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Die aktuelle Information:
Miserabler Verbraucherschutz
Defizite in der Gesetzgebung attestiert / Rot-Grün hat bislang kläglich
versagt / Grüne sollen endlich handeln
BERLIN 2.12.2003 (khd/pm).
Der Verbraucherschutz ist in Deutschland wohlwollend ausgedrückt
lediglich mittelmäßig. Das ergab jetzt eine
britische Studie,
die der Bundesverband der Verbraucherzentralen (VZBV) heute in Berlin vorstellte. Verglichen mit anderen Ländern
sei es hierzulande für Verbraucher beispielsweise besonders teuer und aufwendig,
Ansprüche gegen Firmen durchzusetzen. Die britischen Autoren stellen in ihrer
Untersuchung fest: Firmen müssen in Deutschland kaum befürchten, bei
Verstößen gegen Verbraucherschutzgesetze vor Gericht belangt zu werden.
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Wenn die Industrie anruft, springen alle gleich.
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Edda Müller (61), oberste dt. Verbraucherschützerin
(VZBV), im
"Tagesspiegel" vom 5.12.2003.
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In Deutschland ist es zudem rechtens, wenn völlig unbescholtene Bürger
urplötzlich eine Abmahnung eines (Abzock-) Anwalts erhalten kostenpflichtig
(durchaus bis zu 1000 Euro), nur weil sie auf ihrer privaten Internet- Homepage
einen verzeihlichen Fehler i. S. des Markenrechts o. ä. begangen haben
[khd-Page berichtete]. Es hätte
doch ein freundlicher Hinweis ausgereicht, um den Mangel abzustellen. Natürlich
hätte der Gesetzgeber um 1994 solche kostenpflichtigen Abmahnungen auf den
Kreis der Voll- Kaufleute (HGB) beschränken müssen. Obwohl Rot-Grün nun
bereits 5 Jahre regiert, haben sie diesen Unsinn noch immer nicht korrigiert,
sagen regelrecht abgezockte Betroffene.
Im Januar hatte Thilo Bode von der unabhängigen Verbraucherschutz- Organisation
FoodWatch angesichts der sich
häufenden Lebensmittel- Skandale
bereits konstatiert:
Wenn die Politik nicht endlich damit anfängt, die Strukturen und rechtlichen
Grundlagen zu ändern [Ed: und sinnvolle Vorschläge
dafür liegen seit 1989 (!) auf dem Tisch], wird es mit den Skandalen
weitergehen. Aber die rot-grüne Regierung kneift. Sie kneift vor dem Bauernverband
und der Macht des Agro- Business, namentlich Raiffeisen [Ed: quasi ein Staat im Staat]. Sie drückt
sich davor, Gesetze zu erlassen, die die Vergiftung von Futtermitteln und Lebensmitteln
als strafbare Handlungen ächten, und nicht mehr als Ordnungswidrigkeit durchgehen
lassen.
Von allen Verbraucherschützern wird der Bundesregierung vorgeworfen, dem Schutz
der Konsumenten eine viel zu geringe Priorität beizumessen obwohl es
dafür seit Januar 2001 eigens ein Bundesministerium gebe. Insbesondere die Grünen haben
obwohl überreichlicher Handlungsbedarf besteht das Aufarbeiten der vielen
Versäumnisse der Kohl- Regierung beim Verbraucherschutz sträflich
vernachlässigt, wie unlängst der
Humana- Skandal mit toten Babys deutlich machte. Die Grünen haben sich
bislang als unfähig erwiesen, ernsthaft den Verbraucherschutz im Sinne
alter Forderungen
voranzutreiben, sagen die Kritiker. Und von enttäuschten Grünen-
Wählern ist dieser Tage bereits zu hören: Sollten sie eine Blockade
ihrer Gesetzesvorstöße (wo sind sie?) in Sachen Verbraucherschutz durch den
Koalitionspartner SPD befürchten, dann sollten sie uns das klar und deutlich sagen
und allerschleunigst die Koalition verlassen. Der Verbraucherschutz gehöre
wie die Atomenergie- Frage nun einmal zu den grünen Essentials,
heißt es.
