Lebensmittel-Skandale in Europa – Teil 2:   2001 – 2005 khd
Stand:  18.2.2013   (197. Ed.)  –  File: Food/LM_Skandale_2.html



  Zu den
aktuellen Skandalen
 
   
1.8.2007 (khd). Im Rahmen seiner Berichterstattung über BSE und dessen Folgen erinnerte am 4. Dezember 2000 der SPIEGEL im Heft 49/2000 an einige herausragende Lebensmittel- Skandale in Europa. Da wurde es Zeit, ins eigene Archiv zu greifen, um diese Skandal- Chronik in wesentlichen Punkten zu ergänzen und auch bei Bedarf fortzuschreiben, zumal diese Profi-Journalisten bei der Fortschreibung solcher Aufstellungen fast nie am Ball bleiben.

   
  Und so informiert die
US-Behörde FDA über
Lebensmittel-Panscher:
Recent Warning Letters.

[ Ein Beispiel ]
 
Bei der Lektüre wird deutlich, daß die Kontrolle der Lebensmittel- Sicherheit miserabel ist — aber nicht nur in Deutschland. Dabei hatte doch bereits das Umweltmagazin Natur im September 1989 der deutschen Politik unmißverständlich ins Stammbuch geschrieben, wo genau dringender Handlungsbedarf bei der Entwicklung zu einer verbraucherorientierten Lebensmittel- Überwachung besteht.

Links mit dem Symbol * zeigen auf Infos im Internet, die die Aussage belegen. Leider waren nicht in allen Fällen solche Informationen im Netz auffindbar. xxx = Text folgt demnächst.

I n d e x :       [ Übersicht nach Lebensmitteln ]
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Europas wichtigste Lebensmittel-Skandale
 
Wie uns kriminelle Geschäftemacher mit Pfusch ohne Grenzen hinters Licht führten
und die amtlichen Kontrolleure (meist) sehr alt aussahen.

Recherchiert im Internet und zusammengestellt
von
Karl-Heinz Dittberner – Berlin

2001


  Schweinemast-Skandal 01

20. Januar 2001 Durch einen Bericht des „Spiegel“ wird bekannt, daß Tierärzte aus Bayern und Österreich an viele hundert Schweine- Bauern illegal Arzneimittel zur „Förderung“ der Tiermast verkauft haben. Darunter waren Hormone und Impfstoffe sowie in großem Umfang Antibiotika. Wegen der Schlamperei der bayerischen Aufsichtsbehörden verliert die bayerische Staatsministerin für Gesundheit, Barbara Stamm (CSU), ihr Amt.


  Kochschinken mit Wasser gestreckt 02

1. Dezember 2001 Zu Fleischpanschern, die Kochschinken- und Putenfleisch mit Wasser strecken, gehören Firmen aus dem gesamten Bundesgebiet. So wurde u. a. in Bayern Kochschinken gefunden, der durch die unerlaubte Zugabe von Eiweißhydrolysaten einen Wasseranteil von 35 % aufwies. Die Behörden verschweigen Produktnamen und Hersteller. [mehr]


  Chloramphenicol in Shrimps 03

Dezember 2001 Aus Asien gelangen Shrimps nach Deutschland, die mit dem in der EU verbotenen Antibiotikum Chloramphenicol belastet sind. Das Verbraucherschutzministerium gerät in die Kritik, weil Warnmeldungen verschleppt wurden. 2 Mitarbeiter des Ministeriums werden von ihren Aufgaben entbunden. Die EU beschließt, die Einfuhr von Shrimps, Geflügel, Honig und Kaninchenfleisch aus China zu verbieten. [ZEIT: Shrimp-Farmen]


  Verdorbener Räucherlachs 04

Dezember 2001 Nach einer Untersuchung der Stiftung Warentest sind von 22 getesteten Sorten Räucherlachs nur 4 empfehlenswert. 10 getestete Vakuum- Packungen waren verdorben, obwohl das Haltbarkeitsdatum (MHD) noch nicht abgelaufen war. Es wurden zahlreiche Keime und in 2 Fällen auch Listerien in erhöhter Anzahl gefunden, die für Menschen mit Immunschwäche oder Schwangere gefährlich werden können. Die 4 Lachs- Sorten, die die Noten „gut“ und „befriedigend“ bekamen, stammten aus der Massenproduktion von Lachsfarmen. Am schlechtesten schnitten ausgerechnet 2 teurere Wildlachs- Sorten ab. Auch die beiden getesteten „Bio- Lachse“ bekamen in dem Test die Note „mangelhaft“. *


  Salmonellen in Schokolade 05

20. Dezember 2001 Das Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz (BgVV) teilt mit, daß in Deutschland nach dem Verzehr von Schokolade eine Häufung von Erkrankungen an Salmonella Oranienburg, einem seltenen Salmonellen- Typ, aufgetreten ist. *. Betroffen war Schokolade des Storck-Ablegers WIHA, die bei ALDI verkauft wurde. [mehr]

2002


  Chloramphenicol in Kalbfleisch 01

Januar 2002 Durch einen „verwaltungstechnischen Irrtum“ (sagen die Behörden) gelangt mit Chloramphenicol belastetes Kalbfleisch aus den Niederlanden nach Deutschland und hier in den Handel.


  Antibiotika in Honig aus China 12

März 2002 Nach Schleswig-Holstein und Thüringen ist auch in Hamburg mit Antibiotika verunreinigter Honig entdeckt worden. Die Behörden stellten rund 203 Tonnen mit dem Antibiotikum Streptomycin verseuchten chinesischen Honig bei der Einfuhr sicher. Der Honig durfte nicht eingeführt werden. Es wird jetzt jede Partie untersucht, nachdem die EU am 30. Januar 2002 chinesische Erzeugnisse tierischen Ursprungs wegen mangelhafter Rückstandskontrollen gesperrt hatte. (taz – 2.3.2002)


  Acrylamid in der Nahrung 02

April 2002 Jahrzehntelang war der Wissenschaft entgangen, daß beim Backen sowie beim Fritieren von Kartoffeln das krebserregende Acrylamid entstehen kann. Erst nach dem Zufallsfund schwedischer Forscher, die ihre Warnung im April 2002 publizierten, konnte Alarm gegeben werden. In Keksen, Butterkeksen, Crackern, Chips, Kartoffelchips, Knäckebrot und Pommes frites wurden daraufhin auch in Deutschland teilweise Acrylamid- Konzentrationen gefunden, die den Grenzwert für Lebenmittelverpackungen von 10 Mikrogramm/kg um mehr als das Hundertfache überstiegen. *
Anfang Oktober 2002 Die Ursache der Entstehung von Acrylamid in Lebensmitteln ist grundsätzlich geklärt. Danach bildet sich Acrylamid beim starken Erhitzen von Nahrungsmitteln wie Kartoffeln oder Mehlen, die bestimmte Zucker (Glucose) und die natürliche Aminosäure Asparagin enthalten. * [Rat für Verbraucher]


  Nitrofurane in Geflügel 03

Mai 2002 In Hessen sind mehr als 6,5 Tonnen Geflügelfleisch aus Thailand in den Handel gekommen, das mit verbotenen Nitrofuranen verseucht war. Der hessischen Lebensmittel- Überwachung war die Verseuchung mit dem Antibiotikum nicht aufgefallen. Denn sie hatte keine vorsorglichen Proben genommen. Nur noch wenige Kilogramm Fleisch konnten nach einer Warnung beschlagnahmt werden. Die Masse war längst gegessen.


