Nahrungsprobleme in den Medien – Teil 10 khd
Stand:  31.3.2006   (35. Ed.)  –  File: Food/in_M/edia_10.html




Hier werden einige ausgewählte und besonders interessante Artikel und andere Texte zum Thema "Nahrung" (food) gespiegelt und damit auf Dauer dokumentiert. Manches ist auch mit [Ed: ...] kommentiert. Tipp- und Übertragungsfehler gehen zu meinen Lasten.

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Kaum Schutz vor Ekelfleisch

Verbraucherschützer und Lebensmittelkontrolleure verlangen bessere Überwachung / Anhörung im Bundestag / Wirtschaft verteidigt sich

Aus:
Berliner Zeitung, 23. Januar 2006, Seite xx (Politik). [Original]

BERLIN. Nach den jüngsten Fleischskandalen rechnen Verbraucherschützer und Lebensmittelkontrolleure auch in Zukunft mit unappetitlichen Lebensmittelkrisen. Sie fordern deshalb eine deutliche Aufstockung der Überwachungskapazitäten. "Die in der Fleischwirtschaft bekannt gewordenen Skandale können sich grundsätzlich in allen Bereichen der Lebensmittelbranche wiederholen", heißt es einer Stellungnahme des Bundesverbandes der Lebensmittelkontrolleure, die der Berliner Zeitung vorliegt. Sie wurde für den Verbraucherausschuss des Bundestages verfasst, in dem heute eine Anhörung über die Missstände in der Fleischwirtschaft stattfindet.

Auch der Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) sieht in dem Skandal um Gammelfleisch keinen Einzelfall. Dieser stelle "lediglich die Spitze des Eisberges dar", schreibt der Verband in seiner Stellungnahme für die Abgeordneten. Hauptursache seien Lücken bei staatlichen und privaten Kontrollen. Die Lebensmittelkontrolleure beklagen unter anderem eine schlechte personelle und materielle Ausstattung der Behörden.

Zuletzt hatten immer neue Funde von verdorbenem Fleisch die Kunden entsetzt. Bis Anfang Dezember wurden mehr als 200 Tonnen vergammeltes Fleisch gefunden. Bundesweit waren rund 50 Betriebe in den Skandal verwickelt. Als Konsequenz stellte Ernährungsminister Horst Seehofer (CSU) umfangreiche Maßnahmen vor. Beispielsweise will der Minister die Meldepflichten verschärfen und die Zusammenarbeit der Behörden verbessern.

Rotationsprinzip gefordert

Nach Einschätzung der Verbraucherzentralen gehen Seehofers Pläne zwar in die richtige Richtung. Laut Stellungnahme greifen diese "an mehreren Stellen allerdings zu kurz". Unter anderem fordert der Verband mehr Überwachung auf der Ebene der Länder und Gemeinden. Außerdem regt er ein Rotationsprinzip für Kontrolleure an, damit diese in ihrer Region keine zu engen Bindungen zur Wirtschaft aufbauen können. Die Organisationen fordern ferner ein umfassendes Verbraucherinformationsgesetz. Damit sollen sich die Kunden künftig leichter über Missstände informieren können. Die Verbraucherschützer kritisieren, dass Seehofer bislang nur ein Auskunftsrecht der Konsumenten gegenüber Behörden plant. Unternehmen dagegen sollen verschont werden. Auch soll das Gesetz nur für Lebensmittel, nicht aber für andere Produkte und Dienstleistungen gelten.

Die Wirtschaft dagegen hält ein umfangreicheres Informationsrecht der Kunden für unnötig. Dies sei "keine geeignete Maßnahme", um Skandale zu verhindern, schreibt der Verband der Fleischwirtschaft. Der Hauptverband des Einzelhandels warnt vor dem von Seehofer geplanten Verbot von Dumping-Preisen. Die Regierung will Lebensmittelverkäufe unter dem so genannten Einstandspreis untersagen. Sie sieht im Preiskampf im Einzelhandel eine Hauptursache der Betrügereien.



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Neuer Gammelfleisch-Skandal

Ranzig, stickig, muffig – die Beschreibung für die Wildwaren des Deggendorfer Betriebs klingen wenig verlockend. Nach der Schließung der Firma hat sich dort nun ein Gasunfall ereignet.

Aus:
Berliner Morgenpost, 24. Januar 2006, 18.51 Uhr MEZ (Aktuell). [Original]

PASSAU/DEGGENDORF (morgenpost.de). Wenige Monate nach dem Gammelfleisch-Skandal haben Kontrolleure erneut ungenießbare Produkte entdeckt. Das bayerische Verbraucherschutzministerium startet am Dienstag [24.1.2006] eine Rückrufaktion für möglicherweise verdorbenes Fleisch eines Passauer Wildfleischproduzenten. Unterdessen hat sich bei der mittlerweile geschlossenen Deggendorfer Frost GmbH, bei der der Skandal im Herbst 2005 aufgeflogen war, ein Gasunfall ereignet. Bei der Freisetzung von 20 Kilogramm Ammoniak wurde allerdings niemand verletzt.

Bei Untersuchungen in Betriebsräumen der Berger Wild GmbH aus Passau sei festgestellt worden, daß verschiedene Wildfleischprodukte "ranzig, stickig, muffig oder sauer rochen", sagte Ministeriumssprecher Roland Eichhorn. "Bei 6 von 9 untersuchten Fleischproben hatte der Fäulnisprozeß bereits eingesetzt." Wie viel Fleisch aus den betroffenen Chargen im Handel ist, sei noch unklar.

      Firma Berger-Wild
^   Die bayerische Skandal-Firma Berger-Wild GmbH im Passauer Land, die den Kunden „des Waidmanns edle Ernte“ versprach und ungenießbaren Murks und Gammel lieferte. [Rückrufliste]   (Foto: 2006 – yahoo)
Laut Ministerium wurden in ganz Bayern 50 Proben von Berger- Fleisch genommen, 19 davon seien bereits untersucht worden. Dabei hätten die Kontrolleure acht Produkte beanstandet. Bei den zurückgerufenen Waren handelt es sich laut Eichhorn um Fleisch, das teilweise bis 2007 haltbar ist. Eine genaue Liste der Tiefkühlware wie Hirschrücken oder Hasenkeulen ist auf der Homepage des Ministeriums veröffentlicht (www.stmugv.bayern.de).

Bei Überprüfungen der Betriebsstätten des niederbayerischen Unternehmens in Ruderting und Ortenburg (Landkreis Passau) hätten die Kontrolleure "Ekel erregende hygienische Zustände" vorgefunden, sagte Eichhorn. Die betroffene Firma hat die Kontrollen unterdessen scharf kritisiert. Das Vorgehen der Behörden sei völlig unangemessen, sagte ein Sprecher des Unternehmens. Eigene Untersuchungen hätten völlig andere Ergebnisse erbracht.

Dem Unternehmen wurde laut Eichhorn vorübergehend verboten, selbst verarbeitetes Fleisch zu vertreiben. Ausgenommen seien Produkte, bei der ein einwandfreier Zustand nachgewiesen sei. Derzeit werde geprüft, ob Berger die Zulassung zur Verarbeitung und den Handel mit Fleisch entzogen werden soll. Das Verbraucherschutzministerium hatte bereits kurz nach bekannt werden des Fleischskandals um die Frost GmbH eine Rückrufaktion für Geflügelprodukte eines anderen Betriebes gestartet.

