Nahrungsprobleme in den Medien – Teil 6 khd
Stand:  7.9.2007   (47. Ed.)  –  File: Food/in_M/edia_06.html




Hier werden einige ausgewählte und besonders interessante Artikel und andere Texte zum Thema "Nahrung" (food) gespiegelt und damit auf Dauer dokumentiert. Manches ist auch mit [Ed: ...] kommentiert. Tipp- und Übertragungsfehler gehen zu meinen Lasten.

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Gammelfleisch-Proben belasten Geflügelfirma

Wahrscheinlich landete verdorbenes Fleisch aus einem niedersächsischen Unternehmen in Geflügel-Dönern. Kontrolleure und Verbraucherschützer verlangen besseren Schutz für Kunden.

Aus:
Berliner Morgenpost, 7. November 2005, 20.11 Uhr MEZ (Aktuell). [Original]

OLDENBURG (morgenpost.de). Im weiteren Geflügelfleischskandal hat die Untersuchung von Proben den Verdacht gegen die Firma im niedersächsischen Lastrup erhärtet [Ed: Fa. Frischgeflügel Bünnemeyer GmbH, Vlämische Straße 1a, 49688 Lastrup]. "Sieben von 20 Proben waren eindeutig verdorben", sagte die Sprecherin des Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES), Hiltrud Schrandt: "Das Fleisch ist ungenießbar."

Angesichts des dritten großen Fleischskandals in Deutschland in diesem Jahr ist eine Debatte über schärfere Kontrollen entbrannt. Der Bundesverband der Lebensmittelkontrolleure verlangte den Aufbau eines bundesweit einheitlichen System zum Schutz des Kunden. Verbraucherschützer forderten schärfere Strafen für schwarze Schafe.

Verdorbener Geruch

 

Lastruper Geflügelfleisch wurde von anderen Betrieben zu Döner-Spießen verarbeitet und
bereits an Imbißbuden ausgeliefert.


Quelle: InfoRadio Berlin – 8.11.2005.

Bei 4 der untersuchten Proben war die Qualität des Geflügelfleisches fraglich. Sie würden jetzt weiter untersucht. 9 Proben seien in Ordnung gewesen, sagte sie in Oldenburg. Das Fleisch wurde nur sensorisch – vor allem auf Geruch und Aussehen – überprüft. Jetzt sollen Proben außerdem auf Keime untersucht werden.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts des gewerbsmäßigen Betruges und des Verstoßes gegen Lebensmittelgesetze gegen einen 45 Jahre alten Unternehmer. Er soll verdorbenes Fleisch verkauft haben, das auch bis auf den Tisch der Verbraucher gelangt ist.

Das Verbraucherschutzministerium in Niedersachsen hält es für wahrscheinlich, daß unter anderem Döner-Buden das beanstandete Fleisch verarbeitet haben. Nach einem Bericht der ARD-"Tagesschau" sind in der nordrhein-westfälischen Stadt Hagen 9 Tonnen verdächtige Ware beschlagnahmt worden. Diese sei bereits zu Dönerfleisch verarbeitet worden.

20 Tonnen Fleisch beschlagnahmt

In seiner Betriebsstätte in Lastrup, die im wesentlichen als Lager diente, haben die Behörden rund 20 Tonnen Geflügelfleisch beschlagnahmt. Sie wurde inzwischen geschlossen. Der eigentliche Betrieb im wenige Kilometer entfernten Lindern arbeitet nach Angaben des Landkreises Cloppenburg weiter, steht aber unter verschärfter Kontrolle der Behörden.

Der Betrieb war bereits früher kontrolliert worden: keine Auffälligkeiten, hieß es damals. Dazu sagte der Sprecher des Agrarministeriums in Hannover, Dominik Meyer: "Wenn durch kriminelle Energie etwas versteckt wird, kann es durch Kontrollen auch nicht so schnell aufgedeckt werden." In den Betrieben müsse es ein Warnsystem" gegeben haben, nach dem Motto: "Ein Veterinär kommt, alles wegpacken."

Verband: Mehr Kontrollen durch Fachleute

Der Bundesverband der Lebensmittelkontrolleure verlangte, es sollte festgelegt werden, daß jeder Lebensmittelkontrolleur in Deutschland rund 600 Betriebsüberprüfungen im Jahr machen müsse. "Dann hätten wir einen einheitlichen Verbraucherschutz von Flensburg bis zum Bodensee", sagte der Verbandsvorsitzende, Hans-Henning Viedt.

"Einige Länder kontrollieren nur 30 Prozent ihrer Betriebe, weil zu wenig Personal da ist", sagte Viedt weiter. Eine stärkere Eigenkontrolle der Fleischbranche forderte die Bundesbehörde für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit in Bonn. Die Branche müsse ein eigenes Netz der Qualitätssicherung errichten, um schwarzen Schafen keine Chance zu lassen, sagte der Präsident der Behörde, Christian Grugel.

Verbraucherschützer: Mehr Personal für Kontrollen

Die Verbraucherzentralen forderten schärfere Strafen. "Wir brauchen vor allem stärkere Sanktionen, auch schon bei kleinen Widrigkeiten", sagte der Sprecher der Verbraucherzentrale Bundesverband, Christian Fronczak, dem Sender NDR Info. Die Lebensmittelkontrollen müßten personell und finanziell ausreichend ausgestattet sein und sollten nicht privatisiert werden. Bund und Länder müßten sich zudem besser absprechen.

Der neue Fall im Landkreis Cloppenburg ist bereits der dritte große Fleischskandal in Deutschland innerhalb weniger Monate. Anfang März waren in 2 Filialen der Real- Warenhauskette in der Region Hannover Mitarbeiter dabei ertappt worden, wie sie Hackfleisch mit abgelaufenem Haltbarkeitsdatum umetikettiert und wieder ins Regal gelegt haben. Inzwischen wird bundesweit gegen Mitarbeiter von 5 Handelsketten ermittelt.

Eine Fleischfirma im niederbayerischen Deggendorf soll rund 760 Tonnen für den menschlichen Verzehr untaugliche Geflügelabfälle als genußtaugliche Ware an Firmen verkauft haben, die diese Ware zu Lebensmitteln verarbeiteten. [mehr]

9.11.2005 (khd). Alle in Berlin untersuchten Proben des Geflügelfleisches seien „unbedenklich“, teilte heute das InfoRadio-Berlin mit. Offensichtlich gebe es Chargen aus dem Lastruper Betrieb, die einwandfrei seien, heißt es. Aus Brandenburg liegen noch keine Untersuchungsergebnisse vor.

12.11.2005 (khd/info-radio). Auch die Brandenburger Geflügelfleischproben waren einwandfrei. In Nordrhein- Westfalen (NRW) hingegen wurden in einem Hagener Großbetrieb für Döner- Herstellung auch verdorbenes Fleisch aus früheren Lieferungen des Lastruper Betriebs entdeckt. Dort seien 8 von 10 untersuchten Döner- Spießen „für den menschlichen Verzehr nicht geeignet“ gewesen.



R A T S C H L Ä G E

Leben auf dem Teller

Kann man sehen oder schmecken, ob Putenmortadella und Hühnerfrikasse einwandfrei sind – und welche Risiken gibt es, wen man's trotzdem isst?

