Nahrungsprobleme in den Medien – Teil 15 khd
Stand:  12.11.2007   (51. Ed.)  –  File: Food/in_M/edia_15.html




Hier werden einige ausgewählte und besonders interessante Artikel und andere Texte zum Thema "Nahrung" (food) gespiegelt und damit auf Dauer dokumentiert. Manches ist auch mit [Ed: ...] kommentiert. Tipp- und Übertragungsfehler gehen zu meinen Lasten.

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P R O T E S T - A K T I O N

Greenpeace veröffentlicht Genmais-Karte von Deutschland

Wo dieses Jahr Genmais überall angebaut wird, hat die Umweltschutzorganisation Greenpeace auf einer Deutschlandkarte zusammengetragen. Die als Protest gemeinte Übersicht zeigt: 99 Prozent der Freilandversuche finden im Osten statt.

Aus:
Spiegel Online – 8. Februar 2007, ??.?? Uhr MEZ (nur elektronisch publiziert). [Original]

HAMBURG. Es ist kein großes Geheimnis, das die Umweltschutzorganisation Greenpeace der Öffentlichkeit präsentiert. Dennoch dürfte die Darstellung viele Bundesbürger überraschen: Auf einer interaktiven Flash-Landkarte Deutschlands prangen orange Kreise und Dreiecke in zwei Größen. Sie zeigen, wo im Jahr 2007 genetisch veränderter Mais angebaut werden soll.

Agentenarbeit mussten die Gentechnik-Kritiker dafür nicht verrichten. Als Grundlage dienen Daten des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, wie Greenpeace mitteilte.

Demnach wurde für das Jahr 2007 eine Fläche von 3671 Hektar angemeldet. Der größte Teil der Anbaufläche liegt in Ostdeutschland, allein in Brandenburg sind 2083 Hektar vorgesehen. Es gebe aber auch 76 gentechnikfreie Regionen. Auf der Karte können Nutzer die einzelnen Bundesländer vergrößern und detailliert einsehen, für welchen Ort Genmais-Anbau beantragt worden ist – bis hin zu Gemarkung, Flur und Flurstück.

Im vergangenen Jahr wuchs Mais in Deutschland auf etwa 1,7 Millionen Hektar, der Anteil von Gen-Mais machte nur rund 1000 Hektar aus. Für 2007 sind nun fast viermal soviel angemeldet. Laut Greenpeace ist es aber unwahrscheinlich, dass auf allen angemeldeten Flächen auch wirklich Gen-Mais angebaut wird.

Entsprechende Freilandversuche sind in Deutschland genehmigungspflichtig. Immer wieder kommt es zu Vandalismus, unter der Feldzerstörungen durch Gentechnik-Gegner leiden auch Forschungsprojekte.

Die Kritiker dieser Technologie wenden ein, dass mögliche Gesundheitsfolgen nicht geklärt sind. Außerdem fürchten Ökolandwirte und andere Gentechnik-skeptische Bauern, dass ihre Anbauflächen durch den Pollen gentechnisch modifizierter Organismen verunreinigt werden könnten. Über die Frage von Mindestabständen und einer möglichen Haftung streitet die Bundesregierung seit Monaten.



900 Kilo Fleisch vernichtet

Unhygienischer Transport war bei einer Verkehrskontrolle aufgefallen.

Aus:
Der Tagesspiegel, Berlin, 13. April 2007, Seite ?? (Berlin). [Original=3197599.html]

BERLIN. Durch Zufall hat die Polizei am Mittwochabend fast eine Tonne unhygienisch gelagertes Fleisch sichergestellt. Kurz vor 17 Uhr war einer Polizeistreife auf der Stadtautobahn in Reinickendorf ein Kleintransporter aufgefallen, der deutlich zu schnell fuhr. An der Ausfahrt Waidmannsluster Damm überprüften die Beamten das Fahrzeug des 37-jährigen Fahrers. Dabei stellten sie fest, dass für die 900 Kilogramm Fleisch, das in einen Betrieb nach Neukölln geliefert werden sollte, keine Papiere über Herkunft und Art vorhanden waren.

Daraufhin wurde die Amtstierärztin angefordert, die im Fahrzeuginneren gravierende Mängel und einen schlechten hygienischen Allgemeinzustand diagnostizierte. So sei durch ein Loch im Innenraum Isolationsmaterial in den Transportraum gelangt und durch die Lüftung des Kühlaggregates wahrscheinlich auch mit dem Fleisch in Kontakt geraten. Das Fleisch war nach Einschätzung der Tierärztin nicht mehr für den Verzehr geeignet. Die 900 Kilo Bullenviertel wurden in der Tierkörperbeseitigungsanlage vernichtet. Die Verantwortlichen der türkischen Fleischerei wurden wegen Verstoßes gegen die Lebensmittelhygieneverordnung angezeigt.

Der Neuköllner Amtstierarzt Heiko Bornemann sagte gestern, dass die Fleischerei die Bullenviertel aus einem norddeutschen Schlachthof zur eigenen Verarbeitung geholt habe. Deshalb sei es nicht vorgeschrieben, Papiere beim Transport dabei zu haben. „Das Fahrzeug hatte Mängel“, sagte Bornemann. Diese seien vermutlich entstanden, weil die Viertel bei der Fahrt pendelten und dabei den Lieferwagen beschädigten. Wann dies geschah, müssen die Ermittlungen zeigen. Möglicherweise werde der Fall nur als Ordnungswidrigkeit geahndet, nicht als Straftat. Noch ermittelt das LKA.

Ebenfalls noch nicht abgeschlossen sind die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen die Firma Expim beim Ende des vergangenen Jahres bekannt gewordenen „Gammelfleisch“-Skandal, der weitaus größeren Umfang hatte. Fertig sei bereits die Auswertung der Proben, sagte ein Justizsprecher. Demnach war ein Teil des Fleisches nicht genießbar, ein Teil minderwertig und ein Teil in Ordnung.

Wie berichtet, waren im September 95 Tonnen Putenfleisch sichergestellt worden. Ein Teil der damals entnommenen Proben war mit Salmonellen und anderen Erregern belastet. Die Staatsanwaltschaft hatte daraufhin im Oktober die Ermittlungen übernommen. Die Senatsgesundheitsverwaltung hatte mitgeteilt, dass vor der Sicherstellung der Ware bereits 81 Tonnen Fleisch nach Brandenburg und Schweden geliefert worden waren. In Berlin waren 43 Tonnen Fleisch in Umlauf gekommen, das möglicherweise mit Salmonellen infiziert war. Das Fleisch sollte zu Puten-Döner verarbeitet werden.



Haft für Gammelfleisch-Händler gefordert

Aus:
Hamburger Abendblatt, 31. Mai 2007, Seite ?? (Norddeutschland). [Original=748219.html]

OLDENBURG. Ein Fleischgroßhändler aus Lastrup (Kreis Cloppenburg) soll nach dem Willen der Staatsanwaltschaft Oldenburg wegen Gammelfleischhandels und anderer Delikte für Jahre ins Gefängnis. In einem Prozess vor dem Oldenburger Landgericht beantragte die Anklagebehörde gestern eine Freiheitsstrafe von 4 Jahren und 9 Monaten. Sie forderte außerdem ein lebenslanges Berufsverbot für den 47-Jährigen.

Die Verteidigung sah nach viereinhalb Monaten Beweisaufnahme lediglich Verstöße gegen Kennzeichnungsvorschriften der EU als erwiesen an. Als Buße dafür reiche eine Geldstrafe oder höchstens eine Bewährungsstrafe. Von einer "Vergiftung von Verbrauchern" könne keine Rede sein. Das Urteil soll am 7. Juni verkündet werden.

Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft hat der Fleischhändler zwischen 2004 und 2006 insgesamt 36 Straftaten begangen. Darunter Handel mit Gammelfleisch, gewerbsmäßiger Betrug und Insolvenzverschleppung. Mit seinem Verhalten habe er zudem "das Vertrauen der Verbraucher in die Qualität von Fleisch erschüttert", sagte die Vertreterin der Anklagebehörde in ihrem Plädoyer. Sie hält es für erwiesen, dass der Händler mindestens 41 Tonnen Putenfleisch künstlich mit Wasser angereichert hat. Das sogenannte "Aufspritzen" sei eine Art, "Wasser teuer zu verkaufen". Ohne Kennzeichnung bedeute die Methode Betrug. Etwa die Hälfte des gespritzten Fleisches sei wegen Verkeimung und Salmonellenbefalls nicht mehr genießbar gewesen. Die andere Hälfte habe er nicht mehr in den Handel bringen dürfen.

