BERLIN-LICHTERFELDE 30.6.2004 (khd). Während ums Steglitzer Rathaus herum ein Immobilien- Fonds das schönste Einkaufszentrum Berlins bauen darf, sieht es mit dem Einkauf am Steglitzer Stadtrand immer düsterer aus. Nun regelt hierzulande der Markt die Versorgung der Bürger mit Lebensmitteln und alltäglichem Bedarf. Aber das ist nur die Theorie. Denn immer häufiger wirken sich stadtplanerische Vorgaben und Fehler und wenig durchdachte Baugenehmigungen sowie ein nicht marktgerechtes Verhalten der Vermieter extrem negativ auf die wohnortnahe Versorgung der Bürger aus, wie das folgende Beispiel aus Berlin zeigt.
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| Haustürshopping in der Thermometer-Siedlung | |
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Unter diesem Titel lobte sich die GSW im Mai 2004 in ihrer Mieterinformation noch selbst wohlwissend, daß der Supermarkt demnächst dicht macht. |
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Wenn nun Mitte Juli auch der 2. Supermarkt
Plus schließt, ist kein Ersatz in
Sicht, obwohl die GSW gerade das Umfeld des gesamten Einkaufszentrums für rund 2
Mio. Euro aufwendig
umgebaut und renoviert hat. Es ist nicht mehr viel übrig von der einstigen
Vielfalt. Denn der Wochenmarkt, der Bäcker, das Schreibwaren- Geschäft,
der Blumenladen, der Eisen- und Haushaltswaren- Laden und die Bank sind längst
verschwunden. Die gut sortierte Drogerie wurde durch Schlecker ersetzt.
Hinzugekommen ist ein
China- Imbiß und eine Eisdiele. Einige Läden wurden zweckentfremdet und
manche stehen leer. So auch der (andere) Supermarkt
Reichelt. Dieser hatte bereits
zu Weihnachten 2001 dicht gemacht, um sich einige 1000 Meter weiter im neu
eröffneten Gewerbegebiet am S-Bahnhof Osdorfer Straße mit einem Neubau
anzusiedeln. Dort gibt es mehr Parkplätze, denn man hofft hier auf Kunden aus
dem Umland. Und Plus macht demnächst einen neugebauten Laden direkt am
Ostpreußendamm auf 6 Bus- Haltestellen entfernt. Aber welche Rentnerin
kann schon bei jedem Einkauf auch noch 4,40 Euro (8,61 DM) an Fahrgeld ausgeben?
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| Presse-Stimmen 1987 | |
| 8. Januar 1987: Meine Kartoffeln werden knapp, wo soll ich denn bloß einkaufen? (B.Z.) | |
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11. Januar 1987:
Zwei Lebensmittelläden schließen
Thermometersiedler sind verärgert.
(Berliner Morgenpost)
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| 29. Januar 1987: Wo uns der Schuh drückt Bewohner äußern ihre Meinung (Steglitzer Wochenblatt) | |
| 1. Februar 1987: Skandal Thermometer-Siedlung 7 Wochen ohne Supermärkte! (Forum Lichterfelde-Süd) | |
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Natürlich können Politik und Vermieter keine neue Läden aus dem Hut
zaubern. Die muß der Markt schaffen. Aber sie können sehr viel
dafür tun, daß die Rahmenbedingungen zum wirtschaftlichen Betreiben von
Lebensmittelläden in einer problembehafteten Stadtrandsiedlung stimmen.
Dazu gehören beispielsweise gezielte Steuererleichterungen für die
Unternehmen und natürlich reduzierte Mieten. Passiert ist in dieser Hinsicht
bislang aber nichts.Soziales Gleichgewicht
erneut
gefährdet
1.7.2004 (khd).
Es sieht ganz so aus, daß die Tage der Thermometer- Siedlung gezählt sein
könnten. Denn offensichtlich reicht die Nachfrage von um die 4000 Bewohnern
nicht mehr aus, um im Zentrum der Siedlung zwei sich ergänzende Supermärkte
wirtschaftlich betreiben zu können. Und wenn das so ist und wenn die
Siedlung nicht sozial durch Wegzug umkippen soll , dann muß schleunigst
etwas passieren. Sonst könnte das 1999 von Studenten der Humboldt-
Universität postulierte (und damals verworfene)
Schreckensszenario sehr schnell Wirklichkeit
werden. Denn wegen der hohen Wohnwertminderung durch fehlendes Haustür-
Shopping und durch demnächst stark
steigende Mieten werden nun einkommensstärkere Bewohner vermehrt die
Thermometer- Siedlung verlassen.
Auch ist es politisch und stadtplanerisch nicht sehr weise und durchdacht gewesen, durch die Öffnung der Gewerbegebiete zwischen Ostpreußendamm und S-Bahnhof Osdorfer Straße (früher Aldi- Zentrallager von West- Berlin) für den Einzelhandel, die Geschäfte aus der Thermometer- Siedlung de-facto abzusaugen. Insofern trägt der Bezirk Steglitz- Zehlendorf einen erheblichen Teil der Schuld an der nunmehr entstandenen untragbaren Einkaufssituation in der Thermometer- Siedlung.
Aber auch die Senatsverwaltung
für Stadtentwicklung hatte bei ihrer ab September 1998 betriebenen und im
April 2002 abgeschlossenen Änderung des Flächennutzungsplans
18/98 offensichtlich nicht erkannt, daß die von ihr favorisierte
Aufwertung des Giesensdorfer Ortskerns im Zusammenspiel mit dem
Bebauungsplan XII-177 (Gewerbegebiet) für die Infrastruktur der Thermometer-
Siedlung negative Folgen haben mußte. In der Senatsbegründung heißt
es: Der Ortskern Giesensdorf soll durch Arrondierung und Mobilisierung von
Nutzungspotentialen eine Aufwertung erfahren. Was nutzt nun die in der Tat
erreichte Mobilisierung des Nutzungspotentials
(Geschäftsneuansiedlungen), wenn nicht nur Oma
Schulze in der gut 1500 Meter entfernten Thermometer- Siedlung nicht mehr vor der
Haustür einkaufen kann? Durch den FNP 18/98 jedenfalls erfuhr die
immer wieder von der Politik
benachteiligte Hochhaussiedlung erneut eine Abwertung. Danke, Herr
Strieder!