In der Nähe des seit eineinhalb Monaten geschlossenen Kühlhauses in Deggendorf, das mindestens 2600 Tonnen Schlachtabfälle als Nahrungsmittel verkauft haben soll, hatten Hafenarbeiter am Dienstagvormittag Ammoniak gerochen. An zwei Stellen des Kühlsystems waren die giftigen Dämpfe ausgetreten. Mitarbeiter eines Spezialunternehmens aus Schwaben konnten die Lecks nach einigen Stunden abdichten.

Nach Polizeiangaben war die mit dem Ammoniak gefüllte Kühlanlage möglicherweise wegen des Frosts eingefroren und deshalb beschädigt worden. In den Tanks des Unternehmens, das im Dezember Insolvenz angemeldet hatte, sollen noch etwa 1,5 Tonnen der Chemikalie lagern. [mehr]



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„Soll ich wirklich aus den Wildenten Fasanen machen?“

Der Wildfleisch-Skandal weitet sich aus: Die Proben aus dem Passauer Betrieb Berger-Wild GmbH enthielten sogar Salmonellen. In E-Mails wird die Lieferung abgelaufener Waren dokumentiert

Aus: Berliner Morgenpost, 25. Januar 2006, 18.11 Uhr MEZ (Aktuell). [Original]

PASSAU/MÜNCHEN (morgenpost.de). Der Skandal um verdorbenes Wildfleisch aus Niederbayern weitet sich aus. Eine der Frischfleischproben aus dem Passauer Betrieb Berger-Wild GmbH sei sogar mit Salmonellen belastet gewesen, teilte Bayerns Verbraucherschutzminister Werner Schnappauf (CSU) am Mittwoch in München mit. Nach Angaben des Ministeriums ergab eine Auswertung von E-Mails der Firma klare Hinweise, wonach aufgetautes Fleisch fälschlich als Frischware deklariert wurde und verdorbene Ware in voller Kenntnis in den Vertrieb gebracht wurde.

Nach Auswertung der innerbetrieblichen E-Mails besteht nach Ministeriumsabgaben auch der Verdacht auf Betrug. So hieß es in einer der E-Mails: "...soll ich wirklich aus den Wildenten Fasanen machen?" Ebenso wurde offenbar Gulasch aus Hirschwaden trotz abgelaufener Haltbarkeit als Wild-Edel-Gulasch (Firmenartikel 1040) verkauft. In einer Email hieß es dazu: "Ich habe euch gestern 465 kg abgelaufenes Hirschwadengulasch und 100 kg Kängurugulasch rübergeschickt, daraus sollt ihr die 400 kg Wildgulasch Art. 1040 für (...) machen, den Rest Wadengulasch könnt ihr sicher für was anderes verwenden."

Diese zeige, daß die Angelegenheit mit der am Dienstag eingeleiteten Rückrufaktion von Produkten keineswegs beendet sei, betonte Schnappauf. "Das Ganze hat das Zeug zu einem handfesten Fleischskandal." Inzwischen seien bereits zwölf Tiefkühlprodukte aus dem Handel und sechs Frischfleischproben aus dem Betrieb als "nicht für den menschlichen Verkehr geeignet" eingestuft worden. Bei manchen hatte bereits der FäulnisProzeß eingesetzt.

Bei der Kontrolle der Betriebsstätten des Unternehmens in Ruderting und Ortenburg wurden den Angaben zufolge bereits in der vergangenen Woche Ekel erregende Zustände festgestellt. So seien Arbeitsgeräte, Boden, Türen und Türgriffe mit Blut-, Fleisch- und Federresten verschmutzt gewesen, berichtete Schnappauf. Ebenso festgestellt wurden demnach Schimmelbildung an Decken und Wänden, Verunreinigung von Schlachtfleisch sowie Fleischkörper ohne Genusstauglichkeitskennzeichen, die aber als untauglich zu bewerten waren.

Als Beleg für den Verdacht bewussten Vertriebs von verdorbener Ware zitierte das Ministerium aus einer Firmen-Email zu Straußensteaks folgenden Wortlaut: "Wenn sie zu viel Frostbrand haben, auf ein S73Tray, mit einem 180x300 Fensterbeutel verpacken, damit man nicht so viel vom Fleisch sieht." In einer anderen Email hieß es zum Vertrieb aufgetauter Produkte als Frischware: "...dieser Fall ist wieder einmal ein Beispiel dafür, daß man nicht so ohne weiteres, wenn keine Frischware zur Verfügung steht, Tiefkühlware rausholt und diese in Wasser auftaut...wenn das gemacht wird, dann sollte dies schon mit großer Sorgfalt passieren..." Denn sonst könne dies zu aufgeblähten Packungen führen.

Das Unternehmen selbst hatte am Mittwoch [25.1.2006] zunächst nur eingeräumt, daß bei den Produkten "sensorische Abweichungen auftreten" könnten. Ministeriumssprecher Roland Eichhorn sagte: "Wir gehen davon aus, daß Fleisch aus den betroffenen Chargen noch im Handel ist oder in den Tiefkühltruhen der Verbraucher liegt". Möglicherweise seien weitere Berger-Produkte unter anderen Markennamen im Handel. "Wir nehmen das sehr, sehr ernst", betonte Schnappauf.

Dem Unternehmen wurde laut Ministerium vorübergehend verboten, selbst verarbeitetes Fleisch zu vertreiben. Ausgenommen seien Produkte, bei denen ein einwandfreier Zustand nachgewiesen sei. Es werde geprüft, ob Berger die Zulassung zur Verarbeitung und zum Handel mit Fleisch entzogen werden soll. Die anderen Bundesländer wurden nach den Worten von Schnappauf über die jetzt beanstandeten Produkte informiert. Die Unterlagen des Betriebes würden derzeit ausgewertet. Die Kriminalpolizei habe bereits am 9. Januar umfangreiche Unterlagen an das Veterinäramt Passau weitergeleitet. [mehr]



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Skandal um verdorbenes Wildfleisch zieht Kreise

Aus:
Yahoo-News, 27. Januar 2006, 17.19 Uhr MEZ (News). [Original]

BERLIN. Der Skandal um verdorbenes Wildfleisch aus Bayern weitet sich aus. Produkte der in Verdacht geratenen Passauer Firma Berger wurden in mehreren Bundesländern und auch in Österreich entdeckt. Zwei Betriebsstätten des Unternehmens wurden von den Behörden geschlossen, dort dürfen ab sofort keine Fleischprodukte mehr hergestellt werden.

