Archiv der Kolumne »Abgeschmackt« – Teil 2 khd
Stand:  26.12.2012   (46. Ed.)  –  File: Food/Kol/Abgeschmackt_02.html




BERLIN – 31.3.2009 (khd). Zu Beginn des 21. Jahrhunderts ist zu beobachten, daß Lebensmittel- Industrie und -Handel immer stärker eine Geschmacks-Diktatur aufbauen. Viele schmackhafte Produkte gibt es nicht mehr, andere schmecken widerlich. Der Trend geht zum Einheitsgeschmack. Aber wollen wir das wirklich? In der Kolumne „Abgeschmeckt | Abgeschmackt“ sollen in lockerer Folge besonders auffällige Beispiele aus dem täglichen (Koch-) Leben aufgespießt werden.

Links mit dem Symbol * zeigen auf weiterführende Informationen im Internet, die die Aussage belegen. (xxx = Text folgt demnächst).

A R C H I V - I N D E X : 

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Abgeschmackt

Von wegen Qualität
Vom Nivellieren des Geschmacks 4
Nepp allerorten / Ernährungsindustrie produziert fast nur noch Illusionen

HAMBURG – 13.10.2009 (khd/sp). Der Verbraucher wird von der Ernährungsindustrie sytematisch getäuscht. Die Aromen-Industrie blüht und soll bereits bei einem Jahresumsatz von 10 Mrd. Euro angelangt sein. Bei immer mehr Produkten schafft heute die Ernährungsindustrie aus unechten „Aromen, Imitaten und sehr viel Werbung eine Geschmacksillusion, die mit ursprünglichen Nahrungsmitteln nicht mehr viel zu tun hat“ . Das ist das erschreckende Fazit der Spiegel-Story „Die Geschmacksillusion“ (Heft 42/2009 vom 12.10.2009, Seite 72).

  Faustregeln
vom US-Autor Michael Pollan
Erstens:
Essen Sie nichts, was Ihre Urgroßmutter nicht als Lebensmittel erkannt hätte.
1) 
Zweitens:
Meiden Sie Lebensmittel, die
a) unbekannte,
b) unaussprechliche,
c) mehr als 5 Zutaten oder
d) fructosereichen Maissirup enthalten.
 
Drittens:
Meiden Sie Produkte, die behaupten, gesund zu sein.
2) 
1) Urgroßmütter, die vor 1970 lebten.
2) Denn meistens ist das gelogen.
An etlichen Beispielen zeigt das Nachrichtenmagazin auf, was für Machenschaften die Industrie betreibt, um hohe Gewinne zu erzielen. Da produzierte die Firma Kuchen-Meister einen Zitronen- Kuchen, der nie eine Zitrone gesehen hatte. Da gibt es noch immer Schinken- Imitate alias „Fleischschlamm“, den die Industrie ‚Formfleisch‘ (zusammengeklebte minderwertige Fleischpartikel) nennt. Buletten werden mit Bräunungsspray behandelt, ums Grillen vorzutäuschen. Und Danone erzählte, daß ihr Zuckertrunk Actimel „die natürlichen Abwehrkräfte steigert“, was so wissenschaftlich nicht belegbar ist.

Da verwundert es dann kaum noch, daß der Chef des Symrise-Konzerns unlängst aus dem Nähkästchen plauderte: „Aromen kompensieren, was beim industriellen Prozess verlorengegangen ist.“ [Ed: oder was an natürlichen Zutaten – weil zu teuer – erst gar nicht zugefügt wurde]. Symrise (Holzminden) ist Deutschlands größter Aromen- Hersteller, der 2003 durch Fusion zweier Alt-Firmen entstand. Ohne die Geschmacks- Industrie wäre die moderne Lebensmittel- Branche aufgeschmissen, denn sie haben das geschmackvolle Kochen aufgegeben.

Was aber kann ein Verbraucher tun, um diesem Treiben Einhalt zu gebieten? Er muß beim Einkauf von Lebensmitteln immer aufpassen und nachdenken. Dazu bietet der Spiegel in seinem Artikel einige Faustregeln an, die Michael Pollan in seiner Aufklärung für US-Bürger „In Defense of Food“ aufgeschrieben hatte. In den USA ist wegen der „labbrigen“ Lebensmittel- Standards die Situation noch viel unübersichtlicher als hierzulande.