[00.09.1989:
Forderungen an eine verbraucherorientierte Lebensmittelüberwachung]
[29.09.2000:
Markenrecht über alles?]
[16.01.2003: Thilo Bode: Das Huhn, das Ei und das Nitrofen]
[02.12.2003:
Verbraucher-Pisa: Konsumentenschutz in Deutschland nur Mittelmaß]
Geheimer Verbraucherschutz
5.12.2003 (khd). Zudem hat
FoodWatch unlängst nachgeschaut, wie das mit dem Verbraucherschutz im Parlament
aussieht: Die Zusammensetzung des Ausschusses für Verbraucherschutz, Ernährung
und Landwirtschaft im Deutschen
Bundestag läßt sehr massive Zweifel an einer ausgewogenen Zusammensetzung
aufkommen. Er sei in der Mehrheit durch Abgeordnete besetzt, die gleichzeitig in
Entscheidungsgremien von landwirtschaftlichen Verbänden oder
Raiffeisen- Genossenschaften
sowie Landwirte oder Angehörige der IG Bergbau und Chemie sind. Diese stehen sicher
der Erzeugerseite näher als der Verbraucherseite.
Was dann aber noch mehr verblüfft, ist die Tatsache, daß dieser
Verbraucherauschuß meist hinter verschlossenen Türen
tagt in nicht- öffentlichen Sitzungen. Was nur haben diese Volksvertreter vor
dem Volk in Sachen Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft zu
verbergen?
Bahnchef Mehdorn droht:
Aus für Berliner S-Bahn!
Noch immer Streit ums Geld mit dem Senat / Bahnchef: Ab 14. Dezember
stehen alle Züge still!
BERLIN 30.11.2003
(khd/bz).
Mit diesem Titel macht heute die Berliner B.Z. am Sonntag auf. Denn der Berliner Senat hat noch immer
nicht seine Schulden bei der S-Bahn bezahlt [khd-Page berichtete] oder eine solide Gegen(kosten)rechnung aufgemacht
zum Beispiel öffentlich im Internet...

Moderner Wagen der Berliner S-Bahn. Werden sie demnächst durch silberne Züge
der Firma Connex ersetzt?
Für den S-Bahn- Ring hat sich Connex schon beworben.
Nun steht seit gestern die Drohung des Bahnchefs Hartmut Mehdorn im Raum. Er will das
Tochterunternehmen Berliner
S-Bahn zum Fahrplanwechsel am 14. Dezember stillegen, wenn Berlins Regierung nicht
endlich für den laufenden Betrieb voll bezahlt. Weil permanente Ebbe in Berlins
Haushaltskasse herrscht und man gerade deswegen vor dem Bundesverfassungsgericht gegen den
Bund klagt, hat Verkehrssenator Peter Strieder (SPD) mit Unterstützung des
Finanzsenators Thilo Sarrazin (SPD) seit Juni 2003 den ursprünglich vereinbarten
Monatspreis um 5,5 Mio. Euro gekürzt. Aufgelaufen sind bislang ausstehende Zahlungen
in Höhe von 38,5 Mio. Euro.
Es stelle sich die Frage, ob der Berliner Senat wg. seiner
Finanzlage überhaupt
noch geschäftsfähig sei. Gebe es bis Mitte Dezember keine
vertragliche Regelung, dann sei die Bahn ohne Auftrag und könne
den Betrieb der [mit viel Geld seit 1990] modernisierten S-Bahn nicht garantieren, sagte
Mehdorn der Bahngewerkschaft TransNet. In SPD- Kreisen soll man bereits ohne
Rücksicht auf volkswirtschaftliche Kosten auf der Suche nach einem
alternativen Betreiber sein.
