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E K E L - F L E I S C HDeutsches Gammelfleisch in Belgien veredelt?
[Ed: auf die Firma Madigro hatte bereits der STERN in seinem Report Die Döner-Mafia hingewiesen].
Aus: Aachener Zeitung, 7. September 2007, 20.18 Uhr MESZ (xxx). [Original]ANTWERPEN. Vom jüngsten Gammelfleischskandal in Deutschland, der seit Tagen für Aufsehen sorgt, führt eine Spur nach Belgien. Die in Brügge ansässige Fleischfirma Madigro soll in den Skandal verwickelt sein. Verrottetes Fleisch soll über Madigro nach Deutschland reimportiert und dann an Döner-Ketten in Berlin weiterverkauft worden sein. Das berichtet die flämische Zeitung "de Morgen". Nach dieser Darstellung erhielt Madigro am 12. Juli rund 20 Tonnen Gammelfleisch, das in Deutschland als K3-Fleisch für den Verzehr nicht geeignet eingestuft worden war. Lieferant war demnach die Firma Sonac aus Bad Bramstedt. Durch den Trick, das verdorbene Fleisch erst nach Belgien zu exportieren und dann wieder nach Deutschland zu reimportieren, sei es gelungen, die K3-Einstufung zu umgehen und das Fleisch an Dönerhersteller in Deutschland problemlos weiterzuverkaufen.
Der Schlachthof Madigro in Brügge gehört dem belgischen Politiker-Ehepaar Agnes und Freddy Bruyninckx. Die beiden sind für den flämisch-nationalistischen Vlaams Belang aktiv und behaupten von den kriminellen Machenschaften der Firma Sonac mit dem Gammelfleisch nichts gewusst zu haben. Das aber kann bezweifelt werden. Denn der Schlachthof Madigro soll für die Sonac-Fleischlieferung angeblich 27,45 Cent je Kilo Fleisch erhalten haben. Für K3-Fleisch, das für den menschlichen Konsum nicht mehr geeignet ist, sind am Markt allerdings nur Preise zwischen zehn Cent und 15 Cent üblich. Der hohe Preis hätte also stutzig machen müssen.
Die belgische Lebensmittelkontrolle bestätigte gestern, dass sie Ermittlungen eingeleitet hat. Sie teilte aber auch mit, dass nichts von dem K3-Fleisch aus Deutschland in die Lebensmittelkette in Belgien gelangt sei. Allerdings habe man dies nur im letzten Moment verhindern können. Am 24. August habe man 11,4 Tonnen Gammelfleisch abgefangen, das von Deutschland kommend über Madigro an belgische Abnehmer weiter verkauft werden sollte [Ed: offensichtlich auch von Sonac, die aber Schiebereien bestreiten]. [mehr]
E K E L - F L E I S C HIch gehe pleite
21 [Berliner] Imbisse sollen Döner mit Ekelfleisch verkauft haben ohne dass sie davon wussten.
Aus: Berliner Zeitung, 8. September 2007, Seite ?? (Berlin). [Original=684609.html]BERLIN. "Herzlich Willkomen Guten Appetit", steht auf der Homepage der Dönerproduktionsfirma Bey-san. Von der Koloniestraße aus, wo das Unternehmen seinen Sitz hat, sollen zu Dönerspieße verarbeitete Schlachtabfälle an Imbissbesitzer geliefert worden sein. Das Magazin Stern veröffentlichte eine Liste mit 21 Läden in der Hauptstadt, die das minderwertige Fleisch bezogen haben sollen. Sie gelten in dem laufenden Verfahren der Staatsanwaltschaft als Geschädigte. Aus Bayern gelangten 180 Tonnen umetikettiertes Dönerfleisch nach Berlin. Das bayerische Landesamt für Gesundheit teilt indes mit, bei den 10 Tonnen noch sichergestellten Fleisches seien 43 Proben beanstandet worden, davon seien 24 als für den menschlichen Verzehr geeignet deklariert gewesen.
Zu den auf der Stern-Liste aufgeführten Imbissen gehört der "Yildiz Grill" in Neukölln. Besitzer Yurtseven Izci schneidet Fleisch von einem Dönerspieß. Ein türkischer Kunde wartet auf seinen Döner. Der kostet 1,80 Euro. Das Fleisch kommt von der Firma Beysan. "Die Deutschen kommen nicht mehr in meinen Imbiss", sagt Izci. "Es ist immer das Gleiche, wenn es schlechte Nachrichten gibt. Dabei habe ich der Firma Beysan vertraut."
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Die Homepage der Beysan Fleischwarenherstellung GmbH in Berlin-Mitte, Koloniestraße 9596 lädt noch am 6. September 2007 zum ungetrübten Genuß ihrer Döner ein. Die aber bestehen seit einger Zeit aus sehr viel ‚Ekel‘. Wer aber hat darauf noch Appetit?
[Bericht und Kommentare auf der BSE-Page] (Screen-Shot: 6.9.2007 pep)Seit sieben Jahren bezieht Izci Fleisch von der Firma Beysan für seine zwei Dönerbuden. Jetzt sind seine Imbisse in Verruf geraten. "Ich gehe pleite", sagt Izci. Er legt Laborberichte vor, die bezeugen, dass sein Fleisch gesundheitlich unbedenklich ist. "Was soll ich jetzt machen?" fragt er. "Mit meinem Fleisch war doch immer alles in Ordnung." Den Spießlieferanten hat er noch nicht gewechselt. "Die anderen Firmen machen doch das Gleiche", sagt Izci [Ed: tja, eben diese Döner-Mafia...].
Auch im Imbiss "Sharks Döner" unweit vom Hackeschen Markt in Mitte zeigt der Mann hinter dem Tresen gleich auf ein DIN-A-4-Papier, das am Eingang hängt. Das Schreiben habe man aufgehängt, als der Skandal bekannt geworden sei, sagt der Mann, der sich ansonsten nicht mehr äußern will.
