Lebensmittel-Skandale in Europa – Teil 1:   1970 – 2000 khd
Stand:  10.2.2013   (145. Ed.)  –  File: Food/LM_Skandale_1.html



  Zu den
aktuellen Skandalen
 
   
1.8.2007 (khd). Im Rahmen seiner Berichterstattung über BSE und dessen Folgen erinnerte am 4. Dezember 2000 der SPIEGEL im Heft 49/2000 an einige herausragende Lebensmittel- Skandale in Europa. Da wurde es Zeit, ins eigene Archiv zu greifen, um diese Skandal- Chronik in wesentlichen Punkten zu ergänzen und auch bei Bedarf fortzuschreiben, zumal diese Profi-Journalisten bei der Fortschreibung solcher Aufstellungen fast nie am Ball bleiben.

   
  Und so informiert die
US-Behörde FDA über
Lebensmittel-Panscher:
Recent Warning Letters.

[ Ein Beispiel ]
 
Bei der Lektüre wird deutlich, daß die Kontrolle der Lebensmittel- Sicherheit miserabel ist — aber nicht nur in Deutschland. Dabei hatte doch bereits das Umweltmagazin Natur im September 1989 der deutschen Politik unmißverständlich ins Stammbuch geschrieben, wo genau dringender Handlungsbedarf bei der Entwicklung zu einer verbraucherorientierten Lebensmittel- Überwachung besteht.

Links mit dem Symbol * zeigen auf Infos im Internet, die die Aussage belegen. Leider waren nicht in allen Fällen solche Informationen im Netz auffindbar. xxx = Text folgt demnächst.

I n d e x :       [ Übersicht nach Lebensmitteln ]
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Europas wichtigste Lebensmittel-Skandale
 
Wie uns kriminelle Geschäftemacher mit Pfusch ohne Grenzen hinters Licht führten
und die amtlichen Kontrolleure (meist) sehr alt aussahen.

Recherchiert im Internet und zusammengestellt
von
Karl-Heinz Dittberner – Berlin

1971


  HCH in der Milch 01

1971 In Rheinland-Pfalz in der Nähe von Gerolsheim werden in der Milch giftige HCH- Rückstände aus der Produktion des Pestizids Lindan festgestellt (HCH = Hexachlorcyclohexan). *  [mehr]

1972


  HCH in der Milch und Gemüse 01

1972 In Baden-Württemberg müssen im gesamten Gebiet zwischen Freiburg und Lörrach sämtliche Milch-, Gemüse- und Futterprodukte wegen einer HCH- Vergiftung vernichtet werden. *  [mehr]

1976


  Salmonellen im Geflügel 01

1976 Bereits seit Anfang der 70er-Jahre sind Salmonellose- Fälle beim Menschen (bei hoher Dunkelziffer) dramatisch angestiegen. Denn wegen der Massentierhaltung und den praktizierten Schlachtverfahren ist das gesamte Geflügel (Enten, Hühner, Puten, Gänse) mehr oder weniger stark mit Salmonellen- Bakterien verseucht. Durch eine Änderung der Produktionsverfahren bei der Tierhaltung und der Verarbeitung nach dem Schlachten (Sprüh- Entfederung, Sprüh- Luftkühlung statt Wasserbad) könnte aber die Salmonellen- Übertragung weitgehend verhindert werden, wogegen sich die Geflügel- Industrie aus Kostengründen sträubt. [mehr]

1977


  HCH in der Milch 01

1977 In einer bundesweiten Milchuntersuchung wird festgestellt, daß bei 8 % aller Rohmilchproben und 2,5 % aller pasteurisierten Milchproben die erlaubte Höchstmenge für HCH weit überschritten wird. *  [mehr]