 

In der aktuellen Ausgabe von Science berichten Wissen- schaftler, daß bei an CWD erkranktem Wild infektiöse Prionen auch im Muskel- Fleisch nachweisbar gewesen seien. [mehr]


CWD ist wie BSE beim Wild wie Reh, Hirsch oder Elch. Vor dem Genuß solchen Wildfleisches wird gewarnt. Ob Wildfleisch von solchen CWD-Tieren den Weg aus Nordamerika zum bayerischen Wildbetrüger Berger-Wild in Passau gefunden haben, ist bislang nicht bekannt. (27.1.2006 – bse-p)

Ware des Unternehmens gelangte nach Rheinland-Pfalz: Drei Zwischenhändler wurden mit 200 Kilogramm tiefgekühlten Hasenkeulen beliefert, teilte das Umweltministerium in Mainz mit. Die Ware sei bereits größtenteils sichergestellt worden. Auch in Nordrhein- Westfalen und Hessen tauchte möglicherweise verdorbenes Wildfleisch aus Bayern auf. Kontrolleure stellten 75 Kilogramm Fleisch bei zwei Großhändlern in NRW sicher, teilte die Soester Lebensmittelüberwachung am Freitag [27.1.2006] mit. Noch ist aber unklar, ob die Produkte vergammelt sind. Ein niederländischer Empfänger war alarmiert worden, noch bevor er das Fleisch an Supermärkte geliefert hatte. Das Bundesverbraucherministerium hält den Skandal für "gravierend".

"Wenn es zutrifft, dass der Betrieb in der Vergangenheit mehrfach kontrolliert worden ist, deutet das auf schwere Defizite bei den Kontrolleuren hin", sagte der Parlamentarische Staatssekretär Gerd Müller (CSU) der Passauer Neuen Presse (Freitag [27.1.2006]). "Das muss genauestens untersucht werden."

Müller sagte weiter, der Fall des Passauer Unternehmens müsse zum Anlass genommen werden, den Druck auf die Länder zur Umsetzung des Zehn-Punkte-Programms von Verbraucherminister Horst Seehofer (CSU) zu erhöhen. Das Bundesverbraucherministerium betonte, dass die Verantwortung der Aufklärung zunächst bei den Ländern liege. Der Bund könne koordinierend tätig werden. Wenige Tage nach Bekanntwerden des Skandals hat das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit in Bayern die Aufklärung übernommen. Die Leitung der Sonderkommission sei dem Landesamt übertragen worden, sagte ein Sprecher des bayerischen Verbraucherschutzministeriums. Bisher war die Regionalregierung von Niederbayern dafür zuständig.

Als Grund für den Zuständigkeitswechsel gab das Ministerium an, dass die Vizepräsidentin der Regierung von Niederbayern und bisherige Soko-Chefin Monika Weinl krank geworden sei. Nach Informationen der ARD-"Tagesschau" hat Verbraucherschutzminister Werner Schnappauf (CSU) jedoch weitere Konsequenzen aus dem Skandal um das Passauer Unternehmen Berger-Wild gezogen und der Regierungsbehörde in Landshut die Leitung entzogen.

Der Passauer Wildfleischhändler ist nach Angaben der deutschen Wildhalter bereits vor Jahren mit zweifelhaften Geschäftspraktiken aufgefallen. Das Unternehmen habe damals von bayerischen Wildhaltern Fleisch von Gehegetieren zu Dumpingpreisen kaufen wollen, sagte der Vorsitzende des Bundesverbandes für landwirtschaftliche Wildhaltung, Karl-Heinz Funke. Das Angebot habe rund 60 Prozent unter dem normalen Marktpreis gelegen. "Dieses wurde entschieden abgelehnt, da solches Geschäftsgebaren mit der Geiz-ist-Geil- Mentalität zum Verramschen von hochwertigen Fleischqualitäten führen würde", erklärte der frühere SPD-Bundesagrarminister. Berger ist nach Angaben der Wildhalter Europas größter Wildfleischhändler. Funke kritisierte die Behörden scharf. Trotz staatlicher Kontrollpflichten würden in großen Unternehmen Vergehen wie beim jüngsten Skandal nicht festgestellt.

Das Gesundheitsministerium in Wien ordnete eine Rückholaktion für 12 Produkte der Firma Berger an. In 5 Bundesländern wurde nach Angaben der Nachrichtenagentur APA verdorbenes Fleisch sichergestellt. Überprüfungen hätten ergeben, dass das Fleisch für den Verzehr nicht geeignet gewesen sei. Die Behörden halten es jedoch wegen des Aussehens und des säuerlich-fauligen Geruchs der Stücke für unwahrscheinlich, dass Käufer die schlechte Ware bereits verzehrt haben könnten.

Die Verbraucherorganisation Foodwatch forderte deutliche Sanktionen gegen "schwarze Schafe". "Wir brauchen Unternehmensstrafen", sagte Vize-Geschäftsführer Matthias Wolfschmidt am Freitag [27.1.2006] in Berlin. Die Bußgelder könnten sich etwa am Umsatz orientieren. Die bisherigen Maßnahmen im Kampf gegen Gammelfleisch reichen nach Ansicht von Foodwatch "bei weitem" nicht aus. Nötig sei eine Reform des Kontrollsystems.

Agrarminister Seehofer hatte als Konsequenz aus dem Skandal um verdorbenes Fleisch 2005 mit den Ländern einen Zehn-Punkte-Plan vereinbart, der unter anderem eine bessere Koordination der Kontrollen und eine Meldepflicht für angebotenes Gammelfleisch vorsieht.

In Zusammenhang mit aufgeflogenen Fällen von Gammelfleisch ermittelt derzeit auch die Kieler Staatsanwaltschaft gegen einen Großhändler in Neumünster. Das bestätigte Oberstaatsanwalt Uwe Wick am Freitag [27.1.2006]. Bei einer Durchsuchung seien im Jahr 2005 insgesamt 15 Tonnen mit abgelaufenem Verbrauchsdatum sichergestellt und vernichtet worden. Außerdem bestehe der Verdacht, dass frisches Putenfleisch nach Ablauf des Verbrauchsdatums eingefroren und als Tiefkühlkost in den Handel gebracht worden sei. Ausgelöst wurden diese Ermittlungen laut Wick im Herbst 2005. [mehr]



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Firma wegen Gammelwild geschlossen

Aus:
Der Tagesspiegel, Berlin, 28. Januar 2006, Seite 28 (Weltspiegel). [Original]

MÜNCHEN. Der bayerische Wildfleischskandal bekommt internationale Dimensionen. Die Passauer Firma Berger-Wild habe 12 Tonnen beanstandete Ware an 140 Betriebe in Deutschland, Österreich, Italien und Frankreich geliefert, sagte Verbraucherminister Werner Schnappauf (CSU). Zugleich entzog er der niederbayerischen Bezirksregierung am Freitag [27.1.2006] die Leitung der Sonderkommission „Wild“. Jetzt soll der Vizepräsident des Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit durchleuchten, „warum Hygienemängel bei der amtlichen Überwachung nicht erkannt wurden und welche Konsequenzen es für das Kontrollsystem geben muss“.

Bezirksregierung und Veterinärbehörden waren nach Angaben der Staatsanwaltschaft Landshut vor ein einhalb Jahren über mögliche Manipulationen bei Berger-Wild informiert worden. Der Zoll [Ed: eine Bundesbehörde!] habe bei Durchsuchungen Mitte 2004 Hinweise auf verlängerte Haltbarkeitsdaten und Umetikettierungen gefunden. Dabei sei es auch darum gegangen, Tiefkühl- als Frischfleisch oder Wildschaf als Gams auszugeben, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Helmut Kobor.