  Nitrofen im Bio-Getreide 04

24. Mai 2002 Die Öffentlichkeit erfährt, daß in Deutschland im großen Stil Öko- Futterweizen mit dem verbotenen Herbizid Nitrofen vergiftet wurde, was den deutschen Kontroll- Behörden – trotz 200.000-facher Grenzwert- Überschreitung – (zunächst) nicht auffiel *. Und das hatte Folgen: Auch in Bio-Eiern und Bio-Geflügel wurde das längst verbotene Unkrautvernichtungsmittel Nitrofen gefunden. [mehr] [Chronik des Nitrofen-Skandals]
9.April 2004 Der Nitofen- Skandal wird – obwohl es der bislange größte Öko-Skandal ist – keinerlei strafrechtliche Konsequenzen haben. Es habe nicht nachgewiesen werden können, daß das nitrofenbelastete Bio- Getreide „die Gesundheit eines Menschen konkret gefährdet“ habe, heißt es bei der Staatsanwaltschaft. *


  Synthetisches Hormon im Schweinefleisch 05

Anfang Juli 2002 Es wird bekannt, daß im Mai und Juni 2002 aus den Niederlanden über 7.000 mit dem verbotenen Hormon Medroxy- Progesteron- Azetat (MPA) gemästete Schlachtschweine nach Deutschland importiert worden sind. Das Schweinefleisch ist komplett in den Handel gelangt. Das synthetische Hormon MPA unterdrückt die Fruchtbarkeit bei Mensch und Tier. *


  BSE-Risiko bei niederländischen Hähnchen 06

8. Juli 2002 Durch einen Bericht der britischen Zeitung „The Guardian“ wird bekannt, daß niederländische Geflügel- Produzenten seit 5 Jahren Tiefkühl- Hähnchen mit Rinder- Proteinen spritzen, was ein mögliches BSE- Risiko darstellen kann. Mit dieser betrügerischen Methode kann das Fleisch mehr Wasser binden, so daß ein höherer Verkaufspreis erzielt wird.


  Hormone auch im Fruchtsirup 13

9. Juli 2002 Das zunächst nur in Schweinefutter gefundene verbotene Geschlechtshormon MPA ist von der belgischen Behörde für Lebensmittelsicherheit nun auch in Erfrischungsgetränken festgestellt worden. Belasteter Fruchtsirup wurde auch nach Deutschland geliefert. *


  Tetracyclin in Putenfleisch aus Italien 07

12. Juli 2002 Die Umweltschutzorganisation Greenpeace weist daraufhin, daß importierte Puten- Produkte eines italienischen Unternehmens das Antibiotikum Tetracyclin enthalten. Bei der Firma handelte es sich um die "Agricola Italiana Alimentare" (AIA) aus Verona. Der Antibiotika- Nachweis deutet daraufhin, daß Tetracycline weiterhin als Wachstumsbeschleuniger in der Tierzucht eingesetzt werden, obwohl dies bereits seit 1974 EU-weit verboten ist. *


  Tetracyclin im Kalbfleisch 08

13. Juli 2002 Erneut sind hohe Dosen Tetracyclin in Kalbfleisch nachgewiesen worden, obwohl das Antibiotikum in der Tiermast seit 1974 EU-weit verboten ist. [mehr]


  Verdorbenes Geflügelfleisch im Handel 09

Ende Oktober 2002 Durch einen Test der Stiftung Warentest wird bekannt (Test–11/2002, Seite 21), daß einige Produzenten von Geflügelteilen entweder Probleme mit der Hygiene haben oder ein falsches Haltbarkeitsdatum (MHD) angeben. Denn von 34 abgepackten, frischen Geflügelteilen (Brust und Schenkel von Huhn und Pute) waren 5 am Verbrauchsdatum nicht mehr genießbar. Verdorben waren Produkte von Grüne Wiesen (Bio-Produkt!), Père dodu, Pic'Or und Pollux. Dieses Geflügelfleisch roch beim Auspacken säuerlich und stechend. [mehr]


  Blei im Brotgetreide 10

31. Oktober 2002 Durch einen Bericht des ARD-Politmagazins „Kontraste“ (SFB) wird bekannt, daß die Märka GmbH aus Brandenburg, ein großer deutscher Getreidehändler, Roggen und Weizen auf dem blanken Boden von Hallen des früheren Miltärflughafens Werneuchen lagert. Die Hallen sind sehr belastet, da hier bis vor 10 Jahren noch Abfangjäger und Hubschrauber der Roten Armee standen und gewartet wurden. Eine Analyse von Proben ergab sehr bedenkliche Bleirückstände sowie eine hohe Konzentration von Diesel, Öl und Schmierstoffen. Die Firma Märka GmbH lieferte Getreide aus dieser Gifthalle von Werneuchen an Abnehmer wie Bauernhöfe, Großbäckereien und Backmittelhersteller – von Hamburg bis ins Ruhrgebiet. Die Behörden haben die Räumung der Halle verfügt. *


  Nitrofurane in Hähnchenfleisch 11

12. Dezember 2002 Es wird bekannt, daß die Handelsgruppe Rewe (zumindest) im Oktober in Hamburg in ihren Penny- Märkten Hähnchen- Nuggets der Marke „Salto“ verkaufte, die mit krebserregenden Nitrofuranen belastet waren. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hat Proben des Hähnchenfleisches, das aus Brasilien stammen soll, beim NAFU- Labor untersuchen lassen. Das seit 1993 in der EU verbotene Antibiotikum wird offensichtlich in Brasilien noch immer in der Massentierhaltung von Geflügel eingesetzt.

