Die aktuelle Information der khd-Blog:
Anderer Blick auf die Bundestagswahl
System-Fehler werden deutlich /
40 % der Wahlberechtigten nicht im Parlament vertreten!
BERLIN 27.9.2013 (khd).
Journalisten arbeiten heute allzuoft zu huschig, und so wird die (Wahl-)Systemfrage in den Medien
bislang kaum aufgeworfen. Dabei macht dieses sensationelle Bundestags- Wahlergebnis vom 22.9.2013 klar, daß es beim überkommenen
Wahlverfahren kaum bleiben kann. Gleich 2 Parteien scheiterten knapp an der 5-%-Hürde, was
nicht passiert wäre, wenn diese z. B. bei 3 % gelegen hätte. Die Regierungsbildung
wäre viel leichter und einsichtiger gewesen Schwarz-Gelb hätte weiterregieren
können, auch weil die SPD die Option Rot-Rot-Grün von vornherein auschloß.
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Das Ergebnis der Bundestagswahl vom 22. Sep. 2013 in einer etwas anderen Darstellung, die
die Nichtwähler und ungültgen Stimmen berücksichtigt. Die Gruppe der Nichtwähler
ist nach wie vor sehr stark. Gegenüber 2009 ist deren Anteil aber leicht zurückgegangen
(0,7 %).
In dieser Grafik sind die Stimmanteile auf alle Wahlberechtigte bezogen dargestellt. Die
Zahlen basieren auf dem vorläufigen Wahlergebnis. In den Andere sind auch die rund
1,0 % ungültigen Stimmen enthalten, denn diese Wähler wollten noch etwas anderes.
(Grafik: 25.9.2013 khd-research) |
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Natürlich ist es kaum vermittelbar, daß die Nichtabbildung von fast 16 % der
gültigen Stimmen durch Repräsentation im Parlament die Absolutmehrheitsgrenze auf rund 42
% runterdrückte. Es ist ein absolutes Unding, daß dann eine Partei die absolute Mehrheit
erreichen kann, für die aber nur um ein Drittel der Wahlberechtigten gestimmt hat. Das
sollte künftig vermieden werden, denn es könnte durchaus noch weiter abwärtsgehen
40 %, 38 %... Durch die Absenkung der 5-%-Hürde würde
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Die Nichtwähler sind Ausdruck einer matten Demokratie.
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Das stellt der "Tagesspiegel" am 1.10.2009 in seinem Kommentar
Demokratische Passivität fest und weist damit auf ein großes Problem
hin. Die Umsetzung des Gleichheitspostulats der Demokratie ist hierzulande empfindlich gestört.
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dieses Problem deutlich entschärft werden. Es gibt eigentlich kein Argument mehr, das nicht in
die Tat umzusetzen. Bei der Eurpa-Wahl gilt bereits die 3-%-Hürde.
Der Parteienwettbewerb hat es bis heute nicht geschafft, den großen Anteil der
Nichtwähler zu verkleinern. Dennoch wäre die Einführung der Wahlpflicht
(womöglich noch mit Geldstrafen versehen) keine Option, da das allenfalls Protestwählen
befördern würde. BILD versuchte es mit Aufklärung, als sie am Tag vor der Wahl 41 Mio.
24-seitige Gratis- Sonderzeitungen unters Volk brachte Tenor: Unbedingt wählen gehen.
Der Erfolg war äußerst bescheiden, denn gegenüber der letzten Bundestagswahl sank der
Anteil der Nichtwähler unterm Strich nur um 0,7 % auf 28,5 %. Es bedarf also offensichtlich
bestimmter Anreize, die den Wettbewerb der Parteien und die Qualität der von ihnen betriebenen
Politik fördern, um einen großeren Teil der Nichtwähler zu aktivieren. Dazu wurden in
diesem Blog bereits 2009 einige
Vorschläge gemacht. Aber ernsthaft diskutiert wurden solche Verbesserungen unserer
Demokratie nicht.