Der Zettel erweist sich als ein Laborbericht vom 29. August und soll Kunden beruhigen. Mitgeteilt wird, dass zwei Hackfleisch-Teilproben untersucht worden seien. Auftraggeber ist laut Dokument die Firma Beysan. "Die vorliegende Probe weist zum Zeitpunkt der Untersuchung eine leicht erhöhte Gesamtkeimzahl auf, was zu tolerieren ist", steht da. Insgesamt, so das Fazit, sei die Probe als handelsüblich zu bezeichnen. Einige hundert Meter weiter wird im Bistro Yildiz Döner angeboten, auch dieser Imbiss soll von Beysan Dönerfleisch bezogen haben. "Wir haben gar nicht solche Spieße mit Hackfleisch", sagt die Bedienung. Man verkaufe nur Hähnchenfleisch-Döner.
Am Bistro "By Denni's" am S-Bahnhof Ostkreuz steht eine lange Menschenschlange. "Es kommen nicht weniger Kunden, aber viele fragen, ob es stimmt, dass wir Ekelfleisch verkauft haben", so Imbiss-Besitzer Ethem Arikan. Er ist enttäuscht von der Firma Beysan. "Wir haben sofort den Fleischlieferanten gewechselt. Jetzt können wir den Leuten sagen, dass es bei uns kein Ekelfleisch gibt.", sagt Arikan.
Ein Firmensprecher von Beysan hat indes eine Erklärung angekündigt. "Vielleicht heute, vielleicht auch morgen", sagt er nur. Man berate sich darüber noch mit dem Rechtsanwalt des Unternehmens. [mehr]
V O M B E R L I N E R K O N T R O L L - C H A O SDöner-Hersteller versprechen mehr Transparenz
[Ed: was sie schon früher versprochen hatten...].
Aus: Der Tagesspiegel, Berlin, 8. September 2007, Seite 10 (Berlin). [Original=art270,2375169]BERLIN (Tsp/suz). Die Senatsverwaltung für Gesundheit und der Verein Türkischer Dönerhersteller in Europa (Atdid) haben am Freitag [7.9.2007] eine Kooperationsvereinbarung geschlossen. "Jeder Hersteller sollte schnell und lückenlos den Weg des Fleisches bis zum Verbraucher nachweisen können", forderte Senatorin Katrin Lompscher (Linke) von dem Verband. Der Atdid sicherte zu, ein Dokumentationszentrum für seine 40 Mitglieder einzurichten. "Bis Ende des Jahres wollen wir die Vereinbarung ausarbeiten und schriftlich festlegen", versprach der Atdid-Vorsitzende Atasever Sir. Darin werde sein Verband auch die Entwicklung eines eigenen Qualitätssiegels zusichern. "So wollen wir den Döner zu einer eigenen Marke machen", kündigt Atasever Sir an.
Unklar blieb gestern, wie der Verein mit dem Mitgliedsunternehmen Beysan GmbH umgehen wird. Die Firma hatte bei einem bayerischen Lieferanten minderwertiges Fleisch gekauft und zu Dönerspießen verarbeitet. Nachdem das Magazin "Stern" eine Liste mit den Namen der Imbisse in Berlin und Brandenburg veröffentlicht hatte, die Beysan beliefert hat, gab Unternehmenschef Servet Öncebe in der "Hürriyet" zu, von dem Lieferanten insgesamt 80 Tonnen Fleisch gekauft zu haben. Nach Angaben der Gesundheitsverwaltung waren jedoch 14 Tonnen davon Fleisch der Kategorie "K3", das nur für Tierfutter zugelassen ist. Gesundheitsbedenklich war der Verzehr der daraus gefertigten Döner jedoch nicht.
V O M B E R L I N E R K O N T R O L L - C H A O SEU kontrolliert Berlins Fleischkontrolleure
[Ed: das wurde angesichts einer total unfähigen Senatorin auch höchste Zeit. Denn wenn über 14 Monate mindestens 180 Tonnen ungenießbares Ekel-Fleisch nach Berlin geliefert wurden und das bei keiner amtlichen Kontrolle auffällt, dann stimmt etwas ganz grundsätzlich nicht... Es wird erwartet, daß die EU auch Berlin eine miserable Lebensmittelkontrolle bescheinigen wird].
Aus: Yahoo-News, 13. September 2007, 2.22 Uhr MESZ (Wirtschaft). [Original]BERLIN. Vertreter der Europäischen Kommission wollen Presseangaben zufolge von diesem Donnerstag [13.9.2007] an in Berlin die Kontrollen von fleischverarbeitenden Betrieben überprüfen. Drei Tage lang schauen sich die EU-Mitarbeiter an, wie häufig und wie intensiv die Veterinär- und Lebensmittelämter die Betriebe und Fleischhändler kontrollieren, berichtet die Berliner Zeitung [13.9.2007].
Wie die Zeitung weiter berichtet, hatte die Senatsgesundheitsverwaltung kurz vor den angekündigten Überprüfungen noch schnell versucht, in den Bezirken ein neues Kontrollsystem einzuführen. Damit soll gegenüber den EU-Gutachtern nachgewiesen werden, dass fleischverarbeitende Betriebe recht häufig überprüft werden. "Wir sollen etwas vorführen, was so noch nicht angewendet wird", sagte ein Veterinärmediziner der Zeitung.
Anfang September war bekanntgeworden, dass bis zu 180 Tonnen schlechtes Fleisch nach Berlin geliefert und zu Döner verarbeitet worden waren. [mehr]
Lompscher: EU-Kontrollen in Berlin lange geplant
Aus: Yahoo-News, 13. September 2007, 14.40 Uhr MESZ (Wirtschaft). [Original]BERLIN. Gesundheitssenatorin Katrin Lompscher (Linke) hat Medienberichte zurückgewiesen, wonach ihre Behörde kurz vor einer EU-Überprüfung in den Bezirken ein neues Kontrollsystem einführen wollte. Die Kontrolle von fleischverarbeitenden Betrieben durch Vertreter der Europäischen Kommission sei seit langem geplant, sagte Lompscher am Donnerstag [13.9.2007] im Abgeordnetenhaus. Anfang September war bekanntgeworden, dass bis zu 180 Tonnen minderwertiges Fleisch aus Bayern nach Berlin geliefert und zu Döner verarbeitet wurden.
