Lebensmittel-Skandale in Europa – Teil 6:   Ab 2013 khd
Stand:  30.7.2013   (34. Ed.)  –  File: Food/LM_Skandale_6.html



  Zu den
aktuellen Skandalen
 
   
1.8.2007 (khd). Im Rahmen seiner Berichterstattung über BSE und dessen Folgen erinnerte am 4. Dezember 2000 der SPIEGEL im Heft 49/2000 an einige herausragende Lebensmittel- Skandale in Europa. Da wurde es Zeit, ins eigene Archiv zu greifen, um diese Skandal- Chronik in wesentlichen Punkten zu ergänzen und auch bei Bedarf fortzuschreiben, zumal diese Profi-Journalisten bei der Fortschreibung solcher Aufstellungen fast nie am Ball bleiben.

   
  Und so informiert die
US-Behörde FDA über
Lebensmittel-Panscher:
Recent Warning Letters.

[ Ein Beispiel ]
 
Bei der Lektüre wird deutlich, daß die Kontrolle der Lebensmittel- Sicherheit miserabel ist — aber nicht nur in Deutschland. Dabei hatte doch bereits das Umweltmagazin Natur im September 1989 der deutschen Politik unmißverständlich ins Stammbuch geschrieben, wo genau dringender Handlungsbedarf bei der Entwicklung zu einer verbraucherorientierten Lebensmittel- Überwachung besteht.

Links mit dem Symbol * zeigen auf Infos im Internet, die die Aussage belegen. Leider waren nicht in allen Fällen solche Informationen im Netz auffindbar. xxx = Text folgt demnächst. MHD = Mindesthaltbarkeitsdatum.

I n d e x :       [ Übersicht nach Lebensmitteln ]
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Europas wichtigste Lebensmittel-Skandale
 
Wie uns kriminelle Geschäftemacher mit Pfusch ohne Grenzen hinters Licht führten
und die amtlichen Kontrolleure (meist) sehr alt aussahen.

Recherchiert im Internet und zusammengestellt
von
Karl-Heinz Dittberner – Berlin

2013


  Betrug durch Pferdefleisch statt Rindfleisch 01

8. Feb. 2013 In TK-Produkten der Marke FINDUS wurde in Großbritannien im Januar per DNA-Test Pferdefleisch entdeckt, obwohl auf den Packungen Rindfleisch deklariert war. Es soll sich um TK-Hamburger und TK-Lasagne handeln. Pferdefleisch ist deutlich billiger als Rindfleisch. Der Verzehr von Pferdefleisch ist gesundheitlich unbedenklich. Es sei denn, daß das Fleisch Rückstände von Pharma- Produkten enthält, was zur Zeit noch unklar ist.
11. Feb. 2013 Der Skandal weitet sich aus, denn in Schweden ist in Lasagne und anderen Fertiggerichten statt Rindfleisch ebenfalls Pferdefleisch gefunden worden. Es gibt erste Hinweise, daß das Pferdefleisch tiefgefroren aus Rumänien bezogen und bei der Firma Tavola in Capellen (Luxemburg) im Auftrag des Unternehmens COMIGEL (Metz, Frankreich) verarbeitet worden sein soll. Tavola sei Opfer eines Betruges geworden, heißt es. (dpa – 11.2.2013)
12. Feb. 2013 Inzwischen sind 16 Länder (auch Deutschland) vom Pferdefleisch-Skandal betroffen. Die Briten sprechen von einer „weitreichenden kriminellen Verschwörung“, die der vollkommenen Aufklärung bedarf. Das aus Rumänien gelieferte TK-Pferdefleisch soll nur 1/6 des Preises von Rindfleisch gekostet haben. [mehr]
14. Feb. 2013 In TK-Lasagne der METRO-Tochter REAL (Marke „TiP“) und EDEKA (Marke „Gut & Günstig“) wurde ebenfalls Pferdefleisch festgestellt. Die Produkte wurden aus dem Handel genommen. Auch andere Anbieter wie Kaisers/Tengelmann, Aldi, Lidl und Rewe haben Fertiggerichte „vorsorglich“ zurückgezogen. Unterdessen wurde in Großbritannien im Pferdefleisch Phenylbutazon (problematisches Schmerzmittel, Dopingmittel) nachgewiesen, womit das Fleisch nicht mehr für den Verzehr geeignet ist. (d-radio – 14.2.2013)
15. Feb. 2013 Auch in anderen Fertiggerichten wie Gulasch in Dosen, Ravioli in Dosen, Tortelloni wurde statt Rindfleisch Pferdefleisch verwendet. Es wird vermutet, daß der Betrug, in Fertiggerichten Rindfleisch durch billigeres Pferdefleisch zu ersetzen, vielerorts schon seit längerem praktiziert wird. (d-funk – 15.2.2013)