Aus:
ZEIT online, 7. November 2005, ??.?? Uhr MEZ (Deutschland). [Original]

Gerade erst konnte die hiesige Geflügelindustrie wieder vorsichtig aufatmen: Die Vogelgrippe ist noch immer nicht in Deutschland angekommen, und trotz allgemeiner Aufregung sind die Kunden dem mageren Liebling weiter treu geblieben. Doch kaum, dass sich Entspannung breit machen kann, ereilt die Leichtwurstproduzenten schon das nächste, höchst unappetitliche Problem: Das Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz hat zum Wochenende mehrere Tonnen verdorbenes Geflügelfleisch beschlagnahmt.

Zu spät, wie sich herausstellte, denn einige Partien der gammeligen Puten- und Hühnerteile waren bereits ausgeliefert und sind nach Angaben des Niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums wahrscheinlich auch weiter verarbeitet worden. In welchen Produkten das verdorbene Fleisch gelandet ist, müssen die Staatsanwaltschaften erst noch herausfinden. Auch das Risiko, das solche, sagen wir: Lebensmittel bergen, ist bislang unklar.

Eine erste Probe des Fleisches wurde direkt nach der Sicherstellung als eindeutig verdorben getestet – dazu reichten Auge und Nase, denn das Fleisch war bereits schleimig-schmierig und stank zum Himmel. Heute hat das Landesamt in Oldenburg bekanntgegeben, dass weitere sieben Proben durch diese so genannte sensorische Begutachtung klar als ungenießbar engestuft wurden. Was aber, wenn nicht wieder eingesammeltes, ungenießbares Fleisch nun doch seinen Weg in den Verbrauchermagen findet?

Im Fall von reinem Fleisch, also Putenbrust und Hähnchenschnitzel, wird auch dem Laien schnell offensichtlich, ob die Ware verdorben ist. Übler Geruch, schmierige Oberfläche, leicht grünlicher Schimmer – sowas legt sich niemand freiwillig in die Pfanne. Anders sieht das schon bei verarbeiteten Produkten aus. "Wenn man das Fleisch veredelt, also mit gutem Fleisch mischt und würzt, dann ist verdorbene Ware nicht mehr so leicht zu erkennen", sagt Horst Siems vom Mikrobiologischen Verbraucherschutz der Stadt Hamburg.

Gut möglich also, dass so verarbeitetes Geflügelfleisch nicht einmal im Geschmack auffällt – und die zahllosen Keime der fauligen Ware in unserem Magen landen. Das kann, muss aber nicht gefährlich sein. "Zunächst einmal vermehren sich da Bakterien, die ohnehin schon auf dem Fleisch vorhanden sind – Milchsäurebakterien, Mikrokokken, Enterobakterien oder Hefen zum Beispiel", sagt Siems. Die meisten dieser Mikroorganismen machen nicht einmal in größerer Menge krank. "Aber es gibt natürlich auch noch die Salmonellen".

"Erst wenn sich bestimmte Keime ganz massiv durchsetzen, wie Salmonellen, Pseudomonas aeruginosa oder Campylobacter, dann wird das Fleisch auch für unsere Gesundheit gefährlich," erläutert Siems. Die Symptome seien in den meisten Fällen dieselben: Durchfall, vor allem; dazu Übelkeit, Erbrechen und Kopfschmerz. "Das dauert bei einem gesunden Erwachsenen ein paar Tage, dann hat man's hinter sich." Schlimmer sei es, wenn Immunschwache – kleine Kinder und alte Menschen – von so einer Infektion gepackt werden. "Das kann dann durchaus lebensgefährlich werden."

Ob das Fleisch aus Lastrup, das an Fleischverarbeitungsbetriebe in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Bremen, Berlin und Rheinland-Pfalz geliefert wurde, wirklich schon in einem so bedenklichen Zustand war, müssen weitere Untersuchungen zeigen. Wer jedoch nach dem Verzehr von Geflügelwurst oder ähnlichem die genannten typischen Symptome an sich beobachtet, sollte auf jeden Fall zum Arzt gehen. Im Mindesten verliert der Körper im Verlauf einer Durchfallerkrankung sehr viel Elektrolyte und kann dauerhaft geschwächt werden.



F L E I S C H S K A N D A L

„Eindeutig genussuntauglich“

Die Untersuchung der genommenen Geflügelfleischproben hat ergeben, dass ein Drittel des Fleisches verdorben war. Trotz des Fleischskandals um die niedersächsische Firma Lastrup sehen die Behörden keine Versäumnisse bei den Lebensmittelkontrollen.

Aus:
Stern, Hamburg, 10. November 2005, ??.?? Uhr MEZ (Wirtschaft + Karriere). [Original]

HAMBURG. Die Staatsanwaltschaft sieht in Zusammenhang mit dem niedersächsischen Fleischskandal keine Versäumnisse bei der Lebensmittelüberwachung. Es gebe "keine Anhaltspunkte für ein Überwachungsverschulden" des Landkreises Cloppenburg und des Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES), teilte die Staatsanwaltschaft Oldenburg am Donnerstag [10.11.2005] mit. Inzwischen hätten Untersuchungen gezeigt, dass 24 von 68 Geflügelfleischproben des Unternehmens "eindeutig verdorben" waren. Ob das Fleisch zudem auch mit Salmonellen belastet ist, sollen weitere Tests klären. Die Ergebnisse könnten an diesem Freitag [11.11.2005] vorliegen.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft und des LAVES wurden insgesamt 68 Fleischproben in der Lagerhalle des Unternehmens in Lastrup und im Verarbeitungsbetrieb im wenige Kilometer entfernten Lindern genommen. Jeweils 12 Proben waren nach Untersuchungen des LAVES verdorben. Auch 3 Proben aus einem belieferten Betrieb in Solingen (Nordrhein- Westfalen) hätten sich als "eindeutig genussuntauglich" erwiesen. In Berlin untersuchte Proben wurden dagegen als unbedenklich eingestuft.

Geflügelfleisch mit Wasser versetzt

Inzwischen sei auch nachgewiesen, dass Geflügelfleisch mit eingespritztem Wasser schwerer gemacht wurde, teilte das LAVES mit. Bei 4 Proben sei ein Fremdwassergehalt zwischen 4,5 und 10,3 Prozent gefunden worden. Laut Staatsanwaltschaft besteht der Verdacht, dass mehrere Tonnen mit Wasser manipuliertes Putenfleisch verbotenerweise in den Handel gelangt sind.

Die sensorische Untersuchung reicht aus

Untersuchungsergebnisse über eine mögliche Salmonellen-Belastung lagen am Donnerstag zunächst nicht vor. "Die mikrobiologischen Untersuchungen dauern leider relativ lang", sagte LAVES-Präsident Eberhard Haunhorst. Der Nachweis von Keimen sei zwar interessant und möglicherweise im Falle einer Verurteilung des betroffenen Unternehmers für das Strafmaß relevant. "Der sensorische Befund reicht jedoch aus, um sagen zu können, dass das Fleisch verdorben und nicht zum Verzehr geeignet ist. Damit liegt dann auch ein eindeutiger Verstoß gegen lebensmittelrechtliche Bestimmungen vor", meinte Haunhorst.

Verdorbenes Geflügelfleisch als frisch verkauft

Das Geflügelfleisch stammte aus Betrieben einer Firma in Lastrup und Lindern bei Cloppenburg. Gegen das Unternehmen ermittelt die Staatsanwaltschaft. Die Anklagebehörde wirft Verantwortlichen der Firma den Verstoß gegen das Lebensmittelgesetz und gewerbsmäßigen Betrug vor. Die Beschuldigten sollen tiefgefrorenes Geflügelfleisch unsachgemäß aufgetaut und als Frischfleisch verkauft haben. Von den Abnehmern beanstandetes und zurückgeschicktes Fleisch soll eingefroren und später wieder als Frischfleisch verkauft worden sein.

