| 7. Januar 2011 |
Es liegen erste amtliche Messungen von Futtermittel- Proben vor. Dabei stellte sich heraus: Der noch
tolerierbare Dioxin-Gehalt wurde um mehr als dem Zehnfachen überschritten. Bei 9 von 20
ausgewerteten Proben von der Firma Harles & Jentzsch aus dem Jahr 2010 habe der Dioxin-Gehalt den
zulässigen [Ed: sowieso schon großzügig hoch angesetzten] Höchstgehalt von 750 pg
überschritten, teilte das schleswig-holsteinische Landwirtschaftsministerium gestern in Kiel
mit. Der höchste gemessene Dioxin-Wert lag demnach bislang bei 10.050 pg (Pikogramm = 10
hoch 12 Gramm = 1 Billionstel Gramm).
(ag 6.1.2011) |
| 7. Januar 2011 |
Ein Zwischen-Fazit mit Rat: Da es jetzt darum geht, die Aufnahme von Dioxin so gering wie irgend
möglich zu halten, ist es derzeit und den nächsten Wochen (vielleicht sogar Monaten) nicht
sinnvoll, Eier, Geflügel oder Schweinefleisch aus normaler Produktion zu kaufen und zu verzehren.
Denn die Handelsketten vom Typ Supermarkt oder Discounter dürften noch reichlich vermutlich
Dioxin-belastete Produkte in Kühlhäusern vorrätig haben.
BIO-Produkte hingegen sollten Dioxin-frei sein ganz sicher kann man da aber auch nicht
sein, da mit dem BIO-Etikett allzuoft getrickst wird. Übrigens, das meiste BIO-Fleisch schmeckt sehr
viel besser als das ‚normale‘ Fleisch aus dem Supermarkt oder vom Discounter.
[Verbraucher-Zentrale Hamburg: Betroffene Produkte]
[Und die Geflügelbranche selbst sagt: Infos zu Eiern und Geflügel]
[BIO-Einkaufsführer für Berlin und Brandenburg (FÖL)]
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| 8. Januar 2011 |
In neueren Proben von der Skandal-Firma Harles & Jentzsch wurde inzwischen eine fast 80-fache
Grenzwert- Überschreitung bei Dioxinen festgestellt [Ed: also etwa 60.000 pg = 60 ng Dioxine
(ng = Nanogramm = Milliardstel Gramm)]. Außerdem sind Dioxin-vergiftete Produkte
bereits seit mindestens März 2010 in den Handel gekommen und damit verzehrt worden
niemand hat davor gewarnt [Ed: und das heißt, die staatliche Lebenmittel-Überwachung
(mit amtlicher Proben-Analytik) hat total versagt, was nun ganz ernste Konsequenzen haben
muß].
(d-radio 8.1.2011 01.01 Uhr) |
| 11. Januar 2011 |
Es kam, wie’s kommen mußte: Auch in Schweinefleisch wurden jetzt [in Niedersachsen,
wo ständig besonders miserabel amtlich kontrolliert wird]
Dioxin- Konzentrationen oberhalb des Grenzwerts (1 pg/g) nachgewiesen. Um wieviel teilten die
Behörden der Öffentliichkeit nicht mit. Solch vergiftetes Fleisch ist auch in den Handel
gelangt, obwohl dieses Fleisch nicht verzehrt werden darf. Inzwischen haben deshalb etliche Länder
den Import von Schweinefleisch aus Deutschland verboten. Proben bei Hähnchen, Putenfleisch und
Kuhmilch wiesen bislang noch keine Überschreitungen von Grenzwerten auf, aber das kann ja noch
kommen.
(dpa 11.1.2011) |
| Januar 2011 |
Nebenbemerkungen: (Fragen)
- Warum eigentlich müssen dem Tierfutter überhaupt Fette beigemischt werden? Die Bauern
haben das doch früher auch nicht gemacht und damit sogar bessere Produkte erzielt . . .
- Warum berichten viele Medien so furchtbar ungenau über diesen Super-Skandal und kleben allzuoft
an den Lippen der (meist völlig inkompetenten) Regierungssprecher statt deren Aussagen energisch zu
hinterfragen? Sogar manche Wissenschafts-Journalisten konnten Fakten nicht richtig werten (Dioxine nur
ein Alltagsgift) und verschlimmern damit nur das sowieso bestehende Informationschaos.