Und noch was zum Politiker-Sprech der CDU (Wir unterstützen keine
Zweitstimmen-Kampagne der FDP). Der FDP fehlten dann nur rund 88.000 Stimmen zum Einzug
in den Bundestag. Diese hätte die CDU leicht verschmerzen können, wenn eine entsprechende
Zahl von CDU-Wählern ihr Kreuzchen taktisch auf der rechten Seite bei der FDP gemacht
hätten. Es ist nicht bekannt, wie Kanzlerin Merkel heute darüber denkt so sehr
schlau war es jedenfalls nicht, was sie vor der Wahl sagte.
Übrigens, auch wenn es zur Großen Koalition kommt, dann ist auch das nur eine
Minderheitsregierung! Denn dahinter stehen wie die Wahl zeigt nur 47,5 % der
Deutschen!
Zur 800. Ausgabe der »khd-Page«
Diese private Blog-Page wird 21
BERLIN/HOUSTON/TORONTO 25.9.2013 (khd).
Seit nun genau 21 Jahren ist meine private Homepage als »khd-Page« im Internet online. Am 25. September 1992 begann ich mit einem
zeitungsartigen Layout bei Webseiten zu experimentieren. Damit ist die »khd-Page« der
älteste Weblog (Blog) in Deutschland, auch wenn man das damals noch nicht so
nannte.
Es war die Zeit, wo ganz (West-)Berlin nur mit enem einzigen 2 MBit/s-Kanal ans weltweite Internet
angebunden war aber die Zahl der Nutzer war sehr überschaubar, so daß man damit
gut arbeiten konnte. Auch war gerade erst das Tabellen-Konstrukt für HTML-Seiten erfunden
worden, womit ich das Zeitungs- Layout realisierte. Es herrschte an den Unis, wo damals die
Protagonisten saßen (nicht in der Wirtschaft!!!), eine enorme Aufbruchstimmung. Wir wußten
sehr genau wenn auch von vielen als akademische Spinner belächelt, daß
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Von manchen Artikeln wurde inzwischen auch eine Fassung im
layoutgetreuen PDF publiziert.
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Dazu gibt es ein Verzeichnis der Artikel,
die bereits in dieser Sonderdruck-Form erschienen sind.
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wir am Entstehen von etwas ganz Großem mitwirken durften. Galt es doch, neben technischen
Verbesserungen, auch die völlig neuen Informationsverbreitungswege mit guten Text- und
Bild-Inhalten zu füllen natürlich alles kostenlos, denn wir wurden an den Unis ja
vom Steuerzahler bezahlt.
Am kommenden Sonntag (29.9.2013) wird nun bereits die Nr. 800 der »khd-Page« erscheinen.
Seit 1992 sind somit im Mittel 38 Ausgaben pro Jahr veröffentlicht worden. In den letzten 3
Jahren seit der Nr. 700 waren es
weniger. Denn man wird älter, und es gibt auch noch etliche andere Aufgaben, die im Internet
zu erledigen sind. Dabei standen zuletzt 2 Projekte im Vordergrund: Das völkerversöhnende
Portal Woldenberg/Dobiegniew und seit 2012 das stadtpolitische Portal
Prüfstein
Lichterfelde-Süd, deren Pflege viel Zeit benötigt. Beide sind aber aus
Inhalten der »khd-Page« hervorgegangen gehören also dazu.
Rückblick auf einige Themen
Auch in den letzten 3 Jahren gaben etliche Themen Anlaß für eine
kritische Berichterstattung und Kommentierung. Sehr umfangreich wurden
Umwelt- und Gesundheits-Themen behandelt:
Fukushima Sargnagel für AKWs,
Atomkraft-Ausstieg, der
Größter Dioxin-Skandal sowie
der urplötzliche Ausbruch einer
EHEC-Epidemie in Deutschland
machten deutlich, daß die schwarz-gelbe Bundesregierung nichts im Griff hatte (llse
Aigner/CSU!).
Mit den Sozial-Themen
Armut in Deutschland,
Mietrecht nicht auf Höhe der Zeit und
Wohnen wird immer teurer
wurde der Blick auf die Versäumnisse der Politik gelenkt. Auch das ärgerliche Thema der
Bevormundung durch die neo-liberale EU-Kommission mit
Glühlampen
verboten kam vor.