Laut einem Bericht der Berliner Zeitung [13.9.2007] sollte mit dem neuen Kontrollsystem gegenüber den EU-Gutachtern nachgewiesen werden, dass fleischverarbeitende Betriebe recht häufig überprüft werden. "Wir sollen etwas vorführen, was so noch nicht angewendet wird", sagte ein Veterinärmediziner dem Blatt. Dagegen sagte Lompscher, dass lediglich ein schon angewandtes System weiter verbessert werden soll. Das Verfahren sorge für eine effektivere und genauere Dokumentation der Kontrollen. [mehr]
Lebensmittelkontrolleure fordern mehr Personal
Aus: Yahoo-News, 14. September 2007, 16.40 Uhr MESZ (Wirtschaft). [Original]BERLIN. Die Lebensmittelkontrolleure haben den Beschluss der Verbraucherminister begrüßt, zum Schutz vor Gammelfleisch künftig Schlachtabfälle einzufärben. "Das hilft uns, genauer zu kontrollieren", sagte Harry Sauer, stellvertretender Vorsitzender des Bundesverbandes der Lebensmittelkontrolleure, dem "Tagesspiegel" zufolge. Dennoch werde das Einfärben allein Gammelfleischskandale nicht verhindern das sei nur mit einer höheren Prüfdichte möglich. Dazu sei jedoch mehr Personal nötig, betonte Sauer.
Zusätzlich zu den 2.500 Lebensmittelkontrolleuren, die derzeit bundesweit im Einsatz seien, seien 1.000 bis 1.500 weitere Kontrolleure nötig, sagte der Verbandschef. Sollten einzelne Gemeinden aus finanziellen Gründen keine zusätzlichen Stellen schaffen können, sollten sie vom Staat im Einzelfall finanzielle Hilfe bekommen, forderte er. "Es darf keine Lebensmittelüberwachung nach Kassenlage geben." [mehr] [Vom Chaos deutscher Lebensmittel-Überwachung]
F I C H T N E R S T E L L E R G E R I C H TVerbraucherminister nehmen Kampf gegen Gammelfleisch auf
[Ed: hm, schon wieder diese verlogenen Versprechungen der Politiker. Das reicht doch alles nicht. Sie müssen schon wesentlich mehr leisten (Zentral-Strukturierung der Lebensmittel-Überwachung, Internet-Pranger für jeden Verstoß gegen geltendes Recht usw.), wenn sie wirklich Erfolg in ihrem Kampf gegen diese Döner-Mafia & Co. (vom Konzern-Typ) haben wollen].
Aus: Deutsche Welle, 14. September 2007, 21.00 Uhr MESZ (Nachrichten). [Original]BADEN-BADEN. Zum besseren Schutz der Verbraucher vor Gammelfleisch sollen Schlachtabfälle in Deutschland künftig eingefärbt werden. Darauf einigten sich die Verbraucherminister von Bund und Ländern bei einer Konferenz in Baden-Baden. Mit der Kennzeichnung soll der Handel mit ungenießbarem Fleisch von Juli 2008 an erschwert werden.
Bundesverbraucherminister Horst Seehofer warnte jedoch, wirkliche Sicherheit werde es nur mit einer europaweiten Regelung geben. Deshalb forderte die Ministerrunde die Bundesregierung auf, auf eine EU-Verordnung zu dringen. Verbraucherschützer kritisierten den Beschluss als nicht ausreichend. ["Der Verbraucher wurde verarscht"]
G A M M E L F L E I S C H - S K A N D A L EBulette à la Staubsauger
Was ist Berlins kulinarisches Wahrzeichen? Der Döner? Das kann doch nicht alles sein, hofft Ulrich Fichtner. Und muss feststellen: leider schon. Die Hauptstadt hat keinen eigenen Geschmack, sie klaut von anderen Ländern.
Aus: Spiegel Online 14. September 2007, ??.?? Uhr MESZ (nur elektronisch publiziert). [Original]BERLIN. In Berlin sind gerade die Spanier los, will mir scheinen, ich bin Anfang der Woche nach längerer Zeit wieder einmal da gewesen und an jeder Ecke flogen mir die Tapas nur so um die Ohren, die Aceitunas und Albondigas. Es ist verrückt zu sehen, wie in unserer Hauptstadt jede Mode sofort aufgegriffen und dann schleunigst tot geritten wird, das macht uns keiner so leicht nach, und es ist so faszinierend wie irritierend.
Irritierend, weil die hauptstädtische Verköstigung bei Licht betrachtet seltsam gesichtslos ist. Berlin ist ein kulinarisches Babylon, eine kosmopolitische Kakophonie, eine große esskulturelle Verwirrung, eine Stadt sozusagen ohne eigenen Generalbass. Oder hat Berlin in gastronomischer Hinsicht irgendetwas original Eigenes hervorgebracht? Und was wäre es?
London hat der Welt die Pubs geschenkt, Paris die Restaurants und Bistros hervorgebracht, Lissabon und Wien glänzen in den Spiegeln ihrer prächtigen Kaffeehäuser, Rom pflegt seine Trattorien, Madrid hat seine lässigen Tapas-Bars und Berlin hat das alles schön und oft perfekt kopiert: Aber was ist das Eigene?
Niemand wird sagen wollen, dass die Kneipen mit den Asbach-Uralt-Schildern im Fenster und den giftgrünen Spülsteinen im Urinoir eine vergleichbare Errungenschaft wären. Wenn ich auf einem Gasthausschild lese "Alt-Berliner Kneipe", erfasst mich ein unwiderstehlicher Fluchtinstinkt, denn diese Läden, die gern auf den Namen Heinrich Zille hören, sind in aller Regel doch nur Karikaturen auf das Konzept von der deutschen Gemütlichkeit. Nichts an ihnen ist wirklich original, alles ist falsches Zitat, so dass ich zu dem Schluss komme: Berlin ist, in Sachen Gastronomie, eine gähnend leere Bühne, die deshalb ständig von Tourneetheatern aus aller Herren Länder bespielt werden muss.
E i n H i n w e i s :
Autor Fichtner muß wohl noch nie gut zubereitetes Eisbein mit Kartoffelpüree, Sauerkraut und Erbspüree oder in Butter gebratene Kalbsleber mit Apfel- und Zwiebel- Ringen gegessen haben beides nun wirklich in Berlin erfundene Menüs. Auch mag er verliebt sein in diese Eßkultur von der Art der ‚Saucensprenkler‘ und kann nicht mehr die echten kulinarischen Spezialitäten erkennen.