1979


  HCH in der Milch 01

Januar 1979 In Hessen im Landkreis Groß-Gerau werden in der Milch hohe HCH-Konzentrationen festgestellt. Die Milch von 16 Bauern rund um das Chemiewerk der Firma Merck muß vernichtet werden. *
März 1979 Auch in Wieterstadt (Hessen) werden in der Milch erhöhte HCH-Werte nachgewiesen. Verursacht worden ist das durch vom Pharmariesen Merck abgelagerte Klärschlämme. *
1979 In den Vier- und Marschlanden bei Hamburg stellen die Behörden in der Milch HCH-Werte fest, die das 20–30fache der zugelassenen Giftkonzentrationen übersteigen. Auch im Gemüse und im Grundwasser im Bereich des Chemiewerks C. H. Boehringer werden hohe HCH-Werte nachgewiesen. *
1979 In Erbach (Hessen) werden im Kakao für Schulkinder HCH- Werte gemessen, die den zulässigen Grenzwert um das 10fache übersteigen. *


  Thallium in der Milch 02

August 1979 In Nordrhein-Westfalen in der Nähe von Düsseldorf und an zwei anderen Orten müssen große Mengen Milch vernichtet werden, weil sie das Rattengift und Schwermetall Thallium enthalten. Thallium ist ein starkes Zellgift, rund 0,8–1 g sind bereits tödlich. *


  Dieldrin in der Butter 03

November 1979 500 Tonnen nach Hamburg importierte dänische Butter sind mit dem Pestizid Dieldrin vergiftet. *

1980


  Hormon-Skandal beim Kalbfleisch 01

1980 Obwohl in der Bundesrepublik die Anwendung von Hormonen bei der Tiermast bereits seit 1958 (!) verboten ist, wird vielerorts im Kalbsfleisch immer wieder das wachstumssteigernde synthetische Hormon DES (Diethylstilböstrol) nachgewiesen. Dieses Östrogen kann beim Menschen Krebserkrankungen verursachen. [mehr]

1981


  Olivenöl-Skandal in Spanien 01

1981 Der größte Lebensmittel-Skandal Spaniens fordert über 750 Tote. Insgesamt wurden durch die Ölpanscherei rund 25.000 Menschen vergiftet. Billiges, vergälltes Rapsöl, das für den industriellen Gebrauch bei der Stahlherstellung bestimmt war, wurde u. a. von der Madrider Firma RAELCA als Olivenöl verkauft. Es enthielt hochgiftige Substanzen wie einen Anilin- Farbstoff.
20. Mai 1989 Erst nach 8 Jahren wird in Madrid das Urteil über die Vergifter gesprochen – unter massivem Protest und Tumulten der anwesenden Betroffenen. Denn die Urteile fielen recht milde aus. So erhielt der Hauptangeklagte Juan Miguel Bengoechea aus San Sebastian nur 20 Jahre Gefängnis und eine Geldbuße von 100.000 Peseten (1600 DM). Es gab neben 5 weiteren Bestraften (4 bis 12 Jahre Gefängnis) auch 2 Freisprüche. Nach Schätzungen von Hilfsgruppen werden rund 10 % der Betroffenen sterben, 30 % Invalide werden und die übrigen 60 % ihr ganzes Leben lang mit Krankheitssymptomen leben müssen. Der spanische Staat hat bislang umgerechnet rund 600 Mio. DM für die Opfer aufgebracht. (dpa – 20.5.1989)

1982


  Salmonellen im Geflügel 01

30. Juli 1982 Durch eine Untersuchung wird bekannt, daß 70 % aller Tiefkühl- Hähnchen stark mit Salmonellen- Bakterien verseucht sind, was ein erhebliches gesundheitliches Risiko darstellt. Die Ursache liegt in der Produktion: Vor dem Tieffrieren wird das Geflügel noch immer in einem Bad mit Eiswasser vorgekühlt, wobei sich die Salmonellen auf alle Hähnchen verteilen können. [mehr]

