| 22. Mai 2011 |
Seit einigen Tagen sind in ganz Norddeutschland (Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen) schwere
Durchfall-Erkrankungen aufgetreten, die durch die besonders gefährlichen
EHEC-Bakterien (pathogene Art von Escherichia coli) verursacht wurden.
Bislang sind rund 80 Erkrankungen, die zum Nierenversagen führen kann, gemeldet davon allein
in Hamburg 40. Viele Patienten müssen bereits auf Intensivstationen behandelt werden. Fieberhaft
versuchen die Gesundheitsbehörden, die Infektions-Quelle zu ermitteln. EHEC wird meistens durch
unhygienisch verarbeitete Fleischwaren (z. B. Wurst wie 2004) verbreitet. Aber auch Rohmilchkäse wie 2005 oder ungewaschenes Gemüse können zur Verbreitung führen. Die
auslösende Quelle konnte bislang noch nicht gefunden werden.
(info-radio 22.5.2011)
[EHEC-Ausbrüche] |
| 23. Mai 2011 |
Die Zahl der gemeldeten EHEC-Erkrankungen hat sich auf mehr als 130 erhöht. Einige Patienten
befinden sich in Lebensgefahr. Außerdem gibt es noch weitere 160 Verdachtsfälle. Eine derart
zeitliche Häufung mit rasanter Zunahme hat es in Deutschland noch nie gegeben, so daß von
einer gemeinsamen Lebensmittel- Quelle für die aktuellen Infektionen ausgegangen werden muß.
Vermutet wird derzeit, daß es mit Gülle gedüngter Blattsalat sein könnte
[Ed: hm, vielleicht solch ‚küchenfertiger‘ Blattsalat-Mix in Plastik-Beuteln? Aber
welcher Bauer kippt Gülle auf gewachsenen Salat...].
(d-radio 23.5.2011) |
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Alle Bakterien auch EHEC werden beim Erhitzen auf 72 °C für 10 Minuten sicher
abgetötet, wobei auch das von EHEC-Erregern produzierte Shiga-Toxin unschädlich wird.
| |
Hinweis:
Dieser Lebensmittel-Skandal stellt wg. der Freisetzung eines bislang völlig unbekannten,
hochgefährlichen Bakteriums etwas ganz Besonderes dar, zumal dadurch sehr schwere Erkrankungen
entstehen. Die weitere Entwicklung soll deshalb ausführlicher als sonst beschrieben werden.
khd 24.5.2011
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| 24. Mai 2011 |
Heute wurde bekannt, daß die ersten EHEC-Fälle bereits um den 10. Mai den Behörden
gemeldet wurden (EHEC ist seit 2001 meldepflichtig). Offensichtlich verfügen die
Gesundheitsbehörden der Länder nicht über genügend Personal, um in 2 Wochen
zweifelsfrei die Quelle der EHEC- Infektionen zu ermitteln. Inzwischen sind bereits 3 Todesopfer zu
beklagen. Verwunderlich ist auch, daß die Forschung bislang keinen Schnelltest auf EHEC-Erreger
entwickelt hat, zumal seit längerem die besondere Gefährlichkeit dieses Erregers bekannt ist.
Der Erreger kann nicht mit Antibiotika bekämpft werden, da dann der Körper durch die
absterbenden Bakterien noch mehr vergiftet wird.
[mehr] |
| 25. Mai 2011 |
Die Behörden haben noch immer nicht die Quelle des EHEC-Ausbruchs lokalisiert [Ed: wir erwarten
diesmal, daß das zweifelsfrei aufgeklärt wird und im Falle von Versäumnissen irgendwo
Roß und Reiter genannt werden]. Das Robert-Koch-Institut (RKI) warnt aber aufgrund einer Schnellstudie (Befragung von
Erkrankten und einer Kontrollgruppe) vor dem Verzehr von rohen Tomaten, Blattsalaten und Salatgurken,
die aus Norddeutschland kommen [Ed: was Protest
der Bauern hervorrief, da ihr Gemüse noch gar nicht reif sei]. Die Zahl der Erkrankungen ist
inzwischen auf über 600 angestiegen, wobei es in mindestens 140 Fällen zu drohendem
Nierenversagen gekommen ist (HUS-Syndrom). Es ist außerordentlich ungewöhnlich, daß die
Zahl dieser Komplikation so hoch ist (normal sind das etwa 5 %). Über den genauen EHEC-Typ, der
diese schweren Erkrankungen auslöst, ist bislang auch noch nichts bekannt.
(d-radio 25.5.2011 22.32 Uhr) |
| 26. Mai 2011 |
Unterdessen ist die Rolle von abgepackten (in Plastikbeuteln eingeschweißten), feingeschnittenen
Mischungen aus Blattsalaten noch immer ungeklärt. Da diese den Eindruck der Küchenfertigkeit
erwecken, dürften sie allzuoft ungewaschen verzehrt werden. In den Berliner B.Z. gibt es
heute einen Fall-Bericht:
Danach hat eine EHEC-Erkrankte solchen Salat-Mix kurz vor der Erkrankung in Hamburg im Supermarkt gekauft
und gegessen. |
| 26. Mai 2011 |
An der Uni Münster soll es gelungen sein, den EHEC-Typ festzustellen. Es soll es sich um den
seltenen Typ E.coli O104:H4 (HUSEC 41)
handeln, der erstmals 1994 in den USA beobachtet wurde. Dieser Typ ist besonders aggressiv und derzeit
nur schwer nachweisbar.
[EN-Wikipedia: Escherichia coli O157:H7] |
| 26. Mai 2011 |
Eine Quelle der aggressiven EHEC-Bakterien will das Hamburger Hygiene-Institut gefunden haben: An
4 Salatgurken vom Hamburger Großmarkt wurden EHEC-Bakterien nachgewiesen. 3 der Gurken (davon 1
BIO-Gurke) sollen aus Süd-Spanien (Andalusien) stammen. Alle derartigen Gurken sollen sofort
bundesweit aus dem Handel genommen werden. Die Erzeuger sind bekannt, wurden aber noch nicht genannt. Die
spanischen Gesundheitsbehörden müssen nun klären, wie die EHEC-Erreger auf die Gurken
kamen. Vermutet werden aber noch weitere Quellen. Die Zahl der kritischen EHEC-Erkrankungen mit
HUS-Syndrom ist auf 214 angestiegen, und es gab weitere Tote durch die EHEC-Epidemie.