Von bisher 53 untersuchten Proben seien 15 nicht für den Verzehr geeignet gewesen. Die Bezirksregierung entzog dem Passauer Skandalbetrieb mit sofortiger Wirkung die Zulassung. Die beiden Fleischbetriebe [in Ruderting und Ortenburg im Landkreis Passau] blieben damit auf Dauer geschlossen, sagte ein Sprecher. [mehr] [Rückrufliste]

[15.10.2005: Bayern – ein Eldorado für Lebensmittel-Panscher? Der Ekelfleisch-Skandal in Bayern wirft Fragen auf]  (khd-Page)



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„Ratten als Delikatesse“

Über die Gesundheitsgefahren durch vergammeltes Wildfleisch in Bayern wissen die Behörden offenbar bereits seit einem halben Jahr Bescheid. Möglicherweise wurde nicht nur beim Haltbarkeitsdatum, sondern auch bei der Fleischart umetikettiert.

Aus: Stern, 28. Januar 2006, ??.?? Uhr MEZ (Politik). [
Original]

MÜNCHEN/LANDSHUT. Im bayerischen Wildfleisch-Skandal haben die Behörden spätestens Mitte 2005 von möglichen gesundheitlichen Gefährdungen gewusst. In einem Schreiben vom 13. Juli 2005, das offenbar vom Hauptzollamt Landshut an die Kriminalpolizei Passau ging, hieß es: "Es besteht auch der Verdacht, dass die Gesundheit vieler Menschen geschädigt wird, indem man nicht genussfähiges Wildbret unter falschen Angaben in den Verkauf bringt." Das Berliner Verbraucherschutzministerium kündigte mehr Druck auf die Länder an. "Die Verantwortung für diesen Fall liegt eindeutig in Bayern, wo die Kontrollmechanismen offenbar nicht zufrieden stellend funktioniert haben", sagte der Parlamentarische Staatssekretär Gerd Müller der Welt am Sonntag.

Bereits am 1. März 2005 hatte es nach Angaben des Polizeipräsidiums Niederbayern/Oberpfalz eine Besprechung zwischen Ermittlern und Veterinäramt Passau gegeben. Gegenstand seien die wesentlichen Inhalte von rund 22.500 E-Mails mit Verdachtsmomenten auf lebensmittel-, seuchen- und hygienerechtliche Verstöße gewesen. "Die Sonderkommission "Wild" hat jetzt auch die Aufgabe, die Inhalte der Besprechung zu prüfen", sagte der Sprecher des Verbraucherschutzministeriums, Roland Eichhorn am Samstag [28.1.2006]. "Die Soko wird auch Hinweisen nachgehen, ob es Versäumnisse der Veterinärbehörden gab und ob nach dieser Besprechung ein Einschreiten nötig gewesen wäre."

12 Tonnen Fleisch betroffen

Die Firma Berger, die einen Jahresumsatz von rund 30 Millionen Euro hatte und als Europas größter Wildfleischhändler galt, hatte am Freitag [27.1.2006] die Zulassung für zwei Filialen verloren. In Ortenburg und Ruderting im Landkreis Passau dürfen ab sofort keine Fleischprodukte mehr hergestellt werden. Insgesamt seien sieben Zulassungen aus den Jahren 1995 bis 2002 entzogen worden. Über die Schließung eines Kühlhauses soll kommende Woche entschieden werden. Die Firma war nicht erreichbar, sie hat inzwischen auch ihre Internet-Seite aus dem Netz genommen.

Nach Angaben des bayerischen Verbraucherschutzministeriums waren Produkte der Firma in fast alle Bundesländer sowie nach Österreich, Italien und Frankreich geliefert worden. Insgesamt gehe es um eine Gesamtmenge von rund 12 Tonnen Fleisch. Von 53 aus dem Handel stammenden Tiefkühlproben waren nach den bisherigen Gutachten 15 nicht für den Verzehr geeignet. Das Ministerium weitete seine Rückrufaktion für Wildfleischprodukte aus.

Stabilisatoren ließen das Fleisch frisch aussehen

In dem Papier vom 13. Juli 2005 unter der Überschrift "Ermittlungsergebnis" heißt es, Beschuldigter im Ermittlungsverfahren sei Geschäftsführer Karl Berger. Neben der Umetikettierung sei in Fleisch Stärke injiziert worden. Zuweilen sei auch mit Stabilisatoren gearbeitet worden, "da das Fleisch dann nach 10 Tagen so aussieht wie am ersten Tag", zitiert das Schreiben aus einer der E-Mails. Bei zu erwartenden Kontrollen der Veterinäre würden Kühlhäuser geleert; dort gelagerte Waren, die nicht den gesetzlichen Normen entsprächen, sollten verschwinden. "Als besondere "Delikatesse" werden auch "Ratten" gehandelt", erläuterten die Ermittler.

Allerdings ging das Schreiben offenbar nicht an das Landratsamt. Einem Bericht der Passauer Neuen Presse vom Samstag [28.1.2006] zufolge war Passaus Landrat Hanns Dorfner dieses Schreiben nach eigener Aussage nicht bekannt.

Bereits im Juli 2004 hatten Mitarbeiter des Hauptzollamtes Landshut bei ihren Ermittlungen wegen Schwarzarbeit gegen Berger Manipulationen festgestellt. Im Auftrag der Staatsanwaltschaft schalteten sie die Regierung von Niederbayern ein. Um die Ermittlungen nicht zu gefährden, seien die Lebensmittelaufseher damals aber nicht selbst tätig geworden, hatte der Sprecher der Regierung von Niederbayern, Alfons Völk, gesagt. Er schloss nicht aus, dass es vor eineinhalb Jahren Versäumnisse in seiner Behörde gegeben habe. Von Hygienemängeln sei zu diesem Zeitpunkt allerdings nicht die Rede gewesen. [mehr]



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Die Rückrufliste im Wildfleisch-Skandal

Aus: Lausitzer Rundschau, 28. Januar 2006, 14.51 Uhr MEZ (Politik). [
Original]

MÜNCHEN/PASSAU. Das bayerische Verbraucherschutzministerium hat im Passauer Wildfleisch-Skandal die Rückrufaktion für möglicherweise ungenießbares Fleisch ausgeweitet. Die aktuelle Liste umfasst mittlerweile mehr als ein Dutzend Fleischprodukte der Berger Wild GmbH [MHD = Mindesthaltbarkeitsdatum]:

  1. Hirschrücken ohne Knochen (tiefgekühlt, in vakuumverschweißter Kunststofffolie) Kennzeichnung: Berger Wild GmbH, Wildbearbeitungsbetriebe, D-94036 Passau, E 10.11491/CC C.E.E.; Verpackungsdatum 24.10.2005, MHD14.10.2007.

  2. Wildschweinrücken mit Knochen (tiefgekühlt, in vakuumverschweißter Kunststofffolie) Kennzeichnung: Berger Wild GmbH, Wildbearbeitungsbetriebe, D-94036 Passau, PL 02210701 EWG, Verpackungsdatum 15.02.2005, MHD 9.8.2006.