1984


  Cadmium in der Milch 01

1984 Bei Kühen, die auf den Bonn- Beueler Rheinwiesen weiden, weist die Milch weit überhöhte Cadmiumwerte auf. *

1985


  Glykol im Wein 01

9. Juli 1985 Vor allem in Österreich, aber auch in Deutschland wird mit dem süßschmeckenden Diethylenglykol, das sonst als Frostschutzmittel dient, gepanschter Qualitätswein in großen Mengen produziert. In der im Wein nachgewiesenen Konzentration kann Diethylenglykol Leber, Niere und Gehirn schädigen. Der österreichische Weinexport kommt fast zum Erliegen. Denn auf der Giftliste stehen 1250 österreichische Weine. Es müssen Millionen von Flaschen vom Markt genommen werden.
Herbst 1985 Als Nebeneffekt dieses Skandals kommt heraus, daß renommierte deutsche Wein- Abfüller aus Rheinland- Pfalz im großen Stil deutschen Wein mit österreichischem (Glykol-) Wein verpanscht haben. Auf der Giftliste stehen 75 deutsche Weine, darunter auch Weine des Weinkellerei Pieroth. Die deutsche Weinwirtschaft schätzte den Schaden später auf 1 Mrd. DM.
18. Oktober 1990 Die gegen die staatliche Warnung vor dem Glykolwein (Veröffentlichung der Weinliste) gerichtete Klage der Großkellerei Pieroth bleibt in allen Instanzen erfolglos. Auch das Bundesverwaltungsgericht entscheidet, daß der Bundesminister für Jugend, Familie und Gesundheit berechtigt war, im Jahre 1985 eine Liste aller in Deutschland festgestellten mit Diethylenglykol kontaminierten Weine unter Angabe der jeweiligen Abfüller zu veröffentlichen. (BVerwG 3 C 2.88)
30. Juli 2002 Auch vor dem Bundesverfassungsgericht waren die Weinpanscher erfolglos. Das Gericht wertete das Vorgehen der Bundesregierung im Glykol- Skandal von 1985 als verfassungsgemäß. Gerade die aktuellen Skandale im Lebensmittel- und Agrarbereich zeigten beispielhaft, wie wichtig öffentlich zugängliche Informationen für den Verbraucher seien, heißt es in der Begründung. [mehr]


  Flüssigei-Skandal bei BIRKEL 02

1985 Es wird bekannt, daß der Waiblinger Nudelhersteller Birkel bei der Produktion seiner Teigwaren mit Hühnerkot, Embryonen und Bakterien verunreinigtes Flüssigei („Schleuder-Ei“) verwendete. Die Stuttgarter Behörden publizieren daraufhin eine Liste mit offensichtlich verunreinigten Birkel- Teigwaren. Es kommt zu einer Krise mit drastischen Umsatzeinbrüchen bei deutschen Nudelherstellern.
August 1988 Birkel verklagt das Land Baden-Württemberg auf Teil-Schadensersatz in Höhe von 4,3 Mio. DM wg. der Veröffentlichung der angeblich verunreinigten Nudeln. Die „voreilige Warnung“ des Regierungspräsidiums habe ihr aber einen Schaden von insgesamt 43 Mio. DM zugefügt, sagt Birkel. (dpa – 6.9.1988)

1986


  Radioaktivität in Lebensmitteln nach Tschernobyl 01

Mai 1986 Nach der Reaktor-Katastrophe von Tschernobyl in der Ukraine vom 26. April 1986 legt die Bundesregierung den amtlichen Grenzwert für Jod-131 in der Milch auf 500 Bq/l fest. Damit nehmen vielerorts Kinder in Deutschland bereits mit 3,5 l Milch ihre gesamte zulässige Jahresdosis an Radioaktivität auf. *


  Wein-Skandal in Italien 02

1986 Rotwein wurde mit tödlich wirkendem Methanol (Methylalkohol) vermischt. Es vergiften sich über 100 Menschen und mehr als 29 Menschen sterben. Die tödliche Dosis Methanol beträgt beim Menschen 0,5–1 g/kg Körpergewicht.

1987


  PER im Olivenöl 01

1987 In „kaltgepreßtem“ (!) Olivenöl verschiedener Herkunft wird das wenig gesundheitsförderliche Lösungsmittel PER (Perchlorethylen) nachgewiesen. Erst mit der Lösungsmittel- Höchstmengenverordnung vom 25.7.1989 (BGBl I, Seite 1568) dürfen Lebensmittel, die mehr als 0,1 mg/kg Tetrachlorethen (PER), Trichlorethen (Tri) oder Trichlormethan (Chloroform) oder insgesamt mehr als 0,2 mg/kg dieser Stoffe enthalten, nicht mehr in den Verkehr gebracht werden. Allerdings sind diese Grenzwerte aus gesundheitlicher Sicht viel zu hoch angesetzt worden.