(d-radio 26.5.2011 13.02 Uhr) |
| 27. Mai 2011 |
Die spanischen Erzeuger der in Hamburg gefundenen EHEC-Gurken sind:
Pepino Bio Frunet in Algarrobo (Málaga)
sowie Hort O Fruticola (Almeria).
Die spanischen Produzenten sagen nun, daß die in Kartons gelieferten Gurken erst in Deutschland mit
dem EHEC- Erreger verunreinigt worden sein müssen. Schließlich sei es nirgends sonst bei ihren
Gurken- Exporten zu EHEC- Problemen gekommen, heißt es. Unklar ist derzeit, ob diese Gurken einzeln
in Folie eingeschweißt waren.
(Tagesspiegel 27.5.2011 Seite 28) |
| 27. Mai 2011 |
Die Zahl der EHEC-Fälle ist weiter gestiegen. Allein seit gestern sind 60 schwere Erkrankungen
(HUS-Fälle) hinzugekommen. Reisende aus Deutschland haben den EHEC-Erreger inzwischen ins Ausland
‚exportiert‘. Auch aus Dänemark, Schweden, Niederlanden, Großbritannien und
Österreich werden EHEC-Erkrankungen gemeldet. Nunmehr sollen auch bei Salatgurken aus den
Niederlanden EHEC-Erreger nachgewiesen worden sein, was aber NL-Behörden heftig dementieren. Das
RKI und das BfR halten ihre Warnung vor dem Verzehr von rohen Tomaten, Blattsalaten und
Salatgurken aufrecht. In Deutschland gibt es bislang 6 EHEC-Tote und über 900 EHEC-Infektionen
seit Mitte Mai.
(d-radio 27.5.2011) |
| 27. Mai 2011 |
Ein Zwischen-Fazit: Nachdem noch immer nicht die Ursache für die EHEC-Verseuchung der Gurken
gefunden worden ist, wird vermutet, daß die Gurken in mit Coli- Bakterien verseuchtem Wasser
gewaschen sein könnten. Aber wo ist das passiert? Wohl kaum auf dem Hamburger Großmarkt oder
auf dem Transport von Andalusien nach Hamburg. Bleibt zu hoffen, daß die Behörden (unter
Beteiligung der Kriminalpolizei) das möglichst schnell klären und darüber nicht vergessen,
nach weiteren EHEC-Quellen zu fahnden. Denn so ganz überzeugend ist angesichts des
großen Ausmaßes der Epidemie die Gurken-Erklärung noch nicht. |
| 28. Mai 2011 |
Die eigentliche Ursache der EHEC-Epidemie ist weiterhin nicht geklärt. Die Zahl der
Komplikationsfälle (HUS) ist auf 276 gestiegen, wovon bereits 10 Patienten gestorben sind. Die
Gesamt-Zahl der in Deutschland an gefährlichem EHEC-Durchfall Erkrankten beträgt inzwischen
über 1.000. Schwerpunkt ist Hamburg und Norddeutschland. Es sind vor allem Frauen davon betroffen. |
| 28. Mai 2011 |
Auf eine mögliche und sehr plausible Ursache der Kontamination spanischer Gurken mit EHEC
soll eine Zeugin Schweizer Behörden aufmerksam gemacht haben. Sie berichtete, sie habe als
Feldarbeiterin in der Nähe der südspanischen Stadt
Murcia gearbeitet. Als brisant
werteten die Beamten nach
FOCUS-Informationen, was die Spanierin über die Anbaumethoden ihrer Arbeitgeber
berichtete. Sie nannte 2 Firmen, die Abwässer für die Bewässerung ihrer Plantagen benutzt
hätten [Ed: und darin könnten sehr wohl EHEC-Erreger enthalten gewesen sein, z. B. auch von
Menschen ausgeschiedene Erreger]. Die Firmen exportieren Obst, Tomaten, Gurken und Auberginen. Sollten
solche todbringenden Produktions-Methoden bestätigt werden, dann muß die gesamte spanische
Gemüse- Industrie auf lange Zeit mit einem Käufer-Boykott rechnen. |
| 29. Mai 2011 |
Fragen, die Journalisten nicht stellten: Es ist noch immer unklar, ob die in Hamburg auf den
Gurken gefunden EHEC-Erreger vom Typ her mit den im Stuhl der Patienten gefundenen Bakterien
übereinstimmen. Warum wurde das bislang noch nicht mitgeteilt? Gibt es da etwa eine Diskrepanz? |
| 30. Mai 2011 |
In Berlin tagt heute ein Krisenstab. Die Zahl der EHEC-Erkrankungen ist auf über 1.200 angestiegen.
Gestorben sind bislang an der durch die vom EHEC-Erreger verursachte Vergiftung mit dem Shiga-Toxin (HUS)
14 EHEC-Patienten. Die Zahl der HUS-Fälle ist auf insgesamt 352 gestiegen. Das RKI hat seine
Verzehr-Warnung insofern verschärft, daß nun in ganz Deutschland Gemüse wie Gurken,
Blattsalate und Tomaten wenn überhaupt nur noch gekocht verzehrt werden sollten. Es
reiche nicht aus, das Gemüse sorgfältig zu waschen, um die EHEC-Keime vollständig zu
entfernen, heißt es im RBB. |
| 30. Mai 2011 |
Ein 2. Hinweis auf die EHEC-Quelle: Die Behörden in Norwegen haben den EHEC-Erreger in einer
Gurkenlieferung aus Spanien entdeckt. Von der Lebensmittelaufsicht in Oslo heißt es,
daß die Gurken noch nicht in den Handel gekommen seien. Unterdessen bleibt unklar, ob sich Spaniens
Behörden wirklich ernsthaft und sorgfältig genug um die Aufklärung bemühen.
Denn Spanien prüft derzeit sogar Schadensersatzforderungen gegen Deutschland.
Spaniens Gemüse ist sicher, sagte Spaniens Landwirtschaftsministerin Rosa Aguilar.
(dpa+afp 30.5.2011)
[taz: Fäkalwasser auf Früchten] |
| 30. Mai 2011 |
EHEC lt. WHO: 1.169 bestätigte Infektionen, davon HUS: 373 Fälle (32 %), Tote: 14 (inkl. Ausland).