Abgeschmackt

Nix Erdbeeren im Joghurt
Vom Nivellieren des Geschmacks 5
Mit „naturidentischen Aromen“ kann man fast alles zaubern / Nicht nur „Landliebe“ kommt fast ohne Obst aus

      Echte Erdbeeren
^   Echte Erdbeeren.
BERLIN – 9.11.2009 (khd). Zu Beginn des 21. Jahrhunderts ist zu beobachten, daß Lebensmittel- Industrie und -Handel immer stärker eine Geschmacks-Diktatur aufbauen. Viele schmackhafte Produkte gibt es nicht mehr, andere schmecken widerlich. Der Trend geht zum Einheitsgeschmack. Aber wollen wir das wirklich? In der Kolumne „Abgeschmeckt | Abgeschmackt“ sollen in lockerer Folge besonders auffällige Beispiele aus dem täglichen (Koch-) Leben aufgespießt werden. [Zum Archiv der Kolumne]

  LANDLIEBE Joghurt auf erlesenen Erdbeeren
Zutatenliste (Jul. 2009)
  • Joghurt aus Vollmilch
  •    
  • Erdbeeren
  • 9 %  
  • Erdbeersaft
  • 3 % 1) 
  • Natürliches Aroma
  •   2) 
  • Rote Beete Saft
  •   1) 
  • Modifizierte Stärke
  •    
  • Verdickungsmittel Pektin
  •    
  • Zucker
  •    
    1) Aus Konzentrat.
    2) Gemeint ist damit ein konstruierter Aroma-Mix.
    Auf dem Joghurt-Becher sind herrliche Erdbeeren abgebildet. Aber sind die auch im Joghurt enthalten? Auf dem Becher „Landliebe Joghurt auf erlesenen Erdbeeren“ ist angegeben, daß dieser neben dem Vollmilch-Joghurt auch 15 % Erdbeer-Zubereitung enthalten und „natürlich frisch“ schmecken soll. Dazu beitragen soll auch, daß dieser Frucht-Joghurt „ohne Zugabe von Konservierungsstoffen“ und „ohne Speisegelatine“ auskommt. Das hört sich doch alles sehr gut an.

    Beim Kosten stellt man dann aber schnell fest: Er schmeckt sehr süß und so intensiv nach Erdbeer, daß da etwas nicht stimmen kann. Die aufgedruckte Zutatenliste verrät dann auch, daß diesem Joghurt zwar Erdbeeren zugefügt worden sind, aber auch (Erdbeer-)Aroma. Am Boden des Bechers wurde dann 1/2 Alibi-Erdbeere gefunden. Diese kann nie und nimmer den Geschmack erzeugt haben. Und die rötliche Farbe der „Erdbeer-Zubereitung“ kam vom angedickten Rote Beete-Saft.

    Immer häufiger steckt in manchem Fertig-Joghurt sogar kein einziges Gramm der abgebildeten Früchte. Der Hersteller hat sie eingespart und total durch künstliche Aromastoffe ersetzt. Das bringt ihm mehr Gewinn, und der Kunde merkt es meist nicht. Das ist sogar legal, solange es in der Zutatenliste angegeben ist. Der neo-liberale Wirtschaftskurs der EU machte es möglich, und deutsche Volksvertreter muckten nicht auf. Das Ergebnis war die Aromen-Verordnung von 2006, unterschrieben vom Ex-Bundesverbraucherminister Horst Seehofer (CSU).

    Nachgetragen:

    Naturidentische Aromen

    BERLIN – 12.11.2009 (khd). Lebensmittel- Chemiker waren in den letzten 20 Jahren extrem fleißig und haben intensiv die Zusammensetzung von natürlichen Aromastoffen erforscht. So genau erforscht, daß sie diese synthetisch erzeugen konnten. Man nennt solche Aromastoffe „naturidentische Aromen“. Sie haben also ein natürliches Vorbild in der Natur, werden aber synthetisch hergestellt. Praktisch alle nur denkbaren Aromen lassen sich heute aus dem ‚Chemiebaukasten des Lebensmittel- Chemikers‘ künstlich herstellen – vom Erdbeer-Geschmack bis hin zum Geschmack von teuren Meeresfrüchten wie Hummer.