Und weil der SPIEGEL in Sachen Kochen schon immer schwach war, gibts hier eine Liste von typisch Berliner Gerichten gleich mit erprobten Rezepten zum Nachkochen.
khd 27.9.2007Man könnte einwenden, dass die palastgroßen Gasthäuser, die in der Wendezeit erst in Mitte, dann am Prenzlauer Berg und dann in Friedrichshain eröffneten, eigenes Berliner Flair hätten. Vielleicht stimmt das, vielleicht ist dieses gründerzeitlich Mondäne irgendwie berlinerisch. Trotzdem kommen mir viele dieser Läden heute vor wie hektisch aus dem Manufaktum-Katalog zusammen gekauft. Im Übrigen folgen sie jenem internationalen, kühlen Stil, der sich in New York wie in Shanghai oder Melbourne gleichermaßen finden lässt und der seinen Weg ja längst auch nach Göttingen, Münster oder Kassel gefunden hat.
V O M B E R L I N E R K O N T R O L L - C H A O SDie Verbraucher werden von der Politik betrogen
Das Färben von Fleischabfall kann nur der Anfang sein, sagt Food-Watch-Experte Thilo Bode im stern.de-Interview. Denn nicht nur das Fleisch, sondern die gesamte Industrie ist faul. Drei einfache Schritte würden reichen, damit Gammelfleisch zum Problem von gestern wird.
Aus: Stern, Hamburg, 15. September 2007, ??.?? Uhr MESZ (nur elektronisch publiziert). Interview: MARKUS WANZECK. [Original]Zur Person: Dr. Thilo Bode, Jahrgang 1947, studierte Soziologie und Volkswirtschaft. Von 1989 bis 1995 war er Geschäftsführer von Greenpeace Deutschland, 1995 bis 2001 von Greenpeace International. 2002 gründete er die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch (www.foodwatch.de), die er seitdem leitet. Daneben schreibt er als freier Autor. Im Oktober erscheint sein neues Buch "Abgespeist Wie wir beim Essen betrogen werden und was wir dagegen tun können."
STERN: Herr Bode, die Verbraucherminister von Bund und Ländern haben heute beschlossen, dass zum besseren Verbraucherschutz Schlachtabfälle in Deutschland künftig deutlich gekennzeichnet werden müssen. Ist das Gammelfleischproblem damit aus der Welt?
Thilo Bode: Der Beschluss, Schlachtabfälle auf nationaler Ebene einzufärben, ist ein erster Schritt wichtig, aber bei weitem nicht ausreichend. Die Politiker nehmen das Problem nicht wirklich ernst. Sonst würden sie es grundsätzlich lösen. Dies ist machbar. Aber sie machen es nicht.
STERN: Immerhin will Verbraucherminister Horst Seehofer nun "wirksamere Kontrollen".
Thilo Bode: Das sind doch Nebelkerzen! Kontrollen bewirken gar nichts. Der Anbieter von Gammelfleisch und der Abnehmer von Gammelfleisch sind sich doch immer einig. Es findet also strenggenommen kein Betrug statt. Da ist vielmehr eine kriminelle Vereinigung am Werk. Betrogen wird der Verbraucher, der das Gammelfleisch nicht erkennen kann.
STERN: Herr Seehofer möchte auch Jagd auf "raffgierige Fleischhändler" machen.
Thilo Bode: Das ist wirklich eine Volksverdummung ersten Ranges. Der Fleischskandal ist doch nicht eine Folge der Raffgier einzelner. Der Fehler liegt im System. Es ist sehr leicht, zu betrügen. Es ist sehr schwer, erwischt zu werden. Und wenn doch mal einer erwischt wird, kommt er glimpflich davon.
STERN: Was muss geschehen?
Thilo Bode: Es muss ein Entsorgungssystem mit einer wirkungsvollen Selbststeuerung geschaffen werden. Im Abfallrecht ist es heute in vielen Wirtschaftszweigen üblich, dass der Hersteller eines Produkts auch für dessen Entsorgung haftet. Das ist bei Fernsehern so. Das ist bei Autos so. Beim Fleisch nicht. Kein Mensch weiß, was mit den Abfällen der Schlachthöfe passiert. Es gibt in dieser Branche keine Nachweispflicht über die gesamte Entsorgungskette.
STERN: Lässt sich dieses Problem auf nationaler Ebene lösen?
Thilo Bode: Das natürlich nicht. Wir haben eine europäische Nahrungsmittelpolitik. Aber genau so wenig sind Autoentsorgung und Elektronikschrott ein rein deutsches Problem. Kein Wirtschaftszweig lässt sich heute noch national regeln. Doch nur in der Fleischindustrie schlagen wir uns seit Jahren mit im Grunde ganz einfachen, aber folgenschweren Problemen herum.
STERN: Für einfache Probleme müsste es doch einfache Lösungen geben.
Thilo Bode: Die gibt es. Wir brauchen auf europäischer Ebene die Verpflichtung, die Fleischabfälle einzufärben. Einen ausrangierten Fernseher können Sie nicht einfach durch Umetikettieren als fabrikneues Gerät weiterverkaufen. Bei Schlachtabfällen ist Etikettenschwindel relativ simpel.
STERN: Fleisch anzumalen ist also wirksamer Verbraucherschutz?
Thilo Bode: Das Einfärben von Schlachtabfällen wäre in der Tat sehr wirkungsvoll aber natürlich nur im Verbund mit einer wirksamen Haftungsregelung für die Fleischproduzenten: Den Weg ihrer Fleischabfälle muss man lückenlos nachverfolgen können. Und zusätzlich müssen die Namen von Gammelfleischhändlern offengelegt werden. Diese drei Dinge brauchen wir. Dann werden wir kein Gammelfleisch mehr essen müssen.
STERN: Klingt simpel.
Thilo Bode: Eigentlich ist es das auch. Da aber Herr Seehofer und die Verbraucherminister der Länder sich um eine Politik im Sinne der Verbraucher herumdrücken, passiert nichts.
STERN: Sie pflichten also Grünen-Fraktionschef Fritz Kuhn bei, dass "Herr Seehofer zu allem Möglichen Bock hat, nur nicht zu Verbraucherschutz und zu Landwirtschaft"?