"Mangelhafte Lagerung durch Abnehmerbetriebe"

Der Anwalt des beschuldigten 45 Jahre alten Unternehmers wies die Vorwürfe gegen seinen Mandanten erneut zurück. Seitens des betroffenen Betriebes sei kein verdorbenes Fleisch in den Handel gelangt. Es müsse überprüft werden, inwieweit bereits mangelhafte Ware aus dem Ausland an den Standort Lindern geliefert wurde. Zudem könne "eventuelle mangelhafte Lagerung und Behandlung des gelieferten Fleisches durch Abnehmerbetriebe nicht dem betroffenen Geschäftsführer angelastet werden", sagte Rechtsanwalt Axel Husheer. Bei der Staatsanwaltschaft hat der Beschuldigte nach Angaben eines Sprechers bisher noch keine Angaben gemacht.

"Der Fall ist für uns Anlass, konkret zu überlegen, wie man solche kriminellen Machenschaften in Zukunft verhindern kann", sagte ein Sprecher des niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums in Hannover. Dazu werde es nach Abschluss der Ermittlungen einen runden Tisch mit Vertretern des Ministeriums, des LAVES und der Landkreise geben. [mehr]



F L E I S C H S K A N D A L

Griffen die Veterinäre zu spät ein?

Im Geflügelfleischskandal gerät der Landkreis Cloppenburg in Erklärungsnot. Haben die Amtsveterinäre zu spät eingegriffen?

Aus:
Hannoversche Allgemeine Zeitung, 10. November 2005, 19.42 Uhr MEZ (Niedersachsen). [Original]

HANNOVER (HAZ). Wie am Donnerstag [10.11.2005] bekannt wurde, hatte das Amt für Veterinärwesen und Lebensmittelüberwachung bereits am 17. Oktober einen Hinweis auf Missstände in dem umstrittenen Geflügelbetrieb in Lastrup erhalten, der verdorbenes Puten- und Hühnerfleisch in den Handel gebracht haben soll. Erst zwei Wochen später, am 2. November, ließ die Behörde den Betrieb schließen. Zu diesem Zeitpunkt informierte der Landkreis auch das Landwirtschaftsministerium in Hannover über den Fleischskandal. "Es war zunächst ja nicht zu erwarten, dass das der Fall solche Dimensionen annimmt", sagte Landkreis-Sprecher Ansgar Meyer am Donnerstag.

Nach Informationen der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung sollen bis Ende Oktober zwei weitere Anrufe nötig gewesen sein, bis die Veterinäre den beschuldigten Betrieb durchsuchen ließen. Der Landkreis bestreitet dies. Dem ersten Hinweis seien die Veterinäre sofort nachgegangen, sie hätten den Lagerbetrieb in Lastrup stärker verdeckt überwacht. "Wir mussten erst handfeste Beweise sammeln, bevor wir den Betrieb schließen", erklärte Meyer.

Bei einer ersten Kontrolle der beschuldigten Firma in Lastrup im Oktober war nach Meyers Angaben zunächst nichts Belastendes aufgefallen. Die zweite "Begehung" am 1. November war erfolgreicher. Es sei deutlich geworden, dass in dem nur als Lager zugelassenen Betrieb auch produziert wurde. Am 2. November wurden der Betrieb in Lastrup und der Hauptsitz in Lindern zusammen mit der Staatsanwaltschaft durchsucht. Die gesamte Ware wurde beschlagnahmt, das angebliche Lager in Lastrup geschlossen.

Nach Ansicht des Ministeriums hat der Landkreis korrekt gehandelt. "Die Aktion wurde gut vorbereitet, das Ministerium rechtzeitig informiert", betont Sprecher Gert Hahne.

SPD und Grüne im Landtag sehen das anders. "Wir haben große Zweifel, ob die Fachaufsicht funktioniert", sagte die Grünen-Abgeordnete Meta Janssen-Kucz. Das Ministerium sei offenbar nicht ausreichend vom Landkreis informiert worden. Dies habe Landwirtschaftsminister Hans-Heinrich Ehlen am Mittwoch im Landtag verschwiegen. Das Vorgehen vermittele das ungute Gefühl, dass die Veterinäre nicht so genau hinsähen, kritisierte die SPD-Agrar-Expertin Karin Stief-Kreihe. Das Ministerium könne nicht einfach so tun, als sei alles gut gelaufen.

Die Staatsanwaltschaft Oldenburg sieht hingegen keine Fehler der Aufsichtsbehörden. "Dafür gibt es keine Anhaltspunkte", sagte Staatsanwalt Frank Lohmann gestern. Die Untersuchungen des Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit in Oldenburg haben unterdessen die Vorwürfe gegen die beiden Betriebe bestätigt. "Von 68 Fleischproben aus den Betrieben in Lastrup und Lindern waren 24, eindeutig schlecht", sagte eine Sprecherin. Die Experten wiesen überdies nach, dass Geflügel mit eingespritztem Wasser schwerer gemacht worden war.

Den Verbrauchern bleibt die bange Frage, wie viel von dem verdorbenen Fleisch bereits verkauft worden ist. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten rechnet damit, dass die Firma schon längere Zeit unbemerkt mit Gammelfleisch gehandelt hat. [mehr]



Von der Imbissbude in die Fabrik

Wie kommt eigentlich der Chicken-Döner auf den Spieß? Wir haben uns auf die Suche gemacht.

Aus:
Berliner Zeitung, 10. November 2005, Seite xx (Berlin). [Original]

BERLIN. Komisch. Da gibt es einen Geflügelskandal, aber die meisten Kunden scheint das nicht zu irritieren. "Bei uns hat noch keiner gefragt, wo der Chicken-Döner herkommt", heißt es etwa beim Yildiz-Grill am Rosenthaler Platz. Wenn man dann doch mal jene Frage stellt, zeigen sie auf ein Schild mit der Aufschrift "Beysan Döner" und schreiben einem die Telefonnummer des Lieferanten auf – als wäre das die Antwort auf den Fleischskandal, der die Republik umtreibt.

Ein Skandal, in dem es um verdorbenes Putenfleisch geht und das auch im Döner gelandet sein soll. Allerdings nicht bei Yildiz, wie man dort versichert. "In dem Chicken-Döner ist wirklich nur Hühnchen drin."

Ob das stimmt? Wir rufen bei Beysan Döner an. "Kommen Sie doch vorbei", heißt es dort. Bei Beysan in der Weddinger Koloniestraße verteilt Ergun Uckun blaue Tüten mit Gummi für die Füße, Kappen und Kittel aus dünnem Plastik. Das muss jeder anziehen, der die Räume betreten will, in denen jeden Tag zweieinhalb Tonnen Fleisch auf Dönerspieße verteilt werden. Ergun Uckun ist der Betriebsleiter bei dem viertgrößten Dönerproduzenten in Berlin und bestätigt das, was man beim Yildiz-Grill sagt. "Das ist schließlich Vorschrift: Wo Hähnchen draufsteht, darf nur Hähnchen drin sein."

In der Produktionshalle ist es kühl, an den Wänden hängen Reinigungs- und Desinfektionspläne. Die Frühschicht bei Beysan dauert noch bis 16 Uhr. "Bis 23 Uhr ist dann Reinigungsschicht", sagt Ergun Uckun. Zwei Leute schäumen die Produktionsräume komplett ein, jeden Tag. Es riecht nach Desinfektionsmitteln und nach Fleisch - allerdings keineswegs so durchdringend wie in manchem Fleischerladen.