[Grafik zur EHEC-Epidemie] |
| 31. Mai 2011 |
Noch ein Hinweis: Der Fernsehsender RTL will herausgefunden haben, daß die spanischen Gurken
nicht direkt nach Hamburg geliefert worden sind. Sie sollen an einen Zwischenhändler in Köln
geliefert worden sein. Hier soll es zu einer wundersamen ‚Gurkenvermehrung‘ gekommen sein.
Denn in Hamburg kamen laut Lieferpapieren 629 kg mehr Gurken an, als in Spanien abgeschickt worden waren.
Woher kamen diese Mehr-Gurken? |
| 31. Mai 2011 |
Die in Hamburg auf spanischen Gurken nachgewiesenen EHEC-Bakterien haben nicht die
EHEC-Epidemie ausgelöst. Denn der EHEC-Typ stimmt nicht mit dem bei den Erkrankten
gefundenen Erregern (E.coli-O104:H4) überein. Solche Vergleichsuntersuchungen sind zeitlich
aufwendig, weshalb das erst jetzt bekannt wurde. Damit bleibt aber die Quelle für den EHEC-Ausbruch
weiterhin unbekannt, und die energische Suche danach muß weitergehen. Bundesweit gibt es inzwischen
mehr als 1.400 EHEC-Fälle. Die Gesamt-Zahl der davon an der HUS-Komplikation Erkrankten ist nach
RKI-Angaben auf 329 gestiegen (rund 24 %). So etwas
hat es noch nie gegeben. Die Zahl der EHEC- Toten beträgt 16 (inkl. 1 Todesfall in Schweden).
(d-radio 31.5.2011 14.01 Uhr)
[Kekulé-Kommentar] |
| 31. Mai 2011 |
Fragen, die Journalisten nicht stellten: Wie ist die genaue Typ-Bezeichnung der EHEC-Erreger, die
auf den Gurken vom Hamburger Großmarkt gefunden wurden? Mediziner (und Politiker) neigen dazu, in
Krisenzeiten wenig präzise Informationen zu liefern etwa nach dem Motto ‚Das
versteht’s Publikum sowieso nicht‘. Wir leben aber in der Informationsgesellschaaft, wo via
Internet alles leicht verifizierbar geworden ist. Wurde bereits mit spezieller Isotopen-Analytik
versucht, die Herkunft von Gemüsen (Gurken) zweifelsfrei zu ermitteln? |
| 1. Juni 2011 |
Auch nach 3 Wochen ist die Quelle der aggressiven EHEC-Erreger E.coli-O104:H4 noch immer aktiv,
denn die Zahl der Infektionen mit diesem tödlichen Darmkeim steigt weiterhin deutlich an. Es ist
peinlich und sehr gefährlich, daß unsere Gesundheits- und Lebensmittelaufsichts- Behörden
noch immer nicht die Quelle für die Mitte Mai ausgebrochene EHEC-Epidemie gefunden haben, die
bereits 16 Todesopfer gefordert hat. Es stellt sich die Frage, ob die vielen beteiligten Landes- und
Bundesbehörden wirklich koordiniert nach der EHEC-Quelle fahnden oder alle nur im Nebel stochern
wie viele (nur halbgebildete) Politiker, die sich wieder einmal in reichlich Dummquatsch
ergehen...
[Amts-Wirrwarr total]
[Kekulé-Kommentar] |
| 1. Juni 2011 |
Es gibt keinen Rückgang der Zunahme neuer EHEC-Infektionen, wie es gestern vorschnell in einigen
Medien-Berichten hieß. Das Gegenteil ist der Fall, und die Lage wird ernster. Denn innerhalb
von nur 1 Tag stiegen die Erkrankungen um rund 500 neue Fälle an. Insgesamt sind nun seit Anfang Mai
über 2.000 Menschen an dem durch den gefährlichen EHEC-Erreger E.coli-O104:H4 verursachten
blutigen EHEC-Durchfall erkrankt, wovon sich 470 (24 %) in einem lebensbedrohlichen Zustand
(HUS-Komplikation) befinden. Die Zahl der Todesfälle stieg auf 17. Der Schwerpunkt der Epidemie
liegt weiterhin in Nord-Deutschland (Hamburg). Bei allen bislang im Ausland aufgetretenen
EHEC-Erkrankungen ist eine vorangegangene Infizierung in Deutschland wahrscheinlich.
(d-radio 1.6.2011 23.00 Uhr) |
| 2. Juni 2011 |
Die WHO in Genf spricht davon (offensichtlich gibt es
inzwischen ein Sequenzierungs-Ergebnis des Genoms des E.coli-O104:H4), daß es sich bei dem in
Deutschland grassierenden EHEC-Erreger um einen völlig neuen bislang unbekannten Stamm
der E.coli-Bakterien handele. Das würde den heftigen Ausbruch erklären. HUS-Patienten
sind zudem vermehrt auch von neurologischen Ausfällen (Sehvermögen, Hirnkrämpfe) betroffen,
was so beim HUS früher nie beobachtet wurde.
Unterdessen hat Rußland den Import von Gemüse aus der
gesamten EU verboten.
[Grafik zur EHEC-Epidemie] |
| 2. Juni 2011 |
In Rekordzeit konnte jetzt in China am Beijing Genomic Institute (BGI) die Gensequenz des aggressiven
EHEC-Erreges E.coli-O104:H4 vollkommen entschlüsselt werden. Danach handelt es sich bei dem
für die tödlicher Durchfallerkrankungen verantwortliche EHEC-Bakterium um keine reine Mutation
des seltenen Serotyps O104:H4, sondern um eine Kreuzung des O104:H4 mit einem aus Afrika bekannten
gefährlichen Durchfallerreger [Ed: vermutlich EAEC 55989, dessen Wirt der Mensch ist].
Das neue Bakterium kann sich besonders gut und dauerhaft im Darm einnisten und ist in der Lage,
wesentlich mehr Shiga-Toxin(e) zu produzieren, was die schweren Komplikationen des Krankheitsverlaufs
(HUS, Nierenversagen, Hirnkrämpfe usw.) bewirkt. Das ergab die vorläufige
Gen-Analyse des neuen Erregers durch das BGI. Das wirft sofort die Frage auf, wo eine solche
Kreuzung erfolgt sein könnte. Ist dieses bislang gänzlich unbekannte Bakterium das Ergebnis
eines spontanen Vorgangs oder des Zutuns von Menschen?