[mehr]
[Presse-Echo dazu]
[Literatur dazu]
[Zum Hintergrund]
[Weiterer Kommentar]
BERLIN 28.6.2004 (khd/info-radio). Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) wollen erneut das Bus- und Tram-Netz total umkrempeln [Ed: im Juni 1991 brachten sie das Chaos in die bewährte Numerierung der Linien alle Nummern wurden mit fadenscheiniger Begründung kundenfeindlich geändert]. Ihr neues Konzept BVG 2005 plus sieht nun
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Für viele Kunden wird das neue BVG- Angebot attraktiver. |
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BVG-Chef Andreas von Arnim. |
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Die BVG erhofft sich durch die Umstrukturierung nach eigenen Berechnungen 18 Millionen neue Fahrgäste pro Jahr und eine Verbesserung der Auslastung bei Bussen und Bahnen um durchschnittlich 6 % sowie einen Gewinn von rund 17 Millionen Euro pro Jahr. Deshalb trage das Vorhaben zur Sanierung der hoch verschuldeten BVG bei, heißt es. An eine Preissenkung zur Gewinnung neuer Kunden und damit besseren Auslastung ihrer Linien denkt die BVG derzeit nicht.
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Nur Augenwischerei BVG verar.... die Berliner
10.7.2004 (khd).
Hört sich doch gut an? Aber bei Lichte besehen ist das ein Riesen- Sparplan zu
Lasten ihrer Kunden, den die BVG hier den Berlinern präsentiert und nicht mit
der S-Bahn abgestimmt hat. Denn die BVG
muß riesige Summen einsparen, um ihr jahrelanges und vom Senat geduldetes
Mismanagement zu kompensieren. Auch hat die BVG bislang nicht mitgeteilt, welche
Linien künftig wegfallen sollen.
Es spricht nichts gegen ein gutes Schnellinien-Netz in einer Metropole. Aber sollte die eine oder andere Metro- Linie nicht so reüssieren, dann wird dort ganz fix ein Takt von mehr als 10 Minuten eingeführt werden, wie die BVG es schon seit Jahren bei einfachen Linien immer wieder praktizierte.
Und der Takt wird auch an den Stadträndern die Musike machen. Hinter vorgehaltener Hand ist zu hören, daß hier ab Dezember 2004 einige normale Bus- Linien durchaus mit einem Takt von 40 oder sogar 60 Minuten fahren könnten. Die BVG würde hiermit dann zwar das ICE- Niveau der Deutschen Bahn erreichen. Immerhin. Aber ein kundenfreundlicher Öffentlicher Nahverkehr ist das dann nicht mehr. Man darf den Bus nicht mehr verpassen, sonst muß man in der Metropole-2005 1 Stunde warten. Oder sich doch noch ein Auto kaufen solange es noch keine City-Maut gibt...
BERLIN 18.6.2004 (khd/info-radio). Gestern abend besiegelte das Abgeordnetenhaus von Berlin einen weiteren Verkauf vom Berliner Tafelsilber. Für nur 405 Mio. Euro wird die bislang landeseigene Gemeinnützige Siedlungs- und Wohnungsbaugesellschaft mbH (GSW) mit rund 70.000 Wohnungen an die US-Fondsgruppe Cerberus Partners (New York + Frankfurt/Main) verkauft. Diese war zum Schnäppchenpreis bereit, die GSW- Schulden in Höhe von 1,55 Mrd. Euro zu übernehmen. Von dem Verkauf sind fast 150.000 Mieter betroffen. Die GSW (Gut und sicher wohnen) wurde am 2. April 1924 als Wohnungsfürsorge- Gesellschaft mbH (WFG) von der Preußischen Staatsverwaltung und der Stadt Berlin gegründet. Sie feierte gerade ihren 80. Geburtstag.
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| Wir wollen nicht das schnelle Geschäft. | |
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Ralph Winter, Deutschland- Manager der Cerberus zur Berliner Morgenpost im Februar 2004. |
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Nicht nur in Finanzkreisen gilt Cerberus als wenig seriös. So heißt es in
Hoover's Firmenprofil im Mai
2004: Cerberus Partners investment strategy owes a lot to the company's
namesake the three- headed dog of Greek mythology that guarded the gates of
Hades [Ort der Toten] the firm keeps companies on the brink of
disaster from flaming out. Big- name holdings include a 49 % stake in Japanese bank
Aozora, US tech firms ICG Communications and SSA Global Technologies, and cable
operator Galaxy Cable. The firm often injects capital into struggling retail
ventures with varying degrees of success (...).
Der dreiköpfige
Höllenhund ist nun in Deutschland angekommen und
entdeckte Berlin.
Und das Land Berlin ist wg. seiner katastrophalen Finanzlage gezwungen (die PDS spricht sogar von einem Notlagen- Verkauf), Geld in die Kassen zu kriegen wo und wie es nur geht. Ob das aber auch im Sinne der vielen Mieter geschieht, bezweifeln einige Abgeordnete. Zwar sollen sich der GSW- Erwerber verpflichtet haben, auf jegliche Luxus- Modernisierung der Wohnungen zu verzichten, die Miete nur im Rahmen des Berliner Mietspiegels zu erhöhen, von Eigenbedarfs- Kündigungen nach einer eventuellen Umwandlung in eine Eigentumswohnung abzusehen und Mietereinbauten Bestandsschutz zu geben. Aber in den einzelnen Dauer- Mietverträgen ist das bislang nicht verankert worden. Vermutlich seien die Zusagen des Investors nicht verbindlich genug geregelt, heißt es in Abgeordnetenkreisen. Insbesondere seien finanzielle Sanktionen bei Verstößen gegen diese Regelungen nicht scharf genug, da dafür ein Fonds von nur 10 Mio. Euro vorgesehen sei Peanuts für aggressive Investoren mit Profitgier.