In einem Raum türmen acht Männer Hackfleischklopse zu klassischen Döner-Spießen. Die Chicken-Döner werden in einem anderen Raum hergestellt. Ein Mann schneidet Knochen aus Hühnerschenkeln. Wo kommen die her? "Beysan verwendet nur Fleisch aus Betrieben mit EU-Zertifikat", sagt Ergun Uckun. Meist stamme es aus Holland. Er reißt einen Aufkleber von einer Stiege: An diesem Tag hat "Heidemark Logistik" aus dem niedersächsischen Garrel geliefert, und zwar "Hähnchen-Schenkel mit 25 % Rückenstück, frisch, HKL-A, lose". Eine Prüfnummer steht auch drauf.

"Unser Fleischermeister bestellt die Ware und kontrolliert ständig die Qualität." Der Meister entnimmt ständig Proben. Drei- bis viermal in der Woche kommt eine Veterinärin vom Bezirksamt Mitte vorbei und schaut sich alles an. Die Frau käme immer unangemeldet. Beim Bezirksamt kann man dazu nicht viel mehr sagen – die Veterinäre sind gerade mal wieder alle unterwegs. Beysan gibt es seit 1987, genauso lange ist Ergun Uckun dort. Gab es noch nie was zu meckern? "Da müsste ich lügen. Es gibt immer mal ein Knöllchen. Aber es gab nie größere Beanstandungen."

Wenn die Knochen raus sind, kommen die Fleischstücke in eine Maschine, die aussieht wie ein riesiger Betonmischer. "Sie werden mit etwas Jogurt, Milch, Salz und Pfeffer mariniert." Die Maschine steht gerade still, die beiden Mitarbeiter am Metalltisch nebenan haben genug Vorrat. Sie stecken die Scheiben auf Metallspieße, die dann in mehrere Lagen Plastikfolie gewickelt und danach tiefgefroren werden.

Uckun sagt, er würde sich ein Qualitätssiegel für Döner-Buden wünschen, weil es in der Branche auch schwarze Schafe gebe. Er rät Kunden zu fragen, aus welcher Produktion der Döner stammt und darauf zu achten, dass alles gut durch ist. Verkäufer, die fix einen Döner nach dem anderen absäbeln, haben den Spieß nicht lange genug gedreht. Und, ganz wichtig: Keinen "Geflügeldöner" kaufen, wenn man nur Hähnchen will. Geflügel kann auch Pute heißen. Aus Pute kann man auch Döner machen, in Süddeutschland sei das sogar beliebt. Aber zurzeit hat man vielleicht keinen Appetit darauf – auch wenn in Berlin gerade Entwarnung gegeben wurde. Das hier beschlagnahmte Putenfleisch aus Niedersachsen sei einwandfrei gewesen, meldete der Senat am Mittwochnachmittag. Teile derselben Lieferung waren in Geflügel-Dönern gelandet.

Na, dann. Der Yildiz-Döner ist übrigens sehr lecker. Vielleicht ein bisschen zu salzig. [Döner aus NRW]
[2007: Beim Ekel-Fleischskandal kommt Beysan ins Gerede]



G E N - F O O D

EU-Kommission schafft Fakten

Aus:
Spiegel-Pressemeldung – 12. November 2005, 10.39 Uhr MEZ zum Artikel "Gentechnik – Freunde in Brüssel" im SPIEGEL – 46/2005, 14. November 2005, Seite 17 (Panorama).

HAMBURG. In aller Stille schafft die Brüsseler EU-Kommission Fakten in Sachen genveränderte Lebensmittel. Mit der Mais-Sorte 1507 der US-Firmen Pioneer und Mycogen- Seeds hat die Kommission gerade das mittlerweile fünfte genmanipulierte Produkt zugelassen – während die europäischen Regierungen weiter lautstark, aber folgenlos über das Für und Wider von Gen- Food streiten. Zwei der heftig umstrittenen Pflanzensorten sind sogar schon als Lebensmittel freigegeben. Zwar behindern einige EU-Staaten – darunter Deutschland – die Produkte aus der Gen-Küche noch; sie befürchten "erhebliche ökologische Risiken", so Noch-Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne). Doch die EU-Kommission hält nationale Verbote für rechtswidrig und will sie kippen, notfalls mit Hilfe des Europäischen Gerichtshofs.

Nachdem sich die EU-Landwirtschaftsminister im September nicht über den Gen-Mais einigen konnten, sollten eigentlich die Kollegen aus den Umweltressorts bei ihrem nächsten Treffen am 2. Dezember in Brüssel das Patt zwischen Befürwortern und Gegnern überwinden.

Doch die Gentechnik-begeisterten Briten, die derzeit die EU-Ratspräsidentschaft inne haben und damit auch Gastgeber der Ministertreffen sind, haben jetzt lediglich eine unverbindliche Diskussion ohne Beschlussfassung auf die Tagesordnung gesetzt. Die Kritikerstaaten vermuten dahinter eine Strategie – denn solange es keinen politischen Beschluss gibt, entscheidet die Kommission. Die aber will den gerade zum Import freigegebenen Mais 1507 auch zur Aussaat und zur Verwendung in Lebensmitteln zulassen.



F L E I S C H S K A N D A L

Behörden schließen Fleischskandal-Betrieb

Aus:
Der Tagesspiegel, Berlin, 16. November 2005, Seite 32 (Weltspiegel). [Original]

OLDENBURG. Knapp zwei Wochen nach dem Bekanntwerden des neuen Fleischskandals haben die Behörden in Niedersachsen den betroffenen Betrieb geschlossen. Lebensmittelkontrolleure hatten verdorbenes Fleisch gefunden, das auch in den Handel gelangte. Sein Anwalt bestreitet alles.



M A H L Z E I T  !

Leuchtendes Kotelett alarmiert Australier

Ein leuchtendes Schweinekotelett hat in Australien für erhebliche Unruhe gesorgt. Die zuständige Lebensmittelbehörde gab Entwarnung: Leuchtendes Fleisch sei vielleicht nicht appetitlich, aber ungefährlich.

Aus:
Spiegel Online – 16. November 2005, 14.04 Uhr MEZ (nur elektronisch publiziert). [Original]

SYDNEY. Rate mal, was es zum Essen gibt: Dies könnte sich ein Australier gedacht haben, als er sein Schweinekotelett im Dunkeln leuchten sah. Aufgeregt rief der Mann einen Radiosender in Sydney an und berichtete von seiner erschreckenden Begegnung in der Nacht.

Die Lebensmittelbehörde des Bundesstaates New South Wales sah sich daraufhin genötigt, eine offizielle Entwarnung zu geben: Alles ganz natürlich, betonten die Beamten. Das Phänomen sei auf leuchtende Bakterien zurückzuführen, sogenannte Pseudomonas fluorescens, die gern in Fleisch und Fisch hausten.

"Natürlich wären die meisten von uns schockiert, wenn wir unser Essen leuchten sehen", meinte Behördenchef George Davey. "Aber die Mikroorganismen, die das Licht ausstrahlen, führen nicht zu einer Lebensmittelvergiftung."

Das Leuchten aus dem Kühlschrank ist in Australien offenbar verbreitet. Die Lebensmittelbehörde wird nach eigenen Angaben etwa zwei Mal pro Monat von nervösen Verbrauchern angerufen, in deren Kühlschränken das Fleisch für Licht sorgt. "Es gab einige Spekulationen, dass die leuchtenden Lebensmittel verstrahlt sein könnten", sagte Davey. "Aber ich kann den Verbrauchern versichern, dass dies nicht der Fall ist."

