Lebensmittel-Skandale in Europa – Teil 3:   2006 – 2007 khd
Stand:  18.2.2013   (102. Ed.)  –  File: Food/LM_Skandale_3.html



  Zu den
aktuellen Skandalen
 
   
1.8.2007 (khd). Im Rahmen seiner Berichterstattung über BSE und dessen Folgen erinnerte am 4. Dezember 2000 der SPIEGEL im Heft 49/2000 an einige herausragende Lebensmittel- Skandale in Europa. Da wurde es Zeit, ins eigene Archiv zu greifen, um diese Skandal- Chronik in wesentlichen Punkten zu ergänzen und auch bei Bedarf fortzuschreiben, zumal diese Profi-Journalisten bei der Fortschreibung solcher Aufstellungen fast nie am Ball bleiben.

   
  Und so informiert die
US-Behörde FDA über
Lebensmittel-Panscher:
Recent Warning Letters.

[ Ein Beispiel ]
 
Bei der Lektüre wird deutlich, daß die Kontrolle der Lebensmittel- Sicherheit miserabel ist — aber nicht nur in Deutschland. Dabei hatte doch bereits das Umweltmagazin Natur im September 1989 der deutschen Politik unmißverständlich ins Stammbuch geschrieben, wo genau dringender Handlungsbedarf bei der Entwicklung zu einer verbraucherorientierten Lebensmittel- Überwachung besteht.

Links mit dem Symbol * zeigen auf Infos im Internet, die die Aussage belegen. Leider waren nicht in allen Fällen solche Informationen im Netz auffindbar. xxx = Text folgt demnächst. MHD = Mindesthaltbarkeitsdatum.

I n d e x :       [ Übersicht nach Lebensmitteln ]
| 1970 | 1971 | 1972 | 1973 | 1974 | 1975 | 1976 | 1977 | 1978 | 1979 |
| 1980 | 1981 | 1982 | 1983 | 1984 | 1985 | 1986 | 1987 | 1988 | 1989 |
| 1990 | 1991 | 1992 | 1993 | 1994 | 1995 | 1996 | 1997 | 1998 | 1999 |
| 2000 | 2001 | 2002 | 2003 | 2004 | 2005 | 2006 | 2007 | 2008 | 2009 |
| 2010 | 2011 | 2012 | 2013 |
Zur Leitseite khd-Page



Europas wichtigste Lebensmittel-Skandale
 
Wie uns kriminelle Geschäftemacher mit Pfusch ohne Grenzen hinters Licht führten
und die amtlichen Kontrolleure (meist) sehr alt aussahen.

Recherchiert im Internet und zusammengestellt
von
Karl-Heinz Dittberner – Berlin

2006


  Rotwein aus dem Reagenzglas (Wine Making Kits) 01

19. Dezember 2005 Noch ist es kein Skandal, aber 2006 könnte es sehr schnell einer werden. Denn die U.S.A. wollen ab 1. Januar 2006 gepanschten Wein u. a. in der Form von ‚Wine Making Kits‘ ganz legal nach Europa liefern. Es ist ein Trockenpulver, das mit Wasser aufgegossen wird. Nach einer Wartezeit von 3 Wochen wird daraus selbstgemachter „Barolo, Rioja oder Gewürztraminer, ein Wein für jede besondere Gelegenheit“, heißt es in der US-Werbung. [mehr]
20. Dezember 2005 Die EU-Kommission hat heute diesem Ansinnen der U.S.A. (Weinabkommen) im Rahmen von Handelserleichterungen zugestimmt. Welcher europäische Weinliebhaber wird nun noch Wein aus den Vereinigten Staaten von Amerika kaufen, wo dieser doch mit Wasser gestreckt, mit Zuckerwasser aufgepeppt oder die Faßlagerung mit Buchenholzspan-Aroma nur vorgetäuscht sein kann? [mehr]


  Viele Gifte beim Lebensmittel-Monitoring gefunden (BVL-Studie) 02

11. Januar 2006 Viele Obst- und Gemüsesorten sowie Fischarten enthalten Giftstoffe. Das ergab die heute veröffentlichte umfassende Produkt- Studie „Lebensmittel-Monitoring 2004“ des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL). Es wurden rund 5000 bundesweite Proben untersucht. Auf der Giftliste der amtlichen Tester standen Pflanzenschutzmittelrückstände, Schwermetalle, Nitrat, Stoffwechselprodukte von Schimmelpilzen (Mykotoxine) und andere organische Kontaminante wie Dioxine, PCB, BTEX, usw. [mehr]