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[00.01.2001:
GSW-Verkauf] (MIETER-MAGAZIN)
[28.08.2003:
Unter Geiern] (MANAGER-MAGAZIN)
[15.12.2003:
Die GSW soll nun doch verkauft werden] (IMMOBILIEN-BRIEF)
[19.01.2004:
Die "Aasgeier" der Immobilienbranche sind im Anflug] (DIE WELT)
[22.01.2004:
Immobilien Das Tafelsilber wird verkauft] (FUCHSBRIEFE)
[13.02.2004:
Cerberus entdeckt Berlin] (BERLINER MORGENPOST)
[31.03.2004:
Endspurt im Berliner Immobilien-Poker] (DIE WELT)
[25.05.2004:
Senat will Verkauf der GSW beschließen] (DIE WELT)
[26.05.2004:
Amerikanische Investoren kaufen Wohnungsbaugesellschaft GSW] (DIE WELT)
[26.05.2004:
Berlins größte Wohnungsgesellschaft geht an Cerberus] (DIE WELT)
Nun gilt: Eigennutz geht vor Gemeinnutz
22.6.2004 (khd).
Im Firmennamen führt die GSW nun seit 80
Jahren die Begriffe Fürsorge und ab 1937 den der
Gemeinnützigkeit. Damit wird es nun vorbei sein. Denn wenn auch
die EU-Kommission grünes Licht zum GSW- Verkauf gibt, gehört das
traditionsreiche Berliner Wohnungsunternehmen einem amerikanischen Immobilien- Fonds
mit eigennützigem Gewinnstreben. Der Dank der Mieter geht an die
Berliner CDU+FDP+PDS+SPD. Und der Verkauf soll sogar rückwirkend zum 1. Januar
2004 wirksam werden.
Zwar ist gegen eine Privatisierung der GSW nicht grundsätzlich etwas einzuwenden. Aber ein Blick auf die Struktur dieses Käufer- Konsortiums sagt bereits alles. Denn wer für die Übernahme der GSW eine solch trickreich vernetzte GmbH- Struktur einsetzt, der hat etwas zu verbergen. Oder er will massiv die deutschen Steuerbehörden austricksen und die Gewinne ins Ausland verschieben (Vodafone läßt grüßen). Zudem unterliegen GmbHs nicht der Publikationspflicht. Das sieht also gar nicht seriös aus. Saftige Mieterhöhungen sind da vorprogrammiert.
Daß der Senat von Berlin sich auf einen solchen Käufer überhaupt eingelassen hat, ist eine Folge der total falschen und größenwahnsinnigen Stadtpolitik in den Jahren der Großen Koalition (ab 1991) unter dem Regierenden Bürgermeister Eberhard Diepgen (CDU), die Phantastereien en masse wie Olympia 2000, eine Super- BankGesellschaft, Europas größten Bahnhof und Großflughafen BBI produzierte, aber keine solide Industrie- Ansiedlung mit entsprechenden Arbeitsplätzen und Steuerzahlungen als Ausgleich für die von Bonn (Kanzler Kohl) gestrichene Berlin- Hilfe zustande brachte. Immerhin hätte man ja nach der Einheit wieder all die vielen Berlin- Abwanderer wie die Börse, Siemens, diverse Verlage usw. in die Metropole zurückholen können.
Stattdessen plünderte man die landeseigenen Unternehmen, um Geld in die Haushaltskassen zu bekommen. Dabei wäre es ein Kinderspiel gewesen, ein Unternehmen wie die GSW so zu sanieren, daß es auf Dauer mit Plus/Minus Null rauskommt vielleicht sogar regelmäßig einen kleinen Gewinn an den Berliner Haushalt hätte abliefern können. Aber auch das kriegten Berlins Sekundär- Politiker nicht gebacken.
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[03.04.2004:
Es tut sich was in Berlin] (Chronik einer Entwicklung)
[18.05.2004:
Die GSW, das Land Berlin und der dreiköpfige Höllenhund Cerberus]
[07.06.2004:
Darf man die GSW verkaufen?] (Analyse von H.-G. Lorenz, SPD)
[14.06.2004:
Der Verkauf der GSW zum Schaden für die Stadt und die Berliner]
(Analyse von H.-G. Lorenz, MdA)
[03.07.2004:
Nun Kiezbereinigung?] (khd-Page)
Und die Rentenversicherung verkauft die GAGFAH
15.7.2004 (khd/info-radio).
Auch die BfA hat jetzt ihr Tafelsilber verkauft. Die Bundesversicherungsanstalt
für Angestellte (kurz BfA) hat
ihre Wohnungsbau- Gesellschaft GAGFAH (Essen) an
die amerikanischen Investment- Gesellschaft Fortress Investment Group LLC
(New York +
Frankfurt/Main) für 2,123 Mrd. Euro
veräußert. Der Verkauf war notwendig geworden, um wg. des sinkenden
Beitragsaufkommens Löcher in der staatlichen Rentenkasse stopfen zu können.
Ohne diesen Mittelzufluß hätte die BfA bereits im Herbst ein Problem mit
der Liquidität bekommen [Ed: ...und was verkauft man beim nächsten Loch?].
Betroffen von dem Verkauf sind Mieter in rund 80.000 Wohnungen. Im Mittel bezahlte Fortress somit 26.250 Euro pro Wohnung (rund 51.000 DM/Wohnung) noch weniger als unlängst Cerberus für die GSW zahlte. Fortress erzielte also auch einen Schnäppchenpreis. Der neue Eigner will einen Teil der Wohnungen an die Mieter gewinnbringend weiterverkaufen. Das Bundessozialministerium und die Kartellbehörde müssen den Verkauf durch die BfA noch zustimmen.
Die 1918 gegründete Gemeinnützige Aktien- Gesellschaft für Angestellten- Heimstätten (GAGFAH) ist einer der größten bundesweit tätigen Immobilien- Konzerne in Deutschland. Sie hat über 80.000 eigene Wohnungen im Bestand und verwaltet insgesamt 110.000 Wohnungen für Dritte. 2003 hatte der Konzern einen Gesamtumsatz von rund 507 Mio. Euro bei einem Jahresüberschuß von rund 53 Mio. Euro. [Fortress Presse-Info]
So konnte dann auch nichts mehr schief gehen, beim Beantworten kritischer Mieter-Fragen zu
den Folgen der Cerberus- Übernahme. Was aber wirklich im Kauf-Vertrag zwischen
Berliner Senat und Cerberus drinsteht, bleibt weiterhin unklar. Die Papiere seien geheim,
heißt es. Und daß, obwohl die große GSW ein mit reichlich Steuergeldern
aufgebautes Unternehmen war. Die Mieter fragen sich nun: Was haben die denn zu verbergen?