Die Leuchtbakterien seien zwar harmlos, vermehrten sich aber rasant, wenn das Fleisch zu faulen beginne, betonte Davey. Leuchtendes Fleisch solle daher doch besser weggeworfen werden.



N R W - F L E I S C H S K A N D A L

Weiterer Fleischskandal

Roastbeef und Putenhackfleisch „nicht mehr für den menschlichen Verzehr“ geeignet

Aus:
Yahoo-News, 18. November 2005, 16.33 Uhr MEZ (Vermischtes). [Original]

  Und so informiert die
US-Behörde FDA über
Lebensmittel-Panscher:
Recent Warning Letters.

[ Ein Beispiel ]
 
GELSENKIRCHEN. Die Stadt Gelsenkirchen hat Ende Oktober in einem Kühlhaus rund 3 Tonnen Roastbeef entdeckt, dessen ursprüngliches Haltbarkeitsdatum abgelaufen war. Das Fleisch war zudem mit einem um ein Jahr verlängerten Haltbarkeitsdatum ausgezeichnet worden, wie die Stadtverwaltung am Freitag [18.11.2005] mitteilte. Da die Ware nicht mehr verkaufsfähig war, stellte die Lebensmittelüberwachung der Stadt das Fleisch sicher. Eine Untersuchung ergab, dass das Roastbeef nicht mehr für den Verzehr geeignet war.

Bei weiteren Untersuchungen stellte sich heraus, dass die in Gelsenkirchen ansässige Firma noch weitere 57 Tonnen Fleisch und Fleischzubereitungen in dem Kühlhaus lagerte. Der überwiegende Teil bestand aus Putenhackfleisch mit dem Einfrierdatum 2002. Da sich bei der Kontrolle ebenfalls Hinweise auf eine zu lange Lagerung ergaben, wurde auch dieses Fleisch eingezogen.

Nach dem bisherigen Erkenntnisstand sind gesundheitliche Gefahren durch den Verzehr solcher überlagerten Lebensmittel ausgeschlossen. Den Angaben zufolge sind die Fleischwaren im vergangenen halben Jahr an zwei Gelsenkirchener Betriebe gegangen. Die noch im Handel befindliche Ware wurde zurückgerufen.

Die bisherigen Untersuchungsergebnisse wurden an die Staatsanwaltschaft Essen weitergeleitet. Die Behörde ordnete eine Untersuchung der Firma an.

18.11.2005 (khd/info-radio). Nach Informationen des InfoRadios Berlin wurde verdorbenes Fleisch mit längst abgelaufenem Haltbarkeitsdatum, das mit falschen Etiketten neu ausgezeichnet worden war, auch nach Hamburg und in den Spreewald geliefert. Die NRW-Behörden haben inzwischen die Ministerien in den anderen Bundesländern über den neuen Fleischskandal informiert. [mehr]



N E S T L É   B A B Y M I L C H 

LATTE CONTAMINATO: SCATTANO SEQUESTRI IN ABRUZZO (3)

Aus:
L'espresso, Rom (Italien), 19. November 2005, 13.15 Uhr MEZ (News). [Original] [Übersetzungs-Service]

PESCARA (AGI). Il Corpo forestale dello Stato di Pescara sta passando al setaccio tutte le farmacie, i distributori, i supermercati e i negozi specializzati per sequestrare cinque partite di latte prodotto dalla Nestle'. L'operazione ha preso il via su disposizione della Procura di Ascoli Piceno, dopo i controlli effettuati dal Corpo forestale dello Stato ascolano sul latte per bambini di eta' compresa da zero a tre anni.

"Questo latte – spiega il comandante provinciale del Corpo Forestale dello Stato di Pescara, Guido Conti – contiene una sostanza che potrebbe essere tossica, denominata ITX isopropilthioxantone, che e' un fotoiniziatore, un catalizzatore di inchiostro usato per stampare la parte esterna delle confezioni di latte". Il ministero della Sanita' non conoscendo la tossicita' o meno della sostanza ha avviato un protocollo per studiarla. Conti invita tutti i consumatori a controllare il latte Nestle' acquistato, per accertare se si tratta o meno di uno dei cinque lotti in questione, e a non utilizzarlo.

L'appello e' finalizzato anche a non comprare ulteriormente queste partite. La stampa del cartone usato per confezionare i bricchi – prosegue Conti – avviene in Olanda, mentre e' in Spagna che i rotoli di cartone vengono aperti per realizzarli, inserirci il latte e sterilizzarlo. Nestle', dal canto suo, ha emesso una nota per ritirare la partita dei prodotti potenzialmente contaminati. I sequestri del Corpo forestale dello Stato, che hanno coinvolto tutti i comandi provinciali d'Italia, riguardano due tipi di latte.

Per il 'Nidina 2', le partite da sequestrare sono contrassegnate dai codici 'L511802959C', 'L5217202959C', 'L517202959C', mentre per il 'Latte mio' le partite sono la 'L520202959B' e la 'L50760259C'. In provincia di Pescara i sequestri hanno preso il via due giorni fa. [mehr] [Kommentar]



N R W - F L E I S C H S K A N D A L

Behörden suchen Gammelfleisch in drei Bundesländern

In Gelsenkirchen haben Lebensmittelkontrolleure gammeliges Roastbeef und Putenfleisch gefunden: tiefgekühlt und falsch etikettiert. Mindestens 50 Tonnen sollen in den Handel gelangt sein, aber die Behörden wiegeln ab: Das Fleisch stinke, sei aber nicht gesundheitsschädlich.

Aus:
Spiegel Online – 19. November 2005, 20.27 Uhr MEZ (nur elektronisch publiziert). [Original]

  Und so informiert die
US-Behörde FDA über
Lebensmittel-Panscher:
Recent Warning Letters.

[ Ein Beispiel ]
 
GELSENKIRCHEN/DÜSSELDORF. In Hamburg, Niedersachsen und Brandenburg suchen Ermittler der Behörden nach dem verdorbenen Fleisch aus Gelsenkirchen. Wie der Sprecher des nordrhein-westfälischen Verbraucherschutzministeriums, Markus Fliege, erklärte, werden sämtliche Lieferungen nachvollzogen, die seit Jahresbeginn das Gelsenkirchener Kühlhaus verlassen haben [Ed: im im Internet publizierten Verzeichnis der BVL-Behörde "In der Bundesrepublik Deutschland zugelassene Kühl- und Gefrierhäuser" ist nur 1 Kühlhaus in Gelsenkirchen aufgeführt – vermutlich steht damit der Name eines beteilgten Betriebs fest: ==> Firma Frigoropa].

Insgesamt handele es sich um mindestens 50 Tonnen Fleisch, die seit Anfang des Jahres in die drei Bundesländer ausgeliefert wurden. Wo das Fleisch genau angekommen sei, werde noch überprüft. Lieferungen seien nach Hamburg und in den Spreewald gegangen. Ein Teil des Fleisches sei sicher schon verzehrt, sagte Fliege.

Den Großteil seiner Ware verkaufte das Unternehmen nach bisherigen Erkenntnissen an 2 Gelsenkirchener Fleischverarbeitungsbetriebe, die Bratwürstchen und Geflügel- Nuggets herstellen, sagte der Sprecher der Stadt Gelsenkirchen, Martin Schulmann. Noch vorhandene Bestände dieser Firmen, wie auch daraus hergestellte Fleischerzeugnisse wurden sichergestellt, die noch im Handel befindliche Ware mittels einer Rückrufaktion zurückgezogen.