  Ungenießbares Wildfleisch in Bayern entdeckt 03

24. Januar 2006 Erneut haben Behörden Gammelfleisch entdeckt. Bei der Firma Berger Wild GmbH in Passau sowie in Ruderting und Ortenburg (Landkreis Passau) wurden „Ekel erregende hygienische Zustände“ vorgefunden, teilte das bayerische Verbraucherschutzministerium mit. Heute wurde eine Rückrufaktion gestartet. Eine genaue Liste der Tiefkühlware wie Hirschrücken oder Hasenkeulen ist auf der Homepage des Ministeriums veröffentlicht. [mehr]


27. Januar 2006 Europas größter Wildfleisch- Händler soll mindestens 12 Tonnen beanstandete Ware an 140 Betriebe in Deutschland, Österreich, Italien und Frankreich geliefert haben. Der Betrieb wurde inzwischen von amtswegen geschlossen. Es wird auch bekannt, daß bayerische Behörden wieder einmal nicht rechtzeitig reagierten. Sie sollen bereits seit 1 1/2 Jahren über Manipulationen bei der Firma Berger Wild GmbH informiert gewesen sein, handelten aber nicht. (InfoRadio – 27.01.2006) [mehr] [Rückrufliste]


  Erneut Dioxine im Tierfutter entdeckt 04

28. Januar 2006 In den Niederlanden wurden in Schweinefett aus Belgien hochgiftige und krebserregende Dioxine festgestellt. Ob Dioxin bereits – wie schon beim Dioxin-Skandal vor 7 Jahren – in die menschliche Nahrungskette gelangte, ist derzeit unklar. Vorsorglich wurden Bauernhöfe in Belgien, in den Niederlanden und in Deutschland gesperrt. In Deutschland ist zudem die Verwendung von Schweinefett in Mischfutter für Nutztiere verboten. (InfoRadio – 28.1.2006)
30. Januar 2006 In Deutschland sollen 7 Betriebe – das hierzulande sowieso verbotene – Mischfutter für die Schweinemast aus Holland bezogen haben. Die Betriebe in Brandenburg, Mecklenburg- Vorpommern, Nordrhein- Westfalen, Sachsen-Anhalt und Thüringen wurden von den Behörden gesperrt. In Belgien sind bereits 96 Schweine- und Hühnerfarmen geschlossen worden. (InfoRadio – 30.1.2006) [mehr]


  Uralt-Rindfleisch in Bulgarien entdeckt 05

30. Januar 2006 An der griechisch-bulgarischen Grenze bei Kulata hat der Zoll 75 Tonnen 22 Jahre altes Rindfleisch aus Irland beschlagnahmt. Das Fleisch von 1984 war bläulich verfärbt. Unklar ist, wo das Fleisch so lange lagerte. (dpa – 30.1.2006)


  Säfte in TETRA-Paks mit ITX-Druckchemikalie verunreinigt 06

Ende Januar 2006 Es kam wie es nach dem Bekanntwerden des Problems mit der Nestlé- Babymilch und dem Milupa- Kinderkakao kommen mußte. In diversen Obst- und Gemüse-Säften, die in Kartons (Tetra-Pak) abgefüllt sind, wurden ebenfalls Spuren der Druckchemikalie ITX gefunden. Die Deutsche Umwelthilfe (Berlin) hatte die Analysen veranlaßt. Einige Discounter haben inzwischen die Säfte aus den Regalen genommen. (ARD-Teletext Seite 528 – 1.2.2006)
31. Januar 2006 Betroffen sind u. a. der naturtrübe ALDI-Apfelsaft „Apfelblüte“ in einer Kartonverpackung der Firma EloPak sowie der LIDL-Gemüsesaft „Vitafit“ im TetraPak. Nach einer Analyse der Gesellschaft für Lebensmittel-Forschung hätten die ITX-Werte im Gemüsesaft bei 72 µg/je kg Saft gelegen, im Apfelsaft bei 60 µg. ITX fand sich auch in kartonverpackten Tomaten-, Pflaumen-, Orangen-, Pfirsich oder Mehrfrucht- Säften. Im Tomatensaft wurden sogar 211 µg/kg ITX festgestellt. [BfR-Bewertung von ITX] [Kommentar vom 23.11.2005 zum ITX-Problem]


  Mit Glycerin gepanschter spanischer Wein entdeckt 07

1. Februar 2006 Kölner Lebensmittelkontrolleure entdeckten in einem REWE-Supermarkt bei einer Routinekontrolle mit Glycerin verpanschten spanischen Wein mit der Bezeichnung „Gran Reserva“, was er außerdem nicht war. Es wurde Anzeige wegen Verstoßes gegen die Weinordnung erstattet. (ddp – 1.2.2006)