Von den Politk- und Wirtschafts-Themen sollen erwähnt werden:
Deutsche Bahn auf Abwegen und
der Dauerbrenner
S-Bahn-Chaos in Berlin.
Mit
Auf Private ist kein Verlaß wurde noch mal
daraufhingewiesen, daß es ein Riesen-Fehler war, staatliche Unternehmen zu privatisieren.
Für die Bürger haben sich nur Nachteile ergeben. Und die große Frage
Wo bleibt die Regulierung der Finanzmärkte?
wurde bislang von der Politik noch immer nicht beantwortet. Das dicke Ende der Krise wird noch
kommen.
Ein besonderes Stück gaben mit dem
Lehrstück Mauerpark Berlin
in Berln Investor-hörige Mittelmaß-Politiker. Es soll auch nicht vergessen werden,
daß es wieder einige neue aufschlußreiche
Abgeschmackt-Kolumnen
aus de Welt de politisch gewollten Geschmacksdiktatur gab. Die lange Liste der
Lebensmittel- Skandale
wurde fortgeschrieben.
[Artikel-Gesamtverzeichnis]
Zur Erinnerung an alte Ausgaben: (interne Links aktualisiert)
[05.01.1997:
Die 50. Ausgabe der »khd-Page«]
[13.06.1999:
Die 100. Ausgabe der »khd-Page«]
[08.12.2002:
Die 200. Ausgabe der »khd-Page«]
[07.12.2003:
Die 250. Ausgabe der »khd-Page«]
[04.07.2004:
Die 333. Ausgabe der »khd-Page«]
[15.05.2005:
Die 400. Ausgabe der »khd-Page«]
[03.09.2006:
Die 500. Ausgabe der »khd-Page«]
[16.11.2008:
Die 600. Ausgabe der »khd-Page«]
[22.08.2010:
Die 700. Ausgabe der »khd-Page«]
[14.08.2011:
Die 750. Ausgabe der »khd-Page«]
[29.09.2013:
Die 800. Ausgabe der »khd-Page«]
Bundestagswahl 2013
Kandidaten in Steglitz-Zehlendorf befragt /
Zu Lichterfelde-Süd und anderem /
Kommentierte Wahlergebnisse
BERLIN-LICHTERFELDE 14. Sept. 2013 (khd).
Bei den letzten Bundestagswahlen
2005 und
2009 wurde
hier ein relativ hoher Aufwand mit einer eigenständigen Berichterstattung und Kommentierung
getrieben. Dazu fehlt 2013 die Zeit. Und da trifft es sich gut, daß im eigenen Umfeld ein
riesiges Stadtplanungs-Problem
virulent geworden ist. Denn das lokal regierende Schwarz-Rot-GRÜN hat bislang kläglich
politisch versagt. Ein windiger Immo- Investor soll für sie alles auf 110 Hektar Stadtrandlage
richten. Obwohl seit langer Zeit vernünftige Konzepte auf dem Tisch liegen, interessert
hierzulande konstruktive Bürgerarbeit noch mmer nicht. Wenden wir uns also diesmal dem Lokalen
zu, und projizeren wir das auf den Bund als Entscheidungshilfe für die Stimmabgabe.
Im Wahlkreis 79 Berlin-Steglitz-Zehlendorf kandidieren als Direktkandidat/in für den Bundestag
Frau Dr. Ute Finckh-Krämer (SPD), Herr Karl-Georg Wellmann (CDU) und andere. Aber nur eine/r
von diesen beiden hat eine reelle Chance, den Wahlkreis zu gewinnen und sich im Bundestag für
die Belange von Lichterfelde-Süd ganz besonders einzusetzen. Deshalb wurden zunächst nur
diese zu Lichterfelde-Süd befragt. Aber auch die anderen Wahlkreiskandidaten, deren Partei eine
reelle Chance hat, in den Bundestag einzuziehen, wurden (teilweise modifiziert) befragt.
Das Ergebnis der Befragung gibt es auf einer
Webseite und auch auch als
PDF-Dokument (120 kByte) zum Ausdrucken.