    Da bleibt kein Wunsch der profitgierigen Lebensmittel- Industrie unerfüllt. Und es gibt Unternehmen wie Symrise, die im Großstil solche „naturidentischen Aromen“ produzieren und vertreiben. Im Einzelhandel sind solche Aroma-Produkte (mal von den schon fast klassischen Back-Aromen abgesehen) nicht erhältlich — wozu auch.

    Erdbeer-Joghurt im Test

    BERLIN – 23.6.2011 (khd). Die Stiftung Warentest hat im Juli-Heft 2011 von „test“ (Seite 22–28) einen umfangreichen Test von Erdbeer-Joghurts veröffentlicht. Nur ein einziger Joghurt schmeckte nach frischen Erdbeeren, und der kam aus der Schweiz („Emmi Swiss Yoghurt Erdbeere“). Der oben beschriebene Landliebe-Joghurt erhielt ein „Ausreichend“ (3,7). Es wurden 25 Erdbeer-Joghurts untersucht: 11 davon erhielten das Qualitätsurteil „Mangelhaft“ bzw. „Ausreichend“, 11 Joghurts erhielten ein „Befriedigend“ und nur 3 Joghurts erhielten ein „Gut“ bzw. ein „Sehr gut“.

    Die Schweizer zeigen also, daß man einen sehr guten Erdbeer-Joghurt auch industriell produzieren kann. Und man braucht dazu keinerlei Aromen, Farb- und Zusatzstoffe. Es ist ein absolutes Armutszeugnis für die deutsche Lebensmittel- Industrie, daß sie dazu nicht in der Lage ist. Wir Käufer sollten ihr Nachhilfe geben und den Joghurt-Murks in den Regalen stehenlassen. Man nennt das Marktwirtshaft!



    Abgeschmackt

    Saure Sahne schmeckt nicht wie früher
    Vom Nivellieren des Geschmacks 6
    Erhebliche Geschmacksmängel durch moderne Produktion? / REWE-Sahne fiel besonders negativ auf

    BERLIN – 2.1.2010 (khd). Zu Beginn des 21. Jahrhunderts ist zu beobachten, daß Lebensmittel- Industrie und -Handel immer stärker eine Geschmacks-Diktatur aufbauen. Viele schmackhafte Produkte gibt es nicht mehr, andere schmecken widerlich. Der Trend geht zum Einheitsgeschmack. Aber wollen wir das wirklich? In der Kolumne „Abgeschmeckt | Abgeschmackt“ sollen in lockerer Folge besonders auffällige Beispiele aus dem täglichen (Koch-) Leben aufgespießt werden. [Zum Archiv der Kolumne]

    „Saure Sahne“ ist eigentlich ein recht einfaches Milchprodukt. Aber unsere Lebensmittel-Industrie hat offensichtlich mit deren Herstellung inzwischen Probleme. Um saure Sahne zu erhalten, werden Sahne (Rahm) Milchsäurebakterien zugesetzt, die die Sahne nach einiger Zeit dick werden lassen. Sie schmeckt dann feinsäuerlich und eignet sich hervorragend, um guten Bratensaucen den letzten Pfiff zu geben. Das klappt heutzutage oft nicht mehr.

    In den Supermärkten wird heute saure Sahne nur in sehr begrenzter Auswahl angeboten. Und allzuoft ist die Qualität so miserabel, daß sie den Geschmack von Bratensaucen ruiniert. Besonders übel fiel das jetzt bei einem 200-g-Becher der REWE-Eigenmarke „ja!“ auf. Obwohl der Becher (EAN-Nr.: 4-388840-100781, MHD: 8.1.2010) geschlossen war, hatte diese saure Sahne einen Beigeschmack, der sich auch beim Aufkochen der Sauce nicht verlor. Dieser störende Geschmack muß bei der Herstellung entstanden sein, anderes ist kaum vorstellbar.