  Glassplitter im BAUER-Joghurt 08

3. Februar 2006 Nach Mitteilung des Molkerei- Produzenten Bauer (Wasserburg/Inn), enthielt Bauer- Joghurt „möglicherweise kleinste Glassplitter, die im Einzelfall beim Verzehr zu Verletzungen führen könnten“. Die Ursache für die „Verschmutzung“, heißt es, würde noch gesucht. Betroffen können u. a. sein: Bauer- Fruchtjoghurt (MHD 15. +17.2.2006), Fit & Aktiv Fruchtjoghurt (MHD 18.+20.2.2006) sowie K-Classic- und Desira- Joghurt (MHD 12.2.2006) und möglicherweise Joghurts unter dem Namen „Frischgold“ (MHD 23.2.2006). Die Glassplitter können 2–3 mm lang sein. Alle Produkte wurden inzwischen von Bauer zurückgerufen. (dpa – 3.2.2006)


  Phthalate in manchen Medikamenten 09

8. März 2006 Auch wenn das kein Lebensmittel-Skandal ist, so soll hier wenigstens ein Hinweis auf dieses Ärgernis aufgenommen werden. Es ist bekannt, daß die Phthalate (Weichmacher) nicht förderlich für die Gesundheit sind. Deshalb wurde inzwischen deren Verwendung u. a. in Deckeln von Schraubgläsern verboten. Nicht verboten ist bislang die Verwendung in Medikamenten. Darauf wies unlängst die ARD-Sendung "PlusMinus" und jetzt "Die Zeit" in einem Artikel hin: [Zweifelhafte Kapseln]


  Benzol in Fruchtsaftgetränken 10

14. März 2006 Es wird bekannt, daß in 33 Proben von 64 Fruchtsaftgetränken Spuren von krebserregenden Benzol entdeckt wurden. Benzol habe in Lebensmitteln nichts zu suchen. Es gebe "keine tolerable Menge", sagte dazu der Leiter der Abteilung Lebensmittelsicherheit im Bundesverbraucherministerium, Bernhard Kühnle. Es ist noch unklar, wie es zu dieser Verunreinigung kommt. Vermutlich entsteht das Gift erst, wenn der Konservierungsstoff Benzoesäure mit Vitamin C reagiert. Benzoesäure verwenden die Saft- Hersteller, um ihre Produkte länger haltbar zu machen. Das Vitamin C ist in den Früchten enthalten. (info-radio – 14.3.2006)


  Nikotin in Hühnereiern gefunden 12

4. April 2006 Die Nachrichtenagentur dpa meldet, daß in Hühnereiern Spuren von Nikotin festgestellt worden sind. (dpa – 4.4.2006)
7. April 2006 Das Bundesinstitut für Riskiobewertung (BfR) legt dazu eine Bewertung vor. Danach dürfen Eier „grundsätzlich kein Nikotin enthalten“. Dennoch seien Werte von 3–300 µg Nikotin pro Kilogramm Vollei „keine Gesundheitsgefahr“ – bei vorübergehendem Verzehr.


  Mineralwässer mit Uran belastet 11

24. April 2006 Durch einen Bericht des SPIEGEL (Heft 17/2006, Seite 104) wird bekannt, daß das Gesundheitsministerium des Landes Sachsen- Anhalt Daten über die festgestellte Kontamination von natürlichen Mineralwässern mit Uran verheimlicht. Bereits im Mai 2005 hatte das Bundesinstitut für Riskiobewertung (BfR) aufgrund einer Untersuchung von 1530 Proben festgestellt, daß davon 34 einen Urangehalt aufwiesen, der über dem WHO-Trinkwasser- Richtwert von 15 µg Uran pro Liter liegt. In einer neuen Bewertung vom Januar 2006 empfehlen BfR und BfS, für die Zubereitung von Babynahrung nur (abgekochtes Leitungs-) Wasser zu verwenden. Sollte dazu Mineralwasser verwendet werden, so muß dieses uranfrei sein (<2 µg Uran/Liter).