- Warum wird die Billigkeit von Lebensmitteln überhaupt ein Thema? Vermutlich, um vom Kern des
Skandals abzulenken. Egal, ob Lebensmittel billig oder teuer sind, sie müssen in jedem Fall frei von
jeglichen Giften sein, und das muß der Staat durch Überwachung, Kontrollen und Analysen
sicherstellen. Da erübrigt sich jede Diskussion.
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| 15. Januar 2011 |
Weitere rund 1000 landwirtschaftliche Betriebe müssen wg. Dioxin-Gefahr gesperrt werden vor
allem in Niedersachsen. Die von Dr. Merkel (CDU) geführte Bundesregierung hat sich bislang als
unfähig gezeigt, die Gesundheit der Bevölkerung zu schützen und den Dioxin-Skandal
vollständig aufzuklären und sehr energisch gegen die in großen Teilen kriminell agierende
Futtermittel-Industrie vorzugehen.
(d-radio 15.1.2011 23.01 Uhr) |
| 16. Januar 2011 |
Obwohl der Dioxin-Skandal nun schon über 3 Wochen öffentlich bekannt ist, hat es die
Bundesregierung (CDU + CSU + FDP) noch immer nicht geschafft, klar und deutlich Roß und
Reiter zu nennen. Alle Verbraucher werden im Unklaren über den Gift-Zustand eingekaufter
Produkte gelassen. Verbraucher wollen aber jetzt sofort wissen, ob die Eier oder das Fleisch und die
Wurst im Kühlschrank Dioxin enthält, um solchen Sonder-Müll wieder in den Laden
zurücktragen zu können.
Dieser enorme Vertrauensbruch wird ernste Folgen haben. Bürger haben absolut kein Verständnis
dafür, wie dämlich sich die Politiker hoheitliche Aufgaben zwischen Bund und Ländern
aufgeteilt haben, ist nicht nur im Radio zu hören. Es sei Sache der Bundesregierung, ganz genau zu
sagen, wie und womit sie im Essen vergiftet werden ohne Rücksicht auf die Industrie.
[Kekulé-Kommentar] |
| 17. Januar 2011 |
Diese Bundesregierung braucht jetzt ein mächtiges Feuer unterm A****!
Die Verbraucher müssen massiv öffentlicher Druck ausüben, damit diese
neo-liberal-ideologisierte Regierung endlich die richtigen Maßnahmen gegen die
Lebensmittel-Vergifter ergreift und vom Laisser-faire abläßt. Foodwatch hat deshalb eine
Unterschriftensammlung gestartet. Alle, die kein Gift mehr auf den Tellern wünschen, sollten diese
unterstützen:
[ http://www.foodwatch.de/dioxin-aktion ]
[ Kommentar: Die Neo-Liberalen haben schuld! ]
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| 21. Januar 2011 |
Die Fettpanscherei der Firma Harles & Jentzsch (Uetersen) im Werk Bösel (Niedersachsen)
war illegal. Dieses Werk soll den niedersächsischen Behörden nicht bekanntgewesen sein, weshalb
dort auch keine Kontrollen stattgefunden haben. Der verantwortliche Geschäftsführer der Harles
& Jentzsch, Siegfried Sievert (lt. B.Z. ein früherer STASI-Mitarbeiter), sitzt immer
noch nicht hinter Schloß und Riegel. Das alles wirft jetzt noch ganz andere Fragen
auf . . . |
| 22. Januar 2011 |
Nach 4 Wochen wollen nun Ermittler herausgefunden haben, daß die Dioxine doch aus der
Biodiesel-Produktion bei der Firma Petrotec
AG (Emden) stammen. Dort sollen auch alte Fritierfette verarbeitet worden sein. Das
Umweltbundesamt (UBA) zweifelt aber daran, da das Dioxin-Furan-PCB-Muster nicht mit den Ergebnissen aus
Eierproben übereinstimme, stellte UBA-Präsident Jochen Flasbarth fest. Vermutlich können
beim Fritieren auch nicht so große Mengen an Dioxinen entstehen. Und das hieße: Schon bei den
Fetten wurde kräftig (mit Motor- Altölen?) gepanscht. Die Suche nach der Dioxin-Quelle
muß also unbedingt weitergehen.