    Aber wodurch entstand dieser für saure Sahne so untypische Geschmack, der auch schon bei ähnlichen Produkten anderer Hersteller aufgefallen war? Liegt das an der Art der verwendeten Milchsäurebakterien? Liegt es an der Verpackung aus Plastik? Oder wurde doch mit irgendwelchen Zusätzen gearbeitet? Beispielsweise verändert der bei süßer Sahne oft verwendete Stabilisator-Zusatz Carrageen den Geschmack der Sahne. Aber auf dem Becher stand nichts von Zusätzen. Es war nur der Fettgehalt angegeben (10 %) und, daß diese Sahne speziell für die REWE-Handelsgruppe GmbH (Köln) hergestellt wurde durch (DE | NI 053 | EG). Hinter dem Code „NI 053“ verbergen sich die Hochwald Nahrungsmittel-Werke GmbH in Lüneburg (Niedersachsen), wie ein Blick in die amtliche Liste der Milchverarbeitungsbetriebe zeigt.

    Hat man einige Jahrzehnte Kocherfahrung, dann weiß man, daß bis in die 1990er-Jahre saure Sahne fast immer wohlschmeckend war. So lieferte beispielsweise die saure Sahne der Berliner Meierei- Zentrale (MZ) stets gute Kochergebnisse. Auch die saure Sahne, die in 1/2-Liter- Glasflaschen aus Sachsen bis vor wenigen Jahren in den Berliner Handel kam, war hervorragend und hielt sich zudem noch recht lange. Alle solche guten Produkte sind aber aus den Supermarkt-Ketten verschwunden, die offensichtlich nur auf Billig und schlechte Qualität setzen. Ein Dienst am Kunden ist das nicht.



    Abgeschmackt

    Butter verpanscht
    Vom Nivellieren des Geschmacks 7
    Milchstreichfett aus Butter und Rapsöl / KERRYGOLD auf Abwegen

    BERLIN – 22.1.2010 (khd). Zu Beginn des 21. Jahrhunderts ist zu beobachten, daß Lebensmittel- Industrie und -Handel immer stärker eine Geschmacks-Diktatur aufbauen. Viele schmackhafte Produkte gibt es nicht mehr, andere schmecken widerlich. Der Trend geht zum Einheitsgeschmack. Aber wollen wir das wirklich? In der Kolumne „Abgeschmeckt | Abgeschmackt“ sollen in lockerer Folge besonders auffällige Beispiele aus dem täglichen (Koch-) Leben aufgespießt werden. [Zum Archiv der Kolumne]

      KERRYGOLD extra
    Zutatenliste dieses neuen
    Milchstreichfetts (Jan. 2010)
  • Butter
  • 63 % 1) 
  • Raps–l
  • 13 %  
  • Wasser
  •   2) 
  • Emulgator
  •   3) 
  • Meersalz
  • 1 %  
    Gesamtfettgehalt:  65 %
    1) Keine Angabe über Art der Butter.
    2) Bei 250 g müßten das rund 55 ml sein.
    3) Mono- und Diglyceride von Speisefettsäuren.
    In den Regalen der Supermärkte kann man immer wieder Überraschungen finden. War KERRYGOLD bislang als Produzent einer hervorragenden und wohlschmeckenden Süßrahm-Butter aus Irland bekannt (EAN-Nr.: 4-001954-161034), tauchte jetzt in den Regalen ein neues Produkt „KERRYGOLD extra“ auf. Dafür verschwand die Süßrahm-Butter aus den Regalen. Bei „extra“ vermutet man zunächst eine besonders gute Butter. Aber das ist nicht so.

    Bei „KERRYGOLD extra“ handelt es sich um ein Butter-Derivat – quasi eine Mischung aus vermutlich einfacher Butter und etwas Margarine auf Rapsöl-Basis. Und so schmeckt sie auch. Beworben wird dieses „Milchstreichfett“ damit, daß es auch „gekühlt streichzart“ sei. Auch sei das verwendete Rapsöl „wertvoll“, heißt es auf der 250-g-Dose aus Plastik.

    Produziert wird diese Errungenschaft von der Irish Dairy Board (IDB) Deutschland GmbH in Neukirchen (DE | NW 40015 | EG). Auch wenn die Filialleiterin des Supermarkts erzählte, daß es nun die „KERRYGOLD Süßrahm-Butter“ nicht mehr gebe, sieht das eher nach einem Diktat dieser Handelskette aus. Es ist kaum vorstellbar, daß die IDB-Leute auf die Vermarktung ihres Qualit”tsprodukts vezichten, das nur ‚gute Butter‘ und etwas Salz enth”lt. Wir werden sehen, was IDB-KERRYGOLD dazu zu sagen hat.