  3. Fasanenbrustfilet ohne Haut, ohne Knochen (tiefgekühlt, in Styroporfoodtrainer mit verschweißter Kunststofffolie) Kennzeichnung: Berger Wild GmbH, Wildbearbeitungsbetriebe, D-94036 Passau, UK 5459 EC, Verpackungsdatum 24.01.2005, MHD 24.01.2007.

  4. Hasenrücken (tiefgekühlt, in Styroporfoodtrainer mit verschweißter Kunststofffolie) Kennzeichnung: Berger Wild GmbH, Wildbearbeitungsbetriebe, D-94036 Passau, D EW 14 EWG, Verpackungsdatum 31.03.2005, MHD 21.03.2007.

  5. Hasenkeulen (tiefgefroren, in geformtem Foodtrainer, weiß, bunt bedruckte Folie) Kennzeichnung: Hergestellt für Berger Wild GmbH, D- 94036 Passau, verpackt am 31.05.2005, MHD 01.06.2007.

  6. Wildknochen (tiefgefroren, rohe, teilweise angesägte Wirbelknochen) Kennzeichnung: Berger Wild GmbH, Wildbearbeitungsbetriebe, D-94036 Passau, PL 02210701 EWG, Verpackungsdatum: 18.10.2005, MHD 11.04.2007.

  7. Hasenkeulen (tiefgekühlt, in geformtem Foodtrainer, weiß, bunt bedruckte Folie) Kennzeichnung: Hergestellt für Berger Wild GmbH, D- 94036 Passau, verpackt am 25.04.2005, MHD 26.04.2007.

  8. Hasenkeulen (tiefgekühlt, in geformtem Foodtrainer, weiß, bunt bedruckte Folie) Kennzeichnung: Hergestellt für Berger Wild GmbH, verpackt am 25.05.2005, MHD 26.05.2007.

  9. Rehragout mit Knochen (tiefgekühlt, in Kunststoffbeutel) Kennzeichnung: Berger Wild GmbH, Wildbearbeitungsbetriebe, D-94036 Passau Verpackungsdatum: 7.6.2005, MHD 29.11.2006.

  10. Hirschkalbskeule ohne Knochen (tiefgekühlt, in vakuumverschweißter Kunststofffolie) Kennzeichnung: Berger-Wild GmbH, Wildbearbeitungsbetriebe, D-94036 Passau, D EW 13 EWG, Verpackungsdatum: 21.12.2005, MHD 11.12.2007.

  11. Rehkeule, frisch (in bunt bedruckter Folie) Kennzeichnung: Berger-Wild GmbH, Wildbearbeitungsbetriebe, D-94036 Passau, D EW 13 EWG, MHD 30.01.2006.

  12. Fasanenbrust mit Knochen (in durchsichtigem, verknotetem Kunststoffbeutel, rechteckige weiße, von einer teilweise bedruckten Schrumpffolie umgebene Kunststoffschale) Kennzeichnung: Bergerwild, Berger Wild GmbH, D-94036 Passau MHD 3.5.2007.

  13. Wildgulasch vom Hirsch (tiefgekühlt in durchsichtigem verschweißten Kunststoffbeutel) Kennzeichnung: Berger Wild GmbH, Wildbearbeitungsbetriebe, D-94036 Passau, MHD 17.05.2007.

  14. Tiefgefrorene Hasen, Hasenkeulen Senasan N° 1426/05119/1, Industria Argentina Tapalque, ENV 100805, LOT 000372, VEN 100807, RA 1426, Wildverarbeitungsbetrieb Euro Tapalque S.A., Provincia de Buenos Aires Argentina.

  15. Fasan bratfertig, tiefgekühlt in Styropor-Foodtainer, von Frischhaltefolie umwickelt Kennzeichnung: TK Fasan bratfertig, MHD 28.11.2007 Cumbrian Emballe le 30.11.05 A consommer de 30.11.07, UK 4481 EEC, 16 Westmoor Road Kingstown Industrial Estate Carlisle CA 3 OHD.

  16. [Ed-1.2.2006: und mindestens 16 weitere Produkte].



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Ziemlich wild gepfuscht

Ein bayerisches Unternehmen soll europaweit vergammeltes Wildfleisch verkauft haben. Die Behörden wußten seit langem von Mißständen – unternahmen aber nichts [Ed: so ist das eben in Stoiber-Land].

Hinweis auf: Der Spiegel – 5/2006, 30. Januar 2006, Seite 81 (Wirtschaft) von MICHAEL FRÖHLINGSDORF. [Original suchen]

[mehr]



Höhn kritisiert Verbraucher-Informationsgesetz

Aus:
Yahoo-News, 30. Januar 2006, 7.56 Uhr MEZ (News). [Original]

OSNABRÜCK. Die Vorsitzende des Bundestagsausschusses für Verbraucherschutz, Bärbel Höhn (Grüne), hält das geplante Informationsgesetz als Reaktion auf die Skandale um Gammelfleisch für "völlig unzureichend". "Seehofers weichgespülter Entwurf verbessert kaum etwas", sagte die ehemalige Umweltministerin von Nordrhein-Westfalen der Neuen Osnabrücker Zeitung. Er lasse zu viele Hintertüren offen. "So müssen Behörden gar nichts herausgeben, wenn sie das nicht wollen."

Der bisher inoffizielle Entwurf war von Landwirtschaftsminister Horst Seehofer (CSU) angestoßen worden. Höhn sagte, um Auskünfte zu verweigern, reiche der Verweis auf ein laufendes Verwaltungs- oder Strafverfahren gegen eine Firma ebenso wie der Hinweis auf Datenschutz. "Auch das Argument soll ziehen, es gehe um Betriebsgeheimnisse oder 'wettbewerbsrelevante' Informationen."

Höhn hält zudem das vorgesehene Verfahren einer Auskunft für viel zu kompliziert. "Es muss ein schriftlicher Antrag gestellt werden, der in der Regel innerhalb von 2 Monaten zu beantworten ist." Hinzu komme, dass betroffene Unternehmen vor einer Auskunft 1 Monat Zeit hätten, sich dazu zu äußern. "Es kann also 3 Monate oder länger dauern, bis eine Information beim Verbraucher ankommt. Das ist wahrlich kein effektiver Schutz."

Vollends allein gelassen wird der Verbraucher nach den Worten der Grünen-Politikerin, wenn die Behörde noch keine Informationen über Produkte habe, nach denen der Bürger frage. "Denn sie soll nicht verpflichtet sein, sich Informationen zu beschaffen. Selber nachfragen darf der Verbraucher beim Unternehmen nach Seehofers Plänen aber auch nicht." [mehr]



Seehofer pocht auf bessere Lebensmittelkontrolle

Aus:
Yahoo-News, 30. Januar 2006, 11.40 Uhr MEZ (News). [Original]

MÜNCHEN. Bundesverbraucherschutzminister Horst Seehofer (CSU) pocht angesichts des jüngsten Fleischskandals auf eine bessere Lebensmittelkontrolle. Seehofer sagte am Montag vor einer CSU-Vorstandssitzung in München, er stelle jetzt zwar nicht die zuständigen Bundesländer "an den Pranger". Dort müsse aber "etwas geschehen".