2.12.2003 (khd/info-radio). Es war wohl doch
nur ein Schreckgespenst Verhandlungs- Wortgeklingel im Endstadium. Oder hatte
Berlins Regierung doch noch Schiß vorm in der Region größten Arbeitgeber
Bahn bekommen? Jedenfalls
trafen sich heute Bahnchef Hartmut Mehdorn und Berlins Chef Klaus Wowereit
(Sparen bis es quietsch!), um den Streit zu klären.
Der seit 23 Monaten bestehende vertragslose Zustand solle nun schnellsten beendet werden.
Ein neuer Verkehrsvertrag werde mit einer Laufzeit von 15 Jahren abgeschlossen. Das
Land Berlin werde pro Jahr rund 26 Mio. Euro weniger bezahlen müssen, ohne daß
das Angebot eingeschränkt werde, heißt es. Geklärt werden muß nun
nur noch die Abrechnung der vertragslosen Zeit wg. des Streits um den zu zahlenden
Trassenpreis. Und warum brauchte man dafür 2 Jahre, fragen sich nicht nur die
Berliner. [mehr]
Maut-Mängelliste immer länger
Statt 86 Problemen behindern nun schon 140 Fehler den Start der Lkw-Maut
BERLIN 29.11.2003
(khd/tsp).
Bei der Behebung der vielen Fehler des Maut-Systems [khd-Page
berichtete] kommen Toll-Collect und
das Bundesverkehrsministerium nicht voran. Denn die abzuarbeitende Liste technischer
Fehler wird immer länger. Waren es zunächst nur 86, umfaßt die To-do- Liste
mittlerweile bereits 140 Fehler. Das meldet heute der Berliner
Tagesspiegel aufgrund
von Infos von damit befassten Bundes- Politikern.
Durch die Verzögerung des Starts der Erhebung der Lkw-Maut entgehen dem Staat
monatlich rund 160 Mio. Euro. Deshalb sollen jetzt geplante Verkehrsprojekt gestrichen
werden. Und die Zweifel, ob das System von Toll-Collect überhaupt in absehbarer Zeit
funktionieren werde, wachsen. Denn inzwischen habe man im Ministerium durchaus entdeckt, daß der Toll-Collect- Partner
Telekom noch nie aus eigener Kraft komplexe, innovative Dinge zustande gebracht
habe, heißt es hinter vorgehaltener Hand.
[17.07.2002:
Bund entscheidet sich für HighTech-Maut]
[16.10.2003:
Mit HighTech-Maut ins Chaos Deutsche Industrie blamiert sich bis auf die Knochen]
[27.11.2003:
Murks in Germany Von Mautpleite, ICE-Pannen und anderem Pfusch]
BVG zockt ab
Schon wieder neue Tarifpläne / Sollen Stammkunden marode BVG sanieren? /
Kostenberechnungen nicht publiziert
BERLIN 24.11.2003 (khd). Bereits zum
1. April 2004 planen BVG und
S-Bahn die nächste
Tarifanpassung. Die letzte Preiserhöhung gab es erst zum 1. August. Die neuen
Tarifpläne seien derzeit in der Abstimmung mit Verkehrssenator Peter Strieder (SPD),
berichtete der Tagesspiegel.
Danach soll u. a. der Einzelfahrschein statt bisher 2,20 Euro zwar nur noch 2,00 Euro
kosten, aber es entfällt künftig die 2-Stunden- Gültigkeit für
beliebig viele Fahrten (auch der Rückfahrt). Der Einzelfahrschein gilt dann nur noch
für eine direkte Fahrt zum Ziel ohne Umwege. Damit verteuert sich allein das
Fahren zu einem Ziel und zurück um 81 % bei einem Zwischenziel um 173 % und
bei zwei Zwischenstopps sogar um 264 % (8,00 Euro). Viele Nutzer werden künftig beim
Fahren zum Einkaufen viel mehr bezahlen und bei Kontrollen dann noch (halbgebildeten) Privat-
Kontrolleuren beweisen müssen, daß sie sich gerade auf dem kürzesten Weg
zum Ziel befänden.