    Nachgetragen:

    Ein Beispiel fürs Diktat per Handelsketten-Liste

    BERLIN – 14.03.2010 (khd). Da auf eine E-Mail an IDB Deutschland keine Antwort kam (vielleicht stimmte ja auch die Adresse nicht), wurde der Sache durch eigene Testkäufe bei anderen Handelsketten nachgegangen. Dabei stellte sich im Februar und Anfang März heraus, daß diese KERRYGOLD-Süßrahm-Butter bei REICHELT und KARSTADT als auch im Großhandel METRO problemlos zu kaufen war. Auch wußte man bei der METRO nichts von einer Produkteinstellung.

    Das bedeutet, daß die Filialleiterin bei KAISER’s (Tengelmann-Konzern) Anfang Januar 2010 schlichtweg gelogen hat. Die neue „KERRYGOLD extra“ ist kein Ersatz für die Süßrahm-Butter. Und alles sieht danach aus, daß man bei KAISER’s das Auslisten eines beliebten Produkts vor den Kunden vertuschen wollte. Eine ‚schöne‘ Marktwirtschaft ist das, wenn Handelsketten-Manager Diktatur per Liste ausüben und die Kunden einen weiten Weg zur Konkurrenz haben. Ob die Kunden- Beschwerden nun etwas ausrichten können, muß abgewartet werden.



    Abgeschmackt

    Chemie-Cocktail in Muffins
    Vom Nivellieren des Geschmacks 8
    Das soll feiner Rührkuchen sein? / CHRISTIAN’S Bäck ist Murks

    BERLIN – 15.7.2010 (khd). Zu Beginn des 21. Jahrhunderts ist zu beobachten, daß Lebensmittel- Industrie und -Handel immer stärker eine Geschmacks-Diktatur aufbauen. Viele schmackhafte Produkte gibt es nicht mehr, andere schmecken widerlich. Der Trend geht zum Einheitsgeschmack. Aber wollen wir das wirklich? In der Kolumne „Abgeschmeckt | Abgeschmackt“ sollen in lockerer Folge besonders auffällige Beispiele aus dem täglichen (Koch-) Leben aufgespießt werden. [Zum Archiv der Kolumne]

    Muffins der Fa. Radner, Düsseldorf
    ^   Das sind diese widerlich schmeckenden „Chemie- Muffins“ der Fa. Radner, Düsseldorf.  (Foto: 1.8.2010 – khd)
      CHRISTIAN’S Bäck
    Zutatenliste der 4 Rührküchlein
    vom Typ „Mega Muffins“ (Jul. 2010)
  • Weizenmehl
  •    
  • Zucker
  •    
  • Pflanzliches Öl
  •    
  • Vollei
  •    
  • Wasser
  •    
  • Magermilchpulver
  •    
  • Weizenstärke
  •    
  • Modifizierte Stärke
  •    
  • Kakaopulver, stark entölt
  • 1,5 %  
  • Speisesalz
  •    
  • Stabilisatoren
  •   1) 
  • Emulgatoren
  •   2) 
  • Backtriebmittel
  •   3) 
  • Konservierungsstoff
  •   4) 
  • Aromen
  •    
  • Schokoladensplitter
  • Diese bestehen aus:
  • 11 % 5) 
  • Kakaomasse
  •    
  • Zucker
  •    
  • Emulgator Sojalecithin
  •    
  • Aroma
  •    
    Kann Spuren von Schalenfrüchten und Sesamsamen enthalten.
    Gesamtgewicht:  360 g
    1) Glycerin und Xanthan.
    2) Mono- und Diglyceride von Speisefettsäuren.
    3) Dinatriumdiphosphat und Natriumhydrogencarbonat.
    4) Kaliumsorbat.
    5) Das ist keine Schokolade, sondern ein täuschendes Surrogat.