(mit rbb + ard-tagesschau 21.1.2011)
Die Verbraucher wollen die Wahrheit erfahren, ob sie evtl.
jahrelang giftige Rückstände von Auto-Altölen essen durften.
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| 26. Januar 2011 |
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) teilt mit, daß in nur wenigen Proben von Eiern und
Schweinefleisch Dioxin-Werte oberhalb der Grenzwerte gemessen worden seien. In Milch und
Geflügelfleisch sollen bislang keine Grenzwert- Überschreitungen gefunden worden sein.
(d-radio 26.1.2011 23.03 Uhr) |
| 27. Januar 2011 |
Diese amtliche Dioxin-Entwarnung des BfR verursacht nun ein starkes Grübeln: Soll das etwa
heißen, daß (angesichts der derzeitigen Gesetzeslage) nichts gegen ein Verschneiden
(Mischen) von sauberen Fetten mit Dioxin-Fetten spricht, solange nur im Endprodukt der Dioxin-Grenzwert
eingehalten wird. Das würde auch erklären, warum die Verantwortlichen beim
Fettmischer Harles & Jentzsch (Uetersen) noch immer nicht festgenommen worden sind. Die Wissenschaft
sagt allerdings, aus gesundheitlicher Vorsorge müßte eigentlich ein Dioxin-Grenzwert von 0
pg/g eingeführt werden. |
| 29. Januar 2011 |
Man glaubt es kaum, aber heute gibt es eine Meldung, wonach der inzwischen insolvente Fett-Panscher
Harles & Jentzsch (Uetersen und Bösel) weiterhin Fette produziert. Allerdings seien diese Fette
ausschließlich für die technische Industrie bestimmt, sagt man. Und dabei ist auch
nach über 1 Monat noch immer nicht die Quelle des Dioxins (im Tierfutter) zweifelsfrei ermittelt
worden [Ed: Journalisten fragen nicht energisch genug nach, denn altes Fritierfett kann es nicht gewesen
sein!]. Auch stellt sich die Frage, warum in technischen Fetten Dioxine zulässig sein sollen. Will
man denn die giftigen Dioxine, Furane und PCBs immer weiter in der Umwelt verbreiten?
(Hamburger Abendblatt 29.1.2011) |
| 2. Februar 2011 |
Das Bundeskabinett beschließt eine Verschärfung des Futtermittel-Rechts. Im Vordergrund steht
dabei eine Verbesserung der Meldepflichten von gemessenen Belastungen, z. B. mit Dioxinen.
(d-radio 2.2.2011) |
| 24. Juni 2011 |
Foodwatch weist
daraufhin, daß die Bundesregierung noch immer nicht das Verpanschen von Futterfetten mit
verseuchten Altfetten eindeutig untersagt hat. Der nächste Dioxin-Skandal kommt also bestimmt.
Foodwatch fordert deshalb: Es darf keine einzige Zutat in das Futter gelangen, die nicht die
Grenzwerte einhält. |
| 14. März 2011 |
Im japanische Fukushima ereignete sich seit dem 12. März 2011 der
nukleare
Mehrfach-GAU mit Kernschmelzen. Aus dem havarierten AKW mit 6 Kernreaktoren gelangten dabei
großere Mengen an strahlendem Material (Radionuklide wie Caesium-134, Caesium-137, Jod-129,
Jod-131, Strontium-90 usw.) in die Atmosphäre, Umwelt und das Wasser des Pazifiks. Es ist zu
erwarten, daß sich diese extrem gesundheitsgefährlichen Nuklide u. a. in landwirtschaftlichen
Produkten und in Meerestieren ansammeln.
Zwar gibt es derzeit noch keine Erkenntnisse bzw. Messungen dazu. Dennoch sollten in den kommenden
Monaten und Jahren (!) keine Fische, Fischprodukte und andere Meeresfrüchte wie Garnelen, Shrimps,
Gambas und Muscheln, die nach dem 13.3.2011 im (westlichen) Pazifikraum gefangen oder gezüchtet
wurden, verzehrt werden. Das gilt beispielsweise auch für Thunfisch- Konserven. Da allzuoft die
Herkunftsangaben miserabel sind, sollte im Zweifelsfall immer auf den Verzehr verzichtet werden.