  Keime in (Soda-)Wasser-Spendern 13

13. Mai 2006 Das Institut für Umweltmedizin und Krankenhaushygiene der Universität Freiburg warnt vor „lebensbedrohlichen Infektionen durch Keime“ in Wasserspendern und in Geräten zur Herstellung von Sodawasser. Bei den Untersuchungen wurden bis zu 6,9 Millionen Fäkal- Keime pro Liter gemessen. Die Grenzwerte waren teilweise bis zu 34.000fach überschritten. Der Absatz von Haushaltsgeräten zur Selbstproduktion von Sodawasser sei in den vergangenen Jahren stark angestiegen, meldet der SPIEGEL vorab. [mehr]


  Erneut radioaktiv belastete Mineralwässer 14

26. August 2006 In Bayern und in Nordrhein-Westfalen (NRW) sind 2 Mineralwasser- Marken, die mit dem Zusatz „geeignet für die Zubereitung von Säuglingsnahrung“ vermarktet werden, durch eine zu hohe radioaktive Belastung mit Radium 226 und 228 aufgefallen. In NRW handelt es sich um „Herrather Jungbrunnen“ der Firma Krings, das in Extra- und Real- Supermärkten verkauft wird. Die bayerischen Behörden haben eine Namensnennung verweigert. (SPIEGEL – 28.8.2006, Seite 18) [Behörden-Empfehlung]


  Gen-Langkornreis aus den USA 16

31. August 2006 In den Niederlanden wurde nicht genehmigter Gen-Reis aus den USA der Sorte LL Rice 601 von Bayer entdeckt. Unklar ist zunächst, ob dieser Gen-veränderte Reis in den europäischen Einzelhandel gelangt ist. (InfoRadio-Berlin – 31.8.2006)
11. September 2006 Nach Angaben von Greenpeace ist die bei Aldi-Nord erhältliche Langkornreismarke „Bon-Ri“ mit diesem Gen-Reis verunreinigt. Importeur sei die Reiskontor Handels GmbH, heißt es. Aldi hat inzwischen den Gen-Reis aus den Regalen genommen. Auch in Schweden und Frankreich wird in Proben der verbotene Gen-Reis nachgewiesen. [mehr]
13. September 2006 Auch in Baden-Württemberg wird erstmals genmanipulierten Reis gefunden. Um welche Handelsketten es sich handelt, sagen die Behörden nicht. [mehr]


14. September 2006 Die Handelsketten sind: Die Schwarz-Gruppe mit Lidl, Kaufland, Kauf-Markt und Handelshof, die inzwischen Reislieferungen mit den MHD 27.4.2007, 19.6.2007 und 13.7.2007 aus dem Handel genommen hat. Bei Edeka sind die Marken „Fit for fun Vollkornreis Marathon“ und „Fit for fun Trix Reis-Mix Triathlon“ von der Verunreinigung durch genmanipulierten US-Reis betroffen. Der in Baden- Württemberg entdeckte Gen-Reis war von einer Reismühle in Gelsenkirchen verarbeitet worden [Ed: vermutlich ist das Müller's Mühle GmbH]. (rtr – 14.9.2006)
25. September 2006 Das hessische Verbraucherschutzministerium teilt mit, daß auch in Hessen genmanipulierter Reis im Handel gefunden werden ist. Dabei handele es sich um die Marken „Oryza“ sowie um „Swallow Sailing“, heißt es. (d-funk – 25.9.2006)
4. Oktober 2006 Es steht fest, daß In Deutschland und mindestens 8 weiteren EU-Ländern Spuren von nicht zugelassenem genmanipuliertem Langkorn-Reis aus den USA der Sorte LL Rice 601 aufgetaucht ist. Alle Reis-Importe aus den USA sollen künftig verpflichtend kontrolliert werden. [mehr] [Wie kam es dazu?]


  Erneut Gammelfleisch entdeckt 15

31. August 2006 Erst nach einem anonymen Hinweis werden in einem Münchner Kühlhaus einige Tonnen überlagertes Fleisch (u. a. Döner-Spieße) gefunden, dessen Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) vor Jahren abgelaufen war. Unklar ist, ob solches Fleisch in den Einzelhandel gelangt ist, und warum das Gammelfleisch von den bayerischen Behörden nicht schon bei den Intensivkontrollen im Herbst 2005 entdeckt wurde. Verbraucherschützer raten: Da erneut Namen nicht geannt wurden, empfiehlt es sich, auf Döner jeglicher Art zu verzichten. (InfoRadio-Berlin – 31.8.2006) [Döner stark mit Keimen belastet]
2. September 2006 Bei dem Kühlhaus-Unternehmen handelt es sich offensichtlich um die Firma „Georg Brunner KG“ in Johanneskirchen (Betriebs-Nr. EK 113 in der BVL-Liste). [mehr]