2003


  Krebserregendes SEM in Twist-open-Glaskonserven gefunden 06

Juni 2003 Es wird bekannt, daß manche in Gläsern mit Twist-open-Verschluß verpackte Produkte – insbesondere auch Gläschen mit Baby-Nahrung – mit dem im Tierversuch krebserzeugenden Semicarbazid (SEM) belastet sind. Die Substanz stammt aus der Dichtmassen der Deckel der Glaskonserven. Da Kontaminanten wie Semicarbazid in Lebensmitteln grundsätzlich unerwünscht sind, löste das eine rege Beratungstätigkeit bei der europäischen Lebensmittel-Behörde EFSA aus. * * *
2. August 2005 Die EU-Kommission hatte bereits am 6. Januar 2004 aus Vorsorgegründen die Richtlinie 2004/1/EG erlassen hat, wonach Azodicarbonamid (Semicarbazid) ab dem 2. August 2005 nicht mehr bei Twist-open-Deckeln verwendet werden darf. *


  Salmonellen-Quelle blieb unklar 05

Sommer 2003 Jährlich werden über 70.000 Fälle von Salmonellen- Erkrankungen (Salmonellose) gemeldet. Im Sommer 2003 bemerkte das Nationale Referenz- Zentrum für Salmonellen (Institut für Hygiene und Umwelt, Hamburg) eine starke Zunahme von Infektionen mit dem eher seltenen Erreger Salmonella Anatum, vor allem in den westlichen Regionen der Bundesrepublik. Eine Infektion mit Salmonella Anatum kann beim Menschen eine akute Enterokolitis auslösen. Die Erkrankung kann durch kontaminierte Lebensmittel, aber auch durch Kontakt zu infizierten Tieren verursacht werden. Eine daraufhin durchgeführte umfangreiche epidemiologische und mikrobiologische Untersuchung durch das Robert-Koch-Institut (RKI, Berlin) konnte die Salmonellen- Quelle nicht klären *. [mehr]


  Säuglingsmilch enthielt nur Spuren des lebensnotwendigen Vitamins B 1 01

11. November 2003 Seit Juni 2003 sterben in Israel 2 Säuglinge mit Gehirnschäden und weitere 15 Babys sind schwer erkrankt mit Symptomen wie Erbrechen, Durchfall, Krämpfen und extremer Unruhe. Als Ursache wird letztendlich der von Humana (Herford) produzierte Muttermilch- Ersatz „Remedia Super Soya 1“ ermittelt. Diese koscher in Deutschland hergestellte und von der Heinz- Tochter Remedia nur in Israel vertriebene vegetarische Soja- Milch enthielt viel zu wenig Vitamin B 1, so daß die Säuglinge an Mangel- Erscheinungen mit massiven Störungen des Zentralnervensystems litten. Humana räumt am 11.11.2003 ein, daß durch „menschliches Versagen“ (falsche Berechnungen) die Zugabe von künstlichem Vitamin B 1 bei der Herstellung „falsch bemessen“ worden sei. Die Säuglingsmilch enthielt nur 1/10 der erforderlichen Menge an Vitamin B 1. *
17. November 2003 Die Herforder Humana Milchunion GmbH leistet quasi den Offenbarungseid, als sie das Ergebnis betriebsinterner Untersuchungen vor der Presse bekanntgibt: „Vier verantwortliche Mitarbeiter wurden heute entlassen.“ Humana kündigt zudem Konsequenzen aus den Fehlern bei der Produktion von Säuglingsnahrung an. *
21. November 2003 Die Weltgesundheitsorganisation WHO warnt weltweit vor der Verfütterung der Soja- Babymilch des Herstellers Humana. *
1. August 2004 17 israelische Familien werden von der deutschen Firma Humana und dem israelischen Partnerunternehmen Remedia bis zu 18,5 Millionen Euro Schadensersatz erhalten. [Humana zahlt Entschädigung]


  Gepanschter bulgarischer Wein 02

26. November 2003 Durch einen Bericht des Berliner „Tagesspiegel“ wird erstmals bekannt, daß seit dem Frühjahr 2003 Berlin und Ostdeutschland mit gepanschtem Billigwein aus Osteuropa (vorwiegend aus Bulgarien) überschwemmt wurde. In den meisten Fällen handelt es sich um die Marke „Rosenthaler Kadarka“. Der Wein ist mit bis zu 50 % Wasser verdünnt. Und damit dieses nicht auffällt, ist er durch den Zusatz von Alkohol, Farbstoffen, Glyzerin und Zucker getarnt worden. Da keine Gesundheitsgefahr bestehe, sei bislang die Öffentlichkeit nicht informiert worden, heißt es beim Bundesverbraucherministerium in Berlin [Ed: erneut ein sehr merkwürdiges Verständnis von Transparenz]. Bisher wurden über 100.000 Flaschen Pseudowein beschlagnahmt und von einer Firma in Brandenburg vernichtet. Die Untersuchungen sind noch nicht abgeschlossen.


  Fleisch nicht BSE-getesteter Rinder kam in Deutschland in den Handel 03

Im November 2003 Beim Abgleich der Daten aller 2003 erfolgten BSE-Tests mit denen der Rinder- Datenbank HIT in München bemerken die deutschen Aufsichtsbehörden, daß es rund 17.000 Fälle mit Unstimmigkeiten gibt. Die Öffentlichkeit erfährt davon zunächst nichts – erst im Januar 2004.
6. Januar 2004 Es wird erstmals bekannt, daß 2003 in Rheinland-Pfalz bei mindestens 76 und im Saarland bei mindestens 51 geschlachteten Rindern keine gesetzlich vorgeschriebenen BSE-Tests durchgeführt worden sind, das Rindfleisch aber in den Handel gelangte. *
10. Januar 2004 Es wird sehr deutlich, daß in Deutschland die Kontrolle der BSE-Testmaßnahmen durch die zuständigen Behörden der einzelnen Bundesländer nicht funktioniert. 2003 sollen nun sogar mindestens 1000 Rinder nicht BSE-getestet worden sein, deren Fleisch dennoch in den Handel kam bzw. weiterverarbeitet worden ist. Im Laufe des Jahres ist das niemandem aufgefallen. *


13. Januar 2004 Fast 1400 Rinder sind in Deutschland 2003 ohne BSE- Test geschlachtet und vermarktet worden. Das teilte Agrar- Staatssekretär Alexander Müller in Berlin mit. Knapp 500 von ihnen seien so genannte „Geburtstagsfälle“, die genau mit 24 Monaten geschlachtet worden seien. Rund 3000 Zweifelsfälle in den Ländern müssen noch aufgeklärt werden. *
6. März 2004 Es steht nun fest, daß sogar Rindfleisch mit dem QS-Qualitätssiegel der CMA ohne BSE-Test in den Handel gekommen ist. *


  Vergiftete Mineralwässer und Milchprodukte in Italien 04

9. Dezember 2003 In Italien sind seit dem 19. November 2003 fast ein Dutzend Menschen nach dem Trinken vergifteten Mineralwassers erkrankt. Die Opfer litten meist an Übelkeit und Brechreiz, auch Kinder mußten im Krankenhaus behandelt werden. Die Angst ging um, nachdem dann auch Reinigungs- und Bleichmittel in Milchprodukten gefunden wurden, die mit Spritzen in die Plastikflaschen injiziert worden waren. Italienische Ermittler vermuten Umweltaktivisten hinter den Giftanschlägen. *