    Seit einiger Zeit findet man in Supermärkten (z. B. bei Rewe) abgepackte „4 Mega-Muffins“ der Marke CHRISTIAN’S Bäck für 1,79 Euro. Das sind „2 Kakao-Rührkuchen und 2 Rührkuchen mit Vanillegeschmack, mit Schokoladensplittern“. So steht das jedenfalls auf der 360-g-Packung, die die EAN-Nr. 4-038581-000252 trägt. Hergestellt wird dieses Produkt von der Firma Radner-Brot GmbH in 40237 Düsseldorf. Äußerlich sehen diese Küchlein appetitlich aus. Öffnet man aber den Plastikbeutel, dann macht sich sofort ein penetranter Geruch nach Backchemie breit. Das läßt nichts Gutes für den Geschmack erahnen. Und so schmecken diese Muffins dann auch.

    Die auf Schoko getrimmten Küchlein schmecken viel zu bitter, und bei den hellen Muffins ist von Vanille nichts zu spüren, obwohl die Aromen einsetzen. Der Geschmack dieses Produkts ist insgesamt schlichtweg widerlich, da die offensichtlich reichlich zugesetzen Chemikalien (Aromen, Emulgatoren, Stabilisatoren und ein Konservierungsstoff) alles geschmacklich übertönen. Ein Blick mit starker Lupe auf die nur in 5-Punkte-Schrift auf der Packung gedruckte Zutatenliste (siehe
    Tabelle) gibt etwas Aufklärung, was diese famosen Düsseldorfer Bäcker alles zugefügt haben. Das mag alles legal sein. Dafür sorgten schon die Lobbyisten der Lebensmittel-Industrie in Brüssel und Berlin. Dennoch sollte sich der Konsument das nicht gefallen lassen und auf den Kauf solchen Murks verzichten.

    Auch diese auf der Packung angekündigten „Schokoladensplitter“ schmeckten höchst merkwürdig. Sie entpuppten sich als im DDR-Stil nachgemachte Schokolade aus Billig-Stoffen. Der Hersteller täuscht die Kunden also mit einem Schokoladen-Surrogat. Total unverständlich ist aber auch, daß die Einkäufer der Handelsketten solche Produkte überhaupt in ihr Sortiment aufnehmen. Probieren die denn nicht mal, was sie da verkaufen wollen?



    Abgeschmackt
    War’s gepanschtes Olivenöl?
    Vom Nivellieren des Geschmacks 9
    In Italien wird Qualitäts-Olivenöl verpanscht / BERTOLLI-Öl schmeckte widerlich

          BERTOLLI-Logo
    ^   Bertolli gehört heute zum mulinationalen Unilever-Konzern.
    BERLIN – 26. Dezember 2011 (khd). Zu Beginn des 21. Jahrhunderts ist zu beobachten, daß Lebensmittel- Industrie und -Handel immer stärker eine Geschmacks-Diktatur aufbauen. Viele schmackhafte Produkte gibt es nicht mehr, andere schmecken widerlich. Der Trend geht zum Einheitsgeschmack auf niedrigem Niveau. Aber wollen wir das wirklich? In der Kolumne „Abgeschmeckt | Abgeschmackt“ sollen in lockerer Folge besonders auffällige Beispiele aus dem täglichen (Koch-) Leben aufgespießt werden. [Zum Archiv der Kolumne]

    Kurz vor Weihnachten wurde jetzt durch einen Bericht der italienischen Tageszeitung „La Repubblica“ bekannt, daß in Italien Qualitäts-Olivenöle vom Typ „Extra Vergine“ mit minderwertigen Billig-Ölen systematisch verpanscht worden seien [mehr dazu] — und das ganz offensichtlich schon seit Jahren. Da fällt einem sofort dieses Erlebnis von 2006 ein, als die selbst sorgfältig mit einem italienischen Olivenöl der Höchstqualität zubereitete Aioli fürs Weihnachts-Fondue so furchtbar schmeckte.

    Im Dezember 2006 wurde dazu 1/2 Liter italienisches Olivenöl der Marke „BERTOLLI Extra Vergine – Gentile – Das Milde“ in einer Glasflasche in einem KAISER’s-Supermarkt in Berlin (gehört zum Tengelmann-Konzern). Das Öl kostete 4,49 Euro (zum Vergleichen: 17,56 DM/l) und war für die Produktion von Aioli (Knoblauch-Mayonnaise) gedacht. Dieses Produkt aus Italien sollte zum Albtraum werden, denn nach der Herstellung der Aioli stellte sich heraus, daß diese ungenießbar war. Es war das BERTOLLI-Öl, das extrem bitter und irgendwie merkwürdig schmeckte.