  Würmer in Fischen 02

1987 Ein Bericht des ARD-Fernsehmagazins „Monitor“ über den Wurmbefall von Seefischen mit Nematoden führt zu einem kurzzeitigen Einbruch des Fischverzehrs in Deutschland. Die Fischindustrie führt daraufhin Sichtkontrollen (mit Lichtkästen) bei der Fischfilet- Herstellung ein, die es vorher nicht gab. Es werden neue Fischhygiene- Verordnungen erlassen – unter anderem dürfen größere Fische nur noch ausgenommen verkauft werden. Zehn Jahre später werden in Proben erneut Nematoden entdeckt.


  BSE-Skandal in Großbritannien 03

5. November 1987 Mit der Publikation „Brain disease drives cows wild“ im britischen „New Scientist“ wird die Öffentlichkeit erstmals über eine in Großbritannien ausgebrochene völlig neue Rinderkrankheit, den Rinderwahn (BSE) informiert. Die BSE-Krise beginnt. [Chronik der BSE-Krise]

1988


  Hormon-Skandal beim Kalbfleisch 01

Sommer 1988 In Deutschland kommt der Groß-Einsatz von Hormonen (Nortestosteron- Laureat und Clenbuterol) in der Kälbermast ans Tageslicht. Über 70.000 Kälber werden beschlagnahmt und vernichtet. Einer der Hauptverantwortlichen der „Hormon- Mafia“ aus Landwirten, Veterinären und Pharmahändlern wird später nur zu 3 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt.


  Hoher Schadstoff-Gehalt in Nordseefischen 02

September 1988 Aufgrund einer Untersuchung des Magazins „Öko-Test“ wird bekannt, daß Fische aus der Nordsee eine Vielzahl an gefährlichen Schadstoffen enthalten. Am bedenklichsten sei die Belastung mit Cadmium. Bei 9 von 11 untersuchten Arten habe sie deutlich über dem für Flußfische festgelegten Richtwert von 0,05 mg pro kg Fisch gelegen. Gefunden wurden Werte zwischen 0,3 und 1 mg. Außerdem seien zahlreiche Organohalogen- Verbindungen (Pestizide DDT, Lindan, Dieldrin) gefunden worden, die beim Menschen Krebs auslösen könnten. (tsp – 23.9.1988)


  Salmonellen in französischer Salami 03

November 1988 In einigen Sorten französischer Salami (im Ring und in Stangenform) werden Salmonellen festgestellt. Die gesamte Salami der Marke „Domaine“ wurde daraufhin vom Markt genommen. (tsp – 26.11.1988)


  Dioxin in Milchtüten aus Karton 04

Ende 1988 Das Bundesgesundheitsamt (BGA) stellt fest, daß in Milch, die in Tüten aus Karton (z. B. Tetra-Pak) verpackt ist, Reste des Gifts Dioxin gefunden wurde. Das Dioxin stamme eindeutig aus der Verpackung. Die Papierindustrie wurde zur Abstellung dieses Mißstandes aufgefordert. (dpa – 19.5.1989)

1989


  Botulismus-Bakterien im Joghurt 01

Juni 1989 In Nordengland erkranken nach dem Genuß von Haselnuß- Joghurt mehrere Menschen – vor allem Kinder – lebensgefährlich. Die Molkereien hatten Nüsse verarbeitet, die mit Botulismus- Bakterien verseucht waren. (tsp – 14.6.1989)