2004


  Dioxine und PCB im Zucht-Lachs 01

9. Januar 2004 Durch eine in „Science“ publizierte amerikanische Untersuchung wird bekannt, daß in Lachs aus Europas Zuchtfabriken Umweltgifte wie Dioxine und PCB in bedenklich hohen Konzentrationen enthalten sind. Beim Zuchtlachs lag der durchschnittliche Dioxin- Gehalt mit 1,88 ppb (Teile pro Milliarde) elfmal höher als bei Wildlachs (0,17 ppb). Mit chlorierten Kohlenwasserstoffen (PCB) war der Lachs aus Aufzuchtbetrieben ebenfalls deutlich stärker belastet (36,6 ppb im Vergleich zu 4,75 ppb). Auch bei 11 weiteren Umweltgiften gab es solche Unterschiede.
Für die hohen Giftkonzentration machen die Forscher das auf Lachsfarmen verwendete Fischfutter mit verseuchtem Fischöl verantwortlich. Sie empfehlen, auf soja- und rapshaltiges Fischfutter umzusteigen. Untersucht wurden rund 700 verschiedene Lachs- Proben auf 50 verschiedene Gifte. Eine Probe aus einem Frankfurter Supermarkt war so stark belastet, daß davon nicht mehr als eine halbe Portion (55 Gramm) pro Monat gegessen werden sollte, empfehlen die Autoren basierend auf Richtlinien der US- Umweltbehörde EPA. PCBs zählen zu den giftigsten Substanzen überhaupt. Sie können unter anderem Krebs, neuronale Veränderungen und Schädigungen des Immun- Systems bewirken. *


  Überlagerte Fleischwaren umetikettiert verkauft 02

8. Februar 2004 Die Fleisch-Großhandelsfirma Mac Snack Food Import GmbH aus Stahnsdorf (Vorort von Berlin), das sich im Internet als „einer der größten Wurstanbieter und für Berlin der größte private Zerleger von Frischfleisch“ empfiehlt, hat offensichtlich Fleischwaren, dessen Mindesthaltbarkeit längst abgelaufen war, umetikettiert, mit einem neuen, gefälschten Haltbarkeitsdatum versehen und in den Handel gebracht. Die Fleisch- und Wurstwaren wurden u. a. an Altersheime, Fleischereien, Gasstätten, Supermärkte und Krankenhäuser geliefert. Die LKA- Fahnder konnten im Firmenlager noch tiefgekühlte Fleischprodukte mit Verfallsdaten von 2001 und 2002 beschlagnahmen. Ob von den Fleischwaren eine ernste Gefahr ausging, läßt sich noch nicht sagen. Die Untersuchungen laufen noch. Inwieweit auch die MacSnack-Tochter „MacFresh“ betroffen ist, ist derzeit unklar. *
13. Februar 2004 Erst durch einen Insider-Tip wurden die Kontrollbehörden auf die Machenschaften der Firma MacSnack aufmerksam. Inzwischen wird gegen den für die amtlichen Kontrollen zuständigen Tierarzt Dr. Lothar W. wg. Verdachts der Beihilfe zum Verstoß gegen das Lebensmittelgesetz ermittelt. Erste Analysen ergaben, daß das Fleisch von 2 Proben aus Berliner Supermärkten eindeutig verdorben war. *


  Hygiene-Mängel bei Frischgeflügel 03

12. Februar 2004 Erschreckende Hygienemängel bei Frischgeflügel aus der Selbstbedienungstheke hat der Westdeutsche Rundfunk (WDR) bei Stichproben festgestellt. Vorverpackte Hühnerbrüste, -schenkel und -schnitzel seien am aufgedruckten Verbrauchsdatum oft schon verdorben. Zwei Drittel der untersuchten 30 Proben waren am letzten Tag des Verbrauchszeitraums wegen sensorischer und mikrobiologischer Mängel nicht mehr verkehrsfähig gewesen. Die häufigsten Beanstandungen: Auffälliger, strenger Geruch und schleimiges, glitschiges, zum Teil auch verfärbtes Fleisch. Ebenso negativ fielen die Ergebnisse der Laboruntersuchung aus: Neben Darmbakterien und Eitererregern seien massenweise Pseudomonaden nachgewiesen worden. Das sind Keime die für den Fleischverderb verantwortlich sind.


  Coca-Cola verkauft Leitungswasser 04

3. März 2004 Ein richtiger Lebensmittel-Skandal ist es nicht, aber ein Skandal schon. In Großbritannien zockt der Weltkonzern Verbraucher mit dem Verkauf des stillen Mineralwassers „Dasani“ ab. Die Halbliterflasche kostet 95 Pence (rund 1,43 Euro). Coca-Cola mußte jetzt eingestehen, daß der Inhalt Leitungswasser ist, abgefüllt in Sidcup vor den Toren Londons. Der Preis für den halben Liter Leitungswasser beträgt in Sidcup 0,03 Pence (rund 0,045 Eurocent). Das ist ein Aufschlag von über 3000 %! Dazu titelte die Londoner Times: „It's the real thing... Coke's tap water from Sidcup.“ *
19. März 2004 Jetzt wurde bekannt, daß „Dasani“ bei der Abfüllung zudem mit potenziell krebserregenden Stoffen verunreinigt wurde. Dabei handelt es sich um Bromat, einem Nebenprodukt der Trinkwasseraufbereitung mit Ozon. *


  Gefährliche Salmonellen in deutschen Putenfleisch 05

24. Juli 2004 Durch einen Bericht des „Spiegel“ wird bekannt, daß in Dänemark in deutschem Putenfleisch besonders gefährliche Salomonellen festgestellt worden sind. *


  Gefährliche Bakterien in bayerischer Bio-Wurst 06

24. September 2004 Das bayerische Verbraucherschutzministerium hat heute vor dem Verzehr der Bio-Wurst „Salametti luftgetrocknet“ der Firma Chiemgauer Naturfleisch GmbH gewarnt. Bei Kontrollen seien in diesem Produkt EHEC- Bakterien nachgewiesen worden. Die Bakterien könnten zu schweren Darminfektionen führen. Es gehe um Produkte in Packungen mit ca. 160 Gramm und mit Mindesthaltbarkeitsdaten zwischen dem 18.10. und dem 26.10.2004. Das Produkt wurde vor allem über Bio- und Naturkostläden in Bayern, Baden- Württemberg, Berlin, Hessen, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen vertrieben.
Bereits sehr geringe Mengen an EHEC-Bakterien können Krankheitssymptome auslösen. Diese reichen von leichtem wässerigen Durchfall teils mit Übelkeit und Erbrechen über blutigen Durchfall bis hin zu lebensbedrohlichen Komplikationen mit akutem Nierenversagen. Die Inkubationszeit beträgt zwischen 1 und 8 Tagen, in der Regel 1 bis 3 Tage.