Thilo Bode: Da macht Herr Kuhn es sich ein bisschen sehr einfach. Immerhin haben die Grünen in ihrer Regierungszeit diese Zustände mit verursacht. Wegen der rot-grünen Gesetze, die nach der BSE-Krise verabschiedet wurden, werden heute 16 Millionen Tonnen Schlachtabfälle jährlich in Europa hin- und hergefahren! Europas größter Fleischkonzern "Vion" verdient inzwischen mehr mit Schlachtabfällen als mit Frischfleisch. Diese Absurditäten sind ein Resultat der Fleischabfall- und Tiermehlpolitik der rot-grünen Regierung.
STERN: Und was kann der einzelne Verbraucher tun?
Thilo Bode: Erst einmal müssen die Verbraucher verstehen, dass sie nicht nur von der Fleischindustrie, sondern auch von den Politikern betrogen werden. Nur wenn das klar ist, kann sich etwas ändern. Gegenwärtig denken viele Verbraucher, sie seien selbst Schuld an der Ekelfleisch-Misere, weil sie zu billig einkaufen. Das wird ihnen immer wieder eingeredet.
STERN: Da ist nichts dran?
Thilo Bode: Das ist nicht das Hauptproblem. Durch höhere Preise für Fleisch würde sich an den schweren Systemfehlern in der Fleischindustrie nichts ändern. Gar nichts.
G A M M E L F L E I S C H - P O L I T I KViel Fleisch, wenig Kontrolle
Grünen-Politiker und Tierärzte kritisieren die Lebensmittelüberwachung im Großmarkt Beusselstraße. Kontrollen seien oft vorhersehbar, Lieferscheine würden nicht korrekt ausgefüllt, behauptet ein Fleischgroßhändler.
Aus: Der Tagesspiegel, Berlin, 18. September 2007, Seite 12 (Berlin). [Original=xxx]BERLIN (Tsp). Im Zusammenhang mit dem jüngsten Fund von "Ekelfleisch" haben die Grünen das Berliner System der Lebensmittelkontrollen scharf kritisiert. Es sei marode, sagt der Abgeordnete Michael Schäfer (Grüne). Von "katastrophalen Zuständen im Fleischhandel durch mangelnde Kontrolle", sprach gestern sein Parteikollege Andreas Otto im Ausschuss für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz des Abgeordnetenhauses.
Anlass dafür war auch der Beschwerdebrief eines Fleischhändlers, der Missstände im Fleischgroßmarkt an der Beusselstraße in Mitte anprangert: Nicht überall im Markt werde gleichermaßen intensiv kontrolliert. Kontrollen seien oft vorhersehbar, Kühlräume und Lastwagen teilweise zu warm, um Fleisch frisch zu halten. Lieferscheine würden nicht korrekt ausgefüllt, so dass die Herkunft nicht nachvollziehbar sei. "Wir finden oft Blanko-Blöcke für Lieferscheine, die Gastwirte selbst ausfüllen", bestätigte ein Veterinärmediziner aus dem Lebensmittelaufsichtsamt eines anderen Bezirks, der anonym bleiben möchte, dem Tagesspiegel. Auch die Probleme mit Lastwagen und Kühlräumen kenne er.
Der Veterinärmediziner sagt, im allgemeinen sei in Berlin zu beobachten, dass bei der Lebensmittelkontrolle mehr auf Quantität als auf Qualität geachtet würde. "Wenn wir nicht genügend Kontrollen nachweisen können, werden uns Stellen gestrichen." "Kosten-Leistungs-Rechnung" nennt sich das Prinzip. Dadurch entstehe ein Interessen-Konflikt. "Viele Kontrolleure drehen sich einmal um 360 Grad und gehen dann sofort wieder" aus Angst, ihren Job zu verlieren. Meistens würden größere Delikte nicht von den Veterinärmedizinern entdeckt, sondern vom Zoll. Von "Scheinkontrollen" spricht Grünen-Politiker Schäfer: "Die Kontrolleure sind frustriert. Das ist ein Bild, dass sich überall in Berlin ergibt."
Was Gesundheitssenatorin Katrin Lompscher (Linke) unternommen habe, um die Kontrollen zu verbessern, wollte Otto im Gesundheitsausschuss deshalb wissen. "Wir haben eine sehr sensible Lebensmittelüberwachung", wehrte Lompscher ab. Das System sei in den vergangenen Jahren "weiter verfeinert" worden. Die konkreten Missstände im Fleischgroßmarkt seien nach Erhalt des Briefes behoben worden. Solchen Beschwerden nachzugehen und die Ursachen zu beseitigen, gehöre zum Arbeitsalltag aller Veterinärämter, sagte Hans-Joachim Bathe-Peters, Leiter des Veterinär- und Lebensmittelaufsichtsamtes Mitte. "Unser System ist eigentlich gut. Aber mit mehr Personal könnte man noch mehr in die Tiefe gehen." Trotz des Leistungsdrucks hinsichtlich der Fleischmengen werde in Mitte sehr auf die Qualität der Kontrollen geachtet auch im Fleischgroßmarkt. Dass die EU-Kontrolleure sich gerade die Arbeit seiner Leute angesehen haben, könne dennoch "hilfreich" sein, damit sie "mal die Kostenleistungsrechnung präsentiert bekommen."
Die EU-Kontrollen seien eine Chance, die Strukturen endlich zu verbessern, sagt sein Kollege, der ungenannt bleiben möchte. Schon im Jahr 2000 hätten EU-Kontrolleure bemängelt, dass die Kontrollen in Berlin zwar zahlreich, aber nicht wirksam genug seien. Inzwischen gebe es noch weniger Personal. Griechenland, so sagt der Tierarzt, sei inzwischen von den EU-Behörden aus genau diesem Grund verklagt worden. "Schlimmstenfalls droht uns das in Berlin auch." [mehr]
Seehofer relativiert Gammelfleisch-Skandale
Aus: Yahoo-News, 18. September 2007, 16.31 Uhr MESZ (Inland). [Original]BERLIN. Verbraucherminister Horst Seehofer hält das Gesundheitsrisiko durch Gammelfleisch für gering. Die jüngsten Skandale seien ärgerlich, doch "würde ich das nun nicht unbedingt an erste Priorität stellen, wenn es um den Schutz des Menschen geht", sagte der CSU-Politiker am Dienstag [18.9.2007] in Berlin. Unter anderem die Vogelgrippe habe "eine ganz andere Dimension einer potenziellen Gefahr für den Menschen". Grüne, Linke und FDP kritisierten Seehofer erneut scharf und warfen ihm Untätigkeit vor.