    Bei diesem BERTOLLI-Öl handelte es sich um die Charge L6213BA081 mit dem MHD vom 7/2007. Natürlich wurde das Öl per E-Mail reklamiert und um Aufklärung gebeten. Beantwortet hat BEROLLI die E-Mail nie, vermutlich weil das bereits so ein Panschöl war. Auch eine etwas später – aus Beweisgründen – gekaufte 2. Flasche mit der Chargen-Nr. 6286AA081 (MHD: 10/2007) wies diese negativen Merkmale auf.

    Es gelang dann an Heiligabend 2006 anderenorts noch ein wirklich gutes Olivenöl zu besorgen: Das von LIVIO angebotene kaltgepreßte „Natives Olivenöl Extra“ aus Kreta ergab dann eine tolle Aioli. Diese Aioli mit dem Öl von griechischen Koroneiki-Oliven hat dann so gut geschmeckt, wie noch nie zuvor. Auffällig war dann noch: Dieses Koroneiki-Öl war in einer undurchsichtigen Flasche abgefüllt. Hingegen war dieses angebliche Höchstqualitäts-Öl der Weltfirma BERTOLLI in einer schlichten Weißglas-Flasche abgefüllt. Olivenöl ist sehr lichtempfindlich.

    FAZIT: „Leave BERTOLLI alone!“, wie man in Britannien sagen würde. Und man kauft Olivenöl halt nicht im Supermarkt und schon gar nicht beim Discounter, allenfalls noch bei der METRO.

    Nachgetragen:

    Alles Unilever!?

    BERLIN – 10.1.2012 (khd). BERTOLLI gehört zum multinationalen Unilever-Konzern. Aber wie ist das mit LIVIO, gehörten die nicht auch zu Unilever? Ja, aber nur bis 2004. Da verkaufte Unilever LIVIO an das mittelständische Unternehmen Peter Kölln KGaA (Elmshorn). Das von LIVIO vermarktete sortenreine griechische Olivenöl aus Koroneiki-Oliven war übrigens 2009 Testsieger bei ÖKO-TEST, was BERTOLLI noch nie schaffte.

    Zwar kann der Reinfall mit dem BERTOLLI-Olivenöl ein einzelner Zufall gewesen sein, aber die nichtbeantwortete E-Mail läßt Schlimmeres erahnen, und dann ist da ja noch die Zweitflasche. In Olivenöl-Analysen stellte sich 2007 heraus, daß ein BERTOLLI-Olivenöl deshalb nicht beurteilt werden konnte, da ein „hoher Verdacht auf thermische Behandlung bzw. mangelnde Frische“ bestand. Eine Wärmebehandlung in der Edelklasse „Extra vergine bzw. Nativ extra“ ist aber EU-weit verboten.

    BERTOLLI stand auch schon wg. einer miserablen Pasta-Sauce 2010 am Pranger — auf der Kandidaten-Shortlist für den „Goldenen Windbeutel für die dreisteste Werbelüge“, den die Verbraucherorganisation Foodwatch jährlich verleiht.

    Und aus dem Bericht der Hamburger Verbraucherzentrale von 2009 wissen wir, daß man es bei Unilever mit der Qualität der Zutaten eines Produkts nicht so genau nimmt. So wurde dort schon mal in einem Geflügelsalat fast nur verklebte Reste von Puten- und Hähnchen-Fleisch („Formfleisch“) verwendet. Wie kann ein Lebensmittel-Produzent nur auf eine solch’ hirnrissige Idee kommen? [Was alles gehört zu Unilever?]


    1) ^  Aber dort ganz sicher nicht so ein „BERTOLLI Olio de Oliva“, wie es bei der METRO ab dem 26. Januar 2012 für nur 2,77 Euro brutto pro 0,75-Liter-Flasche im Angebot ist. Mit diesem Preis von rund 3,70 Euro/Liter kann es schlichtweg kein gutes Olivenöl sein.