[mehr]
(Spiegel-Online 2.+3.6.2011) |
| 2. Juni 2011 |
EHEC lt. WHO: 1.733 bestätigte Infektionen, davon HUS: 520 Fälle (30 %), Tote: 18 (inkl. Ausland).
[Grafik zur EHEC-Epidemie] |
| 3. Juni 2011 |
Die Quelle der Freisetzung des neuen EHEC-Erregers ist noch immer nicht gefunden. Viele Kliniken
in Nord-Deutschland (Hamburg, Kiel, Lübeck) erreichen die Grenze ihrer Leistungsfähigkeit. Denn
es zeigen sich so schwere Krankheitsverläufe, die selbst erfahrene Mediziner noch nie erlebt haben.
Aus privatisierten Krankenhäusern gibt es Berichte, daß EHEC-Patienten nicht so behandelt
würden, wie das aus medizinischer Sicht geschehen müßte vermutlich wg. der sehr
hohen Kosten der Intensiv-Behandlung. Eigentlich sollte jeder wissen, daß ein Krankenhaus
nicht zum Gewinnmachen da sei, sagte ein Chefarzt im D-Radio. |
| 3. Juni 2011 |
Da wir es jetzt mit einem völlig neuen Keim zu tun haben, weist der Berliner Hygiene-Experte
Klaus-Dieter Zastrow (Vivantes-Klinikum) daraufhin, daß die EHEC-Epidemie auch durch einen Anschlag
ausgelöst worden sein könnte. Das aus den Blickfeld zu nehmen, halte er für einen Fehler
und geradezu fahrlässig: Man soll doch nicht so tun, als ob es so etwas nicht gäbe,
sagte Zastrow.
(dapd 3.6.2011) |
| 3. Juni 2011 |
EHEC lt. WHO: 2.001 bestätigte Infektionen, davon HUS: 573 Fälle (29 %), Tote: 19 (inkl. Ausland).
[Grafik zur EHEC-Epidemie] |
| 4. Juni 2011 |
Nicht nur aus der Ärzteschaft kommt inzwischen heftige Kritik an der Arbeit und der
Informationspolitik der deutschen Gesundheitsbehörden, die noch immer nicht die Quelle des
EHEC-Ausbruchs gefunden haben. So fahnden derzeit nur 3 Teams des RKI nach dem aggressiven
EHEC-Erreger, wo doch das Mehrfache angesagt wäre. Ganz offensichtlich habe die Zerschlagung des
Bundesgesundheitsamts (BGA) von 1994 durch Bundesminister Horst Seehofer (CSU) späte Folgen, was
Ex-BGA-Chef Dieter Großklaus schon 2001 im Tagesspiegel erkannte. Aber die vom
neo-liberalen Geist beflügelte Politik interessierte sich nicht für lebensbedrohende Zoonosen
und deren Entstehung vielleicht jetzt, wo das Kind in den Brunnen gefallen ist. |
| 4. Juni 2011 |
Das RKI sieht keinen Zusammenhang des EHEC- Ausbruchs mit dem Volksfest zum Hamburger Hafengeburtstag
(6.8. Mai 2011). Die EHEC-Fahnder hoffen nun auf eine in Lübeck gefundene Spur. In einem
Restaurant haben dort Mitte Mai 3 Gruppen Fleisch (Steak) mit Salat gegessen. Von ihnen sind 17 Menschen
später an EHEC erkrankt (1 Person starb daran). Zwar wurden dort bei der Nachkontrolle keine
EHEC-Erreger gefunden, aber es liegen noch nicht alle Proben- Ergebnisse vor. Das Restaurant will Ware
über einen Zwischenhändler in Mölln vom Hamburger Großmarkt bezogen haben. Derzeit
werden die Lieferwege der Bestandteile der verzehrten Gerichte zurückverfolgt. Angesichts der
augenscheinlichen Überforderung der deutschen Behörden will jetzt die EU Experten schicken, die
bei der EHEC-Aufklärung helfen sollen.
(d-radio 4.6.2011 17.02 Uhr) +
(Update mit Tagesspiegel 5.6.2011 Seite 32) |
| 4. Juni 2011 |
EHEC: rund 2.500 gemeldete Infektionen, davon HUS: mehr als 520 Fälle (21 %), Tote: 19 (?). |
| 5. Juni 2011 |
Eine neue Spur soll in den niedersächsischen Kreis Uelzen führen. Es wird vermutet, daß
dort produzierte Gemüse-Sprossen mit dem neuen EHEC-Erreger verseucht wurden. Ein
BIO-Saatgut-Betrieb wurde von den Behörden gesperrt. Unklar ist, ob noch EHEC-verseuchte Ware im
Handel ist. Es wird vor dem Verzehr jeglicher Sprossen gewarnt.
Sollte sich der Verdacht bestätigen, dann stellt sich die Frage, wie kam der neue so
furchtbar aggressive EHEC-Erreger auf die Sprossen. Was ist die Ursache für die Verseuchung?
(d-radio 5.6.2011 20.01 Uhr) |
| 5. Juni 2011 |
Uelzen liegt nur 40 km von Munster entfernt. Bei Munster in der Lüneburger Heide
da war doch was. Und es fällt einem ein: War da nicht ein
Institut der Bundeswehr, das sich
auch mit Abwehrfragen biologischer Kriegsführung beschäftigen soll [Ed-6.6.2011: das
WIS bei Wikipedia]. Wenn dort nun bei Experimenten mit Bakterien etwas entwichen ist,
dann . . . Journalisten sollten ganz schnell die Bundesregierung befragen, ob dort
in Munster mit E.coli-Bakterien (vom EHEC-Typ) experimentiert wurde bzw. wird. |
| 5. Juni 2011 |
EHEC lt. WHO: 2.231 bestätigte Infektionen, davon HUS: 630 Fälle (28 %), Tote: 22.