Mehr zu diesem Thema:
[04.11.2005: Deutschland hat neuen Fleischskandal]  (HANDELSBLATT)
[04.11.2005: Behörden beschlagnahmen tonnenweise verdorbenes Geflügelfleisch]  (YAHOO-NEWS)
[05.11.2005: Fleisch-Skandal größer als bisher angenommen]  (SPIEGEL)
[06.11.2005: Das meiste ist in Berlin schon gegessen]  (DER TAGESSPIEGEL)
[07.11.2005: Gammelfleisch-Proben belasten Geflügelfirma]  (BERLINER MORGENPOST)
[10.11.2005: "Eindeutig genussuntauglich"]  (DER STERN)
[10.11.2005: Griffen die Veterinäre zu spät ein?]  (HANNOVERSCHE ALLGEMEINE ZEITUNG)
[16.11.2005: Behörden schließen Fleischskandal-Betrieb]  (DER TAGESSPIEGEL)
[12.09.2006: Geflügelhändler verhaftet]  (SPIEGEL ONLINE)
[13.09.2006: 8 Tonnen Gammelfleisch in Großküchen verarbeitet]  (BERLINER MORGENPOST)



E K E L - F L E I S C H

Faules Fleisch für Kebab-Buden

Mehr als 11 Tonnen Gammelfleisch haben Behörden in Bayern bei einer Fleischfirma beschlagnahmt, das an einen Döner-Hersteller geliefert werden sollte.

Aus: 20min-News, 28. August 2007, 11.29 Uhr MESZ (News). [
Original]

MEMMINGEN. Wie die Staatsanwaltschaft Memmingen am Dienstag [28.8.2007] mitteilte, gestand der Ehemann der Wertinger Firmenchefin, bereits im Juli 20 Tonnen für den menschlichen Verzehr ungeeignetes sogenanntes K-3-Material falsch etikettiert an einen Döner-Produzenten [Ed: in Berlin] weiterverkauft zu haben.

Die Behörden kamen dem Fall auf die Spur, nachdem ein misstrauischer Lastwagen-Fahrer bei der Anlieferung der nur für die Tierfutter-Produktion bestimmten Fleischabfälle die Polizei einschaltete. Ihm war den Angaben zufolge aufgefallen, dass der Verdächtige die Ware an einem möglichst unauffälligen Ort abgeladen haben wollte. Der Mann der Firmenchefin habe dann sofort begonnen, die Etiketten von der Ware zu entfernen. [mehr]



E K E L - F L E I S C H

Döner-Hersteller in Berlin mit Gammelfleisch beliefert

[Kommentar einer WELT-Leserin: „Wer heute noch Doener isst, ist selber schuld!“]

Aus:
Die Welt, Berlin, 29. August 2007, Seite ?? (xxx). [Original]

      Firma Wertfleisch in Wertingen
^   Die Firma Wertfleisch GmbH in Wertingen (Schwaben) verkaufte das Gammelfleisch nach Berlin.   (Foto: 29.8.2007 – BILD)
MEMMINGEN/BERLIN (welt.de). Rund 20 Tonnen Gammelfleisch sollen in einer Firma im bayerischen Wertingen umetikettiert und an einen Berliner Döner-Hersteller weiter verkauft haben. Wie das bayerische Verbraucherschutzministerium mitteilte, sei das Fleisch möglicherweise bereits verzehrt worden. Die Wertinger Firma wurde umgehend geschlossen. Die Behörden versuchten trotz geringer Chancen, das im Juli ausgelieferte Fleisch zurückzurufen.

Das Fleisch war aus Schleswig-Holstein nach Wertingen geliefert worden. Von dort soll die Firma es als lebensmitteltauglich weiterverkauft haben. Bei der Firma in Bayerisch-Schwaben wurden Ende vergangener Woche mehr als 11 Tonnen verdorbenes Rind- und Putenfleisch beschlagnahmt, das ebenfalls umetikettiert und nach Berlin verkauft werden sollte. Der Fahrer eines Fleischtransporters hatte die Polizei auf den Skandal aufmerksam gemacht. Ihm war nach Angaben der Staatsanwaltschaft aufgefallen, dass das von ihm gelieferte genussuntaugliche Fleisch von dem Ehemann der Geschäftsführerin der Wertinger Firma an einem unauffälligen Ort abgeladen werden sollte. Dort habe dieser dann begonnen, die Kennzeichnung der Waren zu entfernen. Der Beschuldigte gab bei der Polizei zu, er habe ohne Wissen seiner Frau geplant, dieses Fleisch wie zuvor im Juli als verzehrtauglich zu verkaufen.

Auch der Empfänger der Ware soll nichts gewusst haben. In den Frachtpapieren sollen Angaben eines belgischen Betriebs gefunden worden sein, wonach ein nicht genannter anderer EU-Mitgliedstaat in den Fall verwickelt sein könnte. In der Firma waren umfangreiche Unterlagen sichergestellt worden. Die Lieferlisten würden überprüft. Sensorische und mikrobiologische Proben sollen weitere Erkenntnis über die Waren bringen, hieß es. Noch in dieser Woche soll der Firma die Gewerbezulassung entzogen werden. [mehr]

Weiterführende Links:
[29.08.2007: 30 Tonnen Schlachtabfälle zu Döner verarbeitet]  (DIE WELT)
[29.08.2007: Bilderstrecke: Schlachtabfälle für Berliner Döner]  (DIE WELT)
[29.08.2007: K 3-Schlachtabfälle]  (DIE WELT)
[29.08.2007: Die größten Gammelfleisch-Skandale in Bayern]  (DIE WELT)



E K E L - F L E I S C H

Trotz neuem Skandal sieht Berlin keinen Handlungsbedarf

Das Verbraucherschutzministerium sieht trotz des neuerlichen Fleischskandals weder die Notwendigkeit noch die Möglichkeit für Gesetzesänderungen. Von Auffälligkeiten bei der Firma Wertfleisch sollen die Behörden bereits vor 2 Wochen erfahren haben.

Aus:
Der Tagesspiegel, Berlin, 29. August 2007, 18.03 Uhr MESZ (nur elektronisch publiziert). [Original=xxx]

BERLIN (Tsp). "Der Fall zeigt, dass die Mechanismen gegen Handel mit Gammelfleisch funktionieren", sagte Verbraucher-Staatssekretär Gert Lindemann der "Passauer Neuen Presse". Forderungen, für Menschen ungenießbares Fleisch einzufärben, wies eine Sprecherin von Verbraucherminister Horst Seehofer (CSU) mit Hinweis auf die Ablehnung durch eine Mehrheit der EU-Staaten zurück. Derweil gibt es erste Hinweise auf nachlässige Kontrollen der Firma Wertfleisch durch die bayerischen Behörden [Ed: hm, und warum eigentlich taucht die Firma Wertfleisch GmbH in den amtlichen BVL-Listen zugelassener Betriebe nicht auf...].

Wie das Magazin "Zeitspiegel" des Bayerischen Fernsehens berichtete, hatten die Behörden schon vor etwa 2 Wochen Hinweise auf Unregelmäßigkeiten in der Wertinger Firma bekommen. Ein Nachbar habe damals das Veterinäramt des Landratsamts Dillingen über verdächtige Fleischlieferungen informiert. Gegenüber dem BR räumte das Veterinäramt ein, trotz dieser Informationen keine unangemeldete Kontrolle des Betriebs durchgeführt zu haben. Ein Lebensmittelkontrolleur habe lediglich auf dem Nachhauseweg den Betrieb von außen mehrfach beobachtet, ohne dass ihm Verdächtiges aufgefallen sei.

Die Seehofer-Sprecherin sagte, Deutschland habe bereits im vergangenen Herbst einen Vorstoß zur europaweiten Einfärbung von für Menschen nicht genießbarem Fleisch, so genanntem K3-Material, bei der EU-Kommission gemacht. Die anderen Mitgliedsstaaten hätten darauf aber "sehr zurückhaltend" reagiert. Das Problem solle auf der nächsten Verbraucherministerkonferenz im September zum Thema werden.

Wertfleisch war bereits in den 90er Jahren aufgefallen

Bei der Wertinger Firma waren am Freitag [24.8.2007] nach dem Hinweis eines Lkw-Fahrers 11,4 Tonnen an ungenießbarem Rind- und Putenfleisch gefunden worden, die an Döner-Hersteller verkauft werden sollten. Im Juli hatte das Unternehmen nach Angaben der Memminger Staatsanwaltschaft bereits 20 Tonnen Fleisch, das nur noch als Tierfutter geeignet war, an Berliner Döner-Hersteller verkauft.