    Abgeschmackt
    Manipulierte Zitrus-Früchte
    Vom Nivellieren des Geschmacks 10
    Geschmackseinbußen durch absurde Praktiken / Orangen & Co werden systematisch „entgrünt“

          Orange Orangen
    ^   Noch grünliche Orangen schmecken meist besser!
    BERLIN – 26. Dezember 2012 (khd). Zu Beginn des 21. Jahrhunderts ist zu beobachten, daß Lebensmittel- Industrie und -Handel sowie manche Erzeuger immer stärker eine Geschmacks-Diktatur aufbauen. Viele schmackhafte Produkte gibt es nicht mehr, andere schmecken widerlich. Der Trend geht zum Einheitsgeschmack auf niedrigem Niveau. Aber wollen wir das wirklich? In der Kolumne „Abgeschmeckt | Abgeschmackt“ sollen in lockerer Folge besonders auffällige Beispiele aus dem täglichen (Koch-) Leben aufgespießt werden. [Zum Archiv der Kolumne]

    Ältere werden sich noch erinnern: Früher konnte man von Apfelsinen (Orangen) problemlos die aromatische Schale zum Kochen und Backen verwenden, um z. B. eine wunderbare Orangen-Sauce zur gebratenen Ente zuzubereiten oder um eine Do-it-yourself- Limonade anzusetzen. Das geht schon lange nicht mehr. Denn fast alle im Handel erhältlichen Orangen sind heute in mehrfacher Hinsicht mit ‚Chemie‘ behandelt. Das müßte nicht sein.

    Zunächst begann man die Früchte zu wachsen, was ja noch ging, denn das ließ sich mit heißem Wasser abwaschen. Seit aber die Orangen mit Anti-Schimmelpilzmitteln behandelt werden, kann man die Schale vergessen. Sie ist ungenießbar. Denn diese Mittel lassen sich nicht mit heißem Wasser entfernen. Während man unbehandelte BIO-Zitronen schon häufiger in den Lebensmittel-Ketten antrifft, sind BIO-Orangen dort fast nie erhältlich.

    Auffällig bei Orangen, Mandarinen und Zitronen ist auch, daß sie heute allzuoft wenig aromatisch sind. Ihnen fehlt es an Fruchtsäure und Süße. Viele Zitrus-Früchte landen dann auch im Müll, da sie zusätzlich auch noch strohig sind. Das hat einen absurden Grund. Der Lebensmittelchemiker Udo Pollmer wies kürzlich in seiner Radio-Kolumne im Deutschland-Radio auf eine Ursache für diese schlechte Qualität von Zitrus-Früchten hin: „Wann sind die Zitrus-Früchte wirklich reif?

      Stoffe zur Manipulation
    von Zitrus-Früchten




    2) 





    1) 
    2) 
    2) 
    [Liste der E-Zusatzstoffe]
    1) Dieser Stoff muß explizit deklariert werden.
    2) Dieser Stoff muß nicht deklariert werden.
    Auch Orangen werden seit einigen Jahren mit dem Pflanzenhormon Ethylen begast, damit sie eine prächtige Orangefarbe entwickeln und sich besser verkaufen lassen. Dieses „Entgrünen“, wie das genannt wird, hat aber Folgen für die Qualität der Früchte: Sie altern schneller und werden strohig. „Die Fruchtsäure schwindet und das Fruchtfleisch schmeckt fad“, teilte Pollmer mit. Aber damit sei noch nicht der Gipfel der Absurditäten erreicht: „Da das geübte Auge ein Entgrünen an der Schale erkennen kann, werden die Früchte gern mit weiteren fragwürdigen Substanzen behandelt — zur Vertuschung“, sagt Pollmer.

    Klar, das ist ein Fall für die EU-Kommission in Brüssel. Die könnte diesem schwachsinnigen Treiben zu Lasten der Verbraucher schnell ein Ende bereiten. Aber vermutlich ist die Erzeuger- und Chemie-Lobby so stark, daß sich die Kommission nicht traut. Übrigens rät Pollmer in den ersten Monaten der Zitrus-Saison (November und Dezember) möglichst eher grüne Ware zu kaufen. Die Chance auf Wohlgeschmack ist dabei am größten, aber lesen Sie (oder hören Sie) die komplette Pollmer-Kolumne im Internet:

    [11.11.2012: Wann sind die Zitrus-Früchte wirklich reif?]  (DEUTSCHLAND-RADIO KULTUR)





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