[Grafik zur EHEC-Epidemie] |
| 6. Juni 2011 |
Im aktuellen SPIEGEL (Seite 131) wird von
ultralangen Meldewegen bei der Seuchenbekämpfung berichtet. So soll das zuständige
Robert-Koch-Institut (RKI) vom ersten EHEC-Fall erst am 18. Mai erfahren haben. Der Patient war aber
bereits spätestens am 1. Mai erkrankt. Im Zeitalter von schnellem Internet dauerte es also rund 3
Wochen, bis die fachkompetente Behörde überhaupt etwas erfuhr. Übermittelt werden die
Meldungen per Papier und Briefpost auf dem Dienstweg vom Hausarzt oder Klinik zum lokalen Gesundheitsamt,
was sie ans zuständige Landesministerium weitergibt, das dann (vielleicht) das RKI informiert. Wie
sollen da schnell eine Seuchenentwicklung erkannt werden? |
| 6. Juni 2011 |
Auch wenn es noch keine Bestätigung fürs EHEC auf den BIO-Sprossen gibt, gibt es bereits 2
amtliche Erklärungen dafür, wie die Sprossen mit EHEC-Bakterien verseucht worden sein
könnten: Der EHEC-Erreger saß bereits auf dem auszukeimenden Saatgut. Oder das zum Befeuchten
verwendete Wasser war mit EHEC belastet. Wie und woher aber kamen diese ganz besonderen EHEC-Erreger ins
Wasser oder aufs Saatgut? |
| 6. Juni 2011 |
Die ersten Sprossen-Proben aus dem Saatgut-Betrieb im Kreis Uelzen sind frei von EHEC-Bakterien. Auch im
Wasser- und Saatgut (Rückstellproben?) konnten bislang keine Spur des EHEC-Erregers festgestellt
werden. Es sind aber noch nicht alle Proben untersucht. Dennoch hat sich ein Experten-Team der
Bundesbehörden RKI und BfR von Berlin auf den Weg nach Bienenbüttel (nördlich von Uelzen)
gemacht, um dort den Saatgut-Betrieb noch einmal ganz genau zu untersuchen. Aufgrund der von
Niedersachsen ermittelten Sprossen-Lieferwege kommt dieser Betrieb weiterhin als Ausgangspunkt der
EHEC-Epidemie in Betracht. Die Indizienkette sei sehr dicht, heißt es.
(d-radio 6.6.2011 17.06 Uhr)
[Kekulé-Kommentar] |
| 6. Juni 2011 |
EHEC lt. WHO: 2.325 bestätigte Infektionen, davon HUS: 642 Fälle (28 %), Tote: 23.
[Grafik zur EHEC-Epidemie] |
| 7. Juni 2011 |
Die Quelle der massiven EHEC-Infektionen wurde noch immer nicht gefunden. Die Test-Ergebnisse der
restlichen Sprossen- Proben aus Bienenbüttel wurden heute nicht mitgeteilt (Pressekonferenz
wurde abgesagt). Zumindest aus Hamburg (bislang Epizentrum der Epidemie) wird ein leichter Rückgang
der Zunahme von Neu-Infektionen mit EHEC gemeldet.
(d-radio 7.6.2011 17.08 Uhr) |
| 7. Juni 2011 |
EHEC lt. WHO: 2.648 bestätigte Infektionen, davon HUS: 689 Fälle (26 %), Tote: 25 (inkl. Ausland).
[Grafik zur EHEC-Epidemie] |
| 8. Juni 2011 |
5 Wochen nach Ausbruch der EHEC-Epidemie treffen sich in Berlin zum EHEC-Krisengipfel alle
deutschen Gesundheits- und Verbraucherschutz-Minister sowie der EU-Gesundheitskommissar Dalli, denn die
Quelle des hochgefährlichen EHEC-Erregers ist noch immer nicht aufgespürt. Bekannt wurde nur,
daß man jegliche Kritik am deutschen Krisen-Management entschieden zurückwies. |
| 8. Juni 2011 |
Die EU (Brüssel) will Gemüsebauern, die durch die EHEC-Krise Umsatzeinbußen erlitten
haben, mit 210 Mio. Euro per Dringlichkeitsmaßnahme unterstützen. Der Markt für Gurken,
Tomaten, Blattsalaten, Zucchini und Paprika ist praktisch zusammengebrochen, weil die meisten Verbraucher
deren Kauf verweigern. |
| 8. Juni 2011 |
Unterdessen haben die Behörden von Sachsen-Anhalt auf Gurkenresten in einem Magdeburger Haushalt,
deren 3 Mitglieder am 19. Mai an EHEC erkrankten, den aggressiven EHEC-Erreger E.coli-O104:H4
nachweisen können. Also doch Salatgurken!? Allerdings ist dieser erste Fund des in
Nord-Deutschland grassierenden Erregers auf einem Gemüse wenig aussagekräftig, da sich der
Gurkenrest bereits in einer BIO-Mülltonne befand. Ob daher diese Spur weiterhilft, ist fraglich.
(d-radio 8.6.2011 18.03 Uhr) |
| 8. Juni 2011 |
EHEC lt. WHO: 2.808 bestätigte Infektionen, davon HUS: 722 Fälle (26 %), Tote: 27 (inkl. Ausland).
[Grafik zur EHEC-Epidemie] |
| 10. Juni 2011 |
Am Vormittag wird die amtliche Warnung vor dem Verzehr roher Gurken, Tomaten und Blattsalaten
aufgehoben. Die Warnung vor dem Verzehr von rohen Sprossen bleibt hingegen bestehen. Alle
Ermittlungen weisen immer stärker daraufhin, daß der gefährliche EHEC- Erreger über
Sprossen vom BIO-Hof in Bienenbüttel verbreitet wurde. Viele der ausgehend von Erkrankten
rückverfolgten Lieferwege von Essens-Bestandteilen führten zu diesem Betrieb bei Uelzen in
Niedersachsen, der auch Gemüse-Sprossen produziert. In nebenstehender Grafik sind einige dieser
Ergebnisse der Detektiv- Arbeit dargestellt. Zudem waren in dem Betrieb 3 Mitarbeiter an EHEC erkrankt.
Ob sie sich dort infizierten oder erst durch ihre Erkrankung die Sprossen verseuchten, ist derzeit
unklar. Das Robert-Koch-Institut (RKI) konnte inzwischen 26 von 55 Erkrankungshäufungen
(EHEC-Cluster) auf den BIO-Hof in Bienenbüttel zurückführen. An den anderen Clustern wird
noch gearbeitet. |
| 10. Juni 2011 |
Es sind definitiv die Gemüse-Sprossen, die mit EHEC-EAEC verseucht die Epidemie
auslösten. Am Nachmittag wird bekannt, daß auf abgepackten BIO-Sprossen vom BIO-Hof in
Bienenbüttel erstmalig der Erreger E.coli-O104:H4 nachgewiesen werden konnte. Die
Sprossen-Packung wurde in einem Haushalt in Königswinter bei Bonn (Rhein-Sieg-Kreis in NRW)
gefunden. Die Fragen sind nun: Wie gelangten in Bienenbüttel diese besonders aggressiven
EHEC-Erreger auf die Gemüse-Sprossen? Gibt es derzeit noch weitere Lebensmittel, die mit dem
gefährlichen EHEC verseucht sind?