Ein Nuklear-GAU ist immer auch ein Lebensmittel- Skandal! Das war schon
1986 beim Tschernobyl-GAU so, wo in Deutschland
unter einer CDU/FDP-Regierung Milch verpanscht wurde, um die Strahlung unter die Grenzwerte zu
drücken. |
| 21. März 2011 |
Zur Strahlenbelastung von Fisch und Meeresfrüchten aus Fernost wurden noch keine
Meßwerte mitgeteilt.
Zur Erinnerung: Die Strahlenbelastung von Lebensmitteln wird in Becquerel (Bq) gemessen. In
Deutschland gilt seit Tschernobyl ein Grenzwert von 600 Bq/kg. Für Milch und Babynahrung sind
höchstens 370 Bq/kg erlaubt. Mehr zu den radiologischen Einheiten findet man auf Seite 4 + 8
des PDF-Dokuments zum GAU in Japan] |
| 24. März 2011 |
Ab 28. März 2011 müssen alle aus Japan importierten Lebensmittel auf Verstrahlung kontrolliert
werden. Das beschloß heute die EU in Brüssel. Allerdings soll die Kontrolle bereits in Japan
erfolgen und durch mitgelieferte Zertifikate dokumentiert werden. In Europa sollen nur noch Stichproben
vorgenommen werden. Ob dieses Verfahren wirklich Sicherheit bringt, muß bezweifelt werden, denn
schon in den letzten Tagen sind in Singapur und in Taiwan verstrahlte Lebensmittel aus Japan angekommen.
(d-radio 24.3.2011) |
| 30. März 2011 |
Es ist Unglaubliches geschehen: Die nicht durch demokratische (Ur-)Wahlen legitimierte
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Hierzulande könnten in Regalen demnächst mit 1000 Bq/kg verstrahlte
Thunfisch- Dosen auftauchen, die in Japan nicht verkaufsfähig sind aber in Europa!
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Das wäre die Folge der
EU-Verordnung Nr. 297/2011, die eine radioaktive Belastung von 1.250 Bq/kg erlaubt.
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Europa-Regierung in Brüssel aka Europäische
Kommission hat in der
Verordnung Nr. 297/2011 vom 25.3.2011 die Strahlengrenzwerte für aus
Japan importierte Lebensmittel enorm aufgeweicht. So dürfen in der EU von dort importierte
Nahrungsmittel mit einer Caesium-Aktivität von bis zu 1.250 Becquerel/kg (Bq/kg) frei
verkauft werden, sonst gelten in der EU 600 Bq/kg, was auch schon viel zu hoch ist. Und für
Nahrungsmittel mit geringer Bedeutung (was immer das sein mag etwa die Würzpaste
fürs Sushi?) soll die EU sogar einen Caesium-Grenzwert von 12.500 Bq/kg (sic!) festgelegt
haben. Die EU begründet das Heraufsetzen des Grenzwertes damit, daß die Strahlung aus einem
nuklearen Unfall stamme. Das sei in einer Alt-Verordnung der EWG/Euratom
(Nr. 3954/87) von 1987 so vorgesehen, heißt es.
Unter der kostenlosen Rufnummer 00800 - 67 89 10 11 kann man dazu mehr erfahren.
(fw 29.3.2011)
[02.04.2011: EU lädt zum Betrug ein]
Dieses Handeln gegen die Interessen und Unversehrtheit der Bevölkerung sollte jetzt Folgen haben.
Die demokratisch gewählten Europa-Abgeordneten müssen jetzt aktiv werden. Bevor es aber
gelingen kann, die Lobby-hörigen EU-Kommissare vom europäischen Hof zu jagen, gilt die
Devise:
Keinerlei Produkte mehr aus Fernost kaufen!
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| 5. April 2011 |
Die EU-Kommission arbeitet an einer neuen Verordnung. |
| 22. Mai 2011 |
Seit einigen Tagen sind in ganz Norddeutschland (Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen) schwere
Durchfall-Erkrankungen aufgetreten, die durch die besonders gefährlichen
EHEC-Bakterien (pathogene Art von Escherichia coli) verursacht wurden.
Bislang sind rund 80 Erkrankungen, die zum Nierenversagen führen kann, gemeldet davon allein
in Hamburg 40. Viele Patienten müssen bereits auf Intensivstationen behandelt werden. Fieberhaft
versuchen die Gesundheitsbehörden, die Infektions-Quelle zu ermitteln. EHEC wird meistens durch
unhygienisch verarbeitete Fleischwaren (z. B. Wurst wie 2004) verbreitet. Aber auch Rohmilchkäse wie 2005 oder ungewaschenes Gemüse können zur Verbreitung führen. Die
auslösende Quelle konnte bislang noch nicht gefunden werden.