Der Minister betonte, dass die mit den Ländern vereinbarten Maßnahmen zur Verhinderung neuer Gammelfleisch-Skandale zum größten Teil umgesetzt oder auf gutem Wege seien. Im Oktober werde er einen Gesetzentwurf ins Kabinett bringen, mit dem Lebensmittelhändler zur Meldung verpflichtet werden, falls ihnen unsichere Lebensmittel angeboten werden. Seehofer bekräftigte auch die Absicht, für in Deutschland gehandelte Schlachtabfälle eine Einfärbung vorzuschreiben. "Diese Maßnahmen sind geeignet, diese Dinge stark zurückzudrängen", sagte der Bundesminister.
Allerdings sei keine der Einzelmaßnahmen ein Durchbruch, und die nur national durchgesetzten Pflichten etwa die Färbung oder der seit 2006 vorgesehene Rückmeldeschein für Fleischwaren vom Empfänger an den Erzeuger ließen sich umgehen, solange die Europäische Union nicht mitziehe. Dort hätten solche Maßnahmen aber nicht den Hauch einer Chance. Die Mitgliedsländer hätten zwar auch Gammelfleischfunde, sie sähen das aber nicht so dramatisch. "Wir haben manche Erregungszustände, die andere Länder nicht nachvollziehen können", sagte der CSU-Politiker.
Er bleibe bei seiner Auffassung, dass vor allem qualitativ hochwertige Kontrollen der Schlüssel im Kampf gegen illegale Machenschaften sei. "Ohne Kontrollen findet man keine Täter", sagte er.
Seehofer wies Vorwürfe der Opposition zurück, wonach seine Kandidatur für den CSU-Vorsitz ihn von Kritik an Bayern abhalte. Von dort wurden zuletzt große Mengen Gammelfleisch illegal für die Döner-Produktion nach Berlin geliefert. Bayern habe "das Notwendige getan", sagte Seehofer. Die Behörden hätten eine landesweite Taskforce zur Lebensmittelkontrolle gegründet, die bis zu 90 Mitglieder haben werde. "Da hat sich Enormes verbessert", sagte Seehofer.
Gammel-Döner-Produzent ist zum wiederholten Male verdächtig
Hat dieser Mann aus Schleswig-Holstein kein Gewissen? [Ed: als wenn es darauf ankommt, wichtiger ist die Frage: Warum können noch immer (rückfällige) Lebensmittelpanscher die Aufsichtsbehörden an der Nase herumführen?]
Aus: Short-News, 23. September 2007, 11.21 Uhr MESZ (Boulevard ). [News-ID=683387]ITZEHOE. Nur ein paar Tage nach seiner Freilassung soll ein 53-jähriger Mann schon wieder Fleisch ohne Herkunftsnachweis verarbeitet haben [vorangehende Festnahme]. Die Menge beläuft sich auf 25 Tonnen Rindfleisch.
Er gab an, dass das Fleisch aus Brasilien stamme. Nach den Ermittlungen könnte die Fracht über Malta nach Deutschland gelangt sein. Das Fleisch ist nach Auswertung der Proben mit Campylobacter-Bakterien und Salmonellen belastet.
V O I L À !Firmen senken Cumarin-Belastung
Statement der unabhängigen Verbraucherorganisation Foodwatch
Aus: foodwatch-Newsletter, Berlin, 5. November 2007, 18.03 Uhr MEZ (News). [Original]BERLIN. Zimtfreunde können dieses Jahr unbeschwert weihnachtlich naschen. Nur noch wenige der untersuchten Zimtsterne und Weihnachtssüßigkeiten sind im diesjährigen Cumarin-Test mit dem leberschädigenden Aromastoff belastet. Das haben die Analysen eines von foodwatch beauftragten unabhängigen Labors ergeben. Dabei lag im vergangenen Jahr noch knapp die Hälfte der getesteten Produkte zum Teil weit über dem gesetzlichen Grenzwert. Inzwischen haben viele Hersteller die Kritik von foodwatch ernst genommen und ihre Rezepturen geändert, um die Belastung zu senken. Ein großer Erfolg für foodwatch.
Zwei Frühstücksprodukte der Konzerne Nestle und Dr. Oetker sind jedoch weit über dem gesetzlichen Grenzwert mit Cumarin belastet. foodwatch hat gegen beide Firmen Anzeige erstattet, doch die Branchenriesen müssen nichts Schlimmes erwarten. Still und leise hat die Bundesregierung im September 2007 die deutsche Aromenverordnung geändert. Drastische Konsequenz dieser Änderung: Hersteller, die den Grenzwert überschreiten, brauchen statt bis zu 3 Jahren Gefängnis nur noch ein geringes Bußgeld, sozusagen ein "Knöllchen", zu fürchten. Ein schönes Geschenk des so genannten Verbraucherministeriums an die Industrie. Vorsorgender Verbraucherschutz sieht anders aus.
Wenn Sie wissen wollen, welche Produkte foodwatch in diesem Jahr auf den Cumarin-Gehalt untersucht hat und ob auch ihr Favorit zu den gering Belasteten zählt, schauen Sie auf der foodwatch-Homepage vorbei. Das kostenlose PDF-Dokument mit den Cumarin-Werten gibt es unter: http://foodwatch.de/kampagnen__themen/zimt_und_cumarin/testergebnisse_cumarin/.
D E R S T A A T S A N W A L T E R M I T T E L TAlarm der EU-Prüfer: Lebensmitteltests zu lax
Zahl und Qualität der Kontrollen bedenklich / Senatsverwaltung will sich nicht zu Vorwürfen äußern.