Wie wollen die uns denn ab 2014 reinlegen? Und werden die nicht bis dahin mit ihrem
großen Wohnungsbestand (rund 65.000 Wohnungen) den
Berliner Mietspiegel deutlich
nach oben ‚manipulieren‘?
[28.08.2003:
Geier-Fonds: Unter Geiern] (MANAGER-MAGAZIN)
BERLIN 16.6.2004 (khd
GSW-Verkauf für 405 Millionen Euro perfekt
29.7.2004 (khd/info-radio).
Berlins größte Wohnungsbaugesellschaft GSW ist nun für 405 Millionen Euro
in amerikanische Hände übergegangen. Der Verkauf der GSW an die beiden
US-Investoren sei jetzt endgültig abgeschlossen, teilte die Finanzverwaltung
heute mit. Nach Zustimmung der EU-Kommission wurde der Kaufpreis an das Land
überwiesen, das jetzt keine Anteile mehr besitzt. Die rund 65.000 Wohnungen und
1,7 Milliarden Euro Schulden hatten die Investmentbank Goldman Sachs und die
Investmentgesellschaft Cerberus übernommen.Neue GSW-Gesellschafter präsentieren sich nicht
21.10.2004 (d-radio).
Die neuen GSW-Gesellschafter Cerberus + Goldman
Sachs + Archon Group hatten die Berliner GSW-Mieterbeiräte zum 21. Oktober 2004
in die GSW- Zentrale eingeladen, um sich vorzustellen. Aber wie schon im September bei der
GSW-Mieterversammlung
in Spandau glänzten sie durch Abwesenheit. Wichtige und unaufschiebbare Termine
hätten das persönliche Erscheinen der Vertreter der Eigner unmöglich
gemacht, hieß erneut die Ausrede. Vorbereitet war stattdessen eine kleine,
interessante Folien-Show
Vorstellung
der Gesellschafter [Layoutgetreue PDF-Datei Cerberus-GSW_presents_2004.pdf].
[19.08.2004:
Cerberus Der Höllenhund sucht Beute] (MANAGER-MAGAZIN)
[26.10.2004:
Mieter-Vertreter geht nicht in den GSW-Aufsichtsrat] (BERLINER ZEITUNG)
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| Das Suchen ist ein essentieller Teil der Internet-Navigation, aber die Algorithmen werden geheim gehalten. | |
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Doug Cutting, Chefarchitekt des Nutch-Projekts auf der WOS in Berlin zu Google & Co. |
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Mit seiner Suchanfrage hofft der Nutzer aber, aus dem gesamten bislang gespeicherten menschlichen Wissen schöpfen zu können. Und dazu gehören auch alle kostenpflichtigen Dokumente, deren Aufspüren selbstverständlich kostenlos möglich sein sollte. Das OpenSource- Projekt Grub wollte das bereits 2001 ändern, wobei es auf Techniken von Folding@home setzen wollte, wie der Spiegel im November 2001 berichtete.
Mit dem neuen OpenSource- Projekt Nutch wird jetzt ein weiterer Anlauf gemacht, das Suchen im Internet entscheidend zu verbessern und vom manipulierenden Kommerz abzukoppeln. Nutch ist derzeit das ehrgeizigste Vorhaben im Bereich der Internet- Suche, wobei es dabei nicht um die Programmierung eines neuen Browsers geht. Vielmehr geht es um eine breite Anwendung eines neu entwickelten Such- Algorithmus, der zudem völlig offengelegt wird. Die Nutch- Macher hoffen, daß dieser offene Nutch- Algorithmus die treibende Kraft für eine wachsende Zahl freier Suchmaschinen werden wird.
Der Algorithmus soll bereits respektable Ergebnisse liefern. Auch er stützt sich bei der Analyse von Webseiten vor allem auf Hyper- Links und die dazugehörigen Textstellen. Gegenwärtig stehen im Internet einige Test- Maschinen zum Ausprobieren bereit: mozDex, Objects Search oder Yahoo Labs. Wie es aber den Nutch- Leuten gelingen wird, das bislang von den kommerziellen Suchmaschinen nicht erfaßte Internet zu indizieren, bleibt noch unklar. So gibt es beispielsweise noch immer eine Vielzahl von (Zeitungs-) Verlagen, die Suchrobotern das Scannen ihrer archivierten Artikel mit einer entsprechend konfigurierten File robots.txt verbieten.
Auf der Wizards of OpenSource (WOS) in Berlin, auf der jetzt das Nutch- Projekt diskutiert wurde, erklärte Wolfgang Sander- Beuermann von der Meta- Suchmaschine MetaGer (Hannover): Die Idee, dezentralisierte und auf einer unabhängigen Infrastruktur aufbauenden Navigier- Hilfen fürs Web einzurichten und untereinander über Meta- Suchmaschinen zu vernetzen, entspricht genau dem [ursprünglichen] Geist des Internets. Es sei auch ein Vorteil, daß sich dabei viele Einrichtungen die Kosten für den Betrieb teilen würden.
[01.11.2001:
OpenSource-Suchmaschine Gemeinsam sind wir schlau] (SPIEGEL)
[11.06.2004:
Freie Suchmaschinen sollen der Monopolbildung entgegenwirken] (c't)
[11.06.2004:
Nutch Die freie Suchalternative zu Google] (TELEPOLIS )
Ein weiteres Beispiel: Mit <META NAME="REVISIT-AFTER" CONTENT="30 days">
kann Suchmaschinen gesagt werden, nach wieviel Tagen sie die Seite erneut scannen
sollten. Der Autor einer Seite weiß sicher am besten, wann vermutlich
aktualisierte Seiten- Inhalte im Web präsent sein werden. Offensichtlich
interessiert das Google (aber auch andere) überhaupt nicht. Denn als
Nebenergebnis meines
Erfahrungsberichts stellte sich heraus, daß im Januar 2004 von
Google noch immer obsolete Seiten in den Suchergebnissen enthalten waren.