15. Feb. 2013 Die französischen Behörden ermittelten inzwischen, daß die Firma Spanghero in Castelnaudary (bei Toulouse) der Zwischenhändler ist, der 550 Tonnen rumänisches TK-Pferdefleisch an Comigel/Tavola als TK-Rindfleisch lieferte. Spanghero wurde vorerst die Zulassung für den Fleischhandel entzogen und erwartet nun ein Verfahren wg. Wirtschaftsbetrugs. (d-radio – 15.2.2013) [mehr]
15. Feb. 2013 Um Klarheit über das Ausmaß der Pferdefleisch- Betrügereien zu erhalten, beschließen die EU-Regierungen stichprobenartig DNA-Tests von im Handel erhältlichen Rindfleisch- Produkten in allen 27 Mitgliedsstaaten. Ergebnisse werden Ende März erwartet. (d-radio – 15.2.2013) [mehr]
16. Feb. 2013 Der mündige Verbraucher ist nun gefragt!
Wenn also die Lebensmittel- Industrie nicht in der Lage ist (mangelhafte Eigenkontrollen!), das zu liefern, was sie auf der Verpackung von Fertiggerichten versprechen, dann sollten die Verbraucher in großer Zahl reagieren:

Alle Fertiggerichte, die irgendwelches Fleisch enthalten, sollte ab sofort boykottiert werden. Mit diesem marktwirtschaftlichen Mittel „keine Nachfrage“ ließe sich solch systematischer Betrug recht schnell abstellen — egal, was die EU nun unternimmt.

Dabei geht es nicht ums Pferdefleisch an sich, auch wenn das manche nicht essen mögen. Vielmehr geht es um das damit aufgedeckte enorme Kontrolldefizit bei Industrie und Behörden, das erst einen solchen Großstil- Betrug möglich machte. Ohne deutliche Bürger- Nachhilfe werden EU, Industrie und Politik kaum in die richtige Spur kommen.
17. Feb. 2013 Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) will jetzt einen Aktionsplan durchsetzen, der auch bei allen fleischhaltigen Fertiggerichten vorsieht, daß auf der Verpackung die Herkunft der Zutaten angegeben wird. Von einer geplanten Verschärfung der Strafen für Lebensmittel- Betrug wurde nichts mitgeteilt. Foodwatch kritisierte deshalb Aigners Pläne als reine „Ankündigungspolitik“, die nicht die entscheidenden Schwachstellen bei der Lebensmittel- Überwachung beseitigen werde. (d-radio – 17.+18.2.2013) [Foodwatch-Kritik] [Aktuelle Foodwatch-Aktion]
20. Feb. 2013 Unter www.pferdefleisch-rueckrufe.de startet das Bundesverbraucherministerium eine Informationsseite zu falsch deklarierten Fleischprodukten.
22. Feb. 2013 Inzwischen wurden in fast allen (23 von 27) EU-Ländern nicht deklariertes Pferdefleisch in Fertiggerichten nachgewiesen. Auch in anderen Ländern sind per DNA-Test solche Produkte gefunden worden. In Deutschland sind praktisch alle Lebenmittel-Handelsketten betroffen. All das deutet auf einen systematisch organisierten Betrug hin, der vielleicht schon seit Jahren praktiziert wurde. [Foodwatch-Aufruf]


  Schweinefleisch im Döner 02

18. Feb. 2013 Das ist ein Nebenergebnis der Suche nach Pferdefleisch in Fleischprodukten. Das vom Fernsehsender RTL beauftragte Berliner Institut für Produktqualität hat in Dönern Pferdefleisch und sogar Schweinefleisch gefunden. In einem Leipziger Döner wurde Pferdefleisch festgestellt, in 3 weiteren bis zu 7 % Schweinefleisch, das Muslime nicht essen. (Tagesspiegel – 18.2.2013)