Befragt wurden (in der Reihenfolge des Antwort-Eingangs):
[Antwort von Karl-Georg Wellmann (CDU, MdB)]
[Antwort von Dr. Ute Finckh-Krämer (SPD)]
[Antwort von Nina Stahr (GRÜNE)]
[Antwort von Gerwald Claus-Brunner (PIRATEN)]
[Antwort von Lampros Savvidis (LINKE)]
[Antwort von Dr. Martin Lindner (FDP, MdB)]
[Antwort von Dr. Hans-Joachim Berg (AFD)]
Mehr zum Thema:
[28.09.2009:
So wählte Steglitz-Zehlendorf 2009] (khd-research)
[02.09.2013:
Befragung via AbgeordnetenWatch.de] (khd-blog)
[16.09.2013:
Wahlkreis-Bericht] (DER TAGESSPIEGEL)
[17.09.2013:
Bundestagswahlen im Bezirk 2009 + 2013] (khd-research)
[23.09.2013:
Wahlkreis Steglitz-Zehlendorf in Zahlen] (khd-research)
Wahl-Prognosen
BERLIN 20.9.2013 (khd).
Man sollte seine privaten Computer nicht nur zum Internet- Surfen nutzen. Sie können sehr viel
mehr als nur E-Mails- oder Briefe- Schreiben. Sammelt man Wahl-Umfragen und Prognosen anderer, dann
läßt sich mit guter (selbstprogammierter!) Softwae auch eine eigene Wahl-Prognose mit
Fehlerbreite berechnen.
Und vielleicht sind solche Do-it-yourself- Vorhersagen auch noch besser. Denn dabei wurde aufs
‚Finishng‘ (Polieren) verzichtet, was alle Meinungsforscher praktizieren. Und jedes
dieser vielen Institute (inzwischen gbt's wohl mehr davon als Parteien) hat da seine eigene geheime
Methode. Wir werden sehen.
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Diesmal wagen wir eine Prognose. Grundsätzlich ist ein Patt zwischen den Lagern zu
erwarten: CDU + CSU + FDP = 44±1 %, SPD + GRÜNE + LINKE = 44±1 %. Eine der Neuen
(PIRATEN oder AFD) wird in den Bundestag einziehen. Sollte Rot-Rot-Grün zu knapp die Nase
vorne haben, dann wird es zur Neuauflage der Großen Koalition kommen zumindest für
die nächsten 2 Jahre...
(Grafik: 15.9.2013 khd-research) |
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ZDF-Prognose vom 19.9.2013 zum Vergleich. Dabei liegt Schwaz-Gelb mit 45,5 % vor dem linken
Lager mit 44,5 %. Weder die PIRATEN noch die AFD erreichen danach den Bundestag.
(Grafik: 20.9.2013 khd-research) |
Das Wahl-Ergebnis 2013
BERLIN 23.9.2013 (khd). Also spannend war
gestern dieser sehr lange Wahlabend. Dennoch gehen die Gedanken zurück an den 15. September
1957. Damals gab es noch keine Hochrechnungen, nur ausgezählte Ergebnisse per Radio. Wir
hofften damals bem langen Warten, daß Ollenhauer (SPD) die Wahl gewinnen möge. Aber
Konrad Adenauer (CDU) gelang dann sogar eine absolute Mehrheit von 50,2 %. Er hatte in
Rußland die letzten deutschen Kriegsgefangenen losgeeist. Da hatte Ollenhauer mt 31,8 % keine
Chance. Und der 2013-er Ollenhauer heißt Peer Steinbrück. Auch er hatte
keine Chance, zumal er auch noch nicht so innovativ war, voll auf Rot-Rot-Grün zu setzen.
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Die Union (CDU + CSU) gewinnt die Wahl, aber die mediokre FDP fliegt raus und den arroganten
GRÜNEN wird ein Denkzettel verpaßt. Die eigene Prognose wird damit nicht
bestätigt.