Diese Seiten waren aber bereits ein gutes halbes Jahr vorher (rund 200
Tage) vom Netz genommen worden. Mit der Pflege seiner Datenbestände
steht Google auf Kriegsfuß und immerhin ist das ein
wesentliches SM- Qualitätskriterium.
Es ist völlig klar: Eigentlich ist das Betreiben von Suchmaschinen zum Nachweis
des digital gespeicherten Weltwissens eine öffentlich- rechtliche Aufgabe
wie bei den klassischen Print- Medien (Zeitung, Zeitschrift, Buch, ...) in
Deutschland seit 1913 praktiziert von der
Deutschen Bücherei in Leipzig.
Leider stehen dafür derzeit kaum Steuergelder zur Verfügung. Es sei denn
die Politik setzt andere Prioritäten. Es ist aber dennoch höchste Zeit,
daß (zumindest auf der EU-Ebene) regulierend in den Suchmaschinen- Markt
eingegriffen wird. 10 Jahre völlig freien SM-Markts haben gezeigt, daß
der Markt es nicht selbst in den Griff kriegt, Internet- Nutzer mit den benötigten
Informationen schnell (hierzulande tickt ja bei den meisten Internet- Verbindungen noch
immer die Uhr), vollständig und zuverlässig zu bedienen.
Der Informationsversorgung durch das Internet kommt eine erhebliche gesellschaftliche
Bedeutung zu. Das hat jetzt auch ein Teil des Bundestags erkannt. Am 17. Juni
beschäftigte sich erstmals der
Unterausschuß
Neue Medien mit dem Thema Suchmaschinen. Die Fach- Politiker wollen
sich nun um die Förderung freier Suchmaschinen kümmern. Ob sie
allerdings Gehör bei den Finanz- Politikern finden, muß abgewartet werden.
[mehr]
[18.10.2002:
Internet-Veröffentlichungen fordern Deutsche Bücherei heraus] (c't)
Nix Qualität nur die Kasse zählt
20.6.2004 (khd).
Es ist schon erstaunlich wie ignorant der Marktbeherrscher Google ist. In
vernünftig angefertigten Webseiten stehen im Kopf unsichtbare META- Tags. Diese
sollen u. a. Suchmaschinen (SM) über bestimmte Fakten der Seite informieren.
Beispielsweise kann mit <META NAME="DESCRIPTION" CONTENT="...">
eine Kurzbeschreibung des Inhalts der Webseite mitgeliefert werden. Aber
Google erkennt nicht eine sorgfältige
Formulierung der Beschreibung. Stattdessen produziert Google meistens Mist aus
Zeichenketten, die am Anfang der Webseite stehen.
AltaVista beherrschte früher (um 1997/98) perfekt die Nutzung von
zugelieferten Description- META-Tags. Inzwischen reagieren sie aber nicht mal mehr
auf einen Indizier- Auftrag.
[12.12.2003:
Vom Niedergang renommierter Suchmaschinen] (Ein Erfahrungsbericht)
[18.06.2004:
Bundestag sorgt sich um Vielfalt im Suchmaschinenmarkt] (c't)
BERLIN 6.6.2004 (khd
Die Rache für
UMTS?
Gelesen in einem Internet-Forum. Denn Vodafone will nunmehr in den nächsten 200
Jahren hierzulande keine Steuern mehr zahlen.
Eine Abschreibung mindert den Gewinn und damit die zu zahlenden Steuern. Das deutsche Steuerrecht erlaubt eine Teilwert- Abschreibung, wenn der Wert eines Bilanzpostens dauerhaft unter den Betrag gefallen ist, mit dem er in der Buchhaltung steht. Beim Kauf von Mannesmann war das der Fall: Das Unternehmen wurde auf dem Höhepunkt des Aktienbooms Anfang Februar 2000 für völlig überteuerte runde 200 Mrd. Euro erworben [t-off berichtete und kommentierte]. Danach verloren die Aktien an Wert, was bei Vodafone zu einem Buchverlust von rund 50 Mrd. Euro führte.
Politiker kritisieren inzwischen empört das Vorgehen Vodafones. Für Martin Schulz, SPD- Spitzenkandidat zur Europawahl, ist das laut Tagesspiegel ein Beispiel dafür, wie sich ein Kasino- Kapitalismus entwickeln kann. Er ist entsetzt darüber, daß der deutsche Steuerzahler möglicherweise einen nicht unerheblichen Teil der teuren Übernahmeschlacht bezahlen muß. Und CDU- Experte Hans Michelbach sagte: Teilwert- Abschreibungen auf eine Luftblase sind eine völlige Perversion. Notfalls müsse der Gesetzgeber jetzt Konsequenzen ziehen.
12.6.2004 (khd). Der Fall Vodafone zeigt aber auch, wie falsch es gewesen ist, daß Union und FDP sich jahrelang gegen eine Mindeststeuer bei Gewinnen gewehrt haben. Aber auch das erst im vorigen Jahr beschlossene [khd-Page berichtete] Gesetz zum Abbau von Steuer- Vergünstigungen (StVergAbG) konnte offensichtlich Vodafones unsoziales Ansinnen nicht verhindern. Insofern haben angesichts der hohen Staatsverschuldung und permanenten Finanznot öffentlicher Kassen Bundesregierung und Opposition kläglich versagt, urteilen kritische Steuerzahler, die brav ihre Steuern bezahlen. Und Vodafone versteht die ganze Kritik an ihrem Steuer- Sparmodell nicht. Das sei doch nur ein ganz normaler und üblicher Vorgang, heißt es.