Seehofer lobte, die Vorschläge aus Bayern gingen "in die richtige Richtung". So sei es zu begrüßen, wenn der bayerische Verbraucherschutzminister Werner Schnappauf (CSU) an die Einführung des so genannten Rotationsprinzips bei Prüfern oder einer speziellen Task Force für Fleischdelikte nachdenke.

Seehofer wies zugleich den Vorwurf der Grünen zurück, sein Entwurf für ein Informationsgesetz als Reaktion auf die Skandale um Gammelfleisch sei unzureichend. Der CSU-Politiker betonte: "Aus meiner Sicht steht da drin, was notwendig ist." Dies gelte etwa für die notwendigen Verbesserungen bei der Struktur der Lebensmittelkontrolle in Deutschland.



W I L D F L E I S C H - S K A N D A L

Fleischskandal-Firma zahlungsunfähig

Aus:
Yahoo-News, 31. Januar 2006, 18.14 Uhr MEZ (News). [Original]

MÜNCHEN/PASSAU. Nach dem Fleischskandal hat Europas größter Wildbetrieb, die Firma Berger Wild, Insolvenz angemeldet. Der Chef des Unternehmens, Karl Berger, wies die massiven Vorwürfe zurück und kündigte über seinen Anwalt Schadensersatzforderungen an. Die Zahl der nicht für den menschlichen Verzehr geeigneten und deswegen zurückgerufenen Produkte verdoppelte sich unterdessen auf 31. Verbraucherschutzminister Werner Schnappauf (CSU) kündigte am Dienstag [31.1.2006] die Einrichtung einer "Spezialeinheit Lebensmittel" an, um bei Betrug künftig schnell und schlagkräftig landesweit agieren zu können.

Nach Angaben des Ministeriums wurden von den bayerischen Behörden weitere 12 Fleischproben beanstandet. Zudem seien in Hessen 3 und in Nordrhein-Westfalen 1 Probe als genussuntauglich bewertet worden. Weitere Proben werden noch untersucht. Die Produktionsstätten der Firma waren bereits in den vergangenen Tagen geschlossen worden. In Nordrhein-Westfalen wurden bislang 1,8 Tonnen Wildfleisch und Hirsch- Edelgulasch aus dem Verkehr gezogen, wie die dortigen Behörden mitteilten.

Schnappauf betonte, der Verdacht auf Straftaten bei der Firma Berger Wild sei nach "derzeitiger Aktenlage nicht auszuschließen". So sei offensichtlich über Jahre Lebensmittelrecht massiv verletzt worden, "um Kunden über Qualität und Herstellungsmethoden der Waren zu täuschen". Offenbar sei in großem Stil aufgetautes Fleisch als Frischware verkauft worden.

Der Chef von Berger Wild, Karl Berger, kritisierte, seine Firma sei kaputt gemacht worden, ohne dass verwertbare Probenergebnisse vorgelegen hätten. "Man hätte uns Gelegenheit geben müssen, auch Gegenproben untersuchen zu lassen", bemängelte er. Sein Rechtsanwalt Hartmut Finger kündigte an: "Im Strafverfahren wird sich nur ein Bruchteil der Vorwürfe bestätigen und dann werden wir auf jeden Fall Schadensersatzansprüche prüfen." Durch die Insolvenz des Unternehmens gehen laut Berger 80 Arbeitsplätze in der Region verloren.

Die neue "Spezialeinheit Lebensmittel" soll Schnappauf zufolge mit Juristen, Veterinären und Lebensmitteltechnikern besetzt werden. Darüber hinaus sollten die Landkreise kurzfristig durchsetzen, dass amtliche Tierärzte nicht mehr dauerhaft ein bestimmtes Unternehmen überwachen, sondern beispielsweise nach 2 bis 3 Jahren wechseln. Außerdem will der Minister den Informantenschutz für Mitarbeiter aus der Lebensmittelwirtschaft stärken und dafür eigens eine Anlaufstelle für vertrauliche Informationen einrichten. Vorwürfe, er trage eine Mitschuld an dem Skandal, wies Schnappauf entschieden zurück.

SPD-Verbraucherschutzexperte Herbert Müller kritisierte Schnappauf: "Uns interessiert weniger Ihr Aktionismus nach den Vorfällen, uns interessiert, ob Sie davor Ihrer Verantwortung nachgekommen sind." Der SPD-Politiker drohte einen Untersuchungsausschuss an. Grünen-Agrarexperte Adi Sprinkart bemängelte "Kumpanei zwischen Fleischmafia und staatlichen Behörden" im Freistaat.

Bayerns Metzger fordern angesichts des Skandals ein Umdenken in der Kontrollpraxis. Ein zentraler Mangel sei, dass bei der Häufigkeit und Intensität der Überprüfungen nicht die vom jeweiligen Unternehmen umgesetzte Menge an Fleisch berücksichtigt werde, kritisierte der Geschäftsführer des Fleischerverbands Bayern, Josef Fendt. Bisher würden kleinere Betriebe in Bezug auf die verkaufte Fleischmenge überproportional häufig kontrolliert. Dabei zeigten die Skandale der jüngsten Zeit, dass in der Regel größere Unternehmen betroffen seien.



Schweine kriegen ihr Fett weg

In Tierfutter wurde Dioxin gefunden. Mastbetriebe wurden gesperrt – weil die Kontrolle funktioniert.

Aus:
Der Tagesspiegel, Berlin, 1. Februar 2006, Seite xx (Weltspiegel). [Original]

Ein wenig zögerlich mag heute mancher Fleischliebhaber ins Schnitzel beißen. Schließlich wurde Dioxin im Schweinefutter gefunden. Fünf deutsche Zuchtbetriebe sind betroffen, in Thüringen, Nordrhein-Westfalen und auch in Brandenburg. "Ein Betrieb in Potsdam- Mittelmark hat seit Mitte Dezember belastetes holländisches Mischfutter verwendet", sagt Amtstierarzt Hans-Georg Hurttig. Dem Futter sei Fett beigemischt gewesen, das zu viel Dioxin enthalten habe.

Ausgangspunkt ist das belgische Unternehmen Tessenderlo Chemie. "Bei der Produktion von Gelatine wird zur Verarbeitung von Knochenfett Salzsäure verwendet", erklärt Jochen Heimberg, Bundesamt für Verbraucherschutz in Bonn. Wegen eines defekten Filters wurde die Chemikalie nicht richtig gereinigt. Dioxin gelangte ins Fett, das von belgischen Betrieben dem Futter für Schweine und Geflügel beigemischt wird. Dieses dioxinbelastete Futter ging auch an Zuchtbetriebe in den Niederlanden und Deutschland.

In einem der holländischen Betriebe schrillten die Alarmglocken, als das Analysegerät einen Dioxinwert anzeigte, der weit über dem EU-Höchstwert von 0,75 Nanogramm (millionstel Milligramm) pro Kilogramm Futter lag. "Bei den betrieblichen Schnellanalysen wurden bis zu 50 Nanogramm gemessen", sagt Hurttig. Die Dioxinwerte des verseuchten Fettes gibt er mit 400 Nanogramm pro Kilogramm an, das ist das Zweihundertfache des EU-Höchstwertes von 2 Nanogramm.