Nach Angaben der Berliner Lebensmittelaufsicht bezog der Döner-Hersteller im von der Staatsanwaltschaft ermittelten Zeitraum aber nur 14 Tonnen K3-Material von Wertfleisch. Diese seien höchstwahrscheinlich vollständig verzehrt worden. Der Hersteller habe das Fleisch außer nach Berlin auch an Döner-Buden in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Hamburg, Bremen, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein geliefert. Gegen den Hersteller werde nicht ermittelt. Er habe das Fleisch allerdings zu einem Preis "an der unteren Grenze" eingekauft.

Die bayerischen Grünen forderten derweil erneut den Rücktritt von Landes-Verbraucherminister Werner Schnappauf (CSU). Schon seit dem ersten Skandal um Gammelfleisch in Bayern im Jahr 2005 zeige dieser sich "unfähig", einen effektiven Schutz der Verbraucher aufzubauen, erklärte Fraktionschef Sepp Dürr. Der Betrieb in Schwaben sei bereits in den 90er Jahren aufgefallen.

Die verbraucherpolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, Ulrike Höfken, nannte Seehofer "untätig" beim Verbraucherschutz. Seehofer habe beim Verbraucherinformationsgesetz die Chance verpasst, für Transparenz und Offenlegung von Missständen zu sorgen. Der FDP-Verbraucherexperte Hans-Michael Goldmann erklärte, die Behauptung des Verbraucherministeriums, es gebe keinen weiteren Handlungsbedarf, sei "einen Schlag ins Gesicht der Verbraucher". [mehr]



E K E L - F L E I S C H

Ekel-Döner bringt CSU-Minister in Bedrängnis

Ein bayerischer Betrieb hat nur noch als Tierfutter geeignetes Ekel-Fleisch umetikettiert. Aufgetaucht ist es dann an Döner-Buden in ganz Deutschland. Für Verbraucherschutzminister Schnappauf ist es bereits der vierte Skandal – die Kritik am CSU-Mann wächst.

Aus:
Spiegel Online – 30. August 2007, ??.?? Uhr MESZ (nur elektronisch publiziert). [Original]

MÜNCHEN. Beim letzten Gammelfleisch-Fall im Freistaat rettete sich Bayerns Verbraucherschutzminister Werner Schnappauf (CSU) in die Offensive: Eine "Task Force" wurde als "interdisziplinäre Kontrolleinheit" aus Veterinären und sogenannten Warenstrom-Spezialisten mit neuen Kompetenzen ausgestattet, von "Sondereinsätzen" und "Sonderkontrollen" war die Rede.

Aber seit Dienstag [28.8.2007] hat Schnappauf mit einem neuen Gammelfleisch-Skandal zu kämpfen. Es ist bereits sein vierter.

Ein aufmerksamer Lkw-Fahrer hatte die Behörden auf die Spur gebracht: Bei einer Firma im schwäbischen Wertingen, Landkreis Dillingen, wurden 11,4 Tonnen ungenießbaren Rind- und Putenfleischs gefunden, die an Döner-Hersteller verkauft werden sollten. Der Fahrer hatte bei der Anlieferung von Schlachtabfällen beobachtet, wie der Ehemann der Geschäftsführerin belastende Etiketten vom Fleisch entfernte.

Bereits im Juni hatte das Unternehmen laut der zuständigen Staatsanwaltschaft Memmingen 20 Tonnen Ekel-Fleisch in 6 Lieferungen an einen Berliner Döner-Produzenten [Ed: in Berlin-Mitte] verkauft. Fleisch, das nur noch als Tierfutter geeignet war und als sogenanntes K3-Material hätte gekennzeichnet sein müssen. Zuvor war es von einem Händler im schleswig-holsteinischen Bad Bramstedt nach Bayern geliefert worden. Allerdings sei das Fleisch da noch korrekt etikettiert gewesen: "Nach unseren Erkenntnissen ist die Ware ordnungsmäßig deklariert worden – und zwar als Tierfutter", so die Kieler Staatsanwaltschaft.

Grüne fordern Schnappaufs Rücktritt

Nach der Lieferung aus Bayern wiederum hat dann der Berliner Großhändler – wohl unwissend – das Ekel-Fleisch bis zum 17. August an Dönerbuden im gesamten Norden der Republik verkauft: Nach Angaben von Memminger Staatsanwaltschaft und Berliner Gesundheitssenat ging das Gros an 20 Abnehmer in Berlin, der Rest an Buden in Brandenburg, Bremen, Hamburg, Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Nordrhein-Westfalen. Zur Zeit wird nach dem Verbleib des Fleisches geforscht.

Die bayerischen Landtags-Grünen forderten umgehend den Rücktritt Schnappaufs: Er zeige sich unfähig, "einen effektiven Schutz der bayerischen Verbraucher vor kriminellen Fleischpanschern aufzubauen", sagte der Fraktionsvorsitzende Sepp Dürr. Der Wertinger Betrieb sei bereits in den neunziger Jahren wegen "lebensmittelhygienischer Unzuverlässigkeiten" aufgefallen. Der Täter saß wegen Subventionsbetrugs sogar schon einmal im Gefängnis.

Das wusste man auch in Schnappaufs Ministerium, dem Unternehmen wurde besondere Aufmerksamkeit gewidmet: "Dieser Betrieb wurde in einem Jahr fünf, sechs Mal kontrolliert, es gab Hygienemängel, aber nicht so schwerwiegende", sagte Bayerns Verbraucher-Staatssekretär Otmar Bernhard dem "Münchner Merkur".

SPD: "Muss man doch auf die Eisen steigen!"

Sechs Kontrollen pro Jahr reichen nicht, sagt dagegen die SPD. "So einem Laden muss man doch auf die Eisen steigen, da stünde ich doch alle 14 Tage vor der Tür", empörte sich heute Ludwig Wörner, verbraucherpolitischer Sprecher der bayerischen SPD-Landtagsfraktion. Außerdem sei der Wertinger Betrieb jeweils mit Vorankündigung kontrolliert worden: "Das leistet dem Betrug ja noch Vorschub."

In Zukunft müsse deshalb unangekündigt kontrolliert werden. Die Lebensmittelkontrollen müssten zudem massiv ausgeweitet werden: "Ausbildung und Personal müssen hochgefahren werden." Wörner forderte 200 zusätzliche Kontrolleure für Bayern.

Der von Schnappauf im vergangenen Jahr geschaffenen "Task Force" mit 70 Mann traut Wörner nicht viel zu: Die würde nur auf Zuruf arbeiten und rekrutierten sich aus bereits vorhandenem Personal: "Da muss es schon stinken, dass die kommen." [weiter beim SPIEGEL] [mehr]



N U R   D I E   S P I T Z E   E I N E S   E I S B E R G S ?

Mehr als 160 Tonnen Ekel-Fleisch zu Dönern verarbeitet

Nicht nur Bayerns Minister kommt in Erklärungsnöte.

BERLIN – 31.8.2007 – 12.05 Uhr (bse-p). Im InfoRadio Berlin wird berichtet, die Firma Wertfleisch GmbH (Wertingen) habe schon seit vielen Monaten nicht zum menschlichen Verzehr bestimmtes Fleisch nach Berlin für die Döner-Produktion geliefert. Die bayerische Staatsanwaltschaft in Memmingen geht inzwischen von einer Menge von mindestens 160 Tonnen ungenießbaren K3-Fleisches aus, das an 4 verschiedene Betriebe in Berlin gegangen ist (K3 siehe:
Fall in Deggendorf).

Nun wird auch bezweifelt, daß die Berliner Döner-Herstellern nicht die mindere Qualität des Fleisches erkannten. Das sei durchaus mit einer Sichtkontrolle möglich, sagen Fleischexperten. Verbraucherschützer weisen außerdem daraufhin, daß offensichtlich auch die Berliner Lebensmittelkontrolle bei der Überprüfung der Döner-Betriebe versagt habe. Denn in 14 Monaten hätte dieses Ekel-Fleisch auch den amtlichen Kontrolleuren auffallen müssen, heißt es.