  Krebserregende Färbemittel in Gewürzen 07

2. Oktober 2004 Durch einen Vorab-Bericht des „Spiegel“ wird bekannt, daß die Lebensmittel- Kontrolleure auf immer neue, teilweise krebserregende Farbstoffe in ausländischen Gewürzen stoßen. Beanstandete Ware stammt u. a. aus Indien, der Türkei, aus Osteuropa und den ehemaligen Sowjetstaaten. Im Mai 2003 warnte die EU erstmals vor indischen Chili- Erzeugnissen, die Sudanrot enthielten, ein krebserregendes Färbemittel für Schuhcreme und Mineralölprodukte. Dem baden-württembergischen Ernährungsministerium zufolge „reißt die Kette“ an belasteten Proben „in chilihaltigen Produkten seither nicht ab“ – trotz verschärfter EU-Einfuhrkontrollen für die Gewürze.
Das Chemische Untersuchungsinstitut Bergisches Land in Wuppertal entdeckte jetzt zusätzlich Buttergelb in Curry- Gewürz und Nitroanilinrot in Paprikapulver. Auch Buttergelb gehört zur Klasse der so genannten Azofarbstoffe, die als krebserregend gelten. Nitroanilinrot ist eigentlich ein Textilfarbstoff. Sudanrot indes fanden Lebensmittel- Kontrolleure auch in Fertigprodukten wie gefüllten Teigwaren, Würz- und Nudelsoßen sowie in paprikafarbenen, „pikant gewürzten“ Rohwürsten aus Italien und roten Gnocchi-Knödeln. Der Gehalt der illegalen Farbstoffe wird von den Experten als teilweise „sehr hoch“ eingestuft. Ein Paprikapulver enthielt sogar 4 Gramm Sudanrot pro Kilogramm Gewürz. [Öko-Test 1995: Scharf und giftig]

2005


  Aus Wasser Wurst gemacht 12

11. Februar 2005 Mehrere große Lebensmittelhersteller sollen Fleischwaren (Wurst) Wasser und Wasserbinder zugesetzt haben. Und das nicht erst seit kurzem, sondern bereits jahrelang. Durch den Wasserzusatz wird das Gewicht der Fleisch- und Wurstwaren erhöht, um an Material zu sparen. Diese Zugabe von Wasser ist nur schwer nachweisbar, deshalb läßt die Berliner Senatsverwaltung schon seit Dezember Proben testen. Die Ergebnisse stehen noch aus. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) informierte diese Woche die Landesbehörden und Verbände. Mehrere Bundesländer haben verstärkte Kontrollen angekündigt.


  Überlagertes Hackfleisch umetikettiert 01

Anfang März 2005 Es kam, wie es wohl kommen mußte. Die Preisschlachten und das Gewinnstreben der Discounter führten jetzt zu einem Lebensmittelskandal bei abgepacktem Fleisch. Es wurde bekannt, daß in zwei zum Metro- Konzern gehörenden Real- Supermärkten in Niedersachsen Hackfleisch, dessen Halbarkeitsdatum überschritten war, neu verpackt und wieder ins Regal gelegt wurde. Die zuständige Staatsanwaltschaft Oldenburg ermittelt wegen Verstoßes gegen die Hackfleisch- Verordnung und das Lebensmittelgesetz. Gegen Real hat es schon früher Verfahren wegen Fleisch- Umetikettierens gegeben: 1996 in Pirmasens (Rheinland- Pfalz), 2000 in Bobenheim- Roxheim (Rheinland- Pfalz) und 2003 in Paderborn (Nordrhein- Westfalen). (dpa – 19.3.2005)
3. November 2005 Die Staatsanwaltschaft hat inzwischen 4 Strafbefehle beim Amtsgericht Hannover beantragt. Ein ehemaliger Real-Bezirksleiter soll demnach eine Haftstrafe von 9 Monaten auf Bewährung erhalten, 2 Fleischermeister und 1 Geselle Geldstrafen von 1000 bis 5000 Euro. (AP – 3.11.2005)


  Pestizide in Früherdbeeren 03

März 2005 In Früherdbeeren aus Spanien und Marokko wurden erneut Rückstände von giftigen Pflanzenschutzmitteln (Pestiziden) festgestellt. Gesundheitlich besonders bedenklich seien die Mehrfachbelastungen mit bis zu 5 Pestiziden in 70 % der insgesamt 27 untersuchten Proben aus 7 deutschen Supermarktketten, teilte Greenpeace mit. [BVL-Bericht]


  Gen-manipulierter Saat-Mais illegal aus den USA importiert 02

Anfang April 2005 Es wird bekannt, daß die Schweizer Gentechnik-Firma Syngenta von 2001 bis 2004 den in den USA für den Anbau nicht zugelassenen Gen-Mais vom Typ Bt10 „versehentlich“ vertrieben hatte. Auch nach Europa sollen um die 1000 Tonnen u. a. nach Frankreich, Spanien und Deutschland gelangt sein. Bt10-Mais enthält ein Gen, das gegen ein gängiges Antibiotikum (Ampicillin) resistent ist, das auch in der Humanmedizin häufig eingesetzt wird. Die Mais- Sorte ist in der EU verboten. Syngenta erklärte, dieses „Marker- Gen“ sei inaktiv und stelle keine Gefahr für die menschliche Gesundheit dar. [mehr]
15. April 2005 Die EU verhängt daraufhin einen Importstop für gentechnisch veränderten Mais. *


  Methylalkohol im Anis-Schnaps 04

Mai 2005 In der Türkei ist es zu einer Massenvergiftung durch mit Methanol (Methylalkohol) versetztem Anis- Schnaps (Raki) gekommen. Es vergiften sich über xxx Menschen und mehr als 20 Menschen sterben. Die tödliche Dosis Methanol beträgt beim Menschen 0,5–1 g/kg Körpergewicht.


  Reichlich Acrylamid in Kartoffel-Chips 05

4. Juni 2005 Messungen der Verbraucherorganisation Foodwatch haben ergeben, daß sich die Acrylamid- Werte bei 6 der 10 untersuchten gängigen Kartoffel-Chips gesteigert haben. Bei einer Sorte von Funny-frisch („Chipsfrisch ungarisch") verdreifachte sich sogar die Konzentration und lag damit. über dem sogenannten Signalwert der Bundesregierung. Daß es auch anders geht, zeigt der Testsieger: Er wies nur ein Sechstel der Belastung auf und wird von dem Discounter Lidl vertrieben. Das Krebsrisiko durch Acrylamid, so der Sachverständigenrat der Bundesregierung für Umweltfragen in seinem jüngsten Bericht, sei als „nicht mehr tolerabel einzustufen“.


  Überlagertes Fleisch und Wurst umetikettiert 06

18. Juli 2005 Das Fernsehmagazin Report Mainz (ARD) berichtet in einem Beitrag „Ekelfleisch im Supermarkt“, daß es bei einigen Fleischverarbeitungsbetrieben üblich war (ist?), bereits verdorbene und abgelaufene Ware abzuwaschen, schon Grün angelaufene Stellen abzuschneiden, neu in Folie zu verpacken und mit einem neuen Mindesthaltbarkeitsdatum zu versehen. So sollen u. a. solche unzulässigen Praktiken bei dem niedersächsischen Unternehmen Stöver Produktion GmbH & Co. KG (Aldrup) von Zeugen beobachtet worden sein. Die Staatsanwaltschaft Oldenburg ermittelt gegen den Betrieb sowie etwaige Subunternehmer. Welche Handelsketten die Firma Stöver mit abgepackten Fleischwaren belieferte, wurde in der TV-Sendung nicht mitgeteilt. [Verdorben und verschimmelt]
19. Juli 2005 In einem von der Firma Stöver bestellten Fax stellt das zuständige Veterinäramt fest: „Nach der Wahrnehmung des Veterinäramtes des Landkreises Oldenburg haben sich keine Hinweise ergeben, die die gegen die Fa. Stöver erhobenen Vorwürfe bestätigen können.“ [mehr]