(Grafik: 23.9.2013 khd-research) |
Damit erlebten wir in der Wahlnacht ein historisches Wahlergebnis auch ein Ergebnis, das
Fehlregulationen unserer Demokratie deutlich macht. Wie kann es z. B. sein, daß eine Partei
schon mit einem Ergebnis von um 42 % die absolute Mehrheit im Parlament erreichen kann? Für
die Union könnte sich ihre fast erreichte absolute Mehrheit noch als ein Pyrrhus-Sieg
herausstellen. Denn das Wahlergebnis eröffnet 6 Möglichkeiten, wie Deutschland
demnächst regiert werden könnte. Und bei allen müßte die Union inhaltlich
mehr oder weniger Federn lassen:
- Große Koalition aus Union (CDU + CSU) + SPD (503 Sitze),
- Koalition von Union mit den GRÜNEN (374 Sitze),
- Koalition von SPD + LINKE + GRÜNE (319 Sitze), die aber von der SPD
abgelehnt wird,
- Koalition von Union + LINKE (375 Sitze), die aber extrem unwahrscheinlich ist,
und
- eine Allein-Regierung der Union, die sich dann bei den einzelnen Sachfragen
Unterstützung im Parlament suchen müßte (Minderheitsregierung).
- Zum Beispiel ein Minderheits-Kanzler Steinbrück (SPD) nach den Regeln des
Artikels 63 Grundgesetz (Absatz 3 + 4), wenn ein 3. Wahlgang notwendig werden
sollte und der Bundespräsident dessen Ergebnis akzeptiert sonst gibt es Neuwahlen.
Natürlich hat diese Variante 5 ihren ganz besonderen demokratischen Charme, aber Kanzlerin
Merkel (CDU) hat dieser Idee schon eine Absage erteilt. Und so bleibt eigentlich nur die
Große Koalition, denn die stark geschwächten GRÜNEN werden sich wohl kaum von der
Merkel total zerlegen lassen wollen. Die SPD ist da besser dran, kann sie doch der Union immer mit
dem Übergang zu einer rot-rot-grünen Regierung drohen.
Was aber ist, wenn sich GRÜNE und SPD der Union verweigern? Dann könnte die Variante 6
ins Spiel kommen, ohne daß es einer rot-rot-grünen Koalition bedarf. Es kommt dabei nur
auf das Abstimmverhalten der einzelnen Abgeordneten an. Allerdings müssten alle 319
Rot-Rot-Grünen für den SPD-Kandidaten stimmen, was eher unwahrscheinlich ist. Es bleibt
also weiterhin spannend.
Peer hat Schuld!
Neo-Liberaler verhagelte Stadtplanung /
Vernichtung von Arbeitsplätzen und Natur in Lichterfelde-Süd /
Keine Frischluftschneise am Mauerpark
BERLIN 20. Juni 2013 (khd). Wenn
Politiker handeln, sollten sie sich gut alle Folgen überlegen. Eigentlich eine
einfache Regel, aber meist wird sie ignoriert man will Macht demonstrieren. So tat das auch
ein Peer Steinbrück (SPD) in seiner Zeit als Bundesfinanzminister der
Großen Koalition (20052009). Und sein Handeln sollte fatale Folgen
für eine ordentliche Stadtplanung in Berlin haben, wie das heute in Lichterfelde-Süd und
am Mauerpark im Wedding zu beobachten ist. Er bereitete damit den Weg für Spekulanten, denen
das Gemeinwohl völlig egal ist.
Peer Steinbrück trägt die Verantwortung für den
Paket-Verkauf von Eisenbahn- Immobilien (VIVICO GmbH) des Bundes an die
österreichische CA-Immo, die daraus 2012 das Parks-Range-Areal in Lichterfelde-Süd und
Teile des Mauerpark-Geländes an die Berliner
Groth-Gruppe weiterverkaufte. Diese bereits planungsbefangenen Grundstücke
(Lichterfelde-Süd bereits
seit den
1970er-Jahren!) hätten aber damals unbedingt in öffentlicher Hand bleiben
müssen. Jeder Berliner Stadtplaner wußte das, denn es war ganz anderes geplant als eine
dichte Luxus-Wohnbebauung.