Fleisch stinkt, soll aber ungefährlich sein

Die Behörden betonten allerdings, der Verzehr des Fleisches sei nicht gesundheitsschädlich. In dem Kühlhaus der Firma in Gelsenkirchen waren Lebensmittelkontrolleure bei einer Routineuntersuchung auf 60 Tonnen tiefgekühltes Roastbeef und Putenfleisch gestoßen, dessen Haltbarkeitsdatum schon lange abgelaufen war. Die Ware sei mit falschen Daten ausgezeichnet worden. Das Fleisch "schmeckt und riecht zwar unappetitlich", sagte Schulmann. "Aber nach bisherigen Erkenntnissen geht von ihm keine gesundheitliche Gefahr aus".

Die Staatsanwaltschaft hat bereits Ermittlungen aufgenommen. Schon Ende Oktober hatten Fleischkontrolleure bei einer Routineuntersuchung rund drei Tonnen Roastbeef in der Gelsenkirchener Firma entdeckt, dessen Haltbarkeitsdatum abgelaufen war, und das kurzerhand mit einem um ein Jahr verlängerten neuen Haltbarkeitsdatum versehen worden war. Bei ihren weiteren Ermittlungen stießen die Kontrolleure in dem Lagerhaus noch auf weitere 57 Tonnen Fleisch und Fleischzubreitungen, zumeist Putenhackfleisch - ebenfalls mit deutlichen Hinweisen auf eine Überlagerung.

Der verbraucherschutzpolitische Sprecher der Grünen im nordrhein- westfälischen Landtag, Johannes Remmel, forderte die Behörden auf, die Namen der Firmen und der Zulieferer zu nennen. "Das Wichtigste ist, dass die Verbraucher informiert werden", sagte er. Zudem hätte der Fall früher die Öffentlichkeit erreichen müssen, kritisierte er.

Erst vor wenigen Tagen ist in Niedersachsen ein Fleischbetrieb geschlossen worden. Das Unternehmen in Lindern bei Cloppenburg steht unter dem Verdacht, verdorbenes Geflügelfleisch in den Handel gebracht zu haben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts des gewerbsmäßigen Betruges und Verstoßes gegen das Lebensmittelrecht. [mehr]



N R W - F L E I S C H S K A N D A L

Fleischskandal weitet sich aus

Der neueste Fleischskandal hat größere Ausmaße als zunächst angenommen: Die Staatsanwaltschaft Essen beschlagnahmte inzwischen rund 130 Tonnen überlagertes Roastbeef und Geflügelfleisch eines Großhändlers aus Gelsenkirchen.

Aus:
Financial Times Deutschland, Hamburg, 21. November 2005, Seite ?? (Politik). [Original]

GELSENKIRCHEN/DÜSSELDORF. Nachdem in Gelsenkrichen 60 Tonnen Fleisch in einem Kühlhaus des Handelsunternehmens Domenz [Ed: Domenz, Uwe – Fleisch Im-Export, Am Stadtgarten 1, 45879 Gelsenkirchen] beschlagnahmt worden seien, hätten Kontrolleure weitere 60 Tonnen in Räumen der Firma in Melle bei Osnabrück und nochmals 11 Tonnen in Hamburg sichergestellt, sagte der nordrhein- westfälische Verbraucherschutzminister Eckhard Uhlenberg (CDU) am Montag [21.11.2005] in Düsseldorf. Er warf der Lebensmittelüberwachung des Landes vor, sie arbeite zu langsam, zu uneffektiv und nach veralteten Methoden. Künftig müsse auf Zwischenfälle "schneller und frühzeitiger" reagiert werden.

Untersuchungsergebnisse lägen noch nicht vor. Es gebe zudem Hinweise, dass Domenz-Ware im Laufe des Jahres von mehreren Unternehmen in Deutschland bezogen worden sei. Die Behörden in Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg seien Ende vergangener Woche darüber informiert worden. Das Bundesverbraucherministerium hatte am Montag auf die Verantwortlichkeit der Bundesländer im neuen Fleischskandal verwiesen. "Das ist Ländersache", sagte eine Sprecherin in Berlin.

Altes Fleisch neu verpackt

Wie Uhlenberg erläuterte, waren Fleischbeschauern Ende Oktober bei einer Routine-Kontrolle in einem Kühlhaus der Gelsenkirchener Firma Frigoropa [Ed: ein Unternehmen der Nordfrost- Gruppe mit der Vet.-Kontroll-Nr.: NW-EK 550] verdächtige Umverpackungen aufgefallen. Dabei wurden 3 Tonnen Roastbeef mit abgelaufenem Haltbarkeitsdatum sichergestellt, die Frigoropa nach Darstellung des Ministers für das Gelsenkirchener Handelsunternehmen Domenz umverpacken sollte.

Das Haltbarkeitsdatum des am Freitag [18.11.2005] beschlagnahmten Fleischs in Gelsenkirchen war den Ermittlern zufolge abgelaufen. Die Ware war aber mit neuen Etiketten versehen worden. Die Essener Staatsanwaltschaft nahm Ermittlungen auf. Erste Hinweise auf verdorbenes Fleisch in der Firma hatten Kontrolleure Ende Oktober erhalten, wie Uhlenberg sagte. Damals seien 3 Tonnen Rindfleisch beschlagnahmt worden, das ungenießbar gewesen sei. Das Fleisch riecht und schmeckt nach Angaben der Stadt Gelsenkirchen zwar schlecht, stellt aber keine Gefahr für die Gesundheit dar.

Zehn Tonnen Fleisch für Bratwürstchen

Untersuchungen der Warenströme ergaben nach Angaben Uhlenbergs, dass die Firma Domenz bis zum Oktober insgesamt 6,5 Tonnen überwiegend Putenfleisch an einen Döner- Hersteller im brandenburgischen Mittenwalde lieferte und 2,7 Tonnen Hamburger an eine Firma in Rathenow. Daneben habe ein Verarbeiter in Gelsenkrichen mehrere Tonnen erhalten. In diesem Zusammenhang seien von 2,5 noch 1,7 Tonnen sichergestellt worden. Weitere 10 Tonnen seien an einen Metzger geliefert worden, der daraus Bratwürstchen hergestellt habe, sagte Uhlenberg. Davon hätten nur 5600 Grillwürste – 20 Prozent der Produktion – aus dem Handel gezogen werden können.

Erst Anfang November hatte ein Fleischskandal Niedersachsen erschüttert. Ein 45 Jahre alter Unternehmer war in Verdacht geraten, aus seinem Betrieb im Kreis Cloppenburg verdorbenes Geflügelfleisch in den Handel gebracht zu haben. Der Betrieb wurde geschlossen. [mehr]



N R W - F L E I S C H S K A N D A L

Behörden durchkämmen Kühlhäuser

Der zweite Skandal um ungenießbares Fleisch innerhalb weniger Wochen weitet sich aus. In Nordrhein-Westfalen haben die Behörden mit Kontrollen in Hunderten von Kühlhäusern begonnen. In Niedersachsen wurden erste verdorbene Fleisch-Lieferungen nachgewiesen.

Aus:
Spiegel Online – 22. November 2005, 23.10 Uhr MEZ (nur elektronisch publiziert). [Original]

DÜSSELDORF. Zu den kontrollierten Einrichtungen gehörten rund 40 große Lagerhäuser mit EU-Zulassung sowie alle Kühlhäuser von Fleischereien und weiterverarbeitenden Betrieben, berichtete ein Sprecher des Verbraucherministeriums von Nordrhein-Westfalen (NRW). Die Untersuchungen werden voraussichtlich mehrere Wochen in Anspruch nehmen.