  Tomaten mit Pestiziden belastet 10

16. August 2005 Die Stiftung Warentest hat von im Mai 2005 in 25 Läden eingekauften Tomaten unterschiedlicher Herkunft den Gehalt an Pestiziden untersucht. Nur 9 der 25 Proben waren nicht mit Pestiziden belastet. Bei 8 Proben wurden gleich 3–8 verschiedene Pestizide nachgewiesen – vor allem Fungizide (Pilzmittel). Die 3 Proben untersuchter BIO-Tomaten waren pestizidfrei. Die höchsten Petsizid-Belastungen wiesen bei der Rewe-Tochter Minimal und bei Kaiser's/Tengelmann eingekaufte spanische Tomaten auf. (test – 8/2005, Seite 18–19)


  Gen-Soja in Babynahrung 07

30. August 2005 Erstmals ist in Deutschland falsch etikettierte Babynahrung mit genveränderten Inhaltsstoffen im Handel aufgetaucht. Dabei handelt es sich um „Bananen- Milchbrei“ eines großen Herstellers aus Nordrhein- Westfalen (Name nicht mitgeteilt!). Die amtliche Lebensmittelüberwachung in Thüringen hatte in 2 Proben dieses weit verbreiteten Babybreis eine zu hohe Menge an genverändertem Soja festgestellt. Der Brei war nicht wie vorgeschrieben gekennzeichnet. Der Babybrei hatte einen Gehalt von über 0,9 % Gen-Soja im Sojaanteil, der in der EU zugelassen ist. Nach den im vergangenen Jahr in Kraft getretenen EU-Kennzeichnungsvorschriften hätte das Produkt aber mit dem ausdrücklichen Hinweis „enthält gentechnisch verändertes Soja“ etikettiert werden müssen. (Berliner Zeitung – 2.9.2005)


  Krebserregende Färbemittel in Gewürzen 08

9. September 2005 Die Senatsgesundheitsverwaltung von Berlin warnt vor dem Genuß des Gewürzes „Chilies gebrochen – Ekstra aci pul biber“ der Firma Europa Gewürze (Havi Doganay), da es den krebserregenden Farbstoff „Sudan I“ enthält. Betroffen sind alle Lieferungen in vermutlich Ein-Kilo-Beuteln seit November 2004. (dpa – 9.9.2005) [Öko-Test 1995: Scharf und giftig]


  Olivenöle der Spitzenklasse enthalten Schadstoffe 09

22. September 2005 Die Stiftung Warentest hat jetzt festgestellt, daß von 26 untersuchten Olivenölen der Spitzenklasse „native extra“ alle aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) oder Weichmacher (Phthalate wie DEHP) enthielten, die nicht enthalten sein dürfen. Bei 7 Produkten wurde sogar eine verbotene Wärmebehandlung festgestellt. 9 Olivenöle wurden mit der Note „mangelhaft“ bewertet.
Mangelhaft sind: Bio-Olivenöl nativ extra (Edeka)*, Naturkind Natives Olivenöl extra (Kaiser's/Tengelmann)*, Kattus Italienisches Olivenöl nativ extra kaltgepreßt, Naturata Olivenöl aus Kreta nativ extra*, Fedele Basso Natives Olivenöl extra aus der Türkei, Gut & Gerne Olivenöl aus Kalamata Griechenland nativ extra*, Ener Italienisches Olivenöl nativ extra kaltgepreßt (Rossmann)*, Vom Fass Natives Olivenöl extra mit Basilikum- Extrakt, Ursini Natives Olivenöl extra mit frischem Basilikum, wobei die mit einem * markierten Öle als BIO-Produkte verkauft werden. Offensichtlich haben erneut die BIO-Prüfstellen versagt. Gute Olivenöle sind nur: Vom Fass Olio Santini Extravergine Di Oliva Toscano, Gaea Natives Olivenöl extra aus Kreta kaltextrahiert, Bancetto Natives Olivenöl extra aus Kreta kaltextrahiert (Edeka), Füllhorn Natives Olivenöl extra (Rewe)*, Luccese italienisches natives Olivenöl extra (Lidl). (test – 10/2005, Seite 18–23)


  Schlachtabfälle als Fleisch verkauft 11

12. Oktober 2005 Ein Geschäftsmann aus Mittelschwaben (Bayern) soll seit Jahren aus der Schweiz tonnenweise Schlachtabfälle importiert und diese mit neuen Etiketten als Nahrungsmittel gewinnbringend in den Handel gebracht haben. Bei einer Durchsuchungsaktion bei Betrieben in Deggendorf und Illertissen sei entsprechendes Material sichergestellt worden, teilte heute die Staatsanwaltschaft in Memmingen mit. (dpa – 12.10.2005)
13. Oktober 2005 Dieser bayerische Ekelfleisch-Skandal weitet sich aus. Bei einer Razzia in Bayern fanden die Ermittler heute in einem dritten Betrieb genußuntaugliche Schlachtabfälle in einem Kühlhaus für Lebensmittel. Der Abfall wurde in ganz Europa verkauft. Die Firma in Simbach am Inn sowie die beiden Betriebe in Deggendorf und Illertissen wurden sofort amtlich geschlossen. [MOPO-Bericht] [SPIEGEL-Bericht]
14. Oktober 2005 Bei dem niederbayerischen Betrieb in Deggendorf handelt es sich um die Firma Frost GmbH. Inzwischen gilt als sicher, daß bis zu 2.600 Tonnen umdeklarierter Schlachtabfällen (K3-Material) an Lebensmittel- Produzenten in Bayern, Thüringen, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Italien, Ungarn und Frankreich geliefert worden sind. Die bayerische Landesregierung hat deshalb heute eine umfangreiche Rückholaktion gestartet, da alle Empfänger bekannt sein sollen. *
Bei Schlachtabfällen der Kategorie 3 (K3) handelt es sich nach einer EU-Verordnung von 2002 um Abfälle wie Schlachtkörperteile, Geflügelreste, Schweineschwarten und Knochen, die nicht für den menschlichen Verzehr bestimmt sind. Darunter können sich auch verfaulte Abfälle befinden (weshalb es in Deggendorf so furchtbar stank). Sie dürfen nur zu Hunde- oder Katzenfutter, Knochenmehl-Dünger oder zu Biogas weiterverarbeitet werden. Schlachtabfälle der Kategorie K1 und K2 sind Körperteile BSE-verdächtiger Tiere wie Rückenmark, Augen und Gehirn (K1) oder Magen- und Darminhalte von Schlachttieren (K2). Diese müssen verbrannt werden.