Im Wedding an der Grenze zu Pankow sieht der Flächennutzungsplan eine Parkanlage vor, die als
Frischluftschneise für die Berliner Innenstadt dient, nun aber wg. angeblichem
Platzmangels in der Stadt mit 500600 Wohnungen bebaut werden soll. In Lichterfelde-Süd
sollen 3000 (oder mehr) Wohnungen von der Groth-Gruppe (früher bekannt als Groth &
Graalfs) gebaut werden, obwohl die dort anzutreffende
Natur so wertvoll ist, daß alle Experten ein Landschaftsschutzgebiet
einfordern. Außerdem waren dort seit den 1970er-Jahren neue umweltfreundliche
Arbeitsplätze in einem Gewerbegebiet und Naherholungsflächen für die Anwohner planerisch vorgesehen.
[mehr zu Lichterfelde-Süd]
[mehr zum Mauerpark]
Was kungelte Steinbrück mit der CA-Immo?
BERLIN 10.8.2013 (khd). Obwohl Peer Steinbrück Kanzlerkandidat der SPD für
die Bundestagswahl im September 2013 ist, hat sich noch kein Journalist bemüht, Licht ins
Dunkel dieses neo-liberalen Deals von 2007 mit der
CA-Immo (Wien) zu bringen. Noch so einige Ungereimtheiten dürften zu
entdecken sein.
Im Abschnitt Bund verkauft die VIVICO ist das damalige Rahmengeschehen beschrieben. Es
ist aber schwierig, zu den wichtigen Details vorzudringen, zumal eine Mail-Anfrage beim heutigen
Schäuble-Ministerium unbeantwortet blieb. Sicher nimmt man einen privaten Internet-Blog dort
nicht ernst, aber andere Informationen besagen: Beim Verkauf der Bahn-Tochter
VIVICO GmbH an die CA-Immo ist es nicht mit
rechten Dingen zugegangen. So wurden die bundesweiten Immobilien der GmbH (insgesamt rund 8 Mio.
qm, allein in Berlin 3,3 Mio. qm) nicht vom Bund/Fiskus darauf untersucht, ob einige aus sehr
gewichtigem Grund im Besitz der öffentlichen Hand hätten bleiben müssen.
Für Berlin hätten zumindest vor dem VIVICO-Verkauf die Grundstücke am Gleisdreieck,
in Lichterfelde-Süd und der Mauerpark am Wedding aus dem GmbH-Vermögen herausgelöst
und wieder ins Eisenbahn- Immobilien- Vermögen übernommen werden müssen. Aber im
Gegenteil: Das Ministerium soll, wie jetzt aus Senatskreisen zu erfahren war, im Sommer 2007 bei der
mit der Abwicklung beauftragten Kanzlei White & Case auf einen schnellen Kaufabschluß
gedrängt haben (vielleicht ahnten sie ja die aufziehende Immobilien/Finanz-Krise).
Interessant ist, daß die CA-Immo nach dem Verkauf, als ihr auffiel, daß sie in
Lichterfelde-Süd einen unbebaubaren Wald (am Japaneck) mitgekauft hatte, diese Fläche
wieder ins Eisenbahn-Vermögen zurückübertragen ließ (und dann mit dem Zeichnen
von Golfplatz-Plänen begann). Da damals eine komplette Firma vom Bund verkauft
wude, konnten offensichtlich Vorkaufsrechte nach dem Baugesetzbuch der einzelnen Kommunen nicht zur
Anwendung kommen, denn der Eigentümer der Grundstücke änderte sich ja dabei nicht.
Erst später (2011) wurde dann die VIVICO GmbH in die CA-Immo AG inkorporiert (vermutlich ein
weiterer Trick). Genaueres war darüber bislang nichts zu erfahren.