  Listeriose-Bakterien in französischem Weichkäse 02

Juli 1989 Das Landesveterinäramt in Mainz weist die Bakterien „Listeria monocytogenes“ in einigen französischen Weichkäse- Sorten (Rohmilch- Käse) nach. Bei Personen mit labilem Gesundheitszustand können diese Bakterien durchaus lebensbedrohende Erkrankungen hervorrufen, weshalb diese Käse „als nicht zum Verzehr geeignet“ beurteilt werden. Die Frankfurter Vertriebsfirma startet eine Rückrufaktion. (ap – 6.7.1989) [Untermieter in der Käserinde]


  Dioxin in niederländischer Milch 03

Juli 1989 In den Niederlanden wird das Gift Dioxin in Milch nachgewiesen, die von Molkereien in der Nähe der Rheinmündung verarbeitet worden war. Die Betriebe liegen alle in der Nähe von Abfallverarbeitungsanlagen. Der Verkauf der Milch wird verboten. (d-funk – 14.7.1989)


  Listeriose-Bakterien in Leberpasteten 04

Juli 1989 Der Wursthersteller HERTA warnt vor dem Verzehr von ihm vertriebener Leberpasteten, da in diesen Listeriose- Bakterien gefunden worden sind. Betroffen sind rund 4 Tonnen Pastete der Sorten „Herta Ardenner Leberpastete mit grünem Pfeffer“, „Brüsseler Leberpastete“ und „Feine Entenleberpastete“. (tsp – 29.7.1989)

1990


  Erstmals deutsche BSE-Rinder beobachtet 01

Sommer 1990 Auf dem Schlachthof der Norddeutschen Fleischzentrale in Bad Bramstedt werden vor dem Schlachten durch die promovierte und amtlich bestallte Veterinärin etliche auffällige Rinder mit typischen BSE-Symptomen beobachtet. Sie bestand auf sorgfältigen Untersuchungen, die aber unterblieben. Als sie später darüber die Öffentlichkeit informiert, wird sie entlassen. [mehr]

1991


  Koli-Bakterien in Hamburgern 01

1991 In englischen McDonald's-Buletten werden Koli-Bakterien gefunden. Bereits 1982 führten in den USA Koli-Bakterien in McDonald's- Hamburgern zu zahlreichen Erkrankungen.

1992


  Hormonverbot wird umgangen 01

1992 Erneut wird im Fleisch das Wachstumshormon Clenbuterol festgestellt.



  Glykol im Wein 02

1992 Erneut sind Weinpanscher am Werk, die miesen Wein geschönt haben. In „Prädikatswein“ wird das giftige Diethylenglykol gefunden.

1993


  Verdorbenes Fleisch im Handel 01

1993 Medien-Berichte über verdorbenes Fleisch in den Kühltruhen von Supermärkten und Warenhäusern bringen hygienische Mängel in den Schlachthöfen ans Tageslicht. Ein Experte des Bundesgesundheitsamtes (BGA) räumt ein, daß es offenbar „schwarze Schafe“ gebe, die beanstandetes Fleisch in krimineller Weise in den Handel brächten. Namen nannte er nicht.


  Etikettenschwindel beim Obst & Gemüse 02

1993–1994 Die Fälschung von Herkunft und Alter bei Obst und Gemüse werden aufgedeckt.

1994


  Pestizide in der Babynahrung 01

1994 In Deutschland tauchen Pestizide wie der Insektenkiller Lindan (HCH) in Babynahrung (Babyreis) auf. Lindan ist bereits seit 1980 verboten. Besonders betroffen sind die Billiganbieter Aldi und Schlecker sowie der Babynahrungs- Hersteller Milupa.


  Pestizide im Tee 02

1994 Im Darjeeling-Tee des Marktführers Teekanne wird das Spinnmilben- Vernichtungsmittel Tetradifon festgestellt. Die Rückstände liegen 24-mal über dem Erlaubten. Teekanne bestätigt den erhöhten Wert.