Nun lief die für solche Notfälle vorgesehene Maschinerie an. Eilmeldungen gingen an die zuständigen Ministerien und Lebensmitteluntersuchungsämter.

Zucht- und Mastbetriebe, die das Futter abgenommen hatten, wurden in Belgien, Holland und Deutschland gesperrt. "Es dürfen vorerst keine Schweine zum Schlachten gegeben werden", erklärt Hurttig. Zunächst würden das restliche Tierfutter und die Milch der Sauen untersucht. Probeschlachtungen von Ferkeln würden notwendig, um deren Fleisch auf Dioxin analysieren zu können.

Was dann passiert, hängt von den Anfang nächster Woche vorliegenden Dioxinwerten ab. Denn bei den Tieren handelt es sich um "Mastläufer", also Ferkel, die etwa bis Mitte des Jahres auf dem Hof gemästet werden. Bisher haben die Schweinchen nicht das belastete Tierfutter gegessen, sondern die weniger verseuchte Milch der Sauen getrunken. "Vielleicht sinkt der Wert im Laufe der Zeit in einen akzeptablen Bereich", sagt der Amtstierarzt. Sonst müssten die Tiere getötet werden – eine ökonomische Katastrophe für den Züchter, denn die Zahl könnte in die Hunderte gehen.

Doch Konsequenz ist notwendig, schließlich gilt Dioxin als extrem gesundheitsgefährdend. Die Substanz schädigt langfristig das Immunsystem und führt zu neurologischen Ausfällen. Ob sie auch Krebs auslöst, ist noch ungeklärt. Gut fettlöslich, reichert sich der Stoff im Körper an – unter der Haut oder in der Leber.

Dioxin ist mittlerweile überall in der Umwelt vorhanden. Es entsteht bei Verbrennungsprozessen oder der Metallveredelung. Müllverbrennung und Automobilverkehr sind ebenso Auslöser wie natürliche Prozesse – Waldbrände oder Gewitter. Durch den Einbau von Filtern etwa kommt mittlerweile weniger Dioxin in die Umwelt und damit in die Nahrungskette. "Unsere Untersuchungen zeigen, dass die Dioxinbelastung der Lebensmittel in den letzten Jahren zurückgegangen ist", sagt Rainer Malisch vom Veterinäruntersuchungsamt in Freiburg. Fleischliebhaber können so beruhigt ins Schnitzel beißen. [mehr]



Dioxin im Schweinefutter gefunden

Ferkelzuchtanlage gesperrt – erste Probeschlachtungen

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Berliner Zeitung, 1. Februar 2006, Seite xx (Berlin). [Original]

POTSDAM. Vom Skandal um Dioxin im Tierfutter ist auch Brandenburg betroffen. Gestern ist eine Mastanlage mit etwa 4.000 Ferkeln in einem an Berlin angrenzenden Landkreis geschlossen worden. Der Betrieb wird nicht genannt, da unklar ist, ob der Betreiber von dem Giftfutter wusste. "Wir wollen keinen Rufmord", sagte Günter Hälsig, Abteilungsleiter Verbraucherschutz im Potsdamer Agrarministerium. "Vom 15. Dezember bis 25. Januar wurden mehr als 185 Tonnen des möglicherweise verseuchten Tierfutters aus Belgien an die Firma geliefert." Kein Tier darf dem Hof mehr verlassen, das Futter ist beschlagnahmt und wird vom Landeslabor untersucht, ebenso Fleisch aus Probeschlachtungen. "Untersuchungsergebnisse liegen erst Ende der Woche vor", sagte Hälsig. Eine Gefahr für den Verbraucher bestehe nicht, da Ferkel nur 67 Tage gemästet werden und belastete Tiere noch nicht schlachtreif seien. "Geprüft wird, ob bereits Tiere vorzeitig den Hof verlassen haben", sagte Hälsig.

Einem belgischen Großlieferanten wird vorgeworfen, monatelang dioxinverseuchtes Futter ausgeliefert zu haben. Offenbar handelt es sich um einen Betrieb, der bereits 1999 einen Dioxin- Futter-Skandal zu verantworten hat. Über das Schnellwarnsystem der EU informierten die belgischen Ermittler die betroffene Länder. In Belgien und Holland sind 600 Landwirtschaftshöfe betroffen. "In der Bundesrepublik sind es derzeit fünf Betriebe in den drei Ländern Brandenburg, Thüringen und Nordrhein-Westfalen", sagte eine Sprecherin des Bundesverbraucherministeriums.

Krebserregende Substanzen

Das Tierfutter ist mit Tierfett verunreinigt, das wiederum Dioxin enthält. "Sowohl Tierfett als auch Dioxin sind bei uns im Futter verboten", sagte der Sprecher des Potsdamer Agrarministeriums, Jens-Uwe Schade. Dioxin sei ein Sammelbegriff für etwa 50 Giftstoffe. Die gefährlichsten, etwa das so genannte Seveso-Gift, können schon in geringer Konzentration tödlich sein. "Viele Dioxine gelten als Krebs erregend", sagte er. "Die Weltgesundheitsorganisation hat festgelegt, dass die duldbare tägliche Aufnahme von Dioxin nicht höher liegen darf als 1 bis 4 Billionstel Gramm pro Tag", sagte Schade. In Deutschland gelte der untere Wert.

Viele Brandenburger Schweinezüchter sind "landarme" Bauern, die ihr Futter nicht selbst produzieren, sondern kaufen. "Und dabei sind Belgien und Holland führend", sagte Schade. Der betroffene Brandenburger Betrieb habe Futter ohne Zwischenhändler direkt bezogen und sei schnell erkannt worden. "Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass durch Zwischenhändler weitere Betriebe betroffen sind", sagte Schade. In Brandenburg werden 800.000 Schweine gehalten.



E R N Ä H R U N G

Fettfreundliche Studie unter Beschuss

Was ist gesünder: Obst und Gemüse oder Pommes und Fleisch? Laut einer Studie hat fettiges Essen keine Auswirkungen auf den Ausbruch von Krebs- oder Herzerkrankungen. Doch Gesundheitsexperten bezweifeln die Aussagekraft der Untersuchung.

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Spiegel Online – 8. Februar 2006, 15.48 Uhr MEZ (nur elektronisch publiziert). [Original]

USA. Nicht Resultate, sondern deren Interpretationen werden oft kommuniziert, nachdem Wissenschaftler ihre Arbeiten veröffentlicht haben. Wie Ergebnisse interpretiert werden sollen, ist jedoch nicht immer klar – und ob die Forscher ihre eigenen Werte über Gebühr auslegen. So scheint es der Fall bei der zweiten großen Studie der Women's Health Initiative (WHI) zu sein. Hier hatten Forscher gut acht Jahre lang fast 50.000 Frauen im Alter von 50 bis 79 Jahren daraufhin untersucht, ob fettarme Ernährung nach den Wechseljahren gesundheitlich zuträglich ist.

In der Fachzeitschrift Journal of the American Medical Association (JAMA) hatten Barbara Howard und ihre Kollegen berichtet, dass fettarme Ernährung weder vor Krebs noch vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützt. Jedenfalls habe man bei den Probandinnen kaum Hinweise darauf finden können.