Im Sommer 2012 wird im Berliner Bezirk Mitte besonders deutlich, daß zwischen den
Bau-Interessen der CA-Immo und der SPD eine große Affinität besteht. Brutal wird dort
von der SPD mit den Stimmen von CDU-Hilfstruppen sowie intensiver Unterstützung des
Bau-Staatsekretärs Ephraim Gothe (der übrigens 2007 Baustadtrat in Berlin-Mitte war) die
Teilbebauung des berühmten Mauerpark-Grundstücks im Handstreich gegen die
Bürgerinteressen durchgesetzt. Es gilt als sicher, daß zu diesem Zeitpunkt
der SPD bereits bekannt war, daß die CA-Immo dieses Grundstück wie auch das in
Lichterfelde-Süd an die Berliner
Groth-Gruppe verkaufen wird, und man dann auf gar keinen Fall das Vorkaufsrecht
der Kommune ausüben werde. Die Verkaufsverhandlungen waren bereits weit gediehen.
Was weiß wohl heute Peer Steinbrück noch von diesem ziemlich undurchsichtigen
Geschäft von 2007/08, das der Bahn einst den Weg an die Börse ebnen sollte, aber
vielerorts menschengerechte
Stadtplanung kaputtmacht? Aber der Kandidat inzwischen sogar betroffener
Weddinger Bürger (wohnt als Baugruppist dicht beim Mauerpark) wird
als gelernter Volkswirt sicher explizit erklären können, warum denn sein Zug zum
Spekulativen und nicht zum Sozialen volkswirtschaftlich sinnvoll war und hier eben die
sozialen Interessen der Bürger total hintanstehen mußten bzw. müssen...
Mehr zum Thema:
[12.07.2007:
Verkauf der Bahn-Tochter Vivico soll 1 Mrd. Euro bringen] (DIE WELT)
[10.08.2007:
Vivico-Privatisierung: Reges Interesse der Investoren] (Immobilien-Brief Nr. 146)
[10.07.2010:
Was wird da in Lichterfelde-Süd geplant?] (khd-Blog)
[20.06.2011:
CA Immo benennt Vivico um] (DIE PRESSE)
[00.06.2012:
Lehrstück Mauerpark Berlin] (khd-research)
[13.06.2012:
Brutaler SPD-Einsatz für Interessen der CA-Immo] (BVV Berlin-Mitte)

Heute: Manipulierte Zitrus-Früchte
Vom Nivellieren des Geschmacks 10
Geschmackseinbußen durch absurde Praktiken /
Orangen & Co werden systematisch entgrünt
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Noch grünliche Orangen schmecken meist besser!
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BERLIN 26. Dezember 2012 (khd). Zu Beginn des 21. Jahrhunderts ist zu beobachten,
daß Lebensmittel- Industrie und -Handel sowie manche Erzeuger immer stärker eine
Geschmacks-Diktatur aufbauen. Viele schmackhafte Produkte gibt es nicht mehr, andere schmecken
widerlich. Der Trend geht zum Einheitsgeschmack auf niedrigem Niveau. Aber wollen wir das
wirklich? In der Kolumne Abgeschmeckt | Abgeschmackt sollen in lockerer Folge besonders
auffällige Beispiele aus dem täglichen (Koch-) Leben aufgespießt werden.
[Zum Archiv der Kolumne]
Ältere werden sich noch erinnern: Früher konnte man von Apfelsinen
(Orangen) problemlos
die aromatische Schale zum Kochen und Backen verwenden, um z. B. eine wunderbare Orangen-Sauce zur
gebratenen Ente zuzubereiten oder um eine Do-it-yourself- Limonade anzusetzen. Das geht schon lange
nicht mehr. Denn fast alle im Handel erhältlichen Orangen sind heute in mehrfacher Hinsicht
mit ‚Chemie‘ behandelt. Das müßte nicht sein.
Zunächst begann man die Früchte zu wachsen, was ja noch ging, denn das ließ sich mit
heißem Wasser abwaschen. Seit aber die Orangen mit Anti-Schimmelpilzmitteln behandelt werden,
kann man die Schale vergessen. Sie ist ungenießbar. Denn diese Mittel lassen sich nicht mit
heißem Wasser entfernen. Während man unbehandelte BIO-Zitronen schon häufiger in
den Lebensmittel-Ketten antrifft, sind BIO-Orangen dort fast nie erhältlich.
[weiter]
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