Die Monatskarte vom Typ AB wird von 58,50 auf 64,00 Euro um 9,4 % verteuert. Was
künftig die übertragbare Jahresnetzkarte eingeführt im Oktober 1989
als Umweltkarte kosten wird, ist derzeit noch nicht bekannt. Allerdings
hatten bereits BVG und Senat hier in den letzten Jahren sehr kräftig zugelangt, wie
die Darstellung des Preis- Anstiegs seit 1989 im Vergleich zum
amtlichen Verbraucher-
Preisindex (Gesamtlebenshaltung Berlin umgerechnet auf Basis Nov.1989) deutlich macht. Die
Grafik kann durch Anklicken vergrößert werden.
Aus der Grafik geht hervor, daß die Stammkunden bereits seit 1994 mit steigender
Tendenz abgezockt wurden. Im Jahr 2000 war bereits das Preisniveau (blaue Linie mit 970,00
DM/a = 495,95 Euro/a) von vor der Einführung der verbilligten Umweltkarte
wieder erreicht. Offensichtlich sollen die treuen Stammkunden die marode BVG (rund 1 Mrd.
Euro Schulden) sanieren, heißt es in Experten- Kreisen. Der Umweltaspekt mit dem
Wechsel vom Auto auf Bus und Bahn spiele politisch schon längst keine Rolle mehr.
Schließlich regiere ja nun Rot-Rot, heißt es. Weder die Kosten- noch die
Simulations- Berechnungen, mit denen die BVG die Tarifänderungen begründet, hat
bislang die Berliner Verkehrsgesellschaft (BVG) im Internet veröffentlicht. Nun wird gerätselt: Sollten
darin massive Ungereimtheiten enthalten sein?
Murks Mail Service
MMS-Promotion / Vodafone lockt auf eigene MMS-Webseite und
muß noch viel üben
BERLIN 22.11.2003 (khd). Um das MMS (Multimedia Messaging Service) zu fördern, veranstaltet
Vodafone zusammen mit Coca-
Cola derzeit eine Promotion Magic Christmas! Hol dir den
Weihnachtstruck nach Hause. Denn MMS ist noch immer ziemlich teuer und so
reüssiert dieser Bild- und Minivideo- Service noch nicht beim Publikum. Per SMS soll
man dazu einen Flaschencode (steht auf den Cola- Flaschen) zusammen mit der Angabe des
eigenen Handy- Modells an 9999 senden. Als Belohnung wird ein (schönes)
Logo, Bildmitteilung oder ein (kluger) SMS- Spruch versprochen.
Soweit die Theorie, denn die Praxis sieht total anders aus: Auf die SMS antwortet das
Vodafone- Team prompt per SMS: Sie haben eine MMS erhalten. Diese können
Sie innerhalb von 48 Std im Internet unter
http://www.vodafone.de/mms mit dem Passwort 9irwj abrufen.... Hm, sagt sich
da der erfahrene Handy-Nutzer, mein Handy kann doch MMS empfangen, anzeigen und
speichern... Warum locken die mich ins Internet? Das kostet ja noch mal Geld. Geht es den
Providern so schlecht und sollen diese jetzt auch noch etwas verdienen?
Vielleicht aber auch, um zu erfahren, daß das alles noch nicht so recht klappt. Denn
nach Eingabe von Telefonnummer und Paßwort auf der MMS-Seite war die eingegangene
MMS weder zum Anzeigen noch per Button zum Abspielen zu bewegen. Dafür wurde
angeboten, doch die MMS als E-Mail weiterzuleiten. Aha, sagt sich da der erfahrene Handy-
und Internet-Nutzer, die Leute von Vodafone denken mit. Sie wollen gleich mal zeigen, was
Multimedia auch heißen kann: Handy,
SMS,
MMS, Internet, E-Mail usw.