  Würmer in Fischstäbchen 03

1994 In Fischstäbchen werden Rückstände von Nematoden (Fischwürmer) festgestellt.


  Bleimennige im Paprikapulver 04

1994–1995 Auf ungarischen Märkten taucht mit Bleimennige vergiftetes Paprikapulver auf. Bleimennige wird in Rostschutzfarben verwendet. Dabei handele es sich „um kriminelle Handlungen ungarischer und rumänischer Banden, die keine Auswirkungen auf den deutsch-ungarischen Paprikahandel zeitigten“, versucht die Lobby der deutschen Gewürzindustrie die Öffentlichkeit zu beruhigen. [Öko-Test 1995: Scharf und giftig]

1995


  Streptomycin im Bienenhonig 01

1995 Seit 1995 ist den Behörden in Bayern und Baden- Württemberg bekannt, daß vermeintlich naturreiner Honig aus einem der größten deutschen Obstanbaugebiete am Bodensee häufig mit dem Antibiotikum Streptomycin (Handelsname „Plantomycin“) belastet ist. Statt aber ein Verbot des Antibiotikums in der Landwirtschaft zu betreiben, wie es der wissenschaftliche Lenkungsausschuss der EU-Kommission dringend empfohlen hatte, vertuschten die Aufsichtsbehörden das Problem: Verunreinigter Honig wurde durch staatliche Aufkäufe klammheimlich beiseite geschafft. Erst im Januar 2001 wird die Öffentlichkeit durch einen Bericht des Spiegel (Heft 5/2001) über diese verbraucherfeindlichen Amts- Machenschaften informiert. *


  Etikettenschwindel beim Geflügel 02

1995 Die Herkunft von Hähnchen wird gefälscht. Billige ausländische Hähnchen werden als deutsches Produkt ausgegeben.


  Frischfisch stark mit Keimen belastet 03

28. November 1995 Bei der Untersuchung von 20 Proben frischen Fisches verschiedener Sorten hat die Stiftung Warentest festgestellt, daß davon 5 Fische „zum Verzehr nicht geeignet“ und weitere 11 an der Schwelle zum Verderb waren. Die mikrobiologische Qualität war „sehr mangelhaft“, was sich nicht unbedingt in Geruch und Konsistenz bemerkbar machen muß. Es wurden auch Fäkalkeime (E. coli) gefunden. Nematoden wurden nicht gefunden. (test – 12/1995, Seite 85–94)

1996


  Nikotineinsatz in der Hühnerhaltung 01

1996 Dem von Tierschützern wegen seiner industriellen Massentierhaltung kritisierte „Hühnerbaron“ Anton Pohlmann wird der Einsatz des giftigen Desinfektionsmittels „Virkon S“ im Futtermittel und die Desinfektion der Ställe mit Nikotinsulfat nachgewiesen. Er wird zu 2 Jahren Gefängnis auf Bewährung und einer Geldstrafe von 2,1 Millionen DM verurteilt.


  Etikettenschwindel beim Wildfleisch 02

1996 In Baden-Württemberg wird Antilopenfleisch als Rehfleisch verkauft.


  Apfelsaft aus der Retorte 03

1996 Im Handel taucht gepanschtes künstliches Apfelsaft-Konzentrat auf, das als „Naturtrunk“ (Fruchtsaft) vermarktet wird.


  Abgelaufenes Fleisch umetikettiert 04

1996 In einer Real-Filiale des Metro- Konzerns in Pirmasens (Rheinland-Pfalz) wird überlagertes Fleisch umetikettiert verkauft. Der Fleischermeister wird später zu einer Haftstrafe von 6 Monaten mit Bewährung verurteilt. (dpa – 19.3.2005)


  Gepanschter Apfelsaft im Handel 05

25. Mai 1996 Bei der Untersuchung von 35 Apfelsäften hat die Stiftung Warentest festgestellt, daß einige Säfte keine reinen Naturprodukte sind. Sie sind u. a. durch synthetische Aromastoffe ‚aufgepeppt‘ – also gepanscht. Wie allerdings der menschliche Körper „auf biosynthetisch hergestellte Aromen und Säuren langfristig reagiert und welche Wechselwirkungen es geben kann, wissen wir nicht“, heißt es. (test – 6/1996, Seite 86–91)

1997


  Illegale Rindfleisch-Importe aus Großbritannien 01

1997 Ein Skandal um illegale Rindfleisch-Importe aus Großbritannien verunsichert die Verbraucher. Wegen der BSE-Gefahr geht der Rindfleischkonsum der Bundesbürger stark zurück. Aus Angst vor BSE werden auch in Deutschland tausende Rinder vorbeugend getötet.