(info-radio 10.6.2011 17.42 Uhr) |
| 10. Juni 2011 |
EHEC lt. WHO: 3.147 bestätigte Infektionen, davon HUS: 773 Fälle (25 %), Tote: 35 (inkl. Ausland).
[Grafik zur EHEC-Epidemie] |
| 11. Juni 2011 |
In Baden-Württemberg sollen einige Neuerkrankungen an EHEC aufgetreten sein. Ob diese auch auf
Gemüsesprossen aus Bienenbüttel zurückzuführen sind, ist unklar. |
| 11. Juni 2011 |
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) bestätigt am Nachmittag in Berlin, daß die
in Königswinter gefundenen Sprossen vom BIO-Hof in Bienenbüttel das EHEC-Bakterium O104:H4
tragen. Dieses Labor-Ergebnis ist ein weiterer wichtiger Stein in der Beweiskette, daß rohe
Sprossen als wesentliche Quelle für die Ehec-Infektionen der letzten Wochen anzusehen
sind, sagte ein BfR-Sprecher. Die Frage nach der Herkunft der Erreger auf den Sprossen sei offen,
heißt es.
(d-radio 11.6.2011 17.06 Uhr)
[EHEC-Ausbrüche seit 1980] |
| 12. Juni 2011 |
Es wird befürchtet, daß über 100 an der
HUS-Komplikation erkrankte Patienten einen dauerhaften Nierenschaden erlitten haben.
Sie wären dann lebenslang auf die Dialyse (Blutwäsche) angewiesen oder auf die Implantation
eines Spenderorgans. |
| 13. Juni 2011 |
Es gibt nach RKI-Angaben erste Hinweise, daß das Saatgut, aus dem in Niedersachsen die
Gemüse-Sprossen gezogen wurde, mit dem EHEC-Erreger belastet war. Besonders verdächtigt werden
Sprossen von Brokkoli. Knoblauch und Bockshorn. Deshalb warnt das BfR nun auch davor, aus gekauftem
Saatgut selbst gezogene Sprossen roh zu verzehren. |
| 13. Juni 2011 |
In Bayern (Fürth) wurden auf einem Salatkopf (Lollo Rosso) EHEC-Erreger nachgewiesen. Ob
es sich dabei um den besonders gefährlichen Bakterien-Typ O104:H4 handelt, sei noch unklar,
heißt es. Produkte des Erzeugers wurden aus dem Handel genommen.
|
| 13. Juni 2011 |
EHEC lt. RKI: 3.235 bestätigte Infektionen, davon HUS: 782 Fälle (24 %), Tote: 36 (inkl. Ausland).
[Grafik zur EHEC-Epidemie] |
| 14. Juni 2011 |
In Hannover stirbt das erste Kind nach einer Infektion mit dem neuem EHEC-Bakterium. Bei dem
2-jährigen Jungen aus Celle hatte sich die HUS-Komplikation entwickelt. Er wird wohl kaum rohe
Sprossen gegessen haben. Aber andere Familienmitglieder waren auch an EHEC erkrankt, so daß eine
Übertragung Mensch zu Mensch zu vermuten ist. |
| 14. Juni 2011 |
Europas Bauern, die von der EHEC-Krise betroffen sind, werden von der EU insgesamt 210 Mio. Euro an
Schadensersatz für ihre Verluste erhalten. |
| 15. Juni 2011 |
Unklar ist noch immer, ob sämtliche schweren EHEC-Krankheitsverläufe auf (verseuchte)
Sprossen vom Bio-Hof in Bienenbüttel zugeordnet werden können. |
| 15. Juni 2011 |
EHEC lt. RKI: 3.304 bestätigte Infektionen, davon HUS: 786 Fälle (24 %), Tote: 39 (inkl. Ausland).
[Grafik zur EHEC-Epidemie] |
| 16. Juni 2011 |
Es wurde noch nicht bekannt, ob auf Sprossen-Samen gefährliche EHEC-Erreger gefunden worden
sind. |
| 16. Juni 2011 |
EHEC lt. RKI: 3.408 bestätigte Infektionen, davon HUS: 798 Fälle (23 %), Tote: 39 (inkl. Ausland).
[Grafik zur EHEC-Epidemie] |
| 17. Juni 2011 |
Die EHEC-Epidemie klingt ab, denn seit dem 10. Juni ist die täglich gemeldete Zahl von
Neu-Infektionen zurückgegangen. Das deutet daraufhin, daß das verseuchte
Lebensmittel vom Markt verschwunden ist bzw. die amtlichen Verzehrwarnungen genutzt haben.
[Grafik zur EHEC-Epidemie] |
| 17. Juni 2011 |
Sind demnächst auch auf Kartoffeln gefährliche EHEC-Erreger anzutreffen? Unmöglich ist das
nicht, wie das Beispiel in Frankfurt am Main zeigt. Dort wurde jetzt im Erlenbach eher zufällig der
gefährliche EHEC-Keim O104:H4 nachgewiesen. Die EHEC-Erreger könnten durch eine nahe
Kläranlage in den Bach gelangt sein. Das Wasser des Bachs wurde zur Bewässerung von Feldern
genutzt, darunter auch Kartoffelfelder, was inzwischen verboten wurde. Geklärt werden muß nun:
Sind die EHEC-Erreger im Bach bereits das Ergebnis der aktuellen Epidemie? Nach wiss. Erkenntnissen
können EHEC-Erkrankte die Keime noch bis zu einem Monat nach der Genesung ausscheiden.
(dapd 17.6.2011) |
| 17. Juni 2011 |
EHEC lt. RKI: 3.494 bestätigte Infektionen, davon HUS: 810 Fälle (23 %), Tote: 40 (inkl. Ausland).