Unterdessen wurden in Niedersachsen erste verdorbene Fleisch-Lieferungen nachgewiesen. Nach Angaben des Agrarministeriums in Hannover handelt es sich um 90 Tonnen Geflügel-, Schweine-, Rind- und Pferdefleisch. Es hatte im Kühlhaus zweier Firmen aus NRW und Baden- Württemberg gelagert. Die Ware war durch unklare Auszeichnungen sowie wegen fehlender Haltbarkeitsdaten aufgefallen. Tests des Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit in Oldenburg hatten ergeben, dass 11 von 16 Proben ranzig, überlagert oder verdorben und damit eindeutig genussuntauglich waren. Das Fleisch stamme ursprünglich aus Deutschland, Brasilien, Dänemark, Spanien und Italien.

Ende vergangener Woche hatten die Behörden in einem Großbetrieb in Gelsenkirchen 60 Tonnen möglicherweise verdorbenes Fleisch sichergestellt. Die Untersuchung des beschlagnahmten Fleisches dauere an, teilte die Essener Staatsanwaltschaft am Dienstag [22.11.2005] mit. Auch in Hamburg, wo am Montag [21.11.2005] 11 Tonnen möglicherweise verdorbenes Fleisch sichergestellt worden waren, wird die Ware auf Bakterien und Keime untersucht. Der erste Augenschein habe jedoch keine Anhaltspunkte erbracht, dass das Fleisch verdorben sei, sagte ein Hamburger Behörden-Sprecher am Dienstag.

Der Deutsche Bauernverband hat unterdessen Vorwürfe gegen die Behörden erhoben. In Deutschland hätten sich Händler darauf spezialisiert, Fleisch kurz vor Ablauf des Haltbarkeitsdatums aufzukaufen, sagte Richard Bröcker, Referatsleiter für Vieh und Fleisch beim Deutschen Bauernverband, dem Bielefelder Westfalenblatt. Diese Fleischgroßhändler seien von den Behörden bislang kaum kontrolliert worden [Ed: hm, Horst Seehofer bekommt viel zu tun].

Die jüngsten Fleischskandale sind nach den Erkenntnissen der Verbraucherorganisation "Foodwatch" nur die Spitze eines Eisberges. "Betrügereien im Fleischgeschäft sind an der Tagesordnung", sagte deren Sprecher in einem Interview. In der Regel würden die Schwindeleien mit verdorbenem Fleisch von den Behörden allerdings geheim gehalten. Der Bürger erfahre so gut wie nichts davon. [mehr]



N E S T L É   B A B Y M I L C H 

Nestlé zieht in 4 Ländern unreine Babymilch zurück

Beschlagnahme in Italien

Aus:
Neue Zürcher Zeitung, Zürich, 23. November 2005, Seite ?? (Vermischtes). [Original]

ZÜRICH (nzz/sda). Der Schweizer Nahrungsmittelkonzern Nestlé hat am Dienstag [22.11.2005] in Frankreich, Spanien, Portugal und Italien Babymilch vom Markt genommen. In Italien beschlagnahmte die Polizei die verunreinigte Milch. Die Schweiz ist nicht betroffen.

Die Rücknahme der Milch sei eine Entscheidung von Nestlé, sagte Unternehmenssprecher François-Xavier Perroud am Dienstag [22.11.2005]. Laut Nestlé handelt es sich um eine Vorsichtsmassnahme. Die gefundenen Spuren der Substanz ITX (Isopropyl-Thio-Xanthone) seien kein Gesundheitsrisiko. ITX wird für die Herstellung der Tetrapak- Verpackung gebraucht.

Nestlé Italien hatte am Montag [21.11.2005] mitgeteilt [Ed: nachdem bereits der italienische L'espresso am 19.11.2005 (Samstag) über Beschlagnahmen ITX-kontaminierter Nestlé-Babymilch berichtet hatte], dass das Unternehmen die zwei betroffenen Produkte "Nidina 2" und "Latte Mio" mit Verfallsdaten von Dezember 2005 bis Juli 2006 vom Markt nehme. Am Dienstagmorgen meldeten Nachrichtenagenturen mit Berufung auf italienische Behörden, dass die Polizei 30 Mio. Liter flüssige Babymilch des Nestlé-Konzerns beschlagnahmt hätte. Ob die Substanz giftig sei, wusste die Polizei noch nicht.

      Latte mio von Nestlé

30 Millionen oder 2 Millionen Liter

Der Nestlé-Sprecher sprach gegenüber der Nachrichtenagentur sda von höchstens 2 Millionen betroffenen Litern in Italien. In den anderen 3 Ländern seien es vernachlässigbare Mengen. Beide Produkte werden laut Nestlé nicht in der Schweiz vertrieben. Andere Länder seien nicht betroffen.

Für die Herstellung der Verpackungen sei bereits ein neuer Produktionsprozess eingeführt worden. Grössere Auswirkungen auf das Geschäftsergebnis dürfte der Rückruf nicht haben, sagte der Sprecher. Von einer Beschlagnahmung sei ihm überdies nichts bekannt.

Die Polizeiaktion war laut der italienischen Nachrichtenagentur Ansa nicht die erste gegen Nestlé. Bereits am 9. November waren 2 Millionen Liter Babymilch wegen Spuren der Substanz ITX beschlagnahmt worden.

Wieder Italien

Italien ist damit erneut im Fokus der Nestlé-Führung. Erst im Oktober wurde der Nahrungsmittelmulti dort zu einer Busse von 3,3 Mio. Euro verurteilt. Er hatte zusammen mit 6 weiteren Produzenten von Baby- Milchpulver Preise abgesprochen. Nestlé wollte gegen den Entscheid rekurrieren.

Die Nestlé-Aktien kamen am Dienstag [22.11.2005] nach den ersten Meldungen aus Italien unter Druck. Nach dem Tageshöchst von über 400 Franken sanken die Titel bis auf unter 394 Franken. Später erholten sie sich und schlossen bei 395,50 Franken, eine Veränderung gegenüber dem Vortag von minus 0,7 Prozent. [24.11.2005: Nesté schreibt an Italiens Regierung] [mehr] [BfR-Bewertung von ITX]


Kommentar:

Nestlé – noch ein Hort der Qualität?

23.11.2005 (khd). Wieder einmal ist der Schweizer
Nestlé-Konzern in den negativen Schlagzeilen. Nach den Flops mit „Butterfinger“, Functional-Food („Nutrel“) und Gen-Food nun das sensible Produkt Babymilch – auch wenn es diesmal eigentlich ein Skandal der Tetra-Pak- Verpackungen ist (Werbespruch: „Tetra-Pak schützt, was gut ist“). Die waren schon einmal dem Bundesgesundheitsamt (BGA) in Berlin aufgefallen. 1988 enthielten die Milchkartons Dioxine. Und diesmal ist nun aus der Farbe, mit der die Tetra-Paks bedruckt wurden, der Stoff Isopropyl-Thio-Xanthone (ITX) in die Milch übergetreten. Paßt denn in den Betrieben gar keiner auf, was und wie da produziert wird?