Aber aus dem MMS, d. h. farbige Bilder, Videos und Animation, wie es auf der
MMS- Seite von Vodafone heißt, wurde auch per E-Mail nichts. Denn die zu Hause
eingegangene Weiterleit- Mail enthielt nur ein MIME- Attachment von 0,5 kByte (genau 563 Byte) und darin war:
<smil>
<head>
<meta name="title" content="Magic Christmas" />
<layout >
<root-layout height="160" width="240" background-color="#FFFFFF" />
<region id="full" width="100%" height="80%" left="0%" top="0%"/>
<region id="Text" width="100%" height="50%" left="0%" top="0%"/>
<region id="Image" width="100%" height="50%" left="0%" top="50%"/>
</layout>
</head>
<body>
<par dur="6000ms">
<img region="full" src="cid:0000" />
</par>
<par dur="4000ms">
<text region="full" src="cid:0001" >
<param name="foreground-color" value="#000000"/>
</text>
</par>
</body>
</smil> |
Ein Wrapper. Die Bilder oder Animationen cid:0000 und cid:0001 hatte
Vodafone nicht eingepackt und
mitgeschickt. Oder sie sind auf dem Transportweg irgendwie verlorengegangen. Und was sagt
sich da ein erfahrener Nutzer von Computer, E-Mail, Internet und Handy? Ist schon ein
richtiger Murks- Mail- Service dieses MMS. Und wie wird das nun wohl erst beim
UMTS aussehen?
Der Dank geht aber an Coca- Cola,
die solche MMS- Aufklärung erst möglich machten.
24.11.2003 (khd). Hm, vielleicht hat ja das mit der Mail daran gelegen, daß
ich mich nicht mit einem PC sondern mit einem Macintosh- Computer Vodafones MMS-Seite
näherte... Aber warum schicken diese D2-Schlaumeier die Antwort-MMS nicht gleich auf
direktem Weg aufs Handy wo's hingehört? Inzwischen hat mir ein netter Mensch
das angekündigte Cola-Bild (cid:0000) zugemailt mit echter Mail.
Danke!
10 Jahre Medien-Listen
Eine Erinnerung an das Jahr 1993
BERLIN 16.11.2003 (khd).
Das Jahr 1993 war in Sachen Internet ein aufregendes Jahr. In rascher Folge wurden
auf FTP-Servern immer wieder neue
Beta-Versionen eines Browser-Programms für das Internet zum Download freigegeben. Es
gipfelte dann darin: Am 10. November wurde der erste (richtige) Internet- Browser der
Öffentlichkeit zur freien Nutzung präsentiert. Es war das berühmte
NCSA Mosaic (Version 1.0.0), das vom National Center for
Supercomputing Applications (NCSA) der University of Illinois unter
Marc Andreessen und Eric
Bina gleich für 3 Computer- Plattformen (X-Windows/Unix, Windows-PC, MacOS) seit
1992 entwickelt wurde. Und damit begann vor 10 Jahren der Boom des Internets.

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Reprints alter wdv-notes aus dem Jahr 1993
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Diese werden hier im Dezember 2003 im layoutgetreuen PDF- Format nochmals publiziert.
[Links] |
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Mit der benutzerfreundlichen Bedienung des neuen Browser- Programms und dem World Wide Web
(WWW), mußte einfach der
Durchbruch gelingen. Das war für Computer-Profis mit Durchblick, die wir damals dabei
waren, vollkommen klar. Und jeder trug dann sein Scherflein zum Gelingen bei. In meiner
Merkblatt- Serie »wdv-notes« publizierte ich am 16. November 1993 vor 10
Jahren unter der Nr. 252 die 1. Edition einer kurzen Beschreibung des Mosaic-
Browsers. Darin heißt es: Ein kleines Software- Paket beginnt die Welt zu
verändern. Es heißt
Mosaic [1. Mac-Kit], und es ist eigentlich nur ein elektronischer
Karteikasten, allerdings gut gefüllt mit vielfältigen Informationen, Programmen
und Dateien. An sich wäre das noch nichts Besonderes, nur der Karteikasten ist das
Internet das den Globus umspannende Computernetz ...