  Weiteres Gammelfleisch in Bayern entdeckt 18

1. September 2006 Aus Bayern wird ein weiterer Fall bekannt. Bei Razzien in einer Schlachterei in Metten (Landkreis Deggendorf) sowie in 2 Kühlhäusern im Landkreis Passau und in Regensburg stellen bayerische Behörden mehrere Tonnen Fleisch sicher, darunter 3,5 Tonnen gefrorenes Rindfleisch, von dem ein Teil bereits seit 2003 in der Firma lagerte. Namen werden nicht genannt. [mehr]


  Gen-Reis in Reisnudeln aus China 17

5. September 2006 In Europa sind im Einzelhandel (Asia-Läden) gentechnisch veränderte Reisnudeln aus China aufgetaucht. Der in China entwickelte Gen-Reis ist in Europa nicht zum Verzehr zugelaasen, da er Allergien auslösen kann. Eine EU-Sprecherin fordert die sofortige Entfernung der illegalen Reisnudeln aus dem Handel. (ARD-Mittagsmagazin – 5.9.2006)


  Noch mehr Gammelfleisch in Bayern entdeckt 19

8. September 2006 Nach einem anonymen Hinweis fanden Ermittler (keine Lebensmittel- Kontrolleure) in einem Zerlege- und Verarbeitungsbetrieb im bayrischen Hof verdorbenes Fleisch. (dpa – 8.9.2006)


  Gammelfleisch auch in Hessen entdeckt 20

11. September 2006 Bei einer Routinekontrolle in Frankfurt am Main werden in einem Kühlhaus 25 Tonnen hochgradig verdorbenes Rind- und Schweinefleisch ausländischer Herkunft gefunden. [mehr]


  Gammelfleisch auch in NRW entdeckt 21

11. September 2006 Auch in Nordrhein-Westfalen (NRW) wird bei der Kontrolle des Kühlhauses eines Gastronomie- Großhändlers in Heinsberg überlagertes Fleisch sowie andere überlagerte Lebensmittel (Tiefkühlkost, Gemüse und Speiseeis) gefunden. Namen werden nicht genannt. Von den beanstandeten Waren soll nichts in den Handel gelangt sein. (InfoRadio-Berlin – 12.9.2006)


  Gammel allerorten 22

15. September 2006 Die deutsche Lebensmittel-Überwachung ist inzwischen aufgewacht und guckt nun richtig nach. Denn die Meldungen über in Kühlhäusern entdeckte völlig überlagerte Waren überschlagen sich. Die meisten Produkte sind nicht mehr zum Verzehr geeignet. Hier soll nur auf einige neue Funde hingewiesen werden:
In Berlin wurden beim Döner-Fabrikanten Kaplan rund 4 Tonnen vergammeltes Fleisch gefunden. Der bereits aus dem Geflügelfleisch-Skandal von 2005 bekannte Lastruper Geflügelfleischhändler Bünnemeyer wurde wg. neuer Aktivitäten und Wiederholungsgefahr verhaftet. In Baden- Württemberg wurden mindestens 10 Tonnen Fleisch entdeckt, das teilweise schon seit 1999 abgelaufen war. In Gotha (Thüringen) wurden größere Mengen verdorbenen Fleisches gefunden. In Würzburg entdeckten Ermittler 17 Tonnen verdorbene Lebensmittel, deren MHD teilweise erheblich überschritten war. Sogar ein Catering- Unternehmen aus Bad Windsheim, das beim Papst-Besuch lieferte, steht unter Gammelfleisch- Verdacht. [mehr]
16. September 2006 Bislang sind rund 1.500 Tonnen verdorbener Ware aufgespürt worden. Experten der Lebensmittel- Wirtschaft rechnen damit, daß durchaus noch das Zehnfache dieser Menge in einheimischen Kühlhäusern lagern könnte. Die Zahl der 2.500 Lebensmittel- Kontrolleure müsse verdoppelt werden, heißt es. (InfoRadio-Berlin – 16.9.2006)


  Kosmetika enthalten Nitrosamine 23

25. September 2006 Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (Oberschleißheim) fand in jedem 5. untersuchten Kosmetikartikel krebserregende Nitrosamine. Betroffen waren vor allem Wimperntusche und Lidstrichstifte. Als kritischer Schwellenwert gilt bereits die Nachweisgrenze von 10 µg pro kg. (Der Spiegel – 25.9.2006, Seite 22)


  Billig-Wodka vergiftete in Rußland Tausende 24

27. Oktober 2006 In Rußland wurden durch Billig-Wodka tausende Menschen vergiftet. Bereits 83 sind an den Folgen des Genußes von mit Pharmaka verpanschtem Wodka gestorben. Die Vergiftung bewirkt eine lebensgefährliche toxische Gelbsucht. (InfoRadio – 27.10.2006)