Aus: Potsdamer Neueste Nachrichten, Berlin, 17. November 2007, Seite xx (Brandenburg-Berlin). [Original=3662263.pnn]BERLIN (pnn). Die EU hat das Berliner System der Lebensmittelkontrollen scharf kritisiert und hält es insgesamt für bedenklich. Zu diesem Urteil kommt nach Informationen dieser Zeitung ein Bericht der EU-Mitarbeiter, die im September Berliner Lebensmittelkontrolleure bei ihrer Arbeit in Fleisch verarbeitende Betriebe begleitet hatten. Solche Kontrollen finden regel- und routinemäßig statt, zuletzt im Jahr 2000. Doch dieses Mal galten sie als brisant, denn die Lebensmittelkontrollen in Berlin waren zuvor bei mehreren Gammelfleischfunden in Kritik geraten. Zuletzt kurz vor Ankunft der EU-Mitarbeiter.
Der Berichtsentwurf liegt jetzt den Lebensmittelaufsichtsämtern und dem Senat vor. Bis zum 30. November müsse man eine Stellungnahme dazu abgeben, hieß es bei der Senatsverwaltung für Gesundheit und Verbraucherschutz. Vorher wolle man den Bericht der EU-Mitarbeiter nicht kommentieren. Berlin gibt Anlass zu Bedenken, so steht es im Bericht. Damit umschreiben die EU-Mitarbeiter diplomatisch, dass die Zustande hier katastrophal sind, sagt ein Veterinärmediziner eines Berliner Lebensmittelaufsichtsamts, der anonym bleiben möchte.
Bemängelt werde, dass es einerseits sehr viele oberflächliche Kontrollen gebe, andererseits aber insgesamt zu wenige Prüfungen. Es gibt Betriebe, die eigentlich drei Mal pro Jahr kontrolliert werden müssten und nur einmal im Jahr kontrolliert werden, sagt der Lebensmittelkontrolleur. Die EU schreibt vor, dass für jeden Lebensmittelbetrieb das Risiko eingeschätzt werden soll, dass dort Waren verderben. Danach wird die Häufigkeit der Kontrollen festgelegt.
Es gebe jedoch nicht genug Personal, um diese Frequenzen einzuhalten. Selbst personell gut ausgestattete Bezirke schaffen nur drei Viertel der Überprüfungen, sagt ein Veterinärmediziner. Auch die Qualität der Kontrollen schwanke von Bezirk zu Bezirk erheblich. Die zentrale Ebene der Senat habe keine Befugnisse zur Überwachung der niedrigeren Ebenen der Bezirke, wird zudem bemängelt. In anderen Bundesländern hätten Ministerien die Fachaufsicht.
Die EU-Mitarbeiter inspizierten die Arbeit der Lebensmittelkontrolleure in Spandau, Mitte und Reinickendorf. Die Grünen warfen damals der Senatsverwaltung vor, die EU-Kontrolleure bewusst zu täuschen: Die kontrollierten Bezirke würden nur vorgeben, nach einem kurz vor dem Besuch der EU-Prüfer eingeführten neuen System mit höherer Kontrolldichte zu arbeiteten. In Wirklichkeit fehlten dafür die notwendigen Ressourcen.
Schon im Jahr 2000 hätten EU-Kontrolleure bemängelt, dass die Kontrollen in Berlin zwar zahlreich, aber nicht wirksam genug seien. Inzwischen gebe es noch weniger Personal. Griechenland, so sagt der Tierarzt, sei inzwischen von den EU-Behörden aus diesem Grund verklagt worden. Schlimmstenfalls droht uns das in Berlin auch. [mehr]
Suche nach Gammelfleisch
Ehemalige Mitarbeiter beschuldigen Oldenburger Geflügelfirma, verdorbenes Fleisch verkauft zu haben. Durchsuchungen in Niedersachsen und Baden-Württemberg.
Aus: TAZ, Berlin, 6. Dezember 2007, ??.?? Uhr MEZ (Wirtschaft). [Original=xxx]HANNOVER (taz). Durch Aussagen dreier ehemaliger Mitarbeiter steht der Geflügelfleisch-Hersteller "Heidemark" unter Verdacht, im großen Stil Gammelfleisch verkauft zu haben. Die Staatsanwaltschaft Oldenburg hat gegen den großen deutschen Geflügelspezialisten Ermittlungen wegen möglicher Verstöße gegen das Lebensmittelrecht eingeleitet. Wie eine Sprecherin der Ermittlungsbehörde gestern sagte, wurden zwei Niederlassungen des Unternehmens in Niedersachsen, ein weiterer Betrieb in Baden-Württemberg und vier Kühlhäuser durchsucht.
In einem Kühlhaus wurde dabei eine größere Menge Fleisch beschlagnahmt. Nach Angaben von Staatsanwältin Frauke Wilken stehen die Ermittlungen allerdings noch am Anfang. Die drei im Zuge einer Umstrukturierung gekündigten Mitarbeiter hätten in eidesstattlichen Versicherungen erklärt, sie hätten im April und Mai aus Polen angeliefertes übel riechendes und stinkendes Fleisch neu verpacken müssen. Täglich seien demnach ein bis zwei Lkw Gammelfleisch umgepackt worden.
Bei Vernehmungen durch die Staatsanwaltschaft wiederholten die drei Zeugen diese Vorwürfe aber nur zum Teil. Die ehemaligen Mitarbeiter hätten nun von geringeren Mengen Gammelfleisch gesprochen, sagte Wilken. Das beschlagnahmte Fleisch wurde im Frühjahr verpackt, stammt also aus dem von den Mitarbeitern angegebenen Zeitraum. Nun sollen Proben untersucht werden. Bei den beiden Durchsuchungen in Niedersachsen waren auch Lebensmittelkontrolleure des Landes mit von der Partie. Das Landwirtschaftsministeriums in Hannover betonte anschließend, die Kontrolleure hätten nichts Auffälliges entdeckt und nichts zu beanstanden gehabt.
Der Metro-Konzern, dem einst ein Gammelfleisch-Skandal bei der Tochter Real die Bilanz verhagelte, regierte prompt auf die Vorwürfe. In den Metro-, Real- und Extra-Märkten wurden Heidemark-Produkte vorsorglich aus den Regalen genommen. Das Unternehmen betonte aber, Beschwerden über Qualitätsmängel bei Heidemark-Produkten habe es nicht gegeben.