  Würmer in Fischen 02

1997 Erneut werden in Seefisch-Proben – trotz 1987 erlassener Hygiene- Vorschriften – Nematoden (Würmer) gefunden.


  Coca-Cola verunreinigt 03

1997 In Coca-Cola-Dosen wird das Lösungsmittel Trichloranisol gefunden. Es ist vermutlich über verunreinigte Dosendeckel in das Erfrischungsgetränk gelangt.

1998


  Chemie-Butter aus Italien 01

1997 – 1999 Von 1997 bis 1999 ließ die neapolitanische Mafia insgesamt 16.000 Tonnen Chemie- Butter produzieren, die aus mit billigem Rindertalg (5000 Tonnen) und Chemikalien (400 Tonnen) versetzter Butter bestand. Hauptsächlich nach Belgien soll diese Panschbutter geliefert worden sein. Sie diente vor allem als Grundstoff für Kuchen, Kekse und andere Lebensmittelzubereitungen. Zwar beteuerte die EU-Betrugsbekämpfungsbehörde, alle mit der Panschbutter hergestellten Produkte seien beschlagnahmt worden, aber daran wird gezweifelt. Die Öffentlichkeit erfährt von dem Skandal erst im Dezember 2000 durch Berichte im Stern und im Spiegel. *


  Schlampige Fleischkontrollen in Deutschland 02

Juni 1998 Inspektoren der EU-Kommission kommen zum Ergebnis, daß in Deutschland Kontrollen von Hormonen und anderen Mastdopingmitteln im Fleisch „schwerfällig“, „unzulänglich“ und „mangelhaft“ sind. [mehr]

  Deutsche Fleischverordnung von EU ausgehebelt  03

1998 Durch EU-Recht wird die strengere deutsche Fleischverordnung ausgehebelt. Damit darf nun in der Wurst alles verarbeitet werden. Das Produkt muß nur 50 % tierische Rohstoffe enthalten. [mehr]


1999


  Dioxin-Skandal in Belgien 01

Mai 1999 Hochgiftige Dioxine gelangten über mit Industrie- Altöl verseuchtem Tierfutter in die menschliche Nahrungskette. Die belgische Regierung erläßt ein Verkaufverbot für Eier, Butter und Fleischprodukte. [mehr]
4. Juni 1999 Belgisches Fleisch und Futtermittel erfahren wg. des Dioxin-Skandals weltweite Ächtung: Rußland, die Schweiz, Rumänien und Griechenland verhängen Importverbote, die USA stoppen den Verkauf von Geflügel- und Schweinefleischprodukten aus der gesamten EU. Die EU ordnete an, neben den belasteten Hühnererzeugnissen auch belgische Schweine- und Rindfleischprodukte zu beseitigen, wenn sie mit dem potentiell krebserregenden Dioxin verseucht sein sollten. [mehr] [Der Mensch wird zum Endlager]
Anfang 2011 Um Weihnachten 2010 stellt sich heraus, daß weder die EU noch Deutschland energische Konsequenzen aus diesem belgischen Dioxin-Skandal gezogen haben. In Deutschland kommt es 2010 zu einem noch größeren Dioxin-Skandal bei landwirtschaftlichen Produkten, da die gesamte Erzeugung von Tierfutter noch immer nicht sorgfältig kontrolliert wurde. Der Schaden dürfte über 1 Milliarde Euro sein. [mehr]


  Coca-Cola in Belgien verunreinigt 02

Juni 1999 Belgien verbietet den Verkauf aller Getränke der Firma Coca-Cola, nachdem zahlreiche Schulkinder nach ihrem Genuß erkrankten. Als Ursache stellt sich „schlechte Kohlensäure“ (nicht für Lebensmittel geeignete) heraus. Denn sie war mit Schwefelwasserstoff und Kohlenoxidsulfid verunreinigt. [mehr]