Noch am Mittwoch [29.8.2007] sprach die zuständige Berliner Verbraucherschutz- Senatorin, Katrin Lompscher (Die Linke), davon, daß dieser aktuelle Fleischskandal das „Funktionieren der Überwachung zeige“. Angesichts von Ekel-Fleischlieferungen seit Juni 2006 wird sie nun das Nichterkennen in gleich 4 Döner-Betrieben durch die Berliner Lebensmittelaufsicht erklären müssen. Bei den Ermittlungsbehörden geht man inzwischen sogar davon aus, daß es sich bei den Machenschaften der Firma Wertfleisch nur um die ‚Spitze eines Eisbergs‘ handeln könne. [mehr]



E K E L - F L E I S C H

Existiert eine "Gammelfleisch-Mafia"?

Neuen Erkenntnissen zufolge könnten bis zu 180 Tonnen ungenießbare Ware nach Berlin verkauft worden sein. Bayerns Verbraucherschutzminister Werner Schnappauf zufolge "ist Wertingen nur ein Puzzlestück". Es gebe möglicherweise einen "größeren Zusammenhang".

Aus:
Der Tagesspiegel, Berlin, 31. August 2007, 13.25 Uhr MESZ (nur elektronisch publiziert). [Original]

BERLIN (Tsp). Die stellvertretende Leiterin der Staatsanwaltschaft Memmingen, Renate Thanner, sagte, der Hauptverdächtige habe weitere 7 bis 8 Lieferungen à 20 Tonnen von umetikettiertem Fleisch seit Juni 2006 gestanden. Es sei überwiegend nach Berlin gegangen. Damit könnten statt der bislang bekannten 20 Tonnen bis zu 180 Tonnen von "nicht für den Verzehr geeigneter" Ware in Umlauf gebraucht worden sein.

Die Wertinger Firma habe eigentlich keine Genehmigung zum Umgang mit sogenanntem K3-Fleisch gehabt, das nur für Tiernahrung verwendet werden darf. Die Ware sei bei dem Betrieb als K3-Material angekommen, und der Hauptbeschuldigte habe dann "die Etiketten weggemacht und selbstständig umetikettiert", sagte Thanner. Sämtliches Fleisch sei von einer Firma aus Schleswig-Holstein gekommen, die sich durch die Lieferung aber nicht strafbar gemacht habe.

Staatsanwaltschaft  hat "Unmengen Unterlagen" gefunden

Die Staatsanwaltschaft habe "eine Unmenge Unterlagen sichergestellt, die nach und nach ausgewertet" würden. Die gegenwärtigen Erkenntnisse beruhten auf Vernehmungen des Beschuldigten. Der Hauptbeschuldigte ist der Ehemann der Geschäftsführerin der Firma. Er gab in Befragungen an, weder seine Frau noch die Abnehmer hätten von der Umetikettierung gewusst. Laut Bayerns Verbraucherschutzminister Werner Schnappauf (CSU) "ist Wertingen nur ein Puzzlestück". Es gebe möglicherweise einen "größeren Zusammenhang", sagte er der "Passauer Neuen Presse", ohne nähere Angaben zu machen.

Möllenberg: "Probleme betreffen ganz Deutschland"

Der jüngste Gammelfleisch-Skandal beruht auf strukturellen Problemen in der Fleischindustrie. Das sagte Franz-Josef Möllenberg, Vorsitzender der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG), dem "Tagesspiegel". "Die Beschäftigten in dieser Branche stehen unter einem enormen Kostendruck. Da hat jeder Angst, seinen Arbeitsplatz zu verlieren, wenn er bei solchen Praktiken nicht mitmachth", sagte Möllenberg. Die Branche entziehe sich ihrer sozialen Verantwortung, in vielen Firmen gebe es weder Betriebsräte noch Tarifverträge. Beschäftigt seien neuerdings überwiegend Rumänen, die zum Teil für drei Euro pro Stunde arbeiten. Viele polnische Arbeitskräfte seien mittlerweile nach Frankreich oder England abgewandert, weil sie dort nach Mindestlöhnen bezahlt würden.

Die bayerischen Behörden kamen der Firma "Wertfleisch" in Wertingen durch den Hinweis eines Speditionsfahrers auf die Spur. Dieser hatte dem Unternehmen am vergangenen Freitag aus Schleswig-Holstein sogenanntes Fleisch der "Kategorie 3" (K3) geliefert. Diese Ware darf nur als Tiernahrung verkauft werden, weil sie aus Schlachtabfällen besteht. Dem Fahrer fiel auf, dass er die Ware an einem versteckten Platz abladen sollte und der Firmenchef sogleich Etiketten auf den Packungen entfernte. Als die Behörden den mutmaßlichen Betrüger zur Rede stellten, gab er die vorangegangene gefälschte Lieferung nach Berlin zu, heißt es bei den Ermittlern. [mehr]



E K E L - F L E I S C H

Das Ekelfleisch-Puzzle wird immer komplexer

Aus:
Augsburger Allgemeine, 1. September 2007, Seite xx (Bayern). [Original]

WERTINGEN. Der Wertinger Ekelfleisch-Skandal ist womöglich nur Teil viel größerer Fleisch-Schiebereien. Inzwischen gehen die Verbraucherschutzministerien in München und Berlin von einer "internationalen Dimension" des Falles aus.

Ermittler versuchen die Geschäftsverbindungen der "Wertfleisch GmbH" wie ein riesiges Puzzle zusammenzusetzen. Das Fleischunternehmen aus Wertingen (Kreis Dillingen) soll bis zu 160 Tonnen K 3-Schlachtabfälle (für den menschlichen Verzehr ungeeignet) umdeklariert und in den Verkehr gebracht haben. Aus Hundefutter wurde letztlich Döner.

Der Ehemann der Firmen-Geschäftsführerin hat nach Angaben der Memminger Staatsanwaltschaft zugegeben, 8 bis 9 Lieferungen von Schlachtabfällen weiterverkauft zu haben. Seit Juni 2006 seien diese illegalen Transporte aus Wertingen – überwiegend nach Berlin – gängige Praxis gewesen. "Aus der Anzahl der Lieferungen ergibt sich für uns die Fleischmenge", so die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Renate Tanner, gegenüber unserer Zeitung. Die schwäbische Skandalfirma hat keine Zulassung für den Handel mit K 3-Schlachtabfällen, hätte also nie beliefert werden dürfen. Behörden vermuten, dass das Ekelfleisch zum größten Teil bereits verzehrt worden ist.

Seit gestern liegen erste Ergebnisse des untersuchten Wertinger Fleisches vor: Das sensorisch und mikrobiologisch überprüfte Material roch nach Angaben des Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit zum Teil "ranzig, faulig, muffig und deutlich alt". Fazit der Experten: Das Fleisch ist genussuntauglich. Eine Gesundheitsgefährdung sei jedoch nicht ableitbar. Bei drei Vor-Ort-Terminen der "Spezialeinheit Lebensmittelsicherheit" am vergangenen Samstag, Montag und Dienstag wurden insgesamt 61 Proben (K3-Material, Rind- und Putenfleisch, Wursterzeugnisse) genommen. Resultate der übrigen 50 Fleischproben sollen bis Mitte nächster Woche veröffentlicht werden.

Fragen über Fragen

Ermittlungsbehörden in mehreren Bundesländern beschäftigen sich mit folgenden Fragen: Wenn das Fleisch aus Wertingen bereits schlecht gerochen hat, warum wurde es von den Empfängern weiterverarbeitet? Warum kam aus Schleswig-Holstein die K 3-Lieferung in Schwaben an, wo eigentlich Belgien der Bestimmungsort war? Warum hat sich die belgische Firma nicht gerührt, die wohl Papiere aber keine Ladung erhalten hat?

Nach Angaben des bayerischen Verbraucherschutzministeriums gibt es derzeit keine Hinweise auf eine "Ekelfleisch-Connection" im Freistaat.

Bundesverbraucherminister Seehofer forderte am Freitag [31.8.2007] die Justiz dazu auf, "mit aller Härte und Konsequenz" gegen die Fleischpanscher vorzugehen. "Das ist die einzige Sprache, die Menschen verstehen, die Recht brechen." [mehr]



E K E L - F L E I S C H

Offenbar weiterer Döner-Hersteller beliefert

Im Ekelfleisch-Skandal gibt es neue alarmierende Erkenntnisse. Die Behörden gehen davon aus, dass ein zweiter Berliner Spieß-Hersteller mit Schlachtabfällen aus Bayern beliefert wurde. Jetzt läuft die Fahndung nach der verdorbenen Ware.