  Wieder Gammelfleisch in Bayern entdeckt 25

10. November 2006 Bayern hat noch immer die Lebensmittel-Kontrolle nicht im Griff. In München wurde jetzt in einem Kühlhaus wieder völlig überlagertes, ungenießbares Fleisch entdeckt. Obwohl den Landes- Behörden seit Wochen ein anonymer Hinweis vorlag, unternahmen sie nichts. Erst aufgrund eines weiteren anonymer Hinweises – diesmal an die Münchner Stadtbehörden – wurde nach dem Gammelfleisch gesucht. (InfoRadio – 10.11.2006)


  Nach Gammelfleisch nun auch Gammelfisch 26

22. November 2006 In einem Lager in Rostock sind mindestens 2 Tonnen seit langer Zeit abgelaufener Fisch sichergestellt worden. Es handelt sich laut Rostocker Staatsanwaltschaft um Räucherfisch und Fischkonserven. Die Haltbarkeitsdaten waren zum Teil seit 7 Jahren abgelaufen. (dpa – 22.11.2006) [mehr]


2007


  Tiermehle illegal exportiert 01

Ende Februar 2007 Die unabhängigen Verbraucherschützer von Foodwatch veröffentlichen eigene Recherchen wonach aus Deutschland reichlich Tiermehle illegal exportiert worden sind. Der Skandal erreicht schnell eine europäische Dimension. [mehr]


  Gammelfleisch – und kein Ende 03

April 2007 Angesichts noch immer lächerlich geringer Strafen und einer hohen Dunkelziffern ist offensichtlich der Handel mit ungenießbarem Gammelfleisch weiterhin sehr lukrativ. Denn meist werden die Täter nur durch Zufallsfunde erwischt, wie ein aktueller Fall in Berlin deutlich macht.


  Dioxine im Dorschleber-Konserven 02

30. Mai 2007 Nach Angaben von Foordwatch enthalten viele Dorschleber- Konserven das giftige Dioxin sowie PCB in unzulässig hoher Konzentration. Die zuständigen deutschen Behörden wissen bereits „seit Juni 2006“ von der Belastung der Dorschleber- Produkte mit den giftigen Substanzen. Dennoch seien die belasteten Fischkonserven weiter im Handel erhältlich, heißt es in einer Foodwatch- Mitteilung. [mehr]
27. August 2007 Foodwatch teilt mit, daß die Firma Rügen Fisch, deren Produkte am höchsten belastet waren, die Produktion ausgesetzt hat. Auch die Firma Stührk Delikatessen Import GmbH liefere Dorschleber nicht mehr aus, heißt es.


18. April 2008 Die EU-Kommission hat den Dioxin-Grenzwert für Fischleber von bislang 8 auf 25 Pikogramm pro Gramm heraufgesetzt. [mehr]


  Infektionsgefahr durch Babymilch 04

9. Juni 2007 Der Babynahrungshersteller Bebivita hat wegen Infektionsgefahr einen Teil seiner „Anfangsmilch Bebivita 1“ zurückgerufen. Bei einer Routinekontrolle durch bayerische Behörden sei in einer einzelnen Packung zuvor ein gefährlicher Mikroorganismus (Enterobacter sakazakii) gefunden worden, heißt es. Das betroffene Produkt mit der Chargennummer 23161817 und dem Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) 18.5.2008 sei bereits seit der 2. Märzwoche bundesweit auf dem Markt. Die Gefahr schwerer Infektionen besteht den Angaben zufolge aber nur, wenn die Babymilch nach dem Anschütteln über mehrere Stunden bei Zimmertemperatur aufbewahrt wird. (InfoRadio – 9.6.2007)
12. Juni 2007 Auch Milupa startet eine Rückrufaktion wg. einer Belastung von Babymilch mit Problem-Keimen. Betroffen ist das Produkt „Milumil 1 Anfangsnahrung“ mit dem Mindeshaltbarkeitsdatum 23.2.2008, das seit Mitte Februar 2007 im Handel ist. (d-radio – 12.6.2007)
13. Juli 2007 Die Drogeriekette dm ruft eine Charge der Säuglingsmilchnahrung „Babylove Dauermilch 1“ zurück. Betroffen ist das Produkt mit der Chargen-Nummer GG 20 N-06.2008 23152965 und dem Mindesthaltbarkeitsdatum 06.2008. In einer Probe der Babymilch wurde das gefährliche Bakterium Enterobacter sakazakii gefunden. (InfoRadio – 13.7.2007)
31. August 2007 Erneut ruft der Babynahrungshersteller Bebivita einen Teil seiner „Anfangsmilch Bebivita 1“ zurück (MHD 22.8.2008)). Es wurden wieder gefährliche Keime in der Babymilch entdeckt. (InfoRadio – 31.8.2007)