(info-radio 22.5.2011)
[EHEC-Ausbrüche] |
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Alle Bakterien auch EHEC werden beim Erhitzen auf 72 °C für 10 Minuten sicher
abgetötet, wobei auch das von EHEC-Erregern produzierte Shiga-Toxin unschädlich wird.
| |
Hinweis:
Dieser Lebensmittel-Skandal stellt wg. der Freisetzung eines bislang völlig unbekannten,
hochgefährlichen Bakteriums etwas ganz Besonderes dar, zumal dadurch sehr schwere Erkrankungen
entstehen. Die weitere Entwicklung soll deshalb ausführlicher als sonst beschrieben werden.
khd 24.5.2011
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| 30. Mai 2011 |
EHEC lt. WHO: 1.169 bestätigte Infektionen, davon HUS: 373 Fälle (32 %), Tote: 14 (inkl. Ausland).
[Grafik zur EHEC-Epidemie] |
| 5. Juni 2011 |
Eine neue Spur soll in den niedersächsischen Kreis Uelzen führen. Es wird vermutet, daß
dort produzierte Gemüse-Sprossen mit dem neuen EHEC-Erreger verseucht wurden. Ein
BIO-Saatgut-Betrieb wurde von den Behörden gesperrt. Unklar ist, ob noch EHEC-verseuchte Ware im
Handel ist. Es wird vor dem Verzehr jeglicher Sprossen gewarnt.
Sollte sich der Verdacht bestätigen, dann stellt sich die Frage, wie kam der neue so
furchtbar aggressive EHEC-Erreger auf die Sprossen. Was ist die Ursache für die Verseuchung?
(d-radio 5.6.2011 20.01 Uhr) |
| 10. Juni 2011 |
Es sind definitiv die Gemüse-Sprossen, die mit EHEC-EAEC verseucht die Epidemie
auslösten. Am Nachmittag wird bekannt, daß auf abgepackten BIO-Sprossen vom BIO-Hof in
Bienenbüttel erstmalig der Erreger E.coli-O104:H4 nachgewiesen werden konnte. Die
Sprossen-Packung wurde in einem Haushalt in Königswinter bei Bonn (Rhein-Sieg-Kreis in NRW)
gefunden. Die Fragen sind nun: Wie gelangten in Bienenbüttel diese besonders aggressiven
EHEC-Erreger auf die Gemüse-Sprossen?
(info-radio 10.6.2011 17.42 Uhr) |
| 11. Juni 2011 |
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) bestätigt am Nachmittag in Berlin, daß die
in Königswinter gefundenen Sprossen vom BIO-Hof in Bienenbüttel das EHEC-Bakterium O104:H4
tragen. Dieses Labor-Ergebnis ist ein weiterer wichtiger Stein in der Beweiskette, daß rohe
Sprossen als wesentliche Quelle für die Ehec-Infektionen der letzten Wochen anzusehen
sind, sagte ein BfR-Sprecher. Die Frage nach der Herkunft der Erreger auf den Sprossen sei offen,
heißt es.
(d-radio 11.6.2011 17.06 Uhr)
[EHEC-Ausbrüche seit 1980] |
| 29. Juni 2011 |
Womöglich waren es aus Ägypten importierte Bockshornklee-Samen, die mit den EHEC-Erregern verseucht waren und in Deutschland und
Frankreich die schweren Erkrankungen hervorriefen. Das vermutet jetzt die Europäische Behörde
für Lebensmittelsicherheit (EFSA) in Parma. Bewiesen sei das aber noch nicht, heißt es.
(d-radio 29.6.2011)
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Hinweis:
Die sehr ausführliche Beschreibung der Entwicklung dieses EHEC-Ausbruchs wurde inzwischen auf eine
gesonderte Seite EHEC-Epidemie
2011 verlagert, um diese Seite zu entlasten.
khd 30.6.2011
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| 6. Juli 2011 |
Der Ursprung der EHEC/HUS-Erkrankungen gilt als aufgeklärt. Allerdings ist nach wie vor
unklar, wann und wo das Bockshornklee- Saatgut aus Ägypten mit Fäkalien von Menschen oder
Tieren verunreinigt wurde. Möglicherweise war es schon bei seiner Ankunft in Europa kontaminiert.