Aus:
Berliner Morgenpost, 6. September 2007, Seite xx (Berlin). [Original=1159444.html] oder [Original]

BERLIN/MEMMINGEN (BM). Nach Informationen der Ermittler im bayerischen Memmingen ist möglicherweise in den vergangenen Monaten ein zweiter Großabnehmer in Berlin mit einer noch unbekannten Menge minderwertigen Fleisches beliefert worden. Bislang war lediglich ein Berliner Abnehmer bekannt, der in den vergangenen Monaten zwischen 140 und 180 Tonnen Schlachtabfälle bezogen und an Zwischenhändler und Fleischproduzenten weitergeleitet hatte.

"Wir stehen in der Sache erst am Anfang, aber wenn an den zweiten Abnehmer ähnliche Mengen geliefert wurden, dann hätten wir es mit dem größten Fleischskandal der letzten Jahre in Deutschland zu tun", sagte ein Ermittler gestern. Offiziell äußerte sich die zuständige Staatsanwaltschaft in Memmingen auch gestern eher zurückhaltend. Zunächst müssten sämtliche sichergestellten Unterlagen gesichtet werden, sagte Oberstaatsanwalt Johann Kreuzpointner.

Kebab-Händler gehen auf die Barrikaden
Aus: Tagesspiegel, 3.9.2007, Seite xx.
Wie die türkische Zeitung Hürriyet über den Ekelfleisch-Skandal und über die Krise in der Imbissbranche in Berlin berichtet

GAZETELER Rückblick von SUZAN GÜLFIRAT

TÜRKEI. "Dynamit gegen den Döner", titelte die Hürriyet am Sonnabend [1.9.2007]. Und darunter stand: "Aufgrund der unverantwortlichen Berichterstattung der Medien steht jetzt die türkische Dönerbranche, die keinerlei Schuld an dem Fall hat, unter Generalverdacht."

Schnell hat die Hürriyet also auch beim jetzigen Gammelfleisch- Skandal die Schuldigen ausfindig gemacht. Das sind "die deutschen Medien". Die würden durch ihre undifferenzierte Berichterstattung die ganzen "Döner- Leute" in Schwierigkeiten bringen – es seien aber nicht alle Händler, vielmehr sollten die konkreten Namen der Schuldigen veröffentlicht werden.

Der Anlass für den Bericht am Sonnabend war eine Erklärung des großen Berliner Dönerproduzenten Remzi Kaplan. Auch beim letzten Fleischskandal im vergangenen Jahr hatte er die deutschen Medien für die Misere in seiner Branche verantwortlich gemacht. Und auch dieses Mal hat die Hürriyet sich mit ihm gegen die deutschen Medien verbrüdert.

Am vergangenen Donnerstag [30.8.2007] forderte Remzi Kaplan in der Hürriyet, dass die Namen der in diesen Fall verwickelten Dönerhändler und die Namen der Firmen veröffentlicht werden sollten. "Sonst werden bei jedem Skandal alle Dönerleute unter Generalverdacht geraten", sagte er.

Am Sonntag [2.9.2007] kamen noch mehr Kebabhändler zu Wort. "Empörung bei Dönerleuten", titelte die Hürriyet. "Der Fleischskandal in Deutschland bringt die türkischen Dönerleute auf die Barrikaden. Sie verlangen, dass der deutsche Händler, der das verdorbene Fleisch verkauft hat, und auch die "Verräter", die dieses Fleisch gekauft haben, bestraft werden", lautete die Unterzeile.

Unter diesem Bericht stand zudem ein anderer Zeitungsartikel, in dem die Hürriyet erneut die "deutschen Medien" attackierte. "Die deutschen Medien haben den Schuldigen gefunden", schrieb das Blatt in seiner Überschrift. "Obwohl ein deutscher Händler Schuld ist am Fleischskandal, stürzen sich einige deutsche Medien auf die Dönerleute", so der Vorwurf in der Unterzeile. Allerdings konnte auch die Hürriyet nichts dazu beitragen, dass Verbraucher keine Bedenken haben müssen, wenn sie einen Döner kaufen möchten.

[ Schon im Jahr 2006 hieß es:  Türken wittern Döner-Verschwörung ]

[Liste der Döner-Hersteller in Berlin + Brandenburg]

Verdächtige sollen nicht gewarnt werden

Zu den bislang verdächtigen Firmen im bayerischen Wertingen und in Berlin wollte Kreuzpointner keine näheren Angaben machen, um die Arbeit von Polizei und Justiz nicht zu gefährden. "Wir möchten unter allen Umständen verhindern, dass Verdächtige oder Beteiligte gewarnt werden", sagte der Oberstaatsanwalt.

Auch die Gesundheitsbehörden in Berlin konnten zu der jüngsten Entwicklung bislang wenig sagen. Man gehe den Hinweisen über Lieferungen an einen zweiten Abnehmer in der Hauptstadt nach. Eine Bestätigung gebe es aber nicht, solange noch keine Lieferlisten vorlägen, sagte eine Sprecherin der Senatsverwaltung für Gesundheit und Verbraucherschutz. Auch über Beschaffenheit und Mengen des gelieferten Fleisches sei derzeit noch nichts bekannt, so die Sprecherin.

Der Skandal war vor 2 Wochen ans Licht gekommen, als ein Fahrer der im Mittelpunkt der Ermittlungen stehenden Fleischfirma in Wertingen die Behörden über Lieferungen der minderwertigen Schlachtabfälle nach Berlin informierte. Zunächst war von 20 Tonnen Fleischabfällen die Rede. Am Freitag vergangener Woche [31.8.2007] teilten die Behörden dann mit, insgesamt seien zwischen 140 und 180 Tonnen nach Berlin gelangt und an Dönerbetriebe und Händler weitergeleitet worden.

Seither wird gegen Verantwortliche der Wertinger Firma ermittelt. Auch Berliner Firmen haben die Aufmerksamkeit der Fahnder auf sich gezogen; ihre Rollen in dem Skandal sind aber noch nicht geklärt. "Die Ermittlungen gestalten sich schwierig, weil der Hauptbeschuldigte seine Angaben überwiegend aus dem Gedächtnis macht", sagte Kreuzpointner gestern.

Die Lebensmittelkontrolleure aller Bezirke sind gegenwärtig dabei, sämtliche Imbiss-Stände der Hauptstadt zu überprüfen. "Kontrolliert wird, ob noch irgendwo minderwertiges Fleisch lagert", sagte Marie-Luise Dittmer, Sprecherin der Senatsgesundheitsverwaltung. Ob es sich dabei um Ekelfleisch aus der bayerischen Lieferung handelt, sei jedoch nur am Etikett erkennbar.

Proben aus Marzahn und Tempelhof

Bislang sind Prüfer in einem Marzahner Imbiss sowie in einem weiteren Imbiss in Tempelhof-Schöneberg fündig geworden. Dort wurden am Freitag [31.8.2007] Dönerspieße sichergestellt, deren rückverfolgter Lieferweg auf Ware vom bayerischen Lieferanten schließen ließ. Das Fleisch wurde im Institut für Lebensmittel, Arzneimittel und Tierseuchen (ILAT) in Mitte untersucht. "Beide Proben sind sowohl sensorisch als auch mikrobiologisch ohne Beanstandung", sagte eine Sprecherin der Gesundheitsbehörde. Es habe sich in beiden Fällen um Hühnerschenkelfleisch gehandelt [Ed: statt des für einen Döner erforderlichen Kalbfleisches!].

Gesundheitsstaatssekretär Benjamin Hoff (Die Linke) betonte indes, dass künftig im Lebensmittel- und Veterinäraufsichtsbereich mindestens zwei Drittel der freiwerdenden Stellen – wie bereits im öffentlichen Gesundheitsdienst – nachbesetzt werden müssten. Fachkräfte wie Lebensmittelkontrolleure müssten außerdem von bürokratischen Tätigkeiten entlastet werden, forderte Hoff. "Dann können wir auch mehr Kontrollen durchführen."