  Noch immer reichlich Acrylamid in Kartoffel-Chips 07

6. August 2007 Bei neuen Messungen des Acrylamid-Gehalts von Kartoffel-Chips stellt die Verbraucherorganisation Foodwatch fest: Pringles-Chips von Procter & Gamble weisen einen extrem hohen Acrylamid-Wert von 1600 µg pro kg auf, womit sie „die Gesundheit der Verbraucher schädigen“. Andere Fabrikate enthalten hingegen nur 47 µg Acrylamid pro kg („Rusti Crusti Croc Paprika“ von Lidl). Das zeige, daß es durchaus möglich ist, mit intelligenten Produktionsmethoden das krebsauslösende Acrylamid sehr deutlich zu reduzieren, heißt es. (SPIEGEL – 32/2007 – 6.8.2007, Seite 62)


  Guarkern-Mehl mit Dioxinen belastet 05

8. August 2007 Das von einer Schweizer Firma vertriebene, aus Indien stammende Guarkern-Mehl ist mit Dioxinen verseucht. Es wird vermutet, daß die Dioxine von Pflanzenschutzmitteln stammen. Das Unternehmen hat alle Lieferungen zurückgerufen. Das Mehl wird für die Verdickung von Getränken, Suppen und Joghurt verwendet (Zusatzstoff E 412). (InfoRadio – 8.8.2007)


  Schon wieder Ekel-Fleisch in Bayern entdeckt — Ein Döner-Skandal 06

28. August 2007 Ein Fleischhändler aus dem bayerischen Wertingen (bei Donauwörth) hat 20 Tonnen aus Schleswig-Holstein (Bad Bramstedt) stammende Fleischabfälle, die nur noch als Tierfutter geeignet waren, durch Umetikettieren ‚aufgewertet‘. Das Fleisch ging in die Döner-Produktion nach Berlin-Mitte und soll inzwischen aufgegessen worden sein. Bei der Wareneingangsüberprüfung durch den Berliner Betrieb sei die minderwertige Fleischqualität nicht aufgefallen, heißt es. (InfoRadio – 28.8.2007) [mehr] [Lebensmittelkontrolle in Bayern]
29. August 2007 Nach Angaben von BILD-online handelt es sich um die Firma Wertfleisch GmbH (sic!) in Wertingen (Schwaben, Bayern). Dort wurden Ende voriger Woche weitere 11 Tonnen Gammelfleisch beschlagnahmt.
31. August 2007 Nach Erkenntnissen der bayerischen Staatsanwaltschaft sollen von der Firma Wertfleisch GmbH bereits seit Juni 2006 mindestens 160 Tonnen K3-Fleisch an 4 Berliner Döner- Produzenten geliefert worden sein. [mehr] [Bürger greifen zur Selbsthilfe]
6. September 2007 Der Bericht „Die Döner-Mafia“ des „stern“ (Heft 37/2007, Seite 26–32) bestätigt die Vermutung, daß der Berliner Döner-Hersteller Beysan GmbH (Kontroll-Nr.: DE-BE 10035 EG) ein Abnehmer des umetikettierten Ekel-Fleisches (K3-Fleischabfälle) aus Wertingen war. Die Firma Beysan spricht hingegen von „einem großen Komplott“. [mehr]
7. September 2007 Aus diesem Stern-Report wird auch deutlich, daß sich insbesondere die Berliner Lebensmittel-Kontrolle an der Nase herumführen ließ. Denn das jetzt in Berlin zu Dönern verarbeitete Ekel-Fleisch war schon einmal in Berlin (sic!), bei der Firma Expim, wo es bereits im September 2006 als ungenießbar beschlagnahmt worden war, aber im Juli 2007 zum Weiterverkauf an die Firma Sonac in Bad Bramstedt wieder freigegeben wurde. Die zum europäischen Multi VION gehörende Sonac verkaufte das Ekel-Fleisch sofort papiermäßig (zur Verschleierung) über einen Zwischenhändler in Belgien und real an die Wertfleisch GmbH in Wertingen, die es dann als ‚wertvolles‘ Fleisch an einige der Berliner Döner-Hersteller verkaufte. (STERN – 37/2007 – 6.9.2007, Seite 26–32)