[05.06.2004:
Vodafone-Deal kostet Steuerzahler Milliarden] (TAGESSPIEGEL, Seite 1)
[07.06.2004:
Vodafone will sich auf Jahre von Steuern befreien lassen] (DIE WELT)
[07.06.2004:
Steuerrechtler: Milliardenabschreibungen von Vodafone rechtens] (HEISE-TICKER)
Maßlose Gier Nur ein abgekartertes Spiel?
| Die Hütchenspielerei | |
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März 2000:
Die britische Vodafone Group plc übernimmt 98,6 % der Aktien von Mannesmann. Kaufpreis: 353 Euro/Aktie. Wert: rund 180 Mrd. Euro. |
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Anfang Dezember 2000:
Vodafone verkauft das Aktien- Paket an ihre 100%- Tochter Vodafone Investments in
Luxemburg. Kaufpreis: ??? Euro/Aktie. Wert: ??? Mrd. Euro. |
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22. Dezember 2000:
Vodafone Investments gibt die Aktien an ihre Tochter Vodafone Deutschland GmbH
weiter. Kaufpreis: 309 Euro/Aktie. Wert: 146,93 Mrd. Euro. |
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| Ende Dezember 2000: Die Börse handelt die noch am Markt verbliebenen Mannesmann- Aktien mit rund 80 Euro/Aktie. | |
| August 2001: Abfindungsangebot von Vodafone an freie Mannesmann- Aktionäre. Kaufpreis: 206,53 Euro/Aktie. | |
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Anfang 2002:
Für den Jahresabschluß 2001 der Vodafone Deutschland GmbH wird das
Aktien- Paket neu bewertet. Wert: 203,20 Euro/Aktie. Gesamtwert: 96,41 Mrd. Euro. |
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März 2002:
In der Bilanz 2001 nimmt die Vodafone Deutschland wg. des Wertverlusts eine
außerordentliche Abschreibung vor. Verlust: 146,93 Mrd. 96,41 Mrd. = 50,52 Mrd. Euro. |
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| 2002: Die Vodafone Deutschland GmbH beantragt in ihrer Steuererklärung einen Verlustvortrag von 54,06 Mrd. Euro. |
Lorenz Maroldt kommentierte im Tagesspiegel am 8. Juni den Fall Vodafone so: Der Name Vodafone steht für maßlose Gier, eitle Arroganz, Verachtung des Rechtsstaats und Verhöhnung der Gesellschaft. Es fehlte eigentlich nur noch ein Aufruf, Vodafone zu meiden. Denn bis zu 25.000.000.000 Euro will dieser britische Konzern an Steuern in den nächsten 200 Jahren (!) dadurch sparen, daß es sein erworbenes Aktienpaket wie ein Hütchenspieler so geschickt hin- und herschob bis es bei der deutschen Tochter mit einem schlupflochtauglichen Verlust von gut 50 Mrd. Euro ankam.
Inzwischen wird sogar vermutet, daß die ganze aktienpreistreibende
Mannesmann/ Vodafone- Übernahmeschlacht von 1999/2000 ein abgekartertes Spiel
gewesen sei, um so später in Deutschland mit getürkten Verlusten eine
maximale Abschreibung und damit Steuerersparnis erzielen zu können.
Offensichtlich hat die Kanzlei, die den Mannesmann- Prozeß mit Strafanzeigen
ins Rollen brachte, entsprechende Hinweise erhalten. Im Strafprozeß gegen
Esser & Co. könnte doch noch etwas Bewegung aufkommen. Denn wofür
eigentlich haben damals die Mannesmann- Manager 111 Mio. DM erhalten... Als Lohn
für eine gelungene Inszenierung?
[03.06.2004:
Übernahmeschlacht um Mannesmann soll inszeniert gewesen sein] (SPIEGEL)
[08.06.2004:
Kommentar Da ist doch was verrückt] (TAGESSPIEGEL, Seite 1)
[12.06.2004:
Vodafone hält Milliardenabschreibungen für normalen Vorgang] (HEISE-TICKER)
[14.06.2004:
Aufgeblähte Werte. Die Empörung ist groß und der Fiskus
machtlos] (SPIEGEL25/2004, Seite 8284)
[21.06.2004:
Die Mindeststeuer ausgetrickst] (TAGESSPIEGEL)
[05.07.2004:
Attac protestiert gegen Vodafone-Steuerpläne] (HEISE-TICKER)
[21.07.2004:
Vodafone wehrt sich gegen Attac-Proteste] (c't)
MÜNCHEN 21.5.2004 (khd/vwd). Was machen Wirtschafts- Unternehmen, wenn sie mit ihren eigenen Produkten nicht ganz auf der Höhe der Zeit oder auf dem Stand der Technik sind und sie mit ihrem Latein am Ende sind? Sie versuchen das fehlende Know-how (bei der Konkurrenz) einzukaufen. Zu beobachten ist das derzeit bei Siemens. Denn die Siemens- Bahntechnik reüssiert nicht sie hat ein Qualitätsproblem. Im März mußten sogar die Siemens- Straßenbahnen (Trams) Combino weltweit zurückgerufen werden. Die 400 Niederflurbahnen in Leichtbautechnik sind falsch konstruiert worden. Das schwere Wagendach könnte auf die Fahrgäste stürzen. Die Sanierung der Trams und der Schadensersatz wird Millionen im dreistelligen Bereich kosten. [mehr]
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Aber auch bei den ICEs wird immer wieder
Kritik laut.
Da trifft es sich gut, daß der französische Konkurrent
Alstom finanziell schwer
angeschlagen ist und staatlicher Hilfe in Milliardenhöhe bedarf, die aber von
der EU nur unter Auflagen genehmigt werden wird. Es wird erwartet, daß sich
Alstom von einigen Geschäftsbereichen trennen muß. Und so steht
Siemens
bereit, neben der Turbinensparte (mit der sie endlich die Größe der
US-amerikanischen General Electric
erreichen könnte) auch die komplette Bahntechnik von Alstom zu
übernehmen.
Zu der Alstom-
Bahntechnik gehört u. a. die Produktion der erfolgreichen
Niederflur- Tram Citadis. Vielen wird die HighTech- Variante
EuroTram aus Europas Hauptstadt Straßburg
bekannt sein. Aber auch Frankreichs Nationalsymbol der Hochgeschwindigkeitszug
TGV wird von Alstom gebaut. Und der TGV ist durchaus

pfiffiger konstruiert als der deutsche Schnellzug ICE, der sich in seiner Konzeption
noch zu sehr am klassischen Konzept der Eisenbahn (Lokomotive + nichtangetriebene
Wagen) orientiert.