In den vergangenen Jahren seien etliche Verwaltungskräfte eingespart worden. "Fachkräfte müssen deshalb viel zu viel Verwaltungsarbeit mitmachen", sagte Hoff. Der Gesundheitsstaatssekretär erwartet, dass elektronische Formulare die Arbeit der Kontrolleure bald vereinfachen werden. Büroarbeit entfalle dann; auf diese Weise werde die Verwaltungsarbeit deutlich reduziert [Ed: das sind doch alles nur Ausreden, denn das Personal-Problem bei der Berliner Lebensmittel-Kontrolle ist doch seit 1985 – also seit 22 Jahren (sic!) – bekannt (Anhörung im Steglitzer Gesundheitsausschuß anläßlich des Wein-Skandals), und es ist seitdem nichts verbessert worden...]. [mehr]

Weiterführende Links:
[29.08.2007: Döner-Hersteller in Berlin mit Gammelfleisch beliefert]  (DIE WELT)
[00.09.2007: "Ekel"-Döner auch in Brandenburg verkauft]  (DIE WELT)
[00.09.2007: Dönerhändler klagen über Umsatzeinbußen]  (DIE WELT)
[00.09.2007: Bis zu 180 Tonnen Ekelfleisch nach Berlin geliefert]  (DIE WELT)
[00.09.2007: Der Magen dreht sich einem um]  (DIE WELT)
[00.09.2007: Berlin und Bayern widersprechen sich]  (DIE WELT)
[00.09.2007: Berliner Behörde korrigiert Zahlen noch oben]  (DIE WELT)
[00.09.2007: "Tatenlos in Sachen Gammelfleisch"]  (DIE WELT)
[00.09.2007: Bayerischer Politiker macht Berlin schwere Vorwürfe]  (DIE WELT)



E K E L - F L E I S C H

Wieder kaufte ein Berliner Döner-Hersteller Ekelfleisch

Die meisten Spieße Deutschlands werden in der Hauptstadtregion hergestellt / Branche wehrt sich gegen Generalverdacht.

Aus:
Berliner Zeitung, 6. September 2007, Seite xx (Berlin). [Original=683972.html]

BERLIN. Der Gammelfleisch-Skandal weitet sich aus. So hat "mindestens noch ein weiterer Dönerhersteller" in Berlin minderwertiges Fleisch von der inzwischen geschlossenen Firma Wertfleisch aus dem bayerischen Wertingen bezogen, sagte die Sprecherin der Senatsgesundheitsverwaltung, Regina Kneiding, gestern. Um wie viele Tonnen es sich handelt, sei noch nicht bekannt. Die Staatsanwaltschaft in Memmingen wollte wegen laufender Ermittlungen dazu keine Auskunft geben.

Die Behörde bestätigte aber, dass – wie berichtet – der Betriebsleiter der Firma zugegeben habe, bis August an 4 Dönerhersteller in Berlin bis zu 180 Tonnen Fleischabfall als hochwertige Ware verkauft zu haben. Die Senatsgesundheitsverwaltung weiß nach gestrigem Stand bislang nur von 85 Tonnen, die wahrscheinlich schon verzehrt wurden. Fleischspieße, die vergangenen Freitag [31.8.2007] in Dönerbuden in Marzahn sowie in Tempelhof-Schöneberg sichergestellt wurde, erwiesen sich nach einer mikrobiologischen Untersuchung als Hähnchenschenkel statt als Kalbfleisch. "Das Fleisch war jedoch in Ordnung", sagte Kneiding.

Staatssekretär Benjamin-Immanuel Hoff hat unterdessen Vorwürfe der CSU zurückgewiesen, die den Berliner Behörden mangelnde Kontrollen vorgeworfen hat. "Die Kriminellen sind in diesem Fall aus Bayern. Dort wurde das für den menschlichen Verzehr nicht geeignete Fleisch umetikettiert", sagte er. Rund 80 Prozent der 52.000 Berliner Fleischverarbeiter und -anbieter würden jährlich überprüft. Der Staatssekretär räumte aber auch ein, dass seit Mitte der neunziger Jahrer 46 Stellen von Lebensmittelkontrolleuren gestrichen wurden. Mehr Personal sei aber dringend nötig [Ed: und das seit 22 Jahren!].

Dass immer wieder Gammelfleischlieferungen nach Berlin bekannt werden, hat einen Grund: Berlin ist Deutschlands Döner-Metropole. In den Siebzigerjahren machten hier die ersten Dönerbuden Deutschlands auf, inzwischen gibt es mehr als 1.500, so viele wie nirgends sonst in der Bundesrepublik. Von den 37 Mitgliedern des Vereins türkischer Döner-Hersteller in Europa produzieren allein 24 in Berlin, zum Teil schon seit mehr als 20 Jahren. Der Rest ist im Umland angesiedelt, sagte Sprecher Tarkan Tasyumruk. [Liste der Döner-Hersteller in Berlin + Brandenburg]

Und nirgendwo sonst sind die Döner, die man bereits für 99 Cent kriegen kann, so billig. Auch die Döner-Hersteller, die Gammelfleisch aus Bayern bezogen haben, sollen die Ware zu einem Kilopreis von 90 Cent eingekauft haben. "Ich gehe davon aus, dass die Dönerhersteller nicht wussten, dass es sich um minderwertiges Fleisch handelt. Aber sie hätten skeptisch sein müssen. Man kann für 90 Cent keine Qualität bekommen", sagte Tasyumruk "Das Angebot in Berlin ist zwar so groß, dass die Händler gezwungen sind, günstig einzukaufen. Das heißt aber nicht, dass sie Billigfleisch kaufen müssen." Stattdessen könnten sie vom teuren Kalb auf das preisgünstigere Rindfleisch ausweichen, sagte Tasyumruk.

"Billigfleisch ist keine Lösung"

Auch der größte Dönerproduzent Berlins, Remzi Kaplan, sagte: "Ich habe in meinem Leben noch nicht von so einem niedrigen Fleischpreis gehört." Er selbst kaufe frisches Kalbfleisch für mehr als 3 Euro das Kilo. "Billigfleisch zu kaufen ist jedenfalls keine Lösung. Damit machen sich die Hersteller selbst kaputt", sagte Dönerhersteller Atasever Sir aus Moabit. "In jeder Branche gibt es schwarze Schafe, mit dem Preisdruck hat das nichts zu tun", sagte auch der Pankower Dönerproduzent Isamail Özdemir. Er selbst beziehe sein Fleisch zu 70 Prozent aus Holland. "Da hatten wir noch nie Probleme."

Gegen eine Generalverurteilung der Döner wehren sich die Hersteller. "Uns stört, dass wir jetzt alle in einen Topf geworfen werden", sagte Kaplan. "Es ist kein Dönerfleischskandal, es ist ein Fleischskandal", betonte Vereinssprecher Tasyumruk. Er bedauere, dass die belieferten Dönerhersteller nun selbst als Betrüger dargestellt werden. Die Schuld am Skandal müsse bei dem bayerischen Fleischhändler aus Wertingen und den Kontrollbehörden gesucht werden. "Der Mann war bereits vorbestraft, dass er überhaupt noch einmal eine Zulassung bekommen hat, finde ich unmöglich", sagte Tasyumruk.

Für Dönerhersteller Özdemir ist die Sache klar. "Es gibt nur einen Schuldigen, den Staat selbst", sagt Özdemir. Es gebe zu wenig Kontrollen in Berlin. [mehr]



E K E L - F L E I S C H

Die Döner-Mafia

Für Tierfutter war es gerade noch gut genug, doch es landete im Döner Kebab: Gammelfleisch von italienischen Puten. Im aktuellen Ekel-Skandal führen erstmals auch Spuren zu einem europäischen Schlacht-Multi [Ed: die VION N.V.].

   
  Die Döner-Mafia
Doku des kompletten
STERN-Textes.
 
Hinweis auf: Stern – Nr. 37/2007, Hamburg, 6. September 2007, Seite 26–32 (Deutschland) von GEORG WEDEMEYER. Der Artikel aus dem Heft steht inzwischen auch im Internet: [Zum Original Teil 1] [Zum Original Teil 2]. Er enthält auch eine Liste von 37 Döner-Buden mit genauer Standortsangabe, die im Zeitraum 2.7. bis zum 15.8.2007 Döner-Spieße mit Ekel-Fleisch vom Berliner Döner-Produzenten Beysan GmbH erhielten und verkauften [Auszug in der B.Z.].

      Der Weg des Ekel-Fleisches 2006/07
^   Der Weg des Ekel-Fleisches führte von Berlin nach Berlin. Eine verkleinerte, nachbearbeite Grafik aus dem „Stern“ vom 6.9.2007. Gespannt sind Verbraucher auf die Ausreden des sowieso bei ihnen wenig beliebten Konzerns VION, denn dieser hat die Lebensmittel-Vielfalt plattgemacht – auch geschmacklich. [Vergrößern]   (Repro: 8.9.2007 – pep)
[Editor-Zusammenfassung: In diesem Bericht wird die bereits bestehende Vermutung bestätigt, daß der Berliner Döner-Hersteller
Beysan GmbH (Kontroll-Nr.: DE-BE 10035 EG) ein Abnehmer des umetikettierten Ekel-Fleisches (K3-Fleischabfälle) der Firma Wertfleisch GmbH (Wertingen, Bayern) war. Aber der Weg des Ekel-Fleisches aus Italien ist viel komplizierter gewesen.