17. Oktober 2005 Die Rückholaktion sei gescheitert, da bei den Empfängern keine Reste mehr des Ekelfleisches vorzufinden waren, teilt das bayerische Verbraucherministerium mit. Das heißt also, daß das Ekelfleisch offensichtlich über Supermärkte verkauft (und längst gegessen) wurde. Namen der Supermärkte teilte die Behörde nicht mit. Auch wurde nicht mitgeteilt, warum das Ekelfleisch der Wareneingangskontrolle des Handels nicht aufgefallen war. [mehr] *
26. September 2006 Vor dem Landgericht Memmingen beginnt der Strafprozess gegen den ehemaligen Geschäftsführer der Frost GmbH (Deggendorf).


  Verdorbenes Geflügelfleisch verkauft 13

3. November 2005 Ein weiterer Fleischskandal zeichnet sich in Niedersachsen ab. Eine Firma im münsterländischen Lastrup soll tonnenweise verdorbenes Hühnerfleisch in den Handel gebracht haben. Die Oldenburger Staatsanwaltschaft ermittelt. Der Betrieb wurde geschlossen. (InfoRadio Berlin – 3.11.2005) [mehr]
4. November 2005 Bei dem Lieferanten des ungenießbaren Geflügelfleisches handelt es sich um den niedersächsischen Zerlege- Betrieb Frischgeflügel Bünnemeyer GmbH, Vlämische Straße 1a, 49688 Lastrup – ein Zweigwerk (ohne Zulassung) der Firma Bünnemeyer in 49699 Lindern (EZG 305). Das völlig verdorbene Fleisch wurde in ganz Deutschland verkauft – vorwiegend über Zwischenhändler an Imbiß- und Döner-Buden. Der Skandal wurde nicht etwa durch die Behörden publik, sondern diese reagierten erst auf einen Bericht der Nordwest- Zeitung (Oldenburg). Heute wurden im gesamten Bundesgebiet Betriebe durchsucht und Fleisch, das „zum Himmel stank“, beschlagnahmt. (InfoRadio Berlin – 4.11.2005 + Internet-Recherche) [mehr]
15. November 2005 Der Fleischskandal-Betrieb wird von den Behörden komplett geschlossen. (dpa – 15.11.2005)
12. September 2006 Der Geflügelfleischhändler Alfons Bünnemeyer wurde dennoch und trotz Berufsverbots wieder in Sachen Gammel- Fleisch aktiv. Er wurde heute verhaftet. [mehr]
Ende Mai 2007 Im Prozeß vor dem Oldenburger Landgericht beantragt die Staatsanwaltschaft für den Geflügelfleischhändler ein Haftstrafe von 4 Jahren und 9 Monaten. [mehr]
7. Juni 2007 Das Oldenburger Landgericht verurteilte den Geflügelfleischhändler zu einer Haftstrafe von 4 Jahren und 3 Monaten sowie zu 5 Jahren Berufsverbot. Er will Revision einlegen. (InfoRadio Berlin – 7.6.2007)


  Überlagertes Roastbeef und Puten-Hackfleisch umetikettiert 14

18. November 2005 Lebensmittel-Kontrolleure haben im Kühlhaus der Firma Frigoropa (NW-EK 550) in Gelsenkirchen in Nordrhein- Westfalen (NRW) 60 Tonnen verdorbenes Fleisch mit abgelaufenem Haltbarkeitsdatum beschlagnahmt. Das Roastbeef und Putenhackfleisch sei „nicht für den menschlichen Verzehr“ geeignet, berichten die Westfälischen Nachrichten (Münster). [mehr]
22. November 2005 Der Fleisch-Skandal hat sich stark ausgeweitet. Inzwischen wurde in Niedersachsen auch verdorbenes Schweine- und Pferdefleisch beschlagnahmt. In NRW haben die Kontroll- Behörden damit begonnen, alle Kühl- und Lagerhäuser zu durchkämmen. [mehr]
25. November 2005 Der Fleisch-Skandal hat nunmehr europäische Dimensionen erreicht. Bundesweit wurde in etwa 50 Kühlhäusern verdorbenes Fleisch, das aus verschiedenen Ländern stammt, beschlagnahmt. Es sollen nun alle deutschen Fleisch-Lager überprüft werden. [mehr] [Reaktion der neuen Bundesregierung]


  NESTLÉ-Babymilch mit Chemikalie verunreinigt 15

22. November 2005 In vom Nestlé- Konzern in Spanien produzierter flüssiger Babymilch der Marken "Mio" und "Nidina" wurden Spuren von Isopropyl-Thio-Xanthone (ITX) festgestellt. Dieser Stoff stammt aus der Beschriftung der von Tetra-Pak in den Niederlanden hergestellten Milchverpackungen. Es ist unklar, ob dieser Stoff giftig ist. Da die Substanz aber Gesundheitsrisiken birgt, ist die damit verunreinigte Babymilch ungenießbar. Nestlé hat inzwischen in Frankreich, Italien, Portugal und Spanien eine Rückrufaktion der ITX-kontaminierten Babymilch gestartet. In Italien sollen bereits von den Behörden 30 Mio. Liter der Nestlé- Milch beschlagnahmt worden sein. Die in Deutschland und der Schweiz von Nestlé vertriebene Babymilch soll von den Verunreinigungen nicht betroffen sein. (InfoRadio Berlin – 22.11.2005 + Internet-Recherche) [mehr]
23. November 2005 Der Nestlé-Skandal ist eigentlich ein Skandal von Tetra-Pak. Es ist bislang nicht auszuschließen, daß auch andere Produkte wie Säfte ganz anderer Herssteller, die Tetra-Pak- verpackt sind, vom ITX- Problem betroffen sein könnten. Bereits Ende 1988 waren Tetra-Paks dadurch aufgefallen, daß sie damals Dioxine enthielten. [Kommentar]


  Fleisch verdorben, verschimmelt und falsch etikettiert 18

24. November 2005 In Troisdorf bei Bonn schließen die Behörden einen Fleischhandel. In dem Betrieb fanden Lebensmittel- Kontrolleure Rindfleisch, Schweinefleisch, Geflügelfleisch und Wurstwaren. Die Fleischwaren seien größtenteils falsch etikettiert, verdorben sowie verschimmelt gewesen und haben die Mindesthaltbarkeitsdaten überschritten gehabt. Ein Zusammenhang mit den anderen Fleisch- Skandalen bestehe nicht, heißt es. Der Besitzer des Betriebs wurde festgenommen. [mehr]


  MILUPA-Kinderkakao mit Chemikalie verunreinigt 16

26. November 2005 Deutschland ist nun doch von der ITX- Problematik bei Tetra-Paks betroffen. Auch in von Milupa vertriebene Kakao-Milch für kleine Kinder der Marke „Milupino“ wurde die Substanz Isopropyl-Thio-Xanthone (ITX) nachgewiesen. Eine Rückrufaktion habe es bislang nicht gegeben, heißt es. Sollte sich der Fall bestätigen, hat nach der Nestlé- auch die Milupa- Qualitätssicherung versagt, da die kontaminierte Milch in den Handel gelangte. (InfoRadio Berlin – 26.11.2005–21.22) [mehr]
27. November 2005 Durch einen Bericht der Berliner B.Z. am Sonntag wird bekannt, daß der Milupa- Kinderkakao bereits im August 2005 mit dem Druckfarben- Stabilisator ITX verseucht war und 8 Wochen lang verkauft wurde. Ende September hat Milupa davon erfahren und die Verpackung umgestellt. Eine Rückrufaktion wurde nicht eingeleitet, so daß noch verseuchter Kinderkakao im Handel sein kann. Die alten Tetra-Paks sind nicht von den neuen zu unterscheiden. Milupa stuft die ITX-Belastung ihrer Kakao-Milch als „ungefährlich“ ein. Das Bundesverbraucherministerium hat das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) damit beauftragt, die Gefährlichkeit von ITX in Kindermilch zu klären. Milupa war bereits 1994 durch eine Pestizid-Belastung von Babynahrung aufgefallen. [siehe auch den Nestlé-Fall] [Babymilch-Rückruf 2007]