  Normales Getreide als Bio-Getreide verkauft 03

Sommer 1999 Dieser Fall zeigt, wie leicht Betrüger die vielen Lücken im Kontroll- System des Bio- Handels ausnützen können. Und Freunde reiner Öko- Kost, die 1999/2000 Bio- Brot oder Bio- Brötchen gegessen haben, erfahren, daß sie hinters Licht geführt worden sein könnten. Denn zwischen Juni 1999 und August 2000 verkaufte eine Berliner Firma rund 29.000.000 kg Speise- und Futtergetreide aus konventioneller (normaler) landwirtschaftlicher Produktion als teureres Bio- Getreide. * + (Der Spiegel – 26/2002, 24.6.2002, Seite 60, * )
Oktober 2006 Die Darstellung des SPIEGELs von 2002 soll falsch sein, da das Label "Bio" erst am 24.8.2000 durch EU-Verordnung geschützt worden sein soll. Aber stimmt das?


2000


  Fungizide und Pestizide auf Paprika aus Spanien 01

Februar 2000 Spanische Gemüse-Paprika ist „hochgradig belastet“ mit dem Anti- Milbenmittel Methiocarb sowie mit Fungiziden und Pestiziden – vor allem mit Fenpropathrin, Procymidon und Imazalil. Das weiß der Bundesverband Deutscher Fruchthandelsunternehmen (BVF) aus internen Laboruntersuchungen von Großhändlern. Die Kontamination habe „ein Ausmaß angenommen, das für uns nicht mehr tragbar ist“, faxte der BVF an die Spanische Handelskammer in Frankfurt, schreibt der Spiegel (9/2000). Die meisten Importeure sorgen sich aber nicht um die Gesundheit der Verbraucher, sondern ums Geschäft. Die Öffentlichkeit dürfe keineswegs informiert werden, mahnt der Verband in dem Fax an die Spanier: „Die Angelegenheit erfordert auch das nötige Maß an diplomatischem Vorgehen, denn wenn erst einmal eine große Pressekampagne läuft, ist das Geschäft mit Paprika, nicht nur aus Spanien, tot.“ *


  BSE-Skandal in Europa 02

2000 Der Rinderwahnsinn BSE hat inzwischen praktisch ganz Europa erreicht. Denn infektiöse Tier- und Knochenmehle (MBM) gelangten fast überall hin. [Chronik der BSE-Krise]
24. November 2000 In Deutschland wird (offiziell) der 1. BSE-Fall entdeckt. Und die Politik + Agrar- Lobby kann danach die jahrelange Vertuschung („Deutschland ist BSE-frei!“) nicht länger aufrechterhalten. Die Bundesregierung muß ein totales Tiermehl- Verbot verhängen. Auch werden nun bundesweite BSE-Tests eingeführt. Der Rindfleischkonsum geht vorübergehend massiv zurück.
Ende 2003 Bis Ende 2003 sind in Großbritannien bereits 139 Menschen am menschlichem BSE (nvCJD) gestorben, in Frankreich bereits 4. [Chronik der BSE-Krise]


  Mineralöl in Hühnereiern 03

September 2000 Ein Schweizer Labor weist Mineralölprodukte (Zweitakt- oder Auto- Motorenöle) in Hühnereiern sowie im Fettanteil von Rinder-, Schweine- und Geflügelfleisch nach. [mehr]


  Gen-Mais in KRAFT-Produkten 04

Dezember 2000 Es wird bekannt, daß der amerikanische KRAFT-Konzern und andere Nahrungsmittel- Hersteller gentechnisch veränderten Mais in Maisprodukten verwendet haben. Der Skandal zeigt auch, daß die Freisetzung und Verarbeitung von gentechnisch veränderten Nutzpflanzen nicht zu kontrollieren sind. Der mit Aventis- Lizenzen produzierte Starlink- Mais war 1998 nur als Viehfutter zugelassen worden. [mehr]


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Anmerkungen und wichtige Quellen:   (10. Ed. — 3.1.2011)


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