  Betrug mit BIO-Eiern 03

24. Feb. 2013 In Niedersachsen wurde ein millionenfacher Betrug mit falsch deklarierten Hühnereiern aufgedeckt. Sie wurden als BIO-Eier oder Freiland-Eier in den Handel gebracht, obwohl das gar nicht stimmte. Es sollen 150 Erzeugerbetriebe betroffen sein. Die Kontrollen sollen mangelhaft gewesen sein. Die Staatsanwaltschaft Oldenburg ermittelt, offensichtlich bereits seit September 2011. (d-radio – 24.2.2013) [Foodwatch-Aufruf]
1. März 2013 EU Bio-Logo Dieser Großstil-Betrug hat das Bio-Siegel der EU schwer beschädigt. Verbraucher können wg. mangelhafter Überwachung nicht mehr sicher sein, daß ein Produkt mit diesem Siegel wirklich von einem BIO-Betrieb stammt. Verbraucher beoabachten schon seit einiger Zeit, daß manche Produkte in großen Mengen — darunter Eier — als teurere Bioware angeboten werden. Und sie fragen sich: Gibt es wirklich so viele BIO-Betriebe?


  Listerien in Leberknödeln 04

28. Feb. 2013 Die Handelskette EDEKA hat „Pfälzer Leberknödel“ zurückgerufen, da sie gefährliche Bakterien (Listerien) enthalten können. (swr – 28.2.2013)


  Schimmelpilze in Futter-Mais 05

1. März 2013 Das ist ein Futtermittel-Skandal. In Futter-Mais wurden krebserregendes Schimmelpilzgift (Aflatoxin B1) entdeckt. Es soll sich um 45.000 Tonnen aus Serbien importierten Mais für die Tiermast von Rindern, Schweinen und Geflügel handeln. Mehr als 10.000 Tonnen davon seien bereits zu Futtermitteln verarbeitet und zum Teil verfüttert worden. Besonders überprüft werden jetzt Milchproduktionsbetriebe in Niedersachsen, da das Gift sich in Milch anreichern kann — in Fleisch und Eiern kaum. Die Eigenkontrollen der Futtermittel-Industrie haben eindeutig versagt. (d-radio – 1.3.2013) [mehr] [Foodwatch-Aufruf]


  Schimmelpilzgift in Milch 06

2. März 2013 Als Folge des Futtermittel-Skandals wurden in Niedersachsen in Milch erhöhte Werte des Schimmelpilzgifts Aflatoxin B1 festgstellt (57 ng/kg). Hunderte Milchproduktions-Betriebe wurden von den Behörden vorerst gesperrt. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hält die bislang gefundenen Gift-Werte für (noch) unbedenklich. Für Aflatoxine in Milch gilt in der EU ein Grenzwert von 0,05 µg/kg (=50 ng/kg). (d-radio – 2.3.2013) [mehr]
3. März 2013 Alle weiteren bislang in Niedersachsen untersuchten Milchproben zeigten keine Auffälligkeiten. (d-radio – 3.3.2013) [Foodwatch-Aufruf]


  Trichinen in Wildschweinfleisch gefunden 07

3. April 2013 Im Kreis Görlitz (Sachsen) warnt das Gesundheitsamt vor Trichinellose- Erkrankungen. In vor Ostern verkauftem Wildschweinfleisch und Wildschwein-Knackern könnten Trichinellen-Larven enthalten gewesen sein.


  Pferdefleisch statt Rindfleisch II 08

10. April 2013 Ein niederländischer Großhändler soll große Mengen Pferdefleisch als Rindfleisch verkauft haben – auch nach Deutschland. Der Betrieb wurde gesperrt und alles Fleisch [vermutlich 50 Tonnen] zurückgerufen. (d-radio – 10.4.2013)


  Essen vom Fließband 09

29. Juli 2013 Es ist ein Skandal wie heute der größere Teil der Lebensmittel produziert wird. Diesem Thema widmet das Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL die Titelstory „Natürlich – künstlich“ in seiner aktuellen Ausgabe (Heft 31/2013, Seite 34–43). „Die Lebensmittelproduktion ist zu einem globalisierten, hochindustrialisierten Wirtschaftszweig geworden. Sie bietet kostenoptimierte Waren an, die nur noch entfernt an Essen erinnern“, heißt es in dem Artikel.


  xxxxxxxxxx 10

xxx (Der nächste Lebensmittel-Skandal kommt bestimmt).


2014


  xxxxxx xx

xxx xxx.
xxx xxx.
xxx xxx.


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Anmerkungen und wichtige Quellen:   (10. Ed. — 3.1.2011)


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