Zur Erweiterung des Tram- Netzes in Straßburg baut
Alstom- Transport
diese HighTech- Niederflurtrams in Leichtbautechnik die EuroTram. Sie sind
eine Variante ihres CITADIS- Programms. Das Design stammt ursprünglich von
Socimi und ABB Tecnomasio (Italien).
In der nächsten Woche will die
EU-Kommission über die Auflagen an Alstom entscheiden. Wir
werden dann sehen, ob die Siemens- Träume von besseren Bahnen Wirklichkeit
werden können. Vielleicht werden aber Alstom und Siemens darauf verpflichtet,
im Sinne einer europäischen Lösung zu kooperieren. So könnte es mit
dem erhofften Geschäft in Asien doch noch klappen.
[29.04.2004:
Siemens mit Combino-Schäden] (NEUE ZÜRCHER ZEITUNG)
[18.05.2004:
Teures Straßenbahn-Debakel für Siemens] (xxx)
[19.05.2004:
Gezerre um Alstom Siemens droht mit Klage] (SPIEGEL)
[21.05.2004:
Siemens hat präzises Angebot für Alstom vorgelegt] (YAHOO-NEWS)
[03.06.2004:
Dynamische Nebeneffekte in der neuen Rumpelbahn] (DIE ZEIT)
Angaben zu etwaigen Partnern machte die Brüsseler Behörde nicht. Dies sei
eine Entscheidung von Alstom, weil das Unternehmen selbst am besten einschätzen
könne, welcher Partner für seine langfristige Überlebensfähigkeit
geeignet ist, erklärte ein Sprecher Montis. Unterdessen hat Alstom ein
Zusammengehen mit Siemens kategorisch abgelehnt.
Aber Alstom mag Siemens nicht
26.5.2004 (khd/info-radio). Grundsätzlich kann nun die Siemens AG
(München) in den kommenden Jahren bei der angeschlagenen Alstom SA (Paris)
einsteigen. Denn EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti hat jetzt durchgesetzt,
daß im Gegenzug für seine Genehmigung hoher Staats- Beihilfen (rund 3,2
Mrd. Euro) der Alstom- Konzern für ausländische Partner geöffnet
werden muß. Monti will dabei auch auf einen Verkauf von Teilen von Alstom
bestehen.
BONN 7.5.2004 (khd
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| Es ist die Sorgfalt des ordentlichen Kaufmanns nach dem Handels- Gesetzbuch, die wir einfordern. | |
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Niedersachsens Rechnungshof- Präsidentin Martha Jansen. |
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Stattdessen sei bei der Aufstellung von Haushalten Tricksen, Täuschen und
Tarnen durchaus nicht unüblich. Um die grundgesetzliche Schuldengrenze
(Nettokreditaufnahme darf nach Artikel 115 die Summe der Investitionen nicht übersteigen)
zu umgehen, werde der Begriff der Investition immer weiter ausgedehnt. Der
Artikel 115 hat schlicht und einfach versagt, sagte der Präsident des
Bundesrechnungshofs,
Dieter Engels, bei der Präsentation des Memorandums.
Die vereinigten
Rechnungshöfe fordern die Politiker zu einer insgesamt
realitätsnäherer Planung auf. Es sei einfach nicht akzeptabel, daß
Haushaltspläne schon kurz nach ihrer Verabschiedung riesige Löcher
aufwiesen. Haushaltsrisiken dürften nicht verdrängt, Chancen nicht
überzeichnet werden. Zudem fordern die Rechnungshöfe weitere
Kürzungen staatlicher Leistungen, aber auch eine Konzentration staatlicher
Tätigkeit auf wesentliche Kern- Aufgaben sowie mehr Effizienz in der
Verwaltung.
Letztlich aber hänge alles daran, nicht mehr auszugeben als eingenommen werden
kann. In der Finanzpolitik haben wir kein Erkenntnisproblem wir haben aber ein
Umsetzungsproblem, sagte die amtierende Konferenz- Vorsitzende Martha Jansen.
Es ist die Sorgfalt des ordentlichen Kaufmanns nach dem Handels- Gesetzbuch,
die wir einfordern.
[06.05.2004: Schuldenkrise Angst vor dem Radikalprogramm] (SPIEGEL)
[07.05.2004: Memorandum der Rechnungshof-Präsidenten zum Stop der Staatsverschuldung]
[07.05.2004: Rechnungshöfe attackieren Eichel und Kollegen] (SPIEGEL)
[08.05.2004: Steuerschätzung Eichels schön-schaurige Zahlen] (SPIEGEL)
Staat muß immer mehr Zinsen zahlen denn er tilgt
nicht
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| In Anbetracht der kommenden Steuer- schätzung kann ich einen weiteren Verstoß gegen den Maastricht- Stabilitätspakt nicht ausschließen. | |
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So sieht Bundesfinanzminister Eichel die Lage angesichts der geschätzten Steuerausfälle in der Süddeutschen Zeitung vom 8.5.2004. Die Schätzung ergab am 13.5.2004, daß 2004/05 rund 25 Mrd. Euro fehlen. |
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Wir erinnern uns: Die Bundesregierung wollte bis 2006 durch Sparen und Mehreinnahmen die jährliche Neuverschuldung schrittweise senken. Im Jahr 2006 sollte erstmals der Bundeshaushalt ohne neue Schulden auskommen. Danach sollte dann endlich damit begonnen werden, mit Haushaltsüberschüssen den seit 1955 riesig aufgetürmten Schuldenberg (aktueller Stand: 1354 Mrd. Euro) durch Tilgung abzutragen. Daraus wird nun nichts. Denn die aktuell trotz Agenda 20 10 sich auftuenden Haushaltslöcher können wohl nur durch neues Geldborgen bei den Betuchteren gestopft werden (hm, ist das Zinsenzahlen nicht auch eine Art von Subvention?). Die Staatsverschuldung und damit die enorme Zinsbelastung der Haushalte steigt also weiter an (1980: 15 Mrd. Euro, 1990: 33 Mrd. Euro, 2002: 66 Mrd. Euro, 2006: 100 Mrd. Euro?) egal wer regiert. Wann nun eine Bundesregierung beginnt, den Schuldenberg abzutragen, steht in den Sternen.