[Grafik zur EHEC-Epidemie] |
| 18. Juni 2011 |
In Hessen konnte jetzt eine Übertragung des gefährlichen EHEC-Erregers O104:H4 vom Menschen auf
Lebensmittel nachgewiesen werden. In Uschlag (Kreis Göttingen) waren 20 von 65 Gästen einer
Familienfeier (28. Mai) an EHEC durch von einem Catering-Service aus Kaufungen (Kreis Kassel) gelieferte
Speisen erkrankt. Eine Service-Mitarbeiterin war Keim-Trägerin, ohne bis dahin selbst erkrankt zu
sein. Erst einige Tage später erkrankte sie selbst an EHEC/HUS. Woher die Keime kamen, ist unklar.
(dpa 17.6.2011) |
| 19. Juni 2011 |
Übrigens, die früher regelmäßige staatliche Gesundheits-Überprüfung des
Personals, das mit der Zubereitung oder dem Verkauf von Lebensmitteln (Speisen) zu tun hat, wurde schon
vor einiger Zeit aufgegeben. |
| 19. Juni 2011 |
In seiner wöchentlichen Radio-Kolumne Mahlzeit! weist der Lebensmittel-Experte Udo
Pollmer nochmals auf die Gefährlichkeit von
Rohkost hin nicht nur zu EHEC-Zeiten. Es gibt noch reichlich andere Keime wie Listerien,
Salmonellen, Staphylococcen, Hepatitis-A oder Noroviren, die schwere,
lebensbedrohende Erkrankungen hervorrufen können.
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| 20. Juni 2011 |
Wissenschaftler vermuten, daß die häufige Ausbildung der lebensbedrohenden
HUS-Komplikation bei den derzeitigen EHEC-Erkrankungen etwas mit einer genetischen
Veränderung im Erbgut der betroffenen Patienten zu tun haben muß. Ein bislang unbekannter
Gen-Defekt könnte durchaus eine Fehlsteuerung der Immunabwehr bewirken. Die Suche nach einer solchen
Gen-Anomalie hat begonnen.
(Spiegel 25/2011, Seite 111) |
| 20. Juni 2011 |
EHEC lt. RKI: 3.587 bestätigte Infektionen, davon HUS: 814 Fälle (23 %), Tote: 40 (inkl. Ausland).
[Grafik zur EHEC-Epidemie] |
| 21. Juni 2011 |
In weit über 1.000 Proben vom BIO-Hof in Bienenbüttel (Kreis Uelzen) wurden keine
EHEC-Erreger gefunden. Das läßt leichte Zweifel an der Sprossen-Theorie aufkommen. Aber es
könnte nur eine Sprossen-Charge gewesen sein, die mit EHEC verseucht gewesen war . . . |
| 22. Juni 2011 |
EHEC lt. RKI: 3.688 bestätigte Infektionen, davon HUS: 823 Fälle (22 %), Tote: 43 (inkl.
Ausland). Die Zahlen steigen noch immer.
[Grafik zur EHEC-Epidemie] |
| 23. Juni 2011 |
EHEC lt. WHO weltweit:
3.836 bestätigte Infektionen in 16 Ländern, davon HUS: 870 Fälle
(23 %), Tote: 45. |
| 24. Juni 2011 |
Auch in Frankreich ist es nach dem Verzehr von Sprossen zu mehreren EHEC-Erkrankungen durch den
gefährlichen Erreger-Typ O104:H4 gekommen. Die Sprossen sollen aber nicht aus Deutschland stammen.
In Frankreich wird eine britische Herkunft vermutet. Die Sprossen-Samen sollen von dem britischen
Saatgut-Händler Thomson & Morgan (Ipswich) stammen. Untersuchungen dazu sind im
Gange.
(rtr 25.6.2011)
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| 24. Juni 2011 |
EHEC lt. RKI: 3.801 bestätigte Infektionen, davon HUS: 834 Fälle (22 %), Tote: 48 (inkl.
Ausland). Die Zahlen steigen noch immer.
[Grafik zur EHEC-Epidemie] |
| 26. Juni 2011 |
Hygieniker weisen daraufhin, daß es in Deutschland bislang im Abwasserrecht [man glaubt es kaum]
keine Richtwerte für Keimbelastungen gibt. Befürchtet wird, daß sich der gefährliche
EHEC-Erreger E.coli O104:H4 durch die Ausscheidungen von Erkrankten, bereits Genesenen und
symptomlos EHEC-Infizierten in der Umwelt einnisten könnte und jederzeit eine neue Epidemie
auslösen könnte. |
| 27. Juni 2011 |
EHEC lt. RKI:
3.901 bestätigte Infektionen, davon HUS: 838 Fälle (21 %), Tote: 49 (inkl.
Ausland). Die Zahlen steigen noch immer.
[Grafik zur EHEC-Epidemie] |
| 29. Juni 2011 |
Womöglich waren es aus Ägypten importierte Bockshornklee-Samen, die mit den EHEC-Erregern verseucht waren und in Deutschland und
Frankreich die schweren Erkrankungen hervorriefen. Das vermutet jetzt die Europäische Behörde
für Lebensmittelsicherheit (EFSA) in Parma. Bewiesen sei das aber noch nicht, heißt es.
(d-radio 29.6.2011) |
| 30. Juni 2011 |
EHEC lt. RKI:
3.999 bestätigte Infektionen, davon HUS: 845 Fälle (21 %), Tote: 50 (inkl.
Ausland). Die Zahlen steigen noch immer (+33 Fälle pro Tag).
[Grafik zur EHEC-Epidemie] |
| 1. Juli 2011 |
Auch der BIO-Hof in Bienenbüttel bei Uelzen, der in Deutschland als Quelle verseuchter Sprossen
gilt, soll ägyptischen Bockshornklee- Samen über einen deutschen Zwischenhändler bezogen
haben. Bislang konnten aber nirgends EHEC-Erreger auf solchem Samen nachgewiesen werden. Und so gibt es
bislang für den Ursprung der EHEC-Epidemie durch E.coli O104:H4 nur eine
Indizienkette. |
| 3. Juli 2011 |
Wenn es uns gelingt, in Wiederkäuern die Zahl der EHEC-Bakterien zu reduzieren, dann ist
das eine Vorbeugemaßnahme für die Humangesundheit. Je mehr EHEC in Wiederkäuern
vorkommen, desto größer ist auch die Gefahr, daß sie irgendwann auf einen Menschen
treffen zum Beispiel über Lebensmittel oder über direkten Tier-Mensch-
Kontakt, sagte jetzt Prof. Lothar Wieler von der Deutschen Veterinärmedizinischen
Gesellschaft (DVG). Wie die Zahl der EHEC im Tierdarm reduziert werden könnte sei aber derzeit
wissenschaftlich heftig umstritten. Es stellt sich die Frage: Warum wurde das bislang nicht intensiv
erforscht? |
| 4. Juli 2011 |
EHEC lt. RKI:
4.086 bestätigte Infektionen, davon HUS: 851 Fälle (21 %), Tote: 51 (inkl.