Auch die Staatsanwaltschaft spricht bislang von einem Anfangsverdacht. Ob sich daraus erneut ein Fleischskandal entwickeln werde, bleibe abzuwarten, sagte Staatsanwältin Wilken. Heidemark wollte sich gestern zu den Vorwürfen nicht äußern. Gegenüber dem NDR, der zuerst über den Gammelfleisch-Verdacht berichtete, hatte das Unternehmen alle Vorwürfe zurückgewiesen. [mehr]
Foodwatch verklagt Bundesregierung
Statement der unabhängigen Verbraucherorganisation Foodwatch
Aus: foodwatch-Newsletter, Berlin, 10. Dezember 2007, 13.34 Uhr MEZ (News). [Original]BERLIN. Man stelle sich vor, der Deutsche Bundestag würde seine Entscheidungen still und heimlich treffen und die Bürger vor vollendete Tatsachen stellen. Unvorstellbar, denn Transparenz ist einer der Grundwerte einer demokratischen Gesellschaft. Unvorstellbar? Die Deutsche Lebensmittelbuch-Kommission verfährt nach genau diesem Prinzip. Das Gremium ist beim Bundesernährungsministerium angesiedelt und verfasst das Deutsche Lebensmittelbuch, eine Sammlung von Leitsätzen, die im Sinne von Sachverständigengutachten Herstellung, Beschaffenheit und Merkmale von Lebensmitteln beschreiben.
Die Kommission nimmt entscheidenden Einfluss auf den Lebensmittelmarkt, erfindet beispielsweise irreführende Bezeichnungen wie "Formfleisch-Schinken" für ein aus Fleischfasern zusammengepresstes Produkt. Diese Entscheidungen, die von großer Tragweite für alle Verbraucher sind, werden unter Ausschluss der Öffentlichkeit getroffen. Die Protokolle des Gremiums sind den Bürgern nicht zugänglich.
Seit Januar 2007 versucht foodwatch, Einsicht in diese Dokumente zu erhalten. Sowohl das Bundesernährungsministerium als auch die Lebensmittelbuch-Kommission verweigerten dies. Deshalb hat foodwatch beim Verwaltungsgericht Berlin Klage gegen die Bundesregierung eingereicht, um Einsicht in die Entscheidungsverfahren der Lebensmittelbuch-Kommission zu erhalten. Grundlage der Klage ist das am 1. Januar 2006 in Kraft getretene Informationsfreiheitsgesetz.
Demnach müssen Behörden und Bundeseinrichtungen mit öffentlich-rechtlichen Verwaltungsaufgaben Bürgern Informationen oder einen Bescheid erteilen. Das Verhalten von Bundesernährungsministerium und Lebensmittelbuch-Kommission führt die Grundidee des Gesetzes hingegen ad absurdum: Die zuständigen Behörden halten die Arbeitsweise eines für die Bürger derart wichtigen Gremiums vollständig unter Verschluss. [mehr]
Firma Heidemark entlastet
Aus: Yahoo-News, 11. Dezember 2007, 18.46 Uhr MEZ (Wirtschaft). [Original]OLDENBURG. Experten des niedersächsischen Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) haben bei Untersuchungen von sichergestelltem Putenfleisch der Firma Heidemark keine Mängel festgestellt. Alle Proben des im März in einem Kühlhaus eingelagerten Fleischs seien mikrobiologisch einwandfrei gewesen, teilte Staatsanwältin Frauke Wilken am Dienstag [11.12.2007] in Oldenburg mit. Die Ermittlungen hätten zudem ergeben, dass das beschlagnahmte Fleisch nicht aus Polen stamme.
Das Ermittlungsverfahren war aufgrund von drei eidesstattlichen Versicherungen ehemaliger Mitarbeiter des Unternehmens eingeleitet worden. Nach ihren Aussagen wurde in einem Heidemark-Betrieb in Ahlhorn (Kreis Oldenburg) im April und Mai dieses Jahres fast täglich verdorbenes Putenfleisch aus Polen angeliefert. Große Mengen seien umverpackt und neu etikettiert sowie teilweise mit unverdorbener Ware gemischt worden. Laut Staatsanwaltschaft wurde bei Durchsuchungen jedoch kein Fleisch aus Polen gefunden.
Im ARD-Magazin "Panorama" bekräftigten die 3 Anfang Juli entlassenen Mitarbeiter hingegen nochmals ihre Vorwürfe, wie der Norddeutsche Rundfunk berichtete. Das Fleisch sei aus Polen angeliefert worden, habe bereits gestunken und sei glitschig gewesen. Mehrere Supermarktketten wie Metro, Aldi und Lidl hatten Fleisch der Firma Heidemark wegen der Ermittlungen vorerst aus den Regalen genommen.
Das Unternehmen mit Hauptsitz in Garrel (Kreis Cloppenburg) hatte die Vorwürfe als gegenstandslos zurückgewiesen und der Staatsanwaltschaft seinerseits eidesstattliche Versicherungen zugesandt. Demnach haben fünf noch im Betrieb beschäftigte leitende Mitarbeiter versichert, dass unter ihrer Verantwortung niemals mangelhaftes Fleisch verpackt oder verarbeitet wurde.
Die Ermittlungen wegen des Verdachts des Verstoßes gegen das Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuch dauern derweil an. Die Auswertung sichergestellter Unterlagen sei noch nicht abgeschlossen, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Man werde auch weitere Zeugen vernehmen. [mehr]
Heidemark erstattet Anzeige gegen drei ehemalige Mitarbeiter
Aus: Yahoo-News, 12. Dezember 2007, 14.51 Uhr MEZ (Panorama). [Original]GARREL. Der Geflügelfleisch-Produzent Heidemark in Garrel setzt sich gegen die Gammelfleisch-Vorwürfe juristisch zur Wehr. Man habe Strafanzeige gegen 3 frühere Mitarbeiter erstattet wegen Abgabe falscher eidesstattlicher Versicherungen und Verleumdung, sagte ein Sprecher. Die 3 hatten ihrer Ex-Firma vorgeworfen, im April/Mai 2007 vergammeltes Fleisch aus Polen verarbeitet zu haben. Die amtlich als einwandfrei befundenen Fleischproben stammen nach Angaben der Staatsanwaltschaft aus dem angeblichen Tatzeitraum.
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