Damals galt in der (Internet-) Netzgemeinde noch der gute Grundsatz: Wer die Ressourcen im
weltweiten Netz nutzt, der sollte auch etwas ins Netz zurückgeben kostenlos!
Und so begann ich damals in meiner Freizeit auch mit dem Recherchieren einer Liste der
deutschen Medien (Zeitungen, Zeitschriften usw.), die bereits im Internet präsent
waren. Denn so etwas gab es in Deutschland noch nicht. Der Umfang war zunächst sehr
bescheiden, und die Liste enthielt auch in den ersten Jahren noch sehr viele Lücken.
Denn nicht nur Deutschlands Politiker auch Deutschlands Informations- Vermittler
Nr. 1 hatten doch das Internet glatt verschlafen [Ed: auch noch heute tun sich
manche schwer damit]. Das sei doch
bloß so eine Spielerei für Wissenschaftler, war damals in Journalisten-
Kreisen eine weit verbreitete Meinung. Die Frankfurter Allgemeinen Zeitung
(FAZ) ging sogar als letzte deutsche
Tageszeitung erst Mitte Januar 2001 online.
Später erweiterte ich diese Liste auf alle europäischen Medien. Dafür
gab es im Oktober 1997 den Pan European Award. Unter European Media stehen diese 6
Listen noch heute im Netz. Nun allerdings in den USA, da hierzulande das Webhosting noch
immer viel zu teuer ist und die wahren Kosten wg. nutzerfeindlicher Volumentarife
völlig unkalkulierbar sind. Seit 1993 sind bislang 280 Editionen der Medien- Listen
recherchiert und erschienen. Sie umfassen jetzt über 1900 Links zu Europas Medien
sowie rund 1100 Links zu Deutschlands Medien, insgesamt also (ohne die zahlreichen E-Mail-
Verweise) über 3000 Medien-Links.
Und wenn dieser Tage ein Journalist über den Nutzen des Internets bei der
Aufklärung der Affäre um den CDU-Rechtsaußen Hohmann
schreibt: Doch
vieles, was einst tagelanges Archivstudium forderte oder mühsames Bohren in anonymen
Quellen, landet heute mit 3, 4 Mausklicks auf dem Tisch. Das WWW hat die Affäre so
mächtig beschleunigt, dann wissen wir, das Netz ist nun auch bei der
schreibenden Zunft angekommen. Wohl aber noch nicht bei manchen Zeitungsmachern. Sonst
würden sie nicht so häufig ihre Adressen und Pfade ändern sowie das Linken
durch Maut-Häuschen zu Artikeln künstlich erschweren.
[10 Jahre Mosaic]
[Chronik der Telekommunikation]
Humana schuld am Tod von Babys
Muttermilch-Ersatz enthielt nur Spuren des lebensnotwendigen Vitamins B1 /
Totales Versagen der Qualitätskontrollen
HERFORD/TEL AVIV 11.11.2003
(khd/info-radio).
Drei Babys mußten seit Juni in Israel mit Gehirnschädigungen sterben weil beim
deutschen Baby- Nahrungshersteller Humana
Milchunion GmbH in Herford der mit
Wir schaffen
Lebensqualität wirbt alle Qualitätskontrollen total
versagt haben. Auch der staatlichen
Lebensmittelkontrolle hierzulande und in Israel war bislang nichts aufgefallen. In
Israel sind 20 weitere Säuglinge schwer erkrankt mit Symptomen wie Erbrechen,
Durchfall, Krämpfen und extremer Unruhe typisch für einen Vitamin- Mangel.