Auch konnte bislang noch kein EHEC-Erreger auf Samen-Proben labormäßig nachgewiesen werden.
Aber alle epidemiologischen Erkenntnisse (u. a. aus Verzehr- Befragungen und Aufklärung der
Vertriebswege) sprechen dafür, daß es mit EHEC-Bakterien verseuchter Bockshornklee-Samen
war. |
| 21. Juli 2011 |
Die amtliche Verzehrwarnung für rohe Gemüse- Sprossen wird aufgehoben. Nur auf Sprossen aus
Bockshornklee-Samen sollte auch weiterhin verzichtet werden. |
| 24. Juli 2011 |
Die EHEC-Epidemie gilt als abgeschlossen. Der zuletzt beobachtete Krankheitsausbruch bei einem Patienten
erfolgte nach Angabe des RKI am 4. Juli 2011. Leider gelang es nicht die EHEC-Quelle zweifelsfrei
aufzuklären. Allerdings spricht vieles dafür, daß aus Ägypten importierter
Bockshornklee-Samen, der zu
Sprossen verarbeitet wurde, mit dem EHEC-Erreger E.coli O104:H4 verseucht war.
[31.7.2011: Bilanz der FAZ] |
| 26. Juli 2011 |
EHEC lt. RKI-Schlußbilanz mit korrigierten Zahlen:
4.321 bestätigte Infektionen, davon HUS: 852 Fälle (20 %), Tote: 52 (inkl. 2 im Ausland).
[Grafik zur EHEC-Epidemie 2011]
[Wikipedia: HUS-Epidemie 2011] |
| 9. September 2011 |
EHEC lt. RKI-Abschluß-Bericht mit nochmals korrigierten Zahlen:
3.842 EHEC-Infektionen von Mitte Mai bis Mitte Juni 2011, davon HUS: 855 Fälle (22 %), Tote: 57
(inkl. 2 im Ausland).
[Kekulé-Kommentar dazu]
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| Ende Sept. 2012 |
In Ost-Deutschland kommt es nach dem Verzehr von Schulessen zu heftigen Brech-Durchfall-
Erkrankungen. Mehr als 11.000 Kinder erkrankten seit dem 26.9.2012 in Berlin, Brandenburg, Sachsen
(hier traten erste Erkrankungen bereits am 20.9. auf),
Sachsen-Anhalt und Thüringen. Das Essen wurde überall vom Groß-Caterer
SODEXO (Ausgewogen ernähren per
Mausklick!) geliefert. Die Gesundheitsbehörden konnten bislang nicht die Ursache
feststellen. Vermutet werden Noro-Viren, da diese das beobachtete Krankheitsbild hervorrufen können. |
| 2. Okt. 2012 |
Die Ursache ist nach einer Woche noch immer nicht gefunden. Aber die Erkrankungswelle ebbt ab.
Neu-Erkrankungen wurden nicht mehr gemeldet. Noro-Viren werden nicht mehr als Haupt-Auslöser
vermutet, da es kaum Sekundärinfektionen gab. Gesucht wird nun nach Bakterien.
Da SODEXO in verschiedenen Großküchen
kocht, wird nach verkeimten Essens-Zutaten gefahndet, die alle Küchen verwendeten. |
| 4. Okt. 2012 |
Das Robert-Koch-Institut (RKI) wertet den Ausbruch
insgesamt als die bisher größte lebenmittelbedingte Krankheitswelle in
Deutschland. |
| 5. Okt. 2012 |
Verdächtigt werden inzwischen von einem Großhändler aus Dresden zugelieferte
TK-Erdbeeren aus China [Exporteur: Foodstuff Co. Ltd. in Qingdao]. Mit Erregern verseucht,
könnten sie für die Brech-Durchfall- Epidemie in gleich 5 Bundesländern
verantwortlich sein. Die TK-Erdbeeren wurden von SODEXO zu Kompott als Beilage zu Grießbrei
verarbeitet, wobei sie offensichtlich nicht ausreichend erhitzt wurden. Über die Art der
Erreger machte heute das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit
(BVL) noch keine Angaben. Solche
tiefgefrorenen Erdbeeren sollen aber nicht in den Einzelhandel gelangt sein.
(info-radio + dpa 5.10.2012) |