18. Januar 2012 Vor dem Moabiter Kriminalgericht in Berlin beginnt im Saal 101 der Strafprozess gegen 3 türkische Geschäftsführer der Expim-GmbH, die am Anfang dieses Gammelfleisch- Skandals beteiligt waren. Angeklagt sind sie wg. des Verstoßes gegen das Lebensmittel-Gesetz. Der Prozess ist bis Mitte Februar 2012 terminiert.
19. Januar 2012 Es war ein kurzer Prozess. Die 3 geständigen Gammelfleisch- Händler wurden bereits gestern zu je 2 Jahren Haft auf Bewährung verurteilt. Ein Wort des Bedauerns äußerten die Täter nicht. [mehr] (Tagesspiegel – 19.1.2012, Seite 14)


  Aus Turbo-Schweinen wurden BIO-Schweine 08

3. September 2007 Im Rahmen seine Titels „Die Bio-Welle“ berichtet der SPIEGEL (Heft 36/2007 auf Seite 28/29) über eine Riesen-„Sauerei“. In einem nicht genannten Ort Ost-Westfalens wurden im großen Stil normale Mastschweine in BIO-Schweine umdeklariert (Auswechseln der Ohrenmarken). Die Bioland-Kontrollstelle habe den Betrieb nicht sorgfältig genug überwacht, heißt es.


  Noch ein Döner-Skandal 09

7. September 2007 In Schleswig-Holstein hat ein Döner-Hersteller seit Dezember 2006 über 40 Tonnen Ekel-Fleisch zu Dönern verarbeitet. Der Geschäftsmann wurde inzwischen verhaftet und hat ein Geständnis abgelegt. Die Behörden hatten einen Tip von einem Mitarbeiter erhalten. (InfoRadio – 7.9.2007) [mehr]
8. September 2007 Eine Internet-Recherche beim BVL ergibt, daß es sich dabei nur um die Firma Yusun Döner Fabrikation GmbH in Lägerdorf bei Itzehoe handeln kann (Kontroll-Nr.: DE-SH 00013 EG).


  Verdorbenes Putenfleisch im Handel? 10

5. Dezember 2007 Durch einen Bericht des Fernsehmagazins »Panorama« (NDR) wird bekannt, daß der niedersächsische Geflügelhändler Heidemark (Garrel + Ahlhorn, EZG 19, EZG 22, DE-NI 10045 EG, DE-NI 10067 EG) verdorbenes Putenfleisch in den Handel gebracht haben soll. Die Metro-Gruppe (Kaufhof, Metro, Real, Extra) hat bereits alle Lieferungen aus den Regalen genommen. Auch Aldi und Lidl sollen Fleisch von Heidemark im Angebot haben. Das Geflügelfleisch soll aus Polen stammen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. [mehr] (InfoRadio – 6.12.2007)
7. Dezember 2007 Die Firma Heidemark („Geflügel – wie ich es mag!“) weist die Anschuldigungen zurück. Das Ganze sei nur „ein Rachefeldzug der Gewerkschaft NGG“, heißt es. Heidemark hatte 200 Mitarbeiter entlassen. Die NGG behauptet inzwischen sogar, daß dieses der mengenmäßig „größte Gammelfleisch-Skandal“ sein könnte. (DeutschlandRadio-Kultur – 7.12.2007)
12. Dezember 2007 Amtliche Untersuchungen der sichergestellten Fleischproben ergaben, daß dieses Putenfleisch einwandfrei war und nicht aus Polen stammte. Inzwischen hat die Firma Heidemark Strafanzeige gegen 3 Ex-Mitarbeiter wg. Verleumdung gestellt. [mehr]


[ Zum 2. Teil ]   —   [ Ergänzungen oder Fehler mitteilen ]   —   [ Zum 4. Teil ]


Anmerkungen und wichtige Quellen:   (10. Ed. — 3.1.2011)


Rubriken dieser ersten deutschen Internet-Seiten, die sich kritisch mit Lebensmitteln befassen (1993 gestartet)
  • Nahrung (Food-Leitseite)
  • Kulinarisches (Rezepte)
  • Fine Food (Spezialitäten)
  • Übersicht der Skandale
  • Skandale pt.1 pt.2 pt.3
  • Skandale pt.4 pt.5 pt.6
  • Acrylamid
  • Dioxine
  • Nitrofen
  • BSE-Page (u. a. Gifte)
  • Forderungen von 1989
  • Food in den Medien (Start)
  • Zur Site-map des »khd-research.net«

      Zum  4. Teil


    © 2005-2013  – Universitätsrat a. D. Karl-Heinz Dittberner (khd) – Berlin   —   Last Update: 18.02.2013 21.25 Uhr