Als Ursache der (zunächst) mysteriösen Erkrankungen wurde inzwischen der von
Humana produzierte Muttermilch- Ersatz Remedia Super Soya 1
ermittelt, der nur für den israelischen Markt hergestellt wird. Diese
koschere, vegetarische Säuglingsmilch auf Soja- Basis wird in Israel von der Heinz-
Tochter Remedia vertrieben. Sie enthielt nach einer im Frühjahr erfolgten Rezeptur-
Umstellung statt 385 µg Vitamin B1 pro 100 g Fertigmilch nur 2937 µg Vitamin B1
also nur 1/10, was bei den Babys zu den Mangelerscheinungen und Schädigungen
des Zentralnervensystems führte. Das Vitamin B1 (Thiamin) wird u. a. zum Aufbau
von Nervenzellen benötigt.
Noch gestern hatte die Firma Humana den Vorwurf der israelischen Behörden
zurückgewiesen, daß die Erkrankungen auf einer Unterversorgung mit dem Vitamin
B1 beruhen könnten. Heute hingegen räumte Humana ein, daß durch menschliches
Versagen (
falsche Berechnungen) die Zugabe von künstlichem Vitamin B1 bei der Herstellung der
Soja- Milch falsch bemessen worden sei, so daß das Fertigprodukt nur 1/10 der
erforderlichen Menge an Vitamin B1 enthalte. Die in Deutschland vertriebenen sojahaltigen
Produkte Humana SL milchfreie Flaschennahrung und Humana SL
Brei seien aber nicht betroffen, hieß es auf einer Pressekonferenz.
Die Baby-Nahrungshersteller Nestlé (Alete, Beba) und Hipp schlossen heute ähnliche Vorfälle für ihre
Produkte aus. Beide Hersteller produzieren keine Säuglingsmilch auf Soja-Basis. Die
Nestlé- Qualitätssicherung garantiere bei allen Baby- Produkten durch
Kontrollen jeder Charge die richtige Zusammensetzung. Zusätzlich würden
die Produkte durch unabhängige Institute überprüft, hieß es bei
Nestlé. Hipp wies daraufhin, daß alle Produkte sehr streng geprüft
würden. [mehr]
[SPIEGEL-Online am 10.11.2003:
Mysteriöse Todesfälle in Israel]
[Humana Pressemitteilung vom 10.11.2003]
[Humana Pressemitteilung vom 11.11.2003]
Humana Aus Liebe zum Kind?
12.11.2003 (khd). Die Babys könnten noch alle leben, hätten sich die
Humana- Manager an ihren eigenen Werbespruch Humana Aus Liebe zum Kind
gehalten und jede Charge der Soja-Milch auf ihre korrekte Zusammensetzung hin
überprüft und überprüfen lassen. Die Babys könnten auch noch
leben, hätten amtliche Lebensmittel- Kontrolleure (auch in Israel) rechtzeitig
ihren Job gemacht...
Es macht regelrecht wütend, daß offensichtlich der Muttermilch- Ersatz auf dem
Weg vom Hersteller Humana zum israelischen Verbraucher mehrfache Kontrollen durchlief bzw.
durchlaufen sollte (Humana- Qualitätssicherung, externer Check durch unabhängiges
Institut, Wareneingangskontrolle bei der Remedia in Israel), der eklatante B1-Fehler in
der Rezeptur aber weder in Deutschland noch in Israel erkannt wurde.
Nun ist er eingetreten, der Super-GAU bei den Baby- Nahrungsproduzenten. Und wir dachten
doch immer, daß in dieser Branche der Nahrungsindustrie besonders sorgfältig
gearbeitet und aufwendig kontrolliert wird. Wir wissen jetzt, daß das nicht so ist.
Und wir werden vielen Werbe- Versprechen nicht mehr trauen.