Der ITX-Hersteller empfiehlt für die Verwendung: Menschen, die mit der Substanz arbeiten, sollten den ITX-Kontakt mit Haut und Augen vermeiden und sie nur in gut gelüfteten Räumen benutzen. Offensichtlich birgt die Substanz erhebliche Gesundheitsrisiken. Und das soll alles dem Nestlé- Konzern verborgen geblieben sein. Immerhin betreibt der Nestlé-Konzern in Lausanne eines der am besten ausgestatteten Lebensmittel- Labors der Welt, daß beispielsweise im Sommer 2002 sehr schnell in der Lage war, wissenschaftlich die Entstehung von Acrylamid aufzuklären. *

Offensichtlich ist ihnen der ITX-Befall ihrer in Spanien produzierten Baby-H-Milch durch die Lappen gegangen, was im höchsten Maße peinlich und für die Verbraucher ärgerlich ist. Noch anläßlich des Humana-Skandals beteuerte Nestlé vor 2 Jahren, daß ihre Qualitätssicherung bei allen Baby- Produkten die Einwandfreiheit „durch Kontrollen jeder Charge“ garantiere. Und nun das.

Wir Konsumenten erinnern uns aber auch daran, daß Nestlé- Chef Peter Brabeck- Letmathe 2004 das deutsche Publikum wg. deren Gentechnik- Verweigerung als „verkrampft für Innovationen auf dem Eßtisch“ beschimpfte (Spiegel–16/2004, Seite 94). Es wäre schon sehr viel gewonnen, wenn sich Nestlé innovativ ihrer Qualitätssicherung von Standardprodukten nähern würde, statt sich dem Design von vermeintlich innovativen Food-Produkten zu widmen, die sowieso keiner braucht [Ed: und seit dem 27.11.2005 gilt sogar die GenTech- Verweigerung für die Mehrheit der Schweizer, die in einer Volksabstimmung Nein dazu sagten].

Total unverständlich bleibt aber, warum Nestlé das sensible Produkt Babymilch nicht in Mehrweg- Glasflaschen mit Twist-open- Deckeln abfüllt. Solche Flaschen werden nach wie vor von der Flaschen- Industrie produziert. Und Pfandglasflaschen haben sich zudem seit ewigen Zeit bewährt. Viele Hersteller hochwertiger Milchprodukte wissen das ganz genau. So wird beispielsweise von der Staatliche Molkerei Weihenstephan (Freising) der „Frische Alpen-Schlagrahm“ in solchen 1/2-Liter- Glasflaschen abgefüllt. Auch angebrochen hält sich darin die Sahne hervorragend. Mit ähnlichen Produkten, die in Tetra-Paks abgefüllt sind, hat hingegen der Verbraucher im angebrochenen Zustand nur Ärger. Die Milch vergammelt – auch im Kühlschrank – meist recht schnell. [mehr]



E R N Ä H R U N G

Koalition will Fleischkontrollen verschärfen

Verbraucherschützer erwarten weitere Skandale

Aus:
Berliner Zeitung, 24. November 2005, Seite xx (Politik). [Original]

  Und so informiert die
US-Behörde FDA über
Lebensmittel-Panscher:
Recent Warning Letters.

[ Ein Beispiel ]
 
BERLIN. Als Konsequenz aus der jüngsten Serie von Fleischskandalen will die Union die Kontrollen verbessern und die Aufklärung erleichtern. Der neue Bundesverbraucherschutzminister Horst Seehofer (CSU) forderte eine Meldepflicht für Firmen, denen verdorbenes Fleisch angeboten wird. Dies müsse für ganz Europa gelten, sagte Seehofer am Mittwoch in Brüssel. Er regte auch eine bessere Koordination der Kontrollen an [Ed: und was ist mit der zügigen Information der Verbraucher, denn ein Nichtkaufen fragwürdiger Produkte durch die Konsumenten ist die schärfste und wichtigste Waffe im Kampf gegen die Betrüger]. Staatliche Prüfer hatten in den vergangen Tagen in verschiedenen Bundesländern mehr als 200 Tonnen vergammeltes Fleisch sicher gestellt.

Foodwatch zu den Fleischskandalen
Aus: Foodwatch, 23.11.2005.
Verdorbenes Fleisch in Nordrhein-Westfalen, vergammeltes Geflügelfleisch in Niedersachsen, Schlachtabfälle in Bayern, Hackfleischbetrug im Supermarkt: Fleischskandale und kein Ende in Sicht!

Ursache ist nicht nur die kriminelle Energie einzelner oder der „Billigwahn“ der „Schnäppchen“- Verbraucher. Nein, das System ist an sich falsch und muß auf den Kopf gestellt werden. Verbraucher haben nicht das Recht, die Namen schlechter Produkte und unseriöser Firmen zu erfahren. Sie können nicht auf Schadenersatz klagen, wie in anderen Wirtschaftszweigen: Das Beweismaterial ist ja meist schon verspeist, wenn man krank wird oder ein Skandal ans Licht kommt. Die Sanktionen für die verantwortlichen Unternehmen sind absolut unzureichend. So kann es sein, daß in Europa jährlich 14 Millionen Tonnen Schlachtabfälle hin- und her transportiert werden, ohne daß deren Verwendung nachvollziehbar ist!

Nach Einschätzung des Bauernverbandes steckt hinter den Skandalen systematisch kriminelles Vorgehen einzelner Händler. Es gebe Unternehmen, die sich auf den Ankauf von Fleisch kurz vor Ablauf der Haltbarkeit spezialisiert hätten, sagte Verbandsexperte Richard Bröcker. Der Bundesverband der Verbraucherzentralen befürchtet, dass es sich dabei "nur um die Spitze des Eisbergs handelt", so ein Sprecher. Nach Angaben des Verbraucherministeriums in Düsseldorf durchsuchen die Behörden mittlerweile in 5 Bundesländern Kühlhäuser auf der Suche nach verdorbenem Fleisch eines Händlers aus Gelsenkirchen. Berlin ist nicht darunter. In Nordrhein-Westfalen ist ein Teil der Ware in Form von Döner oder Würsten auch an die Kunden gelangt.

Kronzeugenregel für Informanten

Die Verbraucher-Expertin der Union im Bundestag, Ursula Heinen, sprach von kriminellen Handlungen einzelner Firmen. Diese müssten unterbunden werden, sagte sie der Berliner Zeitung. Heinen kündigte an, die neue Koalition wolle die koordinierende Funktion des Bundesamtes für Verbraucherschutz bei der Lebensmittelüberwachung stärken und die Qualitätssicherungssysteme der Wirtschaft besser mit denen des Staates verzahnen. Insgesamt sollte die Lebensmittelkontrolle besser ausgestattet werden, forderte Heinen.

Mit einer Novelle des Kartellrechts will die Union außerdem den Verkauf von Lebensmitteln zu Dumping-Preisen unterbinden. "Der anhaltende Preiskampf im Einzelhandel führt zu Abstrichen bei der Qualität, die wir so nicht hinnehmen dürfen", sagte Heinen. Verkäufe unter dem so genannten Einstandspreis sollten verboten werden. Sie regte ferner eine Art Kronzeugenregelung für Mitarbeiter betroffener Unternehmen an. "Der Staat muss seine Informanten schützen." Bislang müssen Angestellte, die Behörden über Missstände in ihren Betrieben berichten, mit einer Kündigung rechnen.

Im Einzelhandel hat der Skandal bislang noch nicht zu einem nennenswerten Umsatzrückgang bei Fleischwaren geführt. Allerdings bekomme man die Verunsicherung der Verbraucher zu spüren, sagte der Sprecher des Bundesverbandes des Lebensmitteleinzelhandels, Christian Mieles. Für die Machenschaften seien einzelne Großhändler mit krimineller Energie verantwortlich, sagte er. [mehr]

[23.11.2005: Pressemitteilung des Bundesverbraucherministeriums



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