Aus diesem Stern-Report wird außerdem deutlich, daß sich insbesondere die Berliner Lebensmittel-Kontrolle an der Nase herumführen ließ. Denn das jetzt in Berlin zu Dönern verarbeitete Ekel-Fleisch war schon einmal in Berlin (sic!), bei der Firma Expim, wo es bereits im September 2006 als ungenießbar beschlagnahmt worden war, aber im Juli 2007 zum Weiterverkauf an die Firma Sonac in Bad Bramstedt wieder freigegeben wurde [Ed: hm, Bad Bramstadt, da fällt einem doch sofort wieder diese mutige Tierärztin ein, die dort bereits ganz früh auf BSE hinwies, deswegen aber fristlos gefeuert wurde].

Die zum europäischen Multi Vion gehörende Sonac verkaufte das Ekel-Fleisch sofort papiermäßig (zur Verschleierung) über einen Zwischenhändler in Belgien und real an die Wertfleisch GmbH in Wertingen, die es dann als ‚wertvolles‘ Fleisch an einige der Berliner Döner-Hersteller gewinnbringend verkaufte].

[mehr und Kommentare auf der BSE-Page]


VION schon länger auffällig

VION N.V. 10.9.2007 (bse-p). Bei Wikipedia heißt es zum Konzern VION: „Anfang 2007 erstattete Foodwatch Anzeige gegen Vion, da das Unternehmen illegalen Handel mit Tiermehl (Kategorie 3-Abfälle: Federn, Häute und Hörner sowie Knochen, Fette, Blut und Gammelfleisch) betreiben soll. Obwohl entsprechende Abfälle und das daraus hergestellte Tiermehl keinesfalls in die menschliche Nahrungskette gelangen dürfen, fand die Verbraucherschutzorganisation Beweise, die zu einer entsprechenden Anzeige führten“. *   [VION-Verhaltens-Codex von 2006]

Mitdenkende Verbraucher fragen sich allerdings auch, wie es überhaupt 2006 passieren konnte, daß die EU bei VION eine derart komplexe Fusionsstruktur genehmigen konnte. Denn solche Strukturen laden geradezu dazu ein, sich auch illegal zu betätigen – vor allem wenn es schnelles Geld bringt. Mit dem K3-Material läßt sich offensichtlich heutzutage sehr viel Geld machen. Und Foodwatch stellt am 10.9.2007 fest: „Unglaublich, aber wahr: Der größte Fleischkonzern Europas, "VION", verdient besser an Abfällen als an Frischfleisch.“ Da stimmt also etwas nicht.

Und es ist verwundert daher schon sehr, daß die EU-Kommission nicht ebenso stringente Regeln für das K3-Material eingeführt hat, wie sie es wg. der BSE-Gefahr beim K1- und K2-Material getan hat. Die Fachleute konnten doch bereits 2001/2002 ahnen/wissen, daß eine lasche Handhabung des Umgangs mit dem K3-Material erhebliche Probleme erzeugen wird. Also: Welches sind die wahren Interessen dafür, daß der K3-Markt nicht ganz energisch reguliert wird?

Es gibt nun die Forderung, K3-Material mit Farbstoff zu vergällen. Man kann das natürlich tun, nur muß es dann europaweit geschehen. Der Erfolg wird allerdings bescheiden sein. Denn wir wissen inzwischen, daß diese kriminellen Fleischhändler mit allen Wassern gewaschen sind. Sie werden ganz schnell Mittel und Wege finden, das K3-Fleisch der Vergällung zu entziehen. Das Geschäft mit dem Ekel-Fleisch ist schlichweg zu lukrativ, wie die Verzehnfachung des Wertes der Fleischabfälle im aktuellen Skandal zeigt. Deshalb ist die sinnvollste und effektivste Löung der Pranger im Internet. Diese klare ‚Ansage‘ werden alle Beteiligten verstehen.

Einlassung von VION und Sonac

10.9.2007 (bse-p). Inzwischen liegt ein Statement der beschuldigten Firmen VION und Sonac vor. Es trägt kein Datum und wurde am 9.9.2007 um 00.07 Uhr GMT vom Sonac-Server http://www.sonac.biz/ heruntergeladen. Der Text lautet [Original] [Translation-Service]:

VION and Sonac statement with respect to improper use of K-3 material

  • We have been given to understand that the names of Sonac and VION have been named in the processing of K-3 material in products for human consumption.
  • We strongly condemn these improper practices. K-3 material is not intended for human consumption.
  • This K-3 material has been processed by third parties.
  • Neither Sonac nor VION were aware of this.
  • VION has been notified of a preliminary criminal inquiry into the role of an employee at the subsidiary company of Sonac Bad Bramstedt.
  • Depending on the outcome of this inquiry the employee in question has been suspended from all duties.
  • Sonac is lending its full cooperation to the criminal inquiry.
  • VION has likewise instructed the internal accounting services to carry out an in-depth inquiry immediately.
  • Sonac is awaiting the results of both inquiries.

Es fällt ganz besonders auf, daß diese Firmen-Stellungnahme keinerlei Entschuldigung bei den Konsumenten enthält. Schließlich kommt es aber auf das Image eines Unternehmens an, um am Markt bestehen zu können. Es ist sehr wichtig, wie Kunden und Aktionäre über einen Konzern denken. Und das ist das primäre Problem. Die strafrechtlichen Aspekte des Vorfalls werden schon die dafür zuständigen Behörden klären. Offensichtlich haben die VION/Sonac- Manager eine zeitgemäße Krisenbewältigung nicht auf der Business-School gelernt.

Mehr zum Thema »Döner-Mafia«:

[09.09.2006: Döner im Hygiene-TÜV]  (SPIEGEL ONLINE)
[12.09.2006: Döner stark mit Keimen belastet]  (BERLINER MORGENPOST)
[14.09.2006: Türken wittern Döner-Verschwörung]  (SPIEGEL ONLINE)
[13.04.2007: 900 Kilo Fleisch vernichtet]  (DER TAGESSPIEGEL)
[28.08.2007: Faules Fleisch für Kebab-Buden]  (20-MINUTEN)
[29.08.2007: Döner-Hersteller in Berlin mit Gammelfleisch beliefert]  (DIE WELT)
[31.08.2007: Mehr als 160 Tonnen Ekel-Fleisch zu Dönern verarbeitet]  (BSE-Page)
[31.08.2007: Existiert eine "Gammelfleisch-Mafia"?]  (DER TAGESSPIEGEL)
[01.09.2007: Das Ekelfleisch-Puzzle wird immer komplexer]  (AUGSBURGER ALLGEMEINE)
[03.09.2007: Kebab-Händler gehen auf die Barrikaden]  (DER TAGESSPIEGEL)
[06.09.2007: Qualitätsanspruch des Döner-Herstellers Beysan GmbH Berlin]  (BSE-Page)
[07.09.2007: Gammel-Döner auch im Norden



E K E L - F L E I S C H

Umsatz-Einbruch an Döner-Buden

Ekelfleisch-Skandal führt bei vielen zur Krise / Neue Spekulationen über Handelsnetz.

Aus:
Berliner Morgenpost, 7. September 2007, Seite xx (Berlin). [Original=920037.html]

BERLIN (BM). Der Ekelfleischskandal wird immer verwirrender. Nachdem zunächst von Lieferungen einer bayerischen Firma an einen Berliner Großabnehmer die Rede war, teilte die mit den Ermittlungen befasste Staatsanwaltschaft Memmingen am Mittwoch [5.9.2007] mit, es gebe Hinweise auf größere Lieferungen an einen zweiten Abnehmer in der Hauptstadt (wir berichteten). Gestern meldete das Magazin "Stern", dass sogar 4 Berliner Fleischhändler und Weiterverarbeiter mit den minderwertigen Fleischabfällen aus dem bayerischen Wertingen beliefert wurden. Eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft sagte dazu gestern lediglich, man gehe derzeit allen Hinweisen nach.

Unter anderem prüft die Behörde, ob Teile des von Bayern nach Berlin verfrachteten minderwertigen Fleisches ursprünglich von einem Produzenten am Großmarkt Beusselstraße in Moabit stammt, der schon beim Gammelfleisch-Skandal im Herbst vergangenen Jahres ins Visier der Behörden geraten war; das Landeskriminalamt hatte damals 90 Tonnen vergammeltes Putenfleisch in dem Unternehmen beschlagnahmt. Nach Medienberichten soll Fleisch aus Moabit teilweise an eine Firma nach Schleswig-Holstein und von dort an jene Fleischfirma in Wertingen [Fa. Wertfleisch GmbH] geliefert worden sein, gegen die jetzt ermittelt wird.