Dieser Humana-Skandal zeigt erneut,
daß der (liberalisierte) Markt eben nicht alles
regeln kann, wie uns das Promoter der Globalisierung immer wieder weismachen wollen
(hallo, Herr Westerwelle) es sei denn auf grausame Weise. Damit uns das
künftig erspart bleibt, muß der Staat in allen gesundheitsrelevanten Bereichen
der gewerblichen Wirtschaft massiv regulieren und vor allem endlich die Nahrungsmittel-
Industrie rigoros und unangemeldet kontrollieren. Ja, es gibt dringenden Handlungsbedarf,
Frau Künast.
12.11.2003 (info-radio).
Heute begann die Staatsanwaltschaft Bielefeld mit den Ermittlungen gegen Mitarbeiter der
Humana Milchunion GmbH wg. fahrlässiger Tötung sowie Verstoßes gegen das
Lebensmittelgesetz. Das Verfahren sei von Amts wegen eingeleitet gegen die Leiterin der
Produkt- Entwicklung, gegen die Leitung des Qualitäts- Managements und gegen den
Chemiker im Labor, hieß es. Humana hat 27 Tonnen fehlerhaften Muttermilch- Ersatz
nach Israel geliefert.
13.11.2003 (info-radio).
Inzwischen haben einige Länder (darunter Rußland) den Import aller Produkte der
Firma Humana gestoppt. Man könne derzeit den Angaben des deutschen Baby-
Nahrungsherstellers nicht trauen und müsse erst eigene Analysen der
Produkte vornehmen, heißt es aus Rußland, das auf den Import von
Säuglingsmilch angewiesen ist. Israels Behörden haben die Zahlen nach unten
korrigiert. Danach sind 2 Säuglinge gestorben sowie 15 weitere Babys
erkrankt. [mehr]
[Kinderärzte fordern strengere Prüfung von Säuglingsnahrung]
[Humana Pressemitteilung vom 17.11.2003]
Mehr Rechte für Online-Käufer
EU will nun Nägel mit Köpfen machen
BRÜSSEL 7.11.2003
(khd/sz).
Was die Bundesregierungen bislang nie schafften, will jetzt die
EU-Kommission anpacken: Sie
will endlich Bank- und Online- Kunden in ihren Rechten stärken. Das geht aus einem
internen Papier von EU-Binnenmarkt- Kommissar Frits Bolkestein hevor, wie die
Süddeutsche Zeitung berichtet.
Geplante Änderungen: Kredit- und EC-Karten- Besitzer sollen bei Verlust ihrer Karte
künftig nur noch mit bis zu 150 Euro haften, auch wenn eine Mitschuld vorliegt.
Derzeit müssen deutsche Verbraucher ein Drittel des Schadens selbst tragen, wenn sie
ihre Bank nicht sofort über den Karten- Verlust informiert haben.
Bei Online- Bestellungen wird ein besserer Schutz eingeführt. Kommt trotz Zahlung die
Ware nicht beim Kunden an, was in letzter Zeit immer häufiger passieren soll, oder
weist die Ware Fehler auf, dann soll die Bank dem Internet- Käufer sein Geld
zurückerstatten.
Alle älteren Infos findet man im Archiv:
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Wo sind die Infos?
Viele interessante Themen, die hier einmal behandelt wurden, haben
inzwischen eigene Web-Seiten erhalten. Hier finden Sie den Weg dorthin:
Zur Gefahr von Acrylamid im Essen.
Chronik des Berliner Banken-Skandals.
Zum Nitrofen-Skandal. (den [mehr] folgen)
Die Lebensmittel- Skandale in Europa.
Politik skandalös.
Die Geschichte des EURO.
Nützliches und Infos zum EURO.
Zum Rinderwahnsinn. (BSE + CJD)
Abkürzungen der IT- und TK-Technik.
Und anderes ist im
Archiv abgelegt.
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