 220 mal 180 Meter große Hauptgebäude schließt sich der in 3 Teile gegliederte Gatebereich an. Der Hauptpier hat eine Länge von 715 Metern und verfügt über 15 Doppelpositionen, die jeweils mit einer Fluggastbrücke und einen Zugang zu den Vorfeldbussen ausgestattet werden, die die Passagiere zu den auf Außenpositionen abgestellten Flugzeugen bringen. Eines der Gates ist für die Abfertigung des Mega-Großraumjets Airbus A380 ausgelegt, dessen regelmäßiger Einsatz im Berlin-Verkehr bisher allerdings nicht vorgesehen ist.

Der 350 Meter lange Nordpier ist den Low-Cost-Carriern vorbehalten und dient dem Walk-Boarding, bei dem die Reisenden die geparkten Maschinen zu Fuß erreichen. Der ebenfalls 350 lange Südpier hat eine Mischfunktion und wird entgegen der ursprünglichen Planung auf Wunsch der Airlines nun mit 10 weiteren Fluggastbrücken ausgestattet. Zwischen der Ankunfts- und der Abflugebene befindet sich ein Zwischengeschoss. Es hat die Aufgabe, die Reisenden nach dem Schengen- und Nicht-Schengen-Bereich zu trennen. In den beiden über der Abflugebene liegenden Etagen werden sich unter anderem auch die Vielfliegerlounges der Airlines befinden, darüber entsteht eine Terrasse.

Zur innovativen Haustechnik des Terminals gehört die Nutzung der Erdwärme für die Heizung und Kühlung des Gebäudes. Dazu sind in die rund 800 Betonpfähle, auf denen das Terminal im märkischen Boden verankert wird, spezielle Schläuche eingelassen. Mehr als 500 der Pfähle wurden bereits rund 20 Meter unterhalb der Sohle im Boden verankert. Die gesamte Haustechnik wird in die Dachebene integriert und ist dort ohne Leitern oder Hubsteiger erreichbar, begehbare Sonnenblenden an den Scheiben bilden zugleich eine Arbeitsplattform für die Fensterputzer.

"Bibel" für die Planer des Terminals als auch der Nebengebäude ist ein dickes "Gestaltungshandbuch", in dem beispielsweise Farb- und Materialwahl vorgegeben werden, damit sich am BBI später optisch auch "alles aus einem Guss" präsentiert. Großer Wert wird dabei auf regionale Bezüge zu Berlin und Brandenburg gelegt, das gilt selbst für die Auswahl der Bäume bei der Bepflanzung der Zufahrten. Viele Ausstattungsdetails stehen auch heute noch nicht fest. Sie werden in enger Zusammenarbeit mit den wichtigsten Airlines festgelegt, die in die Planungen einbezogen sind.



Dokus zum BBI-Bau:
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