  Obst und Gemüse extrem mit Pestiziden belastet 17

28. November 2005 Greenpeace hat in einer Studie Obst und Gemüse aus Supermärkten untersuchen lassen. Dabei wurde festgestellt, daß vor allem Obst und Gemüse aus Süd-Europa teilweise extrem mit Rückständen von Pestiziden belastet ist. Empfehlenswert sei kein Kauf gewesen, heißt es. Bei den Analysen wurden sogar verbotene Substanzen gefunden. Greenpeace hat inzwischen Strafanzeige gestellt. Besonders negativ aufgefallen sind Lidl und Real. Uneingeschränkt empfehlenswert waren nur BIO-Obst und BIO-Gemüse. (InfoRadio Berlin – 28.11.2005–16.28) [mehr]


  REWE verkaufte Gammelfleisch im Supermarkt 19

2. Dezember 2005 Trotz der Riesen-Diskussion um die Fleischskandale entdeckte jetzt eine Kundin in einem Kölner Minimal-Markt des REWE-Konzerns umetikettiertes Fleisch. Das alte Etikett mit abgelaufenem Datum sei mit einem neuen Haltbarkeitsdatum überklebt worden, berichtet der WDR. Daraufhin fand die Kölner Lebensmittel- Überwachung auch manipulierte Wurstverpackungen. In einigen Fällen war die Ware eindeutig verdorben gewesen. Es ist nicht das erste Mal, daß REWE durch unseriöse Manipulationen auffällt. *


  Bayerns Behörden verteilten Gammelfleisch 20

8. Dezember 2005 In Bayern haben Flüchtlinge in staatlichen Unterkünften Tiefkühlpackungen mit Hähnchenbrust erhalten, deren Haltbarkeitsdatum seit Oktober 2005 überschritten war. Mehrere Asylbewerber klagten nach dem Verzehr über Übelkeit. *


  Überlagertes Fleisch, Wurst und Käse umetikettiert 22

9. Dezember 2005 In einem Supermarkt in Hamburg-Dulsberg wurden 76 kg Wurst, Fleisch und Käse mit gefälschten Haltbarkeitsdaten beschlagnahmt. Ein großer Teil der abgepackten Produkte war bereits Anfang Oktober 2005 abgelaufen. Namen wurden nicht mitgeteilt. (d-radio – 9.12.2005) *


  Geflügel und Lachs bakteriell belastet 21

12. Dezember 2005 Im Saarland wurden bei Sonderkontrollen mit Bakterien belastetes Geflügel sowie Räucherlachs festgestellt. Stark belastete Ware wurde aus dem Verkehr gezogen und vernichtet. Namen der betroffenen Produkte sowie Einzelhandelsgeschäfte wurden von den Behörden nicht genannt. (InfoRadio Berlin – 12.12.2005) *


  Plastik-Verpackungen gefährden wg. BPA die Gesundheit 23

13. Dezember 2005 Durch eine brisante Studie amerikanischer Forscher wurden jetzt die Behörden alarmiert. Danach könnte der in Lebensmittel- Verpackungen aus Plastik enthaltene Weichmacher Bisphenol A (BPA) schon in extrem geringen Mengen die Gehirn- Entwicklung bei Kindern und Ungeborenen stören. BPA ist in allen Plastikbechern, Geschirr, Bestecken und Einwegflaschen aus Kunststoff sowie in der Innenbeschichtung von Konserven- Dosen enthalten. Seit den 50er- Jahren setzt die Industrie BPA bei der Herstellung von Plastik- Verpackungen aller Art ein. [mehr]


  Gen-manipulierte Saat-Maissorten in Deutschland zugelassen 24

14. Dezember 2005 Das Bundessortenamt (Hannover), das dem Agrarminister Horst Seehofer (CSU) unterstellt ist, hat heute 3 Sorten Gen-Mais zugelassen. Damit ließ erstmals diese Behörde – auf Druck der Industrie-Lobby – gentechnisch veränderte Pflanzen zum Anbau in der deutschen Landwirtschaft zu, obwohl die damit verbundenen Risiken nach wie vor wissenschaftlich ungeklärt sind. Seehofers Vorgängerin, Renate Künast (Grüne), hatte dem Gen-Mais der Firmen Monsanto und Pioneer die Zulassung verweigert. *  [mehr]


  Speiseöle enthalten Weichmacher 25

15. Dezember 2005 Bei der Untersuchung von 50 Speiseölen verschiedener Sorten hat die Stiftung Warentest festgestellt, daß davon 18 Öle – darunter BIO-Produkte – mit für die Gesundheit kritischen Weichmachern wie Diethylhexylphthalat (DEHP), Butylbenzylphthalat (BBP) oder Tri-iso-Butylphosphat belastet waren. Die Quelle der Belastung sei unklar, heißt es [Ed: meistens werden diese aus Kunststoffen herausgelöst]. Grundsätzlich sind solche Weichmacher in Nahrungsmitteln unerwünscht. Das ist auch technisch möglich, wie die Warentest-Liste der „Ölsorten ohne Weichmacher“ zeigt. (test – 1/2006, Seite 23–24) [Liste 1 der Ölsorten]


  Französischer Weichkäse mit EHEC-Bakterien belastet 26

18. Dezember 2005 Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) warnt eindringlich vor dem Verzehr von Weichkäse aus der französischen Molkerei „Laiterie du Val d Ay“. In aus Rohmilch hergestelltem französischem Camembert und Coulommiers- Weichkäse sind gefährliche EHEC- Kolibakterien festgestellt worden, von denen ein hohes gesundheitliches Risiko ausgehe. Betroffen sind Käse der Marken „Reo“, „Reaux“, „Laiterie du Val d Ay“, „Le Gaslonde“ sowie auch Butter der Marke „Beurre cru“ bzw. „Le Gaslonde“. Die Produkte der „Laiterie du Val d Ay“ sind auch in Deutschland vertrieben worden. Der Hersteller hat inzwischen alle Produkte mit der auf der Verpackung angegebenen ovalen Veterinärkontrollnummer 50.267.01 zurückgerufen. In Frankreich sind bereits 4 Menschen nach dem Verzehr des betroffenen Käses erkrankt. (AP – 18.12.2005)


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Anmerkungen und wichtige Quellen:   (10. Ed. — 3.1.2011)


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