[Dieter Meyer: Die Schuldenfalle Untersuchung der Staatsverschuldung
19652025]
[Dr. Klaus Först: Infos zur Staatsverschuldung]
[Initiative Staatsverschuldung senken]
[13.05.2004: Wie Finnen, Schweden und Dänen ihren Staatshaushalt
saniert haben] (DIE ZEIT)
[01.06.2004: Eichel will nun Zockerpapiere ausgeben] (SPIEGEL)
[07.07.2004: Bundesrechnungshof attackiert Eichel] (SPIEGEL)
BRANDENBURG 1.5.2004 (khd/taz).
Heute ist sie angekommen die (Ost-) Erweiterung der Europäischen Union
(EU). Es brauchte immerhin 59 Jahre, um die nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte
unnatürliche Teilung Europas endgültig aufzuheben um aus
mörderischem Krieg Frieden und aus menschenverachtenden Diktaturen Demokratien
zu machen. Zur EU der 15 sind heute
10 Länder
hinzugekommen auch Brandenburgs Nachbar Polen. Viel haben Politiker
in den letzten Monaten beraten und verhandelt. Dennoch hapert es noch bei
den Verbindungswegen zwischen den Ländern. Hier gibt es noch viel zu
tun, wie das Beispiel der Brücken über die 250 km lange
Fluß- Grenze zwischen Polen und Brandenburg zeigt.
Die taz weiß gestern, daß bereits wieder 34 Wege zwischen Polen
und Deutschland existieren. Auf einer aktuellen Karte sind aber davon in Brandenburg
nur 13 Verbindungen auszumachen. Die meisten davon sind Brücken
über Oder und Neiße. Vor dem Krieg soll es einmal um die 100
Brücken gegeben haben. Am Ende der DDR waren 1990 nur noch 3
Übergänge zwischen beiden Ländern geöffnet. Die DDR
befürchtete, daß der befreiende Geist einer polnischen
Solidarnosc sowie Glasnost und Perestrojka die Oder überqueren
könnten.
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| Bei der Infrastruktur sind wir nicht wirklich weit. | |
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Verkehrsexperte Thomas Fabian (TUB) in der FAZ am 10.4.2004. |
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Auch für die Wirtschaft sind die fehlenden Verkehrswege ein Problem. Viele träumen bereits von einem neuen großen Wirtschaftsraum in der Mitte Europas. Doch der Bau von Brücken, Straßen und Schienen scheitert noch oft am Geld und an nationalen Interessen. So favorisierte Polen zunächst den Bau einer Autobahn von Warschau nach Danzig. Erst auf Druck Brüssels schickte sich die polnische Regierung dann an, bis 2006 die wichtigere Strecke von Warschau zur Westgrenze des Landes zu bauen und diese an die von Berlin kommende Autobahn A 12 bei Swiecko anzubinden, berichtete die FAZ. Immerhin existiert hier schon die Oder- Brücke.
[00.05.1993: Von Küstrin nach Küstrin Die Grenzöffnungen 1992]
[10.04.2004: Kaum ein Weg zwischen West und Ost] (FAZ)
[29.04.2004: Bundeswehr baut Brücke über die Neiße] (SPIEGEL)
[30.04.2004: Brücken nach Polen] (TAZ)
[08.07.2004: Verbindungen nach Osteuropa Aufs lange Gleis geschoben] (SPIEGEL)
ROSTOCK/NEUBRANDENBURG 27.4.2004 (khd/sp). Wer im Mittelalter Brunnen- Wasser vergiftete, der endete wenn er erwischt wurde meist am Galgen. So wichtig nahm man damals das Lebensmittel Wasser. Nun wollen wir zwar heute solche brutalen Strafen nicht mehr praktizieren, aber bestraft sollten Lebensmittelvergifter schon werden. In der Praxis bleiben aber hierzulande Panschereien bei Nahrungs- und Futtermitteln meist ungeahndet. Unser Strafrecht ist in Sachen Lebensmittelrecht nicht auf der Höhe der Zeit der Geschäftemacher. Darauf wies bereits im Juni 2002 der Ex-Präsident des Bundeskriminalamts Hans-Ludwig Zachert im Tagesspiegel hin: Der Bürger hat einen Anspruch darauf, daß der Staat unverzüglich alles unternimmt, daß Essen und Trinken nicht zu einem Lebensrisiko wird!
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| Der starke Geruch nach Chemikalien muß nach menschlichem Ermessen jedem Bürger, unabhän- gig von seiner Bildung und Verantwortung, beim Betreten der Halle aufgefallen sein. | |
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Toxikologe Gerhard Henninghausen zur Malchiner Gifthalle im Gutachten für die Staatsanwaltschaft. |
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Toxikologen der Universität Rostock ermittelten im Auftrag der Staatsanwaltschaft Neubrandenburg das Nitrofen- Risiko für den Menschen und kamen zu dem Schluß, daß Nitrofen wegen seiner krebs- erregenden und potentiell erbgutschädlichen Wirkungen auch in geringen Dosen ein nicht akzeptables Risiko darstelle. In einem bislang unter Verschluß gehalteten 94-seitigen Gutachten wiesen die Wissenschaftler nach, daß bereits der Verzehr eines nitrofen- verseuchten Putenschnitzels oder mehrerer Nitrofen- Eier ausgereicht haben könnten, um bei einer Schwangeren schwere Mißbildungen des Fötus hervorzurufen.
Dennoch stellte die Staatsanwaltschaft das Verfahren gegen die beteiligten Firmen vor 2 Wochen ein. Es könne nicht der Nachweis erbracht werden, daß das Inverkehrbringen nitrofen- belasteten Getreides die menschliche Gesundheit konkret gefährdet hätte, heißt es. Eine Untersuchung zu Mißbildungen bei Ungeborenen, die durch das Nitrofen ausgelöst worden sein könnten, erfolgte durch die Staatsanwaltschaft aber nicht. Und Krebs der braucht nun mal einige Zeit, sich zu entwickeln...
[Chronik des Nitrofen-Skandals]
[25.05.2002: Herbizid im Öko-Weizen]
[01.06.2002: Nitrofen Nun ermitteln die Staatsanwälte]
[07.06.2002: Eine feine Gesellschaft Von Machenschaften einer Öko-Mafia]
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