An 40 Orten in den USA ist die Studie durchgeführt worden. 19.000 Teilnehmerinnen hatten weniger Fett zu sich genommen. Sie bekamen die Anweisung, maximal 20 Prozent ihrer Nahrungsenergie in Form von Fett aufzunehmen sowie mindestens 5 Mal täglich Gemüse und Obst und 6 Mal täglich Getreideprodukte zu essen. Dazu erhielten die Frauen eine intensive Schulung sowohl in Gruppensitzungen als auch in Einzelgesprächen. Die übrigen 29.000 Frauen hatten schlicht weiterhin gegessen, was und wieviel sie wollten.

Medienecho voreilig

"Fit trotz Fett" hatte eine große deutsche Tageszeitung getitelt, "Niedrigfettdiät verringert nicht Gesundheitsrisiken" eine große amerikanische. Die Meldung von der Studie hatte schnell die Runde gemacht. Tenor: Fettarm ist auch nicht besser. Jetzt wehren sich Experten gegen diesen Eindruck.

Emma Knight von der britischen Krebsforschungsvereinigung Cancer Research UK sagte der BBC: "Die Leute sollten sich weiterhin ausgeglichen ernähren, mit viel Obst und Gemüse." Sie verwies darauf, dass gegenwärtig nur wenige direkt ernährungsbezogene Faktoren bekannt seien: Fettsucht und Alkohol begünstigten Brustkrebs, das Darmkrebsrisiko steige mit dem Verzehr von viel rotem Fleisch.

"Eine ernüchternde Situation", sagt Walter Willett, Epidemiologe der Harvard University, "das war die größte und teuerste Ernährungsstudie, die je durchgeführt wurde." Die Resultate seien jedoch "krude". Der Streit um die Auslegung Howards und ihrer Kollegen lässt sich darauf eingrenzen, ob ihre – sauber gemessenen – Befunde auch aussagekräftig sind.

Aussagekraft und Übertragbarkeit

Die Experten stellen die Folgerungen aus mehreren Gründen in Frage: Zunächst ist fraglich, ob Befunde 50- bis 79-jähriger Frauen Rückschlüsse auf andere Patienten zulassen. Schon zu Beginn ihrer Ernährungsumstellung sind die Testpersonen relativ alt gewesen. Nach neueren Erkenntnissen wird das Herz-Kreislauf-System bereits früh durch die Nahrung beeinflusst.

Außerdem sei die Ernährungsumstellung nicht ganz so ausgeprägt gewesen wie erwartet. Auch seien modernere ernährungswissenschaftliche Aspekte nicht berücksichtigt worden - wie beispielsweise die Empfehlung, hauptsächlich mehrfach ungesättigte pflanzliche Fette zu essen. Genau das scheint jedoch die wichtigen Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Blutdruck und Cholesterinwerte zu beeinflussen. Die Autoren der Studie räumten dies selbst ein.

Dass viele Testpersonen ihre liebe Mühe hatten, sich an die vorgeschrieben Diät zu halten, und dass mit acht Jahren Laufzeit für viele langsam wachsende Tumorarten die Studie schlicht zu kurz war, hilft da nicht eben.

Insofern gilt das Ergebnis der WHI-Untersuchung: Sie fand nur wenige Belege für gesundheitliche Vorteile durch fettarme Ernährung. Dass es diese aber nicht gibt, kann man daraus nicht schlussfolgern.



T R I C H I N E N   I M  W I L D S C H W E I N - F L E I S C H

Gefährlicher Parasit in Tier auf Usedom gefunden

Trichinen können für Menschen tödlich sein. Vor 100 Jahren wurde wegen ihnen die Fleischbeschau eingeführt. Bei einem Wildschwein haben Forscher nun eine in Deutschland unbekannte Art der Parasiten gefunden. Experten warnen: Bei gewöhnlichen Untersuchungen würde sie übersehen.

Aus:
Spiegel Online – 20. Februar 2006, 17.54 Uhr MEZ (nur elektronisch publiziert). [Original]

NEW USEDOM/BERLIN. Früher, als Fernsehsendungen mit Nachwuchs-Fotomodellen noch unbekannt, landwirtschaftliche Betriebe hingegen weit verbreitet waren, kannte jedes Kind die Fleischbeschau. Sie gehörte zur Hausschlachtung, seit der Berliner Arzt Rudolf Virchow um die Jahrhundertwende durchgesetzt hatte: Frisch geschlachtetes Fleich muss von Veterinären beschaut und für den menschlichen Verzehr für unbedenklich befunden werden. Häufig wurde der Fleischbeschauer auch Trichinen-Beschauer genannt. Denn der Parasit Trichinella spiralis tötete noch Ende des vorletzten Jahrhunderts Tausende Menschen.

Nun haben Berliner Wissenschaftler erstmals bei einem in Deutschland erlegten Wildschwein den Parasiten Trichinella pseudospiralis nachgewiesen. Auch er ist ein für Menschen gefährlicher Fadenwurm aus der Gattung der Trichinen. Im Muskelfleisch eines auf der Insel Usedom geschossenen Tiers sei eine "sehr hohe Konzentration Parasiten" gefunden worden, teilte am Montag [20.2.2006] das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) mit.

Nach dem Fund müsse sich künftig die Fleischbeschau in Deutschland ändern: Der Erreger könne mit der klassischen Methode des Trichinoskops kaum erkannt werden. Bei dieser Untersuchung sucht der Veterinär nach den typischen Kapseln der Larven im Muskelfleisch geschlachteter Wirtstiere. Allerdings ist die nun erstmals in Deutschland gefundene Trichinen-Art im Larvenstadium gar nicht eingekapselt. Daher sei der Schweineparasit überhaupt nur bei künstlich vorverdauten Proben festzustellen.

Hausschweine unbedenklich, Wildschweine untersuchen

NEW Trichinella pseudospiralis sei bisher nur im Ausland und dort vor allem bei fleischfressenden Vögeln und Wildtieren gefunden worden, hieß es weiter. Zusätzlich sei bei der Usedomer Probe auch der bei deutschen Wildschweinen bekannte Parasit Trichinella spiralis festgestellt worden. Dies sei der weltweit erste Nachweis eines solchen Mischbefall.

Hausschweine in Deutschland seien jedoch trichinenfrei. Das Essen von Rohwurst oder Schweine-Mett aus dem Ausland oder eben von infizierten Wildschweinen kann gefährlich sein. Darauf weist das Institut hin. Die Wahrscheinlichkeit eines Trichinellen-Fundes bei einem erlegten Wildschwein ist mit 1:50.000 sehr gering. Trotzdem sollten Jäger ihr erlegtes Wild vor dem Verzehr von einem kompetenten Institut untersuchen lassen, rät das BfR.

Die Infektion beim Menschen kann tödlich verlaufen, wenn die Larven im Dünndarm des Menschen zu Würmern heranreifen und sich dann im Herz- oder Zwerchfellmuskel einnisten. Aber auch der Befall anderer Gewebe führt schon zu Magen-, Darm-Beschwerden, Fieber und Muskelschmerzen. Trichinosen müssen mit der längeren Gabe eines hoch dosierten Wurmmittels behandelt werden.



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      Zum Teil 11

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