Ausland). Die Zahlen steigen noch immer (+22 Fälle pro Tag).
[Grafik zur EHEC-Epidemie] |
| 5. Juli 2011 |
Das Robert-Koch-Institut (RKI, Berlin) veröffentlicht einen
Sachstandsbericht (Stand: 30.6.2011). |
| 5. Juli 2011 |
Die EU verhängt ein Import-Verbot für bestimmte Samen aus Ägypten, darunter auch
für den hochverdächtigen Bockshornklee- Samen. Das Import-Verbot gilt zunächst bis Ende
Oktober 2011. Außerdem muß EU-weit der seit 2009 von einem ägyptischen Exporteur
gelieferte Bockshornklee- Samen sofort vom Markt genommen und vernichtet werden.
(d-radio 5.7.2011)
[EFSA-Bericht] |
| 6. Juli 2011 |
Der Ursprung der EHEC/HUS-Erkrankungen gilt als aufgeklärt. Allerdings ist nach wie vor
unklar, wann und wo das Bockshornklee- Saatgut aus Ägypten mit Fäkalien von Menschen oder
Tieren verunreinigt wurde. Möglicherweise war es schon bei seiner Ankunft in Europa kontaminiert.
Auch konnte bislang noch kein EHEC-Erreger auf Samen-Proben labormäßig nachgewiesen werden.
Aber alle epidemiologischen Erkenntnisse (u. a. aus Verzehr- Befragungen und Aufklärung der
Vertriebswege) sprechen dafür, daß es mit EHEC-Bakterien verseuchter Bockshornklee-Samen
war. |
| 7. Juli 2011 |
EHEC lt. RKI:
4.190 bestätigte Infektionen, davon HUS: 858 Fälle (20 %), Tote: 53 (inkl.
Ausland). Die Infektions-Zahl steigt noch immer (+35 Fälle pro Tag).
[Grafik zur EHEC-Epidemie] |
| 8. Juli 2011 |
Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat angeordnet, daß alle
Wirkstoffe und Arzneimittel, die aus zwischen 2009 und 2011 eingeführten ägyptischen
Bockshornklee-Samen hergestellt worden sind, sofort vom Markt genommen werden müssen.
Bockshornklee-Samen ist beispielsweise in manchen pflanzlichen Magen-Darm-Mitteln enthalten.
(d-funk 8.7.2011) |
| 8. Juli 2011 |
Im Wasser einer Kläranlage bei Gütersloh wurde der aggressive EHEC-Erreger vom Typ
E.coli O104:H4 nachgewiesen. Hygieniker vermuten, daß sich solche Meldungen künftig
häufen werden. |
| 15. Juli 2011 |
Bislang galt Trinkwasser in Deutschland als EHEC-sicher. Nun sind aber im Trinkwasser einiger Orte
Brandenburgs Coli-Bakterien (Fäkal-Keime, noch keine EHEC) nachgewiesen worden. Das Wasser muß
also mit Exkrementen in Kontakt gekommen sein. Betroffen sind derzeit Babelsberg (bei Potsdam) sowie
einige Orte in den Landkreisen Barnim und Oder-Spree. Dort muß das Trinkwasser vor dem Verbrauch
unbedingt 3 Minuten lang abgekocht werden. |
| 15. Juli 2011 |
EHEC lt. RKI:
4.335 bestätigte Infektionen, davon HUS: 859 Fälle (20 %), Tote: 50 (inkl. 2 im Ausland, RKI
hat Zahl um 3 nach unten korrigiert). Die Infektions-Zahl steigt noch immer leicht an (+20 Fälle pro
Tag).
[Grafik zur EHEC-Epidemie] |
| 21. Juli 2011 |
Die amtliche Verzehrwarnung für rohe Gemüse- Sprossen wird aufgehoben. Nur auf Sprossen aus
Bockshornklee-Samen sollte auch weiterhin verzichtet werden. |
| 24. Juli 2011 |
Die EHEC-Epidemie gilt als abgeschlossen. Der zuletzt beobachtete Krankheitsausbruch bei einem Patienten
erfolgte nach Angabe des RKI am 4. Juli 2011. Leider gelang es nicht die EHEC-Quelle zweifelsfrei
aufzuklären. Allerdings spricht vieles dafür, daß aus Ägypten importierter
Bockshornklee-Samen, der zu
Sprossen verarbeitet wurde, mit dem EHEC-Erreger E.coli O104:H4 verseucht war.
[31.7.2011: Bilanz der FAZ] |
| 26. Juli 2011 |
EHEC lt. RKI-Schlußbilanz mit korrigierten Zahlen:
4.321 bestätigte Infektionen, davon HUS: 852 Fälle (20 %), Tote: 52 (inkl. 2 im Ausland).
[Grafik zur EHEC-Epidemie 2011]
[Wikipedia: HUS-Epidemie 2011] |
| 9. August 2011 |
Die EU zieht weitere Konsequenzen aus der EHEC-Krise: 2,1 Millionen Euro werden zusätzlich in die
Erforschung des aggressiven Erregers investiert. Wissenschaftler aus mehreren europäischen
Ländern soll herausfinden, wie sich EHEC und andere gefährliche Keime besser bekämpfen
lassen, um so weitere Epidemien verhindern zu können. Insgesamt ist das neue Forschungsprogramm
unter dem Namen Antigone mit 12 Millionen Euro ausgestattet [Ed: hm, das wird wohl kaum
reichen]. |
| 9. September 2011 |
EHEC lt. RKI-Abschluß-Bericht mit nochmals korrigierten Zahlen:
3.842 EHEC-Infektionen von Mitte Mai bis Mitte Juni 2011, davon HUS: 855 Fälle (22 %), Tote: 57
(inkl. 2 im Ausland).
[Kekulé-Kommentar dazu]
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