Liste der belieferten Restaurants

Der "Stern" veröffentlichte darüber hinaus eine Liste aller Döner-Imbisse, die über die Zwischenhändler zwischen dem 2. Juli und 15. August mit den Schlachtabfällen aus Bayern [Ed: in der Form von Döner-Spießen] beliefert wurden. Allein in Berlin und Brandenburg sind nach Angaben eines Ermittlers etwa 40 Endabnehmer betroffen.

Die Imbiss-Betreiber trifft dieser Skandal besonders hart. Sie wussten nicht, dass sie mit schlechter Qualität beliefert wurden. Im Ermittlungsverfahren gelten sie als Geschädigte. Mehrere von ihnen äußerten sich gestern gegenüber der Berliner Morgenpost. "Der Einsatz ist um 50 Prozent eingebrochen, ich kann meine Miete nicht bezahlen", heißt es beim "City Imbiss" in der Oranienburger Straße. "Wir erfahren aus den Medien, dass wir angeblich Gammelfleisch verkauft haben sollen. Es sind doch immer Siegel auf der Ware von Beysan, dass diese frisch ist. Das alles ist ungerecht." Beim "Yildiz Grill" in der Hermannstraße erfuhr Inhaber Yurtseven Izci nachts vom Ekelfleisch. "Ich habe mir dann die ganze Nacht überlegt, was ich tue, ob ich sofort den Fleischlieferer wechseln soll", sagt er. Er habe gleich morgens die Firma Beysan angerufen. "Man sagte mir, dies sei ein großes Komplott, es gebe keine Beweise, die Anschuldigungen seien falsch."

Frisch vom Land in bester Qualität
    Rohstoffe

„Zur Gewährleistung unserer Qualitätsansprüche beziehen wir unsere Rohstoffe ausschließlich von renommierten europäischen Unternehmen, hauptsächlich aus Deutschland und Holland.

Trotzdem ist es für uns selbst- verständlich, das Fleisch sowohl bei der Annahme als auch bei der Weiterverarbeitung und auch bei der Auslieferung ständig gemäß der EU-Richtlinien und der Qualitätssicherungs-Maßnahmen (HACCP) strengstens zu über- wachen.“

So heißt es noch am 6.9.2007 auf der
Homepage des Berliner Döner-Herstellers
Beysan Fleischwarenherstellung GmbH.
[Ein Screen-Shot]

In der „Hürriyet“ hat der Beysan-Chef Servet Öncebe am 7.9.2007 zugegeben, daß er 80 Tonnen minderwertiges Fleisch aus Wertingen bezogen und zu Dönern-Spießen verarbeitet habe.
Für den 34-Jährigen kam die Verbindung seines Grills mit angeblichem Ekelfleisch sehr überraschend. "Mir bleibt gar nichts anderes übrig, als dem Lieferanten zu vertrauen, ich selber habe nicht die Möglichkeit, die Ware zu testen", sagt er. Dabei sei das Vertrauen gerade bei der Firma Beysan, von der er sein Fleisch seit 7 Jahren bezieht, besonders groß. "Ich habe lange bei der Firma gearbeitet, mir ist nie etwas aufgefallen. Es ging immer alles mit rechten Dingen zu, alles war sauber und ordentlich."

"Wir wechseln den Lieferanten"

"Ab Montag kaufen wir unser Fleisch woanders", sagt Anil Ayva, der Sohn der Inhaberin des Imbisses "By Denni's" im Bahnhof Lichtenberg. "Der Image-Schaden ist aber schon da, wir haben kaum noch Kunden. Im Ostteil der Stadt kennt eben jeder der Name By Denni's." Normalerweise verkaufe er über 20 Kilogramm Fleisch pro Tag, sagt Pächter Demir Tucay. "Heute sind es vielleicht 3 oder 4 Kilogramm. Wie soll ich so meine Miete bezahlen? Ich esse doch auch jeden Tag Döner und habe nie schlechte Qualität bemerkt." Gelassen hört ihm Objektschutz-Mitarbeiter René (40) zu. Er esse immer noch Döner, sei seit 3 Jahren Stammkunde bei "By Denni's" und wolle es auch bleiben. "Ich mache mir keine Sorgen. Früher haben wir doch ganz andere Sachen gegessen."

Auch "By Denni's" am Bahnhof Ostkreuz steht auf der im "Stern"-Liste. Ahmet Arikan (27) beißt gerade in einen Döner und sagt: "Der schmeckt hier richtig gut!" Sein Bruder Ethm steht seit einer Woche als Mitarbeiter am Grill. Vom Skandal habe er zwar gehört, aber auch er esse das Fleisch ohne Bedenken: Es komme von einem anderen Lieferanten.

Im "Grillhaus Rehberge" an der Müllerstraße in Wedding setzt man ab sofort auf einen neuen Lieferanten, sagt Koch Efe Güclüdal. Ab heute komme das Fleisch nicht mehr von Beysan. Über ausbleibende Kundschaft könne er sich jedoch nicht beklagen. Ein älterer Stammkunde sagt: "Weiß ich denn, was ich bei deutschen Imbissen esse?" [Die Döner-Mafia] [mehr]



E K E L - F L E I S C H

Gammel-Döner auch im Norden – Hersteller festgenommen

[Ed: Woher kam in diesem Fall das Ekel-Fleisch? Etwa auch von VION/Sonac aus Bad Bramstedt? Fragen, die die Staatsanwaltschaft schleunigts beantworten muß]

Aus: Yahoo-News, 7. September 2007, 14.07 Uhr MESZ (Wirtschaft). [Original]

ITZEHOE. In Norddeutschland gibt es einen neuen Fleischskandal. Ein Döner-Hersteller aus Schleswig-Holstein wird verdächtigt, tonnenweise Fleisch ohne Herkunftsnachweis verarbeitet zu haben, wie die Staatsanwaltschaft Itzehoe mitteilte.

Der weitgehend geständige 53-Jährige war am Mittwoch [5.9.2007] kurz vor einer geplanten Abreise in die Türkei festgenommen worden, kam inzwischen aber gegen Auflagen wieder frei.

Dem Döner-Hersteller in Schleswig-Holstein wird vorgeworfen, seit Dezember 2006 rund 41 Tonnen "nicht zum Verzehr zugelassenes Fleisch ohne Herkunftsnachweis" verwertet zu haben. Ein Mitarbeiter hatte das Gesundheitsamt informiert. Anschließend seien am Dienstag [4.9.2007] etwa 5 Tonnen Fleisch sichergestellt worden. Diese sollen jetzt untersucht werden. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurden verschiedene Döner-Imbisse in Norddeutschland beliefert. Für die Verbraucher bestand nach ersten Erkenntnissen keine Gefahr.

Ranziges, muffiges, fauliges und altes Fleisc kam in die Berliner Döner

Unterdessen hat im jüngsten bayerischen Ekelfleisch-Skandal die Justiz mit der Auswertung der beschlagnahmten Unterlagen aus der geschlossenen Wertinger Fleischhandelsfirma begonnen.

Der Memminger Oberstaatsanwalt Johann Kreuzpointner berichtete im Fall des bayerischen Skandals von "mehreren Kartons mit Material, das die Polizei sichtet und der Staatsanwaltschaft in aufbereiteter Form vorlegen wird". Ein 56-Jähriger aus Wertingen soll bis zu 180 Tonnen Schlachtabfälle als lebensmitteltaugliches Fleisch umetikettiert und an Döner-Händler nach Berlin verkauft haben. Der Beschuldigte gestand die Manipulationen.

Er war bereits Anfang 1990 wegen Betrügereien im Zusammenhang mit Fleischlieferungen zu einer Gefängnisstrafe verurteilt worden. Seine Ehefrau soll als Geschäftsführerin der jetzt geschlossenen Firma von den Manipulationen ihres Mannes nichts gewusst haben.

Die Ende August in Wertingen beschlagnahmten 11,4 Tonnen Schlachtabfälle, die ebenfalls umetikettiert werden sollten, lagern nach Angaben der Memminger Staatsanwaltschaft noch im Kühlhaus der Firma. Nach ersten Proben handele es sich um "ranziges, muffiges, fauliges und altes Fleisch" [Ed: und das will kein Berliner Döner-Fabrikant bemerkt haben...]. [mehr]



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